Mobilfunk-Roaming in der EU

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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Do 22. Sep 2016, 07:12

frems hat geschrieben:(21 Sep 2016, 19:16)
Der bulgarische Anbieter zahlt ja für die Nutzung der Netze in Deutschland, Portugal oder Schweden, wenn seine Kunden dort telefonieren. Der Betrieb der Netze ist ja seit Jahren getrennt. Günstiger wäre er z.B. durch günstigere Mitarbeiter im Callcenter und so Gedöns. Und das will man nicht in Berlin, Madrid, Rom und anderen Hauptstädten. Wäre ja schrecklich, wenn wir als Deutsche uns halt die günstigsten Produkte in Europa suchen. Ein Hoch auf die Einfuhrzölle. Die Kiste polnischer Äpfel soll auch nicht mehr nach Deutschland. Könnte ja günstiger sein als deutsche Äpfel.

Also, bei Roaming-Kosten von 1 ct je Minute oder sogar Null ct/minute sehe ich keine Kostendeckung für die Nutzung fremder Netze, die ja aufgebaut und gepflegt werden wollen. Da hängt etwas völlig schief!

Polnische Äpfel werden im Anbauland erzeugt, gepflegt, gepflückt, verpackt, vermarktet, hoffentlich dort auch über denn Verkaufspreis an den Aufkäufer versteuert... und dann geht es ab auf den gemeinsamen Markt auf Straßen, die im wesentlichen die EU finanziert hat. Da sehe ich überhaupt keine Hindernisse. Wenn aber Bulgarien seinen Arbeitsflüchtlingen "billige" Telefonkärtchen verkauft, dann ist die wesentliche Leistung der Verkauf der Kärtchen, die womöglich noch in Italien hergestellt wurden. Diese Teilnehmer am Fernsprechverkehr nutzen dann das europäische Netz, um nach Hause zu telefonieren. Ihr Beitrag zum Aufbau des europäischen Netzes ist dabei wie hoch? Mit dem anderen Beispiel "Luxemburg" hatte ich schon eine sehr ähnliche Frage gestellt.

Die politisch auf Landesgrenzen ausgerichteten Preise werden durch Dauer-Roaming praktisch ausgehebelt, was auch ich freudig begrüße. Aber ein am technischen Aufwand ausgerichteter Gesprächspreis wäre wohl sinnvoll. Vor allen würde so ein Wettbewerb um die preisgünstigste technische Lösung entbrennen.... was ja immer gut ist.

Da muß die EU aufräumen, und zwar aus Gründen der gleichen Belastung aller Europäer. Soziale Leistungen müssen auf den dafür geplanten Schienen laufen... so jedenfalls nicht!
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon garfield336 » Do 22. Sep 2016, 08:18

H2O hat geschrieben:(22 Sep 2016, 08:12)

Die politisch auf Landesgrenzen ausgerichteten Preise ....!


Schluss damit!

Eine Europaweite Ländervorwahl und EIN NETZ, Bitte !
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon garfield336 » Do 22. Sep 2016, 08:22

frems hat geschrieben:(21 Sep 2016, 18:57)

Die Roaming-Märchengrenzen sind ja politisch. Von Stettin nach Greifswald zu telefonieren ist nicht teurer als von Greifswald nach Lörrach. Und es können ja weiterhin höhere Preise verlangt werden. Dann wechselt der Kunde halt den Anbieter. Und da wird es leider noch Einschränkungen geben, weil die Konzerne nicht wollen, dass ein deutscher Kunde eine Dienstleistung in Bulgarien kauft. So viel zum "gemeinsamen Binnenmarkt" und dem "freien Verkehr" von Dienstleistungen, Kapital, Gütern und Personen.


Luxemburger müssen wohl in Zukunft mehr für ihr Abonnement zahlen.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Do 22. Sep 2016, 10:20

garfield336 hat geschrieben:(22 Sep 2016, 09:18)

Schluss damit!

Eine Europaweite Ländervorwahl und EIN NETZ, Bitte !


Das wäre natürlich für uns Verbraucher die bequemste Lösung; aber ich kann einsehen, daß der technische Aufwand für Netze seinen Preis hat, also weiträumige Gespräche mehr kosten als
solche im Nahbereich. Und ich würde mir wünschen, daß der Wettbewerb der Telefongesellschaften um die günstigsten technischen Lösungen angefacht wird (Satelliten, Glasfaser, Funknetze...)
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon garfield336 » Do 22. Sep 2016, 10:45

Was bedeutet die Abschaffung der Roaming kosten eigentlich?

Was kostet es mich zukünftig, der ein Datentarif mit 10GB Volumen und 60Freiminuten beim Telefonieren hat, wenn er in Zukunft in Deutschland ein Ortsgespräch führt, oder auf Facebook surft.

Die Zugesicherten Freiminuten und Datenvolumina gelten doch nach wie vor nur im Innland.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon frems » Do 22. Sep 2016, 14:30

H2O hat geschrieben:(22 Sep 2016, 08:12)

Also, bei Roaming-Kosten von 1 ct je Minute oder sogar Null ct/minute sehe ich keine Kostendeckung für die Nutzung fremder Netze, die ja aufgebaut und gepflegt werden wollen. Da hängt etwas völlig schief!

Die sollen doch für die Nutzung der Netze zahlen. Das ist ja alles geregelt. Die Durchbrechung nationaler Grenzen mit digitalen Medien verursacht bloß keine Kosten. Nochmal: warum sollte ein Gespräch von Hamburg nach Kopenhagen viel höhere Netzgebühren verlangen als von Hamburg nach München?

Polnische Äpfel werden im Anbauland erzeugt, gepflegt, gepflückt, verpackt, vermarktet, hoffentlich dort auch über denn Verkaufspreis an den Aufkäufer versteuert... und dann geht es ab auf den gemeinsamen Markt auf Straßen, die im wesentlichen die EU finanziert hat. Da sehe ich überhaupt keine Hindernisse. Wenn aber Bulgarien seinen Arbeitsflüchtlingen "billige" Telefonkärtchen verkauft, dann ist die wesentliche Leistung der Verkauf der Kärtchen, die womöglich noch in Italien hergestellt wurden. Diese Teilnehmer am Fernsprechverkehr nutzen dann das europäische Netz, um nach Hause zu telefonieren. Ihr Beitrag zum Aufbau des europäischen Netzes ist dabei wie hoch? Mit dem anderen Beispiel "Luxemburg" hatte ich schon eine sehr ähnliche Frage gestellt.

Der Beitrag am Aufbau der Netze ist so hoch wie die Gebühren, die sie zur Nutzung der Netze bezahlen müssen.

Die politisch auf Landesgrenzen ausgerichteten Preise werden durch Dauer-Roaming praktisch ausgehebelt, was auch ich freudig begrüße. Aber ein am technischen Aufwand ausgerichteter Gesprächspreis wäre wohl sinnvoll. Vor allen würde so ein Wettbewerb um die preisgünstigste technische Lösung entbrennen.... was ja immer gut ist.

Da muß die EU aufräumen, und zwar aus Gründen der gleichen Belastung aller Europäer. Soziale Leistungen müssen auf den dafür geplanten Schienen laufen... so jedenfalls nicht!

Also ich find's gut und fair. Wir haben ja ein Oligopol, wo vier, fünf mächtige Betreiber quasi ganz Europa dominieren. Und die profitieren extrem davon, dass sie mal eben Betriebe in anderen Ländern übernehmen und mit Synergieeffekten beim technischen Netzausbau massiv an Geld sparen und so ihre Gewinne erhöhen. Wenn freier Binnenmarkt, dann eben für alle. Für die Konzerne hat man längst die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür festgelegt, nun langsam auch für die Bürger. Eigentlich sollte es ja andersrum sein, aber besser als nichts.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Do 22. Sep 2016, 19:25

frems hat geschrieben:(22 Sep 2016, 15:30)

... Nochmal: warum sollte ein Gespräch von Hamburg nach Kopenhagen viel höhere Netzgebühren verlangen als von Hamburg nach München?

Mit dieser Frage zielen Sie aber an der Kernfrage "Technischer Aufwand" vorbei. Von HH nach Kopenhagen wird vielleicht ein Satellit benötigt, von HH nach M Richtfunkstrecken. Wenn der Aufwand gleich hoch ist, dann kostet das eben das Gleiche. Wenn der technische Aufwand unterschiedlich hoch ist, dann sind die Preise für die Verbindung und die Gesprächsdauer unterschiedlich. Wäre für mich logisch und nachvollziehbar. Wenn ein Wettbewerber günstig anbieten kann, weil er seine Verbindungen technisch günstig gestalten konnte... na, dann wechsele ich nach einigem Groll doch den Anbieter. Das wäre für mich eine Dienstleistung im Wettbewerb.

...Für die Konzerne hat man längst die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür festgelegt, nun langsam auch für die Bürger. Eigentlich sollte es ja andersrum sein, aber besser als nichts.

Finde ich auch vernünftig, wobei ich nicht so einfallsreich finde, den technischen Wettbewerb und den technischen Aufwand aus der Kostenbetrachtung heraus zu nehmen.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon frems » Fr 23. Sep 2016, 14:37

H2O hat geschrieben:(22 Sep 2016, 20:25)

Mit dieser Frage zielen Sie aber an der Kernfrage "Technischer Aufwand" vorbei. Von HH nach Kopenhagen wird vielleicht ein Satellit benötigt, von HH nach M Richtfunkstrecken.

Eben nicht. Die Verbindungen sind grenzüberschreitend. Da wird kein Satellit benötigt.

Wenn der Aufwand gleich hoch ist, dann kostet das eben das Gleiche. Wenn der technische Aufwand unterschiedlich hoch ist, dann sind die Preise für die Verbindung und die Gesprächsdauer unterschiedlich. Wäre für mich logisch und nachvollziehbar.

Genau so sollte es auch sein, aber so ist es leider nicht. Die Roaminggebühren resultieren nicht aus höheren Betriebskosten für transnationale Gespräche. Genau deshalb handelt ja die EU.

Wenn ein Wettbewerber günstig anbieten kann, weil er seine Verbindungen technisch günstig gestalten konnte... na, dann wechsele ich nach einigem Groll doch den Anbieter. Das wäre für mich eine Dienstleistung im Wettbewerb.

Leider haben wir noch immer ein Oligopol mehrerer Milliardenkonzerne, die diesen Wettbewerb im Einklang ablehnen.

Finde ich auch vernünftig, wobei ich nicht so einfallsreich finde, den technischen Wettbewerb und den technischen Aufwand aus der Kostenbetrachtung heraus zu nehmen.

Er wird nicht herausgenommen, sondern in den Mittelpunkt gestellt. Die Netze sind alle miteinander verbunden. Das ist die selbe Technik der selben Betreiber. Ein Telefonat von Wien nach Bratislava geht nicht über Satelliten. Wie sich die Preise entwickeln, unterliegt den Oligopolisten. Und ich glaube nicht, dass es so wie bei Briefmarken sein wird, wo eine Postkarte von der Zugspitze nach Helgoland so viel kostet wie von Charlottenburg nach Wilmersdorf. Vielleicht gibt's dann Reichweiten oder so als Bemessungsgrundlage.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Fr 23. Sep 2016, 16:58

frems hat geschrieben:(23 Sep 2016, 15:37)

Eben nicht. Die Verbindungen sind grenzüberschreitend. Da wird kein Satellit benötigt.


Genau so sollte es auch sein, aber so ist es leider nicht. Die Roaminggebühren resultieren nicht aus höheren Betriebskosten für transnationale Gespräche. Genau deshalb handelt ja die EU.


Leider haben wir noch immer ein Oligopol mehrerer Milliardenkonzerne, die diesen Wettbewerb im Einklang ablehnen.


Er wird nicht herausgenommen, sondern in den Mittelpunkt gestellt. Die Netze sind alle miteinander verbunden. Das ist die selbe Technik der selben Betreiber. Ein Telefonat von Wien nach Bratislava geht nicht über Satelliten. Wie sich die Preise entwickeln, unterliegt den Oligopolisten. Und ich glaube nicht, dass es so wie bei Briefmarken sein wird, wo eine Postkarte von der Zugspitze nach Helgoland so viel kostet wie von Charlottenburg nach Wilmersdorf. Vielleicht gibt's dann Reichweiten oder so als Bemessungsgrundlage.


Ja, mit dem gemeinsamen Netz haben wir die Betreiber aber am Schlafittchen. Dann muß der Netzbetreiber eben seinen Zähler tickern lassen und den Nutzern, hier also den Dienstleistern, die Kosten in Rechnung stellen. Die Leistung der Post ist sicher nicht gleich, wenn ein Brief von Hallig Hooge zur Zugspitze oder innerhalb Einbecks befördert wird. Also hatte man einen "politischen" Mischpreis verordnet. Und dann kam die "Citypost"...

Mir schwant, daß jetzt mit den wenigen Anbietern ein ähnlicher Mischpreis angesteuert wird: Roaming mit den Azoren nicht teurer als Gespräch in Düsseldorf. Toll, wenn die Preise von den Leistungen politisch abgekoppelt werden. Na ja, wer Eigentümer der Netze ist...

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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon frems » Fr 23. Sep 2016, 17:23

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2016, 17:58)

Ja, mit dem gemeinsamen Netz haben wir die Betreiber aber am Schlafittchen. Dann muß der Netzbetreiber eben seinen Zähler tickern lassen und den Nutzern, hier also den Dienstleistern, die Kosten in Rechnung stellen. Die Leistung der Post ist sicher nicht gleich, wenn ein Brief von Hallig Hooge zur Zugspitze oder innerhalb Einbecks befördert wird. Also hatte man einen "politischen" Mischpreis verordnet. Und dann kam die "Citypost"...

Mir schwant, daß jetzt mit den wenigen Anbietern ein ähnlicher Mischpreis angesteuert wird: Roaming mit den Azoren nicht teurer als Gespräch in Düsseldorf. Toll, wenn die Preise von den Leistungen politisch abgekoppelt werden. Na ja, wer Eigentümer der Netze ist...

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Einfach eine Flatrate kaufen. Ich geh eh davon aus, dass nur ein winziger Prozentsatz aller Mobiltelefonate international sind, sodass sich das kaum auswirkt.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Sa 24. Sep 2016, 08:23

frems hat geschrieben:(23 Sep 2016, 18:23)

Einfach eine Flatrate kaufen. Ich geh eh davon aus, dass nur ein winziger Prozentsatz aller Mobiltelefonate international sind, sodass sich das kaum auswirkt.


Es sieht so aus, als ob pre-paid-SIMs die günstigste Möglichkeit sind, etwa mit angepassten Zusatzpaketen. Leider sind diese Pakete sehr unterschiedlich ausgelegt, aber Supermarkt-Ketten bieten da ganz erstaunliche Leistungen an! Da können Privatleute sich schwindelig quatschen fast ohne Kosten!

In meinem Fall brauche ich aber Auslandsverbindungen; gebührentechnisch muß man dabei bis zu 16 Fälle unterscheiden: 2 Teilnehmer, Anrufen, angerufen werden, Land A, Land B, SIM aus A, SIM aus B.

Hach, wäre das schön, wenn die EU nur Inland wäre!
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon frems » Sa 24. Sep 2016, 18:59

H2O hat geschrieben:(24 Sep 2016, 09:23)
Hach, wäre das schön, wenn die EU nur Inland wäre!

Na, darum geht's doch so langsam. Roaminggebühren fallen schon mal weg. Dann warten wir noch drei Jährchen und man kann sich überall in Europa einen Mobilfunkvertrag holen, egal wo man seinen Wohnsitz hat und häufig telefoniert.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon Raskolnikof » Mi 25. Jan 2017, 15:25

H2O hat geschrieben:Wäre es nicht vernünftiger, diese Gesellschaften zu EU-weit einheitlichen Preisen je Gesellschaft zu verdonnern und diesen ganzen Kontrollkram mit den 90 Tagen zu vergessen?

Nein, auch die Kommunikationsanbieter richten sich bei ihren Preisen nach der jeweiligen Kaufkraft des Landes und der Einkommenssituation der Verbraucher. Bei einem einheitlichen Preis in der gesamten EU müssten zwangsläufig die Bürger in den Einkommensschwachen Ländern wie Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien u.a. mehr bezahlen. Oder bist du aus Solidarität bereit, freiwillig diese Länder mit höheren Komminikationskosten zu subventionieren?
Zudem ist es nun einmal so, dass in den genannten Ländern Waren und Dienstleistungen günstiger sind als bei uns, weil sie dort auch mit weniger Geld erbracht werden. Zu Recht würde da ein Pole fragen, warum er die hohen Lohnkosten bei uns mit höheren Kommunikationskosten in seinem Land mitfinanzieren soll.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon Raskolnikof » Mi 25. Jan 2017, 15:38

frems hat geschrieben:Na, darum geht's doch so langsam. Roaminggebühren fallen schon mal weg. Dann warten wir noch drei Jährchen und man kann sich überall in Europa einen Mobilfunkvertrag holen, egal wo man seinen Wohnsitz hat und häufig telefo-niert.

Klar kannst du das. Allerdings gibt es ein ganz großes ABER:
Die neue Roaming-Verordnung sieht nämlich zum Schutz der Mobilfunkanbieter gewisse Sonderregelungen vor. Danach können Zusatzkosten ab einem bestimmten Nutzungsvolumen weiterhin erhoben werden, um zu verhindern, dass Kunden eine günstigere SIM-Card im Ausland erwerben und dauerhaft im Inland nutzen. Der Grenzwert dieses unzulässigen Volumens steht noch zur Diskussion.

Du kannst ganz sicher sein: Billiges telefonieren auf Dauer mit einer SIM-Karte aus Polen oder einem Billig-Balkanstaat wird es nicht geben. Da werden Hürden gesetzt, die diese Lücke für Sparfüchse unattraktiv machen werden.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Mi 25. Jan 2017, 22:00

Raskolnikof hat geschrieben:(25 Jan 2017, 15:25)

Nein, auch die Kommunikationsanbieter richten sich bei ihren Preisen nach der jeweiligen Kaufkraft des Landes und der Einkommenssituation der Verbraucher. Bei einem einheitlichen Preis in der gesamten EU müssten zwangsläufig die Bürger in den Einkommensschwachen Ländern wie Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien u.a. mehr bezahlen. Oder bist du aus Solidarität bereit, freiwillig diese Länder mit höheren Komminikationskosten zu subventionieren?
Zudem ist es nun einmal so, dass in den genannten Ländern Waren und Dienstleistungen günstiger sind als bei uns, weil sie dort auch mit weniger Geld erbracht werden. Zu Recht würde da ein Pole fragen, warum er die hohen Lohnkosten bei uns mit höheren Kommunikationskosten in seinem Land mitfinanzieren soll.


Selbstverständlich kann ich solche Gesichtspunkte einsehen. Mich hat bisher aber noch kein Pole dafür beschimpft, daß Kraftstoff in Polen nicht dramatisch billiger ist als in Deutschland. Mein Internetvertrag kostet in Polen bei t-mobile 2/3 des deutschen Preises von t-online. Ok, die MWSt von 23% gegen die deutschen 19% muß man dabei auch noch bedenken.

Also, ich glaube immer noch, daß da ein Haufen Willkür im Spiel ist. Die EU sollte das gerade ziehen, genau wie diese alberne Mautgestaltung in der EU. Wir wollen doch überall annähernd gleiche Lebensbedingungen schaffen. Mit solchen "Kleinigkeiten" fängt die Sache wohl an.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon Raskolnikof » Mi 25. Jan 2017, 23:35

Ich denke, dass man sich nicht überall nur die Rosinen herauspicken kann. Nun ausgerechnet ein Niedriglohnland wie Polen zum Preisvergleich heranzuziehen und zu fordern, dass die Polen quasi unser Handynetz mitfinanzieren sollen ist nicht ganz fair. Schließlich profitieren wir Verbraucher sehr von den deutschen Industriestandorten in Polen und anderen Billiglohnländern. Lass doch den Polen mit deinem Job aber halben Einkommen etwas billiger telefonieren. Das macht dich nicht arm.
Im übrigen geht es uns vergleichsweise doch sehr gut:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/servic ... 40064.html
Wer anderen eine Bratwurst brät der hat ein Bratwurstbratgerät.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon Texas41 » Do 26. Jan 2017, 09:41

Ich finde die Mobilfunkpreise in Deutschland doch schon recht günstig. Ich komme mit 15 Euro Prepaid-Guthaben ein ganzes Jahr aus! Warum man um die Roaming-Gebühren so einen Terz macht, erschließt sich mir überhaupt nicht. Vielleicht 1-2 Mal im Jahr im durchschnitt ist der Deutsche im Urlaub im Ausland und dann ist es mMn nicht zu viel verlangt, seine Kommunikation bewußt zu führen und die höheren Gebühren im Hinterkopf zu haben.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Do 26. Jan 2017, 10:34

Raskolnikof hat geschrieben:(25 Jan 2017, 23:35)

Ich denke, dass man sich nicht überall nur die Rosinen herauspicken kann. Nun ausgerechnet ein Niedriglohnland wie Polen zum Preisvergleich heranzuziehen und zu fordern, dass die Polen quasi unser Handynetz mitfinanzieren sollen ist nicht ganz fair. Schließlich profitieren wir Verbraucher sehr von den deutschen Industriestandorten in Polen und anderen Billiglohnländern. Lass doch den Polen mit deinem Job aber halben Einkommen etwas billiger telefonieren. Das macht dich nicht arm.
Im übrigen geht es uns vergleichsweise doch sehr gut:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/servic ... 40064.html


Das sehe ich ganz genau so: Kein Grund für ernsthafte Unzufriedenheit. Allerdings meine ich doch, daß die EU dort ein Feld für "mehr Europa" hätte, das allseits bemerkt und anerkannt würde. Ich hätte gern eine einzige Telefonnummer innerhalb der EU, und weniger gern zwei oder drei. Wenn ich in Polen bin, stecke ich eben ein anderes prepaid-Kärtchen ein und telefoniere dann zu polnischen Kosten. Vielleicht gibt es immer noch Mobiltelefone mit 2 Kärtchen... das wär's dann doch.
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon H2O » Do 26. Jan 2017, 10:40

Texas41 hat geschrieben:(26 Jan 2017, 09:41)

Ich finde die Mobilfunkpreise in Deutschland doch schon recht günstig. Ich komme mit 15 Euro Prepaid-Guthaben ein ganzes Jahr aus! Warum man um die Roaming-Gebühren so einen Terz macht, erschließt sich mir überhaupt nicht. Vielleicht 1-2 Mal im Jahr im durchschnitt ist der Deutsche im Urlaub im Ausland und dann ist es mMn nicht zu viel verlangt, seine Kommunikation bewußt zu führen und die höheren Gebühren im Hinterkopf zu haben.


Ja, das stimmt schon. Ein unnötiger Fummelaufwand wäre aber zu vermeiden, wenn man häufig die Grenzen überschreitet. Ich finde es nicht benutzerfreundlich, wenn ich dabei immer wieder das Tarifgerüst des Anbieters im Hinterkopf haben muß. Machbar ist das schon; aber sinnvoll? Mag natürlich sein, daß bei zentraler Wohnlage oder Unlust, sich im Nachbarland herum zu treiben, dieser Gesichtspunkt geringere Bedeutung hat. Mir ist eben nach "mehr Europa" zu Mute!
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Re: Mobilfunk-Roaming in der EU

Beitragvon Texas41 » Do 26. Jan 2017, 12:24

H2O hat geschrieben:(26 Jan 2017, 10:40)

Ja, das stimmt schon. Ein unnötiger Fummelaufwand wäre aber zu vermeiden, wenn man häufig die Grenzen überschreitet. Ich finde es nicht benutzerfreundlich, wenn ich dabei immer wieder das Tarifgerüst des Anbieters im Hinterkopf haben muß. Machbar ist das schon; aber sinnvoll? Mag natürlich sein, daß bei zentraler Wohnlage oder Unlust, sich im Nachbarland herum zu treiben, dieser Gesichtspunkt geringere Bedeutung hat. Mir ist eben nach "mehr Europa" zu Mute!


Klar - für diejenigen, die berufsbedingt viel im Ausland unterwegs sind, sieht das natürlich anders aus. Das verstehe ich! Aber auch, wenn im Grenzland wohnt und einmal öfter im Nachbarland weilt, muß man dort doch nicht ständig surfen oder telefonieren!

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