darwinismus und nazipolitik

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Nomen Nescio
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 5. Sep 2016, 18:32

BingoBurner hat geschrieben:(04 Sep 2016, 20:49)

Da bringst du einiges durcheinander.
Survial of the fittest bedeutet nicht das "Recht des Stärkeren" oder das etwas höherwertig oder minderwertig ist.

ich sage das nicht noch denke ich das. die »allgemeinheit« übersetzt/interpretiert es aber so.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » Di 6. Sep 2016, 00:32

Nomen Nescio hat geschrieben:(05 Sep 2016, 19:32)

ich sage das nicht noch denke ich das. die »allgemeinheit« übersetzt/interpretiert es aber so.


Das meine ich damit das viele Darwin scheinbar überhaupt nicht kapiert haben.
Obwohl es ganz simpel ist.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » Di 6. Sep 2016, 00:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Sep 2016, 15:02)



leuchten mir durchaus ein und gehen schon in diese Richtung "überschätzter Determinismus" ....


Da machst du natürlich wirklich ein großes Fass auf. Hab dazu auch nicht wirklich eine Antwort.

Fakt ist, das Darwin nicht nur von den Nazis missbraucht wurde. Das seine Erkenntnisse gar ins Gegenteil verdreht wurden.
Der Mensch stammt vom Affen ab ist genauso falsch bzw. missverstanden wie die Karikaturen die man über ihn verbreitet.

Und wenn man sich dann noch vorstellt das Darwin noch gar keine Ahnung von der heutigen Genetik hatte, sind es gerade seine Kritiker/Menschen die ihn falsch interpretieren wollten ? obwohl das sie es sind die mehr als entblößt da stehen.

Ich für meinen Teil, bin Stolz darauf das Giraffen den selben Lebenskern haben der auch mir inne wohnt.
Ok, mit vier Beinen kämme ich wohl nicht klar.

Son HALS habe ich aber manchmal auch :D
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon schokoschendrezki » Di 6. Sep 2016, 09:01

BingoBurner hat geschrieben:(06 Sep 2016, 01:54)
Fakt ist, das Darwin nicht nur von den Nazis missbraucht wurde. Das seine Erkenntnisse gar ins Gegenteil verdreht wurden.
Der Mensch stammt vom Affen ab ist genauso falsch bzw. missverstanden wie die Karikaturen die man über ihn verbreitet.

Aus einem sehr übersichtlichen ZEIT-Artikel zum Thema "populäre Missverständnisse der Lehren Darwins" des Evolutionsbiologen Axel Meyer

Irrtum 1: Die Evolution arbeitet zur Erhaltung der Art. Bekannte Anhänger und Verbreiter dieses Konzepts der Arterhaltung waren vor allem Konrad Lorenz und Bernhard Grzimek. Die Nazis projizierten dieses irrtümliche Konzept von den biologischen Arten auf menschliche Rassen und Völker. Richtig ist aber, dass Selektion auf der Indiviudalebene ansetzt und nicht zwangsläufig zur Arterhaltung führt. Und ins Politische übersetzt würde ich sagen: Die Existenz und Erhaltung einer homogenen Nation hat keinerlei Eigenzweck.

Irrtum 2: Anpassung ist das notwendige Ergebnis der Evolution. Es gibt keine Eins-zu-eins-Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Selektionsrichtung. Das Mantra vom "Überleben des Stärkeren" ist, denke ich, so eine politische Umdeutung dieses populären Irrtums.

Irrtum 3: Evolution strebt nach Perfektion. Es ist diese Vorstellung aus populären Tierfilmen von "perfekten Jägern" oder "perfekten Fliegern". Aber diese Perfektion herrscht nirgends. Ändern sich die Umweltbedingungen, so kann der Vorteil von gestern ein Nachteil von heute sein. Oder anderes Beispiel: Wir als Menschen werden niemals statt fünf acht Finger haben, und wenn wir noch so viele Generationen lang Umgang mit Computern haben, in denen Informationen in Einheiten von je acht statt fünf Bits gegliedert sind.

Irrtum 4: Evolution bedeutet immer auch Fortschritt Die Evolution ist grundsätzlich nicht auf ein Ziel gerichtet. Die meiner Ansicht nach verbreitetste politische Auslegung dieses populären Irrtums sind verschiedene Varianten des Neoliberalismus ab Anfang der 80er, nach denen man nur den "Kräften des Marktes" freien Lauf lassen müsse und alles werde gut. Ein solches Prinzip setzt im Grunde voraus, dass der natürliche Gang der Dinge grundsätzlich und am Ende "zum Guten hin" verlaufe. Aber die Natur hat eben kein Ziel. Teilnahmslos sieht sie zu, wie Saurier aussterben oder der Mensch sich per Klimakatastrophe, Atomwaffeneinsatz oder Bankencrash selbst vernichtet.

Irrtum 5: In der Natur herrscht Harmonie "Ökosysteme streben nicht nach Harmonie und Balance." Ähnlich wie Irrtum 4.

Irrtum 6: Die Natur verhält sich gut, sie hat Moral Ähnlich wie Irrtum 4 und 5.

http://www.zeit.de/2007/30/N-Evolutionsirrtuemer/komplettansicht
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 7. Sep 2016, 08:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Sep 2016, 10:01)

Aus einem sehr übersichtlichen ZEIT-Artikel zum Thema "populäre Missverständnisse der Lehren Darwins" des Evolutionsbiologen Axel Meyer

du hättest noch was - m.e. - wichtiges dazu bemerken können: evolution beginnt am außenrand.
wenn man eine population hat und die (unwelt)bedingungen ändern, dann sorgt das genpotential im mitten der population dafür, daß sich nicht schnell eine änderung durchsetzt.
am rande dagegen ist die chance viel größer daß mehrere individuen sich »genetisch anpassen« und deshalb eine änderung weiter gegeben wird.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Sep 2016, 10:07

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Sep 2016, 09:17)

du hättest noch was - m.e. - wichtiges dazu bemerken können: evolution beginnt am außenrand.
wenn man eine population hat und die (unwelt)bedingungen ändern, dann sorgt das genpotential im mitten der population dafür, daß sich nicht schnell eine änderung durchsetzt.
am rande dagegen ist die chance viel größer daß mehrere individuen sich »genetisch anpassen« und deshalb eine änderung weiter gegeben wird.

Das ist ein hochinteressanter Aspekt. Die Gegenthese, Evolution beginne in der Masse, wäre dann ein weiterer populärer Irrtum. Und aufs politische übertragen: Politische Veränderungen werden eher nicht durch die breite Masse getragen sondern eher durch kleine Gruppen am Rande. Was etwa die politischen Veränderungen in der DDR Ende der 80er Jahre anbelangt, so trifft das in vollem Umfang zu. Aktive politische Gruppierungen wie "Kirche von unten" waren nicht nur in der DDR-Gesellschaft ganz am Außenrand angesiedelt sondern sogar noch marginal innerhalb der an sich schon marginalen christlichen Kirchen.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 7. Sep 2016, 12:47

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Sep 2016, 11:07)

Das ist ein hochinteressanter Aspekt. Die Gegenthese, Evolution beginne in der Masse, wäre dann ein weiterer populärer Irrtum.

sorry, ich dachte daß das inzwischen ziemlich bekannt war. berufsdeformation :mad:

es führt zu weit um hier ausgebreitet darauf zu antworten. dagegen finde ich die weise, wie du das übersetzt in einem analogon sehr interessant. vllt gibt es noch mehr, wie z.b. die (r)evolution in tunis einige jahre her.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Jekyll » Sa 10. Sep 2016, 23:10

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Sep 2016, 10:01)

Aus einem sehr übersichtlichen ZEIT-Artikel zum Thema "populäre Missverständnisse der Lehren Darwins" des Evolutionsbiologen Axel Meyer

Irrtum 1: Die Evolution arbeitet zur Erhaltung der Art. Bekannte Anhänger und Verbreiter dieses Konzepts der Arterhaltung waren vor allem Konrad Lorenz und Bernhard Grzimek. Die Nazis projizierten dieses irrtümliche Konzept von den biologischen Arten auf menschliche Rassen und Völker. Richtig ist aber, dass Selektion auf der Indiviudalebene ansetzt und nicht zwangsläufig zur Arterhaltung führt. Und ins Politische übersetzt würde ich sagen: Die Existenz und Erhaltung einer homogenen Nation hat keinerlei Eigenzweck.
Das steht aber im Widerspruch zu den Instinkten, denen auch das Individuum unterworfen ist. Die instinktive Abneigung gegen Mord oder Inzest dient beispielsweise dazu, die eigene Art zu erhalten bzw. zu schützen. Aus der Perspektive des Individuums spräche z. B. nichts gegen eine inzestuöse Beziehung. Das wir das trotzdem als abstoßend empfinden und nicht praktizieren spricht dafür, dass im Hintergrund sehr wohl die Arterhaltung eine maßgebliche Rolle spielt (auch beim Individuum).

Irrtum 2: Anpassung ist das notwendige Ergebnis der Evolution. Es gibt keine Eins-zu-eins-Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Selektionsrichtung. Das Mantra vom "Überleben des Stärkeren" ist, denke ich, so eine politische Umdeutung dieses populären Irrtums.

Irrtum 3: Evolution strebt nach Perfektion. Es ist diese Vorstellung aus populären Tierfilmen von "perfekten Jägern" oder "perfekten Fliegern". Aber diese Perfektion herrscht nirgends. Ändern sich die Umweltbedingungen, so kann der Vorteil von gestern ein Nachteil von heute sein. Oder anderes Beispiel: Wir als Menschen werden niemals statt fünf acht Finger haben, und wenn wir noch so viele Generationen lang Umgang mit Computern haben, in denen Informationen in Einheiten von je acht statt fünf Bits gegliedert sind.
Die Anpassung an die Umweltbedingungen tendiert natürlich nach Perfektion. Je länger die Evolution dauert, desto perfekter die Anpassung. Und wenn die Welt dazu neigt, die Rahmenbedingungen schlagartig zu ändern (durch Naturkatastrophen etwa), dann stellt das auch eine Umweltbedingung dar, auf die das Leben entsprechend evolutionär reagieren muss. Und eine Reaktion darauf ist meiner Ansicht nach der Mensch! Tiere und noch mehr die Pflanzen können sich an rasch ändernde Umweltbedingungen nicht anpassen (sterben aus), der Mensch mit seiner Großhirnrinde dagegen schon. Der exzentrische Mensch als Spezies ist die Anpassung des Lebens an das Unberechenbare. Ein entscheidender Schritt Richtung Perfektion.

Irrtum 4: Evolution bedeutet immer auch Fortschritt Die Evolution ist grundsätzlich nicht auf ein Ziel gerichtet. Die meiner Ansicht nach verbreitetste politische Auslegung dieses populären Irrtums sind verschiedene Varianten des Neoliberalismus ab Anfang der 80er, nach denen man nur den "Kräften des Marktes" freien Lauf lassen müsse und alles werde gut. Ein solches Prinzip setzt im Grunde voraus, dass der natürliche Gang der Dinge grundsätzlich und am Ende "zum Guten hin" verlaufe. Aber die Natur hat eben kein Ziel. Teilnahmslos sieht sie zu, wie Saurier aussterben oder der Mensch sich per Klimakatastrophe, Atomwaffeneinsatz oder Bankencrash selbst vernichtet.
Stellt die Anpassung an die Umweltbedingungen keinen Fortschritt dar? Dazu bedarf es keinerlei Bewusstheit über ein zukünftiges "Ziel", das geschieht schon rein mechanisch durch permanente Anpassung an die unmittelbare Begebenheiten.

Irrtum 5: In der Natur herrscht Harmonie "Ökosysteme streben nicht nach Harmonie und Balance." Ähnlich wie Irrtum 4.
Ökosysteme streben aber auch nicht nach Disharmonie und Unausgewogenheit. Ganz einfach weil die Erhaltung solcher Zustände mehr Energieaufwand erfordern würden als die eines harmonischen Zustands.
Krokodon

Beitragvon Krokodon » Sa 10. Sep 2016, 23:22

Nomen Nescio hat geschrieben:man sagt, daß die nazis eine »dawinistische« politik betrieben. die deutschen waren ja das bessere und stärkere volk, und darum mußten sie gewinnen und herrschen ==> survival of the fittest.
Wer ist man? Übrigens ist, falls Darwin recht hatte, jede Politik darwinistisch.

abgesehen davon, daß sie gar keine ahnung von rasse, vererbung und derartiges hatten, denke ich daß sie aus der geschichte eine falsche lehre zogen. jede spezies die sich in eine bestimmte richtung entwickelt war zu spezialisiert um sich zu handhaben wenn die umstände änderten. wenn AHs konklusion stimmte, waren die deutschen schon zu spezialisiert.
diese gedanke ist vllt für einige unter euch schwer zu verstehen, denn konsequent weiter verfolgt bedeutet sie, daß ausgerechnet die flüchtlinge aus afrika noch »am primitivsten« sind und das größte anpassungsvermögen besitzen.
Ja, es ist für mich tatsächlich schwer zu verstehen, wie du so selbstverständlich davon ausgehen kannst, Afrikaner seien, verglichen mit anderen Menschen, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, zumal du dann Fragen wie die folgenden stellst:

sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?
Naja, auf so schreckliche Ideen kann man z.B. kommen, indem man den Gedanken, bestimmte Menschengruppen seien unterentwickelt, konsequent weiterspinnt.
Krokodon

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Krokodon » Sa 10. Sep 2016, 23:43

Jekyll hat geschrieben:[url=http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=3655071#p3655071]Das steht aber im Widerspruch zu den Instinkten, denen auch das Individuum unterworfen ist. Die instinktive Abneigung gegen Mord oder Inzest dient beispielsweise dazu, die eigene Art zu erhalten bzw. zu schützen. Aus der Perspektive des Individuums spräche z. B. nichts gegen eine inzestuöse Beziehung. Das wir das trotzdem als abstoßend empfinden und nicht praktizieren spricht dafür, dass im Hintergrund sehr wohl die Arterhaltung eine maßgebliche Rolle spielt (auch beim Individuum).
Merkwürdig, dass andere erfolgreiche Spezies diese Abneigung nicht empfinden. Klar, unsere ist die erfolgreichste und das mag auch damit zu tun haben, aber deine Sicherheit ist unangemessen, da sich "instinktive Abneigungen" sehr leicht anerziehen lassen und dahinter oft nicht mehr steckt als absurde weltanschauliche Dogmen. Rein theoretisch dürfte inzestuöse Fortpflanzung kein Problem darstellen, da die Ergebnisse, so es sich bei ihr um eine schädliche Angewohnheit handelt, ohnehin keine Chance hätten, sich durchzusetzen.

Der exzentrische Mensch als Spezies ist die Anpassung des Lebens an das Unberechenbare. Ein entscheidender Schritt Richtung Perfektion.
Wäre die Realität unberechenbar, nützte Exzentrik nicht viel, und der Mensch ist eine viel banalere und schlichtere Kreatur, als er glaubt. Es gehört nicht viel dazu, im engen Rahmen des Herdenhorizonts exzentrisch zu sein. Die kleinste echte Abweichung jedoch, und der Mensch dreht durch. Bestenfalls regrediert er zum Affen, schlimmstenfalls läuft er Amok. Um halbwegs vernünftig zu bleiben, braucht er die Welt genau so, wie sie ist.

Ökosysteme streben aber auch nicht nach Disharmonie und Unausgewogenheit. Ganz einfach weil die Erhaltung solcher Zustände mehr Energieaufwand erfordern würden als die eines harmonischen Zustands.
Ökosysteme sind quasi faule Hippies, die zaubern können, und entscheiden selbst, was sie wollen? Und sie wollen Zustände erhalten? Theoretisch auch disharmonische Zustände? Wie erhält man disharmonische Zustände? Indem man verhindert, dass sich Harmonie einstellt. Und das ist schwieriger, als Harmonie aufrecht zu erhalten? Alle Wetter!
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Katenberg » So 11. Sep 2016, 00:03

Nun, die Nazis sahen im Darwinismus, sprich der Evolution ja eher ein System, das wieder herzustellen sei, sprich, was nicht per se gilt. Anders kann man die Maßnahmen gar nicht deuten, denn man sah ja nicht eine Weiterentwicklung von selbst, sondern eine Art genetischen Abstieg, wenn man hier nicht eingriff. Die Auffassung ist dabei der der Zivilisation als widernatürliche Lebensform, welche zu ihrem Überleben den Darwinismus und die natürliche Auslese brauche. Das betrifft dabei erstmal Euthanasie und diesem "Zuchtgedanken" der Nazis.
Absurd wird es erst mit deren Rassenlehre. Die Bedrohung, die man durch "den Juden" sah, impliziert ja gewissermaßen die Überlegenheit, denn sonst müsste die "natürliche Überlegenheit" die Geschichte ja von selbst richten können...
Mussolini soll mal treffend gemeint haben, würde Hitlers Rassentheorie stimmen, wären die Lappen das am weitesten entwickelte Volk der Erde...
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Corella » So 11. Sep 2016, 14:35

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Sep 2016, 09:17)

du hättest noch was - m.e. - wichtiges dazu bemerken können: evolution beginnt am außenrand.
wenn man eine population hat und die (unwelt)bedingungen ändern, dann sorgt das genpotential im mitten der population dafür, daß sich nicht schnell eine änderung durchsetzt.
am rande dagegen ist die chance viel größer daß mehrere individuen sich »genetisch anpassen« und deshalb eine änderung weiter gegeben wird.


Nun, was aber ist konkret solch Außenrand, wo beginnt außen? Evolutionsbiologisch bestimmen dies Barrieren des Genflusses (vgl. Stichwort in Wikipedia). Für die Menschheitsentwicklung wird der globale(!) Genfluss so eingeschätzt, dass kaum von aktuellen Barrieren gesprochen werden kann. Bei sehr scharfer Selektion kann offenbar über zehntausenden von Jahren gerade mal ein funktionaler Hautfarbenunterschied noch entstehen. 60-tausend Jahre relativer Isolation ergibt bei den Aborigines ein paar interessante Einzelaspekte mit anderen Anteilen an Denisova-Mensch- und Neandertaler-Genmaterial als anderswo. Im Gesamtaspekt sind die Unterschiede sehr gering, auch wenn es - auch mit Blick auf Äußerlichkeiten - Laien schwer vermittelbar ist.
Zwei völlige Verzerrungen der Betrachtung! 1. der sehr heikle Übertrag von vermeintlichen Erkenntnissen der genetischen Evolution auf Kulturevolution. 2. Die Eichung, Einflussgrößen aus der Evolutionsbiologie, beispielsweise Artbildungsprozessen, auf die aktuelle Menschheit zu beziehen. Wer das nicht studiert hat, verhaut sich in aller Regel völlig mit den Zeitdimensionen und eben, dem Maß "Genfluss" einigermaßen treffend einzuschätzen.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Corella » So 11. Sep 2016, 15:05

Jekyll hat geschrieben:(11 Sep 2016, 00:10)


Die Anpassung an die Umweltbedingungen tendiert natürlich nach Perfektion. Je länger die Evolution dauert, desto perfekter die Anpassung. Und wenn die Welt dazu neigt, die Rahmenbedingungen schlagartig zu ändern (durch Naturkatastrophen etwa), dann stellt das auch eine Umweltbedingung dar, auf die das Leben entsprechend evolutionär reagieren muss. Und eine Reaktion darauf ist meiner Ansicht nach der Mensch! Tiere und noch mehr die Pflanzen können sich an rasch ändernde Umweltbedingungen nicht anpassen (sterben aus), der Mensch mit seiner Großhirnrinde dagegen schon. Der exzentrische Mensch als Spezies ist die Anpassung des Lebens an das Unberechenbare. Ein entscheidender Schritt Richtung Perfektion.

Stellt die Anpassung an die Umweltbedingungen keinen Fortschritt dar? Dazu bedarf es keinerlei Bewusstheit über ein zukünftiges "Ziel", das geschieht schon rein mechanisch durch permanente Anpassung an die unmittelbare Begebenheiten.

Ökosysteme streben aber auch nicht nach Disharmonie und Unausgewogenheit. Ganz einfach weil die Erhaltung solcher Zustände mehr Energieaufwand erfordern würden als die eines harmonischen Zustands.


Je nach ökologischer Lebensstrategie sind Arten unterschiedlich anfällig auf Umweltänderungen. Treten sie ein, muss nicht unbedingt "das Leben darauf reagieren". Die innerartliche Variation macht bereits, dass für Teilmengen der Gesamtpopulation sich fitness ändert. Survival of the fittest beinhaltet also, dass sich eine Art aus unterschiedlich fitten zusammensetzt, halb hattest Du es schon verstanden :-) . Das Maß innerartlicher Variation ist dann je nach Leberstrategie impliziter Teil dessen, was Du unter Perfektion verstehst.
Die Struktur Großhirnrinde ist evolutionsbiologisch zur Zeit tatsächlich erfolgreich, muss sich aber noch bewähren. Zur Zeit sieht es so aus, dass, in dem Menschen Umwelt ihren Bedürfnissen anpassen, sie sich selbst den Lebensraum zerstören. Perfektion geht wohl anders...?

Harmonie & Ökosystem - magst Du mal näher ausführen? Was ist Harmonie in dem Zusammenhang und was macht den Unterschied? Kommt jetzt wohl etwas aus der Gaia-Esoterik, oder was mit Entropie aus der Systembiologie?

Edith äzt: Leberstrategie! Was hat die scheiß Rechtschreibhilfe und koa-iih da wieder verschlimmbessert... Einmal durchgegangen war ich schon, aber der und hoffentlich nicht weitere rutschte ganz durch
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » So 11. Sep 2016, 16:27

Corella hat geschrieben:(11 Sep 2016, 15:35)

Nun, was aber ist konkret solch Außenrand...

was denkst du vom stadium verlassen des waldes und betreten der savanne ==> änderung der haltung; entwicklung der fuß; großhirnwachstum; noch immer nicht gut entwickelte wirbelsäule...
die »masse« lebte noch immer im wald; am rande wagten sich vereinzelt affen ins offene ==> die grenze des waldes war deutlich der außenrand.
es gibt aber soviel beispiele: mini-elefanten auf gebieten die zur insel wurden; darwins finken; ja, sogar die dingos in australien.
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Re:

Beitragvon Nomen Nescio » So 11. Sep 2016, 16:40

Krokodon hat geschrieben:(11 Sep 2016, 00:22)

Wer ist man? Übrigens ist, falls Darwin recht hatte, jede Politik darwinistisch.

Ja, es ist für mich tatsächlich schwer zu verstehen, wie du so selbstverständlich davon ausgehen kannst, Afrikaner seien, verglichen mit anderen Menschen, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, zumal du dann Fragen wie die folgenden stellst:

Naja, auf so schreckliche Ideen kann man z.B. kommen, indem man den Gedanken, bestimmte Menschengruppen seien unterentwickelt, konsequent weiterspinnt.

man ist die allgemeinheit. nicht die mehrheit der experten auf dieses gebiet.

deine konklusion »afrikaner seien zurückgeblieben in ihrer entwicklung« zeigt daß du nicht verstanden hast was ich sagte. bei afrikaner (lese neger, hottentotten, usw) zeigt sich daß die ursprüngliche genmasse mäßigend auf änderungen reagierte.
die »extreme« variationen sind viel kleiner als bei den menschen in anderen kontinenten. man findet dort (noch ?) genen die anderswo verloren sind.

was hast du gegen meine frage? ich behaupte nicht, noch denke ich, daß bestimmte menschen»rassen« unter- oder überlegen sind.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Corella » So 11. Sep 2016, 17:50

Nomen Nescio hat geschrieben:(11 Sep 2016, 17:27)

was denkst du vom stadium verlassen des waldes und betreten der savanne ==> änderung der haltung; entwicklung der fuß; großhirnwachstum; noch immer nicht gut entwickelte wirbelsäule...
die »masse« lebte noch immer im wald; am rande wagten sich vereinzelt affen ins offene ==> die grenze des waldes war deutlich der außenrand.
es gibt aber soviel beispiele: mini-elefanten auf gebieten die zur insel wurden; darwins finken; ja, sogar die dingos in australien.


Ein an Bäume angepasster wechselt ins offene über, wechselt seine Nische? Zwei Einwände: 1. Die Nische im Offenen ist bereits besetzt. 2. Deine imaginäre Außenpopulation steht im Genfluss mit der Waldpopulation. Das sind nicht notwendiger Weise K.O.-Kriterien, aber allgemein stellt man sich die Vorgänge damals am Olduvai anders vor!
Wir haben uns ... der Illusion hingegeben, dass es so etwas wie Umweltkapital nicht gibt. Dass man ... [es] zum Nulltarif nutzen kann und ... in diesen Kapitalstock nicht reinvestieren muss. (Klaus Töpfer 2005)
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » So 11. Sep 2016, 21:07

Corella hat geschrieben:(11 Sep 2016, 18:50)

Ein an Bäume angepasster wechselt ins offene über, wechselt seine Nische? Zwei Einwände: 1. Die Nische im Offenen ist bereits besetzt. 2. Deine imaginäre Außenpopulation steht im Genfluss mit der Waldpopulation. Das sind nicht notwendiger Weise K.O.-Kriterien, aber allgemein stellt man sich die Vorgänge damals am Olduvai anders vor!

ad 1: nicht durch proto-menschaffen. außerdem gibt es zeugeaussagen, daß schimpansen sich mit stöcken und stangen verteidigen. sowie mit steine und andere gegenstände werfen. warum konnte das damals auch nicht gegen raubtiere.
ich weiß es nicht mehr genau, aber meine daß gruppen damals aus höchstens 20 einzelpersonen bestanden. jedenfallos genügend um event. raubtiere abzuschrecken. wann sie das feuer entdeckten, weiß ich nicht. aber auch ein gutes verteidigungsmittel.

2. woher holst du diese absurde behauptung. denkst du daß sie um sich fortzupflanzen zuerst das zentrum der genen aufsuchten?
DNA-analyse hat ausgewiesen daß die bevölkerung europas von SIEBEN eva-urmutter abstammt.
wenn es eine nische war+ die ihnen gefiel, dann blieben sie da. oder zogen weiter. nicht oder kaum zurück, denn DA war es »besetzt«.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Ammianus » So 11. Sep 2016, 22:01

Nomen Nescio hat geschrieben:(11 Sep 2016, 22:07)

ad 1: nicht durch proto-menschaffen. außerdem gibt es zeugeaussagen, daß schimpansen sich mit stöcken und stangen verteidigen. sowie mit steine und andere gegenstände werfen. warum konnte das damals auch nicht gegen raubtiere.
ich weiß es nicht mehr genau, aber meine daß gruppen damals aus höchstens 20 einzelpersonen bestanden. jedenfallos genügend um event. raubtiere abzuschrecken. wann sie das feuer entdeckten, weiß ich nicht. aber auch ein gutes verteidigungsmittel.

...



Entsprechende Filmaufnahmen gab es schon vor über 40 Jahren. Die in der Savanne lebende Schimpansenhorde nimmt Äste, schlägt damit auf den Boden, wirft sie in Richtung einer Löwin und macht dazu einen tierischen Lärm. Damit gelingt es ihnen, die Katze in Schach zu halten. So wird es auch vor 5 oder 6 Millionen Jahren gewesen sein. Die Affen funktionierten als Gruppe und konnten sich so Räuber mehr oder weniger vom Hals halten.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 12. Sep 2016, 04:54

Ammianus hat geschrieben:(11 Sep 2016, 23:01)

Entsprechende Filmaufnahmen gab es schon vor über 40 Jahren. Die in der Savanne lebende Schimpansenhorde nimmt Äste, schlägt damit auf den Boden, wirft sie in Richtung einer Löwin und macht dazu einen tierischen Lärm. Damit gelingt es ihnen, die Katze in Schach zu halten. So wird es auch vor 5 oder 6 Millionen Jahren gewesen sein. Die Affen funktionierten als Gruppe und konnten sich so Räuber mehr oder weniger vom Hals halten.

stimmt. ich dachte vom ehepaar jane goodall und hugo baron van lawick.
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Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Corella » Mo 12. Sep 2016, 17:11

Nomen Nescio hat geschrieben:(11 Sep 2016, 22:07)

ad 1: nicht durch proto-menschaffen. außerdem gibt es zeugeaussagen, daß schimpansen sich mit stöcken und stangen verteidigen. sowie mit steine und andere gegenstände werfen. warum konnte das damals auch nicht gegen raubtiere.
ich weiß es nicht mehr genau, aber meine daß gruppen damals aus höchstens 20 einzelpersonen bestanden. jedenfallos genügend um event. raubtiere abzuschrecken. wann sie das feuer entdeckten, weiß ich nicht. aber auch ein gutes verteidigungsmittel.

2. woher holst du diese absurde behauptung. denkst du daß sie um sich fortzupflanzen zuerst das zentrum der genen aufsuchten?
DNA-analyse hat ausgewiesen daß die bevölkerung europas von SIEBEN eva-urmutter abstammt.
wenn es eine nische war+ die ihnen gefiel, dann blieben sie da. oder zogen weiter. nicht oder kaum zurück, denn DA war es »besetzt«.


Na-na, warum so unfreundlich?!
Jene sieben Evas (wenn solch Nachweis denn einer sei), müssen isoliert gewesen sein und somit nicht im Genfluss mit anderen gestanden haben. Wird es jetzt klarer?
Wir haben uns ... der Illusion hingegeben, dass es so etwas wie Umweltkapital nicht gibt. Dass man ... [es] zum Nulltarif nutzen kann und ... in diesen Kapitalstock nicht reinvestieren muss. (Klaus Töpfer 2005)

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