Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

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Ebiker
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Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon Ebiker » Mi 7. Mär 2018, 10:58

Vielleicht ist es einigen schon aufgefallen, netzfrequenzgesteuerte Uhren gehen nach da diese z.Zt. leicht unter dem Idealwert von 50Hz liegt. Als Ursache wurde massiver " Stromverlust " in Sebien/Kosovo ermittelt

https://www.entsoe.eu/news-events/announcements/announcements-archive/Pages/News/2018-03-06-press-release-continuing-frequency-deviation-in-the-continental-european-power-system.aspx

Immerhin 116 GWh werden dort unbilanziert entnommen, d.h. geklaut. Da saugt nicht nur Lieschen Müller am Zähler vorbei, da müssen schon größere Abnehmer mit beteiligt sein. Kann diese unkontrollierte Entnahme im Extremfall zu Netzausfällen durch zu niedrige Netzfrequenz führen ? Oder ist die Menge gesamteuropäisch zu gering dazu ?
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Mär 2018, 13:51

Es handelt sich um keinen "Stromklau" sondern darum, dass die im europäischen Verbundnetz festgelegten Regeln zur Einspeisung von Ausgleichsstrom von Serbien und Kosovo nicht eingehalten wurden. Und zwar aufgrund eines Streits über die gegenseitigen Verbindlichkeiten.

Der eigentliche Punkt ist der nach wie vor bestehende ernste politische Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo. Serbien erkennt bekanntermaßen Kosovo nicht als eigenständigen Staat an. Und der überwiegend von Serben bewohnte Norden Kosovo ist de facto Niemandsland. Kosovarische Behörden haben keine Zugriffsmöglichkeiten.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon H2O » Mi 7. Mär 2018, 14:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(07 Mar 2018, 13:51)

Es handelt sich um keinen "Stromklau" sondern darum, dass die im europäischen Verbundnetz festgelegten Regeln zur Einspeisung von Ausgleichsstrom von Serbien und Kosovo nicht eingehalten wurden. Und zwar aufgrund eines Streits über die gegenseitigen Verbindlichkeiten.

Der eigentliche Punkt ist der nach wie vor bestehende ernste politische Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo. Serbien erkennt bekanntermaßen Kosovo nicht als eigenständigen Staat an. Und der überwiegend von Serben bewohnte Norden Kosovo ist de facto Niemandsland. Kosovarische Behörden haben keine Zugriffsmöglichkeiten.


Von diesem Geschäft verstehe ich gar nichts. Wenn auf lange Zeit mehr elektrische Energie nach Serbien/ins Kosovo hineinfließt als zurück kommt, auch in Form von Euronen, dann kann man doch sicher dieses Netz auftrennen. Ist es denn nicht so, daß Rußland auch den Gashahn zudreht, wenn ein Kunde ausdauernd seine Gasrechnung nicht bezahlt?

Warum also ist dieses einseitige Geschäft für die EU-Nachbarn Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien ein Problem? Die Netzfrequenz hat doch gar nichts mit Stromdiebstahl zu tun! Mit wechselnder Netzlast sicherlich, weil zunächst ein Lastsprung auf die Schwungmasse der Generatoren einwirkt, der nicht in Millisekunden aus zu gleichen ist durch "mehr Dampf". Aber dann waren doch die Versorger früher bemüht, die gebremsten Perioden allmählich wieder auf zu holen, so daß die Zahl der 50 Hz Schwingungen über einen vollen Tag sehr geringfügig vom Sollwert abweicht.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Mär 2018, 14:23

H2O hat geschrieben:(07 Mar 2018, 14:09)

Von diesem Geschäft verstehe ich gar nichts. Wenn auf lange Zeit mehr elektrische Energie nach Serbien/ins Kosovo hineinfließt als zurück kommt, auch in Form von Euronen, dann kann man doch sicher dieses Netz auftrennen. Ist es denn nicht so, daß Rußland auch den Gashahn zudreht, wenn ein Kunde ausdauernd seine Gasrechnung nicht bezahlt?

Dauerhaftes Leistungsdefizit

Laut Jutta Hanson von der TU Darmstadt wäre das Problem nicht aufgetreten, wenn die europaweiten Vereinbarungen für den Netzbetrieb eingehalten worden wären. Doch die Leistungsungleichgewichte im Bereich Serbien-Montenegro-Mazedonien seien nicht ausgeglichen worden. "Technisch bedeutet dies, dass über weite Zeiten ein Leistungsdefizit dieser Regelzone aus dem europäischen Verbund gespeist wurde", erklärt die Leiterin des Fachgebiets Elektrische Energieversorgung unter Einsatz erneuerbarer Energien.


Kosovo has been using more power than it produces while Serbia, responsible for balancing the Kosovo grid, has failed to do this, Nies said.


Warum Serbien für den Ausgleich des Mehrverbrauchs von Kosovo verantwortlich ist ... das erschließt sich mir auch nicht. Da können wahrscheinlich nur Leute mit Fachkenntnissen Auskunft erteilen. Rein politisch gesehen würde man denken, dass die Serben das freudig annehmen. Betrachtet die serbische Regierung doch nach wie vor das Kosovo als Teil ihres Landes.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Mär 2018, 14:35

Aber ich vemute einfach mal, dass die Stabilität des europäischen Stomnetzes primär und vorrangig ist und dass Instabilitäten vom jeweils geographisch nächstem Nachbar auszugleichen sind. Und dass die Verrechnung dann in einem zweiten Schritt oder irgendwann später erfolgt.

Der politische Kern der ganzen Angelegenheit dürfte aber dennoch ganz sicher in dem serbisch-kosovarischen Konflikt liegen.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon H2O » Mi 7. Mär 2018, 14:41

    "... wäre das Problem nicht aufgetreten, wenn die europaweiten Vereinbarungen für den Netzbetrieb eingehalten worden wären. Doch die Leistungsungleichgewichte im Bereich Serbien-Montenegro-Mazedonien seien nicht ausgeglichen worden. "Technisch bedeutet dies, dass über weite Zeiten ein Leistungsdefizit dieser Regelzone aus dem europäischen Verbund gespeist wurde"

"Leistungsdefizit" bedeutet, daß einer seine Stromrechnung nicht bezahlt oder seine vertragliche Lieferverpflichtung nicht erfüllt. Davon erfährt man leider gar nichts. So könnte "Stromklau" auch als zu geringe Zulieferung aus diesem Raum bewertet werden, der ansonsten immer mehr liefert als er selbst braucht... und nun nicht mehr ganz so viel, aber immer noch mehr als seinen Eigenverbrauch.

Na ja, ich nehme an, daß sich diese Verlautbarung an Fachleute richtete, die ohnehin bestens unterrichtet sind.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 7. Mär 2018, 14:57

H2O hat geschrieben:(07 Mar 2018, 14:41)

    "... wäre das Problem nicht aufgetreten, wenn die europaweiten Vereinbarungen für den Netzbetrieb eingehalten worden wären. Doch die Leistungsungleichgewichte im Bereich Serbien-Montenegro-Mazedonien seien nicht ausgeglichen worden. "Technisch bedeutet dies, dass über weite Zeiten ein Leistungsdefizit dieser Regelzone aus dem europäischen Verbund gespeist wurde"

"Leistungsdefizit" bedeutet, daß einer seine Stromrechnung nicht bezahlt oder seine vertragliche Lieferverpflichtung nicht erfüllt. Davon erfährt man leider gar nichts. So könnte "Stromklau" auch als zu geringe Zulieferung aus diesem Raum bewertet werden, der ansonsten immer mehr liefert als er selbst braucht... und nun nicht mehr ganz so viel, aber immer noch mehr als seinen Eigenverbrauch.

Na ja, ich nehme an, daß sich diese Verlautbarung an Fachleute richtete, die ohnehin bestens unterrichtet sind.


Das denke ich auch. Einen direkten offenen "Stromklau" durch Serbien kann ich mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen. Das Land will in die EU und Präsident Vučic versucht - mit Ausnahme der Kosovo-Frage - alle geforderten Reformen dafür umzusetzen.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon Ebiker » Mi 7. Mär 2018, 14:58

Ich hatte in diesem Zusammenhang halt davongelesen das Stromklau in dieser Region zum Volkssport gehört, daher der Titel. Und da der Kosovo ja durch und durch mafiös ist kann ich mir vorstellen das auch größere Abnehmer so verfahren.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon Teeernte » Mi 7. Mär 2018, 15:53

Aktuelle Informationen
Verursacher der Netzzeitabweichung von ENTSO-E bekannt gegeben
Die ENTSO-E hat in einer Pressemitteilung vom 06.03.02018 weitere Details bekannt gegeben. Der Verbundnetzpartner, welcher seit längerem systematische Fahrplanabweichungen hat und zu wenig Regelleistung einspeist ist SMM (Serbien, Montenegro und Mazedonien). Speziell der Bereich Serbien und Kosovo wurden als Verursacher genannt.
Laut ENTSO-E habe sich mittlerweile ein Energiedefizit von 113 GWh angesammelt. Wer für die Kosten der nicht eingespeisten, aber bezogenen Energie aufkommen muss, werde noch geklärt. Kurzfristig haben die Anbieter von Primärregelleistung dies automatisch ausgeglichen, damit die Frequenz gehalten wird.
Die ENTSO-E berichtet, dass dieses Problem auch eine politische Dimension hat, und fordert die Politik auf, umgehend aktiv zu werden.
Die fehlende Leistung scheint dabei nicht allzu hoch zu sein, wie folgende grobe Abschätzungen zeigen:
Teilt man die fehlende Energiemenge von 113 GWh auf den Zeitraum vom 03. Januar 2018 bis zur Stagnation am 03. März 2018 auf, dann erhält man eine fehlende Leistung von ca. 80 MW.
Betrachtet man die Steilheit der Veränderung des Netzzeit in diesem Zeitraum (ca. 0,52 Sekunden pro Stunde), so ergibt sich eine Frequenzabweichung von ca. 7,2 mHz. Bei dieser Frequenzabweichung würde die Primärregelleistung eine Leistung von ca. 110 MW erbringen (ohne Berücksichtigung des Totbereichs, welcher nicht von jedem Übertragungsnetzbetreiber genutzt wird).
Verglichen mit normalen Netzlasten von etwa 60 GW scheinen die fehlenden 0,080 GW nicht nennenswert zu sein. Die reale Frequenzabweichung war auch fortwährend sehr gering. Dennoch hat sich der Fehler über die Zeit so aufsummiert, dass es sehr deutlich auffällt.
Die Netzzeitabweichung stagniert seit dem 03. März weiterhin auf -350 Sekunden, wie folgende Abbildung zeigt.


http://www.netzfrequenzmessung.de/aktuelles.htm#2018_04
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon H2O » Mi 7. Mär 2018, 16:29

Den Artikel habe ich mir zugemutet: Für nicht eingeweihte Fachspezialisten wohl kaum zu verstehen. Die dargestellten Rechnungen kann ein Nichtfachmann nicht verstehen, oder sie sind falsch. Was für den unbefangenen Leser auf das selbe hinaus läuft. Eine umfängliche Information für Fachleute, so hoffe ich.

Am Ende weiß unsereiner nicht, ob er sich beruhigen soll oder sich aufregen soll... :D :D :D
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon Teeernte » Mi 7. Mär 2018, 16:44

H2O hat geschrieben:(07 Mar 2018, 16:29)

Den Artikel habe ich mir zugemutet: Für nicht eingeweihte Fachspezialisten wohl kaum zu verstehen. Die dargestellten Rechnungen kann ein Nichtfachmann nicht verstehen, oder sie sind falsch. Was für den unbefangenen Leser auf das selbe hinaus läuft. Eine umfängliche Information für Fachleute, so hoffe ich.

Am Ende weiß unsereiner nicht, ob er sich beruhigen soll oder sich aufregen soll... :D :D :D



Man kauft Strom an der Börse ...oder verkauft.... und ist VERTRAGSPARTNER. Nimmt man mehr - als man HANDELT / Eingekauft hat ....

"Kippt" da auch keiner MEHR rein ...Wenn man sich das als Wassergefäss vorstellt .....würde der Wasserdruck sinken >> hier die Netzfrequenz.

Jede SEKUNDE (wenn man eine Uhr mit Netzfrequenz betreibt) sind eine exakt messbare Fehlmenge an Strom..... im Moment sind es 5 Minuten...

(Aber wieder STABIL) .

80 MW ( rund .....30.000 Einwohnerstadt//Industrieanlage ) wurden über einen Zeitraum von 2 Monaten genommen - und nicht über die Börse EINGEKAUFT.

Das ist eine Politische Frage - weil das Verbundnetz einen Vertragspartner ansonsten ABSCHALTEN müsste.....
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon H2O » Mi 7. Mär 2018, 17:14

Teeernte hat geschrieben:(07 Mar 2018, 16:44)

Man kauft Strom an der Börse ...oder verkauft.... und ist VERTRAGSPARTNER. Nimmt man mehr - als man HANDELT / Eingekauft hat ....

"Kippt" da auch keiner MEHR rein ...Wenn man sich das als Wassergefäss vorstellt .....würde der Wasserdruck sinken >> hier die Netzfrequenz.

Jede SEKUNDE (wenn man eine Uhr mit Netzfrequenz betreibt) sind eine exakt messbare Fehlmenge an Strom..... im Moment sind es 5 Minuten...

(Aber wieder STABIL) .

80 MW ( rund .....30.000 Einwohnerstadt//Industrieanlage ) wurden über einen Zeitraum von 2 Monaten genommen - und nicht über die Börse EINGEKAUFT.

Das ist eine Politische Frage - weil das Verbundnetz einen Vertragspartner ansonsten ABSCHALTEN müsste.....


Hilft mir nicht weiter; das Ohmsche Gesetz ist leichter zu verstehen als die Netzfrequenz im Wasserglas. :D Ich bin aber sicher, daß Sie es mit Ihren Erklärungen gut gemeint haben. Der Betrieb von Stromnetzen ist eine Wissenschaft für sich... erkenne ich neidlos an.
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Re: Massiver Stromklau in Serbien/Kosovo- Gefahr für unser Netz ?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mi 7. Mär 2018, 17:55

Nicht nur für Laien schwierig zu verstehen.

Wer eine physikalisch existierenden "Gemengelage", zur virtuelle "Kupferplatte" erklärt, muss alles ausklammern, was im realen Netz passiert. Ob man bei diesem Sachverhalt "von Stromklau" überhaupt reden kann ?
entsoe hat geschrieben:The Continental European (CE) Power System -a large synchronized area stretching from Spain to Turkey and from Poland to Netherlands; encompassing 25 countries- is experiencing a continuous system frequency deviation from the mean value of 50 Hz, and this since mid of January 2018.

The power deviations are originating from the control area called Serbia, Macedonia, Montenegro (SMM block) and specifically Kosovo and Serbia.

The power deviations have led to a slight decrease in the electric frequency average.

This average frequency deviation, that has never happened in any similar way in the CE Power system, must cease.

The missing energy amounts currently to 113 GWh. The question of who will compensate for this loss has to be answered.

The decrease in frequency average is affecting also those electric clocks that are steered by the frequency of the power system and not by a quartz crystal: they show currently a delay of close to six minutes.


entsoe goggle tranlate hat geschrieben:Das kontinentaleuropäische (CE) Energiesystem - ein großes synchronisiertes Gebiet, das sich von Spanien bis in die Türkei und von Polen bis in die Niederlande erstreckt; in 25 Ländern - erfährt seit Mitte Januar 2018 eine kontinuierliche Abweichung der Systemfrequenz vom Mittelwert von 50 Hz.

Die Leistungsabweichungen stammen aus dem Kontrollgebiet Serbien, Mazedonien, Montenegro (SMM-Block) und speziell Kosovo und Serbien. Die Leistungsabweichungen haben zu einer leichten Abnahme des Durchschnitts der elektrischen Frequenz geführt. Diese durchschnittliche Frequenzabweichung, die im CE Power System nie in ähnlicher Weise aufgetreten ist, muss aufhören.

Die fehlende Energie beträgt derzeit 113 GWh. Die Frage, wer diesen Verlust kompensieren wird, muss beantwortet werden. Die Abnahme des Frequenzdurchschnitts betrifft auch jene elektrischen Uhren, die von der Frequenz des Energiesystems und nicht von einem Quarz gesteuert werden: Sie zeigen derzeit eine Verzögerung von fast sechs Minuten.
Hier wird ganz offensichtlich nicht wie vereinbart getan was von "swissgrid" so beschrieben wird :
Damit die Frequenz immer stabil bleibt, muss das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch elektrischer Leistung immer gegeben sein.

Ist der Verbrauch elektrischer Leistung geringer als die Produktion, so ist die Frequenz höher; ist der Verbrauch grösser als die Produktion, so ist die Frequenz tiefer. Dies hat folgenden Grund: die elektrischen Generatoren eines elektrischen Netzes drehen bei niedrigem Verbrauch leichter und schneller. Sie drehen dadurch mit einer höheren Frequenz. Umgekehrt drehen die elektrischen Generatoren bei grösserem Verbrauch schwerer und somit mit einer tieferen Frequenz.

Alltagsvergleich mit einem Fahrrad
Auf ebener Strasse ist es einfach, die Geschwindigkeit zu halten. Sobald aber eine Steigung kommt, muss der Fahrer sich mehr anstrengen, um die gleiche Geschwindigkeit zu erreichen. Geht es aber bergab, so muss er bremsen, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten.

Im gesamten europäischen Netz sind die elektrischen Generatoren so eingerichtet, dass sie automatisch und unverzüglich auf eine Veränderung der Netzfrequenz reagieren. Je nach Verbrauch erhöhen oder senken sie ihre Leistung. Dadurch wird sichergestellt, dass die Frequenz stabil bleibt.

Diese automatische Anpassung kann mit dem Tempomat eines Autos verglichen werden.
Da stellt sich zuerst einmal die Frage, sind diese Akteure überhaupt in der Lage ihren zu hohen Verbrauch durch entsprechende Steigerung ihrer Produktion auszugleichen ? Verbundnetz Frequenz in Echtzeit Es macht da schon einen Unterschied, ob eine Region inmitten anderer Regionen oder wie in diesem Fall in einem Randgebiet liegt. Je nach Last ändert sich die elektrische Flussrichtung. Je nach Anzahl möglicher Verbindungen (Randlage oder Zentrum) entstehen Schieflasten. Die wiederum wirken sich in den einzelnen "Maschen" eines Stromnetzes sehr unterschiedlich aus. Wäre es tatsächlich so "einfach" willentlichen Stromklau nachzuweisen, müssten nicht erst noch "umfangreiche" Untersuchungen durchgeführt werden.

Was da fehlt - warten wir´s ab - ist kurzfristig verfügbare Regelleistung. Einflüsse aus dem dominierenden Netz, müssen ja auch von den "Maschen" am Rand "kurzfristig beantwortbar sein". In einer echten "Kupferplatte" gäbe es solche Probleme selbstverständlich nicht. In der "virtuellen Kupferplatte" dem eigentlich sehr realen Netz führen solche "Geschichten" :
Quelle hat geschrieben:...Über den Grund für die zu geringe Regelleistungszuführung können wir nur spekulieren. Eine Anfrage von heise online an den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) blieb bis Redaktionsschluss dieser Meldung unbeantwortet.

... drückt die Frequenz
Die naheliegendste Möglichkeit: Zwar ist die Kilowattstunde am Spotmarkt mit aktuell 4 Cent im Intraday-Geschäft erheblich billiger als an der heimischen Steckdose. Dennoch dürfte den Akteuren das vollständige Ausgleichen der Netzfrequenzabweichung durch dort eingekaufte, aber eventuell dann doch nicht abgerufene Stromreserven schlicht zu teuer sein. Erst wenn die Differenz so sehr wächst, dass ein Auseinanderbrechen des Verbundnetzes in Inseln und vollständige Ausfälle in diesen drohen, werden sie nachhaltiger durchgreifen.

Das passiert aber erst bei sehr großen Abweichungen: Kurzfristig sind 49,2 Hz erlaubt. Erst unter 49 Hertz werden stufenweise Lasten abgeworfen. Bis dahin ist es von den aktuellen 49,9x Hertz noch ein gutes Stück. Mit Überraschungen muss man trotzdem rechnen, doch Ausfälle mit europaweiten Auswirkungen sind glücklicherweise selten.
zu immer mehr "Überraschungen". Wer sich in Randlage befindet, kann nicht auf Entlastung durch nachgeschaltete Teilnehmer hoffen. "Er" muss sehr schnell ausgleichen oder eben in "Schieflast" hoffen nicht ganz "herauszufliegen" - das sich dies aufsummiert und recht komplexe Folgen hat, kommt mir nicht wirklich so außergewöhnlich vor. Zeigt aber deutlich hier wurden Akteure auf gut Glück, aber denkbar schlecht integriert. Wie muss man überhaupt 116 GWh einsortieren ? Womöglich hilft ja diese Grafik zum Beitrag ?
Elektroprivreda Srbije oder kurz EPS am 1. Juli 2005 als Nachfolger der jugoslawischen JP Elektroprivreda Srbije. Der Konzern hat etwa 42.000 Beschäftigte und ist der größte Arbeitgeber in Serbien.
Im Jahr 2007 erzeugte der Konzern 38.897 Gigawattstunden Strom, von denen im Inland 28.749 GWh verkauft wurden

Die installierte Kraftwerksleistung beträgt in den Kohlekraftwerken 5.171 MW, in den Gas- und Ölkraftwerke 353 MW und in den Wasserkraftwerken (Laufwasserkraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke) 2.831 MW.
Da sind "Probleme" eigentlich schon erkennbar und Abweichungen von 116 GWh "schleichend" über die Zeit wohl nicht erkannt worden oder man hat das einfach mal ignoriert.
Während der NATO-Angriffe auf Serbien im Jahr 1999 wurden viele Kraftwerke stark beschädigt. Mit der Einrichtung der UNMIK-Verwaltung im Kosovo am 1. Juli 1999 verlor das Unternehmen [EPS] den Zugriff auf die dortigen Kohlegruben und Kraftwerke.

In der Unternehmensstatistik werden diese aber weiterhin als eigene Kapazitäten ausgewiesen, während die Produktionszahlen die Werte des Kosovo nicht berücksichtigen.
Nun gehen die "Uhren" langsamer - auch kein Wunder, Fortschritt und notwendige Anpassung laufen ja überall eher schleppend...
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)

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