Der USA Taliban Mythos /Virulenz moderner Mythen

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Platon
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Re: Der USA Taliban Mythos /Virulenz moderner Mythen

Beitragvon Platon » Fr 10. Nov 2017, 18:20

Neandertaler hat geschrieben:(24 Oct 2017, 22:29)

Kurze Anmerkung vorweg an die Redaktion, das Thema ist bewusst hier erstellt wurden ich will weniger über Konflikte in Afghanistan und die US Politik diskutieren als über die Verbreitung von Mythen in einer Modernen Gesellschaft der eigentlich alle Möglichkeiten der Recherche offenstehen.

Der Taliban USA Mythos besagt das die USA die Taliban unterstützt ,wenn nicht sogar aufgebaut haben, als Gegner der Sowejts während der sowjetischen Afghanistan Intervention. Später haben die Taliban sich gegen ihren einsteigen Föderer gewandt bzw. dieser hat die Kontrolle verloren -> Krieg in Afghanistan. So eine Art politische Militärische Version des Zauberlehrlins. Diese Gesichter ist weit verbreitet ich traf sie sowohl in Foren als auch Kantinen Gesprächen.
Nur sie ist ganz offensichtlich falsch: die Russen zogen 1989 aus Afghanistan ab (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sowjeti ... prov=sfla1) die Taliban (https://de.wikipedia.org/wiki/Taliban?wprov=sfla1) tauchten 1994 erstenmal in Afghanistan auf*. Diese Mythos ist also im Gegensatz zu mancher, auch noch so absurden Verschwörungstheorie, ganz einfach zu widerlegen.

Trotzdem existiert er. Ich stehe da ehrlich gesagt vor einem Rätsel. Warum kann eine so offensichtlich falsche Geschichte sich so weiterverbreiten? Wie ist das möglich im Zeitalter von Wikipedia?

*dir Taliban sind auch keineswegs Nachfolger der Mudschaheddin, die Gruppen die die USA wirklich gegen die Sowejts unterstützt hat, das wäre eher die Nordallianz, die afghanischen Taliban Gegner mit denen die USA nach 9/11 die Taliban kurzfristig aus Afghanistan vertrieben. Die USA haben aber in der Tat militante islamische Gruppen unterstützt mit zweifelhaften Folgen für die Gegenwart nur das soll wie gesagt hier nicht das Thema sein.

In Politik und Geschichte geht es vor allem immer um die Wirkung und die Wirkkraft von Erzählungen. Das heißt von Mythen oder man sagt auch gerne Narrativ dazu. Im Falle von Afghanistan spielt das eine wichtige Rolle, weil es als "politische Metapher" eine wichtige Rolle spielt. Das heißt es werden zwei Ereignisse als vergleichbar hingestellt.

Beispielsweise war Afghanistan in den 80ern das "Vietnam der Sowjetunion" und die USA haben nach 9/11 ihr "eigenes Afghanistan" bekommen. Damit ist gemeint, dass man in einem fernen Land einen Abnutzungskrieg gegen eine starke Guerilla-Kraft führt, den man auf Dauer nicht gewinnen kann und der nur sinnlos Ressourcen verbraucht, viele Menschenleben kostet und ein Land in Schutt und Asche legt.
Auch ist immer wieder von einem "zweiten Nordkorea" die Rede, wenn es um eine mögliche Atombombe z.B. des Iran geht. Also die Entwicklung von Trägerraketen und Atomsprengköpfen trotz Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft und die die umliegenden Länder in die Position versetzen langfristig eine unterlegene Macht als Atomstaat anzuerkennen.

Die Bedeutung von Erzählungen ist auch offensichtlich in den Konflikten in Syrien oder Palästina. Das heißt wie war es nun? Gab es 2011 einen friedlichen Aufstand, der gewaltsam unterdrückt wurde und dann keine Wahl hatte als sich zu bewaffnen oder gab es 2011 einigen Unmut in der Bevölkerung, der dann aber durch das Ausland und radikale Islamisten zu einem Bürgerkrieg angestachelt wurde?
Haben sich in Palästina die Araber oder die Juden zuerst feindlich verhalten? Wer hat die Kriege begonnen und gab es einen organisierten Plan Araber aus den heutigen Kerngebieten Israels zu vertreiben bzw. haben/hatten die Palästinenser vor einen zweiten Holocaust zu veranstalten etc.

Ich denke, dass der Taliban-USA-Mythos, wie du ihn dargestellt hast, sehr wichtig ist hinsichtlich der Interpretation des 11. September, dem daran anschließenden Krieg gegen den Terror und der US-Politik bei bewaffneten Aufständen in der Region insgesamt. Ich glaube, dass beim 11ten September die anti-amerikanische Fraktion ein Problem damit hat, dass die USA tatsächlich aus heiterem Himmel Opfer einer Aggression von außen wurden. Also gibt es die Möglichkeit die Geschichte so zu interpretieren, dass sie selbst schuld seien, weil sie sozusagen al Qaida selber hergestellt haben auf die ein oder andere Weise. Ebenso passt die Geschichte sehr gut in Erzählungen, welche den Nahen und Mittleren Osten primär als Opfer imperialistischer Aggression sehen und dabei die Rolle der dortigen Politiker und Eliten als Ursache von Krieg, Instabilität und Leid ausblenden.
Die pro-Iran-Block-Fraktion sieht ja in den USA immer die Wurzel allen Übels, das in der Region passiert. Was ja dann dazu führte, dass man einerseits den IS als Projekt der USA und Israel darzustellen versucht, andererseits sich im Irak dann von genau derselben USA aus der Luft bei Offensiven gegen den IS unterstützen lässt. Der Versuch irgendwie nachzuweisen, dass ja eigentlich die USA hinter al-Nusra und dem IS stecken zieht sich ja durch die gesamte Propaganda von Assad/Hisbollah/Iran und der Russen.

Ich denke daher, dass die Virulenz von Mythen sehr viel mit politischen Meinungen und Strömungen zu tun hat, weil man eher die Mythen für wahr hält, die ins allgemeine Weltbild und die politischen Präferenzen passen. Diese werden dann nicht weiter hinterfragt und so kommen dann Dinge zustande, die ungenau oder schlicht falsch sind. Die Proapaganda liefert dann gezielt solche Mythen um die eigenen Anhänger mit einer Weltsicht auszustatten und diese im besten Fall als den Erzählungen der anderen Meinungsmacher gleichgestellt oder ja eigentlich richtig darzustellen.

Es gibt die Idealvorstellung, dass das Internet und Wikipedia eine größtmögliche Aufklärung und größtmögliche Selbstständigkeit und Freiheit im Auffinden von Informationen ermöglicht. Aber faktisch werden Informationen nur selektiv konsumiert und sofern sie der eigenen Erwartungshaltung nicht widersprechen nicht weiter hinterfragt, weswegen man sehr häufig Leute antrifft die starke Meinungen aber nur über wenige Informationen verfügen.
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Re: Der USA Taliban Mythos /Virulenz moderner Mythen

Beitragvon Neandertaler » Fr 8. Dez 2017, 22:04

Woppadaq hat geschrieben:(10 Nov 2017, 17:47)

...und als Beispiel einen Mythos genommen, der nicht wirklich einer ist. Blöd gelaufen halt.

:?: ähhmm doch

Woppadaq hat geschrieben:(09 Nov 2017, 20:13)

eine weitere Quelle von Wikipedia:

"Pakistan has a history of military support for different factions within Afghanistan, extending at least as far back as the early 1970s. During the 1980s, Pakistan, which was host to more than two million Afghan refugees, was the most significant front-line state serving as a secure base for the mujahidin fighting against the Soviet intervention. Pakistan also served, in the 1980s, as a U.S. stalking horse: the U.S., through the Central Intelligence Agency (CIA), granted Pakistan wide discretion in channeling some U.S.$2-3 billion worth of covert assistance to the mujahidin, training over 80,000 of them.88 Even after the withdrawal of Soviet troops in 1989, serving and former Pakistani military officers continued to provide training and advisory services in training camps within Afghanistan and eventually to Taliban forces in combat (see below)."


( Human Rights Watch )


Eben, die Taliban tauchten unterstützt vom Pakistanis, nicht den Amerikaner, erst auf als Sowjets und Amerikaner schon lange draußen waren
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Re: Der USA Taliban Mythos /Virulenz moderner Mythen

Beitragvon Neandertaler » Fr 8. Dez 2017, 22:16

Platon hat geschrieben:(10 Nov 2017, 18:20)

In Politik und Geschichte geht es vor allem immer um die Wirkung und die Wirkkraft von Erzählungen. Das heißt von Mythen oder man sagt auch gerne Narrativ dazu. Im Falle von Afghanistan spielt das eine wichtige Rolle, weil es als "politische Metapher" eine wichtige Rolle spielt. Das heißt es werden zwei Ereignisse als vergleichbar hingestellt.
da scheint auf jeden Fall etwas dran zu sein

Was ich mich frage ob solche Mythen bewusst erfunden werden oder unbewusst entstehen.

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