Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

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firlefanz11
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon firlefanz11 » Di 26. Jul 2016, 09:05

H2O hat geschrieben:(26 Jul 2016, 09:53)

Danke; einfacher geht es wirklich nicht!

Proszę bardzo :)
heinzdecker
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon heinzdecker » Mi 10. Aug 2016, 16:17

Google mact uns nicht dumm, sondern schlau. Ich habe studiert, als man sich noch die Artikel in der Bibliothek aus den Fachzeitschriften per Hand rauskopieren musste. Dadurch ging natürlich sehr viel Zeit verloren, die heutzutage sinnvoller eingesetzt werden kann. Die schnellere Beschaffung von Wissen ist schon ein enormer Vorteil und hat mit dumm machen nichts zu tun. Es kommt darauf an, dass ergoogelte richtig zu interpretieren und einzuordnen, insofern sind Denken und die richtige Einschätzungsgabe auch im Internetzeitalter wichtig.
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HugoBettauer
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 10. Aug 2016, 21:55

Die Zusatzzeit kann der Student heute an der Kino-Kasse verwenden. Oder im Supermarkt beim Regalefüllen.
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immernoch_ratlos
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon immernoch_ratlos » Do 11. Aug 2016, 06:30

Noch nie war es so einfach sich schnell und mit entsprechendem Vorwissen sich "Wissen" ins Haus zu holen. Wie man das anstellt ist selbst eine neue "Wissenschaft". Dazu meint WIKIPEDIA (auch ein durchaus umstrittenes Instrument) :
Wissen wird in der Erkenntnistheorie traditionell als wahre und gerechtfertigte Meinung (englisch justified true belief) bestimmt.

Generell wird Wissen als ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden, die sich durch den größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Paradoxerweise können daher als Wissen deklarierte Sachverhalts­beschreibungen wahr oder falsch, vollständig oder unvollständig sein.


Die Wortherkunft zeigt auch gleich warum sich mit Bildern so trefflich manipulieren lässt :rolleyes:

Der Ausdruck ‚Wissen‘ stammt von althochdeutsch wizzan bzw. der indogermanischen Perfektform *woida ,ich habe gesehen‘, somit auch ,ich weiß‘; von der indogermanischen Wurzel *u̯e(i)d (erblicken, sehen) bzw. *weid- leiten sich auch lateinisch videre ,sehen‘ und Sanskrit veda ,Wissen‘ ab.
Das sich Google über all die Suchanfragen (und die Erfassung aller Präferenzen) seinerseits ein sehr "einträgliches" Modell geschaffen hat dürfte zumindest hier nix neues sein.

Andererseits wird nur ein Bruchteil des verfügbaren Wissens für den normalen - meist einsprachigen - Nutzer verfügbar. Englisch als "Zweitsprache" erweitert den Zugang bereits erheblich. Und wieder hat gerade Google mit "Google Translator for ...." zumindest mir zu weiteren Einsichten in (mir) sonst völlig unzugängliche Welten verholfen. Einfach den fremden Begriff - oder gleich die ganze Seite - markieren und einigermaßen "wissen" um was es da generell geht.

Proszę bardzo :?: "Google Tranlator" macht daraus "bitte" - nun ohne weiteren Kontext kann das irreführend sein - aber wer hat vorher so schnell überhaupt eine Übersetzung zur Hand ?

Umrechnen von Gallonen in Liter - jede Menge Features die Google ganz "nebenbei" so bietet. Was allerdings selbst wieder Wissen voraussetzt.

Wo gab es solche Möglichkeiten jemals zuvor ?

Nun die andere Seite, wer in seiner Meinung "festgefügt" sucht, wird immer wunschgemäß in den einschlägigen Echokammern landen. Das hat aber nun gar nix mit der jeweiligen Suchmaschine zu tun, sondern mit der eigenen Beschränktheit sich "Wissen" zu verschaffen oder es gekonnt abzulehnen.

Was mir fehlt ist eine Datenbank, in der ich Links so verwalten kann, das die Masse der teilweise mühsam gefundenen Quellen nicht nur "zweidimensional" sortiert, schnell wieder auffindbar sind. Im Prinzip ist die Fülle von Informationen und deren Auswertung ein neues größeres Problem welches neue Grenzen setzt.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fuerst_48 » Do 11. Aug 2016, 11:41

immernoch_ratlos hat geschrieben:(11 Aug 2016, 07:30)

Noch nie war es so einfach sich schnell und mit entsprechendem Vorwissen sich "Wissen" ins Haus zu holen. Wie man das anstellt ist selbst eine neue "Wissenschaft". Dazu meint WIKIPEDIA (auch ein durchaus umstrittenes Instrument) :


Die Wortherkunft zeigt auch gleich warum sich mit Bildern so trefflich manipulieren lässt :rolleyes:

Das sich Google über all die Suchanfragen (und die Erfassung aller Präferenzen) seinerseits ein sehr "einträgliches" Modell geschaffen hat dürfte zumindest hier nix neues sein.

Andererseits wird nur ein Bruchteil des verfügbaren Wissens für den normalen - meist einsprachigen - Nutzer verfügbar. Englisch als "Zweitsprache" erweitert den Zugang bereits erheblich. Und wieder hat gerade Google mit "Google Translator for ...." zumindest mir zu weiteren Einsichten in (mir) sonst völlig unzugängliche Welten verholfen. Einfach den fremden Begriff - oder gleich die ganze Seite - markieren und einigermaßen "wissen" um was es da generell geht.

Proszę bardzo :?: "Google Tranlator" macht daraus "bitte" - nun ohne weiteren Kontext kann das irreführend sein - aber wer hat vorher so schnell überhaupt eine Übersetzung zur Hand ?

Umrechnen von Gallonen in Liter - jede Menge Features die Google ganz "nebenbei" so bietet. Was allerdings selbst wieder Wissen voraussetzt.

Wo gab es solche Möglichkeiten jemals zuvor ?

Nun die andere Seite, wer in seiner Meinung "festgefügt" sucht, wird immer wunschgemäß in den einschlägigen Echokammern landen. Das hat aber nun gar nix mit der jeweiligen Suchmaschine zu tun, sondern mit der eigenen Beschränktheit sich "Wissen" zu verschaffen oder es gekonnt abzulehnen.

Was mir fehlt ist eine Datenbank, in der ich Links so verwalten kann, das die Masse der teilweise mühsam gefundenen Quellen nicht nur "zweidimensional" sortiert, schnell wieder auffindbar sind. Im Prinzip ist die Fülle von Informationen und deren Auswertung ein neues größeres Problem welches neue Grenzen setzt.

Wozu eine Datenbank? Warum GOOGLE?? Haben wir Menschen bereits verlent, ein LEXIKON, ein Wörterbuch, oder andere gängige Quellen zu benutzen?
Wir hatten doch vor der Internet-Zeit auch keinen geistigen Stillstand!
Bequem und rasch an Daten zu kommen - geschenkt.
Niemand hetzt uns!!
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Nele28 » Do 11. Aug 2016, 11:48

heinzdecker hat geschrieben:(10 Aug 2016, 17:17)

Google mact uns nicht dumm, sondern schlau. Ich habe studiert, als man sich noch die Artikel in der Bibliothek aus den Fachzeitschriften per Hand rauskopieren musste. Dadurch ging natürlich sehr viel Zeit verloren, die heutzutage sinnvoller eingesetzt werden kann. Die schnellere Beschaffung von Wissen ist schon ein enormer Vorteil und hat mit dumm machen nichts zu tun. Es kommt darauf an, dass ergoogelte richtig zu interpretieren und einzuordnen, insofern sind Denken und die richtige Einschätzungsgabe auch im Internetzeitalter wichtig.


Aber es ist dir doch hoffentlich bewußt, dass Wissen nicht identisch mit Bildung ist.
Bildung ist und wird immer mehr in unserer so genannten Wissens- und Informationsgesellschaft zu einem diffusen Begriff.

Bildung ist nicht auf Wissen zu reduzieren. Denn je mehr der Wert des Wissens beschrieben wird, desto schneller verliert das Wissen an Wert. Die Bildung selbst wird auf Ausbildung reduziert und das Wissen selbst zu einer bilanzierbaren Kennzahl des Humankapitals degradiert.

In Anbetracht der unendlichen Datenströme an Informationswissen trösten wir uns gerne damit, dass es nicht darauf ankomme, etwas zu wissen, sondern darauf, zu wissen, wo wir das Wissen finden.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 12. Aug 2016, 07:48

Niemand hetzt uns ?

Wenn ein bereits existierendes Medium sich weiterentwickelt - was ist an einem Lexikon - Wörterbuch usw. anders, als an einer elektronischen Datenbank ? Zumindest beide Medien haben eines gemeinsam, sie sind systematische Datensammlungen.

Der Mensch hat seine papierne Datensammlung nach allgemein verständlichen Kriterien organisiert - warum ? Weil mit einer unorganisierten Aufbewahrung, jede Menge vermeidbarer Zeitverlust verbunden ist.

Etwas sinnvoll zu organisieren bedeutet das also irgendwie gehetzt zu sein :?:

Nun sind die möglichen Organisationsmethoden durch den Einsatz von Computern weiter verbessert worden. Dringend notwendig bei der inzwischen verfügbaren Datenmenge. Daten die das gesamte Wissen repräsentieren - jedenfalls alles was bislang "digitalisiert" wurde.

Man muss die einfachen und sehr begrenzten Algorithmen (systematische, logische Regel oder Vorgehensweise) die notwendig sind um in gedruckten Enzyklopädien "etwas" zu recherchieren, keineswegs "verlernt" haben um die nächst "höhere" Organisationsform nutzen zu können. Ganz im Gegenteil. Warum endlosen Querverweisen folgen (ein lange zeitgemäßer Versuch komplexes Wissen zu systematisieren), wenn das über ihre elektronische Weiterentwicklung um soviel einfacher ist ?

Kein Mensch der eine bestimmte Telefonnummer sucht, wird das heute noch über das systematische Durchblättern von Telefonbüchern tun, wenn er die Möglichkeit hat dies stattdessen über eine elektronische Recherche zu tun. Ähnlich ist das wohl auch mit "Wissen", das aus bestimmten Gründen sofort verfügbar sein soll. Sicher, ich verfüge über eine gut sortierte Bibliothek die sich über die Jahrzehnte angesammelt hat, doch um einen bestimmten Sachverhalt zu bestimmen, ist inzwischen das WWW und eine der Suchmaschinen stets meine erste Wahl.

Bis Veränderungen in die papiernen Datensammlungen eingepflegt werden, vergehen wenigstens 2 oder auch mehr Jahre. Bei der gigantischen Datenmenge in allen Wissensbereichen ist es unmöglich auch nur einen Bruchteil des vorhandenen Wissens dort zu repräsentieren.

Papier oder elektronische Daten - es kommt immer auf den menschlichen Kopf an was er / sie damit "anstellt" und wie und wann er / sie nutzt......

Sich also den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu versagen - ist das eine Form hochnäsiger Ignoranz oder einfach nur schlichte Dummheit ???
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 12. Aug 2016, 08:00

immernoch_ratlos hat geschrieben:(12 Aug 2016, 08:48)
Sich also den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu versagen - ist das eine Form hochnäsiger Ignoranz oder einfach nur schlichte Dummheit ???

Ich würde es als eine Art von Kapitulation ansehen. Kapitulation vor der Herausforderung, im Schlaraffenland Feinschmecker zu bleiben.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 15. Aug 2016, 12:26

Ein anderer Aspekt ist das, was halb scherzhaft als "Morbus Google" bezeichnet wird.
Oft kommt es aber auch vor, dass ein Patient seinem Hausarzt einen Zeitungsartikel auf den Tisch legt und fragt: 'Hab ich das nicht auch?'", erzählt Johann Ockenga, Professor für Innere Medizin und Gastroenterologie am Klinikum Bremen-Mitte. Häufig sei es schwer, den Patienten von dieser Vorstellung zurückzuholen. "Wir Mediziner sprechen in solchen Fällen vom Morbus Google." Ockenga gehört zu den Ärzten, die neue Phänomene wie die Glutensensitivität (eine leichte Variante einer Glutenunverträglichkeit) mit Skepsis betrachten. "

Die Menschen bekommen Krankheiten, insbesondere "Nahrungsmittelunverträglichkeiten", weil sie davon wissen. Weil darüber geredet und diskutiert wird. Der prozentuale Anteil der Bevölkerung, der meint, unter Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, ist um ein Vielfaches höher als der, der in entsprechenden wissenschaftlichen Erhebungen ermittelt wird. Aber die Rolle, die heute Histamin-, Laktose-Intoleranz & Co. spielen, spielte um 1900 herum "Neurasthenie", "Nervenschwäche". Es gab zu jeder Zeit und auch ohne Google & Co. dieses Phänomen "Modekrankheiten".
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 15. Aug 2016, 12:37

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Aug 2016, 13:26)

Ein anderer Aspekt ist das, was halb scherzhaft als "Morbus Google" bezeichnet wird.

Die Menschen bekommen Krankheiten, insbesondere "Nahrungsmittelunverträglichkeiten", weil sie davon wissen. Weil darüber geredet und diskutiert wird. Der prozentuale Anteil der Bevölkerung, der meint, unter Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, ist um ein Vielfaches höher als der, der in entsprechenden wissenschaftlichen Erhebungen ermittelt wird. Aber die Rolle, die heute Histamin-, Laktose-Intoleranz & Co. spielen, spielte um 1900 herum "Neurasthenie", "Nervenschwäche". Es gab zu jeder Zeit und auch ohne Google & Co. dieses Phänomen "Modekrankheiten".

Dazu kommt, dass objektive Schwächen, Empfindlichkeiten usw heute oft als behandelbares oder gar behandlungswürdiges Krankheitsbild aufgefasst werden, die früher entweder gar nicht gesondert bemerkt wurden oder als normale Lebensvariante galten.

Opa kann nicht mehr so wie früher -> das ist heute ein Fall für Viagra, Sexshop und erotisches Leistungssportlertum.
Der Peter mag nicht gern raus, wenns Frühling wird -> Stubenhocker hätte man früher abgetan.
Der Yildirim kriegt vom Bier Ausschlag -> Das kommt vom Allah, da muss er eben Tokayer trinken.

So wandeln sich die Vorstellungen über die Zeit, was Krankheit ist.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon BingoBurner » Mo 15. Aug 2016, 12:43

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 16:00)

In der FAZ wurde die Frage gestellt:
    "Macht uns Google dumm?"
Angesicht dessen, daß Wissen immer und überall verfügbar ist, mag die Frage aktuell sein - weil: warum sich Wissen durch lernen aneignen, wenn man "mal eben googlen" kann, ... so halte ich sie dennoch für falsch gestellt.

Manfred Spitzer spricht in seinem gleichnamigen Buch von "digitaler Demenz". Er schreibt und beschreibt darin, daß der Computergebrauch Nebenwirkungen hat. STIMMT! Wo Wirkung ist, sind auch Nebenwirkungen. Die Auswirkungen sind aber nicht trivial zu erfassen.


Ich kenne das Buch nicht. Allerdings fällt mir auf, das alle diese Bedenken immer gebracht werden sobald ein neues Medium auftaucht.

Kino, Radio, Fernsehen, Videorecorder usw. Ob ich nun bei Google oder im Duden nachschlage.
Wichtig ist eigentlich die Qualität. Und die ist im Internet tatsächlich eher Mau.............

Schönes Beispiel ist Wikipedia. Übersicht toll für ein Thema. Wenn es ins Detail geht...... eher geht so.

Geht schon los mit dem Schlagwort "Dement"...............
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon frems » Mo 15. Aug 2016, 13:42

immernoch_ratlos hat geschrieben:(12 Aug 2016, 08:48)
Sich also den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu versagen - ist das eine Form hochnäsiger Ignoranz oder einfach nur schlichte Dummheit ???

Definitiv beides. Vor allem ist es Faulheit, weil man sich nicht drei Minuten mit etwas beschäftigen möchte, sondern sich lieber drei Jahrzehnte darüber echauffiert. Wie Heinz Erhardt schon sagte: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Antimodernistische Hippies gab's natürlich schon immer. Man denke nur an den Kokovorismus von August Engelhart, der um die vorletzte Jahrtausendwende herum seine sieben Sachen packte und ein Steinzeitleben in der Südsee anstrebte, für das er viele Mitstreiter fand. Aufgewachsen am Ende der Industrialisierung, über all der Ausbau der Eisenbahn und dann noch die Glühbirne... das war einfach zu viel. Und diese Telegrafie erst!

Eine schnellere Verfügbarkeit von Daten bzw. Informationen ist auch kein Hetzen. Das sieht man sehr schön im Wissenschaftsbetrieb. Du willst eine deutschsprachige Studie über Smartphone-Nutzung haben? "filetype:pdf studie smartphone" bei Google eingeben. Gleich hast Du auf der ersten Seite ein Dutzend von Quellen, die Du per Strg+F bequem durchsuchen kannst. Was hätten die Leute früher gemacht? Wären in die nächste Stadt gehetzt, hätten eine Bibliothek aufgesucht und dort dann gehofft, dass sie zumindest ein einziges Werk finden, das sich mit einem aktuellen Thema beschäftigt. Entsprechend mies ist die Qualität älterer Papiere aus dem akademischen Elfenbeinturm. Folglich hat man heute viel höhere Erwartungen an den wissenschaftlichen Nachwuchs, da er leichter an Daten kommt und man schneller Plagiate überprüfen kann. So'n Schavan-Larifari a la "Ach, damals schrieb doch jeder ab. Das sollte der Maßstab der Bewertung sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Prüfer genau das Buch kennt, aus dem ich abschrieb, und sich an den exakten Wortlaut erinnert, ist doch eh niedrig" ist lange Geschichte.

Zu wissen, wo man Wissen schnell herbekommt, ist eine wichtigere Kompetenz, als ein dressiertes Äffchen zu sein, das auf Knopfdruck etwas macht. Wer damit prahlt, dass er trotz Handy noch zig Telefonnummern auswendig kennt, zeigt dem Rest nur die eigene Beschränktheit.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Quatschki » Mo 15. Aug 2016, 14:14

Kriminell wird es da, wo Fertigkeiten Übung und Training erfordern.
Wenn ein Koch sich ein Rezept ergoogelt, mag es noch gehen,
aber wenn ein Arzt nach der passenden Therapie googelt oder ein Chirurg nach einem OP-Anleitungsyoutube, dann wird es bedenklich.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Der Neandertaler » Di 16. Aug 2016, 11:45

Hallo.
GOOGLE macht uns nicht dumm, wie vielfach behauptet wird - STIMMT! Aber schlauer werden wir dadurch auch nicht.
@ HugoBettauer, Fadamo, heinzdecker:
    GOGGLE vermittelt kein Wissen - es zeigt Suchergebnisse ... GOOGLE vermittelt bestenfalls Inhalte!
      ... und zwar in einer Geschwindigkeit, in der einem schwindlig werden kann.
Aber wo GOOGLE bestimmt unserer Verhalten ändert: wir werden ungeduldiger.
@Fuerst_48:
    "Niemand hetzt uns!!" STIMMT! ... niemand ... nur wir uns selber!
    Jeder Computerspieler ist es gewohnt, nach jeder "Tat" eine Reaktion zu bekommen. In GOOGLE bekommen wir (in der Übersicht der Suchergebnisse) kurze (Zeitungs- oder Beitrags-) Ausschnitte zu lesen. In diversen Online-Portalen bekommen wir recht kurzgehaltene Beiträge gezeigt. Daran gewöhnen wir uns, so daß kaum mehr längere (Zeitungs-) Artikel ausreichend zur Kenntnis genommen werden - Geschweige denn: daß diese zu Ende gelesen werden.
@heinzdecker:
    Wenn ich aber früher Artikel "aus den Fachzeitschriften per Hand rauskopieren musste", heißt dies doch, daß ich zuvor den ein oder andere Artikel erstmal lesen mußte, bevor ich den entprechenden Abschnitt gefunden habe, den ich dann umständlich "per Hand rauskopieren musste". Gibst Du heute in GOOGLE entsprechende Suchbegriffe ein, liefert GOOGLE Dir in sekundenschnelle ensprechende Artikel. Hast Du den Artikel gefunden, bist aber dennoch zu faul, betreffenden Abschnitt durchzulesen - bis Du Deinen Suchbegriff gefunden hast, gibt es noch eine schnellere Möglichkeit: "Strg & F" und Suchbegriff eingeben - alle betreffende Stellen werden angezeigt. Das zeigt aber, daß Bequehmlichkeit angesagt ist! Insofern verändert GOGGLE auch unser tägliches Verhalten und Denken.
Wobei über allem immer noch die Frage steht, wie verläßlich diese diversen Aussagen und (Fach-) Beiträge immer noch sind? Ich habe einen Versuch unternommen und die ein oder andere Aussage aus WikiPedia in GOOGLE eingegeben, ich habe festgestellt, daß WikiPedia auch teilweise nicht mehr ist als eine Sammlung bestehender Aussagen. Wenn aber diese Aussage schon aus unzuverläßiger Quelle stammt, wie verläßlich soll dann WikiPedia sein?

@BingoBurner:
    Das ensprechende Buch von Manfred Spitzer: "digitale Demenz" bekommst Du in jeder Buchhandlung - vielleicht hat es auch die ein oder andere Bibliothek ... zum Ausleihen. Ich hab es gelesen, mir aber nicht gekauft - dafür war mir mein Geld zu schade. Das Buch ist insofern lesenswert, damit man liest, wie bekannte Vorurteile entstehen. (einge hast Du ja genannt) Vorurteile, die logisch erklärt und so angeblich untermauert werden, die aber eben zu allen Zeiten und zu allem Neuen gebraucht wurden.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Aug 2016, 12:24

frems hat geschrieben:(15 Aug 2016, 14:42)
Eine schnellere Verfügbarkeit von Daten bzw. Informationen ist auch kein Hetzen. Das sieht man sehr schön im Wissenschaftsbetrieb. Du willst eine deutschsprachige Studie über Smartphone-Nutzung haben? "filetype:pdf studie smartphone" bei Google eingeben. Gleich hast Du auf der ersten Seite ein Dutzend von Quellen, die Du per Strg+F bequem durchsuchen kannst.

... von denen allerdings gleich die erste vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (in Kooperation mit google und Infratest) erstellt wurde. Das ist in etwa so, als bräuchte man eine Studie über Fahrzeugnutzung haben und schaut in Papieren von VW oder BMW nach. Das spricht zwar prinzipiell überhaupt nix gegen Recherchen in digitalen Online-Medien aber etwas mehr kritische Distanz zum gelieferten Material, sprich: etwas mehr Fleiß, sollte man schon aufwenden.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Aug 2016, 12:28

BingoBurner hat geschrieben:(15 Aug 2016, 13:43)
Geht schon los mit dem Schlagwort "Dement"...............

Ja, was ist mit dem Schlagwort "Dement", das eigentlich als Adjektiv eher kein Schlagwort ist. Wikipedia verweist unter "siehe auch" trotzdem auf "Demenz".
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Atheist » Di 16. Aug 2016, 12:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Aug 2016, 13:26)

Ein anderer Aspekt ist das, was halb scherzhaft als "Morbus Google" bezeichnet wird.

Die Menschen bekommen Krankheiten, insbesondere "Nahrungsmittelunverträglichkeiten", weil sie davon wissen. Weil darüber geredet und diskutiert wird. Der prozentuale Anteil der Bevölkerung, der meint, unter Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, ist um ein Vielfaches höher als der, der in entsprechenden wissenschaftlichen Erhebungen ermittelt wird. Aber die Rolle, die heute Histamin-, Laktose-Intoleranz & Co. spielen, spielte um 1900 herum "Neurasthenie", "Nervenschwäche". Es gab zu jeder Zeit und auch ohne Google & Co. dieses Phänomen "Modekrankheiten".


Besonders witzig finde ich Mitmenschen, die meinen, keine Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu haben, und nach dem Mittagessen über ein Völlegefühl klagen, durch Blähungen ihre Umwelt vollstinken, wie eine Krabbe im Gesicht rot anlaufen usw. usf. Allerdings sagt der Volksmund sehr weise, dass Dummheit weh tut. Und meiner Meinung soll sie das auch ruhig!
Zuletzt geändert von Atheist am Di 16. Aug 2016, 12:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon frems » Di 16. Aug 2016, 12:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2016, 13:24)

... von denen allerdings gleich die erste vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (in Kooperation mit google und Infratest) erstellt wurde. Das ist in etwa so, als bräuchte man eine Studie über Fahrzeugnutzung haben und schaut in Papieren von VW oder BMW nach. Das spricht zwar prinzipiell überhaupt nix gegen Recherchen in digitalen Online-Medien aber etwas mehr kritische Distanz zum gelieferten Material, sprich: etwas mehr Fleiß, sollte man schon aufwenden.

Wer sagt, dass man sich fahrlässig nur auf den ersten Treffer reduzieren sollte? Das ist ja das, was früher Leute machten, die Bibliotheken aufsuchten, weil es ihnen an Zeit mangelte.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Aug 2016, 15:59

frems hat geschrieben:(16 Aug 2016, 13:36)

Wer sagt, dass man sich fahrlässig nur auf den ersten Treffer reduzieren sollte? Das ist ja das, was früher Leute machten, die Bibliotheken aufsuchten, weil es ihnen an Zeit mangelte.

Die Leute suchen auch heute massenhaft Bibliotheken auf. Das Vehikel nennt sich im allgemeinen OPAC (Online Public Access Catalog). Ich "durfte" mich letzte Woche zwei Tage lang mit der System-Wiederherstellung eines solchen befassen.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon frems » Di 16. Aug 2016, 16:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:59)

Die Leute suchen auch heute massenhaft Bibliotheken auf. Das Vehikel nennt sich im allgemeinen OPAC (Online Public Access Catalog). Ich "durfte" mich letzte Woche zwei Tage lang mit der System-Wiederherstellung eines solchen befassen.

Das tun die Leute, ja, und profitieren von der Digitalisierung. Aber selbst ohne Shibboleth-Konten etc. steht einem heute viel zur Verfügung, was früher nicht gegeben war. Mit Demenz hat das nicht viel zu tun.
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