Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » So 23. Sep 2018, 22:18

Raskolnikof hat geschrieben:(23 Sep 2018, 23:15)

Wenn ich an meinem Wohnort 4G in stabiler Qualität und zum Festnetzpreis hätte würde ich meinen Festnetzanschluss umgehend kündigen.


Was wohl der Vermieter sagt wenn ich eine Antenne auf das Dach montiere?

P.S. Mobile Volumentarife ist ja das nächste Steinzeitproblem in Deutschland.
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Raskolnikof
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Raskolnikof » So 23. Sep 2018, 22:56

Ja, Volumentarife oder Freiminuten im Mobilnetz zeigen auf, dass die deutschen Anbieter am Limit sind. Zum Vergleich: Im Juli in Finnland. SIM-Karte mit einem Monat Laufzeit (online verlängerbar) von Anbieter Telia im R-Kioski für 17,95 Euro erworben. Non limit und G4 überall wo wir uns befanden, selbst im einsamsten Nordkarelien nahe der russischen Grenze, wo gefühlt nur Elche leben (die wir aber nicht sahen). Abends immer deutsches Fernsehen über Magine TV in HD geschaut und dabei über 120 GB Datenvolumen verbraucht. Da wäre ich in D. arm geworden.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon H2O » Mo 24. Sep 2018, 07:32

Raskolnikof hat geschrieben:(23 Sep 2018, 22:55)

Finnland hatte aber ein sehr gut ausgebautes analoges Kabelnetz bis hin zum einsamsten Bauern Nordkareliens, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Als dann der Wunsch nach schnellem Internet laut wurde und jeder Finne an jedem Ort telefonieren wollte entschied man sich für eine Sache, dem konsequenten mobilen Netzausbau bei gleichzeitiger Vernachlässigung bzw. Rückbau des Kabelnetzes. das hat zur Folge, das vielerorts und zunehmend kein Kabelnetz mehr zur Verfügung steht. Die für die Telekommunikation und Datenübertragung zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen müssen sich so nicht zwei parallel vorhandene Techniken teilen.

Unsere Netzplaner sind ganz sicherlich keine einfallslosen Stümper, aber clevere Geschäftsleute. Mit unserer doppelspurigen Netzpolitik lässt sich natürlich viel mehr Geld verdienen.


Ja, warum nicht Geld verdienen? Wenn der Kundenbedarf dabei befriedigt wird, dann ist das aus meiner Sicht nichts Verwerfliches. Schlecht ist nur, wenn man "bis 16 GB" verspricht und im praktischen Betrieb nur 6 GB heraus kommen. Aber davon merke ich ohnehin mit meiner alten HW nichts.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon H2O » Mo 24. Sep 2018, 07:49

jack000 hat geschrieben:(23 Sep 2018, 23:01)

Genau da geht es doch schon los: "Ich vermute, daß es sie gibt". Das kann sein, kann aber auch nicht sein. Was die konkreten Anwendunden sind sind die die man überall haben möchte:
- EMails abrufen
- Whatts App
. Routenplaner
- Internet (Google)
. etc...
=> Das alles ist schon mit 3G möglich aber immer wieder trifft man auf Nix oder Edge! Und das ganze gar nicht weit von Ballungsräumen entfert!
=> Warum also G5 ausbauen wenn es doch noch an vielen anderen Stellen bereits im Minimalen hakt?
=> Was ist denn die vermutete Anwendung für 5G für den Otto-Normalverbraucher?


Mein Bedarf an Nachrichten hält sich in Grenzen. Ich stelle nicht mein Zelt in der Tucheler Heide auf und erwarte dort drei Wochen lang e-mail und streaming video. Mit dem Fahrzeug verläßt man diese Löcher doch nach vielleicht 15 min. Natürlich wäre es besser, die Löcher gäbe es erst gar nicht.

Mit der Übertragungstechnik 5G dürften sich Anwendungen der Wirtschaft finden und Ämter finden, mit denen Sie und ich nur wenig zu tun haben. Dennoch sind diese Anwendungen sinnvoll, wenn wir unser Land zukunftssicher ausbauen wollen.

Ich sehe das ähnlich wie mit den erneuerbaren Energien; der Ausbau könnte besser ablaufen, aber sinnvoll ist der Ausbau aus mindestens 3 Gründen. Dennoch wird tüchtig gemeckert.

Merken Sie als Nutzer von Internetradio etwas vom Dopplereffekt, wenn sie aus einem LTE-Empfangsgebiet ins nächst wechseln?
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Raskolnikof » Mo 24. Sep 2018, 09:27

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2018, 08:32)

Ja, warum nicht Geld verdienen? Wenn der Kundenbedarf dabei befriedigt wird, dann ist das aus meiner Sicht nichts Verwerfliches. Schlecht ist nur, wenn man "bis 16 GB" verspricht und im praktischen Betrieb nur 6 GB heraus kommen. Aber davon merke ich ohnehin mit meiner alten HW nichts.

Nur ist es bei uns ja so, dass der Kundenbedarf bei einem nicht unbedeutenden Anteil unserer Bürger eben nicht befriedigt wird. Ich vertrete immer noch die Meinung, dass insbesondere in unterversorgten (ländlichen) Gegenden anstatt auf Glasfaser auf schnelles mobiles Internet gesetzt werden sollte. Das ist preiswerter und schneller umgesetzt. Neben Finnland haben das Schweden, Norwegen und auch andere EU-Staaten bewiesen. Oder Estland: Da ist Kabelgebundenes Internet eher unbekannt. Ein ehemaliger Kollege arbeitet dort als Lehrer. Ganz egal, wo er sich im Land gerade aufhält, Laptop aufgeklappt und los gehts. HD-Streaming? Jederzeit und überall.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon H2O » Mo 24. Sep 2018, 09:40

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Sep 2018, 10:27)

Nur ist es bei uns ja so, dass der Kundenbedarf bei einem nicht unbedeutenden Anteil unserer Bürger eben nicht befriedigt wird. Ich vertrete immer noch die Meinung, dass insbesondere in unterversorgten (ländlichen) Gegenden anstatt auf Glasfaser auf schnelles mobiles Internet gesetzt werden sollte. Das ist preiswerter und schneller umgesetzt. Neben Finnland haben das Schweden, Norwegen und auch andere EU-Staaten bewiesen. Oder Estland: Da ist Kabelgebundenes Internet eher unbekannt. Ein ehemaliger Kollege arbeitet dort als Lehrer. Ganz egal, wo er sich im Land gerade aufhält, Laptop aufgeklappt und los gehts. HD-Streaming? Jederzeit und überall.


Ich vermute, daß unser Netzausbau nach kommerziellem Interesse voran getrieben wird. Kann sein, daß mit flächendeckendem Ausbau der Gewinn langsamer steigt. Ist denn in Finnland oder Estland der Netzausbau in staatlicher Hand? (Wo er aus meiner Sicht auch hin gehört, wie der Straßenbau und die Wasserversorgung!)
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » Mo 24. Sep 2018, 09:49

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Sep 2018, 10:27)

Nur ist es bei uns ja so, dass der Kundenbedarf bei einem nicht unbedeutenden Anteil unserer Bürger eben nicht befriedigt wird. Ich vertrete immer noch die Meinung, dass insbesondere in unterversorgten (ländlichen) Gegenden anstatt auf Glasfaser auf schnelles mobiles Internet gesetzt werden sollte. Das ist preiswerter und schneller umgesetzt. Neben Finnland haben das Schweden, Norwegen und auch andere EU-Staaten bewiesen. Oder Estland: Da ist Kabelgebundenes Internet eher unbekannt. Ein ehemaliger Kollege arbeitet dort als Lehrer. Ganz egal, wo er sich im Land gerade aufhält, Laptop aufgeklappt und los gehts. HD-Streaming? Jederzeit und überall.


Also meine Erfahrungen mit Kabelloser Datenübertragung ist das es meistens Probleme macht da es zu beeinflussbar ist (z.b. Wände), für einen schnellen Erfolg mag das durchaus eine Lösung sein. Aber wenn man sich ansieht wohin die Entwicklung geht wird auch Deutschland nicht um die letzte Meile in Glasfaser herumkommen.

In Estland und Singapur wurden schon vor 2 Jahren angefangen 10-GBit Verbindungen bei Privatkunden auszurollen.

https://www.golem.de/news/ng-pon2-glasf ... 19177.html
https://www.hardwareluxx.de/index.php/n ... tland.html

Es ist noch nicht mal ansatzweise in der Politik angekommen wie Rückständig Deutschland in diesem Bereich wirklich ist. :?

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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon KarlRanseier » Mo 24. Sep 2018, 10:53

Ist es wirklich so immens wichtig, dass in jedem Wald eine schnelle Internetverbindung verfügbar ist? Gibt es wirklich so viele sich für besonders wichtig haltende Personen, die immer, auch wenn sie gerade unterwegs sind, das Internet nutzen müssen?
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Fuerst_48 » Mo 24. Sep 2018, 10:57

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:53)

Ist es wirklich so immens wichtig, dass in jedem Wald eine schnelle Internetverbindung verfügbar ist? Gibt es wirklich so viele sich für besonders wichtig haltende Personen, die immer, auch wenn sie gerade unterwegs sind, das Internet nutzen müssen?

Gute Frage! Die Net-Freaks sollen nach Südkorea auswandern, dort ist bald alles "vernetzt"...sogar die Intimsphäre und der Tablettenkonsum. Orwell schau oba!!
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » Mo 24. Sep 2018, 11:01

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:53)

Ist es wirklich so immens wichtig, dass in jedem Wald eine schnelle Internetverbindung verfügbar ist? Gibt es wirklich so viele sich für besonders wichtig haltende Personen, die immer, auch wenn sie gerade unterwegs sind, das Internet nutzen müssen?


Ja, alleine schon um den Wirtschaftsstandort zu sichern. Auch wenn vielleicht noch einige auf Schreibmaschinen setzen, das ist leider nicht mehr state of the art.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » Mo 24. Sep 2018, 11:02

Fuerst_48 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:57)

Gute Frage! Die Net-Freaks sollen nach Südkorea auswandern, dort ist bald alles "vernetzt"...sogar die Intimsphäre und der Tablettenkonsum. Orwell schau oba!!


Dieses "Ich brauch das nicht, also hat es auch sonst niemand zu brauchen." kannst du stecken lassen. :)
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Fuerst_48 » Mo 24. Sep 2018, 11:06

Ein Terraner hat geschrieben:(24 Sep 2018, 12:02)

Dieses "Ich brauch das nicht, also hat es auch sonst niemand zu brauchen." kannst du stecken lassen. :)

Bisschen eigenwillig, was du da hineininterpretierst. [MOD] - Beleidigung
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon KarlRanseier » Mo 24. Sep 2018, 11:47

Ein Terraner hat geschrieben:(24 Sep 2018, 12:01)

Ja, alleine schon um den Wirtschaftsstandort zu sichern. Auch wenn vielleicht noch einige auf Schreibmaschinen setzen, das ist leider nicht mehr state of the art.



Ah, da ist er wieder, der Wirtschaftsstandort! Hat man lange nicht gehört, ich habe den Begriff fast schon so schmerzlich vermisst wie den vom "Reformstau". Danke!

Ich schrieb vom MOBILEN Internet. Wer braucht im Wald eine schnelle Internetverbindung? :?:
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » Mo 24. Sep 2018, 12:10

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2018, 12:47)

Ah, da ist er wieder, der Wirtschaftsstandort! Hat man lange nicht gehört, ich habe den Begriff fast schon so schmerzlich vermisst wie den vom "Reformstau". Danke!

Ich schrieb vom MOBILEN Internet. Wer braucht im Wald eine schnelle Internetverbindung? :?:

Definiere Wald, meinst du echten Wald oder ein Dorf im Schwarzwald? Und zu Wirtschaftsstandort, du musst dich ja vielleicht nicht damit rumärgern wenn eine Firma im Ländlichen einen Online Service kauft und man dann Tage damit verbringt 5Gb Software zu übertragen. :mad2:
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Ein Terraner » Mo 24. Sep 2018, 14:40

Fuerst_48 hat geschrieben:(24 Sep 2018, 12:06)

Bisschen eigenwillig, was du da hineininterpretierst.


Wie soll man deinen Ratschlag Deutschland zu verlassen wenn einem das Internet nicht passt sonst interpretieren ?
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Raskolnikof » Mo 24. Sep 2018, 15:09

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2018, 11:53)

Ist es wirklich so immens wichtig, dass in jedem Wald eine schnelle Internetverbindung verfügbar ist? Gibt es wirklich so viele sich für besonders wichtig haltende Personen, die immer, auch wenn sie gerade unterwegs sind, das Internet nutzen müssen?


Es ist doch völlig egal wer schnelles Internet wünscht und wofür. Tatsache ist, dass der Ruf danach immer lauter wird. Wir leben nicht in der ehemaligen DDR, wo uns von "oben" gesagt wird, was wir zu brauchen haben und was nicht. Ich persönlich bin ja zufrieden mit dem was ich habe (50 MBit/s). Wenn aber das Volk nach mehr schreit frage ich mich zwar auch "wofür das?" Das denke ich aber auch, wenn sich jemand eine 100.000 Euro-Karosse kauft.
Ich denke aber, dass es hier nicht um immer schnelleres Internet geht sondern in erster Linie darum, dass Deutschland Flächendeckend mit schnellem Internet versorgt wird und Funklöcher hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Raskolnikof » Mo 24. Sep 2018, 16:22

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2018, 10:40)
Ich vermute, daß unser Netzausbau nach kommerziellem Interesse voran getrieben wird. Kann sein, daß mit flächendeckendem Ausbau der Gewinn langsamer steigt. Ist denn in Finnland oder Estland der Netzausbau in staatlicher Hand? (Wo er aus meiner Sicht auch hin gehört, wie der Straßenbau und die Wasserversorgung!)

Die folgenden Ausführungen beruhen auf Angaben eines finnischen Berufskollegen (Lehrer) und müssen so nicht 100-prozentig der Richtigkeit entsprechen:
In den dicht besiedelten Gebieten Finnlands, das sind die größeren Städte hauptsächlich im Süden des Landes und deren Umfeld sorgen die miteinander konkurrierenden Provider für den Netzausbau. Da ist mit relativ geringem Aufwand fetter Gewinn zu machen. Nicht so aber im finnischen „Outback“. Da ist das Geschäft für die finnischen Provider wenig attraktiv. Glasfaser wurde bzw. wird wenn überhaupt bis höchstens zwei Kilometer an kleinere Ortschaften oder Siedlungen herangeführt. Den Rest müssen dann die jeweiligen Kommunen zusammen mit den interessierten Providern reißen. Das gelingt aber nur, wenn die an einem Festnetzanschluss interessierten Unternehmen und Privatkunden bereit sind, sich an diesen Ausbaukosten zu beteiligen. Mit anderen Worten: Ein Festnetzanschluss in ländlichen Regionen Finnlands ist richtig teuer.
Da aber nun der finnische Staat jedem Bürger per Gesetz Internet mit bestimmter Mindestgeschwindigkeit zu erschwinglichen Preisen zugesichert hat (Einzelheiten kenne ich nicht) hat dieser in dünn besiedelten Bereichen Einheits-Funkmasten zu hunderten in den finnischen Wäldern errichtet. Netzbetreiber sind dann aber wie bei uns private Provider, die sich beim staatlichen Netzinhaber „einkaufen“. Es ist da also eine Mischung aus staatlicher und privater Initiative.

Für den finnischen Privatmann im ländlichen Bereich ist meist ein Festanschluss gar nicht möglich oder schlicht zu teuer (geworden). Vielen Kunden wurde da einfach der analoge Anschluss gekappt und ihnen die Wahl gelassen zwischen teurem Glasfaseranschluss oder vergleichsweise billigsten Mobilfunk. Dies hat dazu geführt, dass Festnetzanschlüsse in ländlichen Gebieten Finnlands eigentlich nur noch bei Unternehmen anzutreffen sind und da mobiles Internet zur Normalität bei den Bürgern geworden ist.

Von meinen vielen dienstlichen und privaten Unternehmungen in Finnland kann ich sagen, dass dies hervorragend klappt. Während unseres diesjährigen vierwöchigen Aufenthalts im einsamen Nordkarelien waren wir froh, abends deutsches Fernsehen streamen zu können. Dieses grundsätzlich in HD-Qualität mit nicht einem einzigen Aussetzer zu keiner Zeit. Kabel Deutschland/Vodafone schafft das nicht.
Der Preis für die SIM-Karte mit 4G-Tarif, Flat, also ohne Limit, für einen Monat: 17,95 Euro. Man muss natürlich auch dort die Preise vergleichen. So kann eine Karte bei gleichen Leistungen bei einem anderen Anbieter auch fünf Euro teurer sein. Das ist aber letztlich auch egal. Finnland ist ein Land wo durchs Internet Milch und Honig fließt. Selbst Online-Zocker (ich bin keiner) sind mit dem mobilen Internet hoch zufrieden.
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Teeernte » Mo 24. Sep 2018, 16:32

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Sep 2018, 16:09)

Es ist doch völlig egal wer schnelles Internet wünscht und wofür. Tatsache ist, dass der Ruf danach immer lauter wird. Wir leben nicht in der ehemaligen DDR, wo uns von "oben" gesagt wird, was wir zu brauchen haben und was nicht. Ich persönlich bin ja zufrieden mit dem was ich habe (50 MBit/s). Wenn aber das Volk nach mehr schreit frage ich mich zwar auch "wofür das?" Das denke ich aber auch, wenn sich jemand eine 100.000 Euro-Karosse kauft.
Ich denke aber, dass es hier nicht um immer schnelleres Internet geht sondern in erster Linie darum, dass Deutschland Flächendeckend mit schnellem Internet versorgt wird und Funklöcher hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.


Keine DDR mehr ? Ja wir hatten zwar keine DickeThal Uhr.....aber jede Menge dünne Berguhren. (Ruhla 2 Stein Uhr)

Bis vor KURZEM hat die Bundesregierung das DVB-T/S mit zur DIGITALEN Durchdringung der Gesellschaft DAZU gezählt.

....und DVB-S/T kan ja nun JEDER empfangen, der nicht grad in einem Bunker wohnt. DIGGETHAL ? Hat JEDER. Gegen Zwangsabgabe.

So - nun will der Bürger aber nicht nur die Propaganda von oben.....sondern auch noch SEINEN Senf dazugeben.

Wofür das ?

Betreibe einfach einen kleinen live "Fernsehsender" im Neuland..... ...eben DAS KANN nicht jeder.....weil die Bandbreite nicht passt.....oder betreibe "Zalando" von zu hause... geht auch nicht.

Flächendeckend ? Ob nun der Acker südlich Anklam eine 4 G Abdeckung haben muss ?

Auch in der Schweiz "karrt" man einige Funkzellen noch umher.......Winter und Sommer Urlaubsgebiete überschneiden sich nicht IMMER.

Die kleinen Zellen für ein paar Tausend Urlauber ZUSÄTZLICH kann man schon mobil umherkarren.....für "Events" wird das ja auch hier gemacht.

>>> Es geht um die kleinen Klitschen - wo "GARNICHTS" ist ! Kein DSL, Kein 3G ...und kein 4G.....nicht vom Blauen, Magenta oder ROT.

NULL...

Hier muss !!! eine "Kartelabsprache" zur Grundversorgung - unter Leitung der Behörden her....

Die Absprache ist ja IMMERNOCH[b] durch den STAAT verboten......- die Aufteilung der Versorgung der "Funk//DSL - löcher"[/b]
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon Teeernte » Mo 24. Sep 2018, 16:38

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Sep 2018, 17:22)

Die folgenden Ausführungen beruhen auf Angaben...


Nur NEBENBEI....

Ab Stichtag 1. Juli 2010 wird ein Internetzugang mit einer Datenübertragungsrate von mindestens 1 MBit/s Downstream in Finnland ein Bürgerrecht.


Schreib doch einfach mal den Finnischen SATZ für >> FLAT Mobile 100 Mbit......oder dem Günstigsten 20 Giga "Basistarif" hier rein...

(Der überall verfügbar ist)
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Re: Mobiles Internet: Deutschland = Entwicklungsland

Beitragvon H2O » Mo 24. Sep 2018, 18:22

Raskolnikof hat geschrieben:(24 Sep 2018, 17:22)

Die folgenden Ausführungen beruhen auf Angaben eines finnischen Berufskollegen (Lehrer) und müssen so nicht 100-prozentig der Richtigkeit entsprechen:
In den dicht besiedelten Gebieten Finnlands, das sind die größeren Städte hauptsächlich im Süden des Landes und deren Umfeld sorgen die miteinander konkurrierenden Provider für den Netzausbau. Da ist mit relativ geringem Aufwand fetter Gewinn zu machen. Nicht so aber im finnischen „Outback“. Da ist das Geschäft für die finnischen Provider wenig attraktiv. Glasfaser wurde bzw. wird wenn überhaupt bis höchstens zwei Kilometer an kleinere Ortschaften oder Siedlungen herangeführt. Den Rest müssen dann die jeweiligen Kommunen zusammen mit den interessierten Providern reißen. Das gelingt aber nur, wenn die an einem Festnetzanschluss interessierten Unternehmen und Privatkunden bereit sind, sich an diesen Ausbaukosten zu beteiligen. Mit anderen Worten: Ein Festnetzanschluss in ländlichen Regionen Finnlands ist richtig teuer.
Da aber nun der finnische Staat jedem Bürger per Gesetz Internet mit bestimmter Mindestgeschwindigkeit zu erschwinglichen Preisen zugesichert hat (Einzelheiten kenne ich nicht) hat dieser in dünn besiedelten Bereichen Einheits-Funkmasten zu hunderten in den finnischen Wäldern errichtet. Netzbetreiber sind dann aber wie bei uns private Provider, die sich beim staatlichen Netzinhaber „einkaufen“. Es ist da also eine Mischung aus staatlicher und privater Initiative.

Für den finnischen Privatmann im ländlichen Bereich ist meist ein Festanschluss gar nicht möglich oder schlicht zu teuer (geworden). Vielen Kunden wurde da einfach der analoge Anschluss gekappt und ihnen die Wahl gelassen zwischen teurem Glasfaseranschluss oder vergleichsweise billigsten Mobilfunk. Dies hat dazu geführt, dass Festnetzanschlüsse in ländlichen Gebieten Finnlands eigentlich nur noch bei Unternehmen anzutreffen sind und da mobiles Internet zur Normalität bei den Bürgern geworden ist.

Von meinen vielen dienstlichen und privaten Unternehmungen in Finnland kann ich sagen, dass dies hervorragend klappt. Während unseres diesjährigen vierwöchigen Aufenthalts im einsamen Nordkarelien waren wir froh, abends deutsches Fernsehen streamen zu können. Dieses grundsätzlich in HD-Qualität mit nicht einem einzigen Aussetzer zu keiner Zeit. Kabel Deutschland/Vodafone schafft das nicht.
Der Preis für die SIM-Karte mit 4G-Tarif, Flat, also ohne Limit, für einen Monat: 17,95 Euro. Man muss natürlich auch dort die Preise vergleichen. So kann eine Karte bei gleichen Leistungen bei einem anderen Anbieter auch fünf Euro teurer sein. Das ist aber letztlich auch egal. Finnland ist ein Land wo durchs Internet Milch und Honig fließt. Selbst Online-Zocker (ich bin keiner) sind mit dem mobilen Internet hoch zufrieden.


Vielen Dank; sehr aufschlußreich. Eine wirklich preisgünstige Leistung der Kombination von Staat und Providern. Hier bezahle ich der Deutschen Telekom für Internet >16 MB mit Telefon monatlich immer noch 39 €. Den Schickimicki-Kram (Fernsehen und Sport) habe ich nicht unter Vertrag genommen.

In Polen zahle ich der Polnischen Telekom t-mobile für LTE-Internet mit fester Adresse (für Video-Überwachungsanlage) und mobilem Telefonkanal der Alarmanlage auch etwa 40 €.

Mit beiden Leistungen bin ich nicht unzufrieden, aber preislich haben die Finnen eindeutig die Nase vorn, das muß der Neid ihnen lassen.

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