Feinstaub - Schwebstaub - Aerosole - Partikel & Co

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immernoch_ratlos
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Feinstaub - Schwebstaub - Aerosole - Partikel & Co

Beitragvon immernoch_ratlos » Di 29. Aug 2017, 12:25

Ich hoffe die Idee ein eigenes Thema dazu zu eröffnen wird von der Moderation so akzeptiert.

Die im Titel genannten Formen sind sowohl natürlichen Ursprungs und damit Teil unserer Umwelt - etwas, was also Flora und Fauna (zu letzterem gehört ja auch Homo Sapiens) in wechselnder Zusammensetzung und Intensität "schon immer" begleitet. Als auch "anthropogen" durch uns Menschen verursacht.

Endlich die Unterscheidung (wenn auch dort Fehler was die Mengen und was sie verursacht enthalten sind !)
Quelle hat geschrieben:Was ist der Unterschied zwischen Stickoxiden und Feinstaub?

Feinstaub war das Hauptproblem, bevor es vor einigen Jahren von Stickstoffdioxid abgelöst wurde. Im Gegensatz zu NOX handelt es sich bei Feinstaub nicht um einen gasförmigen Stoff, sondern um winzige Teilchen, die eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Die einzelnen Teilchen sind so klein, dass sie in den menschlichen Atmungstrakt gelangen können. Feinstaub entsteht hauptsächlich durch Verbrennungsprozesse in Automotoren und der Industrie. Insbesondere der Ruß aus Dieselmotoren trägt zu hohen Konzentrationen bei. Daneben beinhaltet Feinstaub jedoch auch Teilchen aus dem Reifenabrieb oder schlicht aufgewirbelten Staub der Fahrbahn. Schwebstaub ist – wie auch NOX – schädlich für die Atemwege und begünstigt Erkrankungen von Herz und Kreislauf.
Wie bei allen Wirkungen der wir durch Exposition (med. Faktoren) ausgesetzt sind, macht die Dosis der höchst unterschiedlichen Komponenten aus denen Staub besteht - bestehen kann - die Wirkung und diese, um die Sache nicht allzu einfach zu gestalten, wirkt sich je nach Alter und körperlicher Verfassung auch noch unterschiedlich aus. Der kausale Zusammenhang zu dem möglichen gesundheitlichen Folgen ist "mindestens" schwierig herzustellen. Ein präzise Abwehr ist nahezu unmöglich, die einzige Universallösung liegt schlicht darin die allgemein Exposition so gering wie möglich zu halten. Nur in Räumen und bei besonderen Stoffen kann dies bis nahe Null reduziert werden.

In sog. Rein- und Reinsträumen kann "Staub" jeglicher Größe durch extreme Filterung sehr gering gehalten werden. Etwas, das in normalen Räumen und erst recht nicht im Freien möglich ist.

Feinstaub ist entgegen seines Namens eine lediglich eine grobe, oberflächliche Bezeichnung. Erstaunlich, es gibt nach DIN-Norm genormte Prüf-Stäube, die man per Kilo zu ~200 € kaufen kann um damit definierte Test durchzuführen. In der Welt der Stäube findet sich z.B. "Arizona Road Dust" ein nach SAE J726 genormter Prüfstaub zur Bewertung von Filtern (z. B. von Motoren)" (meint das zuständige WIKI).

Leider ist das was wir so einatmen nicht genormt, kann also sehr unterschiedliche "Stäube" - "Partikelgrößen" enthalten. Dabei können einzelne Bestandteile toxisch sein - schädlich ist Staub durchaus auch ohne solche "Sahnehäubchen". Dabei ist die Größe - eher wohl die "Kleinheit" das entscheidende Kriterium. Was kann das menschliche Atemsystem "verkraften" - aus dem Körperinnern - ja dem Blut, welches überall Zugang haben muss, erfolgreich heraushalten.

Ein Artikel in ZON :
Quelle : ZON (04.05.2005)"Feinstaub: Ignoranz vom Allerfeinsten" hat geschrieben: Darum kann sich der ehemalige Direktor des Instituts für Inhalationsbiologie am staatlichen Großforschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) in Neuherberg bei München [Prof. Dr. Joachim Heyder] mit Rußpartikelfiltern gegen Feinstaub durchaus anfreunden. Wenig bis nichts aber hält er von dem, was Politik, Automobilindustrie und Öffentlichkeit ansonsten diskutieren: Grenzwerte, Messmethoden und Bekämpfungsmaßnahmen orientieren sich lediglich an der Masse des Staubs – nicht aber an seiner Gefährlichkeit für die Gesundheit, der Toxizität.

"Da liegt das Problem", sagt Heyder und rauft sich angesichts der grassierenden Ignoranz den weißen Vollbart. Das Gewicht einzelner Partikel verrät kaum etwas über deren Toxizität. Über die Gefährlichkeit entscheiden vielmehr deren Inhalt und Form, sprich die Chemie und die Physik der Teilchen, etwa ihre Größe und Gestalt. Wer genau hinschaut, stellt rasch fest, dass in unserer Atemluft ein gigantischer Zoo verschiedenster Partikel schwebt. Physikalisch rekrutiert sich Feinstaub aus dicken Brummern (grobe Fraktion, 10 bis 2,5 Mikrometer dick), Leichtgewichten (feine, unter 2,5 Mikrometer) und winzigen Wichten (ultrafeine Fraktion, unter 0,1 Mikrometer). Sie bilden kompakte Kügelchen, gekrümmte Würmchen oder flache Plättchen.

Chemisch enthalten sie Harmloses wie Wüstenstaub oder Meersalztröpfchen, Ätzendes wie Aerosole aus der Landwirtschaft (Ammoniak) oder Industrie (Schwefel- und Stickoxide), Pollen, Sporen, Schuppen, Viren und Bakterien, aber auch giftige Schwermetalle, krebserregende Chemikalien oder eben Dieselruß – eine Mixtur natürlichen, industriellen und kulturellen Ursprungs. Auch dem Laien leuchtet ein: Die Beschreibung dieses allerfeinsten Universums nur durch sein Gewicht ist keine brillante Idee. Jeder Biologe, der die Artenvielfalt in Kilogramm zu messen versuchte, wäre reif für die Psychiatrie.
Weiter im Text :
Wer die Straße fegt, tut noch lange nichts für die Gesundheit

Den Irrsinn der Debatte verdeutlicht eine einfache Rechnung: Ein Partikel von 8 Mikrometer Durchmesser wiegt genauso viel und wäre nach dem heutigen Massestandard genauso gefährlich wie 512 Millionen ultrafeine Partikel mit 0,01 Mikrometern. Dennoch beruht der seit diesem Jahr verschärfte EU-Grenzwert für die Feinstaubbelastung der Luft (maximal 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an 35 Tagen pro Jahr) auf dem wissenschaftlich überholten Massekriterium.

Fegte man beispielsweise durch feuchte Straßenreinigung oder Rußkatalysatoren vorwiegend dicke Staubpartikel aus der Luft, dann wäre der EU-Grenzwert erfüllt. Hurra? Nein, Trugschluss. Die vorschriftsmäßige Luft ist womöglich genauso gesundheitsgefährdend wie die dreckige. Heyder fordert eine präzisere Analytik, die neben der chemischen und biologischen Zusammensetzung der Partikel auch deren Zahl und die Größe ihrer Oberfläche berücksichtigt: "Es sind vor allem ihre Oberflächen, die ultrafeinen Partikeln außergewöhnliche Brisanz verleihen."
Der Artikel umfasst mehrere Seiten und ist durchaus kein "Leichtgewicht".

Was mir noch fehlt ist der Zusammenhang der zum internen Beitrag (So 27.08.2017) (und darauf folgende) die notwendige Beziehung herstellt. Wenn wie dort beschrieben / verlinkt, die Messungen in den existierenden Umweltzonen auch ohne KFZ-Verkehr keine Veränderungen der "Feinststäube" welche man den KFZ - explizit den Dieselfahrzeugen - zuordnen kann, wäre das ja eine weitere Bestätigung die bereits 2005 von Prof. Dr. Joachim Heyder (Fachbereich Inhalationsbiologie) gegeben hat und in Kombination mit der Ergebnissen von Prof. Matthias Klingner (Verkehrswissenschaftler Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) ) bereits 2010 zur Verfügung steht.

Hier noch Quelle : Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft "Relevante Luftschadstoffe" eine "Fundgrube" in Bezug auf das Thema und darüber hinaus. Wenig erfreulich : Quelle : ZON (19.02.2009) "Umweltgifte: Feinstaub im Hirn"
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Feinstaub - Schwebstaub - Aerosole - Partikel & Co

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 2. Sep 2017, 09:32

Monolog 2. Teil

Haben sich Presse - Rundfunk - TV - Politik zu sehr auf die Sprachregelung "der Diesel muss weg" (egal warum und weshalb) festgelegt :?:

Wer sich dem Thema Feinstaub und NOx mal intensiv angenommen hat, wenn die technologischen / physikalischen Zusammenhänge klare werden, dann fallen (zumindest mir) die zahlreichen Widersprüche in allen Medien viel stärker oder manche erstmalig auf.

Da wird fleißig zusammengerührt, was bei näherer Betrachtung schlicht nicht zusammengehört.

Der Artikel in den "Dresdner Neuste Nachrichten" "Dresdner Professor fordert ideologiefreie Debatte über Schadstoffe durch Autoverkehr" oder zum selben Thema auf "TELEPOLIS (Heise) : "Diesel-Debatte: Feinstaub statt Stickoxide?" hat meine Zweifel ob da alle Aspekte wirklich "gebührend" berücksichtigt wurden und werden absolut nicht beseitigt.

Besonders auffällig - "Tempo 30" ein Segen für Menschen die einen Unfall erleiden und ein Zugewinn für die Verkehrssicherheit - jedoch antagonistisch, will man dadurch auch die Schadstoffemissionen verringern. Günstig was die Lärmentwicklung angeht.

Alles in allem - eine Veränderung der Mobilität sollte das Ziel sein. Das Zielgebiet dafür sind die dichtbesiedelten Stadtgebiete, wo auch jetzt schon ~75% der Einwohner in D leben - wer es nicht glaubt hier mal wieder statista : "Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung in Deutschland und weltweit von 1950 bis 2030"

Im Umkehrschluss leben heute gerade ein Viertel von ~82 Millionen dt. Einwohner außerhalb der Städte. Es mach also Sinn, die Bedürfnisse beider Lebensräume vernünftig und getrennt voneinander zu gestalten. Die Idee ist nun nicht gerade taufrisch, aber es müssen erst immer unhaltbarere Zustände eintreten, bevor sich etwas verändert.

Wenig hilfreich sind da die geradezu chaotischen "Weisheiten" die Medien derzeit absondern. Jeder der halbwegs gut die "Feder zu schwingen vermag" darf sich ungestraft in den wissenschaftlichen Gefilden tummeln. Statt die zahlreichen Ungereimtheiten die da herumgeistern aufzuzeigen - anzuprangern - wird alles was das Thema hergibt zu einem unverdaulichen Brei zusammengerührt. Zu Freude von Politikern deren Fehlentscheidungen so schlicht darin untergehen.

Praktisch jedes Thema, welches eigentlich "ein gerüttelt Maß" an Fachkompetenz verlangt, wird nach diesem Muster "behandelt". Raum für "fake news" und krude Verschwörungstheorien von denen es dank des neuen "Zentralstammtisch" aka "Internet" es ungeahnte Möglichkeiten zu geben scheint.

Ich habe intensiv gesucht nach Reaktionen zu den o.g. Zusammenhängen - die ja wenn falsch und oder irreführend - heftige Reaktionen hervorrufen müssten. Doch "Schweigen im Medienwald" dieser doch wichtige Aspekt wird einfach übergangen und dies seit nunmehr 7 ! Jahren feinster Auseinandersetzung über Feinstaub & Co. :?:

Auch hier, wo wochenlang heftigste verbale Auseinandersetzungen geradezu getobt haben - Reaktion Null - obwohl, wenn das so stimmt - wovon ich bis zu einer fachlichen Widerlegung ausgehe - es jede Menge vernünftiger Strategien gäbe, einerseits die anstehenden Probleme zu lösen und das ganz ohne einen wichtigen Industriezweig "über die Wupper gehen zu lassen".

Elektromobilität wird selbst bei optimistischstem Ablauf einige Jahre benötigen um ihren Beitrag zu einer völlig veränderten Mobilität zu leisten. Da ist jeder vernünftige Übergang von der fossilen Variante nur zu begrüßen. Wer glaubt, ich schreibe das nur, weil ich derzeit einen Diesel PKW betreibe, irrt. Ich werde gleichgültig was da getan wird, den auch dann noch ~2 Jahre betreiben, selbst wenn für mich alle Innenstädte versperrt wären. Ob ich dann - schon alterstechnisch bedingt - auf öffentliche Verkehrsmittel etc. "umsteige" hängt sicher nicht davon ab wie ich mir die Welt wünsche.... :rolleyes:

Ach ich hab noch einen :
Quelle : Zukunft Mobilität" hat geschrieben:Durch die Umweltzone, welche ja trotzdem alle Fahrzeuge mit grüner Plakette passieren lässt, kann nur der 14% Anteil des 32% Anteils, also insgesamt nur knapp 5%, reduziert werden. Andere Zahlen aus anderen Quellen nennen ähnliche Größenordnungen für das Reduzierungspotential. Es wurde sich bewusst auf die Datengrundlage Wikipedia bezogen, da dort eine gewisse Unabhängigkeit gewahrt wird.

In der Studie “Möglichkeiten und Grenzen verkehrsbeschränkender Maßnahmen zur Einhaltung der zulässigen PM10-Tagesgrenzwerte in der Stadt Ulm”, welche von der IHK Ulm in Auftrag gegeben wurde, sank die Wahrscheinlichkeit die Grenzwerte an mehr als 35 Tagen im Jahr zu überschreiten von 99.9% (ohne Umweltzone) auf 99.8% (mit Umweltzone).


Fazit

Natürlich sind leisere, verkehrsberuhigte und/oder fußgängerfreundlichere Städte angenehmer. Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Problematisch ist vor allem die Wahl unserer Maßnahmen und Werkzeuge. Mit viel (Verwaltungs)Aufwand werden Umweltzonen geschaffen, Fahrzeuge ausgesperrt und Kosten, beispielsweise für Partikelfilter, verursacht, ohne dass dies eine signifikante Auswirkung auf die Feinstaubbelastung und die Luftqualität in den Innenstädten hat. Das ist schade, denn man könnte das Engagement ja auch in eine sinnvolle Richtung bündeln.

Zusammenfassend kann man sagen:

Das Wetter bestimmt weitgehend die Feinstaubbelastung, weil es die Luft mehr oder weniger umwälzt.

Nicht der LKW und schon gar nicht der PKW.


Trennt man also Feinstab und NOx - folgt den Studien die es ja gibt und mit Steuergeldern finanziert wurden, kann das Eine, das gefährliche NOx reduziert werden OHNE das "signifikant" mehr Feinstaub produziert wird, den man darüber hinaus an zahlreichen anderen Stellen durchaus nachhaltig reduzieren kann !

Leider sieht die Realität das nicht vor :
Zukunft M hat geschrieben:Wie man hört waren die EU Kommissare nicht sehr interessiert an den Ergebnissen, denn sie würden das bisherige in Frage stellen. Zumindest wurde erreicht, dass die Grenzwerte für Jahresdurchschnittswerte wieder etwas gelockert wurden. Das Fraunhofer IVI ist seither allerdings nicht mehr mit der Modellierung solcher Sachverhalte betraut worden.

Vielen Dank an Elke Sähn vom Fraunhofer IVI für die wissenschaftliche Beratung zu diesem Artikel.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)

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