ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

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DRAM
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon DRAM » So 19. Mär 2017, 09:05

Unsere Kreisstadt nennt sich nicht umsonst "Weltzentrum der Medizintechnik". Die Stadt liegt in Süddeutschland. ;)

Nur so am Rande bemerkt....
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frems
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon frems » So 19. Mär 2017, 13:33

DRAM hat geschrieben:(19 Mar 2017, 09:05)

Unsere Kreisstadt nennt sich nicht umsonst "Weltzentrum der Medizintechnik". Die Stadt liegt in Süddeutschland. ;)

Nur so am Rande bemerkt....

Naja, Anmaßungen und Überheblichkeiten sind wohl schon sehr süddeutsch, aber Eigenbezeichnungen sind generell ein schlechter Maßstab.
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immernoch_ratlos
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon immernoch_ratlos » So 19. Mär 2017, 14:55

Na frems Du "Nordlicht" :p solltest dem Süden auch mal was gönnen :
SPON hat geschrieben:Der Siegeszug der Provinz
Tuttlingen nennt sich selbst das „Weltzentrum der Medizintechnik“. Die Region um die Schwarzwald-Stadt ist die schwäbische Antwort auf die Globalisierung.
Auf dem Portal http://www.weltzentrum-der-medizintechnik.de/start/ findet sich der Hinweis :
High-Tech made in Tuttlingen
Mehr als 400 Medizintechnikunternehmen mit rund 8.000 Beschäftigten arbeiten in Europas größtem Medizintechnikcluster an innovativen chirurgischen Instrumenten und modernsten Implantattechnologien.

Dazu kommen hunderte weitere auf die Medizintechnik spezialisierte Zulieferer und Dienstleister.
Das klingt schon etwas außergewöhnlich...
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon frems » So 19. Mär 2017, 15:23

immernoch_ratlos hat geschrieben:(19 Mar 2017, 14:55)

Na frems Du "Nordlicht" :p solltest dem Süden auch mal was gönnen : Auf dem Portal http://www.weltzentrum-der-medizintechnik.de/start/ findet sich der Hinweis : Das klingt schon etwas außergewöhnlich...

Naja, im Schnitt 20 Mitarbeiter pro Unternehmen erscheint sehr überschaubar. Und aus dem "Weltzentrum" wird dann "Europas größter Cluster". Muss man immer so dick auftragen? :|
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 20. Mär 2017, 19:39

Vermutlich längst erledigt - rechnet sich unterm Strich eben doch nicht - "offshoring" - Verlagerung unternehmerischer Funktionen und Prozesse ins Ausland.

Sehr reale Gründe dafür (aus dem WIKI Offshoring übernommen) :
betriebswirtschaftliche Motive
politisch-rechtliche Motive
technisch-logistische Motive
steuerliche Motive

Die Illusion, all dies könne nun einfach wieder per "Onshoring" in die Ursprungsländer zurückkehren, ist naiv. Die neue Methode ist, bleib im Land mit all seinen begrüßenswerten Voraussetzungen - und gleiche die vormals durch "offshoring" generierten Vorteile durch zeitgemäßes "IT-Offshoring" aus. Je nach Lage der Dinge werden weiter ausländische Niederlassungen und Kooperationen (Joint Venture) (Aktivitäten, die eine direkte Kundeninteraktion, ein spezielles "Vorortwissen" oder ein tiefes kulturelles Wissen erfordern, bleiben "offshore") sollten weiter für die oben beschriebenen Vorteile sorgen - nur eben die nur scheinbar billige "offshore" Arbeitskraft bleibt außen vor. Stichwort : „Jobless recovery“, das beschäftigungsfreie Wachstum

Ins "Heimatland" kommt also nur zurück, was hier eher "sorgenfrei" abgewickelt werden kann. Wer sowieso einen Neustart "Zuhause" plant, wird wohl kaum all die inzwischen vorhandenen Automaten, Algorithmen usw. ignorieren. Das wäre ausgesprochen rückständig und dumm. Wenn dann doch unumgänglich ist "Nearshoring" - auslagern in den EU-Raum, ein noch immer probates Mittel.

Was allerdings wichtige Betriebsinterna angeht, kann im eigenen Rechtsraum wesentlich besser geschützt werden.

So kommt die zur "Lohnarbeit" weiter "gezwungene" (hört sich irgendwie böse an) Arbeitnehmerschaft in D kein einziger Job zurück, er / sie muss zukünftig zwischen "Nearshoring" und "IT-Offshoring" sein Auskommen zu finden. Soweit die noch vorhandene Arbeit auch Menschen aus anderen EU-Staaten zufällt, ist das wenigstens ein positiver Moment, ein weitgehend befriedetes EU ist doch sicher auch etwas positives.

Was das IT-Offshoring" angeht, sich dagegen zu wehren - "Luddismus" im frühen 19. Jahrhundert hat ja bekanntlich nicht funktioniert... Bleibt nur sich anzupassen, wenigstens "die lieben Kleinen" auf eine möglichst umfassende Bildung einzuschwören.

Ob das wohl genügt ? Was die "digitale Revolution" angeht, diese ist überall längst in der "zweiten Hälfte des Schachbretts" angekommen. Auch wenn man dies gerne verdrängt, es gibt jetzt schon sehr wenige Felder, wo selbst mit den schon existierenden Mitteln kaum Aussicht auf "IT-Offshoring" besteht. Dafür jede Menge Kandidaten, welche es mangels Information oder schlich aus "Kopf in den Sand" stecken, erst einmal weit von sich weisen "bedroht zu sein". Die Grenzen der Technik verschieben sich und das bedeutet, dass viele Arbeiten, die wir heute (noch) nicht als Routine ansehen und deshalb vor einer Automatisierung geschützt ansehen, dann doch in die Kategorie „Routine und berechenbar“ rutschen.

Da helfen auch all die kleinen Sticheleien nix. Bislang hat lediglich der User "Provokateur" versucht (hier) an der dt. Überheblichkeit ein wenig zu kratzen. Bei all den Usern die dieses Forum "beherbergt" scheint nur ihm aufzufallen, nur weil es Heute nun wirklich sehr gut aussieht, müsse man sich keinerlei Sorgen über das Morgen machen. Unerfreuliche Ausblicke und schlechte Nachrichten werden eben nach wie vor mit der Enthauptung des Boten geahndet.

Kurz gefasst, wenn immer mehr sozialversicherungspflichtige Jobs von Maschinen und cleveren Algorithmen "ersatzlos wegfallen", kann das auf Dauer und ab einer bestimmten Größenordnung einfach nicht ohne Folgen bleiben.

An das Märchen, jede Modernisierung würde quasi naturgesetzlich verbürgt, wunderbare und gut bezahlten neue Jobs kreieren, glaube ich längst nicht mehr. Schon sehr lange ist das keine Glaubensfrage mehr. Wer soll den neue kostspielige Jobs kreieren, nur weil er aus diesem Grund, kostenintensiv Jobs woanders gerade "mechanisiert" hat ? Ein Widerspruch in sich selbst. Ein Unternehmen ist nun mal nicht verpflichtet, Ersatz zu schaffen. Wenn es gut geht, können einige anderweitig im selben Betrieb weiter beschäftigt werden.

Alles in allem, ungeschminkt ausgedrückt - Wir steuern auf einen Zusammenbruch der bisherigen Arbeitswelt zu, der eine deutlich dramatischere Reaktion erfordern wird. Nicht gleich "Heute" wo noch alles so wunderbar ist, aber spätestens bei der nächsten krisenhaften Entwicklung werden all diese noch geschickt versteckten und wenig beachteten Probleme sofort auftauchen...

Eines der gravierendsten Probleme ist die Atmosphäre der Unsicherheit - werde ich morgen auch noch meinen Verpflichtungen nachkommen können ? Wie löse ich dringende innerfamiliäre Probleme ohne meinen Job zu gefährden ? Kann ich es wagen eine eigenes Geschäft aufzuziehen und meinen Job dazu kündigen ? Es gibt eine ganze Reihe von Fragen die jeder gerne verdrängt oder forsch, aufsteigende Ängste mit der Aussage, "wenn ich will, bekomme ich jederzeit wieder einen Job" versucht zu verdrängen.
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Re: ROBOTER stehlen deinen Job aber das ist OK ?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mi 22. Mär 2017, 17:09

Nun, wie gut ist D im Vergleich zu unseren Konkurrenten weltweit überhaupt ? Wie sieht es beim Nachwuchs aus ? Nicht unbedeutend, wie steht es mit den technischen Voraussetzungen aus ?

Die folgenden Zahlen habe ich dem sehr empfehlenswerten Buch entnommen "Deutschland 4.0 : Wie die Digitale Transformation gelingt". Ab und an ein Zitat stammt auch daraus. Teilweise überschneiden sich Inhalte auch mit anderer zeitnaher Literatur aus meiner priv. elektronischen Kleinbibliothek. Oder aus Quellen, welche Zahlen und Informationen über PDF im WWW zur Verfügung stellen.

Der PC, Notebook bilden immer noch die eher uneingeschränkte Basis für die "Digitale Transformation".
Computern je 1000 Einwohnern (Deutschland: 602,94). Bei dem Vergleich der Länder im Hinblick auf die Internetnutzung führte das kleine Luxemburg (927,29 Internetnutzer je 1000 Einwohner) vor Dänemark und den USA. Deutschland lag hier mit einem Wert von 678,71 auf Position acht hinter Singapur, Finnland und Kanada.
Selbstverständlich kann man auch per Smartphone und oder Tablett das Internet nutzen. Doch auf die alleinige Internetnutzung kommt es ja wohl nicht an.

Doch wie schneidet D in Sachen Breitbandversorgung ab - Kommunikation jenseits von Twitter und Facebook - wo steht D da ?
Mit den durchschnittlichen 11,5 Mbit/s bei der Breitbandversorgung in Deutschland liegen wir im internationalen Vergleich laut dem Akamai State of the Internet Report 2015/Q3 nur auf Platz 22. Schneller unterwegs ist man beim Spitzenreiter Südkorea mit durchschnittlich 20,5 Mbit/s, in Schweden mit 17,4 Mbit/s, in der Schweiz mit 16,2 Mbit/s, in Hong Kong mit 15,8 Mbit/s, in den Niederlanden mit 15,6 Mbit/s oder in Japan mit 15,0 Mbit/s. Großbritannien hat mit 13,0 Mbit/s den Abstand zu uns vergrößert. Auch die USA liegen mit 12,6 Mbit/s noch vor uns, während die Slowakei mit 11,2 Mbit/s etwa auf unserem Niveau liegt. :?


Nicht nur hier sind "wir" weit hinter anderen "Mitbewerbern" zurück - die Produktion von digitalen Technologien in Endgeräten, auch da ist das "Technikwunderland" auf fremde ausländische Hersteller angewiesen. Die Zahl der "Bedenkenträger" ist stets größer, als all jener, die hoffen in Innovation "Made in Germany" voranzutreiben.

Kein Wunder, ist das "Digitale" auch in den Schulen nicht wirklich angekommen. Maßlos überfordert zeigen sich viele deutsche Schüler. :( Die Hälfte aller "Achtklässler" hat noch nicht "herausgefunden" wie man einen URL korrekt eingibt bzw. wie der sich zusammensetzt. Das jedenfalls hat 2013 die internationale Vergleichsstudie „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) herausgefunden. Danach kommen "etwa ein Drittel der Schüler der Jahrgangsstufe acht, über die untersten beiden Stufen nicht hinaus und verfügen damit nur über ‚rudimentäre‘ bzw. sehr grundlegende Fertigkeiten im Umgang mit den digitalen Technologien.“ Ganz offensichtlich ersetzt der "eloquente Umgang" mit Computerspielen keineswegs die eigentlich notwendigen digitalen Grundkenntnisse. Nochmal ein Auszug aus der ICILS‐Studie zum Leistungsniveau mit unseren "Konkurrenten" :
wenig erfreulich: Die Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland erreichen einen Leistungsmittelwert von 523 Punkten.

Deutschland befindet sich damit im mittleren Bereich der Rangreihe. :rolleyes: Schülerinnen und Schüler in der Tschechischen Republik (553 Punkte), in Kanada (Ontario; 547 Punkte), Australien und Dänemark (jeweils 542 Punkte), in Polen und Norwegen (jeweils 537 Punkte), in der Republik Korea (536 Punkte) sowie in den Niederlanden (535 Punkte) erreichen ein signifikant höheres Leistungsniveau als Schülerinnen und Schüler in Deutschland.“
Aber es gibt auch dt. Sieger, wenig erfreulich allerdings :
...Deutschland ist nur in einer „Digitalstatistik“ vorne, nämlich bei den Bedenken von Lehrpersonen hinsichtlich des IT-Einsatzes im Unterricht (Platz 1).


Während andere Nationen längst begriffen haben "wohin die Reise geht" - den eigenen Nachwuchs möglichst gut auf diese Herausforderungen vorzubereiten um beim kommenden Wettstreit um die besten Voraussetzungen wenigstens ein Chance zu haben, befindet sich das dt. Schulunwesen praktisch noch in der "Kreidezeit".

Das geht leider auch "nach der Schulzeit" so weiter - wie sollte sich da auch etwas plötzlich und unerwartet ändern ? Das "Statische Bundesamt"vermeldet im Wintersemester 2012/2013 insgesamt 82.273 Studierende für das Fach Informatik. Das sind gerade mal 3,3 % aller eingeschriebenen Studierenden in D (sei im Steigen begriffen). International liegt der Anteil von Informatik‐Studenten bei 4,2 %. Meinen die Verfasser von ""Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt" recht pessimistisch :
...Bei uns gehen die Studenten an die Uni, um zum IT-Angestellten ausgebildet zu werden. In den USA und anderswo studiert man an den betreffenden Digital-Standorten, um danach ein IT-Unternehmen zu gründen...
Auch wenig im Hinblick auf die Zukunft, meinen die Verfasser :
Bis auf SAP gibt es kein deutsches I(K)T-Unternehmen (Planungs- und Beratungs-Unternehmen), welches weltweit von Relevanz ist. Weltmarktführer „Made in Germany“ sucht man in der Digitalen Wirtschaft vergeblich.
Wie wichtig das wäre auch hier den gewiss vorhandenen "Gehirnschmalz" besser zu nutzen bzw. wesentlich stärker zu fördern zeigt wohl die Tatsache bzw. Der BMWi Monitoring Report Digitale Wirtschaft 2015 : Im IKT- Bereich mit ca. einer Million Beschäftigten wurde ein Umsatz von 221 Mrd. €uro erwirtschaftet (43% Datendienste, 25 % für Applikationen und Services). Lt. diesem Report war damit eine höhere Wertschöpfung als im Automobilbau und umsatzstärker als der dt. Maschinenbau. :thumbup:

Auch die reine Internetwirtschaft hat mit 73 Mrd. Euro einen höheren Umsatz erzielt, als die Elektrotechnik im Report-Zeitraum. Erfreulich auch die Prognose des
Verband der deutschen Internetwirtschaft „eco“, dass bis in ca. vier Jahren ca.53 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Verbindung mit E‐Commerce bzw. dem E‐Business erzielt werden. :thumbup:

Um so wichtiger scheint es ja wohl zu sein, den Nachwuchs "so breit wie nur möglich aufzustellen", um da erfolgreich weiterzumachen, wo das derzeitige "Personal" heute noch die Stellung hält...
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