In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

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jack000
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In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon jack000 » Fr 8. Apr 2016, 18:47

Wenn das Sonnenlicht von den 537.600 Parabolspiegeln reflektiert wird, glaubt man sich einer Fata Morgana gegenüber. Doch was im gleißenden Licht Marokkos mitten in der Wüste auf einer Fläche so groß wie 650 Fußballfelder errichtet wurde, versorgt schon jetzt 350.000 Menschen mit Strom. Es ist ein Sonnenkraftwerk der Superlative. Und es soll noch viel größer werden.

Mehr als eine Million Menschen sollen in naher Zukunft von hier aus mit sauberem Strom beliefert werden. Ein Großteil der Technik für das afrikanische Vorzeigeprojekt kommt aus Deutschland.

Gebaut wird das neue Kraftwerk nahe der Stadt Ouarzazate, die wegen ihrer malerischen Kulisse auch als Drehort zu Ruhm gekommen ist. Dort wurden beispielsweise Filme wie "Die Päpstin", "Der Medicus" oder "Gladiator" gemacht. Mit dem weltgrößten Solarthermiekraftwerk ist die Wüstenstadt am Rande des Hohen Atlas nun um eine Attraktion reicher.

So weit das Auge sehen kann, fangen die in unzähligen Reihen angeordneten rinnenförmig gekrümmten Spiegel die Sonnenstrahlung ein. Das Licht wird von den Parabolrinnen präzise auf eine Röhre mit Thermoöl gelenkt und entfaltet so optimal seine Energie. Das auf knapp 400 Grad erhitzte Öl fließt dann zu einem Wärmetauscher. Dort entsteht Wasserdampf, der im Kraftwerk eine Turbine antreibt.

Die damit erzeugte Elektrizität wird ins marokkanische Stromnetz eingespeist. Mit einem speziellen Wärmespeicher kann die Sonnenenergie mehrere Stunden gespeichert werde. Dadurch kann das Solarkraftwerk auch abends noch Strom produzieren, denn in Marokko erwacht das Leben in den Dörfern und Städten erst, wenn die Sonne schon untergegangen ist.

http://www.welt.de/wissenschaft/article ... ergie.html

U.a. der Norden Afrikas ist mit Sonne gesegnet und könnte durch die Produktion von Solarstrom den eigenen Markt stärken, sowie auch Energie exportieren (z.B. nach Europa, auch wenn es Wirkungsgradverluste durch die Leitungslänge gäbe).
Natürlich besteht die Gefahr durch unruhige politische Verhältnisse aber die Erfahrung zeigt doch, dass Verdienstmöglichkeiten immer bestehen bleiben solange es Personen gibt, die damit Geld verdienen (z.B. Tourismus in Tunesien).

Warum boomt die Solarbranche nicht schon längst in Afrika in einem viel höheren Maßstab?
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H2O
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Re: In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon H2O » Sa 9. Apr 2016, 17:34

jack000 hat geschrieben:(08 Apr 2016, 19:47)

http://www.welt.de/wissenschaft/article ... ergie.html

U.a. der Norden Afrikas ist mit Sonne gesegnet und könnte durch die Produktion von Solarstrom den eigenen Markt stärken, sowie auch Energie exportieren (z.B. nach Europa, auch wenn es Wirkungsgradverluste durch die Leitungslänge gäbe).
Natürlich besteht die Gefahr durch unruhige politische Verhältnisse aber die Erfahrung zeigt doch, dass Verdienstmöglichkeiten immer bestehen bleiben solange es Personen gibt, die damit Geld verdienen (z.B. Tourismus in Tunesien).

Warum boomt die Solarbranche nicht schon längst in Afrika in einem viel höheren Maßstab?


Das ist doch klar: Jeder Investor fürchtet den Verlust
seines Vermögens, weil Nordafrika nicht stabil genug
ist, um dort Geld und Arbeit für die nächsten 50 Jahre
an zu legen. Da geht es ja nicht um den schnellen Euro!
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Teeernte
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Re: In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon Teeernte » So 10. Apr 2016, 13:32

Der rasante Preisverfall auf dem indischen Solarmarkt kann nach Einschätzung des Schweizer Siemens-Konkurrenten ABB eine große Chance für europäische Zulieferer bedeuten.

Dieser garantierte Preis hat sich im Durchschnitt in den vergangenen zwei Jahren mehr als halbiert - auf zum Teil weniger als 6 Cent pro Kilowattstunde.


Für europäische Unternehmen liegt die Chance laut Spiesshofer deshalb vor allem darin, sich bei der Verteilung und Steuerung des Solarstroms zu positionieren, nicht bei dessen Erzeugung.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.schweiz-solar-preisverfall-in-indienchancen-fuer-europaeische-firmen.97d2bd7f-278c-4997-9751-12b2eb495deb.html

6 Cent/kWh - ist da zu unterbieten. :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon immernoch_ratlos » Di 12. Apr 2016, 11:28

H20 hat geschrieben:Das ist doch klar: Jeder Investor fürchtet den Verlust seines Vermögens, weil Nordafrika nicht stabil genug ist, um dort Geld und Arbeit für die nächsten 50 Jahre an zu legen. Da geht es ja nicht um den schnellen Euro!
Nun ja, warum dann nicht per Mikrokredit finanzieren - ganz unten ? KIVA (und andere) organisiert das übrigens weltweit. Was Afrika angeht, obwohl der selbe Kontinent, gibt es sehr unterschiedliche Verhältnisse und Bedürfnisse.

Klar, das dort solare Energie die vernünftigste Lösung wäre und auch ist. Dabei sollte man allerdings nicht typisch deutsch denken. Mit einer relativ kleinen PV im Dorf kann man mehr bewegen, als mit der praktisch undurchführbaren Idee Afrika zu vernetzen. Bei den dort gigantischen Entfernungen ist eine dezentrale Versorgung das einzig Machbare und gleich auch das Vernünftigste.

Ob das nun das Richtige ist ?
Solarstrom aus der Wüste Marokko statt Desertec (19.05.2015)

Kleine lokale PV ist mit "Bordmitteln" machbar und noch wichtiger, auch von lokalen Handwerkern zu warten. Was so ein lokaler Handwerker mit einem bisschen Strom ohne teures Benzin / Diesel zustandebringen kann, ist vergleichsweise großartig. Mit einem bisschen solarem LED-Licht in der Hütte, klappt es auch besser mit der Bildung. Oder der Mann mit dem Spezialfahrrad, wo sich die Leute ihre Handys gegen kleine Gebühren "solar" aufladen lassen.

Es gibt sehr viele kleine Veränderungen die sich multiplizieren. Schon 25 € Mikrokredit können das bewirken - allerdings nur, wenn man außer darüber zu reden, auch tatsächlich etwas tun möchte.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon Der Neandertaler » Di 12. Apr 2016, 14:07

Hallo jack.
jack000 hat geschrieben:U.a. der Norden Afrikas ist mit Sonne gesegnet ... Warum boomt die Solarbranche nicht schon längst in Afrika in einem viel höheren Maßstab?
Ob eine solch gigantische Anlage, wie etwa Desertec, die zukünftige Energie liefert, oder doch lieber die regionale Lösung? Wir würden bei einer überregionalen Lösung eher in eine neue Abhängigkeit - ob sie besser oder schlechter ist, sei dahingestellt.
Wir haben uns vom Öl abhängig gemacht, ... hätten dies mit Gas auch getan und nun mit Solar?
Die Abhängigkeit vom Öl bestand darin, daß Öl zu (fast) allem verarbeitet und Öl für (fast) alles benötigt wurde.
Öl wurde als Antriebsmittel für Motoren gebraucht, ...für Motoren, mit denen wir uns fortbewegt haben, ebenso für Motoren, die zur Energiegewinnung angetrieben wurden.
Die Energiegewinnung wurde in Europa ebenso wie andernorts bewerkstelligt. In der jetzigen Debatte find ich spannend, daß nun hinterfragt wird, wozu welche Technik, in welchen Teilbereichen, wo eingesetzt werden kann und muß?
Dabei wird eine regionale Lösung immer vermehrt zum Tragen kommen. Auch wird die Frage der Kosten entscheidend sein. Strom (egal, wie er gewonnen wurde), der über mehrere Kilometer transportiert werden muß, wird (abgesehen vom Leitungs-Verlust) unrentabel.

Also wird es wohl auf regionale Lösungen hinauslaufen. ... wie etwa das, was Du beschrieben hast. Wind- und Wasserenergie wird wohl eher im Norden (und an den Küsten) vorherrschen - Solarenergie wohl eher im Süden.
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Re: In Afrika entsteht die Zukunft der Solarenergie

Beitragvon Ebiker » Fr 5. Aug 2016, 19:02

jack000 hat geschrieben:(08 Apr 2016, 19:47)

http://www.welt.de/wissenschaft/article ... ergie.html

U.a. der Norden Afrikas ist mit Sonne gesegnet und könnte durch die Produktion von Solarstrom den eigenen Markt stärken, sowie auch Energie exportieren (z.B. nach Europa, auch wenn es Wirkungsgradverluste durch die Leitungslänge gäbe).
Natürlich besteht die Gefahr durch unruhige politische Verhältnisse aber die Erfahrung zeigt doch, dass Verdienstmöglichkeiten immer bestehen bleiben solange es Personen gibt, die damit Geld verdienen (z.B. Tourismus in Tunesien).

Warum boomt die Solarbranche nicht schon längst in Afrika in einem viel höheren Maßstab?


Die oben verlinkte Anlage hat auch erhebliche Probleme, z.B. einen enormen Wasserverbrauch. Desertec ist mausetot, Strom aus Afrika für Europa eine Illusion. Aber wenigstens ein paar Solarpaneele gönnen die Gutmenschen den Eingeborenen

Viele Menschen glauben, dass der globale Energieverbrauch schon viel zu hoch sei und uns dies letztlich in die (Klima-)Katastrophe führen wird. Wenn sie sich spontan ein ideales Afrika ausmalen, dann ist es ein Kontinent, wo Eingeborene mit deutscher Unterstützung in kleinen, solarifizierten Öko-Dörfern ein würdevolles einfaches Leben in Einklang mit der Natur führen, ohne dem Planeten Böses zu tun. Ein Leben, das die wohlmeinenden westlichen Off-Grid-Fans freiwillig jederzeit beginnen könnten, es aber nicht tun, woraus man schließen kann, dass es so erstrebenswert wohl nicht ist. Ein Leben, das aus westlicher Sicht offenbar gut genug für Afrikaner ist, mehr aber nicht.

Dabei ist billiger jederzeit verfügbarer Strom die Grundlage jeder funktionierenden Volkswirtschaft, das wissen auch die Afrikaner. Auf Solar und Strom setzen sie nicht, zu teuer

Dass die meisten Länder freiwillig kaum auf Wind und Sonne setzen, ist verständlich. Die Kosten sind selbst für den sonnenverwöhnten Kontinent zu hoch. Nach einer Schätzung des Center for Global Development kann mit Investitionen von zehn Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien eine Elektrizitätsversorgung für 30 Millionen Menschen aufgebaut werden. Der gleiche Betrag in Gaskraftwerke investiert würde jedoch 90 Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität ermöglichen.



https://www.novo-argumente.com/artikel/energie_fuer_afrika
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
Houari Boumedienne

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