Wann ist die Erzeugung der Kernenergie energetisch sinnlos?

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Daddeldu
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Reichweite von Uran aus Meerwasser: unendlich

Beitragvon Daddeldu » So 28. Aug 2016, 17:38

Die Reichweite von Uran aus Meerwasser ist nicht einige tausend Jahre. Sie ist praktisch unendlich, weil der Gehalt an Uran nicht sinken kann.

Woher kommt das Uran? Uranoxid ist wasserlöslich. Das überall in der Erdkruste enthaltene Uranoxid wird durch das Niederschlagswasser beständig ausgewaschen und ins Meer gespült. (Ein Vorgang, der über die Jahrmillionen auch den Salzgehalt immer weiter erhöht hat.)

Das gelöste Uranoxid ist im Meerwasser gesättigt. Die Sättigungsgrenze ist sehr, sehr niedrig. Das weiterhin neu ins Meer gespülte Uranoxid kann den Gehalt also nicht mehr erhöhen. Dies bedeutet, dass sich das zusätzliche Uranoxid irgendwo am Grund absetzt.

Wenn wir nun anfingen, dem Meer große Mengen an Uranoxid zu entziehen, würde sich weniger am Grund absetzen, bis die Sättigungsgrenze wieder erreicht wäre, oder das ausgefällte Uranoxid würde sich wieder lösen.

Es dürfte wohl kaum möglich sein, dem Meer so schnell Uranoxid zu entziehen, dass der Gehalt signifikant unter die Sättigungsgrenze fällt.
Daddeldu
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Uran gibt es jede Menge

Beitragvon Daddeldu » So 28. Aug 2016, 21:07

Es ist eine alte Lüge der Kernenergiegegner, das Uran würde nur noch für 30 Jahre reichen. Das behaupten die seit 40 Jahren.

Uran gibt es jede Menge auf der Welt.
Die statische Reichweite, also die heute bekannten, zu heutigen Preisen wirtschaftlich abbaubaren Vorkommen, betrug im Jahr 2012 mindestens 120 Jahre.

http://www.oecd-nea.org/ndd/pubs/2014/7 ... m-2014.pdf

Zitat:
“At the 2012 level of uranium requirements, identified resources are sufficient for over 120 years of supply for the global nuclear power fleet.”

Dort S. 9. Quelle: International Atomic Energy Agency

Das heißt: wenn ab heute trotz Suche nichts mehr gefunden würde, und sich die ganzen ungesicherten Ressourcen als nicht abbaubar herausstellen würden, (was nicht möglich bzw. so unwahrscheinlich ist, dass es einem Gottesbeweis gleich käme), liefen sämtliche KKW der Welt noch 120 Jahre.

Wahrscheinlich ist eher, dass allein die bekannten Reserven und Ressourcen noch 300 Jahre reichen, und das noch weitere abbaubare Vorkommen gefunden werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium schätzte auf Zahlengrundlage von 2004:

Reichweite weltweit bei statischer Betrachtung
Reserven: 68 Jahre
Ressourcen: 143 Jahre
1. Reserven, Deutschland: Keine
Ressourcen, Deutschland: Nach Angaben der Wismut GmbH: 130.000 t. – Nach OECD/NEA „Red Book“ (im Druck): 7.000 t.“ (S. 8)

„Uran steht als Energierohstoff noch für Jahrhunderte zur Verfügung, insbesondere in Verbindung mit technologischen Weiterentwicklungen bei der friedlichen Kernenergienutzung. Uran wird derzeit überwiegend aus politisch stabilen Ländern importiert. Aufgrund seiner hohen Energiedichte und seiner sehr guten Lagerfähigkeit kann Uran de facto als heimischer Energierohstoff betrachtet werden. Bei der Erzeugung von Energie aus Uran wird kein CO2 freigesetzt.“


Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi): Arbeitsgruppe Energierohstoffe, Abt. III, Kurzbericht Verfügbarkeit und Versorgung mit Energierohstoffen, 29. März 2006, (Einleitung, S.1)
Aber auch das ist noch nicht richtig, da, wie vorher schon diskutiert, die Meere gelöstes Uran in gewinnbarer Konzentration enthalten.

Hinzu kommt, dass das Abbauen von Rohstoffen grundsätzlich (wie jedes industriell betriebene technische Verfahren) immer effizienter und daher immer billiger wird, wodurch also immer mehr Vorkommen wirtschaftlich erschließbar werden. Weiterhin gilt, dass zu höheren Kosten natürlich mehr Rohstoffvorkommen abgebaut werden können. Es gilt die Faustregel, dass eine Verdoppelung der in Kauf genommenen Abbaukosten zu einer Vervierfachung der damit abbaubaren Vorkommen führt.

Die Brennstoffkosten machen bei Kernkraft nur einen winzigen Anteil aus, so dass sich eine Preissteigerung kaum auswirken würde. Also könnte man auch daher auf schwieriger abzubauende Vorkommen zurückgreifen.

Weiterhin werden auch die Kernreaktoren immer effizienter. Frühere Exemplare waren so ineffizient wie die ersten Schmelzöfen. Sie verbrannten unter 10 % des spaltbaren Uran-235. Heute nutzen sie das Uran-235 zu ca. zwei Dritteln.

„Abgebrannte“ Brennelemente können in einer Wiederaufarbeitungsanlage – zum Beispiel im französischen La Hague oder in Sellafield in Großbritannien – zerlegt werden, um das verbliebene Uran-235 und das entstandene Plutonium-239 heraus zu lösen und bei der Brennelemente-Herstellung wiederzuverwenden.

Die Wiederaufarbeitung reduziert damit nicht nur die Abfallmengen, sondern verlängert zugleich die Reichweite des Brennstoffes Uran-235.

Schließlich wäre da noch der Thorium-Kugelhaufen-Reaktor. Thorium, was keine andere technische Anwendung kennt, wurde nie gesucht, und dennoch sind mehr Thoriumvorkommen sicher bekannt als Uranvorkommen, einfach, weil Geologen darüber gestolpert sind. Thorium ist ein häufig vorkommendes Element, fast so häufig wie Zinn.

Aus dem Thorium-232 erbrütet sich der Reaktor das benötigte Uran-233 selbst, und kann sogar eine geringe Übermenge erbrüten. Neben dem Konzept des Kugelhaufen-Reaktors gibt es auch noch spannende Projekte für Flüssigsalz-Reaktoren. Die können auch Thorium nutzen. (Das ist übrigens noch mal was anderes als die Schneller Brüter-Technik, die es ja auch noch gibt.)

Man kann sagen, dass man sich um die Ressourcenlage bei Energiegewinnung durch Kernspaltung keine Gedanken machen muss.


Gruß,

Daddeldu

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