Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

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H2O
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Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 25. Feb 2016, 21:24

Seit etlichen Tagen geht eine Auseinandersetzung der
iPhone-Hersteller mit dem amerikanischen FBI über
den Zugang zum iPhone eines islamistischen Terroristen,
der während seines Mordanschlags in Kalifornien 28
Menschen getötet hatte, bevor er selbst durch die Polizei
niedergeschossen und getötet wurde.

Das FBI will nun seine Kontakte aus dem Telefon auslesen,
um mögliche Terrorverbindungen zu ermitteln. Der Zugang
zu diesen Daten ist mit unbekanntem Passwort geschützt,
und bei 4-fach fehlerhaft eingegebenen Passwort wird der
Dateninhalt des iPhones automatisch gelöscht.

Das FBI hat angeblich keine Möglichkeiten, an diese
gespeicherten Daten im iPhone auf andere Weise heran zu
kommen. Der Hersteller weigert sich, diesen Zugang bereit
zu stellen, weil so dem Staat oder anderen Stellen ein
Zugang zu persönlichen Daten des Telefonbesitzers ermöglicht
werde.

Das geht nun schon einige Tage so hin und her, auch nach
richterlicher Verfügung, hier den Zugang zu ermöglichen,
und inzwischen will der Hersteller das Verfassungsgericht
einschalten.

Mir geht das Geseiere in den Nachrichten inzwischen sehr auf
die Nerven. Jetzt habe ich den Verdacht, daß es da nicht um
Leib und Leben von künftigen Terroropfern geht, sondern um
einen riesigen Werbungsknüller für das iPhone, zumal schon
angekündigt wurde, daß nun die Entwickler des iPhones noch
bessere Schutzverfahren für das iPhone entwickeln wollen.
Präsident Obama wurde auch schon in das Thema verwickelt.

Aus meiner Sicht müssten die USA schlicht ein Verkehrsverbot
für dieses Spielzeug für unreife Leute erlassen, wenn das Unter-
nehmen die kriminaltechnische Zusammenarbeit in diesem Fall
weiterhin standhaft verhindern will.

Wie sehen Sie diesen "Dauerbrenner" in den Nachrichten?
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Dampflok94
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon Dampflok94 » Fr 26. Feb 2016, 09:50

H2O hat geschrieben:(25 Feb 2016, 21:24)
Aus meiner Sicht müssten die USA schlicht ein Verkehrsverbot
für dieses Spielzeug für unreife Leute erlassen, wenn das Unter-
nehmen die kriminaltechnische Zusammenarbeit in diesem Fall
weiterhin standhaft verhindern will.

Wie sehen Sie diesen "Dauerbrenner" in den Nachrichten?

Wenn man Datenschutz für irrelevant hält, dann kann man das so sehen.

Es gibt hier eine Abwägungsfrage zwischen Datenschutz und den Interessen der Strafverfolgungsbehörden. Wo man sich da verortet, muß jeder selbst wissen. Eines muß jedem klar sein. Wenn ein solches Hackprogramm erst mal in der Welt ist, wird es auch genutzt werden. Und das nicht nur von den "Guten".
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 26. Feb 2016, 09:55

Was hat das noch mit Datenschutz zu tun? Apple sollte in dem Fall kooperieren und die Daten zur Verfügung stellen, schließlich handelt es sich um Ermittlungen gegen einen Massenmörder. Am Ende wird Apple auch einlenken, aber diese Marketingmaßnahme mussten sie wohl mitnehmen.
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H2O
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Fr 26. Feb 2016, 10:47

Dampflok94 hat geschrieben:(26 Feb 2016, 09:50)

Wenn man Datenschutz für irrelevant hält, dann kann man das so sehen.

Es gibt hier eine Abwägungsfrage zwischen Datenschutz und den Interessen der Strafverfolgungsbehörden. Wo man sich da verortet, muß jeder selbst wissen. Eines muß jedem klar sein. Wenn ein solches Hackprogramm erst mal in der Welt ist, wird es auch genutzt werden. Und das nicht nur von den "Guten".


Ja, dieser Zwiespalt besteht natürlich immer wieder;
was ich auch nicht so doll fände, das wäre eine SW,
die dann Dritte mißbrauchen könnten, um sozusagen
nach Belieben Telefone aus zu spähen.

Aber im Fall von bandenmäßigem Terror und Mord-
anschlägen müssen solche Bedenken doch zurück
stehen. Der iPhone-Hersteller müsste aus meiner
Sicht dem FBI die Daten aushändigen, wenn er tat-
sächlich einen Zugang dazu hätte. Ich würde auch ver-
langen, daß künftig dem Hersteller ein solcher Zugang
möglich ist, als Betriebsgeheimnis aufbewahrt mit
der notwendigen Verschlüsselung.

Es kann nicht angehen, daß ein Hersteller sich über
den Staat stellt, der ihm überhaupt die Möglichkeit
erst verschafft, solche Geräte zu entwickeln und zu
vermarkten.

Ich meine nach wie vor, daß hier Staat und Unternehmen
einen ganz wunderbaren Werbungsknüller gnadenlos
weltweit ausbreiten!

Ich würde auf jeden Fall darauf dringen, daß solche
Geräte hier nicht eingeführt und betrieben werden dürfen,
wenn im Fall von schwerwiegenden bandenmäßigen Ver-
brechen damit eine Strafverfolgung und Aufklärung ganz
ausgeschlossen ist. So viel Zusammenarbeit zwischen
Hersteller und Strafverfolgungsbehörden muß doch
sein!
Zuletzt geändert von H2O am Fr 26. Feb 2016, 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Fr 26. Feb 2016, 10:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(26 Feb 2016, 09:55)

Was hat das noch mit Datenschutz zu tun? Apple sollte in dem Fall kooperieren und die Daten zur Verfügung stellen, schließlich handelt es sich um Ermittlungen gegen einen Massenmörder. Am Ende wird Apple auch einlenken, aber diese Marketingmaßnahme mussten sie wohl mitnehmen.


Ja, das sehe ich genau so... immerhin kommt
diese Geschichte mehrfach am Tage in den
Nachrichten, immer brav mit dem Markennamen
des Herstellers von i Phones.

Ich frage mich natürlich auch, was der Wettbewerb
in Ostasien in dieser Art vorhält...
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon Dampflok94 » Fr 26. Feb 2016, 16:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(26 Feb 2016, 09:55)

Was hat das noch mit Datenschutz zu tun? Apple sollte in dem Fall kooperieren und die Daten zur Verfügung stellen, schließlich handelt es sich um Ermittlungen gegen einen Massenmörder. Am Ende wird Apple auch einlenken, aber diese Marketingmaßnahme mussten sie wohl mitnehmen.

Was das mit Datenschutz zu tun hat? Ist diese Frage wirklich ernst gemeint? Oder glaubst Du wirklich, es ginge nur um diesen einen Fall. Diese Naivität traue ich dir allerdings nicht zu.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon jack000 » Fr 26. Feb 2016, 17:27

Dampflok94 hat geschrieben:(26 Feb 2016, 16:56)

Was das mit Datenschutz zu tun hat? Ist diese Frage wirklich ernst gemeint? Oder glaubst Du wirklich, es ginge nur um diesen einen Fall. Diese Naivität traue ich dir allerdings nicht zu.

Hängt das nicht davon ab wie man das macht? Ich bin da kein Fachmann aber wenn die das Gerät an Apple geben und die holen die Nummern raus und übergeben die der Polizei ist es doch was anderes als wenn sie der Polizei ein Gerät oder sonstwas in die Hand geben mit denen Man die Codes knacken kann.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon DK2008 » Mi 2. Mär 2016, 21:12

jack000 hat geschrieben:(26 Feb 2016, 17:27)

Hängt das nicht davon ab wie man das macht? Ich bin da kein Fachmann aber wenn die das Gerät an Apple geben und die holen die Nummern raus und übergeben die der Polizei ist es doch was anderes als wenn sie der Polizei ein Gerät oder sonstwas in die Hand geben mit denen Man die Codes knacken kann.

Auch Apple selbst ist derzeit nicht in der Lage das iPhone auszulesen. Das ist ja gerade der Sinn an der eingebauten Verschlüsselung: Ohne den Code kommt man nicht ran. Alle Daten, auf die Apple Zugriff hat wurden bereits an das FBI herausgegeben. Apple hat dem FBI auch verraten, wie man an die übrigen Daten rankommen könnte. Diesen Weg hat das FBI jedoch durch eigene Fehler verbaut und das lässt sich auch nicht rückgängig machen.

Und nun verlangt man von Apple eine Version der iPhone-Software zu programmieren, die einige Sicherheitsfunktionen abschaltet, damit der Code durch das FBI "leichter" geknackt werden kann. Das Knacken des Codes müsste immer noch das FBI selbst erledigen. Und falls das gelingt, könnte man mit der von Apple gelieferten Software dann prinzipiell jedes iPhone knacken. Mal ganz davon abgesehen, dass die Entwicklung der Software für Apple einen nicht unerheblichen Aufwand darstellt. Insofern kann ich schon verstehen, dass Apple da nicht so einfach mitspielt...
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 10:50

DK2008 hat geschrieben:(02 Mar 2016, 21:12)

Auch Apple selbst ist derzeit nicht in der Lage das iPhone auszulesen. Das ist ja gerade der Sinn an der eingebauten Verschlüsselung: Ohne den Code kommt man nicht ran. Alle Daten, auf die Apple Zugriff hat wurden bereits an das FBI herausgegeben. Apple hat dem FBI auch verraten, wie man an die übrigen Daten rankommen könnte. Diesen Weg hat das FBI jedoch durch eigene Fehler verbaut und das lässt sich auch nicht rückgängig machen.

Und nun verlangt man von Apple eine Version der iPhone-Software zu programmieren, die einige Sicherheitsfunktionen abschaltet, damit der Code durch das FBI "leichter" geknackt werden kann. Das Knacken des Codes müsste immer noch das FBI selbst erledigen. Und falls das gelingt, könnte man mit der von Apple gelieferten Software dann prinzipiell jedes iPhone knacken. Mal ganz davon abgesehen, dass die Entwicklung der Software für Apple einen nicht unerheblichen Aufwand darstellt. Insofern kann ich schon verstehen, dass Apple da nicht so einfach mitspielt...


In diesen Fragen muß man abwägen, was den
höheren Stellenwert hat: Der Ermittlungserfolg
gegen mordende Verbrecherbanden oder der
Geheimschutz der Allgemeinheit.

Wenn man den Staat als seinen Feind versteht,
dann ist die Entscheidung klar. In diesem Fall muß
der Staat Nutzung und Vermarktung solcher
Produkte verbieten und mit Strafe belegen.

Oder der Hersteller sorgt dafür, daß das Produkt
eine staatliche Ermittlung zulässt, meinetwegen
mit Hilfe eines Mehrfachschlüssels von Unternehmen,
Staatspräsident und Oberstem Richter...

Damit zieht das Produkt aber ein Verkehrsverbot in
Drittstaaten nach sich.

Ich bleibe bei meinem Verdacht, daß da ein riesiges
Werbungsmanöver für den Hersteller dieses Produkts
inszeniert wird. Mich wundert tatsächlich, daß sich
der Deutsche Bundestag zu solchen Grundsatzfragen
überhaupt nicht äußert.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon garfield336 » Do 3. Mär 2016, 10:52

Für Apple ist das eine existenzielle Frage. Erlauben sie ein Hintertürchen für FBI und CIA, dann wird das ausserhalb der USA nicht unbedingt zu einem Verkaufsargument werden.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 13:11

garfield336 hat geschrieben:(03 Mar 2016, 10:52)

Für Apple ist das eine existenzielle Frage. Erlauben sie ein Hintertürchen für FBI und CIA, dann wird das ausserhalb der USA nicht unbedingt zu einem Verkaufsargument werden.


Dann bleibt doch die Frage, ob es solche Produkte
auf dem Markt überhaupt geben sollte. Mein gutes altes
Notizbuch musste ich auch gut aufbewahren. Es
kann doch nicht wahr sein, daß jemand Produkte her-
stellt, mit denen Mörderbanden ihre ansonsten jederzeit
zugreifbaren Kontakte verbergen können, obwohl sie
höchstwahrscheinlich in diesem Produkt aufgelistet sind!
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon garfield336 » Do 3. Mär 2016, 13:36

H2O hat geschrieben:(03 Mar 2016, 13:11)

Dann bleibt doch die Frage, ob es solche Produkte
auf dem Markt überhaupt geben sollte. Mein gutes altes
Notizbuch musste ich auch gut aufbewahren. Es
kann doch nicht wahr sein, daß jemand Produkte her-
stellt, mit denen Mörderbanden ihre ansonsten jederzeit
zugreifbaren Kontakte verbergen können, obwohl sie
höchstwahrscheinlich in diesem Produkt aufgelistet sind!


Sollen sie denn ein Produkt herrstellen, wo Mörderbanden Zugriff auf private Personen bekommen und somit ihre Zielperson schneller lokalisieren können.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 13:40

garfield336 hat geschrieben:(03 Mar 2016, 13:36)

Sollen sie denn ein Produkt herrstellen, wo Mörderbanden Zugriff auf private Personen bekommen und somit ihre Zielperson schneller lokalisieren können.


Wenn Mörderbanden Staatscharakter haben,
dann ist es ohnehin für alles zu spät, was durch
solche Mätzchen geschützt werden soll.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon garfield336 » Do 3. Mär 2016, 13:42

Was heisst hier Staatscharakter? Wenn es eine Hintertür gibt, dann gibt es eine Hintertür.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 13:58

garfield336 hat geschrieben:(03 Mar 2016, 13:42)

Was heisst hier Staatscharakter? Wenn es eine Hintertür gibt, dann gibt es eine Hintertür.


Nichts dagegen; dann gibt es eben solche
Spielzeuge nicht mehr auf dem Markt... weil
kein Verbrecher sie guten Gewissens nutzen
möchte. ;)
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon garfield336 » Do 3. Mär 2016, 15:01

Ich schaffe dann auch noch das Automobil ab, weil Verbrecher es für Todesfahrten nutzen könnten.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 15:03

garfield336 hat geschrieben:(03 Mar 2016, 15:01)

Ich schaffe dann auch noch das Automobil ab, weil Verbrecher es für Todesfahrten nutzen könnten.


Da bringen Sie mich ja auf einen guten Gedanken!
Vermeiden von Autobomben in Irak oder Syrien...
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon MG-42 » Do 3. Mär 2016, 16:34

Apple beteiligt sich schon an Prism, dem NSA Programm und es geht hier nicht um Marketing, eine Backdoor würde auch von Diktaturen und Maleware benutzt werden, de facto will das FBI unendliche Rateversuche für den Code, sprich nach 9999 versuchen ist jeder drin. Die meisten Datenschutzexperten unterstützen Apple, informiert euch erst mal anstatt die FBI Propaganda zu glauben, das ist keine Marketing Frage.
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 18:12

MG-42 hat geschrieben:(03 Mar 2016, 16:34)

Apple beteiligt sich schon an Prism, dem NSA Programm und es geht hier nicht um Marketing, eine Backdoor würde auch von Diktaturen und Maleware benutzt werden, de facto will das FBI unendliche Rateversuche für den Code, sprich nach 9999 versuchen ist jeder drin. Die meisten Datenschutzexperten unterstützen Apple, informiert euch erst mal anstatt die FBI Propaganda zu glauben, das ist keine Marketing Frage.


Dann eben nicht! Was mir aber schwer fällt,
das etwa zu glauben. Dennoch ein Unding,
daß ein Hersteller im Schutz eines Staates Vor-
richtungen schafft, die diesem Staat keinen Zugriff
auf verfügbare Daten zulässt, hier insbesondere
bei der Ermittlung gegen mordbesessene Ver-
brecherbanden.

Einen ähnlichen Zwiespalt könnte man herbei
reden beim Bankgeheimnis in Verbindung mit
Steuerbetrug.
DK2008
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Re: Schutz eines iPhones gegen Spähversuche

Beitragvon DK2008 » Fr 4. Mär 2016, 10:05

H2O hat geschrieben:(03 Mar 2016, 13:11)

Dann bleibt doch die Frage, ob es solche Produkte
auf dem Markt überhaupt geben sollte. Mein gutes altes
Notizbuch musste ich auch gut aufbewahren. Es
kann doch nicht wahr sein, daß jemand Produkte her-
stellt, mit denen Mörderbanden ihre ansonsten jederzeit
zugreifbaren Kontakte verbergen können, obwohl sie
höchstwahrscheinlich in diesem Produkt aufgelistet sind!

Es ist aber wahr...

Verschlüsselung wird heute in vielen bereichen standardmäßig eingesetzt, weil es ein vollkommen legitimes Interesse daran gibt, Informationen vertraulich zu halten: Unternehmen müssen die Laptops, Handys, Festplatten, e.t.c. ihrer Mitarbeiter verschlüsseln um zu verhindern, dass im Falle eines Verlusts oder Diebstahls geheime (und gesetzlich geschützte) Firmen- oder Kundendaten in falsche Hände geraten. Und auch als Privatperson möchte ich vielleicht nicht, dass Jeder meine E-Mail lesen, meine Fotos anschauen oder die Telefonnummern meine Freunde auslesen kann, wenn ich mein Handy irgendwo liegen lasse. Insofern ist es vollkommen nachvollziehbar, dass Apple entsprechende Sicherheitsfunktionen in seine Produkte einbaut.

Und Verschlüsselung gibt es nur ganz oder gar nicht! Entweder ist die Verschlüsselung gut, dann kommt Niemand ran (auch nicht der Staat), oder sie ist schlecht, dann kommt (praktisch) Jeder an die Daten (auch der technikbegeisterte Nachbarsjunge). Einen Mittelweg gibt es da prinzipiell nicht. Es gab schon in den 90ern die Idee, zu Verschlüsselungstechnologien grundsätzlich eine Art Generalschlüssel bei staatlichen Stellen zu hinterlegen um den Zugriff durch Ermittlungsbehörden zu ermöglichen. Diese Idee konnte sich damals aus guten Gründen nicht durchsetzen, wird aber nach schweren Straftaten immer wieder ausgegraben.

Der Zug ist aber sowieso längst abgefahren. Der Zugang zu starker Krypto-Technik ist heutzutage für Jedermann kostenlos, frei und überall verfügbar. Jeder ist damit prinzipiell in der Lage seine Daten ohne großen Aufwand NSA/FBI/BKA-sicher zu verschlüsseln. Damit müssen sich Ermittlungsbehörden einfach abfinden. Es wird immer mal wieder vorkommen, dass man an gewisse Daten eben nicht rankommt. Das ist jetzt aber nichts wirklich neues: Wenn Jemand früher sein Notizbuch rechtzeitig verbrannt hat, kam das FBI auch nicht mehr an die Daten ran. Deswegen hat man auch keine Feuerzeuge verboten...

Wenn man Verschlüsselung in kommerziellen Produkten verbietet, fällt der sinnvolle Schutz für "Normalos" weg und die Terroristen/Verbrecher/etc nutzen frei-verfügbare Krypto-technik. Damit kommt das FBI beim nächsten mal dann genausowenig an die Daten ran und Niemand hätte Etwas gewonnen. Insofern wäre das Quatsch. Dem Staat bleiben auch trotz Verschlüsselung ausrecihend andere Ermittlungsmöglichkeiten. Durch die Nutzung von Informationstechnologie sind diese Möglichkeiten sogar noch viel größer geworden als früher. Da wird man es verkraften können, dass man in bestimmten Fällen ein Handy mal nicht auslesen kann.

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