Völkermorde Revisited

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schokoschendrezki
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Völkermorde Revisited

Beitragvon schokoschendrezki » Di 31. Mär 2015, 20:52

Vor ziemlich genau einhundert Jahren, im März 1915, begann eine der ersten systematischen Genozide in der Menschheitsgeschichte, der Völkermord an den Armeniern. Verantwortet vor allem von der jungtürkischen Bewegung, gedeckt aber auch vom damaligen militärischen Partner Deutschland. Deshalb geht die Aufarbeitung auch alle Deutschen an. Die Grausamkeit dieses Völkermords ist nicht zuletzt durch den persönlichen Widerstand einiger deutscher Diplomaten belegt, die allerdiings kaum Gehör fanden. Weder in Berlin noch in Konstantinopel.
http://www.deutschlandfunk.de/auf-dem-weg-nach-cankiri-der-komponist-und-der-voelkermord.1247.de.html?dram:article_id=312420

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der inzwischen weitgehend vergessene, genauer gesagt: politisch-psychologisch verdrängte Vietnam-Krieg - erfüllt er nicht ebenso die Kriterien eines Völkermords? Ein amerikanischer General sprach seinerzeit ganz offen von einem "Zurückbomben in die Steinzeit" und vor allem von einem "Krieg gegen die Geburtenrate", sprich von einer offen auf die Dezimierung der Zivilbevölkerung angelegten Strategie.
http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bP/_-ZS/524y_ygg/150320_0905_radioWissen_Der-Vietnamkrieg---Ein-Albtraum-in-Indochin.mp3
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon freigeist » Di 31. Mär 2015, 21:13

schokoschendrezki » Di 31. Mär 2015, 20:52 hat geschrieben:Vor ziemlich genau einhundert Jahren, im März 1915, begann eine der ersten systematischen Genozide in der Menschheitsgeschichte, der Völkermord an den Armeniern. Verantwortet vor allem von der jungtürkischen Bewegung, gedeckt aber auch vom damaligen militärischen Partner Deutschland. Deshalb geht die Aufarbeitung auch alle Deutschen an. Die Grausamkeit dieses Völkermords ist nicht zuletzt durch den persönlichen Widerstand einiger deutscher Diplomaten belegt, die allerdiings kaum Gehör fanden. Weder in Berlin noch in Konstantinopel.
http://www.deutschlandfunk.de/auf-dem-weg-nach-cankiri-der-komponist-und-der-voelkermord.1247.de.html?dram:article_id=312420

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der inzwischen weitgehend vergessene, genauer gesagt: politisch-psychologisch verdrängte Vietnam-Krieg - erfüllt er nicht ebenso die Kriterien eines Völkermords? Ein amerikanischer General sprach seinerzeit ganz offen von einem "Zurückbomben in die Steinzeit" und vor allem von einem "Krieg gegen die Geburtenrate", sprich von einer offen auf die Dezimierung der Zivilbevölkerung angelegten Strategie.
http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bP/_-ZS/524y_ygg/150320_0905_radioWissen_Der-Vietnamkrieg---Ein-Albtraum-in-Indochin.mp3


Curtis LeMay war ein zweiffelos ein Irrer(der den Wortlaut so bestreitet und auf die militärische Möglichkeit verweist), den die Regierungen nach WK II Gott sei Dank halbwegs unter Kontrolle hatten, um Nuklearschläge zu verhindern. Seine aggressive Doktrin war dennoch weiterhin gegenwärtig. Zumindest hat man den Eindruck, dass die Amerikaner sich mit den Gräuel Vietnams auseinandergesetzt haben, so zb. McNamara, der diese Fehler offen eingestanden hat.
http://www.newyorker.com/news/news-desk ... e-was-true
Nick Turse hat die bizarre und irreale Brutalität dieses Krieges festgehalten.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon palulu » Di 31. Mär 2015, 22:06

Zum 1000. Mal: Der erste Völkermord in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist nicht der Völkermord an den Armeniern.

Sondern: http://en.wikipedia.org/wiki/Herero_and ... a_Genocide
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Nomen Nescio » Di 31. Mär 2015, 22:09

schokoschendrezki » Di 31. Mär 2015, 20:52 hat geschrieben:Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der inzwischen weitgehend vergessene, genauer gesagt: politisch-psychologisch verdrängte Vietnam-Krieg - erfüllt er nicht ebenso die Kriterien eines Völkermords? Ein amerikanischer General sprach seinerzeit ganz offen von einem "Zurückbomben in die Steinzeit" und vor allem von einem "Krieg gegen die Geburtenrate", sprich von einer offen auf die Dezimierung der Zivilbevölkerung angelegten Strategie.
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wie schrecklich auch war was in vietnam geschah, ein »zurückbomben in die steinzeit« ist noch keine holocaust.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Demolit » Mi 1. Apr 2015, 07:41

schokoschendrezki » Di 31. Mär 2015, 20:52 hat geschrieben:Vor ziemlich genau einhundert Jahren, im März 1915, begann eine der ersten systematischen Genozide in der Menschheitsgeschichte, der Völkermord an den Armeniern. Verantwortet vor allem von der jungtürkischen Bewegung, gedeckt aber auch vom damaligen militärischen Partner Deutschland. Deshalb geht die Aufarbeitung auch alle Deutschen an. Die Grausamkeit dieses Völkermords ist nicht zuletzt durch den persönlichen Widerstand einiger deutscher Diplomaten belegt, die allerdiings kaum Gehör fanden. Weder in Berlin noch in Konstantinopel.
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Die Reihe ließe sich fortsetzen. Der inzwischen weitgehend vergessene, genauer gesagt: politisch-psychologisch verdrängte Vietnam-Krieg - erfüllt er nicht ebenso die Kriterien eines Völkermords? Ein amerikanischer General sprach seinerzeit ganz offen von einem "Zurückbomben in die Steinzeit" und vor allem von einem "Krieg gegen die Geburtenrate", sprich von einer offen auf die Dezimierung der Zivilbevölkerung angelegten Strategie.
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Nur kurz angerissen. Die Technisierung brachte den Wahn mit, "Probleme" im Sinne des momentan Stärkeren radikal zu lösen, also auch mit der totalen Vernichtung des "Problems".

Der Schrecken, der dahinter steckt, wurde auf einmal das Korrelativ zum schrecklichen Tun. Daraus war der Mensch gezwungen Umgang mit Problemen anders zu denken.....haben viele heute noch Probleme mit. Besonders die, die Probleme mit den gleichen Gedankenwelten angegen, die zu Beginn des 20. Jhdt. en vogue waren. Nicht umsonst treibt der Nationalismus seltsame Blpten in schwachen Staaten, die neinen sie wären schon oder noch stark.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 08:42

Demolit » Mi 1. Apr 2015, 07:41 hat geschrieben:Nicht umsonst treibt der Nationalismus seltsame Blpten in schwachen Staaten, die neinen sie wären schon oder noch stark.

Ein Kampf für Volk und Nation, war schon immer die beste Legitimation für abscheulichste Verbrechen. Der Mensch scheint keinerlei moralische Grenzen zu kennen, wenn ihn die Sorge um die Weiterexistenz der eigenen Gemeinschaft ergriffen hat.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon ThorsHamar » Mi 1. Apr 2015, 09:06

Hooligan » vor 20 Minuten hat geschrieben:Ein Kampf für Volk und Nation, war schon immer die beste Legitimation für abscheulichste Verbrechen. Der Mensch scheint keinerlei moralische Grenzen zu kennen, wenn ihn die Sorge um die Weiterexistenz der eigenen Gemeinschaft ergriffen hat.


Natürlich nicht.
Genau deshalb wird von interessierter Seite "dem Menschen" ja auch diese Bedrohung ständig eingeimpft, als bestes Mittel zur Schaffung von Identität durch Abgrenzung.
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 09:38

Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 08:42 hat geschrieben:Ein Kampf für Volk und Nation, war schon immer die beste Legitimation für abscheulichste Verbrechen. Der Mensch scheint keinerlei moralische Grenzen zu kennen, wenn ihn die Sorge um die Weiterexistenz der eigenen Gemeinschaft ergriffen hat.

.. ja natürlich .. war aber schon immer so ... es gibt auch ein interessantes Buch über Völkermorde in der Geschichte und kaum ein Land wird nicht ausgelassen ...
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 09:54

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 09:38 hat geschrieben:.. ja natürlich .. war aber schon immer so

Es beginnt sich aber langsam zu ändern. Schurkenstaaten wie Russland und Syrien sind nur temporär so. Entweder sie kommen zur Vernunft oder es gibt eine Revolution.

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 09:38 hat geschrieben:... es gibt auch ein interessantes Buch über Völkermorde in der Geschichte und kaum ein Land wird nicht ausgelassen ...

Nicht nur eins. Bemerkenswert finde ich das Leugnen von Völkermord. Ich glaube, in der Türkei darf immer noch nichts über den Aghet publiziert werden. Und in Frankreich ist Holocaustleugnung wieder groß im Kommen. Nazi-Opa Faurisson und ein Kabarettist Namens Dieudonné machen dort ziemlichen antisemitischen Wirbel.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 09:59

Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 09:54 hat geschrieben:Es beginnt sich aber langsam zu ändern. Schurkenstaaten wie Russland und Syrien sind nur temporär so.
.. es stellt sich da schon wieder die Frage , warum sind Russland und Syrien Schurkenstaaten , das ist eine ungerechtfertigte Verleugnung dieser Staaten ..
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 10:04

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 09:59 hat geschrieben:.. es stellt sich da schon wieder die Frage , warum sind Russland und Syrien Schurkenstaaten ,

Manchmal durchlaufen Staaten eine fatale Entwicklung. Dann werden sie instabil, dann wird die Freiheit der Bürger eingeschränkt und sie führen Kriege und begehen andere Verbrechen. Das kann niemand wirklich steuern.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Nichtwähler » Mi 1. Apr 2015, 10:51

palulu » 31.03.2015, 23:06 hat geschrieben:Zum 1000. Mal: Der erste Völkermord in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist nicht der Völkermord an den Armeniern.

Sondern: http://en.wikipedia.org/wiki/Herero_and ... a_Genocide


Da gab es im alten Rom auch die Christenverfolgung, in Südamerika die Vernichtung der Inka, in Amerika die Indianer usw. usf..

Allein die Genozide in Afrika sind kaum bekannt und selbst zu Ende des 20. Jh. gab es in Europa ( Balkan ) einen solchen.

Ob das jemals aufhört wage ich zu bezweifeln.
Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 10:55

Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 10:04 hat geschrieben:Manchmal durchlaufen Staaten eine fatale Entwicklung. Dann werden sie instabil, dann wird die Freiheit der Bürger eingeschränkt und sie führen Kriege und begehen andere Verbrechen. Das kann niemand wirklich steuern.

.. so wie es aber in Syrien aussieht , hatte Assad anscheinend ja doch Recht , als er davon sprach , daß bezahlte Terroristen sein Land destabilisieren ... was anderes machen doch diese verschiedenen terroristischen Gruppierungen doch nicht .. Syrien war doch vorher ein ruhiges Land in dem man friedlich leben konnte ...
und warum du Russland als Schurkenstaat bezeichnest ist mir vollkommen unklar ..
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 11:33

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 10:55 hat geschrieben:und warum du Russland als Schurkenstaat bezeichnest ist mir vollkommen unklar ..


Du glaubst wohl dass Putler und seine Oligarchenbande nur zum Spaß sanktioniert werden.
Aber hier ist das Thema Völkermord.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 11:34

Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 11:33 hat geschrieben:
Du glaubst wohl dass Putler und seine Oligarchenbande nur zum Spaß sanktioniert werden.
Aber hier ist das Thema Völkermord.

.. aber deswegen ist ganz Russland nicht gleich ein Schurkenstaat .. und außerdem , so ganz Unrecht hat Putin ja nun auch nicht ...
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 11:48

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 11:34 hat geschrieben:.. aber deswegen ist ganz Russland nicht gleich ein Schurkenstaat ..

Naja, Homosexuelle werden unterdrückt, kritische Journalisten ermordet, in der Ukraine gemetzelt, ... das reicht ja wohl.

Kanzlerqualle » Mi 1. Apr 2015, 11:34 hat geschrieben:und außerdem , so ganz Unrecht hat Putin ja nun auch nicht ...

Womit?
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Apr 2015, 12:03

palulu » Di 31. Mär 2015, 23:06 hat geschrieben:Zum 1000. Mal: Der erste Völkermord in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist nicht der Völkermord an den Armeniern.



Das hat hier in diesem Thread (bislang) auch weder der Ersteller noch der Autor des zitierten Radioessays noch sonst irgendwer behauptet ...

schokoschendrezki hat geschrieben:Vor ziemlich genau einhundert Jahren, im März 1915, begann eine der ersten systematischen Genozide in der Menschheitsgeschichte, der Völkermord an den Armeniern.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Apr 2015, 12:13

Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 09:42 hat geschrieben:Ein Kampf für Volk und Nation, war schon immer die beste Legitimation für abscheulichste Verbrechen. Der Mensch scheint keinerlei moralische Grenzen zu kennen, wenn ihn die Sorge um die Weiterexistenz der eigenen Gemeinschaft ergriffen hat.


Bevor ihn diese Sorge ergreift, muss er sich aber zunächst überhaupt als Teil einer Gemeinschaft begreifen und dies als etwas für ihn sehr wesentliches empfinden. Alle diese Gemeinschaften, man kann es nicht oft genug sagen, sind nur ganz sekundär reale Gegebenheiten und dafür aber ganz wesentlich soziale Konstruktionen. Die moderne Genetik könnte ziemlich genau meine biologische Herkunft klären und auch einigermaßen genau geographisch und ethnisch festlegen. Aber was hat das groß zu besagen neben dem viel stärkeren und prägenderen Vorsatz, ein Deutscher (Pole, Franzose, Russe usw.) zu sein, sich als Teil der entsprechenden Gemeinschaft zu begreifen.
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Apr 2015, 12:25

Nochmal zum Völkermord an den Armeniern:

Es gibt zwei aktuelle politische Bücher, die die Geschehnisse aufgreifen und versuchen neu zu analysieren und zu bewerten:

Jürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord. Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier, Christoph Links Verlag, 343 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-861-53817-2, erschienen am 24.02.2015

Michael Hesemann: Völkermord an den Armeniern, Herbig Verlag, 351 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-776-62755-8, erschienen am 23.02.2015

Anders als bislang unterstellt Gottschlich den Deutschen nicht nur Duldung dieses Völkermords als damaliger militärischer Verbündeter der Türkei sondern auch direkte Beihilfe.

Für Hesemann steht der religiöse Aspekt des Christenhasses im Vordergrund.

Beide Bücher werden in einem Beitrag von "Andruck - Magazin für politische Literatur" des Deutschlandfunks vom 23.03.15 rezensiert: Völkermord an den Armeniern - Beihilfe aus Deutschland?
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Re: Völkermorde Revisited

Beitragvon Hooligan » Mi 1. Apr 2015, 12:34

schokoschendrezki » Mi 1. Apr 2015, 12:13 hat geschrieben:Bevor ihn diese Sorge ergreift, muss er sich aber zunächst überhaupt als Teil einer Gemeinschaft begreifen und dies als etwas für ihn sehr wesentliches empfinden. Alle diese Gemeinschaften, man kann es nicht oft genug sagen, sind nur ganz sekundär reale Gegebenheiten und dafür aber ganz wesentlich soziale Konstruktionen.

So ist es. Letztlich basiert diese Gemeinschaft nur auf Mythen und dem starken Willen, eine Gemeinschaft darzustellen. Und Ähnliches denkt man auch von jenem Kollektiv, das man zu seinem Feind auserkoren hat. Es entsteht eine Mischung aus Angst und Hass gegen die anderen und letztlich entsteht der Wunsch, sie mit Stumpf und Stiel auzurotten. Das wird als einzige Lösung des Konflikts empfunden. Eines Konflikts, der nur fiktiv und rein aus irrationalen Gedankengängen gemacht ist.

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