Digital, digitaler, am Digatalsten…

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Raskolnikof
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Beitragvon Raskolnikof » Mi 26. Sep 2018, 14:04

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Überall? Mitnichten! Bei uns ist davon nicht sehr viel zu sehen. In aller Welt steht die Digitalisierung in allen Lebensbereichen der Bürger und des öffentlichen Lebens ganz oben auf der Agenda. Kein Land und keine Regierung will da den Anschluss verpassen und möchte da ganz oben mitmischen und zeigen, zu was es fähig ist. Da machen auch Länder, denen manche Leute nicht einmal eine Steckdose zutrauen engagiert mit. Beispiel Indien: Das Bargeld ist da gerade am Aussterben. Es gibt Städte, da kann man mit Bargeld rein gar nichts mehr anfangen und selbst Banken sind in diesen Regionen immer seltener bereit Bargeld anzunehmen oder auszugeben. Behördengänge werden zunehmend überflüssig. Man geht nicht mehr ins Amt sondern öffnet seine App.

Ein großes jordanisches Flüchtlingscamp ist zum Versuchslabor internationaler Hilfsorganisationen geworden. Da idetifiziert sich und bezahlt der Kunde im Supermarkt per Augenaufschlag = Irisscanner:
https://www.handelsblatt.com/unternehme ... fzAuyx-ap4

Bei der zunehmenden Digitalisierung geht es aber nicht nur um das Bezahlen. Insbesondere öffentliche Einrichtungen sind bemüht, möglichst alle Bürger (=Störenfriede) vom Amt fernzuhalten. Alles soll vom heimatlichen Sessel, wahlweise auch aus dem Strandkorb des FKK-Strandes an der Ostsee oder auch vom Klo aus erledigt werden können. Sei es nun der Antrag auf eine Baugenehmigung, die An- oder Ummeldung im Meldeamt, die Beantragung von Müllmarken oder die Termineinholung für die Trauung beim Standesamt, alles soll online erfolgen. Die skandinavischen Länder sind da bereits sehr weit fortgeschritten und haben den Bürger bereits weitgehend aus den Ämtern verbannt. Der Versuch, in Dänemark eine Steuererklärung abzugeben schlägt im Regelfall fehl und ist auch gar nicht nötig, da jede Öre, den der dänische Bürger irgendwo verdient dem Finanzamt in digitaler Form mitgeteilt wird. Selbst evtl. Krankheitstage bleiben der Finanzbehörde nicht verborgen. Dies gilt auch für Rechnungen von Versicherungen, und anderen „Finanzaktionen“ die bei uns als überaus sensibel gelten.

Dann die elektronische Patientenakte am Beispiel Dänemark: Einfach irre.
Während in Deutschland jeder behandelnde Arzt über seine Patienten eine Patientendatei verfügt, in der er den Krankheitsverlauf, jede einzelne Untersuchung, Überweisung zu Fachärzten, Medikationen, Schutzimpfungen und viele andere Dinge einträgt und diese Datei für sich unter Verschluss hält läuft das in Dänemark vollkommen anders. Dort wird die Patientendatei zentral bei sundhed.dk geführt. Jeder konsultierte Allgemeinmediziner, Facharzt oder Klinik hat Zugriff auf diese Datei und ist verpflichtet, jede Konsultation eines jeden Patienten zusammen mit den veranlassten Maßnahmen dort nach einem standardisierten Verfahren online einzutragen. So hat jeder Arzt eines jeden seiner Patienten sämtliche Arztbefunde mit Röntgenbildern, Diagnosen, Kuren und Therapien per Mausklick auf seinem Bildschirm, beginnend mit dessen Entbindung.
Vorteil für den behandelnden Hausarzt, Facharzt oder Klinik: Es müssen keinerlei Befunde von anderen Ärzten und medizinischen Institutionen angefordert werden. Der Patient ist für jeden Arzt aus medizinischer Sicht absolut gläsern. Zudem entfallen unnötige doppelte und dreifache Untersuchungen.

Aber auch für den Patienten hat die elektronische Gesundheitsakte Vorteile. So hat er selbst online Zugang zu seiner Patientenakte und weiß genau, was, da festgehalten wurde. Er ist praktisch in der Lage, seinem Arzt über die Schulter zu gucken.

Von derartigen digitalen Innovationen sind wir in Deutschland weit entfernt. Die „German Angst“ (s. Wikipedia) scheint allgegenwärtig.

Die Dänen treiben es jetzt auf die Spitze. Erklärtes Ziel der dortigen Regierung ist es das Portemonnaie des Bürgers vollkommen überflüssig zu machen. Auch soll dieses speckige Lederteil nicht mehr irgendwelche Karten beherbergen müssen. Die neueste Erfindung dazu, die diese Entwicklung fördert: Der digitale Führerschein auf dem Handy.
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https://www.nordschleswiger.dk/de/daene ... smartphone

Ich unterhalte mich häufig mit unserem dänischen Nachbarn über diese Entwicklung.
(Zur Erklärung: Wir haben ein Haus im ländlichen Jütland, wo wir uns als jetzt Rentner zunehmend aufhalten)
Wie die meisten Dänen sieht dieser die genannte Entwicklung im digitalen Bereich recht positiv. Die Befürchtung von vielen Deutschen die meinen, dass z.B. die vielen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation den Menschen vereinsamen lassen kann er nicht teilen. Ganz im Gegenteil ist er der Meinung, dass ihm die gegebenen technischen Möglichkeiten erlauben, sich viel mehr seiner Familie und Freunden zu widmen. Behördengänge waren immer mit viel Zeit und Umständen verbunden (Terminabsprachen, Wartezeiten, längere Autofahrten) und kosteten Geld.
Probleme mit Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dergl. werden in Dänemark nicht so eng gesehen wie bei uns. Das liegt vielleicht daran, dass die Dänen im Allgemeinen viel mehr als bei uns der Politik vertrauen nach dem Motto „die wissen schon was gut und richtig ist“.

Ob diese Einstellung so verkehrt sein kann? Zumindest sind die Dänen ein überaus zufriedenes Völkchen welches Gelassenheit, Gemütlichkeit und Zufriedenheit , dänisch „Hygge“, über alles stellen, sich nicht über alles und jenes aufregen und erst einmal alles positiv sehen.

Sollten wir uns vielleicht ein Beispiel an Dänemark nehmen, alles nicht so eng sehen und einfach positiver denken? Wie seht ihr diese Entwicklung? Wünscht ihr euch da Dänemark als Vorbild?
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 14:47

Da kann man einmal sehen, wie sehr die Dänen ihren Nachbarn vertrauen, daß die schon nichts Böses mit ihnen im Sinn haben. :)

Wir Deutschen haben in der Hinsicht aber ganz andere Erfahrungen mit uns selbst und mit unseren Nachbarn gemacht. Wenn schon unvermeidlich, dann sollte das Erfassungssystem ganz unbedingt diese Erfahrungen berücksichtigen. :|
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Raskolnikof » Mi 26. Sep 2018, 15:32

Schlechte Erfahrungen können aber auch jede positive Entwicklung bremsen. Aufgrund gemachter schlechter Erfahrungen würde ich neuen Entwicklungen trotzdem zunächst einmal positiv begegnen und nicht gleich schlechtreden. Die Dänen haben mit dieser Einstellung stets gute Erfahrungen gemacht und sind bisher nie zurück gerudert. Die elektronische Gesundheitsakte beispielsweise wurde in Dänemark bereits 2003 eingeführt während hier 15 Jahre später derartiges immer noch als undenkbar betrachtet wird.
Angedacht wurde derartiges in Deutschland auch. Herausgekommen ist dabei allerdings nur eine Sparausführung einzelner Krankenversicherungen wobei der Patient beispielsweise die Möglichkeit hat sich mit einer speziellen App an fällige Vorsorgeuntersuchungen oder Schutzimpfungen erinnern zu lassen.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Ein Terraner » Mi 26. Sep 2018, 15:38

Das größte Problem ist schlicht das in Deutschland keinerlei Vertrauen beim Thema Datenschutz aufgebaut wurde, eher das Gegenteil war der Fall. Aber nach Jahrzehnten gierigen geifern nach Vorratsdaten ist das auch nicht verwunderlich.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Raskolnikof » Mi 26. Sep 2018, 16:19

Das ist doch aber in Dänemark nicht anders. Die Gier nach (persönlichen) Daten ist dort genau so groß. Die Dänen sind da nur eben nicht so ängstlich. Beispiel Street View, Bestandteil von Google Maps. Während in Deutschland Google die digitale 360 Grad Erfassung der Straßen und Hausansichten deutscher Städte aufgrund massivster Proteste von Bürgern im Jahr 2011 einstellte (mit Österreich das einzige Land weltweit) sind die Bürger in anderen Ländern ganz heiß darauf. Dänemarks Städte werden jetzt bereits teils zum dritten Mal mit den bekannten Google-Autos mit der 360 Grad Kamera auf dem Dach abgefahren. In D. aber wurde Google mit Anträgen auf Verpixelung von Häusern und Grundstücken überschüttet was letztlich zur Aufgabe des Projekts bei uns führte.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 16:33

Raskolnikof hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:19)

Das ist doch aber in Dänemark nicht anders. Die Gier nach (persönlichen) Daten ist dort genau so groß. Die Dänen sind da nur eben nicht so ängstlich. Beispiel Street View, Bestandteil von Google Maps. Während in Deutschland Google die digitale 360 Grad Erfassung der Straßen und Hausansichten deutscher Städte aufgrund massivster Proteste von Bürgern im Jahr 2011 einstellte (mit Österreich das einzige Land weltweit) sind die Bürger in anderen Ländern ganz heiß darauf. Dänemarks Städte werden jetzt bereits teils zum dritten Mal mit den bekannten Google-Autos mit der 360 Grad Kamera auf dem Dach abgefahren. In D. aber wurde Google mit Anträgen auf Verpixelung von Häusern und Grundstücken überschüttet was letztlich zur Aufgabe des Projekts bei uns führte.


Vielleicht war das Phänomen "rumänische und bulgarische Einbrecherbanden" in Dänemark nicht so auffällig wie in Deutschland. Die konnten ihre Raubzüge in aller Klarheit vorbereiten mitsamt Fluchtwegen. Zum Verhängnis wurde ihnen dann ihr "generalstabsmäßiges" Vorgehen, das der Polizei den Einsatz von Programmen erlaubte, die die Einbruchswahrscheinlichkeit in bestimmten Stadtteilen aufzeigte. Da legte die Polizei sich dann eben auf die Lauer... mit Erfolg.

Also, so einfältig ist die Verpixelung der Wohngegenden gar nicht. Nebenbei: Ich kann mein Haus von oben recht gut erkennen... aber bei einem armen Rentner ist wirklich nichts zu holen. Zu dumm, wenn es solche Einbrecherbanden dennoch versuchten und meinen Haushalt mit ihrer Schatzsuche verwüsteten!
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Ein Terraner » Mi 26. Sep 2018, 16:46

Raskolnikof hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:19)

Das ist doch aber in Dänemark nicht anders. Die Gier nach (persönlichen) Daten ist dort genau so groß.


Woher kommt da das Vertrauen ?
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Raskolnikof » Mi 26. Sep 2018, 16:52

H2O hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:33)
Nebenbei: Ich kann mein Haus von oben recht gut erkennen...

Verwechselst du da jetzt nicht die Satellitenansicht von Google Maps mit Street View?
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon JJazzGold » Mi 26. Sep 2018, 16:53

Raskolnikof hat geschrieben:(26 Sep 2018, 15:04)

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Überall? Mitnichten! Bei uns ist davon nicht sehr viel zu sehen. In aller Welt steht die Digitalisierung in allen Lebensbereichen der Bürger und des öffentlichen Lebens ganz oben auf der Agenda. Kein Land und keine Regierung will da den Anschluss verpassen und möchte da ganz oben mitmischen und zeigen, zu was es fähig ist. Da machen auch Länder, denen manche Leute nicht einmal eine Steckdose zutrauen engagiert mit. Beispiel Indien: Das Bargeld ist da gerade am Aussterben. Es gibt Städte, da kann man mit Bargeld rein gar nichts mehr anfangen und selbst Banken sind in diesen Regionen immer seltener bereit Bargeld anzunehmen oder auszugeben. Behördengänge werden zunehmend überflüssig. Man geht nicht mehr ins Amt sondern öffnet seine App.

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Bei der zunehmenden Digitalisierung geht es aber nicht nur um das Bezahlen. Insbesondere öffentliche Einrichtungen sind bemüht, möglichst alle Bürger (=Störenfriede) vom Amt fernzuhalten. Alles soll vom heimatlichen Sessel, wahlweise auch aus dem Strandkorb des FKK-Strandes an der Ostsee oder auch vom Klo aus erledigt werden können. Sei es nun der Antrag auf eine Baugenehmigung, die An- oder Ummeldung im Meldeamt, die Beantragung von Müllmarken oder die Termineinholung für die Trauung beim Standesamt, alles soll online erfolgen. Die skandinavischen Länder sind da bereits sehr weit fortgeschritten und haben den Bürger bereits weitgehend aus den Ämtern verbannt. Der Versuch, in Dänemark eine Steuererklärung abzugeben schlägt im Regelfall fehl und ist auch gar nicht nötig, da jede Öre, den der dänische Bürger irgendwo verdient dem Finanzamt in digitaler Form mitgeteilt wird. Selbst evtl. Krankheitstage bleiben der Finanzbehörde nicht verborgen. Dies gilt auch für Rechnungen von Versicherungen, und anderen „Finanzaktionen“ die bei uns als überaus sensibel gelten.

Dann die elektronische Patientenakte am Beispiel Dänemark: Einfach irre.
Während in Deutschland jeder behandelnde Arzt über seine Patienten eine Patientendatei verfügt, in der er den Krankheitsverlauf, jede einzelne Untersuchung, Überweisung zu Fachärzten, Medikationen, Schutzimpfungen und viele andere Dinge einträgt und diese Datei für sich unter Verschluss hält läuft das in Dänemark vollkommen anders. Dort wird die Patientendatei zentral bei sundhed.dk geführt. Jeder konsultierte Allgemeinmediziner, Facharzt oder Klinik hat Zugriff auf diese Datei und ist verpflichtet, jede Konsultation eines jeden Patienten zusammen mit den veranlassten Maßnahmen dort nach einem standardisierten Verfahren online einzutragen. So hat jeder Arzt eines jeden seiner Patienten sämtliche Arztbefunde mit Röntgenbildern, Diagnosen, Kuren und Therapien per Mausklick auf seinem Bildschirm, beginnend mit dessen Entbindung.
Vorteil für den behandelnden Hausarzt, Facharzt oder Klinik: Es müssen keinerlei Befunde von anderen Ärzten und medizinischen Institutionen angefordert werden. Der Patient ist für jeden Arzt aus medizinischer Sicht absolut gläsern. Zudem entfallen unnötige doppelte und dreifache Untersuchungen.

Aber auch für den Patienten hat die elektronische Gesundheitsakte Vorteile. So hat er selbst online Zugang zu seiner Patientenakte und weiß genau, was, da festgehalten wurde. Er ist praktisch in der Lage, seinem Arzt über die Schulter zu gucken.

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Die Dänen treiben es jetzt auf die Spitze. Erklärtes Ziel der dortigen Regierung ist es das Portemonnaie des Bürgers vollkommen überflüssig zu machen. Auch soll dieses speckige Lederteil nicht mehr irgendwelche Karten beherbergen müssen. Die neueste Erfindung dazu, die diese Entwicklung fördert: Der digitale Führerschein auf dem Handy.
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Ich unterhalte mich häufig mit unserem dänischen Nachbarn über diese Entwicklung.
(Zur Erklärung: Wir haben ein Haus im ländlichen Jütland, wo wir uns als jetzt Rentner zunehmend aufhalten)
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Probleme mit Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dergl. werden in Dänemark nicht so eng gesehen wie bei uns. Das liegt vielleicht daran, dass die Dänen im Allgemeinen viel mehr als bei uns der Politik vertrauen nach dem Motto „die wissen schon was gut und richtig ist“.

Ob diese Einstellung so verkehrt sein kann? Zumindest sind die Dänen ein überaus zufriedenes Völkchen welches Gelassenheit, Gemütlichkeit und Zufriedenheit , dänisch „Hygge“, über alles stellen, sich nicht über alles und jenes aufregen und erst einmal alles positiv sehen.

Sollten wir uns vielleicht ein Beispiel an Dänemark nehmen, alles nicht so eng sehen und einfach positiver denken? Wie seht ihr diese Entwicklung? Wünscht ihr euch da Dänemark als Vorbild?


Und was machen die Leute, die kein Handy haben, oder ein so altes, dass sich keine App darauf installieren lässt?

Was ich mir wünsche, ist ein Weg in die Digitalisierung, die im Schulalter beginnt und von dort bis ins hohe Alter von einer Gesetzgebung und Regelung begleitet wird, die auch dem Misstrauischsten Sicherheit vermittelt. Nicht irgendein Hype, dem unüberlegt Folge geleistet wird, oder dem Folge zu leisten ist, ob man es will, oder nicht.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon MoOderSo » Mi 26. Sep 2018, 17:00

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:46)

Woher kommt da das Vertrauen ?

Die Dänen haben keine Gestapo oder Stasi erfunden.
Der Anarchist ist kein Feind der Ordnung. Er liebt die Ordnung so sehr, daß er ihre Karikatur nicht erträgt.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Raskolnikof » Mi 26. Sep 2018, 17:03

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:46)

Woher kommt da das Vertrauen ?

Das weiß ich (noch) nicht. Da werde ich bei meinem nächsten Schachabend mit meinem Nachbarn Jacob und einem (oder zwei oder...) alten Aquavit mal nachhaken (wenn ich wieder hochfahre so in zwei Wochen). Was ich weiß ist, dass die Dänen einfach ein größeres (Ur)Vertrauen in ihre gewählten Volksvertreter haben und die ihre Bürger nicht so häufig enttäuschen wie das bei uns der Fall ist. Die Dänen halten ihr Versprechen. Du weißt doch, Dänen lügen nicht. :)
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 17:06

Raskolnikof hat geschrieben:(26 Sep 2018, 17:52)

Verwechselst du da jetzt nicht die Satellitenansicht von Google Maps mit Street View?


Ja, aber mit voller Absicht; denn auch diese hochauflösenden Luftaufnahmen haben einen hohen Informationswert... immerhin unterlegt mit Straßenkarten... und Hausnummern, wenn man das so will. Dafür führt die Luftwaffe in Syrien/Irak Aufklärungsflüge zur Zielaufklärung gegen den IS durch... nur 'mal so.
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 17:08

MoOderSo hat geschrieben:(26 Sep 2018, 18:00)

Die Dänen haben keine Gestapo oder Stasi erfunden.


Ja, die hatten ihre raubautzige Zeit vor ~1200 Jahren, und seitdem haben sie doch stark abgebaut! :D
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon Teeernte » Mi 26. Sep 2018, 17:09

Schweiz ist da auch weit....und Du kannst schauen wieviel der Nachbar an Steuern zahlt....

Liegt aber am Regierungssystem .... ob die "Oberen" 10.000 noch ein Handy bedienen können.

Das Klientel sieht man bei Mäckes am Bestellautomaten..... dann aber doch herkömmlich bestellen... und für DEN Automaten sollte IQ 50 Diggethal reichen.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Digital, digitaler, am Digatalsten…

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 17:10

Raskolnikof hat geschrieben:(26 Sep 2018, 18:03)

...

... Du weißt doch, Dänen lügen nicht. :)


So geht das schon einmal los! :D

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