wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

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Nomen Nescio
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Nomen Nescio » So 17. Sep 2017, 18:01

Dieter Winter hat geschrieben:(17 Sep 2017, 12:39)

Von der ich überzeugt bin. Hitler ließ von Anfang an keinen Zweifel daran:

http://www.deutschlandfunk.de/kein-jude ... _id=126887

das antikapitalismus verschwand völlig. das war die ursache daß eigentlich von zwei flügeln gesprochen werden konnte: die südliche NSDAP von hitler und die westliche von den brüdern strasser. das süden gewann.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Zunder
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Zunder » So 17. Sep 2017, 23:44

Jekyll hat geschrieben:(16 Sep 2017, 22:26)
Wenn man davor "deutsche..." setzt schon. Und wenn du dir meinen Satz jetzt genauer anschaust (das ist der Satz, auf den du gerade geantwortet hast), wirst du entdecken, dass ich tatsächlich genau das geschrieben habe...deutsche Kultur.
(Allerdings wäre aus einem höheren Blickwinkel aus betrachtet Kultur ohne eine weitere Spezifikation auch eine Eigenschaft, aber das würde jetzt zu weit führen.)

Die Kultur wird auch dann nicht zur Eigenschaft, wenn man ein Adjektiv davor setzt.
Das Adjektiv benennt die Eigenschaft des Substantivs. Das ist nicht nur in der deutschen Sprache so.

Jekyll hat geschrieben:(16 Sep 2017, 22:26)
Das ist richtig, aber beim hiesigen Strangthema geht es nunmal ausdrücklich um die Schuldfrage (sie nochmal hin...da steht tatsächlich "wer hat schuld?"). Der Blick ist hier rückwärts gewandt und ist auf der Suche nach Ursachen. Die Nachkriegszeit ist hier nicht das Thema.

Die Verknüpfung von Kultur und Kollektivschuld stammt von dir.

Jekyll hat geschrieben:(16 Sep 2017, 22:26)
Also, wer war's? Die Nazis? Die Deutschen? Oder die deutsche Kultur? Oder gar eine Mixtur derselben?

Die Frage kannst du dir doch leicht beantworten.
Wer ist schuld am Armenier-Genozid?
Die Jungtürken? Die Türken? Oder die türkische Kultur? Oder gar eine Mixtur derselben?

Wenn du deine Antwort auf die deutsche Geschichte überträgst, hast du die Frage beantwortet. Jedenfalls für dich.

Jekyll hat geschrieben:(16 Sep 2017, 22:26)
Da muss mir was entgangen sein. Wer außer den deutschen Braunen hegt Ambitionen, die hiesige Nachkriegs-Erinnerungskultur zu ignorieren oder sonstwas damit anzustellen? Wer??

Daß dir manches entgeht, ist bekannt.

Die besondere Verpflichtung, die sich aus der spezifisch deutschen Erinnerungskultur ergibt, wurde von Linken schon negiert, bevor die RAF mit der PLO zusammenarbeitete. Einer der widerlichsten Protagonisten des linken Antisemitismus war Dieter Kunzelmann.

"Am 9. November 1969, dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, wurde ein Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin verübt, zu dem sich kurz darauf in einem Flugblatt eine linksradikale Gruppe namens „Schwarze Ratten/Tupamaros West-Berlin“ bekannte. Als deren Kopf gilt Kunzelmann."
https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Kunzelmann

Der Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München vom 13. Februar 1970 ist bis heute nicht aufgeklärt. Es spricht vieles für eine Tat der Tupamaros.

Ulrike Meinhof:
"Auschwitz heißt, dass sechs Millionen Juden ermordet und auf die Müllkippe Europas gekarrt wurden als das, als was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch. Mit der Vernichtung von sechs Millionen Juden wurde die Sehnsucht der Deutschen nach Freiheit von Geld und Ausbeutung mit ermordet... Ohne dass wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen - denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging -, können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren."

https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Me ... _und_Juden

Diese Linke ist marginalisiert, aber nicht verschwunden.

Einen anderen ideologischen und kulturellen Hintergrund haben jene deutschen Staatsbürger, die auf offener Straße skandieren: "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!" Ein Nazi würde sich das möglicherweise gar nicht trauen.

Ich kenne Aydan Özoğuz zu wenig, um beurteilen zu können, ob ihre Behauptung von der Nichtidentifizierbarkeit einer spezifisch deutschen Kultur jenseits von Sprache nur Ausdruck von Dummheit und Ignoranz war, oder ob sie gezielt diese sehr spezifisch deutsche Kultur der Erinnerung eliminieren möchte. Mal abwarten, ob sie diesbezüglich noch etwas verlauten läßt.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Zunder » So 17. Sep 2017, 23:46

Allenstein hat geschrieben:(16 Sep 2017, 23:09)
Irgendwann muß dann auch mal ein Schlußstrich gezogen werden.

Das entscheiden die Braunbatzen auch dann nicht, wenn sie in den Bundestag einziehen.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Allenstein » Mo 18. Sep 2017, 12:16

Zunder hat geschrieben:(18 Sep 2017, 00:46)
Das entscheiden die Braunbatzen auch dann nicht, wenn sie in den Bundestag einziehen.

edit Mod. Beseitigung revisionistischer Hetze

81 Prozent der Deutschen möchten die Geschichte der Judenverfolgung "hinter sich lassen", sagt nun eine Studie der Stiftung. 58 Prozent möchten definitiv einen "Schlussstrich" ziehen.


http://www.sueddeutsche.de/politik/deut ... -1.2319728
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Bleibtreu » Mo 18. Sep 2017, 12:39

Das spricht eine deutliche Sprache - Deutschland wird fuer Juden offensichtlich immer prekaerer.
DAS zum Gelaber hier rumtobender AFDler, sie waeren fuer Juden und Israel. Da kann ich nur noch lachen. :cool:
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Europa2050 » Mo 18. Sep 2017, 12:44




Welchen Schlussstrich möchtest Du denn ziehen?

Dass mir als zwei Generationen später geborener noch einer diese Gräuel ernsthaft persönlich vorwirft, hab ich in über 50 Jahren nicht erlebt.
Finanzielle Leistungen erfolgen noch an die wenigen lebenden Opfer, das ist auch gut so.
Für Die Erwähnung und Diskussion als historischen Fakt gibt es keinen Schlussstrich - schließlich wurde in der Beziehung unter das römische Reich auch noch kein Schlusstrich gezogen.

Und das mit dem Beschmutzen des Andenkens - das haben die Grossväter und Grossmütter schon selbst gemacht - und zumindest meine wussten das auch.

Was man aber sehr gut von den Nachfahren der einstigen Täter/Mittäter/Wegseher verlangen kann: Daraus die Folgerung "Nie wieder" zu ziehen und zu sehen, das Nationalismus die Einstiegsdroge ist.
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Allenstein » Mo 18. Sep 2017, 12:51

Bleibtreu hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:39)
Das spricht eine deutliche Sprache - Deutschland wird fuer Juden offensichtlich immer prekaerer.


Warum sollte es für Juden in Deutschland deshalb prekärer werden, wenn die Deutschen die Nazis und nicht ihre Großmütter und Großväter für den Holocaust verantwortlich machen?

Deutschland wird für Juden prekärer, weil eine antideutsche Bundesregierung Millionen arabischer Männer unkontrolliert nach Deutschland gelassen hat, die aus Ländern kommen, in denen "Die Protokolle der Weisen von Zion" ein Verkaufsschlager sind und wo seit Jahrzehnten davon geträumt wird die Juden aus Israel ins Mittelmeer zu treiben.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon BingoBurner » Mo 18. Sep 2017, 13:34

Allenstein hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:51)

Warum sollte es für Juden in Deutschland deshalb prekärer werden, wenn die Deutschen die Nazis und nicht ihre Großmütter und Großväter für den Holocaust verantwortlich machen?

Deutschland wird für Juden prekärer, weil eine antideutsche Bundesregierung Millionen arabischer Männer unkontrolliert nach Deutschland gelassen hat, die aus Ländern kommen, in denen "Die Protokolle der Weisen von Zion" ein Verkaufsschlager sind und wo seit Jahrzehnten davon geträumt wird die Juden aus Israel ins Mittelmeer zu treiben.


Ist das dein Ernst ?
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon BingoBurner » Mo 18. Sep 2017, 13:46




"daß linke Deutschlandverächter und pathologische Schuldneurotiker"

Was willst du mit diesen Prozentzahlen eigentlich ausdrücken ?
Irgendwie andeuten das du eigentlich gegen die Demokratie bist ?

Jetzt mal ernsthaft......jetzt atmet ihr Atemluft von 10-15 meinetwegen 20 Prozent ?
War klar das jetzt man schon mal das Wort "Juden" in Wort und Schrift erwähnen darf.

Dann will ich auch mal....."Das ist eine Judenhure" (Die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist damit gemeint) kennst du vielleicht.

Zuletzt geändert von BingoBurner am Mo 18. Sep 2017, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Allenstein » Mo 18. Sep 2017, 13:59

Europa2050 hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:44)Finanzielle Leistungen erfolgen noch an die wenigen lebenden Opfer, das ist auch gut so.


Wo sind denn die ganzen Milliarden eigentlich hingegangen, die von der Bundesrepublik Deutschland bereits als Wiedergutmachung gezahlt wurden? Wenn man dieses ganze Geld an die Überlebenden verteilt hätte, müßten die heute eigentlich alle einen recht wohlhabenden Lebensabend verbringen.

Viele dieser Menschen leben heute aber in Israel in Armut und der israelische Staat kümmert sich nicht um sie. Und die Bundesregierungen der letzten Jahre haben lieber atomwaffenfähige U-Boote im Wert von knapp einer Milliarde Euro an Israel verschenkt, anstatt einen Bruchteil dieser Summe direkt den noch lebenden Holocaustüberlebenden zu spenden.

Die linke, "antifaschistische" DDR hat übrigens in all den Jahren keinen einzigen Pfennig Wiedergutmachung gezahlt.

Europa2050 hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:44)Für Die Erwähnung und Diskussion als historischen Fakt gibt es keinen Schlussstrich - schließlich wurde in der Beziehung unter das römische Reich auch noch kein Schlusstrich gezogen.


Es geht auch nicht um die Erwähnung dieses historischen Ereignisses, sondern um die Deutung und den Raum, den wir ihm in unserer nationalen Identität und Erinnerungskultur einräumen.

Europa2050 hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:44)Was man aber sehr gut von den Nachfahren der einstigen Täter/Mittäter/Wegseher verlangen kann: Daraus die Folgerung "Nie wieder" zu ziehen und zu sehen, das Nationalismus die Einstiegsdroge ist.


Viele Gegner Hitlers und des NS-Regimes waren Nationalisten. Die Gründer des Deutschen Kaiserreiches waren Nationalisten und selbst in der Weimarer Republik waren die meisten Deutschen Nationalisten. Die meisten deutschen Juden waren damals Nationalisten, viele waren als Kriegsfreiwillige 1914 voll Patriotismus und Begeisterung für ihr deutsches Vaterland in den Krieg gezogen.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Europa2050 » Mo 18. Sep 2017, 14:20

Allenstein hat geschrieben:(18 Sep 2017, 14:59)
Viele Gegner Hitlers und des NS-Regimes waren Nationalisten. Die Gründer des Deutschen Kaiserreiches waren Nationalisten und selbst in der Weimarer Republik waren die meisten Deutschen Nationalisten. Die meisten deutschen Juden waren damals Nationalisten, viele waren als Kriegsfreiwillige 1914 voll Patriotismus und Begeisterung für ihr deutsches Vaterland in den Krieg gezogen.


Ja, und all derer Bilanz in den 100 Jahren zwischen 1850 und 1950 war jetzt für Deutschland nicht so wirklich prickelnd.
Gilt übrigens für die Nationalisten in den anderen Ländern genau so, die es in knapp 100 Jahren beinahe geschafft haben, Europa komplett zu ruinieren.
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:

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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 18. Sep 2017, 14:34

Allenstein hat geschrieben:(18 Sep 2017, 14:59)

Die linke, "antifaschistische" DDR hat übrigens in all den Jahren keinen einzigen Pfennig Wiedergutmachung gezahlt. ...


Da irrst Du jetzt aber fundamental .... :cool:
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Agesilaos Megas » Di 19. Sep 2017, 04:54

Dieter Winter hat geschrieben:(17 Sep 2017, 12:39)

Von der ich überzeugt bin. Hitler ließ von Anfang an keinen Zweifel daran:

http://www.deutschlandfunk.de/kein-jude ... _id=126887

Ja, der in dieser Leidenschaftlich propagierte Antisemitismus unterschied ihn von anderen nationalistischen Kräften jener Zeit, die z. T. in dieser Frage weit moderater waren. Jakob Wassermanns Buch "Mein Weg als Deutscher und Jude" gibt imho ein recht gutes zeitgenössisches Stimmungsbild ab.


Vielen Dank für die Empfehlung.

Emotional und moralisch teile ich Deine Überzeugung und gehe sogar weiter, einen latenten, vllt. sogar geschichts- oder "kultur"inhärenten Antisemitismus unter den Deutschen zu vermuten (Judenemanzipation, 1848, Reichsgründung und Reaktion, Treischke, Revolution, Republik und erneute Emanzipation), objektiv jedoch bestehe ich darauf, zu differenzieren. Rechtsradikale, ja, Nationalkonservative, größtenteils. Zentrum? Vllt. Der Hindenburg- und/oder Hitler-Wähler? Nicht nachweisbar. Motivierte etwa Antisemitismus ehemalige DDP-Wähler (trotz Rathenau), Hitler zu wählen? Es stehen immer noch zu viele Fragezeichen, inwieweit der Antisemitismus Garant für den Erfolg der NSDAP war. Die NSDAP in der Weimarer Republik, der AfD heute bzgl. der Islamophobie nicht ganz unähnlich (keine Beleidigung intendiert, sondern Analyse der Methodik), war keine monothematische Partei, sondern hatte zu allem etwas zu sagen - daher auch eine Partei der Widersprüche und großen Versprechen. Hitler selbst spielte bei der Verführung der Menschen ein listiges Spiel mit der Judenfrage und schwieg später lieber, um den "Philanthropen" zu mimen. Noch heute fallen Neo-Nazis und Neurechte auf die Taktik Hitlers herein, wenn sie seine Judenpolitik verharmlosen wollen. Hitler selbst erkannte doch am besten, dass sein radikaler Antisemitismus im In- und Ausland auf Ablehnung stieß. Umso mehr er nach 1928 das bürgerliche Lager umwarb, desto weniger sprach er über die Juden. Diese Inkonsistenz war gewollt. G. Paul spricht von einer "graduellen Revision" des Antisemitismus, eine Art "taktischer Zurückhaltung". Ob sie ab 1928 oder ab 1930 stattfand, und inwieweit sich die Parteibasis daran hielt, bleibt fraglich. Hitler als Leitfigur jedoch prägte diese Taktik. Was, glaube ich, man jedoch mit größerer Sicherheit sagen kann: Es existierte eine breite Empathielosigkeit für das Schicksal der Juden und anderer Minderheiten in der dt. Gesellschaft. Das beste Beispiel ist doch Silverberg, jüdisch und Kapitalist, gemäßigt, der Hitlers Kanzlerschaft finanziell und politisch unterstützte. Ich denke nicht, dass Antisemitismus seine große Triebfeder gewesen ist, vllt. war es die Illusion einer Realpolitik. Er selbst unterstützte ja noch vor Hitler die SPD. Was ich sagen will: Objektiv betrachtet ist das Thema unbedingt Gegenstand der Differenzierung.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Agesilaos Megas » Di 19. Sep 2017, 05:16

Nomen Nescio hat geschrieben:(17 Sep 2017, 11:34)

hallo AM,

schön dich wieder zu begegnen. wie gewöhnt hast du einen verwickelten, aber guten beitrag geschrieben. ;)
es wird mir einige zeit kosten die verschiedenen themen zu beurteilen bevor ich darauf reagieren kann.

eine zeile sprang aber sofort heraus, und die habe ich denn auch zitiert. sie gibt eigentlich wahnsinnig gut wieder wie man das handeln der damaligen menschen beurteilen kann/soll. also nicht »was hast du getan?«, sondern »was hast du nicht getan«.
für mich hast du hier eine ganz neue perpektive gezeigt. DANKE !!


Vielen Dank. Und gerade das ist ein heißes Eisen! Verantwortung impliziert eine zeitlose individuelle Verbindlichkeit. Es ist schwer, sich davon zu distanzieren. Schuld fokussiert das Geschehene und macht es leicht, sich davon zu distanzieren. Einige Menschen wollen immer wieder einen "Schlußstrich" unter diese Sache ziehen, auch in diesem Strang. Was ich aber von jenen Leuten nie höre oder lese, ist, dass sie dennoch bereit wären, die individuelle Verantwortung dafür anzuerkennen, mit keiner Minderheit jemals wieder dasselbe zu machen. Ersetzen wir doch einmal "Juden" durch "Moslems", "Homosexuelle" etc.

Eine kleine Anekdote meiner Großmutter, die von Historikern als "Berliner Widerstandskämpferin" gelistet ist, auch wenn ich persönlich weiß, dass sie keinen Widerstand leisten wollte:

Sie wohnte in Berlin nahe einer Bahnstrecke, auf der einmal ein Zug mit (fr.?) Gefangenen hielt. Sie war im Garten bei der Arbeit und sah die Männer. Aus Mitleid gab sie ihnen ihr Brot. Eine Nachbarin verpetzte sie bei der Gestapo. Sie wurde von derselben abgeholt und verhört. Sie bestritt alle Vorwürfe ("Versorgung von Gefangenen mit Lebensmitteln") und da ihr Mann, mein Großvater, zum rechten Lager gehörte (nahm am Kapp-Putsch teil, Reichswehr und Wehrmacht), glaubte die Gestapo ihr.

Selbst pures Mitleid war ein Verbrechen gegen die Nazi-Ideologie. Und eine kleine Geste konnte den Kreislauf behindern (sog. "passiver Widerstand"), selbst wenn ungewollt. Aber Du siehst: Selbst dann hielt die dt. Gesellschaft gegen das Mitleid zusammen und holte die Gestapo. :(
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Agesilaos Megas » Di 19. Sep 2017, 05:28

Allenstein hat geschrieben:(18 Sep 2017, 13:16)

Die AfD wird im Bundestag der Anwalt des deutschen Volkes sein, das mehrheitlich den Schlußstrich ziehen will und nicht mehr bereit ist zu akzeptieren, daß linke Deutschlandverächter und pathologische Schuldneurotiker den Namen unserer Nation in den Dreck ziehen oder das Andenken unserer Großväter und Großmütter beschmutzen.


Mh, Du zeichnest aber klare Mehrheiten und Feindbilder. Moslems, Linke und "Nestbeschmutzer". Und Du als Kenner und Sprecher der absoluten Mehrheit. Diesbezüglich: Ich glaube, hättest Du nicht Deinen Schlussstrich gezogen, dann hättest Du auch eine wichtige historische Lektion gelernt. Dass Du sie aber wohl nicht gelernt hast, trägt nicht sehr zur Rettung des Andenkens Deiner "Großväter und Großmütter" bei.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Nomen Nescio » Di 19. Sep 2017, 09:16

Allenstein hat geschrieben:(18 Sep 2017, 14:59)

Wo sind denn die ganzen Milliarden eigentlich hingegangen, die von der Bundesrepublik Deutschland bereits als Wiedergutmachung gezahlt wurden? Wenn man dieses ganze Geld an die Überlebenden verteilt hätte, müßten die heute eigentlich alle einen recht wohlhabenden Lebensabend verbringen.

selten habe ich eine derartige abstruse logik gelesen.

ich bin kein deutscher, habe also nicht das »problem der deutschen«. auch bin ich kein jude, fühle mich also nicht direkt beteiligt. dennoch, was du hier sagst, ist wirklich erschreckend. hoffentlich schreibst du hier nicht stellvertretend für »die deutschen«.

1. »die ganzen milliarden«... um wieviel milliarden geht es ? wieviel ist ein menschenleben wert ? wieviel haben die deutschen von nur den deutschen juden geklaut. hast du gedacht an zinsenszinsen ? hast du überhaupt eine berechnung über die höhe der »verschuldeten« gelder ? sonst ist es nur »populistischen gelaber« wenn nicht schlimmer.

2. darfst DU beurteilen wer eventuell wieviel bekommt ? »bereits« bedeutet daß du einräumst daß noch mehr bezahlt werden kann.
was zu denken von den organisierten versteigerung des jüdischen inventars. daran haben viel deutschen sich beteiligt.

3. gibt es keine erben, die rechten haben? und dann die gesamtheit der juden, die z.b. synagogen verlor.

ein wohlhabender lebensabend? was nennst du wohlhabend? menschen die entwurzelt sind. von wen habe, gut und stelle abgenommen wurde. es fehlt noch daß du sagst »genießen« statt »verbringen«.
was denkst du von seelischer schade ? kann man die ausrechnen ?

um dir ein bild der größe der wiedergutmachung zu geben kann ich jedenfalls ziffer von meinem land nennen. vor einiger zeit las ich daß NL ungefähr 2,5% der schade »vergütet« bekam. vermutlich ist für israel und für die jüden mehr eingeräumt, aber mehr als ein bruchteil ist es auch nicht.


außerdem habe ich mich immer geärgert daß braun angehauchte leute - m.e. gehörst du dazu !! - alles in ziffern ausdrucken und vergessen, daß man sogar (aktuarielle mathematik) den wert des lebens von menschen »berechnen« kann. das aber ist in keine »wiedergutmachung« oder »verlust/schade-liste« mitgenommen. schweige also !!
Zuletzt geändert von Nomen Nescio am Di 19. Sep 2017, 12:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Nomen Nescio » Di 19. Sep 2017, 12:22

BingoBurner hat geschrieben:(18 Sep 2017, 14:46)

"daß linke Deutschlandverächter und pathologische Schuldneurotiker"

Was willst du mit diesen Prozentzahlen eigentlich ausdrücken ?
Irgendwie andeuten das du eigentlich gegen die Demokratie bist ?

Jetzt mal ernsthaft......jetzt atmet ihr Atemluft von 10-15 meinetwegen 20 Prozent ?
War klar das jetzt man schon mal das Wort "Juden" in Wort und Schrift erwähnen darf.

Dann will ich auch mal....."Das ist eine Judenhure" (Die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist damit gemeint) kennst du vielleicht.


aus seinem mund soll das wort/der begriff JUDE eine ehrung sein. nur realisiert er sich das nicht.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Allenstein » Di 19. Sep 2017, 13:25

Nomen Nescio hat geschrieben:(19 Sep 2017, 10:16)ich bin kein deutscher, habe also nicht das »problem der deutschen«. auch bin ich kein jude, fühle mich also nicht direkt beteiligt.


Du bist Niederländer? Wie steht es dann mit Deiner "Verantwortung" als Niederländer für die eifrige Kollaboration von Niederländern mit den Nazis beim Holocaust?

Die Vernichtung des niederländischen Judentums und die Kollaboration zählen neben dem Sklavenhandel und dem Kolonialismus zu den brisantesten Kapiteln der holländischen Geschichte. Eine umfassende Vergangenheitsbewältigung wie in Deutschland hat es in Holland nie gegeben. Und so bleibt es eine der Schlüsselfragen, warum die Niederlande bereits 1943 offiziell für "judenrein" erklärt wurden. 75 Prozent der jüdischen Bevölkerung starben in den Vernichtungslagern. In Belgien waren es 40 Prozent, in Frankreich 25 Prozent.

Vuijsje war im NIOD-Archiv auf Quellen gestoßen, dass schon Ende 1942 hinreichend bekannt gewesen war, dass die Juden nicht in Arbeits-, sondern in Vernichtungslager geschickt wurden. Sowohl der niederländischen Exilregierung als auch Loe de Jong, der ebenfalls im Londoner Exil lebte, haben Informationen zum Holocaust vorgelegen, so Vuisje, aber beide haben diese nicht zur Rettung der Juden genutzt.

Die Ursachen für die katastrophale Deportationsbilanz, so Vuijsje, seien Gleichgültigkeit und Autoritätsgläubigkeit, eine Polizei, die mit den Besatzern kooperierte, aber auch die Ansicht, dass es mit den Lagern ja nicht so schlimm sein könne. Hinzu kam, dass sich Niederländer professionell an der Jagd nach versteckten Juden beteiligten.

Es wurde, und das war einmalig in Europa, ein Kopfgeld von 7,50 Gulden (etwa 37 Euro) für jeden aufgespürten Juden gezahlt. Auch Anne Frank wurde für Geld denunziert. Die holländische Bahn transportierte die Juden am helllichten Tag ab, nach Fahrplan, ohne Sabotage. Von den etwa 107.000 deportierten Juden - jüdischen Niederländern und Flüchtlingen aus Deutschland oder Österreich - kehrten nur etwa 5000 zurück. Nur in Polen lag die Zahl der jüdischen Opfer höher.


http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-n ... n-1.804592

Nomen Nescio hat geschrieben:(19 Sep 2017, 10:16)ein wohlhabender lebensabend? was nennst du wohlhabend? menschen die entwurzelt sind.


Die meisten der heute noch lebenden Opfer waren damals Kinder. Die leben seit 70 Jahren in Israel und sind dort aufgewachsen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat zweistellige Milliardensummen an Entschädigungen gezahlt. Wenn man dieses Geld an die wirklichen Opfer unmittelbar ausbezahlt hätte, wären das pro Kopf recht hohe Beträge gewesen, sodaß es eigentlich nicht sein kann, daß heute jeder vierte Holocaustüberlebende in Israel in Armut lebt.
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Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon Agesilaos Megas » Di 19. Sep 2017, 14:27

Allenstein hat geschrieben:(19 Sep 2017, 14:25)

Du bist Niederländer? Wie steht es dann mit Deiner "Verantwortung" als Niederländer für die eifrige Kollaboration von Niederländern mit den Nazis beim Holocaust?


Gut, dass Du das anführst. Ja, die Niederländer müssen Verantwortung dafür übernehmen, und keine "Verantwortung". Und das tun sie auch mehr und mehr. Das öfftl. Bewusstsein ändert sich: Historiker haben sehr starke Beweise gefunden, dass die niederländische Gesellschaft von dem Schicksal der Juden gewusst hat. Das wiederum wirft eine noch ernstere Frage für die deutsche Gesellschaft auf, dem Ursprung der sog. Judenpolitik, inwieweit die Deutschen von Anfang davon gewusst haben. Auch hier fällen die Historiker mittlerweile kein gutes Urteil über die Deutschen. Auch bei ihnen ist das Narrativ des Nichtwissens längst widerlegt. Das wiederum steht aber im Gegensatz zu Deiner Behauptung, nur die Nazis seien für den Holocaust und die sog. Judenpolitik verantwortlich zu machen, obgleich doch solche Dinge wie Kollaboration, Deportation, Ausgrenzung, Enteignung etc. Teil des Alltages war. Auch wirft dieser verdrängende Doppelstandard der europäischen Nachkriegsgenerationen noch ernstere Fragen für die Gegenwart auf, inwieweit die von Rechtspopulisten gepflegte Rhetorik gegen Minderheiten - so die islamophobe von Geert Wilders und der AfD - von der Gesellschaft einfach so hingenommen werden darf. Ich denke, auch für jemanden, der die AfD unterstützt, gilt dieselbe Verantwortung, sich dieser Frage zu stellen. Ich hoffe, dass Du dessen fähig bist.
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BingoBurner
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Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: wer hat schuld? die nazis? die deutschen? beide?

Beitragvon BingoBurner » Di 19. Sep 2017, 14:50

Nomen Nescio hat geschrieben:(19 Sep 2017, 13:22)

aus seinem mund soll das wort/der begriff JUDE eine ehrung sein. nur realisiert er sich das nicht.



Tjo, stabile 10 Prozent in Ihren deutschen Bundestag. Was kreischt Wilders eigentlich dazu ?

Naja...........Hup Holland Hup!
Ich nehme die ......3....rattenscharf.........




Wenn ich nochmal 25 wäre.......schnüfffffff
Und tu was aktiv gegen den Rassismus......ok ich werde albern........sorry. :D
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A

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