Finanzierung kostenloser Software

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Shoogar
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Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon Shoogar » Fr 4. Jul 2008, 19:33

Sicherlich gibt es eine stattliche Anzahl ambitionierter Hobby - Programmierer oder Studenten, die das eine oder andere Tool als Public Domain oder wenigstens zeitweise nutzbar als Shareware anbieten.
Zu meinen Amiga-Zeiten gab es da die sogenannten Fish-Disks, auf denen zum Teil recht gute Software quasi zum Preis einer Diskette ( :mrgreen: ) angeboten wurde.

Wie aber wird eine so umfangreiche Software wie zB. der Firefox mit all seinen Erweiterungen und Aktualisierungen finanziert?
Ich meine solch ein Projekt betreibt man ja nicht gerade am Feierabend?
Das Leben auf der Erde mag teuer sein, aber eine jährliche Rundreise um die Sonne ist gratis mit dabei.
http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=27&t=353
garfield335

Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon garfield335 » Fr 4. Jul 2008, 19:40

Shoogar hat geschrieben:Sicherlich gibt es eine stattliche Anzahl ambitionierter Hobby - Programmierer oder Studenten, die das eine oder andere Tool als Public Domain oder wenigstens zeitweise nutzbar als Shareware anbieten.
Zu meinen Amiga-Zeiten gab es da die sogenannten Fish-Disks, auf denen zum Teil recht gute Software quasi zum Preis einer Diskette ( :mrgreen: ) angeboten wurde.

Wie aber wird eine so umfangreiche Software wie zB. der Firefox mit all seinen Erweiterungen und Aktualisierungen finanziert?
Ich meine solch ein Projekt betreibt man ja nicht gerade am Feierabend?


So

http://www.mozilla.org/foundation/donate.html :hat:


Aber es gibt natürlich auch einige grosse Firmen die mitwirken., Der Grund für deren Einsatz kann vielfältig sein. Nach meinem Wissen beteiligt sich Google finanziell an Firefox.
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eifelbauer
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Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon eifelbauer » Sa 5. Jul 2008, 07:35

Shoogar hat geschrieben:Sicherlich gibt es eine stattliche Anzahl ambitionierter Hobby - Programmierer oder Studenten, die das eine oder andere Tool als Public Domain oder wenigstens zeitweise nutzbar als Shareware anbieten.
Zu meinen Amiga-Zeiten gab es da die sogenannten Fish-Disks, auf denen zum Teil recht gute Software quasi zum Preis einer Diskette ( :mrgreen: ) angeboten wurde.

Wie aber wird eine so umfangreiche Software wie zB. der Firefox mit all seinen Erweiterungen und Aktualisierungen finanziert?
Ich meine solch ein Projekt betreibt man ja nicht gerade am Feierabend?


http://www.heise.de/open/Open-Source-Bu ... ikel/76859

Der PC wurde von IBM damals auch als offenes System konzipiert. Was daraus geworden ist wissen wir heute. Ein Billionengeschäft.
Das IBM selbst anfangs ziemlich leer ausgegangen ist lag an deren Fehleinschätzung das Privatleute wohl nie einen PC brauchen werden.
Uhne diesen Lapsus wären wir heute computertechnisch sicher noch lange nicht so weit weil es garantiert kein offenes System geworden wäre.

Hauptnutznießer dieser Offenheit war wie wir ja alle wissen eine gewisse Firma namens Microsoft.
Die wissen schon warum sie OpenSource so verteufeln.
In so einem System überleben nur die Besten. 8)
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aloa5
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Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon aloa5 » Sa 5. Jul 2008, 09:33

Ich denke einige erhalten auch Geld z.B. über Veröffentlichung von neuen Versionen auf kostenlos beigelegten CD´s der PC-Magazine (die dafür ggfs. durchaus zahlen).
Human ist, was dem Menschen entspricht - nicht was er in lichten Stunden gerne hätte.

Ich twittere neuerdings
. Logicorum-Blog
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eifelbauer
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Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon eifelbauer » Sa 5. Jul 2008, 10:29

aloa5 hat geschrieben:Ich denke einige erhalten auch Geld z.B. über Veröffentlichung von neuen Versionen auf kostenlos beigelegten CD´s der PC-Magazine (die dafür ggfs. durchaus zahlen).


Gute Programmierer erhalten dank Open Source Software spitzenmäßige Jobangebote.
Nicht nur der Programmcode liegt offen sondern auch um den Schöpfer wird nicht so ein Geheimnis gemacht.

Es ist auch nicht so das diese Programmierer alles picklige Teenager sind die zu Hause in Ihrem Kinderzimmer rumwerkeln.

So mögen vielleicht viele angefangen haben aber der Geschäftssinn kommt meist ganz von alleine.
Ein Linus Torvalds braucht sich über Geld keinen Kopf mehr machen.

Open Source ist heute in der globalisierten Welt äußerst wichtig um Standards zu schaffen.
Siehe Open Document und dagegen das unsägliche Rumgeeiere von Microsoft mit OOxml.

das das alles kostenlos sein muß ist wohl das größte Mißverständnis was Open Source betrifft und alleine dem Mangel der englischen Sprache an einem eigenen Wort für "Kostenlos".
Das eine Software frei ist sollte nur bedeiten das der Nutzer damit machen kann was er will und sie beispielsweise seinen Bedürfnissen anpassen darf.
Damit Geld zu verdienen ist in der GPL sogar ausdrücklich erlaubt.
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Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon Mithrandir » Sa 5. Jul 2008, 13:23

Shoogar hat geschrieben:Wie aber wird eine so umfangreiche Software wie zB. der Firefox mit all seinen Erweiterungen und Aktualisierungen finanziert?
Ich meine solch ein Projekt betreibt man ja nicht gerade am Feierabend?

Der Firefox geht zurück auf den allerersten grafischen Webbrowser Mosaic. Aufbauend auf diesem wurde der Netscape Navigator entwickelt. Nachdem Microsoft mit ziemlich fiesen Methoden (die ohne den Regierungswechsel in den USA hin zur Bush-Regierung vermutlich zur Aufspaltung des Konzerns im Kartellverfahren geführt hätten) den Netscape Navigator vom Markt verdrängt hatte, hatte Netscape Mozilla gegründet und den Programmcode ihres Netscape Navigators freigegeben.
Damit gab es die Möglichkeit, dass Menschen und Firmen, die daran interessiert waren, dass das WWW nicht durch eine einzelne Firma (Microsoft) dominiert wird, selbst an der Entwicklung eines guten alternativen Browsers mitarbeiteten. Netscape brachte zukünftige Versionen des Navigators basierend auf Mozilla heraus und unterstützte das Projekt. Als Netscape von AOL gekauft wurde, zog sich die Firma etwas aus dem Projekt zurück. Von AOL kam aber trotdem noch Unterstützung. Heute wird Mozilla und damit der Firefox vor allem von Google finanziert (mit ca. $ 50 Mio. pro Jahr).
Der Grund dafür ist, dass Google ein großes Interesse daran hat, dass das WWW offen bleibt. Es ist z. B. bekannt, dass Microsoft auf den Markt für Websuche und Onlinewerbung drängt. Wenn z. B. eine neue MS-Internet-Explorer-Version eine fest integrierte Suche über die MS-Suchmaschine enthält, dann gehen Google viele Einnahmen verloren, je mehr, umso größer die Verbreitung des MS Internet Explorer ist.
Weiterhin hat Google sehr ambitionierte Pläne im Web, die das Kerngeschäft von Microsoft bedrohen. Google ist dabei aber darauf angewiesen, dass die Webbrowser da mitmachen. Hätte Microsoft eine äußerst dominante Stellung mit dem Internet Explorer, könnten Google dadurch Steine in den Weg gelegt werden. In der jetzigen Situation musste Microsoft (vermutlich zähneknirschend) seinen Internet Explorere um zusätzliche Features erweitern, um nicht noch schneller Marktanteile zu verlieren. Microsoft, dessen Hauptgeschäft immer noch Office und Windows sind hat kein Interesse daran, dass das Betriebssystem durch eine Verlagerung von Anwendungen ins Web unwichtiger wird und schon gar nicht daran, dass Office-Programme webbasiert verfügbar sind. Genau das tut aber Google. Zukünftige Firefox-Versionen werden es erlauben, webbasierte Anwendungen wie z. B. die Web-Office-Anwendungen von Google durch Icons auf dem Desktop zu starten, so wie ganz normale Anwendungen. Auf Unterstützung von Microsoft hätte Google bei soetwas kaum hoffen können...

Manchmal wird freie Software auch finanziert, einfach deshalb weil sie gebraucht wird. Es gibt Firmen, die ihr Geld mit der Entwicklung und dem Verkauf bestimmter Software verdienen. Es gibt aber auch Firmen, die ihr Geld anders verdienen, dafür aber bestimmte Software benötigen. Diese Firmen sind nicht darauf angewiesen, die entwickelte Software zu verkaufen, aber darauf, dass diese Software möglichst gut ist. Da liegt es nahe, auf bestehende Entwicklungen zurückzugreifen oder mit anderen Firmen zu kooperieren.
Die Hollywood-Studios setzen z. B. für die Bearbeitung ihrer Filme eine spezialisierte Grafiksoftware ein, die sie ausgehend von der freien Grafiksoftware GIMP entwickelt haben. Dass andere Filmstudios diese freie Software ebenfalls einsetzen dürfen, stört nicht, im Gegenteil, wenn ein anderes Filmstudio Verbesserungen benötigt und vornimmt, muss es diese aufgrund der Lizenz ebenfalls wieder freigeben. So wird die Software immer besser und alle Beteiligten profitieren.

Ein anderes Geschäftsmodell ist es, freie Software zu entwickeln und anzubieten, aber das Geld durch Dienstleistungen zu verdienen, z. B. durch Support. Gerade bei kommerziellen Kunden spielen die Anschaffungskosten für Software oft eine wesentlich geringere Rolle als die Kosten für Support und Wartung. Daher kann Software auch kostenlos wirtschafltich abgegeben werden. Wenn die Software nicht nur kostenlos ist sondern auch frei, dann ist das ein bedeutender Vorteil, denn jemand, der diese Software einsetzt und sich Verbesserungen wünscht kann einen beliebigen Dienstleister damit beauftragen, diese vorzunehmen. Falls eine Firma den Support einstellt, kann ein beliebiger anderer Dienstleister gewählt werden. Das gibt jemandem, der freie Software einsetzt ein wesentlich größeres Maß an Freiheit und Unabhängigkeit.

Schließlich gibt es noch freie Software, die strategische Zwecke erfüllt. Ein Beispiel dafür ist StarOffice/OpenOffice.org. Ursprünglich war StarOffice das Produkt der kleineren deutschen Firma StarDivision. Sun hat StarDivision gekauft, das Office verbessert und kostenlos angeboten. Schließlich sogar als OpenOffice freigegeben. Aber warum? Sun und Microsoft sind konkurrierende Unternehmen. Suns Hauptgeschäftsfeld sind Server und entsprechende Betriebssysteme. Microsoft ist in diesen Marktbereich eingedrungen. Aber die Firma Sun wusste, wie sie so zurückschlagen konnte, dass es Microsoft wehtut: Im Office-Bereich, wo durch das aufgrund der Abhängigkeit vieler Firmen von den proprietären MS-Dokumentformaten der Verkauf völlig überpreister Produkte möglich ist und Microsoft so eine gigantische Umsatzrendite erzielt. Inzwischen gibt es mit OpenOffice.org nicht nur eine Alternative, die Microsofts Umsätze beeinträchtigt, durch das ISO-standardisierte offene und freie Dokumentenformat ODF ist die Stellung von Microsoft im Office-Markt sogar ganz massiv gefährdet.
Ein anderes Beispiel ist Java. Als Betriebssystem-Hersteller und Konkurrent von Microsoft hat Sun sowohl ein Interesse daran, dass die Bedeutung von MS Windows geringer wird als auch daran, dass möglichst viele Anwendungen auch auf dem eigenen System Solaris laufen.
Mit Java wurde eine Programmiersprache geschaffen, die es ermöglicht, auf einfache Weise Programme zu schreiben, die auf sehr vielen Betriebssystemen lauffähig sind. Zusätzlich gibt es gleich zwei qualitativ extrem hochwertige Entwicklungsumgebungen (eine von Sun, eine von IBM initiiert), die zwar teuer in der Entwicklung waren aber gewährleisten, dass es komfortable Werkzeuge gibt, mit denen Entwickler plattformunabhängige Programme schreiben können.
(Umgekehrt gibt es z. B. auch von Microsoft kostenlose oder sehr günstige Entwicklungsumgebungen, die die Programmierer hervorragend darin unterstützen, Anwendungen zu schreiben, die nur unter MS Windows lauffähig sind... die kostenlose Visual-Studio-Version ist ebenso strategisch (und anders als die vorher genannte freie Software, die jeder nach seinen Bedürfnissen verändern darf, zwar kostenlos aber nicht frei).)
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Re: Finanzierung kostenloser Software

Beitragvon Mithrandir » Sa 5. Jul 2008, 13:26

Für Studenten oder Arbeitssuchende kann sich das Engagement in freien Softwareprojekten auch beruflich lohnen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Firmen von selbst bei solchen Projekten nach fähigen Leuten suchen.

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