Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

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Der Neandertaler
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Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Der Neandertaler » Mo 25. Jul 2016, 15:00

In der FAZ wurde die Frage gestellt:
    "Macht uns Google dumm?"
Angesicht dessen, daß Wissen immer und überall verfügbar ist, mag die Frage aktuell sein - weil: warum sich Wissen durch lernen aneignen, wenn man "mal eben googlen" kann, ... so halte ich sie dennoch für falsch gestellt.

Manfred Spitzer spricht in seinem gleichnamigen Buch von "digitaler Demenz". Er schreibt und beschreibt darin, daß der Computergebrauch Nebenwirkungen hat. STIMMT! Wo Wirkung ist, sind auch Nebenwirkungen. Die Auswirkungen sind aber nicht trivial zu erfassen.

So zeigen Metastudien, daß Spiele positiv auf die Fähigkeiten zum räumlichen Denken und zur Problemlösung sowie auf das Verständnis systemischer Zusammenhänge wirken können. Studien zu Simulationsspielen, wie etwa: Civilization III, belegen, daß diese Motivation und Verständnis von Schülern fördern (können).

Andererseits:
    Der Psychologe Thomas Mößle identifizierte in einer neuen Studie über das Medienverhalten Berliner Schüler rund vier Prozent der Sechstklässler als "Suchtspieler".
Ballerspiele verstärken tatsächlich die Aggressivität. Wissenschaftler sprechen daher sehr häufig von einem Spiraleffekt:
    "Kinder mit einem hohen Konsum gewalttätiger Medieninhalte zeigen ein stärkeres Gewaltverhalten, was wiederum zu einem höheren Medienkonsum führt."
      ... allerdings wird niemand allein durch Ego-Shooter zum Amokläufer.
Diese Spiele (mit brutalen Inhalten) können bei Probanden (zumindest kurzfristig) ihre Sensibilität ... ihre Bereitschaft sinken lassen, in echte Gewaltsituationen einzuschreiten.

Wäre es also richtig, daß Computer grundsätzlich nur negative Nebenwirkungen haben, müßte ein großer Teil der Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, darunter auch Führungskräfte, dick, doof und dement sein. Denn ebenso vielfältig wie die digitalen Medien selbst sind ihre Inhalte sowie auch das Nutzungsverhalten.

Was die Nutzung von Spielen, Google & Co. ... von digitalen Medien ansich, aber sicherlich mit uns macht:
    es macht bequem, (technik) gläubig, ungeduldig und unkritisch.
Wir werden zu "kognitiven Sklaven" - kognitive Prozesse werden zumindest teilautomatisiert.
  • Der Preis der Bequemlichkeit ist der Verlust räumlicher Orientierung.
  • Ein Tippfehler in das Navigationsgerät und man landet statt auf der Urlaubsinsel Capri in der von Touristen eher selten frequentierten Industriestadt Carpi.
  • bei Spielen etwa bekommt jeder eine direkte Reaktion ... gut oder schlecht - im realen Leben aber eher selten.
  • Algorithmen, etwa in Google, bestehend aus (un)endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten, geben uns wohldosierte Lösungsvorschläge - dabei sollte man aber immer sehr vorsichtig sein. Denn was, wenn nicht nur die Algorithmen uns auf eine falsche Spur locken, sondern auch die Inhalte der Lösungsvorschläge selber manipuliert sind?
      ...was wir ja, dank Google, nicht immer erkennen.
Neurobiologen sehen noch einen weiteren Effekt:
    "Den Nutzern fällt es im Rahmen von neurologischen Tests schwer, andere Menschen zu verstehen oder sich in sie hineinzuversetzen"
Empathie kann aber doch nur da und dort entstehen, wo die Reaktion (Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls) anderer Menschen auf die Aussagen und/oder Handeln Einzelner gedeutet werden kann - bei PC-Nutzern läuft es aber heutzutage nicht unbedingt "face-to-face" ab. Im Netz ... in Foren läuft vieles weitgehend anonym ab. Dabei ist nicht nur die Schriftsprache lockerer geworden – anstatt eines "Sehr geehrter ..." darf es auch ein "Hallo" sein, aber auch die verbale Beschimpfungen haben zugenommen.
    ... es ist ja alles so schön anonym!
Da aber das Wissen immer und überall und für jeden verfügbar ist, kann sich jeder gleich für einen Alexander von Humboldt oder einen Albert Einstein und für unfehlbar halten. Anderslautende Argumente (und seien diese auch noch so richtig!) werden nicht wahrgenommen.
Aber wenn doch:
    sie werden mit kurzen, gutmeinenden, aber ebenso unkritischen Argumenten abgeschmettert.
Wobei:
    vielfach wird Argument mit Meinung verwechselt!
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 25. Jul 2016, 15:10

Ich denke mal, es ist ähnlich wie mit dem Fernsehen. Es macht die Dummen dümmer und die Schlauen schlauer.

Aber eine viel größere Gefahr als die angesprochenen wird hier in diesem aktuellen Kommentar der Reihe "Politisches Feuilleton" angesprochen:
Es scheint, als erwachen viele Briten aus einem kollektiven Rausch. Und nun fragen sie sich, was sie und ihre Landsleute geritten habe, sich von Europa zu verabschieden. Eine Antwort finden wir auf dem Display ihres Smartphones. Der indische Wissenschaftler Dhruva Jaishankar nennt das unterlegene "Remain" treffend "das erste große Opfer einer digitalen Demokratie".

Echtzeit-Vernetzung und allverfügbare Information führen eben nicht dazu, dass Menschen bei politischen Entscheidungen besser informiert sind. Vielmehr sorgte digitales Dauerfeuer für beispiellose Polarisierung und totale Desinformation.

(http://www.deutschlandradiokultur.de/kater-in-grossbritannien-wie-die-digitale-kultur-den-brexit.1005.de.html?dram:article_id=360014)
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 25. Jul 2016, 15:21

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 16:00)
Da aber das Wissen immer und überall und für jeden verfügbar ist, kann sich jeder gleich für einen Alexander von Humboldt oder einen Albert Einstein und für unfehlbar halten. Anderslautende Argumente (und seien diese auch noch so richtig!) werden nicht wahrgenommen.

Informationen sind immer und überall vorhanden. Zu "Wissen" werden sie erst im Kopf des Menschen und mit einem (wenigstens potenziellen) Handlungsbezug. Auch wenn das jetzt eher theoretisch klingt.

Sobald man die "richtigen" Fragen stellt, wird einem schnell klar, dass das Internet keineswegs "Wissen" sondern nur Unmengen von Information enthält. "Welche Partei soll ich wählen" (Handlungsbezug) anstelle von "Welche Parteien gibt es überhaupt". "Warum existiert das Universum" (der Handlungsbezug besteht in einer philsophischen Selbsteinordnung) anstelle von "Welche Planeten gibt es im Sonnensystem".
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 25. Jul 2016, 15:28

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 16:00)

In der FAZ wurde die Frage gestellt:
    "Macht uns Google dumm?"
Angesicht dessen, daß Wissen immer und überall verfügbar ist, mag die Frage aktuell sein - weil: warum sich Wissen durch lernen aneignen, wenn man "mal eben googlen" kann, ... so halte ich sie dennoch für falsch gestellt.


Wissen, das man wirklich sofort verfügbar braucht, merkt man sich auch, wenn man es nachgucken kann.

Manfred Spitzer spricht in seinem gleichnamigen Buch von "digitaler Demenz".

Ach der. Der heult seit den frühen 90ern lange vor Google und Smartphone rum, dass die Kinder immer dümmer werden. Er wurde mehrfach von der Realität widerlegt in seinen Prognosen. Der ist was für ältliche Talkshow-Hosts aus der zweiten Garnitur des Privatfernsehens.

Die Wahrheit ist doch, dass man von einer Computerspielsucht nur so reden kann, wie man von einer Fußballsucht oder einer Autorennsucht redet.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 25. Jul 2016, 15:58

Mein Physiklehrer pflegte zu sagen: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo es steht."
Nur das Hauptproblem mit "Informationen" im Internet ist, dass zu allen möglichen Themen von BS über akademisches Halbwissen bis hin zu brauchbaren Informationen alles zu finden ist. Da fällt das filtern schwer, und man macht sich schnell mal die falschen Infos zu eigen. Mein Prof. für Prozesstechnik hat mal gesagt wer es schafft einen Filter zu entwickeln der aus dem Internet das Rauschen heraus filtert, so dass nur die brauchbaren Informationen übrig bleiben hat ausgesorgt. Nur leider ist das m. M. n. gar nicht möglich. Denn dann wäre der Filteralgorithmus quasi allwissend.
Auf der anderen Seite ist es eben auch eine Möglichkeit an Informationen zu kommen, die man sonst so schnell nicht erhalten würde, gerade wenn es sich um verifizierbare Informationen handelt...

Ich schlage auch eher mal einen Linux Befehl bzw. dessen Parameterliste nach als alle im Kopf zu behalten. Im Web liest sich die Parameterliste auch einfacher als auf der man Page... :D
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Der Neandertaler » Mo 25. Jul 2016, 16:21

Hallo HugoBettauer.
HugoBettauer hat geschrieben:Wissen, das man wirklich sofort verfügbar braucht, merkt man sich auch, wenn man es nachgucken kann.
Dem möchte ich leicht widersprechen!

Wissenschaftler der Columbia Universität haben eine Untersuchung veröffentlicht, deren Ergebnisse zeigen, daß insbesondere Suchmaschinen die Art und Weise wie wir Informationen in unserem Gedächtnis speichern, nachhaltig verändern.
    ... daß wir uns immer öfter nicht die Informationen direkt merken, sondern lediglich den Ort, wo wir diese später am ehesten wieder abrufen können.
Obwohl:
    dieses "kollektive Gedächtnis" hat es auch schon früher gegeben - Partner, Freunden oder Familie merkten sich sämtliche Geburtstage im Familien- und Bekanntenkreis, der nächste weiß andere Daten, usw.
    Dies "kollektive Gedächtnis" hat sich aber in einer Welt entwickelt, in der sich die Menschen ausschließlich von Angesicht zu Angesicht austauschten. Zumindest wußte jeder, wer welches Wissen besaß.
Die Psychologin Betsy Sparrow veröffentlichte dazu im Wissenschaftsmagazin Science Ergebnisse von mehreren Experimenten. Bei einem sollten 60 Freiwillige 40 verschiedene Aussagen von einem PC-Monitor ablesen und anschließend aufschreiben. Der Hälfte der Probanten erklärte Sparrow, daß der Computer alle Aussagen anschließend auch speichern würde. Die andere Hälfte war der Meinung, daß alle Daten nach Anzeige auf dem Monitor gelöscht werden würden. Später stellte sich heraus, daß diejenigen Teilnehmer, die meinten die Daten würden anschließend gelöscht, ... daß diese sich erstaunlicherweise mehr davon merken konnten als diejenigen Teilnehmer, die gelaubt hatten, der PC würde alles abspeichern.

Wohlgemerkt:
    hierbei geht es nur um die Frage (und Deine Bemerkung), ob und wie wir uns etwasmerken, "wenn man es nachgucken kann"
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Fadamo » Mo 25. Jul 2016, 16:23

Google bringt mein ganzes wissen durcheinander. :mad2:
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Der Neandertaler » Mo 25. Jul 2016, 16:38

Hallo firlefanz11.
firlefanz11 hat geschrieben:[Mein Physiklehrer pflegte zu sagen: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo es steht."
    Genau dies sagte mein Rechtsanwalt auch zu mir!
Außer die von Dir vorgetragenen Problemen steht aber auch noch die Frage über das Wissen der großen und ganzen Zusammenhänge im Raum. Nur wenn ich weiß, wonach ich suchen muß ... oder soll, kann ich entsprechendes finden.
    ... unabhängig von der Richtigkeit und dessen Vollständigkeit.
Wenn mich ein Thema wenig oder gar nicht interessiert, merke ich mir auch nicht alles - KLAR! Aber ich weiß zumindest, daß meine Frau Chemie beherrscht, also kann ich sie fragen. Beim Computer-fragen treten leider immer wieder die von Dir beschriebenen Probleme auf!
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 25. Jul 2016, 16:52

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 17:21)

Hallo HugoBettauer.Dem möchte ich leicht widersprechen!

Wissenschaftler der Columbia Universität haben eine Untersuchung veröffentlicht, deren Ergebnisse zeigen, daß insbesondere Suchmaschinen die Art und Weise wie wir Informationen in unserem Gedächtnis speichern, nachhaltig verändern.
    ... daß wir uns immer öfter nicht die Informationen direkt merken, sondern lediglich den Ort, wo wir diese später am ehesten wieder abrufen können.

Telefonnummern, Bankverbindungen usw - jeweils die Top 10 im Gebrauch weiß ich und die nächsten 15 erkenne ich beim Angucken, ob sie so ungefähr stimmen. Mehr wusste ich auch früher nicht. Auch andere schematische Namen kann ich "einordnen durch angucken" in größenordnung ca 500. Was das genau für Dinger sind, gehört hier nicht hin.

Einen guten Teil des PSE habe ich auch noch drin. Ist vielleicht auch eine Kulturfrage.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Der Neandertaler » Mo 25. Jul 2016, 17:05

Hallo HugoBettauer.
Natürlich ist dies "auch eine Kulturfrage." Ich kann mir weitgehend Zahlen merken - darunter auch Telephonnummern und Geburtstage. Aber meine Frau kann die Geburtstage auch mit den Namen der Geburtstagskinder verknüpfen.
    ... dafür gibt es ja Taschenkalender!
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon JJazzGold » Mo 25. Jul 2016, 17:33

Der Neandertaler hat geschrieben:(25 Jul 2016, 17:21)

Hallo HugoBettauer.Dem möchte ich leicht widersprechen!

Wissenschaftler der Columbia Universität haben eine Untersuchung veröffentlicht, deren Ergebnisse zeigen, daß insbesondere Suchmaschinen die Art und Weise wie wir Informationen in unserem Gedächtnis speichern, nachhaltig verändern.
    ... daß wir uns immer öfter nicht die Informationen direkt merken, sondern lediglich den Ort, wo wir diese später am ehesten wieder abrufen können.
Obwohl:
    dieses "kollektive Gedächtnis" hat es auch schon früher gegeben - Partner, Freunden oder Familie merkten sich sämtliche Geburtstage im Familien- und Bekanntenkreis, der nächste weiß andere Daten, usw.
    Dies "kollektive Gedächtnis" hat sich aber in einer Welt entwickelt, in der sich die Menschen ausschließlich von Angesicht zu Angesicht austauschten. Zumindest wußte jeder, wer welches Wissen besaß.
Die Psychologin Betsy Sparrow veröffentlichte dazu im Wissenschaftsmagazin Science Ergebnisse von mehreren Experimenten. Bei einem sollten 60 Freiwillige 40 verschiedene Aussagen von einem PC-Monitor ablesen und anschließend aufschreiben. Der Hälfte der Probanten erklärte Sparrow, daß der Computer alle Aussagen anschließend auch speichern würde. Die andere Hälfte war der Meinung, daß alle Daten nach Anzeige auf dem Monitor gelöscht werden würden. Später stellte sich heraus, daß diejenigen Teilnehmer, die meinten die Daten würden anschließend gelöscht, ... daß diese sich erstaunlicherweise mehr davon merken konnten als diejenigen Teilnehmer, die gelaubt hatten, der PC würde alles abspeichern.

Wohlgemerkt:
    hierbei geht es nur um die Frage (und Deine Bemerkung), ob und wie wir uns etwasmerken, "wenn man es nachgucken kann"


Das kommt darauf an, wie die rechiercherte die Information verknüpft wird.
Daten und Personen google ich gerne beim Lesen historischer Bücher, einschließlich weiterführender Links.
Die Information verschwindet nicht beim Löschen des Links aus meinem Gedächtnis, sondern bleibt über die Verknüpfung mit der Information des Buches vorhanden.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 25. Jul 2016, 17:47

Schon früher sagte man, schreib es auf, um es dir leichter zu merken.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon JJazzGold » Mo 25. Jul 2016, 17:54

HugoBettauer hat geschrieben:(25 Jul 2016, 18:47)

Schon früher sagte man, schreib es auf, um es dir leichter zu merken.


Stimmt,nachdem man den Spickzettel geschrieben hatte, benötigte man ihn nicht mehr. ;)
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 25. Jul 2016, 18:49

JJazzGold hat geschrieben:(25 Jul 2016, 18:54)

Stimmt,nachdem man den Spickzettel geschrieben hatte, benötigte man ihn nicht mehr. ;)

So ungefähr. Texte exzerpieren hat einen ähnlichen Effekt. Oder juristische Sachverhalte nachlesen und in Forenbeiträgen verarbeiten.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Atheist » Mo 25. Jul 2016, 21:41

Google beschränkt die Suchfreiheit zu sehr. Ohne Proxy ist es z.B. unmöglich, sich die Suchergebnisse aus einem bestimmten Land (außer demjenigen, dem die Suchanfrage entstammt) anzeigen zu lassen. Außerdem fehlen mir Statistiken, z.B. darüber was, in meiner Nähe am meisten gesucht wird.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon Nele28 » Mo 25. Jul 2016, 21:57

Je mehr das Wissen in der ökonomisierten Welt beschworen wird, umso schneller verliert Wissen an Wert. Für einen, der den Unterschied zwischen Bildung und Wissen nicht kennt, ist das schwer nachvollziehbar.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon HugoBettauer » Mo 25. Jul 2016, 22:04

Atheist hat geschrieben:(25 Jul 2016, 22:41)

Google beschränkt die Suchfreiheit zu sehr. Ohne Proxy ist es z.B. unmöglich, sich die Suchergebnisse aus einem bestimmten Land (außer demjenigen, dem die Suchanfrage entstammt) anzeigen zu lassen. Außerdem fehlen mir Statistiken, z.B. darüber was, in meiner Nähe am meisten gesucht wird.

Ich finde hier französische Seiten ganz einfach.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon H2O » Mo 25. Jul 2016, 22:15

HugoBettauer hat geschrieben:(25 Jul 2016, 23:04)

Ich finde hier französische Seiten ganz einfach.


Hier in Polen muß ich mir schon etwas Mühe geben, wenn ich deutsche Suchergebnisse haben möchte. Und in Deutschland dann für polnische Suchergebnisse. Das geht, aber mit etwas Arbeit.
Man müßte das Suchgebiet mit dem Ländercode vorgeben können.
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon firlefanz11 » Di 26. Jul 2016, 08:40

H2O hat geschrieben:(25 Jul 2016, 23:15)
Hier ... muß ich mir schon etwas Mühe geben, wenn ich deutsche Suchergebnisse haben möchte. Und in Deutschland dann für polnische Suchergebnisse. Das geht, aber mit etwas Arbeit.
Man müßte das Suchgebiet mit dem Ländercode vorgeben können.

Du musst doch bloß anstatt auf google.de auf google.pl gehen...
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Re: Macht uns Google dumm? - digitale Demenz - Fluch oder Segen?

Beitragvon H2O » Di 26. Jul 2016, 08:53

firlefanz11 hat geschrieben:(26 Jul 2016, 09:40)

Du musst doch bloß anstatt auf google.de auf google.pl gehen...


Danke; einfacher geht es wirklich nicht!

Ich hatte im Browser immer den Betreff eingegeben, auf Deutsch oder Polnisch. Dann kam ein gemischtes Ergebnis heraus. Etwas mühsam, aber es ging.

Ich ahnte gar nichts von der Möglichkeit, "GOOGLE Deutschland" einstellen zu können! Astreine Sache!

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