Die Zukunft der digitalen Medien

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jack000
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Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon jack000 » Mo 25. Apr 2016, 19:23

Derzeit befinden sich die Printmedien (Spiegel, Focus, Zeit, Süddeutsche, Welt, etc...) im freien Sinkflug, die Auflagen sinken immer weiter. Ebenso erfreuen sich die digitalen Medien einer wachsenden Beliebtheit.

Soweit so gut. Allerdings sind die digitalen Medien für den Nutzer erstmal kostenlos und mit diversen Werbungen versehen. Vor allem drückt sich das aus, dass viele Beiträge als Filmbeiträge erscheinen (obwohl es dafür keinen inhaltlichen Grund gibt. Der Grund ist einen Werbefilm davor zu schalten, was ziemlich nervig ist).

Ebenso werden auch kostenpflichtige Abonnements angeboten, die m.E. recht teuer sind (zwischen 10-20€/Monat pro Zeitung) und die nur die wenigsten Leser tatsächlich bezahlen möchten.

Die anfängliche "Kostenloskultur" wird nicht mehr aufrecht zu erhalten sein wenn noch einigermaßen Qualität geboten werden soll, denn nur von Werbung wird das nicht finanzierbar sein, denn auch Journalisten, etc... wollen angemessen bezahlt werden.

Wir hier im Forum zitieren und verlinken gerne die "Kostenlosmedien" aber das wird schwierig sein aufrecht zu erhalten wenn alles bald kostenpflichtig sein wird.

- Wie kann die Zukunft der digitalen Medien gestaltet werden, so dass diese nicht nur noch für Bezahlkunden erreichbar sein wird?
- Die Preise sind sehr hoch dafür, dass im Vergleich zu einem Printmedium, welches ausgedruckt und zu einem Haushalt transportiert wird (Sind diese zu hoch?)
- Sind Sammelabonenments eine Lösung bei dem man sich für einen Pauschalpreis z.B. 10 Medien aussuchen kann? (So, dass durch die Masse wieder Genug Geld beisammen kommt)
- Wie wird die Zukunft für Foren wie das unsere sein wenn wir Medien zitieren?
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Tom Bombadil
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 25. Apr 2016, 19:32

Ein digitales Abo müsste eigentlich deutlich unter dem analogen Abo liegen, weil ja Druck- und weitestgehend auch die Vertriebskosten wegfallen. Gut, Server mit viel Traffic verursachen schon Kosten, aber wohl signifikant weniger als der normale Vertriebsweg.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass kostenlose Angebote wegfallen, das hat sich schon zu sehr eingebürgert. Zudem wird man auch die menschlichen Kosten reduzieren können, normale Meldungen ohne viel Hintergrund lassen sich maschinell verfassen, da werden einfach Keywords und Daten eingegeben und der Artikel wird dann automatisch geschrieben, das gibt es heute schon bei Berichten von Sportereignissen und auch dem Wetterbericht.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon H2O » Mo 25. Apr 2016, 20:49

DIE ZEIT bietet ihre Internet-Ausgabe neben der Druckausgabe an für 4,10 € je Ausgabe, wenn ich mich richtig an die letzte Werbemaßnahme erinnere. Der Vertrieb fummelt wenig überzeugend an der Preisgestaltung, als ob die ZEIT-Leser einfältige Dummerchen wären! Auch scheint ein spezielles Lesegerät notwendig zu sein, oder eine SW für den Zugriff. Das Angebot finde ich unver-hältnismäßig teuer, bei aller Wertschätzung für dieses Wochenblatt.

Meine sehr ordentlich gemachte Tageszeitung wirbt für ihre WEB-Ausgabe für monatlich 7 €. Das halte ich für ein sehr günstiges Angebot! Tatsächlich habe ich schon überlegt, ganz von den Papierausgaben ab zu gehen, weil die Zustellung mich zu oft versetzt hatte. Auch ärgert mich die Menge der Werbebeilagen.

Die Aussicht, neben meinem Notebook ein weiteres elektronisches Lesegerät oder einen größeren Bildschirm nutzen zu müssen, hat mich bisher davon abgebracht. Wenn ich mich wieder einmal über unpünktliche Zustellung von "Altpapier" ärgere, dann könnte der Damm brechen.

So weit die "persönliche Schiene".

Ich kann mir nicht vorstellen, daß elektronische Zeitungen sich den Suchmaschinen verschließen werden, wenn es um einzelne Artikel von Interesse geht. Wozu auch... damit kann niemand mit vertretbarem Aufwand die Tages- oder Wochenauflage ersetzen, und zugleich ist das Zitat eine sinnvolle Werbung für die Zeitungsmacher. Meist wird dabei auch Werbung an den Rändern mitgeliefert, die man ansonsten nie suchen würde.

Bei vollständigen Ausgaben hört natürlich diese Großzügigkeit auf; das dürfte ja wohl selbstverständlich sein. Mich würde überraschen, wenn schon bei einzelnen Artikeln plötzlich Ende der Vorstellung wäre. Im Gegenteil könnten Zeitungen ganz vom Markt verschwinden, wenn sie niemand mehr zitieren kann. Da sehe ich keine Gefahr für unser Forum aufziehen.

Das Schicksal wird sicher zuschlagen bei der Vielzahl unverlangter Werbezeitungen und bunter Blätter. Da wird es eine Konzentration auf sehr wenige Marktführer geben, und so werden viele "Mediengestalter" und Redakteure ihre Aufgaben verlieren. Kein Wunder, wenn praktisch zu jeder Zeit an jedem Ort die führenden Veröffentlichungen erreichbar sind. Dieser Blätterwald wird sich vermutlich ganz erheblich lichten.

Ich sehe auch, daß ich beim Suchen nach wissenschaftlichen Abhandlungen schon abwinke, wenn ich mit einem Klappentext oder einer Leseprobe zufrieden sein soll... und ansonsten das Buch kaufen soll. Wer stellt sich denn noch ganze Papierwände hin, wenn er einer Frage nachgeht?
Vielleicht kommt es so, daß eine sehr knappe Zusammenfassung des Werks die Neugierde hinreichend weckt. Wenn man sich die ausführliche Abhandlung zu vertretbaren Kosten herunterladen kann (Spielzahl 5 €), dann lohnt sich das Ausdrucken kaum noch... und wenn schon, siehe Papierwände! Auch da dürfte sich einiges ändern, nachdem die elektronischen Hilfsmittel zur Darstellung wissenschaftlicher Texte und Bilder schon dem Ersteller des Werks auch die formvollendete Veröffentlichung ermöglichen. (Wenn ich da noch an meine technische Diplomarbeit denke... lang ist's her!) Schwierige Zukunft für diese Buchverlage und Druckereien.

Vielleicht wird sich das Ansehen von Wissenschaftlern irgendwann nicht mehr an der Anzahl ihrer Veröffentlichungen messen (oft genug eine lästige Pflicht zur Pflege des wissenschaftlichen Rufs), sondern an der Anzahl gebührenpflichtiger Abrufe ihrer vollständigen Veröffentlichungen. Also Klasse statt Masse. Das wäre eine Wohltat für den deutschen Wald!
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon Brainiac » Mo 25. Apr 2016, 21:55

jack000 hat geschrieben:(25 Apr 2016, 20:23)

Derzeit befinden sich die Printmedien (Spiegel, Focus, Zeit, Süddeutsche, Welt, etc...) im freien Sinkflug, die Auflagen sinken immer weiter. Ebenso erfreuen sich die digitalen Medien einer wachsenden Beliebtheit.

Soweit so gut. Allerdings sind die digitalen Medien für den Nutzer erstmal kostenlos und mit diversen Werbungen versehen. Vor allem drückt sich das aus, dass viele Beiträge als Filmbeiträge erscheinen (obwohl es dafür keinen inhaltlichen Grund gibt. Der Grund ist einen Werbefilm davor zu schalten, was ziemlich nervig ist).

Ebenso werden auch kostenpflichtige Abonnements angeboten, die m.E. recht teuer sind (zwischen 10-20€/Monat pro Zeitung) und die nur die wenigsten Leser tatsächlich bezahlen möchten.

Die anfängliche "Kostenloskultur" wird nicht mehr aufrecht zu erhalten sein wenn noch einigermaßen Qualität geboten werden soll, denn nur von Werbung wird das nicht finanzierbar sein, denn auch Journalisten, etc... wollen angemessen bezahlt werden.

Wir hier im Forum zitieren und verlinken gerne die "Kostenlosmedien" aber das wird schwierig sein aufrecht zu erhalten wenn alles bald kostenpflichtig sein wird.

- Wie kann die Zukunft der digitalen Medien gestaltet werden, so dass diese nicht nur noch für Bezahlkunden erreichbar sein wird?
- Die Preise sind sehr hoch dafür, dass im Vergleich zu einem Printmedium, welches ausgedruckt und zu einem Haushalt transportiert wird (Sind diese zu hoch?)
- Sind Sammelabonenments eine Lösung bei dem man sich für einen Pauschalpreis z.B. 10 Medien aussuchen kann? (So, dass durch die Masse wieder Genug Geld beisammen kommt)
- Wie wird die Zukunft für Foren wie das unsere sein wenn wir Medien zitieren?

Zur letzten Frage, ich habe das hier vor 5 Jahren schon mal thematisiert.

Brainiac hat geschrieben:(29 Jul 2011, 10:53)
Wir sind es heutzutage gewohnt, zu praktisch jedem Thema problemlos und umsonst qualitativ hochwertige Quellen im www ausfindig machen und verwenden zu können – last not least in diesem Forum. Zwar gibt es in diversen Bereichen auch schon länger Paid Content, z.B. bei der Stiftung Warentest, und im Multimedia-Bereich sowieso. Dennoch ist es bislang „gefühlt“ eine Randerscheinung, wenn es um die reine Informationsversorgung mit journalistischen Inhalten geht.

Ich verstehe, dass Journalisten von irgendwas leben müssen, und dass wenn die Printmedien den Bach herunter gehen, die Zukunft im www liegen muss. Ich verstehe auch, dass man sich bei einer reinen Werbefinanzierung, wie das heute bei den großen Netzauftritten der Verlage der Fall ist, nicht wohl fühlt ("Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing"). Ergo wird sich hier irgendwas tun müssen. Aber wo geht das hin? Man stelle sich vor, unter jeden Quellenlink müsste man hier im Forum so etwas darunterschreiben wie "nur für SPON-Abonnenten".

Vielleicht ist die Zukunft eine Art von „informatorischer Grundversorgung“, z.B. finanziert über die GEZ, mit der man zumindest die wesentlichen Nachrichten und auch ein paar Hintergründe weiterhin kostenlos beziehen kann. Alles, was darüber hinausgeht, kostet, es sei denn, es wird durch freiwilliges Engagement bereitgestellt.

Ich sehe da schon Effekte auch fürs Forum. Vor wenigen Tagen hatte ich hier gerade den Fall, dass jemand einen kostenpflichtigen Link zitierte. Sowas wird zunehmen. Ist die Frage, ob das dann eher das Argument entwertet oder man dahin kommt, wer nicht zahlt ist selber schuld, dass er die Quelle nicht überprüfen kann.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon H2O » Mo 25. Apr 2016, 22:15

Brainiac hat geschrieben:(25 Apr 2016, 22:55)

Zur letzten Frage, ich habe das hier vor 5 Jahren schon mal thematisiert.


Ich sehe da schon Effekte auch fürs Forum. Vor wenigen Tagen hatte ich hier gerade den Fall, dass jemand einen kostenpflichtigen Link zitierte. Sowas wird zunehmen. Ist die Frage, ob das dann eher das Argument entwertet oder man dahin kommt, wer nicht zahlt ist selber schuld, dass er die Quelle nicht überprüfen kann.


Mein Bauchgefühl sagt mir, daß nicht frei zugängliche Informationen in allgemeinen Diskussionsforen nicht mehr benutzt werden, so als hätte es diese Informationen nie gegeben. Ich stelle mir gerade vor, ich wollte mich in einem allgemeinen Diskussionsforum mit einer Behauptung auseinander setzen, und sollte für deren Überprüfung mehrere Taler bezahlen. Da hört doch der Spaß auf!

Da sind wir doch schon mit statistischen Daten, die sich mit Google aufrufen lassen, und die dann verdeckt werden, wenn man sie nicht kostenpflichtig abonniert hat. Die Folge: Man sucht Informationsquellen, die kostenlos diese Daten enthalten oder wenigstens Teile davon.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon John Galt » Mo 25. Apr 2016, 22:28

Viele traditionellen Zeitungen werden den Übergang zum digitalen Medium schlichtweg nicht überleben.

Man kann eben nicht für das lose aneinandereihen von Agenturnachrichten ohne eigenen journalistischen Mehrwert solche Beträge verlangen.

Lokale Nachrichten haben ihre Nische.
Investigativer Journalismus ebenso.
Gut recherchierte Beiträge sind für die 08/15 Bevölkerung zu hoch und eher für Fachzeitschriften geeignet.

Um die Fokusierungen zu erreichen muss man eben den Markt mit seiner schöpferischen Zerstörung noch 10 Jahre wüten lassen.

Ein Problem bei der ganzen Geschichte ist aber der ÖR, der ohne Kostenprobleme sein Angebot in den Markt rotzt und weiterhin expandieren wird.
Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon jack000 » Di 26. Apr 2016, 09:16

Anbei mal ein paar Zahlen zum Thema:
Wochen- und Sonntagszeitungen im 1. Quartal 2016 (nur Abo+EV)
Abo+EV 2016-I vs. 2015-I
Platz Titel 2016-I absolut in %
1 Bild am Sonntag 963.786 -69.953 -6,8
2 Die Zeit 424.527 1.357 0,3
3 Welt am Sonntag (+kompakt) 259.692 -18.044 -6,5
4 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 221.285 -18.010 -7,5
5 Katholische SonntagsZeitung für Deutschland (gesamt) incl. Neue Bildpost 37.689 -2.668 -6,6
6 Junge Freiheit 22.983 2.681 13,2
7 der Freitag 17.823 1.213 7,3
8 Das Parlament 6.628 -148 -2,2
9 Jüdische Allgemeine Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben 4.445 329 8,0
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

http://meedia.de/2016/04/20/ivw-blitz-a ... zeitungen/
Hinweis: Es handelt sich dabei auch um die Digitalausgaben (=Printausgabe als E-Paper)
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon H2O » Di 26. Apr 2016, 11:12

John Galt hat geschrieben:(25 Apr 2016, 23:28)

Viele traditionellen Zeitungen werden den Übergang zum digitalen Medium schlichtweg nicht überleben.

Man kann eben nicht für das lose aneinandereihen von Agenturnachrichten ohne eigenen journalistischen Mehrwert solche Beträge verlangen.

Zustimmung; aber die Auswahl der wesentlichen Nachrichten aus der fast unendlichen Flut ist schon ihr Geld wert. Ordentlich gemachte Tageszeitungen sind so beschaffen. Die würde ich deshalb auch in elektronischer Aufmachung beziehen und bezahlen.
Lokale Nachrichten haben ihre Nische.
Investigativer Journalismus ebenso.
Gut recherchierte Beiträge sind für die 08/15 Bevölkerung zu hoch und eher für Fachzeitschriften geeignet.

Auch wieder Zustimmung; lokale Nachrichten sind aber in ordentlich gemachten Tageszeitungen enthalten. Ich sehe da keine besondere Nische. Familienanzeigen sind ein wichtiger Teil der Lokalen Nachrichten, auch Werbung des Einzelhandels und des Handwerks halte ich für so wichtig, daß ich sie mitsamt der elektronischen Tageszeitung bezahlen würde.

"Investigativer Journalismus" liegt auf einem anderen Feld. Da sehe ich die Wochenzeitungen am Zuge, wo eben etwas mehr Zeit zum Nachdenken und Nachfassen bleibt als im hektischen Tagesgeschäft. DIE ZEIT erfreut sich deshalb auch immer noch einer wachsenden Leserschaft, wo andere inzwischen Leser verlieren.

Auch diese Zeitung würde ich in elektronischer Form beziehen und sie auch bezahlen; natürlich in Grenzen. Da ist derzeit etwas Unsicherheit zu beobachten. Das wird sich legen, hoffe ich.

Aber auch ich meine, daß ein scharfer Wind durch den Blätterwald wehen wird, weil das Angebot überwältigend groß ist, ohne deshalb vielfältig zu sein. Der DIE ZEIT wird vermutlich keine Gefahr drohen, wenn sie ihre Qualität nicht aus Kostengründen herab setzt.

Um die Fokusierungen zu erreichen muss man eben den Markt mit seiner schöpferischen Zerstörung noch 10 Jahre wüten lassen.


Ok, niemand kann mit großer Sicherheit auch nur die mittlere Zukunft voraus sagen.

Ein Problem bei der ganzen Geschichte ist aber der ÖR, der ohne Kostenprobleme sein Angebot in den Markt rotzt und weiterhin expandieren wird.


Da hat sich eine Kaste im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine wunderbare Wohlfühloase auf Kosten der Haushalte aller Bürger eingerichtet. Die Wohlfühloase gehört in der Tat auf das Notwendige zusammen gestrichen: Grundversorgung mit Nachrichten und Bildungsangeboten, Notfallversorgung im Katastrophenfall. Daß auch diese Grundversorgung Beiträge erfordert, das ist auch klar. Aber doch nicht 17 €/Monat! Der Rest davon muß über Bezahlkanäle privatisiert werden.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon jack000 » Di 9. Aug 2016, 17:20

Die Bezahlfunktion weitet sich immer weiter aus (z.B. Stuttgarter Zeitung, etc...). Teilweise ist das auch zu überlisten, das z.B. Links zu Bezahlartikeln (z.B. Welt.de, Bild.de, etc...) funktionieren, wie auch das Verwenden von verschiedenen Browsern um die Mindestzahl an kostenlosen Beiträgen zu erhöhen.

Letztendlich wird es aber darauf hinauslaufen, dass die Medien (zu Recht) auch Geld für ihr Angebot haben wollen. Aktuell fällt es auf, als seien viele Artikel nur noch von Praktikanten verfasst mit entsprechender Qualität und Rechtschreibfehlern.

Insgesamt sind aber noch die Preise recht hoch Pro Medium (Ab 5€/Monat), d.h. wird es auch auf das PF-EU Auswirkungen haben, da langfristig Zitate und Verlinkungen nicht mehr in bisher gewohnter Manier möglich sein werden.

Generell sind die hohen Preise ein Problem, denn so gut wie niemand im Forum wird den Großteil der online-Zeitungen kostenpflichtig abonnieren.
Die hohen Preise dürften aus der Erwartungshaltung resultieren, dass den Kunden für vereinzelte Blätter es den Preis schon wert sein werden, wie auch die Tatsache, dass diverse Dritte (Steuer, Kassierfirma, etc...) auch noch die Hand aufhalten.

Quo Vadis PF-EU, Quo Vadis online-Medien?
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon frems » Di 9. Aug 2016, 17:51

Naja, abwarten. Generell ist davon auszugehen, dass werbefinanzierte Plattformen zusätzliche Einnahmen bzw. Leser erhalten, wenn mehr Medien (nicht überwindbare) Zahlungsaufforderungen verlangen. Ich find es schade, dass sich die Zeitungen nicht mal zusammentun können. Mit einem Abo/Log-In für x Euro könnte ich gut leben und würde es gerne zahlen. Aber wenn selbst das Hamburger Abendblatt und die Hamburger Morgenpost unabhängige Zahlsysteme haben, nervt es. Für drei, vier gute Artikel in der Süddeutschen oder dem Handelsblatt im Monat holt man sich auch kein Abo, aber will auch nicht aufgrund einer interessant klingenden Überschrift fummelig einzelne Artikel kaufen und sich überall Nutzerkonten einrichten.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon H2O » Di 9. Aug 2016, 18:51

frems hat geschrieben:(09 Aug 2016, 18:51)

Naja, abwarten. Generell ist davon auszugehen, dass werbefinanzierte Plattformen zusätzliche Einnahmen bzw. Leser erhalten, wenn mehr Medien (nicht überwindbare) Zahlungsaufforderungen verlangen. Ich find es schade, dass sich die Zeitungen nicht mal zusammentun können. Mit einem Abo/Log-In für x Euro könnte ich gut leben und würde es gerne zahlen. Aber wenn selbst das Hamburger Abendblatt und die Hamburger Morgenpost unabhängige Zahlsysteme haben, nervt es. Für drei, vier gute Artikel in der Süddeutschen oder dem Handelsblatt im Monat holt man sich auch kein Abo, aber will auch nicht aufgrund einer interessant klingenden Überschrift fummelig einzelne Artikel kaufen und sich überall Nutzerkonten einrichten.


"Werbefinanzierte Plattformen" sind doch so gestaltet, daß der Zweck der Plattform klar erreicht wird: Die Verbraucher möglichst geschickt mit Werbung "versorgen", so daß ihr Wunsch nach Information und Unterhaltung nur so weit erfüllt wird, daß sie nicht gleich verärgert abschalten.

Ihre Idee finde ich verfolgenswert: Etwa über einen gesicherten Code auf Artikel einer Zeitungs-/Zeitschriften-gruppe zugreifen können, wobei die Zahl der monatlichen Zugriffe eines Lesers entscheidet, welchen Anteil das einzelne Blatt von der Lesergebühr des Lesers erhält.
Ich wäre auch bereit, bei vertretbarer Qualität für ein solches System so viel zu bezahlen wie bisher für meine Tageszeitung und meine Wochenzeitung. Die Papierausgabe würde ich dann natürlich abbestellen.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon jack000 » Di 9. Aug 2016, 19:16

frems hat geschrieben:(09 Aug 2016, 18:51)

Naja, abwarten. Generell ist davon auszugehen, dass werbefinanzierte Plattformen zusätzliche Einnahmen bzw. Leser erhalten, wenn mehr Medien (nicht überwindbare) Zahlungsaufforderungen verlangen.

Derzeit findet ein Verreckungsprozess statt bei dem diejenigen Medien untergehen die entweder nicht in der Lage sind genügend zahlende Abonnenten zu finden, bzw. die sich mit Werbung nicht mehr finanzieren können.
=> Einen Prozess bei dem die werbefinanzierten Medien übrig bleiben sehe ich nicht!

Ich find es schade, dass sich die Zeitungen nicht mal zusammentun können. Mit einem Abo/Log-In für x Euro könnte ich gut leben und würde es gerne zahlen. Aber wenn selbst das Hamburger Abendblatt und die Hamburger Morgenpost unabhängige Zahlsysteme haben, nervt es. Für drei, vier gute Artikel in der Süddeutschen oder dem Handelsblatt im Monat holt man sich auch kein Abo, aber will auch nicht aufgrund einer interessant klingenden Überschrift fummelig einzelne Artikel kaufen und sich überall Nutzerkonten einrichten.

Ja, das ist m.E. die Zukunft: Medien teilen sich die Vertriebskosten und der Leser entscheidet selbst was er liebst und das wird anteilig auf die Medien kostenmäßig zurückgespiegelt, bzw. sich auf die Anzahl der gelesenen Artikel bezieht.

Kosten dürfte das ganze max. 10€ für einige Medien und 20€ für sehr viele Medien ... alle anderen Kostenmodelle sind m.E. zum scheitern verurteilt wenn es darum geht Massen zugänglich zu machen.
Anders verhält es sich bei 1:1 Ausgaben von Printmedien bei denen im Einzelfall die Nutzer bereit sind auch mehr Kosten für 1:1 Ausgaben zu tragen bereit sind.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon HugoBettauer » Mi 10. Aug 2016, 05:32

H2O hat geschrieben:(25 Apr 2016, 23:15)

Mein Bauchgefühl sagt mir, daß nicht frei zugängliche Informationen in allgemeinen Diskussionsforen nicht mehr benutzt werden, so als hätte es diese Informationen nie gegeben. Ich stelle mir gerade vor, ich wollte mich in einem allgemeinen Diskussionsforum mit einer Behauptung auseinander setzen, und sollte für deren Überprüfung mehrere Taler bezahlen. Da hört doch der Spaß auf!

Machen manche so.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon H2O » Mi 10. Aug 2016, 06:42

HugoBettauer hat geschrieben:(10 Aug 2016, 06:32)

Machen manche so.


Würde ich nicht machen; dann muß der Hinweis auf die nicht frei verfügbare Quelle genügen. Man kann die Quelle ja benennen, ohne einen Link zu setzen... falls solche Quellen nicht zugelassen werden.

Man stelle sich vor, einer benennt eine Quelle mit Link, und 1.000 Diskussionsteilnehmer zahlen für den Zugang zu dieser Quelle. Da paßt etwas nicht ganz zusammen. So wird auch jede Menge Unfug ermöglicht. Eine Lösung dafür habe ich leider noch nicht überlegt.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon HugoBettauer » Mi 10. Aug 2016, 09:58

Ich hatte das neulich, ich hab auf einen Artikel draufgeklickt und bin bei einem ganz anderen rausgekommen, weil der Artikel wohl nicht frei war.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon Teeernte » Mi 10. Aug 2016, 13:42

Die Zeitungen - ein Erzeugnis das Macht generiert/generieren SOLL.

Früher war das mal ein "Geschäft" - als man noch unabhängig berichtete.....

Da nun aber die meisten Zeitungskäufer doch etwas mehr Bildung haben - und auch ohne "Haarlinie" die Zeitung lesen können - ....meldet man die Meinungsbildner doch ab - wenn einem der LeiDartikel über lange Zeit nicht passt.

Die "Umlage" der Digitalen Abos zum STÜTZEN der Papiermedien sind die Totengräber der Papierverlage...

Die Zeitungen werden so aussterben - wie die Leute - die Zeitung zum ausstopfen von nassen Schuhen brauchen.

Das "Kleine veranstaltungs - 1x1 " wird sich sicher auf einer Internetseite zusammenfinden.... (Da wird es in Zukunft ne tolle APP geben!)

Beim REST wird sich die "NEWS" - in Hartz4-NONPROFIT-just for Fun Journalisten und einem NEWS-Anbieter (der die Beiträge für den Kunden aufbereitet - ... ) aufteilen.

Die Aufbereitung wird in eine Un"gefärbte" - nur berichtende "News" und einen Teil wo man die Propaganda/Hetze/Vorgekaute Meinung dann mit Cookies nach geistigem Horizont und WUNSCH des Lesers nachladet...

Das bringt natürlich auch wieder die Werbung auf den Plan - die nun noch näher am möglichen Kunden sind.....

Ich mag keine Tena Lady Werbung im Playboy...!!!

Papierzeitungen und Briefkastenwerbung gehören VERBOTEN - weit vor Glühbirnen.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon Dampflok94 » Do 11. Aug 2016, 11:47

Teeernte hat geschrieben:(10 Aug 2016, 14:42)Papierzeitungen... gehören VERBOTEN - weit vor Glühbirnen.

Wie kommt man nur auf so etwas? :?:
Ich hoffe, es gibt meine Tageszeitung noch sehr lange. Und zwar in Papierform. Ist zwar kein billiges Vergnügen, aber es ist eben ein Vergnügen. :thumbup:
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon frems » Do 11. Aug 2016, 16:42

jack000 hat geschrieben:(09 Aug 2016, 20:16)
Kosten dürfte das ganze max. 10€ für einige Medien und 20€ für sehr viele Medien ... alle anderen Kostenmodelle sind m.E. zum scheitern verurteilt wenn es darum geht Massen zugänglich zu machen.
Anders verhält es sich bei 1:1 Ausgaben von Printmedien bei denen im Einzelfall die Nutzer bereit sind auch mehr Kosten für 1:1 Ausgaben zu tragen bereit sind.

So ähnlich läuft es ja bei Spotify, wenn ich mich nicht irre. Da werden Einnahmen über Werbung und Abos in einen Topf geworfen, die Betriebskosten abgezogen und das Geld dann aufgeteilt auf die jeweiligen Bands bzw. Labels/Vertretungen anhand der Anzahl abgespielter Songs. Da wäre es nett, wenn man z.B. für 20 Euro ein Nachrichten-Abo kaufen könnte und das Geld wird dann an die Blätter verteilt. Mehr Leser gleich mehr Einnahmen. Aber sowas ist nicht in Sicht. Nicht einmal zwischen Online-Ausgaben des selben Verlags.

Einige Abos hatte ich ja schon ausprobiert und dann wieder gekündigt. Beim Abendblatt waren in der Online-Ausgabe zu viele Kopien von DPA-Meldungen, die man wortgleich in dutzenden Blättern bekommt. Teilweise fand ich es aber auch skurril, dass bei Polizei-Meldung, z.B. veröffentlichte Bilder von gesuchten Straftätern, eine Zahlungs- bzw. Log-In-Aufforderung kam. Und die PDF-Ausgabe des gedruckten Blatts interessiert mich einfach nicht. Sowohl am PC als auch Smartphone sind die Dinger nicht angenehm zu lesen. Da bleib ich bei Google News und ein paar Printabos von Fachzeitschriften.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon HugoBettauer » Do 11. Aug 2016, 16:58

Ich würde für sowas eher kein Geld ausgeben.
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Re: Die Zukunft der digitalen Medien

Beitragvon NMA » Do 15. Sep 2016, 05:33

"Inhalte für das Internet zu erschaffen ist kein Hobby, sondern ein Beruf."
Jean-Claude Juncker

Eine weiterer Punkt ist eine Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach wohl vielen Kreativen aus dem Herzen,


http://www.tagesschau.de/ausland/eu-dig ... e-103.html

Ein Thema, das in den Hintergrund gerückt ist, aber keineswegs irrelevant ist. Ich bin gespannt, was draus wird. Aber die grundsätzliche Haltung begrüße ich!

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