Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

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Hyde
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Hyde » Do 1. Sep 2016, 05:10

firlefanz11 hat geschrieben:(25 Jul 2016, 16:58)

Mein Physiklehrer pflegte zu sagen: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo es steht."
Nur das Hauptproblem mit "Informationen" im Internet ist, dass zu allen möglichen Themen von BS über akademisches Halbwissen bis hin zu brauchbaren Informationen alles zu finden ist. Da fällt das filtern schwer, und man macht sich schnell mal die falschen Infos zu eigen. Mein Prof. für Prozesstechnik hat mal gesagt wer es schafft einen Filter zu entwickeln der aus dem Internet das Rauschen heraus filtert, so dass nur die brauchbaren Informationen übrig bleiben hat ausgesorgt. Nur leider ist das m. M. n. gar nicht möglich. Denn dann wäre der Filteralgorithmus quasi allwissend.
Auf der anderen Seite ist es eben auch eine Möglichkeit an Informationen zu kommen, die man sonst so schnell nicht erhalten würde, gerade wenn es sich um verifizierbare Informationen handelt...


Ich finde überhaupt nicht, dass es schwierig ist, sich im Internet die richtigen Informationen rauszufiltern. Was ist denn daran in deinen Augen die Schwierigkeit?
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fazer » Do 1. Sep 2016, 16:22

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 17:21)

Hallo HugoBettauer.Dem möchte ich leicht widersprechen!

Wissenschaftler der Columbia Universität haben eine Untersuchung veröffentlicht, deren Ergebnisse zeigen, daß insbesondere Suchmaschinen die Art und Weise wie wir Informationen in unserem Gedächtnis speichern, nachhaltig verändern.
    ... daß wir uns immer öfter nicht die Informationen direkt merken, sondern lediglich den Ort, wo wir diese später am ehesten wieder abrufen können.
Obwohl:
    dieses "kollektive Gedächtnis" hat es auch schon früher gegeben - Partner, Freunden oder Familie merkten sich sämtliche Geburtstage im Familien- und Bekanntenkreis, der nächste weiß andere Daten, usw.
    Dies "kollektive Gedächtnis" hat sich aber in einer Welt entwickelt, in der sich die Menschen ausschließlich von Angesicht zu Angesicht austauschten. Zumindest wußte jeder, wer welches Wissen besaß.
Die Psychologin Betsy Sparrow veröffentlichte dazu im Wissenschaftsmagazin Science Ergebnisse von mehreren Experimenten. Bei einem sollten 60 Freiwillige 40 verschiedene Aussagen von einem PC-Monitor ablesen und anschließend aufschreiben. Der Hälfte der Probanten erklärte Sparrow, daß der Computer alle Aussagen anschließend auch speichern würde. Die andere Hälfte war der Meinung, daß alle Daten nach Anzeige auf dem Monitor gelöscht werden würden. Später stellte sich heraus, daß diejenigen Teilnehmer, die meinten die Daten würden anschließend gelöscht, ... daß diese sich erstaunlicherweise mehr davon merken konnten als diejenigen Teilnehmer, die gelaubt hatten, der PC würde alles abspeichern.

Wohlgemerkt:
    hierbei geht es nur um die Frage (und Deine Bemerkung), ob und wie wir uns etwasmerken, "wenn man es nachgucken kann"


Es hiess schon früher im Jura Studium, man müsse die Paragraphen nicht wissen, sondern nur wissen, wo es steht. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Wer die Grundstruktur nicht kennt, kein Grundverständnis hat, der findet auch nichts, und kann es auch nicht richtig einordnen. Bestimmte Sachen muss man schlicht lernen.

Macht Google jetzt dumm? Ich glaube nein, eher das Gegenteil, jedenfalls wenn ich von mir selber schliessen kann. Gerade Diskussionen wir hier im Forum, wo teils konträre und überraschende Meinungen vertreten werden, erfordern es, dass man nach Fakten sucht, die man sonst nicht kennt. Das geht über Google und Wikipedia sehr gut. Wer sich auf belastbare Seiten z.B. von Zeitungen sowie Wiki stützt und Verschwörungstheorien etc. beiseite lässt, der kann sich in kürzester Zeit über ein Thema informieren und etwas anlesen, wofür man früher Stunden in der Stadtbibliothek gebraucht hätte, ohne zwingend etwas zu finden. Google macht insofern schlau.

Allerdings hat das Internet im allgemeinen (und weniger Google) dazu geführt, dass in der Tat selbst abstruseste Meinungen und Verschwörungstheorien weit verbreitet werden. Dass Populisten heute so einen Zulauf haben, hat auch damit zu tun. Länder wie Russland nutzen das ganze auch für ihre Propaganda und finden selbst in einem aufgeklärten Land wie Deutschland viele Anhänger, die meinen mit RT und Sputnik gut informiert zu werden.

Google und Wiki haben am Ende die Menschen auch wohlhabender gemacht, indem sie Wissen kostenlos nach Hause bringen. Wer vor 30 Jahren auf so ein Wissen zugreifen wollte, der musste 5000 DM für den Brockhaus ausgeben. Das ist heute nicht mehr nötig.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Do 1. Sep 2016, 16:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2016, 13:28)

Ja, was ist mit dem Schlagwort "Dement", das eigentlich als Adjektiv eher kein Schlagwort ist. Wikipedia verweist unter "siehe auch" trotzdem auf "Demenz".


Es ist reißerisch auf Anhieb.

Möglicher, kognitiver Verlust.........bei Nutzung von.........
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Powerwolf » Do 1. Sep 2016, 17:22

Naja, als kompletten Hokuspokus und reine Propaganda gegen technischen Fortschritt würde ich das Buch nicht sehen. Ich habe es mal angelesen.
Spitzer bezieht sich ja auf medizinische Untersuchungen am Gehirn und weist soweit ich mich erinnere, nach, dass es für die Entwicklung des Gehirns von Kindern schädlich sein kann, wenn sie zu früh zu viel im Internet abhängen.

Das leuchtet mir schon ein, dass es sinnvoll sein könnte, dass Kinder unter 15 Jahren nicht 10 Stunden pro Tag im Internet surfen.

Und wenn ich heutzutage durch die Städte wandele und überall an Smombies vorbeigehe, also diese Smartphone-Zombies, die nicht mal beim Gehen den Blick vom Smartphone reißen können, dann kommt mir das auch nicht wirklich gesund vor.

Gut, ich könnte mir schon vorstellen, dass ich zukünftig mit neuer Technik beim Gehen geradeaussehe und gleichzeitig ein Cockpit mit Zusatzinfos zur Verfügung habe (also wie mit den smarten Brillen, nur vielleicht mit Implantat oder Hologramm oder was weiß ich.

Aber auch dann würde ich sicher nicht beim Marsch von A nach B permanent mit meinen Liebsten per Whatsapp chatten: du, ich kaue gerade ein Gummie-Bärchen. Voll lecker. Und was machst du so?
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fazer » Do 1. Sep 2016, 17:30

Powerwolf hat geschrieben:(01 Sep 2016, 18:22)

Und wenn ich heutzutage durch die Städte wandele und überall an Smombies vorbeigehe, also diese Smartphone-Zombies, die nicht mal beim Gehen den Blick vom Smartphone reißen können, dann kommt mir das auch nicht wirklich gesund vor.


Das hat aber jetzt wenig mit Google zu tun. Fragt sich, was die Leute mit dem Smartphone machen - Pokemon spielen, Musik hören, Whatsappen, Lesen? Dumm oder dement macht das nicht. Aber ob das dann noch ein Segen ist ist eine andere Frage.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Do 1. Sep 2016, 17:39

Fazer hat geschrieben:(01 Sep 2016, 18:30)

Aber ob das dann noch ein Segen ist ist eine andere Frage.


In meinen Augen ein Segen.
Solange man nicht den Glauben verfällt das Internet sei ein Spiegel oder gar Ersatz für die Realität.
Porno ist Porno. Liebe, eine reale Beziehung was anderes.

Du kannst dich gerne über Medizin informieren. Aber einen Arzt, Pfleger, Krankenschwester reichst du trotzdem nicht das Wasser.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Do 1. Sep 2016, 17:41

Hyde hat geschrieben:(01 Sep 2016, 06:10)

Ich finde überhaupt nicht, dass es schwierig ist, sich im Internet die richtigen Informationen rauszufiltern. Was ist denn daran in deinen Augen die Schwierigkeit?



Du musst zum Teil mehr Wissen um das Wissen was du filtern möchtest richtig einordnen zu können.
Erkläre mal mit Wiki E=MC2.......viel Spaß
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fazer » Do 1. Sep 2016, 21:11

BingoBurner hat geschrieben:(01 Sep 2016, 18:39)

In meinen Augen ein Segen.
Solange man nicht den Glauben verfällt das Internet sei ein Spiegel oder gar Ersatz für die Realität.
Porno ist Porno. Liebe, eine reale Beziehung was anderes.

Du kannst dich gerne über Medizin informieren. Aber einen Arzt, Pfleger, Krankenschwester reichst du trotzdem nicht das Wasser.


Ich empfinde das im Prinzip auch als Segen und will mein IPhone keine Minute missen. Aber die ABhängigkeit davon und das Rumlaufen mit dem Handy vor der Nase, was mir auch passiert, das ist schon manchmal ein Fluch. Man gönnt sich kaum eine Medienpause.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Do 1. Sep 2016, 21:35

Fazer hat geschrieben:(01 Sep 2016, 22:11)

Ich empfinde das im Prinzip auch als Segen und will mein IPhone keine Minute missen. Aber die ABhängigkeit davon und das Rumlaufen mit dem Handy vor der Nase, was mir auch passiert, das ist schon manchmal ein Fluch. Man gönnt sich kaum eine Medienpause.


Aber letztens, kannst du es einfach aus machen.
Klar, du kannst weiterhin mit Kompass und Karte eine Straße irgendwo suchen. Oder per Sonnenstand die Uhrzeit ermitteln.
Per Smartphone ist das praktischer.

Ich kenne das Buch nicht. Doch wie bereits angeführt, riecht der Titel nach.......Wir werden alle sterben.
Das klingt einfach zu einseitigt.
Das aber durch das IT-Zeitalter eine Tür aufgestoßen wurde und nicht alles eitel Sonnenschein ist, steht außer Frage.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Kael » Do 1. Sep 2016, 21:56

Ich denke das eben Suchmaschinen wie Google eher das 'selbst erlernen' verlernen. Weil alles ist ja da, warum das erlernen lernen?
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fazer » Do 1. Sep 2016, 21:57

BingoBurner hat geschrieben:(01 Sep 2016, 22:35)

Aber letztens, kannst du es einfach aus machen.
Klar, du kannst weiterhin mit Kompass und Karte eine Straße irgendwo suchen. Oder per Sonnenstand die Uhrzeit ermitteln.
Per Smartphone ist das praktischer.

Ich kenne das Buch nicht. Doch wie bereits angeführt, riecht der Titel nach.......Wir werden alle sterben.
Das klingt einfach zu einseitigt.
Das aber durch das IT-Zeitalter eine Tür aufgestoßen wurde und nicht alles eitel Sonnenschein ist, steht außer Frage.


Ich diskutiere völlig unabhängig von dem Buch, auf Basis meiner eigenen Erfahrung und Einschätzung.

Klar kann man das Handy ausmachen, aber ich sehe mich selbst: die Handys (privat und dienstlich) sind 24 Std. am Tag an. Morgens dient es als Wecker, als Info für das WEtter, als Basis für die ersten Spiegel und FAZ Meldungen. Ich will es auf keinen Fall missen, bekomme Entzugsentscheinungen wenn ich es irgendwo habe liegen lassen. Aber die Verhaltensänderung gegenüber früher ist schon extrem.

Dummheit oder Demenz sehe ich nicht als Folgen. Ich befürchte eher, dass die Menschen kaum noch in der LAge sind "die Seele baumeln zu lassen". Mal Gedanken im Kopf laufen lassen. NAchdenken. Die Aufmerksamkeitsspanne wird geringer, die Unruhe, wenn es niciht sofort neue Infos gibt, höher.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Do 1. Sep 2016, 22:23

Fazer hat geschrieben:(01 Sep 2016, 22:57)

Ich befürchte eher, dass die Menschen kaum noch in der LAge sind "die Seele baumeln zu lassen". Mal Gedanken im Kopf laufen lassen. NAchdenken. Die Aufmerksamkeitsspanne wird geringer, die Unruhe, wenn es niciht sofort neue Infos gibt, höher.


Das ist natürlich ein Punkt. Auf der anderen Seite bin ich froh z.b. mit wild fremden Menschen einfach zu kommunizieren zu können. Wie mit dir zum Beispiel.
Dennoch wäre es mir nicht so wichtig das ich einfach mal den Kontakt mal abbreche. Keine Ahnung weil ich mir das Bein breche oder wegen anderen Dingen die wichtiger sind.

Kurz um, ich denke wir werden lernen mit der digitalen Revolution Schritt zu halten. Was auch sonst ? Den diese ist genauso abhängig von uns wie wir von ihr.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Sep 2016, 12:55

Es ist doch eigentlich völlig klar, dass das Auslagern eigentlich unnützer geistiger Tätigkeiten wie "Lexikon hervorholen, richtigen Band wählen, Schlagwort suchen" oder "Navigieren per Karte und Kompass" oder "Schriftlich multiplizieren" nur gut und richtig sein kann. Die Frage ist, was in die freigeräumten Zeit- und Hirnareale anstelle dessen einströmt. Diese Frage entscheidet sich aber wahrscheinlich nicht über die eingesetzten Technologien sondern über den Charakter des einzelnen Individuums. Die einen füllen den freigewordenen Raum mit Informationsaustausch über umgestürzte Teetassen aus, die anderen benutzen ihn zur politischen Information oder zum Nachdenken über das Universum.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Powerwolf » Fr 2. Sep 2016, 13:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Sep 2016, 13:55)

Es ist doch eigentlich völlig klar, dass das Auslagern eigentlich unnützer geistiger Tätigkeiten wie "Lexikon hervorholen, richtigen Band wählen, Schlagwort suchen" oder "Navigieren per Karte und Kompass" oder "Schriftlich multiplizieren" nur gut und richtig sein kann. Die Frage ist, was in die freigeräumten Zeit- und Hirnareale anstelle dessen einströmt. Diese Frage entscheidet sich aber wahrscheinlich nicht über die eingesetzten Technologien sondern über den Charakter des einzelnen Individuums. Die einen füllen den freigewordenen Raum mit Informationsaustausch über umgestürzte Teetassen aus, die anderen benutzen ihn zur politischen Information oder zum Nachdenken über das Universum.


Naja, ganz stimme ich dem nicht zu.
So könntest du ja auch argumentieren: Es ist doch völlig klar, dass körperliche Fortbewegung unnütze Tätigkeiten sind. Es kommt nur darauf an, was man in der Zeit, in der man statt langsam mit dem Rad zu fahren, schnell mit dem Auto braust, alles anfangen kann ...
Noch unnützer sind dann ja sinnlose Sportarten wie Hanteln stemmen oder Training im Fitnessstudio auf der Treppen-Maschine, statt zu Hause die Treppe dem Aufzug vorzuziehen ...

Will sagen: Gehirnjogging, Training des Gehirns ist sicher nicht verkehrt.
Und da ist schriftliches Multiplizieren, zumindest für Kinder, nicht verkehrt.

Wenn du Kopfrechnen verlernst, stehst du halt als ziemlicher Trottel da, wenn du mal keinen Taschenrechner oder kein Smartphone zur Hand hast und nicht weißt, wieviel 13 mal 25 ist.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fazer » Fr 2. Sep 2016, 13:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Sep 2016, 13:55)

Es ist doch eigentlich völlig klar, dass das Auslagern eigentlich unnützer geistiger Tätigkeiten wie "Lexikon hervorholen, richtigen Band wählen, Schlagwort suchen" oder "Navigieren per Karte und Kompass" oder "Schriftlich multiplizieren" nur gut und richtig sein kann. Die Frage ist, was in die freigeräumten Zeit- und Hirnareale anstelle dessen einströmt. Diese Frage entscheidet sich aber wahrscheinlich nicht über die eingesetzten Technologien sondern über den Charakter des einzelnen Individuums. Die einen füllen den freigewordenen Raum mit Informationsaustausch über umgestürzte Teetassen aus, die anderen benutzen ihn zur politischen Information oder zum Nachdenken über das Universum.


Du wirfst da m.E. Themen durcheinander.

Wiki oder Google nutzen, ist dasselbe wie in ein Lexikon zu schauen - ich habe eine Frage, sehe nach. Nur das Medium ist anders.

Aber ob jemand nur noch ein Navi hat oder sich mit einer Karte zurecht findet, das hat was mit Lebensfähigkeit zu tun. Ich halte es für essentiell, dass Kinder es lernen, Karten zu lesen und danach auch Wege zu finden.

Das gleiche beim Multiplizieren. Das ist eine Grundfähigkeit, die Menschen erlernen müssen. Das ist erforderlich, um z.B. auch Prozentrechnung zu verstehen, um überschlägig Preise zu vergleichen etc. Wenn die Leute es wirklich gelernt haben, dann spricht allerdings natürlich nichts gegen die Nutzung eines Taschenrechners ;-)
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Fr 2. Sep 2016, 14:27

Fazer hat geschrieben:(02 Sep 2016, 14:18)

Du wirfst da m.E. Themen durcheinander.

Wiki oder Google nutzen, ist dasselbe wie in ein Lexikon zu schauen - ich habe eine Frage, sehe nach. Nur das Medium ist anders.

Aber ob jemand nur noch ein Navi hat oder sich mit einer Karte zurecht findet, das hat was mit Lebensfähigkeit zu tun. Ich halte es für essentiell, dass Kinder es lernen, Karten zu lesen und danach auch Wege zu finden.

Das gleiche beim Multiplizieren. Das ist eine Grundfähigkeit, die Menschen erlernen müssen. Das ist erforderlich, um z.B. auch Prozentrechnung zu verstehen, um überschlägig Preise zu vergleichen etc. Wenn die Leute es wirklich gelernt haben, dann spricht allerdings natürlich nichts gegen die Nutzung eines Taschenrechners ;-)


Das Fortschritt auch die Trägheit fördert ist klar. Auf der anderen Seite ist Fortschritt ja genau dafür da. Das Leben angenehmer zu machen.
Es ist halt der Umgang damit wie mit vielen Dingen.

Nur der Buch Titel impliziert ja, je mehr ich hier schreibe um so blöder werde ich.
Sehe ich absolut nicht so weil ich gerade so Gedanken anderer Menschen lesen kann auf die ich so gar gekommen wäre zu einem Thema z.b. Und selbst wenn sie mir absurd erscheinen mögen.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fuerst_48 » Fr 2. Sep 2016, 17:14

Fazer hat geschrieben:(02 Sep 2016, 14:18)

Du wirfst da m.E. Themen durcheinander.

Wiki oder Google nutzen, ist dasselbe wie in ein Lexikon zu schauen - ich habe eine Frage, sehe nach. Nur das Medium ist anders.

Aber ob jemand nur noch ein Navi hat oder sich mit einer Karte zurecht findet, das hat was mit Lebensfähigkeit zu tun. Ich halte es für essentiell, dass Kinder es lernen, Karten zu lesen und danach auch Wege zu finden.

Das gleiche beim Multiplizieren. Das ist eine Grundfähigkeit, die Menschen erlernen müssen. Das ist erforderlich, um z.B. auch Prozentrechnung zu verstehen, um überschlägig Preise zu vergleichen etc. Wenn die Leute es wirklich gelernt haben, dann spricht allerdings natürlich nichts gegen die Nutzung eines Taschenrechners ;-)

Bin ganz bei dir!
Nur sehe ich auch die Gefahr, dass sich zunehmend Jugendliche NUR auf Google samt WIKIPEDIA etc stützen. Das halte ich für problematisch. Früher spottete man über demn Trend zum Zweitbuch, weil "LESEN" out zu sein schien. Heute trifft es leider immer häufiger zu...
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Sep 2016, 18:58

Fazer hat geschrieben:(02 Sep 2016, 14:18)

Du wirfst da m.E. Themen durcheinander.

Wiki oder Google nutzen, ist dasselbe wie in ein Lexikon zu schauen - ich habe eine Frage, sehe nach. Nur das Medium ist anders.

Aber ob jemand nur noch ein Navi hat oder sich mit einer Karte zurecht findet, das hat was mit Lebensfähigkeit zu tun. Ich halte es für essentiell, dass Kinder es lernen, Karten zu lesen und danach auch Wege zu finden.

Das gleiche beim Multiplizieren. Das ist eine Grundfähigkeit, die Menschen erlernen müssen. Das ist erforderlich, um z.B. auch Prozentrechnung zu verstehen, um überschlägig Preise zu vergleichen etc. Wenn die Leute es wirklich gelernt haben, dann spricht allerdings natürlich nichts gegen die Nutzung eines Taschenrechners ;-)

Dass Kinder ohne digitale Hilfen Grundrechenaufgaben lernen sollten zu bewältigen ... ist schon richtig. Mit Karte und Kompass klar kommen? Ist ähnlich wie das Beispiel aus dem ursprünglich verwiesenen FAZ-Artikel: Müssen alle Kinder lernen, wie man ein Pferd richtig sattelt?
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Sep 2016, 19:11

Powerwolf hat geschrieben:(02 Sep 2016, 14:05)

Naja, ganz stimme ich dem nicht zu.
So könntest du ja auch argumentieren: Es ist doch völlig klar, dass körperliche Fortbewegung unnütze Tätigkeiten sind. Es kommt nur darauf an, was man in der Zeit, in der man statt langsam mit dem Rad zu fahren, schnell mit dem Auto braust, alles anfangen kann ...

Meine persönliche Erfahrung dazu lautet: Die Zeit, in der ich nutzlos (auch auf dem Arbeitsweg früh und abends) in Berlin im Auto im Stau stehe, nutze ich schon seit Jahren, um den Arbeitsweg (ca. 15km) auf dem Rad für eine Erholung und quasi gedankliche Sammlung (noch dazu in schöner Natur, geben die geographischen Koordinaten halt zufällig her) zu nutzen. Das einzige, was mich dabei stört sind die vielen hypernervösen, hyperaggressiven Turbo-Radfahrer, die mit sturem Nachvorn-Blick an mir vorbeifahren. Und das meine ich mit dem Widerspruch in Richtung Google & Co. Statt die EInsparung an Zeit und Aufwand für klassische Recherchen ganz pragmatisch in einen Gewinn an Lebensqualität umzusetzen, wird er häufig in eine Intensivierung von völlig sinnlosen Informationsaustauschen gesteckt.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon immernoch_ratlos » So 4. Sep 2016, 13:09

Schon immer galt die Landkarte ist nicht die Welt sondern deren Abstraktion. Wem das völlig klar ist, wird auch mit allen anderen Abstraktionen klarkommen.

Ganz offensichtlich ist nach allem was die moderne Wissenschaft inzwischen über unsere Gehirnfunktionen herausgefunden hat, keinem "Speicher à la HDD" oder auch nur ähnlich. Wer schon viel weiß (völlig unabhängig wie es dazu gekommen sein mag), kann sich neues Wissen deutlich schneller erschließen.

So ist zuvor erworbenes Wissen wie man z.B. mit Karte und Kompass umgeht, sehr hilfreich in allen Bereichen die damit direkt und indirekt zusammenhängen. Ein scheinbar neues Wissensfeld kann wesentlich leichter verstanden werden, wenn bereits spezifische Kenntnisse vorliegen. Um dieses Wissen zu vergrößern, sind Suchmaschinen wie Google (es gibt ja ~6.000 davon) ein bis dahin nicht vorhandener Weg, schnell, aber auch umfassend weitere Informationen zu erlangen. Die Prüfung ob es sich dabei um "Wissen" (lt. WIKI https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen ) als wahre und gerechtfertigte Meinung" handelt, dies herauszufinden obliegt jedem "Suchenden" selbst.

Doch was ist dabei anders, als bei der Beurteilung eines Buches zu einem vergleichbaren Thema ?

Die Methoden wurde erheblich verbessert. Wie schon einige meiner Vorredner anmerken, ist der klassische Besuch eine Bibliothek mit all seinen zeitaufwendigen Wegen, durch eine einzige (umfangreiche) Internetrecherche ersetzbar. Nur durch die Sprachkenntnisse über die der Informationshungrige verfügt, begrenzt. Selbst das "digitale Ausleihen" von Büchern ist nicht mehr ganz neu.

Was das Studium angeht - immer größere Bestände / viele Dissertationen und, und liegen in digitalisierter Form vor. Es gibt Möglichkeiten sich Teile von Büchern "digital auszuleihen" um sie dann für den eigenen Bedarf gezielt und "papierlos" zu nutzen.

Aber auch Google hat sich spezialisiert - es gibt da https://scholar.google.de/ - ach ja "Google Suche wenigstens auf dem Weg verschlüsselt https" was dann (im Firfox) alle Google Aktionen so behandelt. Das lässt sich auch mit https://de.wikipedia.org fest als auswählbare Suchmaschine einstellen.

Was eventuell kritisch an Google und seinen Methoden ist lässt ebenfalls "ergooglen" https://scholar.google.de/scholar?q=Goo ... _sdt=0%2C5

Was das bei uns selbst verändert ist
Is Google Making Us Stupid ? hat geschrieben:
The human brain is almost infinitely malleable.
People used to think that our mental meshwork,the dense connections formed amongthe 100 billion or so neurons inside our skulls, was largely fixed by the time we reached adulthood.

But brain researchers have discovered that that’s not the case. James Olds, a professor of neuroscience who directs the Krasnow Institute for Advanced Study at George Mason University, says that even the adult mind “is very plastic.”

Nerve cells routinely break old connections and form new ones. “The brain,” according to Olds, “has the ability to reprogram itself on the fly, altering the way it functions.”
Aus : Is Google Making Us Stupid ? PDF-Download (startet automatisch) gefunden über Google - was zeigt, schon 2008 hat man sich darüber Gedanken gemacht ob "Ist Google macht uns dumm?" (die Übersetzung von "Is Google making us stupid?" durch "Google Translator for Firefox") was ja genau im ersten Teil dieses Thementitels acht Jahre später immer noch gefragt wird...

Einziger, aber sehr unangenehmer Nachteil - mehr zu wissen als die Menschen in der unmittelbaren Umgebung macht schnell zu Freak und wirkt desillusionierend auf die naheliegende Frage was deren Lebenszweck wohl sein mag. Da ist das ganz langsame Lernen von nur möglichst wenig neuem geradezu "sozialverträglich" - bloß nicht zuviel wissen - wobei ich durchaus nicht das bisschen "Mehrwert" einer oberflächlichen Googlesuche meine...
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)

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