Der Staat in Microsofts Hand

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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon H2O » Mi 21. Feb 2018, 17:55

frems hat geschrieben:(21 Feb 2018, 17:34)

Dafür sind Universitäten aber nicht zuständig. Wer einen religiösen Feldzug gegen ein Produkt anzetteln möchte, weil der Entwickler aus den USA kommt, kann ja selbst was anbieten.


Mich ärgert die Monopolstellung der WINTEL-Technik auch. Und das Potential für weitere Abhängigkeiten ist zu allem Überfluß auch darin verborgen. So kann man die Treiber zu bestimmten Peripheriegeräten nur für WINDOWS auf einfache Weise hinzu laden... wer also das Gerät gut findet, der braucht WINDOWS. Und natürlich, das ungute Gefühl, daß sich fremde Dienste einen Eindruck von vernetzten Rechensystemen verschaffen liegt auf der Hand... bis hinein in den Deutschen Bundestag.

Vor Jahren gab es einmal eine deutsche LINUX-Schmiede SUSE, die aber sehr bald von einem US-Unternehmen übernommen wurde. Damit ist die technische Möglichkeit futsch, fremden Diensten das Leben schwer zu machen. Und in der Frage der Treiber für Peripheriegeräte bin ich inzwischen gar nicht mehr neugierig. :(
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Liegestuhl » Mi 21. Feb 2018, 18:09

frems hat geschrieben:(21 Feb 2018, 17:34)
Dafür sind Universitäten aber nicht zuständig.

Für Geld machen die alles. Und die Studenten lernen mal etwas aus der Praxis.
Wer einen religiösen Feldzug gegen ein Produkt anzetteln möchte, weil der Entwickler aus den USA kommt, kann ja selbst was anbieten.


Nicht, weil die Entwickler aus den USA kommen, sondern weil die deutschen Behörden keine qualifizierten Auskünfte darüber geben können, was mit unseren personenbezogenen Daten passiert und ob sie an andere Geheimdienste weitergeleitet werden. Aber Datenschutz ist für die Herrschaften Neuland.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Liegestuhl » Mi 21. Feb 2018, 18:17

H2O hat geschrieben:(21 Feb 2018, 17:55)
Und natürlich, das ungute Gefühl, daß sich fremde Dienste einen Eindruck von vernetzten Rechensystemen verschaffen liegt auf der Hand... bis hinein in den Deutschen Bundestag.


Wer allen Ernstes glaubt, die USA würden befreundete Staaten nicht ausspionieren und wer glaubt, dass die amerikanischen Nachrichtendiensten Hemmungen haben, Druck auf US-amerikanische Unternehmen auszuüben, ist naiv. Das würden andere Länder nicht anders machen.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon H2O » Mi 21. Feb 2018, 18:30

Liegestuhl hat geschrieben:(21 Feb 2018, 18:17)

Wer allen Ernstes glaubt, die USA würden befreundete Staaten nicht ausspionieren und wer glaubt, dass die amerikanischen Nachrichtendiensten Hemmungen haben, Druck auf US-amerikanische Unternehmen auszuüben, ist naiv. Das würden andere Länder nicht anders machen.


Das ist ja nun bestens erprobt. :cool: Ich hatte dagegen auch wenig Bedenken, bis in den USA ein ausgesprochener Rüpel an die Staatsspitze berufen wurde... der auch gleich noch "America first!" verkündet hatte. Jetzt sehe ich schon ein gesteigertes Interesse, deutsche Pläne und Absichten zu verbergen. Aber Bundesregierung, die Verwaltungen und die Unternehmen sind in der Hinsicht ziemlich nackt den Blicken neugieriger Dienste ausgeliefert.

Aber ratlos bin ich auch. Ein "Gegenimperium" gegen einen Weltstandard kann niemand bezahlen. Das Gegenimperium hätte auch nicht den Nutzen, den es kosten würde, bis die Leistungen des Weltstandards erreicht wären.

Da spiele ich kleiner Nutzer mit meinem UBUNTU in einer kleinen Nische, und ich hoffe, daß Bösewichte mich dort nicht finden.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 21. Feb 2018, 19:56

Liegestuhl hat geschrieben:(21 Feb 2018, 17:21)

Du hast doch alle Möglichkeiten. Kannst sogar ein htop laufen lassen.


Du hast keinen Schimmer oder noch nie den Taskmanager von Windows genutzt.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 21. Feb 2018, 19:58

H2O hat geschrieben:(21 Feb 2018, 18:30)

Das ist ja nun bestens erprobt. :cool: Ich hatte dagegen auch wenig Bedenken, bis in den USA ein ausgesprochener Rüpel an die Staatsspitze berufen wurde... der auch gleich noch "America first!" verkündet hatte. Jetzt sehe ich schon ein gesteigertes Interesse, deutsche Pläne und Absichten zu verbergen. Aber Bundesregierung, die Verwaltungen und die Unternehmen sind in der Hinsicht ziemlich nackt den Blicken neugieriger Dienste ausgeliefert.

Aber ratlos bin ich auch. Ein "Gegenimperium" gegen einen Weltstandard kann niemand bezahlen. Das Gegenimperium hätte auch nicht den Nutzen, den es kosten würde, bis die Leistungen des Weltstandards erreicht wären.

Da spiele ich kleiner Nutzer mit meinem UBUNTU in einer kleinen Nische, und ich hoffe, daß Bösewichte mich dort nicht finden.


Die kommen solange nicht wie es nur wenige Nutzer gibt. Liegestuhl denkt aber die kommen nicht weil es so sicher ist. ein fundamentaler Irrtum.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon H2O » Mi 21. Feb 2018, 20:19

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Feb 2018, 19:58)

Die kommen solange nicht wie es nur wenige Nutzer gibt. Liegestuhl denkt aber die kommen nicht weil es so sicher ist. ein fundamentaler Irrtum.


Sage ich doch: Ich verstecke mich in einer Nische und hoffe., daß mich dort kein Bösewicht heimsucht. Das wird aber nichts, wenn sich das "Volksganze" in dieser Nische aufhalten will.

Gesetzt der Fall, daß es viele unterschiedliche Plattformen gäbe: Dann hätten es internationale Strolche wohl doch schwerer, überall ein zu dringen. Aber die Kosten für Entwicklung und Pflege dieser Vielfalt stehen in keinem Verhältnis zum erzielten Nutzen... bin ich überzeugt, und ducke mich wieder in meine Nische für arme kleine Rentner. :cool:
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon BlueMonday » Do 22. Feb 2018, 15:11

Liegestuhl hat geschrieben:(21 Feb 2018, 16:08)

Ja.

Windows 10 - Laut Kryptologe ein Botnetz, PCs mit NSA-Backdoor

http://www.gamestar.de/artikel/windows- ... 41769.html

Und was bringt es? Unsere Behörden haben Windows immer noch am Arsch und beim nächsten Zwangsupdate kann die nächste Hintertür für ausländische Geheimdienste geöffnet werden.


Naja, ne ziemliche drastische Wortwahl von diesem Weis ("Botnetz" weil die automatischen Updates nicht mehr fakultativ sind etc.), der vor allem wohl Aufmerksamkeit braucht.
Aber es ging ja eigentlich um "Offenheit" (die bei WIndows nur nicht als Quellcode vorliegt) und die ist, wie gesagt, technisch nicht zu verhindern und allein dadurch gibt es schon ein Korrektiv.
Mir persönlich ist es auch reichlich egal, wenn sich Staatswesen gegenseitig ausspionieren. Nur zu. Den Bürger schützt jedenfalls auch nicht Linux davor, dass man sich vorm Staat entblößen muss. Damit habe ich jedenfalls weitaus größeres Problem als mit Microsoft. Mit Microsoft habe ich eigentlich gar keine Probleme, im Gegenteil. MS hat über viele Jahre jede Menge von mir nachgefragten und gewollten Nutzen gestiftet. Das kann ich bei der Institution des Staates leider nicht behaupten.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon BlueMonday » Do 22. Feb 2018, 15:26

Windows hat übrigens mittlerweile ein ziemlich gelungenes Linuxsubsystem eingebaut. Als Entwickler bspw. kann man da in vertrauter Linuxumgebung Webserver, Datenbank etc. problemlos laufen lassen. Microsoft liebt eigentlich Linux :).
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Liegestuhl » Do 22. Feb 2018, 15:40

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Feb 2018, 19:56)

Du hast keinen Schimmer oder noch nie den Taskmanager von Windows genutzt.


Ich nutze den Taskmanager von Windows mehrfach täglich auf verschiedenen Systemumgebungen. Das gehört zu meinem Beruf.

Warum habe ich keinen Schimmer, wenn ich dir sage, dass du die gleichen Möglichkeiten auch mit Android hast?
Zuletzt geändert von Liegestuhl am Do 22. Feb 2018, 15:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Liegestuhl » Do 22. Feb 2018, 15:41

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Feb 2018, 19:58)

Die kommen solange nicht wie es nur wenige Nutzer gibt. Liegestuhl denkt aber die kommen nicht weil es so sicher ist. ein fundamentaler Irrtum.


Du hast nicht verstanden, was ich meine. Es geht mir nicht um das was kommt, sondern um das was geht.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Liegestuhl » Do 22. Feb 2018, 15:43

BlueMonday hat geschrieben:(22 Feb 2018, 15:11)
Mit Microsoft habe ich eigentlich gar keine Probleme, im Gegenteil. MS hat über viele Jahre jede Menge von mir nachgefragten und gewollten Nutzen gestiftet. Das kann ich bei der Institution des Staates leider nicht behaupten.


Ich habe auch keine Probleme damit privaten Firmen persönliche Daten anzuvertrauen. Ein Problem habe ich jedoch damit, wenn diese Unternehmen fremden Geheimdiensten eine Hintertür bieten.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon H2O » Do 22. Feb 2018, 23:05

BlueMonday hat geschrieben:(22 Feb 2018, 15:11)

...

Den Bürger schützt jedenfalls auch nicht Linux davor, dass man sich vorm Staat entblößen muss. Damit habe ich jedenfalls weitaus größeres Problem als mit Microsoft.

...


Ihren Satz kann man mißverstehen. Wollten Sie sagen, daß der Staat uns ausspäht, unabhängig von unserer SW Installation? Und daß Ihnen die staatliche Spionage mehr Sorgen bereitet als die von Microsoft?
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon BlueMonday » Fr 23. Feb 2018, 13:36

H2O hat geschrieben:(22 Feb 2018, 23:05)

Ihren Satz kann man mißverstehen. Wollten Sie sagen, daß der Staat uns ausspäht, unabhängig von unserer SW Installation? Und daß Ihnen die staatliche Spionage mehr Sorgen bereitet als die von Microsoft?


ich meine das Kind tief unten im Brunnen, das so tief da unten liegt, dass es manche offenbar gar nicht mehr bemerken: Man ist "gemeldet", identifiziert, dadurch greifbar, verfügbar, physisch abhol- und entfernbar, man könnte praktisch zu fast allem genötigt werden, wenn es nur irgendeinem "Gesetz" entspräche. Das Einkommen wird regelmäßig erklärt bis zum letzten Euro, man wird besteuert und damit gesteuert, Behörden haben Zugriff auf die Konten im Zweifelsfalle. Nichts Relevantes ist zu verbergen. Einkommenströme werden umgelenkt, ohne dass man etwas nennenswert daran ändern könnte. Es stellt sich gar nicht erst die Frage, wie relevante Informationen zu schützen wären. Man hat sie ja schlicht zu offenbaren.
Man ist ausgeliefert. Man kann es nur hinnehmen, sich arrangieren. Man kann es nicht ablehnen und einfach "Nein, Danke, brauche ich nicht" sagen. Das kann man andererseits Microsoft, Google, Amazon... problemlos sagen, ohne dass man dann abgeholt und Erzwingungshaft gesteckt würde.

Aber der domestizierte Bürger hat wovor Angst? Amazon, Google, Microsoft... Vor der Verwendung eines Betriebssystems... Also ich verwende seit meiner Kindheit verschiedene Betriebssysteme. Ich wüsste nicht von einem einzigen Vorfall, bei dem mich der Anbieter eines Betriebssystems bedrängt, genötigt oder irgendwie negativ behandelt hätte... Ich gehe auch nicht davon aus, dass Microsoft oder sonst ein "Konzern" auch nur das leiseste Interesse hat, mich als Person irgendwie zu schädigen oder zu etwas zu nötigen.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon H2O » Fr 23. Feb 2018, 14:01

@Blue Monday:

Ja, jetzt ist mir Ihre Anmerkung klarer geworden.

Vielleicht müssen wir trennen, wo unsere Bewegungen in der Gesellschaft auf das Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Institutionen angewiesen sind. Da hätten wir aber auch schon bei den alten Römern nachverfolgt werden können.

Aber daß wir Nutzer des Internets schon bei einem Schaufensterbummel insgeheim verfolgt werden (können), das stimmt mich schon sehr nachdenklich. Mich schützt vermutlich meine geringe Bedeutung vor systematischer Ausspähung... aber als Teil einer massenhaften Datengewinnung tauge ich sicher immer noch. Könnte auch wieder sein, daß meine UBUNTU-Distribution den Leuten zu unbequem ist... und sie ihr Glück bei anderen Opfern suchen.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 23. Feb 2018, 15:50

Liegestuhl hat geschrieben:(22 Feb 2018, 15:40)

Ich nutze den Taskmanager von Windows mehrfach täglich auf verschiedenen Systemumgebungen. Das gehört zu meinem Beruf.

Warum habe ich keinen Schimmer, wenn ich dir sage, dass du die gleichen Möglichkeiten auch mit Android hast?


Vielleicht weil es so ist? Android zeigt mir gar nichts. Vor allem nicht was da so nebenbei rausgeht z.B. nach Google.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 23. Feb 2018, 15:52

Liegestuhl hat geschrieben:(22 Feb 2018, 15:43)

Ich habe auch keine Probleme damit privaten Firmen persönliche Daten anzuvertrauen. Ein Problem habe ich jedoch damit, wenn diese Unternehmen fremden Geheimdiensten eine Hintertür bieten.

Linux kann dies nicht ändern.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Kamikaze » Mi 14. Mär 2018, 09:34

Aktuell stößt das "Behörden-Linux" in München an die Grenze der Machbarkeit.
Es muss ständig nachgebessert werden, um Sicherheitslücken zu stopfen. "Nebenbei" müssen Fehler und Unsicherheiten in den Nutz-Programmen der Behörden programmiert und bereitgestellt werden. Drittanbietersoftware gibt es (auch dank der umfangreichen Veränderungen und Limitierungen am Basis-Linux) nicht fertig - es muss also buchstäblich jeder Gerätetreiber, jedes Update dazu und jedes Programm von Grund auf neu entwickelt werden. Das ganze wird in München von einem winzigen Team (meines Wissens ~40 Leute) gestemmt. Weitere Planstellen gibt es nicht, da zu teuer. Es wurde in den letzten Jahren schon vermehrt Software von Drittanbietern zugekauft (also: Programmiert), was dafür gesorgt hat, dass der Code (dank Ausschreibungspflicht wird ja so billig wie möglich programmiert) anfangs sehr bugverseucht war und durchweg praktisch nicht dokumentiert ist. Also erst einer Überarbeitung bedurfte, ehe der Echtbetrieb starten konnte. Auch das kostet.
Dazu kommt, dass einige Behörden schlicht nicht mit den Wirtschaftsunternehmen, die sie mit Daten beliefern auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, da die entsprechende Fach-Software fehlt (und auch die Kapazität sowas zu entwickeln, wenn es nur um wenige Anwender geht). Als Beispiel: CAD-Programm für das Vermessungsamt: gibt es nicht. Eine Lizenz für Auto-Cad kostet einige hundert Euro. (Open-Source-Projekte ausgeklammert) Die Neuentwicklung eines entsprechenden Ersatzprogramms für das Behördenlinux kostet einige hunderttausend Euro.

Fazit: Da ich unmittelbar von der Umstellung betroffen sein werde, sehe ich das Ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits existieren aktuell gut eingespielte Arbeitsroutinen, die eine tiefgreifende Systemumstellung sicher aufbrechen wird, was zu weiterem Arbeitsrückstau führen wird. Andererseits hoffe ich auf eine langfristige Verbesserung der Situation, durch eine besser verfügbare Software-Basis, und freiwerdende Kapazitäten in der IT, um wichtige Projekte (z.B. Spezialsoftware, Systemschutz, etc.) voran zu bringen.
Wer viel kluges sagt ist klug,
wer zuhört ist weise.
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon immernoch_ratlos » Mi 14. Mär 2018, 10:47

Diese angebliche Abhängigkeit ist weitgehend selbst verursacht (dabei meine ich eher die persönliche - schließlich sind wir doch der Staat) ;)

Längst gibt es sehr gute Möglichkeiten seine Daten durch Verschlüsselung zu sicher - wer tut das ? Im "privaten" (nicht) mag man das ja gerade noch verstehen - Menschen meinen ja "totale Offenheit" als vorauseilendes Wohlverhalten sein eine Garantie um sich so als "ehrliche Haut" an allen Beeinträchtigungen vorbei mogeln zu können. Nichts könnt wohl dümmer sein - nun ja Scheiße ist gut - Millionen Nutzer assozialer Dienste können sich wohl kaum irren...

Das allerdings Firmen da sehr ähnlich gestrickt sind und jährlich so selbstverschuldete Schäden in Milliardenhöhe entstehen mach auch nix :?: Daran ändert auch ein Linux Betriebssystem rein garnix. Wer zu einem inzwischen - aus vorgenanntem Grund - zu zertifiziertem Umgang mit Daten verpflichtet ist - schließlich haben Firmen und Behörden ja auch fremde Daten vor Zugriffen zu sichern, wir überglücklich sein, wenn das "systematisch" möglich ist. Kamikaze hat die Situation doch recht einleuchtend beschrieben.

Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem Heimanwender und einem Teilnehmer an der aktuellen "4. Industrierevolution" und der Digitalisierung aller Lebensbereiche - gleichgültig ob man da mitmachen möchte oder eher nicht :s

Was den "Taskmanager" angeht - wer den wirklich benötigt sollte mal HIER nachsehen ob er / sie noch "up to date" ist - aktuell ist der da... Wer zum "basteln neigt" findet auch unter MS reichlich "Werkzeuge". Längst hat MS Linux überall dort "eingegliedert" wo es nützlich ist.

Aber eben unter und in einen "vernünftigen Organisationsgrad", den die üblichen "Laienspiele" bei nicht professionellen Linux-Anwendern eher vermissen lassen. Wer ab und an (auf eher niedrigem Niveau) andern helfen möchte (was ich seit Jahrzehnten tue), ist froh, wenn er dabei ein MS-Betriebssystem vorfindet. OK, ich habe kürzlich auf einen (einst sehr teuren - selbst geschenkt bekommen) T60 mit stolzen 3GB RAM (zwei davon nachgerüstet) ein 32bit Mint installiert - was gerade noch funktioniert (ich verschenke das Teil an jemanden der es "noch" brauchen kann). Musste bei dieser Gelegenheit feststellen auch die Linux - Szene galoppiert in Richtung - weiter schneller und möglichst neuste Hardware - nichts schlimmes, aber da bleibe ich lieber bei den recht übersichtlichen "Lernkurven" die MS jedem zumutet.

Einige hier werden das sicher bestätigen können - wo und wie MS und Linux sowieso längst untrennbar verbunden sind, versteht sowieso nur jemand dessen Beruf das "Verstehen" solche Dinge ist. Zum Glück bin ich über einen "nahen Verwanden" der seine Brötchen damit verdient, so nah am Ball, wie das für einen Laien überhaupt möglich ist. Es gibt wichtigeres, als sich über einen "Staat der angeblich - gern auch tatsächlich - in "MS Hand" befindet. Aber es war aber schön darüber mal wieder spekulieren zu können... :p
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Re: Der Staat in Microsofts Hand

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 14. Mär 2018, 10:57

Genau, ist doch ganz toll, wenn Trump deutsche Geheimnisse frei Haus geliefert bekommt, auch wenn Otto Normaluser meint, dass mit "Verschlüsselung" verhindern zu können :-D
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson

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