Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

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Raskolnikof
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Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Raskolnikof » So 9. Okt 2016, 16:03

Zur Erinnerung: Am 10. April 2011 hat Google bekanntgegeben, dass die bis dahin abgedeckten und veröffentlichten Bereiche nicht weiter ausgeweitet und aktualisiert werden. Somit sind seitdem lediglich 20 Städte mit Stand 2011 und früher online. Ein Novum in ganz Europa, wenn man sich einmal die Abdeckung von Googles StreetView anschaut (etwas nach unten scrollen):
https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Street_View

Zu diesem Entschluss ist Google letztlich gekommen, weil unsere Politik und die Bürger dieses Projekt ablehnten. Google sah sich einem Berg von derart vielen Auflagen staatlicher Datenschützer und Bürgern gegenüber, die ihre Mietwohnung, Haus und/oder Grundstück verpixelt haben wollten, sodass es einfach keinen Sinn mehr machte, in Deutschland an StreetView weiter zu arbeiten. Wer fährt schon gern auf dem PC visuell durch Straßen deutscher Städte und Landschaften, wenn links und rechts der Straßen alles verpixelt ist? Zudem hätte sich der Pixelwahn zu einem unbezahlbaren Mammutprojekt bei Google entwickelt.

Nun ist StreetView in Deutschland also Schnee von gestern und diesbezüglich ein weißer Fleck auf dem Globus. In Europa gehört nur noch Österreich zu den Gestrigen dieser Welt.

Was ich mich frage: Sind wir Deutschen, was Datensicherheit betrifft irgendwie zu ängstlich oder krasser ausgedrückt: Leidet ein Großteil unserer Bevölkerung unter Verfolgungswahn? Mir ist durchaus klar, dass Datensicherheit angesichts von Industriespionage, militärischer Ausspähung und der Sicherheit in anderen sensiblen Bereichen wichtig ist. Aber der normale Bürger, nimmt der sich nicht oftmals viel zu wichtig? wenn ich im Freundeskreis höre, dass der eine oder andere keine belanglose Mail mehr an Freunde und Bekannte sendet weil er/sie Angst vor Ausspähung hat (Stichwort NSA) oder lange darüber diskutiert wird, wie man private Mail vor Ausspähung am besten schützt dann schüttele ich nur mit dem Kopf. Ich schrieb es schon mal an anderer Stelle. Den Aldi-Einkaufszettel, den mir meine Frau per Mail zu meiner Dienststelle schickt, darf jeder mitlesen (und meinetwegen auch kommentieren). Meine Bastelanleitung für eine A-Bombe verschicke ich aber nicht per Mail.
Vielleicht ist klar geworden, was ich damit meine.

Weiter frage ich mich, ob die Politiker und Bürger der Staaten dieser Erde, die Googles StreetView keinen Strich durch die Rechnung machten alles Trottel sind, die die Gefahren, die in Deutschland gesehen werden, nicht erkennen. Sind wir Deutschen der Nabel der Welt? Ich denke das nicht. Aber was ist es dann, das den normalen Bürger derart verängstigt, dass er der digitalen Welt derart misstraut, dass
er sich kaum noch traut, seinen Computer oder Notebook einzuschalten?
Ja, ja, ich weiß. Die junge Generation sieht das vollkommen anders. Da wird jeder Pups und jedes „Geheimnis“ auf Facebook oder WhatsApp der Welt offenbart. Aber das ist ein anderes Thema.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon jack000 » So 9. Okt 2016, 16:52

Raskolnikof hat geschrieben:(09 Oct 2016, 17:03)Weiter frage ich mich, ob die Politiker und Bürger der Staaten dieser Erde, die Googles StreetView keinen Strich durch die Rechnung machten alles Trottel sind, die die Gefahren, die in Deutschland gesehen werden, nicht erkennen. Sind wir Deutschen der Nabel der Welt? Ich denke das nicht. Aber was ist es dann, das den normalen Bürger derart verängstigt, dass er der digitalen Welt derart misstraut, dass
er sich kaum noch traut, seinen Computer oder Notebook einzuschalten?
Ja, ja, ich weiß. Die junge Generation sieht das vollkommen anders. Da wird jeder Pups und jedes „Geheimnis“ auf Facebook oder WhatsApp der Welt offenbart. Aber das ist ein anderes Thema.

In der Tat frage ich mich auch ob überhaupt jemand jemals dadurch einen Schaden erlitten hat. Wenn dem doch so wäre, würde das doch bekannt sein und andere Länder hätten sich dann davon verabschiedet.
Aber Paranoia ist in Deutschland in bestimmten Feldern ja ziemlich ausgeprägt.

Die von dir genannte Karte zeigt die Lächerlichkeit nicht in ihrer kompletten Dimension. Man schaue sich mal auf Google Maps eine Europakarte an und klicke auf Street View:
https://www.google.de/maps/@48.7195689, ... 4,5z?hl=de
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Boraiel » So 9. Okt 2016, 16:59

Meiner Ansicht nach lautet die Frage: Ja.
Ich denke, die meisten Deutschen haben auch ein recht verzerrtes Bild der Realität. Anders kann ich mir viele Dinge nicht erklären.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon jack000 » So 9. Okt 2016, 17:59

Boraiel hat geschrieben:(09 Oct 2016, 17:59)

Meiner Ansicht nach lautet die Frage: Ja.
Ich denke, die meisten Deutschen haben auch ein recht verzerrtes Bild der Realität. Anders kann ich mir viele Dinge nicht erklären.

Ob es unbedingt ein verzerrtes Bild ist weiß ich nicht, aber es waren in jeden Fall irgendwelche Wichtigtuer die alles daran gesetzt haben das zu verhindern. Es ist einfach nur peinlich!

Hier nochmal das die Karte als Bild:
Bild
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Wasteland » So 9. Okt 2016, 19:27

Kurze Antwort: Definitiv.

Ich frage mich woher das kommt.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Raskolnikof » Di 1. Nov 2016, 18:49

Ich frage mich das auch. Kann das mit unserer Geschichte zu tun haben, dass wir nur noch Spitzel, Spione und Cyberkriminelle hinter jedem Baum bzw. Computer vermuten? Die Angst vor NSA und Co. existiert schließlich weltweit. Aber in kaum einem anderen westlich orientieren Staat ist die Angst vor dem Ausspähen eigener Daten so groß wie bei uns in Deutschland.
Manchmal denke ich, dass ich in einem Land lebe, wo Phobien vor fremden Mächten in Form einer ansteckenden Krankheit grassiert wie im Mittelalter die Pest oder Cholera.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Perdedor » Di 1. Nov 2016, 19:50

Raskolnikof hat geschrieben:Sind wir Deutschen, was Datensicherheit betrifft irgendwie zu ängstlich oder krasser ausgedrückt: Leidet ein Großteil unserer Bevölkerung unter Verfolgungswahn?


Er ist eher schizophren, wenn man bedenkt, mit wie wenig Problemen er facebook seine privaten Daten zur Verfügung stellt und wie er angesichts der Bespitzelungspläne seiner Regierung immernoch dieselben Parteien wählt (deren Überwachungsgesetze z.T. sogar vom Verfassungsgericht verworfen werden mussten).
Bei streetview kamen wohl zwei Dinge zusammen:
1. Unwissenheit. Ich weiß von einigen älteren Menschen, dass sie streetview für eine life-Kamera-Überwachung hielten.
2. Google war zu transparent. facebook schweigt sich aus und kommt damit durch.

Raskolnikof hat geschrieben:Aber der normale Bürger, nimmt der sich nicht oftmals viel zu wichtig?


Nein. Der Schutz der Privasphäre ist eines der wichtigsten Grundrechte überhaupt.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Raskolnikof » Mi 2. Nov 2016, 15:05

Trotzdem sollte es schon zu denken geben, wenn Google sein StreetView einzig in Deutschland und Österreich aufgrund von Bürgerprotesten, die selbst bestimmte Straßenbäume verpixelt haben wollten oder Politikern, die in Google den verlängerten Arm der NSA sehen letztlich aufgegeben haben. Auch Microsoft hat sein Angebot „Streetside“ 2012 bei uns eingestellt.
Man muss sich da schon die Frage stellen, ob die Bürger und Politiker aller anderer Staaten dieser Welt, die Google in sein StreetView aufgenommen hat und dort auch die Aktualisierung der Aufnahmen dort keine Probleme bereitet alle blöd sind.
Ich denke, dass sind die nicht. Aber wir wollen schlauer sein, einmal wieder. Das hat ja in Deutschland Geschichte.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben lässt grüßen.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Perdedor » Mi 2. Nov 2016, 16:12

Raskolnikof hat geschrieben:Man muss sich da schon die Frage stellen, ob die Bürger und Politiker aller anderer Staaten dieser Welt, die Google in sein StreetView aufgenommen hat und dort auch die Aktualisierung der Aufnahmen dort keine Probleme bereitet alle blöd sind.


Blöd nicht, aber sie haben im Allgemeinen weniger Erfahrung mit den Konsequenzen der Überwachung (Stasi, Gestapo). Deutschland ist in diesem Zusammenhang relativ wehrhaft, in anderen Ländern ist das Immunsystem noch nicht ausreichend sensibilisiert. Es ist ja auch nicht so, dass in Dtl alle dagegen sind und in anderen Ländern alle dafür. Die Unterschiede sind graduell.
Hinzu kommt, dass die Deutschen im Durchschnitt älter und damit technologiefeindlicher sind.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Raskolnikof » Di 15. Nov 2016, 14:46

Es hilft alles nichts. Weder ihr noch unsere Politik werden das Rad zurückdrehen. Die Facebook-, WhatsApp- und Twitter-Jünger haben sich längst entschieden. Sie haben Spaß daran, sich der Welt zu präsentieren. Sie stellen unverschlüsselt die Entbindung ihres Kindes ins Netz oder die Urlaubsfotos vom letzten FKK-Urlaub. Dieser Generation wollt ihr etwas über Datensicherheit im Netz erzählen? Ich habs in der Jugendarbeit versucht... und aufgegeben.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Quatschki » Di 15. Nov 2016, 16:11

Das ist jetzt so eine Zwischenphase, wo viele noch Geheimnisse haben und auch gern die Geheimnisse der anderen geoutet sehen wollen.
Wenn erstmal alles enthüllt sein wird, macht auch das Enthüllen keinen Spaß mehr und dann wird sich die Aufregung beruhigen.
;)
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Mari » Di 15. Nov 2016, 17:07

Wasteland hat geschrieben:(09 Oct 2016, 20:27)

Kurze Antwort: Definitiv.

Ich frage mich woher das kommt.


Was in Google Street View zu sehen ist kann Jeder sehen. Die wahren Gefahren werden dagegen von der Politik und den Medien kleingeredet.
LG Mari
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon jack000 » Di 15. Nov 2016, 19:35

Raskolnikof hat geschrieben:(15 Nov 2016, 14:46)

Es hilft alles nichts. Weder ihr noch unsere Politik werden das Rad zurückdrehen. Die Facebook-, WhatsApp- und Twitter-Jünger haben sich längst entschieden. Sie haben Spaß daran, sich der Welt zu präsentieren. Sie stellen unverschlüsselt die Entbindung ihres Kindes ins Netz oder die Urlaubsfotos vom letzten FKK-Urlaub. Dieser Generation wollt ihr etwas über Datensicherheit im Netz erzählen? Ich habs in der Jugendarbeit versucht... und aufgegeben.

Solange man das selber festlegen kann was öffentlich ist, spricht auch nichts dagegen. Das mit Google-Street-View ist die absolute Lachnummer, denn es sind weltweit keine Nachteile bekannt die dadurch entstanden sind.

Die völlige Schizophrenie ist das hier:
https://www.google.de/maps/@52.5159281, ... 6656?hl=de

Seit Anfang 2006 nutzt die Managerhochschule European School of Management and Technology (ESMT Berlin) das ehemalige Staatsratsgebäude. Das Gebäude wurde ihr vom Land Berlin im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsratsgeb%C3%A4ude
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsratsgeb%C3%A4ude
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Raskolnikof » Mi 16. Nov 2016, 11:23

Ja, es ist wirklich schizophren. In keinm Land musste Google in streetView so viele Gebäude, ja sogar Straßenbäume verpixeln. Viele Bürger haben Angst, dass potenzielle Einbrecher mithilfe Streetview geeignete Objekte für mögliche Beutezüge auskundschaften könnten. Allerdings ist das Blödsinn. Viel besser dafür ist Google Earth dafür geeignet, weil da die Hausgrundstücke und das nahe Umfeld inspiziert werden können, also Dinge, die die StretView-Kamera nicht erfassen kann. Da habe ich Einblickke in den Garten, kann Fluchtwege auskundschaften und oftmals sogar den günstigsten "Einstieg" festlegen.
Zudem werden die Satelitenaufnahmen viel häufiger als in früheren Jahren aktualisiert und werden immer schärfer und detailraicher. Die letzte Aufnahme unseres Hausgrundstückes stammt vom Sommer d.J., erkennbar daran, weil unser neues Auto da bereits vor der Garage steht und sogar den Typ erkennen läßt. Sogar ich bin beim Rasenmähen zu sehen.
Seltsam, dass von Seiten schizophrener Datenschützer noch nicht in den Medien Alarm geschlagen und auf auf diese Ausspähmöglichkeit hingewiesen wurde. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Die neuen und zunehmend privaten Satelliten sind heute in der Lage, Aufnahmen in einer Qualität zu machen, die auch von einer Drohne stammen könnten. Für den einen bedrohlich, für den anderen nur faszinierend.

Ich denke, dass all die Diskussionen um Datenschutz und Schutz der privatspäre ein Generationenproblem ist. Die junge Generation schert sich einen Teufel darum. ich arbeite ehrenamtlich in der Ev. Kirche und leite zwei Jugendgruppen. Eine davon besteht aus 14-16 Jährigen Konfirmanden, mit 2/3 Anteil Gymnasiasten. Die haben ausnahmslos keine Probleme mit dem Datenschutz. Ganz im Gegenteil. Die meisten von ihnen würden eine lückenlose Kameraüberwachung im öffentlichen Raum begrüßen, ebenso eine Gendatenbank, in der der gentechnische Fingerabdruck eines jeden Bürgers gleich nach der Geburt zwecks eines evtl. einmal notwenigen DNA-Abgleichs erfasst wird. E-Mail-Verschlüsselung? Wozu das?
Die auch intellektuelle Jugend sieht diese Problematik zumeist sehr viel lockerer als noch lebende Veteranen Nazi-Deutschlands oder Stasi- und Blockwartgeschädigte EX-DDR-Bürger.

Ich persönlich bin da hin- und hergerissen. Mit Google StreetView und Google Earth habe ich keine Probleme, mit der Kameraüberwachung des Öffentlichen Raums auch nicht. Zwar werden damit Gewalt- und andere kriminelle Handlungen nicht unbedingt vermieden, zumindest aber hat diese Form für den einen oder anderen Gewalttäter eine abschreckende Wirkung. Zudem dient die Kameraüberwachung der Täterüberführung.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon frems » Do 17. Nov 2016, 19:21

Raskolnikof hat geschrieben:(16 Nov 2016, 11:23)
Die auch intellektuelle Jugend sieht diese Problematik zumeist sehr viel lockerer als noch lebende Veteranen Nazi-Deutschlands oder Stasi- und Blockwartgeschädigte EX-DDR-Bürger.

Ist ja auch logisch. Die deutsche Jugend unterscheidet sich nicht von ihren Altersgenossen in anderen Ländern Europas. Diese geschichtsbedingte Bedenkträgerei, die zu der Streetview-Hysterie führte, ist denen fremd, weil sie es nur aus den Geschichtsbüchern und ggf. Großeltern kennen. Datenschutz ist vor allem ein Schutz für Leute, die über eine schlechte Medienkompetenz verfügen und daher vor sich selbst geschützt werden müssen. Ein Storch'scher "Mausrutscher" würde denen eher nicht passieren. Die wuchsen halt damit auf und sehen es nicht als Neuland.

Ich find's auch lustig, wenn sich ältere Personen pauschal abwehrend gegen einige Dienste äußern und "Datenkrake" schreien. Dabei fehlt ihnen die Bildung, um einschätzen zu können, welche (relevanten) Daten man herausgibt und welche nicht. Daher ist es schon nicht verkehrt, dass sie davon Abstand halten und somit nicht in eine peinliche Situation kommen können.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Provokateur » Do 17. Nov 2016, 19:30

frems hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:21)
Ich find's auch lustig, wenn sich ältere Personen pauschal abwehrend gegen einige Dienste äußern und "Datenkrake" schreien. Dabei fehlt ihnen die Bildung, um einschätzen zu können, welche (relevanten) Daten man herausgibt und welche nicht. Daher ist es schon nicht verkehrt, dass sie davon Abstand halten und somit nicht in eine peinliche Situation kommen können.


Ich bin nicht ungebildet, habe einen akademischen Grad und arbeite am zweiten.

Ich habe dennoch kein Smartphone, weil ich nicht ausspioniert werden will. Facebook nutze ich auch nicht. Gerade Snowden hat uns doch gezeigt, dass wir nur sicher sind, wenn wir uns in technischem Verzicht üben. Das finde ich nicht einmal schlimm, ich habe halt irgendwann aufgehört, jeden Scheiß mitzumachen.

Ich habe ja nichts dagegen, das andere das tun. Ich mache es eben nicht.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon frems » Do 17. Nov 2016, 19:32

Provokateur hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:30)

Ich bin nicht ungebildet, habe einen akademischen Grad und arbeite am zweiten.

Dann hättest Du den vorigen Absatz verstehen sollen. Es ging um Medienkompetenz. Nicht um Differentialgleichungen.

Ich habe dennoch kein Smartphone, weil ich nicht ausspioniert werden will. Facebook nutze ich auch nicht. Gerade Snowden hat uns doch gezeigt, dass wir nur sicher sind, wenn wir uns in technischem Verzicht üben. Das finde ich nicht einmal schlimm, ich habe halt irgendwann aufgehört, jeden Scheiß mitzumachen.

Ich habe ja nichts dagegen, das andere das tun. Ich mache es eben nicht.

Du gehörst damit auch nicht zu der Personengruppe, die ich ansprach.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Provokateur » Do 17. Nov 2016, 19:36

frems hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:32)
Du gehörst damit auch nicht zu der Personengruppe, die ich ansprach.


Es ist aber typisch, dass Leuten, die auf klassische Kommunikation bestehen, vorgeworfen wird, irgendwie "dumm" oder ungebildet zu sein. Da bist du kein Einzelfall, das passiert ständig.

Es nervt nur, sich jedes Mal erklären zu müssen.
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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon frems » Do 17. Nov 2016, 19:40

Provokateur hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:36)

Es ist aber typisch, dass Leuten, die auf klassische Kommunikation bestehen, vorgeworfen wird, irgendwie "dumm" oder ungebildet zu sein. Da bist du kein Einzelfall, das passiert ständig.

Es nervt nur, sich jedes Mal erklären zu müssen.

Willst Du trollen? Es ging nicht um Dummheit, sondern Kompetenz im Umgang mit Medien und den Schutz dieser Menschen. Diese "ich leb oldschool"-Selbstdarsteller sind ein ganz anderes Phänomen.
Labskaus!

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Re: Sind wir Deutschen zu ängstlich in Bezug auf Datensicherheit (am Beispiel Googles StreetView)

Beitragvon Provokateur » Do 17. Nov 2016, 19:44

frems hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:40)

Willst Du trollen?


Heute nicht, danke, ich habe gleich noch was vor.

frems hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:40)
Es ging nicht um Dummheit, sondern Kompetenz im Umgang mit Medien und den Schutz dieser Menschen.


Inkompetenz erwächst aus der Unfähigkeit zur Adaption. Das nehmen viele jedenfalls an oder unterstellen eben dieses, Und das mündet dann im Label "dumm".

frems hat geschrieben:(17 Nov 2016, 19:40)
Diese "ich leb oldschool"-Selbstdarsteller sind ein ganz anderes Phänomen.


Das hat nix mit Selbstdarstellung zu tun. Man entzieht sich ja gerade den Selbstdarstellungs-Plattformen. Es ist vielmehr eine bewusste Entscheidung - digitaler Veganismus sozusagen.
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