darwinismus und nazipolitik

Moderator: Moderatoren Forum 7

Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 9630
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » So 4. Sep 2016, 18:25

man sagt, daß die nazis eine »dawinistische« politik betrieben. die deutschen waren ja das bessere und stärkere volk, und darum mußten sie gewinnen und herrschen ==> survival of the fittest.

abgesehen davon, daß sie gar keine ahnung von rasse, vererbung und derartiges hatten, denke ich daß sie aus der geschichte eine falsche lehre zogen. jede spezies die sich in eine bestimmte richtung entwickelt war zu spezialisiert um sich zu handhaben wenn die umstände änderten. wenn AHs konklusion stimmte, waren die deutschen schon zu spezialisiert.
diese gedanke ist vllt für einige unter euch schwer zu verstehen, denn konsequent weiter verfolgt bedeutet sie, daß ausgerechnet die flüchtlinge aus afrika noch »am primitivsten« sind und das größte anpassungsvermögen besitzen.
jedenfalls ist die superiorität der europäer und der amerikaner auf nichts basiert, außer eine ausbildung die anderen völker nicht bekamen.

und doch gab es wissenschaftler die diese verderblichen nazitheorien sogar unterstützen. die andere menschen als minderwertig betrachteten. auch churchill fand z.b. die araber 2. wahl.
sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Kael
Beiträge: 1234
Registriert: Mo 24. Dez 2012, 17:59

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Kael » So 4. Sep 2016, 18:28

Das hat eher etwas mit dem kulturellen Standpunkt zu tun.
Europäer waren technisch am weitesten entwickelt. In Asien z.B. hast du das gleiche Schema mit Japan und China.
CHina -> NIcht gut genug entwickelt
Japan -> technologisch fortschrittlicher.

Auch ist es der Gedanke in Europa: "Unsere Vorfahren haben hart gearbeitet um dort zu sein wo sie jetzt sind. Hingegen die ganzen Afrikaner saßen nur Faul auf ihrer Haut und sind vor sich dahin vegetiert!"

Und gerade die Araber mit ihrem isalmischen Glauben sind, seit es sie gibt, eine Gefahr für das europäische Land gewesen.
Benutzeravatar
BingoBurner
Beiträge: 2175
Registriert: Sa 17. Jan 2015, 12:15
Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » So 4. Sep 2016, 19:49

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 Sep 2016, 19:25)

man sagt, daß die nazis eine »dawinistische« politik betrieben. die deutschen waren ja das bessere und stärkere volk, und darum mußten sie gewinnen und herrschen ==> survival of the fittest.

abgesehen davon, daß sie gar keine ahnung von rasse, vererbung und derartiges hatten, denke ich daß sie aus der geschichte eine falsche lehre zogen. jede spezies die sich in eine bestimmte richtung entwickelt war zu spezialisiert um sich zu handhaben wenn die umstände änderten. wenn AHs konklusion stimmte, waren die deutschen schon zu spezialisiert.
diese gedanke ist vllt für einige unter euch schwer zu verstehen, denn konsequent weiter verfolgt bedeutet sie, daß ausgerechnet die flüchtlinge aus afrika noch »am primitivsten« sind und das größte anpassungsvermögen besitzen.
jedenfalls ist die superiorität der europäer und der amerikaner auf nichts basiert, außer eine ausbildung die anderen völker nicht bekamen.

und doch gab es wissenschaftler die diese verderblichen nazitheorien sogar unterstützen. die andere menschen als minderwertig betrachteten. auch churchill fand z.b. die araber 2. wahl.
sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?


Da bringst du einiges durcheinander.
Survial of the fittest bedeutet nicht das "Recht des Stärkeren" oder das etwas höherwertig oder minderwertig ist.

Die Nazis haben aus Darwins Theorien genau diesen unsäglichen Sozial-Darwinismus gemacht.
Die hat mit der "Entwicklung der Arten" nach Darwin aber überhaupt nichts mehr zu tun. Da wurden wissenschaftliche Erkenntnisse politisch um gedeutet.

Waren die Leute einfach nur dumm ? Ich glaube schon. Aber was heißt dumm einfach ungebildet nicht genügend aufgeklärt.
Wie lange hat es gedauert das in der breiten Masse angekommen ist das Rauchen scheiße ist ?

Ich würde sogar heute noch behaupten das einige Darwin noch gar nicht richtig kapiert haben.
Obwohl es eigentlich ziemlich simpel ist.
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1586
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Progressiver » So 4. Sep 2016, 20:32

Die Nazis haben in der Tat den Darwinismus nicht verstanden. Um eine Art zu erhalten, braucht es eine möglichst breite genetische Vielfalt. Was die Nazis wollten, war dagegen eine Art inzestuöse Monokultur. Des Weiteren hatten sie von Geschichte null Ahnung. Sie laberten zwar dauernd von der Überlegenheit des germanischen, also: deutschen "Über"-Menschen. Die deutsche Bevölkerung setzt sich aber, historisch betrachtet, nicht nur aus Menschen germanischen Ursprungs zusammen, sondern auch aus Slawen und Romanen. Gerade im Ruhrgebiet siedelten sich viele Polen an. Die Pfalz wiederum war im Mittelalter teilweise eine romanische Sprachinsel, die erst allmählich sprachlich germanisiert wurde. Die Ostdeutschen wiederum sind ein Völkergemisch aus westslawischen Stämmen und germanischen Kolonisten. Und hat es denen geschadet?

Man muss also schon ziemlich ungebildet und geschichtsvergessen sein, um solch abstruse Theorien wie die Nazis zu vertreten.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
BingoBurner
Beiträge: 2175
Registriert: Sa 17. Jan 2015, 12:15
Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » So 4. Sep 2016, 21:20




Ich bin Evoluzzer.....kein Nazi :D
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
Benutzeravatar
Kael
Beiträge: 1234
Registriert: Mo 24. Dez 2012, 17:59

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Kael » Mo 5. Sep 2016, 02:18

Wenn ich dieses Wort Evoluzzer höre... auch so ein Unwort. Hört sich an wie eine Beleidigung.
Da ist Fremdschämen vorprogrammiert. Gottseidank hat es sich nicht durchgesetzt

War wohl nicht fit genug
Benutzeravatar
BingoBurner
Beiträge: 2175
Registriert: Sa 17. Jan 2015, 12:15
Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » Mo 5. Sep 2016, 06:22

Kael hat geschrieben:(05 Sep 2016, 03:18)

Wenn ich dieses Wort Evoluzzer höre... auch so ein Unwort. Hört sich an wie eine Beleidigung.
Da ist Fremdschämen vorprogrammiert. Gottseidank hat es sich nicht durchgesetzt

War wohl nicht fit genug


Tja im Gegensatz zu den Nazi-Schwachsinn.......der hat sich nämlich bis heute durchgesetzt.
Was peinlicher ist und was zum fremdschämen.......nun ja.
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 11118
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Dampflok94 » Mo 5. Sep 2016, 08:32

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 Sep 2016, 19:25)
und doch gab es wissenschaftler die diese verderblichen nazitheorien sogar unterstützen. die andere menschen als minderwertig betrachteten. auch churchill fand z.b. die araber 2. wahl.
sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?

Das muß man wohl unterscheiden. Die Ansicht, daß die "weiße Rasse" höherwertig sei, ist älter als der Nationalsozialismus. Sonst hätte es Dinge wie Kolinialismus, Imperialismus und Sklaverei in dieser Form nicht gegeben. Daher sind auch Bezeichnungen wie "dumm" wenig hilfreich. Denn natürlich waren Menschen wie Churchill nicht dumm. Es war schlicht eine weit verbreitete Ansicht. Die eben auch zur Rechtfertigung notwendig war. Den Sklaven, den man auf seinen Feldern arbeiten ließ, betrachtete man wie den Ochsen, den man vor den Pflug spannte. Hätte man ihn als gleich zu gleich gesehen, wäre das nicht möglich gewesen.

Die Nazis haben den Rassismus nicht erfunden. Sie haben ihn nur in seine extremste Form getrieben. (Und sich dafür das so ziemlich ungeeignetste Volk Europas ausgesucht.)
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
Kael
Beiträge: 1234
Registriert: Mo 24. Dez 2012, 17:59

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Kael » Mo 5. Sep 2016, 08:57

Nun ja, so ungeeignet waren wir wohl nicht wenn wir komplett Europa unterworfen haben. ;D

Theoretisch waren die Nazis ziemlich rassistisch, praktisch hingegen eher weniger. Sie waren vor allem politisch motiviert und nahmen den Rassismus als Stütze. Denn wenn man sich den zweiten Weltkrieg und die Zeit davor ansieht, kann man auch sehen das Nazi-Deutschland viele ausländische Regime unterstützt hat und gleichzeitig auch ausländische "minderwertigen" Menschen in ihre Armeen aufgenommen haben. Sogar in der SS gab es sehr viele Osteuropäer die ja eigentlich "Untermenschen" laut ihrer Ideologie waren. Genauso ga es Schwarze und Araber in der Wehrmacht.

Die Nazis sind vor allem deswegen berüchtigt weil sie Menschen, allen vorran Juden in millionenzahl industriell getötet haben - was zur damaligen Zeit komplett einzigartig war.
Wenn es nämlich nur um den 'Rassismus' Punkt geht, waren wir damals nicht mehr oder weniger rassistisch wie jedes andere Land auf der Welt auch.
Das was die Nazis dahingehend besonders hervorgehoben hat, war deswegen nicht mal der Rassismus. Es war vor allem die Judenverfolgung, Homosexuellenverfolg(gab es in anderen Ländern auch, nur nicht so extrem), Behindertenverfolgung (Hauptsächlich genetisch Bedingte).
Dabei sollte man auch die Sterilisation diverser Menschen nicht unterschätzen, wurden davon sogar nicht welche dennoch in die Armee eingegliedert? Ich bin mir nicht ganz sicher.
Zur damaligen Zeit wurdest du halt hauptsächlich umgebracht wenn du Jude oder ein Widerständler warst. Das NIcht-jüdische Volk hingegen wurde meist 'nur' unterdrückt und zum Arbeiten gezwungen.
Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 11118
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Dampflok94 » Mo 5. Sep 2016, 09:22

Kael hat geschrieben:(05 Sep 2016, 09:57)

Nun ja, so ungeeignet waren wir wohl nicht wenn wir komplett Europa unterworfen haben. ;D

Theoretisch waren die Nazis ziemlich rassistisch, praktisch hingegen eher weniger. Sie waren vor allem politisch motiviert und nahmen den Rassismus als Stütze. Denn wenn man sich den zweiten Weltkrieg und die Zeit davor ansieht, kann man auch sehen das Nazi-Deutschland viele ausländische Regime unterstützt hat und gleichzeitig auch ausländische "minderwertigen" Menschen in ihre Armeen aufgenommen haben. Sogar in der SS gab es sehr viele Osteuropäer die ja eigentlich "Untermenschen" laut ihrer Ideologie waren. Genauso ga es Schwarze und Araber in der Wehrmacht.

Daas man teilweise aus pragmatischen Gründen den Rassismus etwas in den Hintergrund stellte, ändert nichts am Grundsätzlichen. Natürlich hat man versucht die Araber zu einem Aufstand gegen die Engländer zu gewinnen. Meines Feindes Feinde sind meine Freunde.
Und es gab eben nicht nur den Holocaust sondern auch den Vernichtungskrieg im Osten. Mit eindeutigen Zielen.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
Kael
Beiträge: 1234
Registriert: Mo 24. Dez 2012, 17:59

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Kael » Mo 5. Sep 2016, 09:51

Natürlich. Das wird auch nicht bestritten. Nur eben das die Ideologie letztlich nur ein politisches Mittel der Erkennung und Hervorhebung war. Aber letztlich war es in allem politisch orientiert. Denn es war ja so gesehen auch ein 'höhere Moralfaktor' weil von einem Menschen welcher der Herrenrasse angehört mehr erwartet wird als von einem 'niederen'.
Aber das gehört glaub ich komplett in ein anderes Thema? :)
Benutzeravatar
BingoBurner
Beiträge: 2175
Registriert: Sa 17. Jan 2015, 12:15
Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » Mo 5. Sep 2016, 10:30

Kael hat geschrieben:(05 Sep 2016, 09:57)

Nun ja, so ungeeignet waren wir wohl nicht wenn wir komplett Europa unterworfen haben. ;D

Theoretisch waren die Nazis ziemlich rassistisch, praktisch hingegen eher weniger.


Das ist so schlecht..........
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 9009
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Sep 2016, 10:42

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 Sep 2016, 19:25)
und doch gab es wissenschaftler die diese verderblichen nazitheorien sogar unterstützen. die andere menschen als minderwertig betrachteten. auch churchill fand z.b. die araber 2. wahl.
sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?

Die deutschen Nazis waren ursprünglich, was Eugenik anbelangt, nur eine Gruppierung von vielen, die begeistert positive (Förderung der Durchsetzung positiver Erbmerkmale) wie auch negative (Ausmerzung angeblich schädlicher Erbmerkmale) Eugenik forderten. Gerade auch sozialdemokratisch gesinnte. Besonders Skandinavien und die Schweiz waren Vorreiter. Siehe nur einmal hier: http://www.zeit.de/1997/37/Wie_Eugenik_ ... e_eroberte
Und in Schweden, dem Land der Nobelpreisvergabe, gab es bis 1975(!) Sterilisationsgesetze für Menschen, deren Erbgut sich angeblich nicht weiter durchsetzen soll. Dummheit ist das vielleich nicht mal. Es ist eher ein bedenkenloser Glaube an deterministische Lenkungs- und Steuerungsmöglichkeiten in einer Welt, in der die relevanten Prozesse nichtdeterministisch und am Chaosrand ablaufen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
BingoBurner
Beiträge: 2175
Registriert: Sa 17. Jan 2015, 12:15
Benutzertitel: Irgendwas mit Würde

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BingoBurner » Mo 5. Sep 2016, 10:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Sep 2016, 11:42)

Es ist eher ein bedenkenloser Glaube an deterministische Lenkungs- und Steuerungsmöglichkeiten in einer Welt, in der die relevanten Prozesse nichtdeterministisch und am Chaosrand ablaufen.


Man kann es auch praktischer ausdrücken......sollte man ein Kind mit braunen Augen als nicht lebenswert einstufen.......das ist Nazi.
Nicht ob etwas oder alles deterministisch ist.
Unglaublich das ihr sowas hier diskutiert.

Mit Darwin hat das nichts mehr zu tun.
I think.......um mal Darwins berühmteste Überlegunng zu zitieren
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1300
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon BlueMonday » Mo 5. Sep 2016, 11:46

Progressiver hat geschrieben:(04 Sep 2016, 21:32)

Die Nazis haben in der Tat den Darwinismus nicht verstanden. Um eine Art zu erhalten, braucht es eine möglichst breite genetische Vielfalt. Was die Nazis wollten, war dagegen eine Art inzestuöse Monokultur.



Tja, analog dazu haben auch Etatisten "Markt" als spontane Ordnung der Vielfalt, der Redundanz, des vielpfadigen "Trial und Errors" nicht verstanden. Diese setzen dann ganz anmaßend lieber auf nationalistische Abschottung, Wettbwerbsunterdrückung, Monokultur, "Harmonisierungen" - statt sich einem belebenden Steuer- und Strukturwettbewerb zu stellen. Da wird dann stattdessen die "Kavallerie" gerufen, zum Großen Halali geblasen, "Steuersünder" gejagt, Daten gestohlen und den "Oasen" der Kampf angesagt.
Spending like there's no tomorrow means someday there'll be no tomorrow.
Unterschiede bewegen die Welt, nicht Gleichheit.
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1586
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Progressiver » Mo 5. Sep 2016, 11:52

Kael hat geschrieben:(05 Sep 2016, 09:57)

Nun ja, so ungeeignet waren wir wohl nicht wenn wir komplett Europa unterworfen haben. ;D

Theoretisch waren die Nazis ziemlich rassistisch, praktisch hingegen eher weniger. Sie waren vor allem politisch motiviert und nahmen den Rassismus als Stütze. Denn wenn man sich den zweiten Weltkrieg und die Zeit davor ansieht, kann man auch sehen das Nazi-Deutschland viele ausländische Regime unterstützt hat und gleichzeitig auch ausländische "minderwertigen" Menschen in ihre Armeen aufgenommen haben. Sogar in der SS gab es sehr viele Osteuropäer die ja eigentlich "Untermenschen" laut ihrer Ideologie waren. Genauso ga es Schwarze und Araber in der Wehrmacht.

Die Nazis sind vor allem deswegen berüchtigt weil sie Menschen, allen vorran Juden in millionenzahl industriell getötet haben - was zur damaligen Zeit komplett einzigartig war.
Wenn es nämlich nur um den 'Rassismus' Punkt geht, waren wir damals nicht mehr oder weniger rassistisch wie jedes andere Land auf der Welt auch.
Das was die Nazis dahingehend besonders hervorgehoben hat, war deswegen nicht mal der Rassismus. Es war vor allem die Judenverfolgung, Homosexuellenverfolg(gab es in anderen Ländern auch, nur nicht so extrem), Behindertenverfolgung (Hauptsächlich genetisch Bedingte).
Dabei sollte man auch die Sterilisation diverser Menschen nicht unterschätzen, wurden davon sogar nicht welche dennoch in die Armee eingegliedert? Ich bin mir nicht ganz sicher.
Zur damaligen Zeit wurdest du halt hauptsächlich umgebracht wenn du Jude oder ein Widerständler warst. Das NIcht-jüdische Volk hingegen wurde meist 'nur' unterdrückt und zum Arbeiten gezwungen.


Wie bitte? Das Dritte Reich hat den Zweiten Weltkrieg total verloren! Und was war Hitlers Antwort? Der Nerobefehl. Er wollte die Niederlage derart total gestalten, dass den Resten des deutschen Volkes komplett die Lebensgrundlage entzogen wird.

Und nein: Die Nazis haben nicht nur Juden vergast. Sie wollten, wenn möglich, alle Polen, Russen etc., langfristig gesehen, umbringen. Und diesen "Lebensraum im Osten" sollten dann die deutschen "Herrenmenschen" bevölkern. Dies alleine wäre schon bekloppt genug. Als Deutscher hätte man da aber auch nicht viel zu lachen gehabt. Denn die Nazis sahen auch die deutschen Soldaten nur als ein Stück Fleisch, das man bei ihren Welteroberungsplänen problemlos verheizen durfte. Frauen wiederum waren bei ihnen nur Gebärmaschinen, die neue Soldaten gebären sollten.

Wie auch immer. Der Rassismus der Nazis beruhte auf keiner Grundlage. Sowohl Russen als auch Deutsche stammten aus der gleichen indogermanischen Völkergruppe und waren insofern Cousins. Und wie man heute unter anderem durch die "Out-of-Africa"-Theorie weiß, sind alle Menschen, die außerhalb Afrikas wohnen, auf eine einzige Auswanderergruppe zurückzuführen.

Wenn man die kruden Theorien der Nazis auseinander nimmt, bleibt also nichts übrig.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Atheist
Beiträge: 5713
Registriert: Do 7. Mai 2015, 09:53

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Atheist » Mo 5. Sep 2016, 12:46

Progressiver hat geschrieben:(05 Sep 2016, 12:52)

Wie bitte? Das Dritte Reich hat den Zweiten Weltkrieg total verloren! Und was war Hitlers Antwort? Der Nerobefehl. Er wollte die Niederlage derart total gestalten, dass den Resten des deutschen Volkes komplett die Lebensgrundlage entzogen wird.

Und nein: Die Nazis haben nicht nur Juden vergast. Sie wollten, wenn möglich, alle Polen, Russen etc., langfristig gesehen, umbringen. Und diesen "Lebensraum im Osten" sollten dann die deutschen "Herrenmenschen" bevölkern. Dies alleine wäre schon bekloppt genug. Als Deutscher hätte man da aber auch nicht viel zu lachen gehabt. Denn die Nazis sahen auch die deutschen Soldaten nur als ein Stück Fleisch, das man bei ihren Welteroberungsplänen problemlos verheizen durfte. Frauen wiederum waren bei ihnen nur Gebärmaschinen, die neue Soldaten gebären sollten.

Wie auch immer. Der Rassismus der Nazis beruhte auf keiner Grundlage. Sowohl Russen als auch Deutsche stammten aus der gleichen indogermanischen Völkergruppe und waren insofern Cousins. Und wie man heute unter anderem durch die "Out-of-Africa"-Theorie weiß, sind alle Menschen, die außerhalb Afrikas wohnen, auf eine einzige Auswanderergruppe zurückzuführen.

Wenn man die kruden Theorien der Nazis auseinander nimmt, bleibt also nichts übrig.


Hinsichtlich der faschistischen Eroberungs-, Verdrängungs- und Vernichtungspolitik sollte bei allen anständigen Menschen Einigkeit herrschen. Darüber müssen wir also nicht schreiben. Diskussionswürdig ist aber ein anderer Punkt, der bisher unerwähnt geblieben ist: Sowohl der Homo sapiens als auch der Homo neanderthalensis entwickelten sich beide aus dem gleichen Menschenaffen. Was einst geschah, könnte auch erneut geschehen. Die tatsächliche (also transportbedingte) sowie auch die soziale Mobilität des Menschen wirken dem zwar entgegen, doch verhindern sie keinesfalls, dass Menschen sich nach Belieben privat fortpflanzen oder dass der Staat durch Bevölkerungspolitik regulierend eingreift oder selbst entsprechende Programme betreibt. In China wüteten beispielsweise keine Faschisten, die das Anderssein hierarchisch einordneten, um Unwertes zu beseitigen, weshalb China führend in der Humangenomforschung ist und auch weiterhin anspruchsvolle Ziele in der Gentechnik anstrebt.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 9009
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Sep 2016, 14:02

BingoBurner hat geschrieben:(05 Sep 2016, 11:49)

Man kann es auch praktischer ausdrücken......sollte man ein Kind mit braunen Augen als nicht lebenswert einstufen.......das ist Nazi.
Nicht ob etwas oder alles deterministisch ist.
Unglaublich das ihr sowas hier diskutiert.

Mit Darwin hat das nichts mehr zu tun.
I think.......um mal Darwins berühmteste Überlegunng zu zitieren

Am Ende des Eingangsbeitrags heißt es:
.... und doch gab es wissenschaftler die diese verderblichen nazitheorien sogar unterstützen. die andere menschen als minderwertig betrachteten. auch churchill fand z.b. die araber 2. wahl.
sind die leute damals so dumm gewesen? oder was ist es wodurch diese schreckliche ideen herrschen konnten?

Es geht also durchaus nicht nur um die NS-Rassenhygien als (wikipedia) "Radikalvariante der Eugenik".
Von der Praxis der Hitler-Ärzte unterschied sich die schwedische Bevölkerungspolitik [1935-1976] dadurch, daß sie sich nicht gegen Juden richtete und nicht auf Tötung aus war. Doch Grundlage war auch in Skandinavien der Glaube an die Lehren der Rassenbiologie. Sie wurden seit 1921 von einem eigens in der Universitätsstadt Uppsala gegründeten Institut aus verbreitet.

(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8777129.html)

Zu den radikalsten Befürwortern dieser "sozialhygienischen" Eugenik gehörten so berühmte Leute wie die Nobelpreisträger Alva und Gunnar Myrdal. Es ging zwar nicht um "Braune Augen" aber auch keineswegs nur um körperliche und/oder geistige Behinderungen sondern um Dinge wie (wörtlich) "Unverkennbarer Zigeunereinschlag, Psychopathie, Vagabundentum, asoziale Lebensführung".

Determininusmus/Indeterminisismus ist natürlich jetzt nur ein grobes Schlagwort. Ich bin nicht Biologe, aber Erklärungen zum Unsinn der Eugenik aus wissenschaftlicher Sicht (unabhängig von iherer ethischen Seite) wie diese
Die aus diesem Konzept abgeleiteten eugenischen Maßnahmen (z.B. Verhinderung der Fortpflanzung von genetisch „belasteten“ Personen) sind unbrauchbar, weil viele genetisch mitbedingte Krankheiten, wie z.B. Schizophrenie, polyfaktoriell verursacht sind. Selbst wenn das Wirkgefüge der beteiligten Gene erforscht wäre, erscheint es sicher, daß diese neben schädlichen auch zahlreiche vorteilhafte Wirkungen haben

leuchten mir durchaus ein und gehen schon in diese Richtung "überschätzter Determinismus" ....
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mo 5. Sep 2016, 14:03, insgesamt 1-mal geändert.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1586
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Progressiver » Mo 5. Sep 2016, 18:08

Zum Thema Schizophrenie: Ein Prozent der Weltbevölkerung leiden mehr oder weniger an dieser Erkrankung. Selbst, wenn man alle derzeit lebenden Menschen, die mit dieser Krankheit zurechtkommen müssen, kastrieren würde, dann gäbe es in der nächsten Generation wieder ein Prozent der Weltbevölkerung, bei denen diese Erkrankung auftaucht.

Wenn zwei Schizophrene ein Kind bekommen, dann liegt die Erblichkeit der Erkrankung bei 50%. Wenn nur einer der Eltern die Krankheit hat, liegt sie bei 10%. Und wie hier schon angedeutet wurde: Ein gewisses Maß an Sensibilität, Kreativität und Genialität tut der Menschheit ganz gut. Nur, wenn jemand über das Ziel hinausschießt und die Vulnerabilität zu groß wird, braucht er Medikamente gegen Psychosen. Wenn die Menschheit dagegen nur aus unsensiblen, unkreativen Psychopathen wie Adolf Hitler bestehen würde, die keinerlei Empathiefähigkeit mitbringen, wäre ihr Ende besiegelt. Und tatsächlich war der Führer auch so ein nervenstarker Psychopath, dass er am Ende unter Parkinson litt. Diese Erkrankung stellt aber das Gegenteil von Schizophrenie dar.

Oder um ein Beispiel zu bringen: Albert Einstein hatte so gute Gene, dass er die Menschheit voranbrachte. Einer seiner Söhne jedoch erkrankte an Schizophrenie. Da hat sich die ähnliche Genkonstellation negativ für den Betroffenen ausgewirkt. Es ist halt immer eine Gratwanderung zwischen Genie und Krankheit.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 9630
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: darwinismus und nazipolitik

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 5. Sep 2016, 18:29

durch kommentare auf meinen eröffnungsbeitrag schwebten meine gedanken weit weg. plötzlich realisierte ich mich daß dieses darwinistische überheblichkeitsgefühl noch immer sehr lebendig ist und gepflegt wird.
orthodoxe moslem hegen diese gedanke. auf irgendeine weise. aber auch trump c.s. die welt wimmelt von beispielen. WK II ist 70 jahre her. die damalige geist lebt aber noch und kann wieder für katastrophen sorgen.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«

Zurück zu „71. Geschichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast