Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

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Platon
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Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

Beitragvon Platon » Sa 6. Apr 2013, 20:42

Liebe Userinnen und User

Da das Thema der Juden im Iran immer wieder aufkommt und es auch aufgrund des Konflikts zwischen der Islamischen Republik Iran und Israel hin und wieder politische Bedeutung erhält soll im Folgenden die Geschichte der Juden im modernen Iran erzählt werden. Sie endet mit der islamischen Revolution. Darum steht der Strang auch ganz bewusst im Forum für Geschichte und nicht in Forum 36.

Die Geschichte der iranischen Juden reicht über eine Strecke von 2500 Jahren zurück und beginnt in der Zeit von Kyros II., welcher die Juden im babylonischen Exil befreite und nach Israel zurückkehren ließ und für seine religiöse Toleranz bewundert wird. Seit dieser Zeit war man wechselnden Verhältnissen von Ruhe und Verfolgung ausgesetzt und vollbrachte Kulturleistungen, wie das Schaffen einer eigenen judeo-persischen Literatur, welche eine Synthese aus persischer Literatur und Judentum schuf. Geschrieben hat man diese in persischer Sprache, aber im hebräischen Alphabet.
Jedoch sah man sich insbesondere ab dem 16ten Jahrhundert und der Machtübernahme der Safawiden beschwerlichen Bedingungen ausgesetzt, periodisch auftretende Verfolgungen, welche ganze Gemeinden zur Konversion zum Islam zwingen oder vertreiben konnten. Der 12er Schiismus erwies sich als äußerst untolerant gegenüber Nicht-Muslimen, was insbesondere die Juden traf, welche als unrein galten und welche deshalb zahlreichen Einschränkungen und Stigmatisierungen unterworfen waren. Auch während der Dynastie der Qajaren (1779-1925) kam es immer wieder zu schlimmen Zwischenfällen, der bekannteste sicherlich 1839 in Maschhad, als ein Mob über die jüdische Gemeinde herfiel und binnen eines Tages die gesamte jüdische Bevölkerung zum Islam konvertierte. Jedoch war dies nur äußerlich, während man privat weiterhin jüdisch blieb. (Link) Viele wanderten dazu in andere jüdischen Gemeinden im Iran aus, andere ins sunnitische Afghanistan wo man toleranter mit Juden umging. Erst später im 20ten Jahrhundert begann man sich wieder zum Judentum zu bekennen.

Im Laufe des 19ten Jahrhunderts kamen dazu die Missionsversuche westlicher Christen, welche über soziale Einrichtungen versuchten unter anderem Juden zu bekehren. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Attraktiver war für viele Juden erstaunlicherweise der gerade erst neu entstandene Glaube der Bahai. Eine Mitte des 19ten Jahrhundert im Iran entstandene Religion, welche den persischen Juden spirituelle Perspektiven und Möglichkeiten eröffnete, welche das praktisch am Boden liegende traditionelle Judentum offenbar nicht mehr leisten konnte. Wenngleich die Bahai als Ableger der 12er Schiiten noch stärkeren Verfolgungen ausgesetzt waren, galten (und gelten) sie doch als Apostaten die getötet werden müssen.
In dieser Situation der periodischen Verfolgung durch die islamische Mehrheitsgesellschaft und des Missionsdruck durch Christliche Missionare und Bahai kam die Rettung aus dem Westen in Person der Alliance Israélite Universelle einer kulturellen jüdischen französischen Organisation, welche sich nach der Damaskus-Affäre 1840 der Unterstützung von Juden auf der ganzen Welt verschrieben hatte. Dazu intervenierte sie einerseits diplomatisch, errichtete andererseits aber auch Schulen für die örtliche jüdische Bevölkerung, die aber auch Nicht-Juden offen stand.
Bereits Anfang der 1860er hatte es eine Kontaktaufnahme der iranischen Juden mit der Alliance gegeben, jedoch dauerte es bis 1898 bis die erste Schule in Teheran errichtet wurde. Ihr folgten mehrere andere Schulen in anderen großen Städten. Vermittelt wurde eine moderne Bildung französischer Machart zusätzlich mit Religions- und Hebräisch-Unterricht.
Dies legte die Grundlage für einen beginnenden sozialen Aufstieg und ein hebräisch-persischen Erwachens und einem abrupten Ende der Massenkonversionen zu den Bahai. Begünstigt wurde dies durch die Entwicklungen im restlichen Land, das damals noch Persien hieß und welche zum entstehen des Modernen Iran führten und den Juden als religiöse Minderheit neue Möglichkeiten boten.

Bereits im Laufe des 19ten Jahrhunderts hatte es vereinzelt Versuche gegeben das Land zu modernisieren. Militärische Niederlagen (Friede von Turkmantschai) hatten die eigene Schwäche vor Augen geführt und es zum Opfer von Begehrlichkeiten der Russen (von Norden kommend) wie Briten (von Indien kommend) werden lassen. Ersten Modernisierungsbemühungen von Leuten wie Abbas Mirza oder Amir Kabir war kein nachhaltiger Erfolg beschieden sie führten aber 1851 zur Gründung einer modernen Hochschule der Dar al-Fonoun, welche modernes Wissen vermitteln sollte. Durch das Erlernen westlicher Fremdsprachenkenntnisse, Reisen nach Europa und der Übersetzung verschiedenster Bücher kamen neue Ideen in den Iran und es bildete sich eine dünne Schicht von Intellektuellen, die man gemeinhin Intelligentsia nennen könnte.
Diese Leute waren der Ansicht, dass das Problem des Landes vor allem ein politisches sei und wollten durch eine Veränderung des Politischen Systems das Land in die Moderne führen. Sie waren sehr stark von der französischen Revolution beeinflusst und vertraten Ideen wie Konstitutionalismus, bürgerliche Freiheiten, Republikanismus und propagierten einen neuen Nationalismus, welcher sich stark an die vorislamische Geschichte anlehnte und zu einem neuen nationalistisch erweckten Iran führen sollte.
Zu Beginn der konstitionellen Revolution 1905 verbündete man sich mit Handwerkern und Händlern (die so genannten Bazaris) und einigen Geistlichen und erzwang durch Demonstrationen und einen Generalstreik schließlich die Unterzeichnung einer Verfassung und die Einrichtung eines Parlaments 1907. Es folgte 1908 die Konterrevolution, die Bombardierung des Parlaments und die Vertreibung der Revolutionäre aus Teheran nach Tabriz. Es gelang den Revolutionären, zusammen mit Truppen eines der Revolution loyalen Stammes Teheran zurück zu erobern und den Schah zu vertreiben. Als dann nach einer weiteren misslungenen Konterrevolution Ende 1911 die Russen in den Iran einmarschierten erzwangen sie die Auflösung des aktuellen Parlaments und beendeten die eigentlich revolutionäre Phase. Es gelang allerdings auch weiterhin nicht wirklich wieder stabile Verhältnisse im Land herzustellen.
Dazu brach kurz darauf der erste Weltkrieg aus und der Iran wurde durch ausländische Truppen besetzt. Die Revolution war nicht zuletzt daran gescheitert, dass es noch gar keinen iranischen Staat im eigentlichen Sinne gegeben hat. Die Qajaren haben über einen Iran geherrscht, welcher von lokalen Machtstrukturen und Tribalismus geprägt war. Es gab einen Zentralstaat ganz einfach nicht. Man konnte zwar Wahlen abhalten und das dadurch gebildete Parlament konnte Beschlüsse fassen, nur waren diese außerhalb Teherans von eher wechselhafter Bedeutung. Aus derselben Schwäche heraus, war man auch ausländischen Mächten nahezu schutzlos ausgeliefert.

Die jüdische Minderheit war in dieser Zeit den Wirren der instabilen politischen Lage ausgesetzt, einige von ihnen kämpften auf Seiten der Revolutionäre, während andere in einer Episode sogar gegen die Einrichtung einer Verfassen demonstrieren musste um mögliche Racheaktionen der Schah-treuen zu vermeiden.
Die Einrichtung des Parlaments und die Schaffung der Verfassung im Geiste des neuen iranischen Nationalismus hatten dennoch äußerst positive Auswirkungen. So wurde in einer Verfassungsergänzung während der Revolution die Gleichheit aller Bewohner Irans festgeschrieben und damit jede rechtliche Diskriminierung grundsätzlich abgeschafft. Dazu setzten sich diejenigen Kräfte durch welche für eine Nationale Versammlung plädierten und eine islamische Versammlung ablehnten was dann auch die Entsendung des berühmten per Gesetz bis heute festgeschriebenen einen Abgeordneten ins Parlament ermöglichte.
Jedoch hatte man auch hier mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen so war es dem ersten jüdischen Abgeordneten unmöglich zu arbeiten, weil ihn manche seiner Kollegen als unrein ansahen und er daher handlungsunfähig war. Aus diesem Grund entsandte man einen bekannten pro-revolutionären Geistlichen als Vertreter der Juden ins Parlament. Einige Jahre später war diese Stellvertreterschaft schon nicht mehr nötig.

Die fortgesetzte Umsetzung dieser Regelungen wurde weiter begünstigt durch den Putsch des Militärs 1921 durch Reza Schah zusammen mit Seyyed Zia al Din Tabatabai. Reza Schah setzte sich schließlich, gestützt auf das ihm loyale Militär, als starker Mann im Land durch. Er legte dem Parlament und der Demokratie die Zügeln an und krönte sich schließlich 1925 nach Parlamentsbeschluss zum Schah der neuen Pahlavi-Dynastie, verfolgte aber ein Reformprogramm im Geiste des neuen Nationalismus der ehemaligen konstitutionellen Bewegung und teilweise waren auch führende Köpfe der Bewegung in seinen Regierungen tätig. Er errichtete einen säkularen zentralistischen Nationalstaat, wozu er z.B. gegen alle Widerstände die Wehrpflicht einführte, die Macht der Stämme brach, ein nationales Schulwesen einführte, die Gesundheitsversorgung und die Infrastruktur verbesserte um nur einige Sachen zu nennen. Dazu führte er Kleidungsvorschriften ein, verbot 1936 das Tragen des Schleiers und ordnete das Tragen westlicher Kleidung und des Pahlavi-Hut an.
Das ganze Land wurde Iranisiert. Darunter versteht man den Versuch alle Bewohner Teil einer iranischen Einheitskultur werden zu lassen, mit einer einheitlichen Sprache, einer einheitlichen Kleidung, Bürger eines einheitlichen zentralistischen Staates usw. was den Juden natürlich zu Gute kam, da sie nun auf der Straße und im Alltag nicht mehr Juden sondern Iraner waren. 1934 kam es in diesem Zusammenhang dann auch zur Umbenennung des Landes von Persien in Iran. Die Parallelen zu den Türkisierungkampagnen im neuen Nationalstaat der Türkei sind übrigens kein Zufall. Atatürk war für Reza Schah ein Vorbild und er weilte 1934 auch bei einem längeren Staatsbesuch in der Türkei. (Reza Shah Pahlavi meets Atatürk in 1934 (HD)) Reza Schah, welcher sich Ende der 30er Jahre zunehmend Nazi-Deutschland angenähert hatte, wurde 1941 durch eine weitere Besatzung durch sowjetische und britische Truppen gestürzt und durch seinen Sohn Mohammed Reza Schah ersetzt.

Erste zionistische Bemühungen begannen im Iran 1910 in Hamadan durch eine Gruppe junger Aktivisten, welche eine zionistische Organisation gründeten und von 1915-1916 eine zionistische Zeitung auf judeo-persisch herausgaben. (Shalom) Das blieb allerdings vorerst Episode.
Seinen eigentlichen „Durchbruch“ hatte der Zionismus unter den Juden Irans durch die Nachricht von der Balfour-Erklärung, welche eine Woche nach ihrer offiziellen Verkündung den Iran erreichte. Es wurde nun auch in Teheran zionistische Organisationen gegründet, Spenden gesammelt, Kontakte geknüpft und Hebräisch-Unterricht organisiert und auch eine Zeitung herausgegeben. [Ha Geullah)
Dieser Zionismus war primär religiös geprägt und knüpfte an alte jüdische Vorstellungen über die Rückkehr nach Zion/Jerusalem an. Er verlangte dazu die Stärkung des jüdischen Selbstverständnisses und dazu gehörte, dass man das Hebräische nicht nur lesen sondern auch sprechen konnte. Diese frühe Periode des iranischen Zionismus ist mehr im Sinne eines allgemeinen Aufschwungs des Jüdischen unter den Juden Irans in dieser Periode zu verstehen. Mit der Machtübernahme durch Reza Schah und seinem Iranisierungs-Reformprogramm wurden sämtliche mit dem Ausland verbundene Organisationen aufgelöst, darunter auch die Zionistischen was zu einer Unterbrechung entsprechender Aktivitäten führte.
Die Absetzung von Reza Schah 1941 durch britische und sowjetische Truppen, welche das Land wie schon im ersten Weltkrieg besetzten, führten zu einer Renaissance der zionistischen Bemühungen. Dazu beigetragen haben die neuen Freiheiten, welche durch die ausländische Besatzung für die Zionisten entstand, die Nazi-Propaganda in den vorangegangen Jahren und die Ankunft von Flüchtlingen aus Polen (sehr bekannt: Die Teheraner Kinder), welche unter Anderen von der jüdischen Gemeinde in Teheran untergebracht wurden. Das Ergebnis der Aktivitäten war die Auswanderung von 1/3 der iranischen Juden nach Israel nach dessen Staatsgründung. Von 1948-1958 waren es etwa 40 000, von 1958-1968 noch einmal 16000 und von 1968-1978 9000. Vor allem sozial schwache Juden nutzten die Gelegenheit in Israel ein neues und hoffentlich besseres Leben zu beginnen, was für die jüdische Gemeinde in Iran dann wiederum positiv war, weil sie sie nicht mehr mitversorgen mussten.

Die Zeit von Reza Schah bedeutet den Beginn des sozialen Aufstiegs der Juden im Iran. Sie waren einerseits durch den nun stärkeren Staat besser vor Übergriffen geschützt und hatten durch ihre moderne Bildung gute Voraussetzungen im neuen Iran zu bestehen. Dazu wurden diskriminierende Regelungen wie die Zahlung der Jizya (Kopfsteuer für Dhimmis) abgeschafft. Sie assimilierten sich in die neue säkular-nationalistische Gesellschaft, mit der sie sich selbst identifizieren konnten, und wurden ein Teil von ihr. Sie verließen die traditionellen Judenviertel, in denen sie lange abgeschottet, angegrenzt und periodisch bedroht von der islamischen Mehrheitsgesellschaft gelebt hatten und zogen in die besseren Viertel der aufstrebenden Mittelklasse.
Allerdings gab es nach wie vor antijüdische/antisemitische Einstellungen, wie die Rezeption der Nazi-Propaganda im zweiten Weltkrieg oder die Reaktionen auf die Staatsgründung Israels, vor allem in religiösen Kreisen. Auch war man in den meisten politischen Bewegungen nicht wirklich willkommen, lediglich die Kommunisten der Tudeh-Partei nahmen einige Hundert jüdische Intellektuelle in ihre Reihen auf.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte es im Iran ein Interregium der Leute um Mossadeq gegeben, welche versuchten die iranische Ölindustrie zu verstaatlichen und im Laufe der Ereignisse Mohammed Reza Schah Pahlavi nach Italien fliehen musste. Durch einen Coup der CIA wurde er wieder in Amt und Würden gehoben. Operation Ajax)
Ihren eigentlichen Höhepunkt erlebten die iranischen Juden schließlich nach diesen Ereignissen in den 1960er und 1970er Jahren. Die weiße Revolution, ein Reformprogramm mit dem Mohammed Reza Schah versuchte seinen Rückhalt in der Bevölkerung zu verbreitern, ermöglichte vielen Juden zu Wohlstand und Reichtum zu kommen, dazu waren sie in der Gesellschaft nun vollkommen gleich gestellt und besaßen alle Freiheiten. Die überwiegende Mehrheit der iranischen Juden gehörte in den 1970ern zur Mittelklasse (Wiki spricht von 80%), dazu 10% die reich waren. Diese Periode wird gerne das „Goldene Zeitalter des Persischen Judentums“ genannt.

Es endete mit der islamischen Revolution 1979. Khomeini hatte vor der Revolution in seinen Polemiken gegen den Schah auch antijüdische Aussagen gemacht, nicht zuletzt wegen der engen Verbindungen Israels mit dem Schah und wohlhabender Juden mit dem Pahlavi-Hof. Eine Signalwirkung hatte die Anklage und Hinrichtung von Habib Elghanian durch ein islamisches Revolutionstribunal aufgrund von Korruption, Kontakten mit Israel und dem Zionismus sowie Freundschaft mit den Feinden Gottes. In der Folge verließen 2/3 der 80000-100000 jüdischen Iraner das Land. 15000-25000 gingen nach Israel, 30000-40000 in die USA und etwa 10000 in andere Länder.

Mit dem Verlassen der alten Eliten wurden nun antizionistische und linksgerichtete Aktivisten die neuen Wortführer der jüdischen Gemeinde. Sie hatten sich früh auf die Seite der Revolutionäre gestellt und es gelang ihnen zu einem Übereinkommen mit Khomeini selbst zu kommen. Nach diesem würde sich die jüdische Gemeinde antizionistisch verhalten, während die Revolutionäre streng zwischen Zionisten und Juden unterscheiden. Eine Regelung welche bis heute gilt und welche das Wohlergehen der jüdischen Minderheit sichert.

Zusammengefasst:
Die iranischen Juden haben zu Beginn des Zeitalters des modernen Iran das Dasein einer bedrohten Minderheit geführt. Sie wurden episodisch durch die islamische Mehrheitsgesellschaft bedroht und standen unter Druck christlicher Missionare und vor allem des neuen Glaubens der Bahai. Doch durch die Aktivitäten der Alliance Israélite Universelle und den Errungenschaften der konstitutionellen Bewegung gelang ihnen im Laufe des 20ten Jahrhunderts einen beispiellosen sozialen Aufstieg zu verwirklichen, welcher im Zuge der Folgen der weißen Revolution in den 1970ern seinen absoluten Höhepunkt erreichte. Erwähnenswert ist zudem, dass in den Jahren nach der Staatsgründung 1948 1/3 der damaligen jüdischen Bevölkerung nach Israel emigrierten. Nach dem Umsturz der islamischen Revolution 1979 verließen 2/3 der Juden das Land und die alten Eliten wurden durch neue antizionistische linksgerichtete Aktivisten abgelöst, welche sofort einen Modus Vivendi mit den neuen Herrschern finden konnten.

http://www.iranicaonline.org/articles/j ... -1925-1979
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Re: Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

Beitragvon NMA » Sa 6. Apr 2013, 21:06

Wie ist es denn eigentlich um Sinn und Unsinn des iranischen Minderheitenwahlrechts bestellt? Verschafft es Einfluss oder ist es nur Blendwerk?

Strang wurde getwittert!
HugoBettauer

Re: Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

Beitragvon HugoBettauer » Fr 19. Apr 2013, 09:24

Danke für den umfangreichen Beitrag. Noch Nachfragen:

1) Ist es für Juden heute unkompliziert möglich, aus dem Iran auszuwandern oder in den Iran einzuwandern und dort Bürger zu werden?
2) Wie haben sich die Zahlen der Juden im Iran nach dem großen Exodus der 40er/50er absolut und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung entwickelt?
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Re: Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

Beitragvon Platon » Mi 25. Jun 2014, 12:06

Artikel über die Erfahrungen persischer Jüdinnen, welche mit ihren Familien nach Israel ausgewandert sind und nun dort in der Armee arbeiten.
Schließlich kommen S. die Tränen. Sie sitzt in ihrer Armeeuniform hinter dem Schreibtisch und lässt die Tränen laufen. Sie schluchzt und schämt sich doch kein bisschen. "Das hat nichts mit Schwäche zu tun", sagt sie. "Wenn ich diese Reise in die Vergangenheit antrete, rührt das Dinge in mir, die sehr empfindlich sind. Dinge, die man irgendwo weggeschlossen hat und die plötzlich wieder ganz lebendig sind."

Und schließlich tue es ja auch gut, diese schweren Erinnerungen von Zeit zu Zeit wieder hervorzuholen, sagt die Offizierin noch unter Tränen, bevor sie sich freundlich verabschiedet und wieder dem Jetzt zuwendet, ihrer Arbeit in diesem unscheinbaren Büro auf einer Militärbasis im Zentrum von Israel. S. ist Berufssoldatin und für die medizinische Versorgung zuständig. Vor wenigen Monaten war sie noch auf den Philippinen, um nach dem Erdbeben dort ein Feldlazarett für die Soforthilfe zu errichten. Die Armee sei heute ihre Heimat, versichert sie: "Hier fühle ich mich vollständig."

Das Früher ist meistens weit weg – zeitlich und geografisch. Denn es ist immerhin schon 33 Jahre her, als S. in einer iranischen Stadt zur Welt kam. Aus Sorge um die Sicherheit von im Iran verbliebenen Angehörigen dürfen wir ihren echten Namen nicht veröffentlichen, auch der Name ihres Geburtsorts ist geheim, ebenso wie die Details der Flucht nach Israel. Und ein Foto? Nein, das sei natürlich auch nicht möglich. Die Situation für Juden im Iran sei ohnehin angespannt, heißt es nur bei der Armee. Da gelte es, Schlimmeres zu vermeiden.
[...]

http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... ienst.html
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Re: Die Geschichte der Juden im Modernen Iran

Beitragvon Gutmensch » Mi 25. Jun 2014, 13:40

In dem Zusammenhang sei der islamische Antisemitismus erwähnt, der seit dem 16. Jhd.. eine lange Tradition hinter sich hat.


Aus welchen Quellen speist sich dieser Antisemitismus? Zunächst einmal muss fest gestellt werden, dass judenfeindliche Haltungen im Iran nichts Neues sind. Frühe Formen eines religiös begründeten Antijudaismus gab es schon ab dem frühen 16. Jahrhundert, als im Iran die militante Zwölfer-Schia auf den Plan trat. Als die Dynastie der Safawiden den schiitischen Islam zur Staatsreligion erklärte, brachen für die alteingesessenen Juden schlimme Zeiten an. Mancherorts kam es zu Vertreibungen und Zwangsbekehrungen, etwa in Isfahan im Jahr 1656. Noch ärger wurde es unter der Kadscharen-Dynastie, die in Persien bis zum Jahr 1925 regierte: Unter ihnen häuften sich die antijüdischen Vorfälle, und in der Stadt Mashhad kam es 1839 sogar zu einem Massenmord, den fanatisierte schiitische Muslime im jüdischen Viertel anzettelten.

Die forcierte Säkularisierung, die der erste Pahlavi-Schah Reza Khan begonnen hatte, brachte paradoxerweise eine weitere, dramatische Verschlechterung für die Juden im Iran. Die Modernisierung sollte eine "iranische Nation" hervorbringen, in der konfessionelle und tribale Merkmale keine Rolle mehr spielen sollten. Doch bereits in den Dreißigerjahren schlug der neue Nationalismus in Rassismus um. Die Zahl antijüdischer Übergriffe stieg rapide an, und Juden mussten in großer Zahl den Staatsdienst quittieren; in den Grenzregionen kam es sogar zu Massenvertreibungen. Daraufhin setzte die erste Auswanderungswelle iranischer Juden ein. Sie mündete später, nach der israelischen Staatsgründung, in einen Massenexodus, in dem mehr als ein Drittel der alteingesessenen jüdischen Bevölkerung das Land verließ.


http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2006/08/12/a0129


Nach der islamischen Revolution hat sich die Lage der Juden dramatisch verschlechtert.

Doch damit nicht genug: In seiner Lehre mischte Chomeini aus den religiös begründeten, antijüdischen Feindbildern aus dem Iran und dem modernen Antisemitismus aus Europa seine Synthese eines griffigen, islamistischen Antisemitismus. Dessen wesentliche Grundzüge legte er in seinem Hauptwerk "Der islamische Staat" dar: Darin werden "die Juden" als Betrüger und Verschwörer beschrieben, deren Ziel die Weltherrschaft sei.


http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2006/08/12/a0129
the NSA is watching you! :D

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