Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

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King Kong 2006
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 7. Apr 2018, 08:46

It´s all about economics.

Das niemand gerne Krieg führt, ohne dafür auch etwas zu bekommen, ist seit jeher nichts neues. Erstrecht nicht für einen Geschäftsmann wie Trump. USA sind lt. diversen Doktrinen aus bestimmten Gründen in der Region Persischer Golf. Es geht zwar vorgeblich immer um irgendwelche Zivilisten, aber wenn man den Gesprächen von Trump und den reichen Scheichs zuhört dreht es sich eher um Profanes.

For Trump, Syria policy is all about the economy -- and private jumbo jets

President Donald Trump, mulling how to end the US role in the Syrian conflict while having other countries "take care of it," has maintained an unusual fixation: the jumbo jets owned by Persian Gulf monarchs.

"Without us you wouldn't last two weeks. You'd be overrun. And you'd have to fly commercial," Trump told one Gulf leader recently in a conversation he boasted about later to friends.


Seine Strategie ist erstmal das Drama. Und wenn alle Angst bekommen, dann bietet er Auswege an. So weist er daraufhin, daß die absoluten Herrscher, die Öl-Scheichs ohne die USA längst weg vom Fenster wären. Er droht mit Abzug. Wenn die USA weiter Schutz bieten sollen, muß noch mehr bezahlt werden. Die direkte Ansage an das Haus al-Saud mit dem lächelnden Prinzen gibt es schon.

He's increasingly pressed foreign leaders -- particularly in the oil rich Gulf states -- to step up.


"Saudi Arabia is very interested in our decision, and I said, 'Well, you know, you want us to stay, maybe you're going to have to pay,' " Trump said on Tuesday.


Einem absoluten Herrscher mit einem commercial Flug zu drohen ist sicher das Härteste, was es für einen Öl-Scheich geben kann. :D
Die Zivilisten am Boden haben sicher andere Sorgen.

"Have you ever flown commercial before?" Trump asked one leader, according to a person he recounted the conversation to afterward. "He said, 'No.' And I said, 'Get used to it.' "

https://edition.cnn.com/2018/04/03/poli ... index.html


Solange aber z.B. das Haus al-Saud komplett unnötiges Kriegsgerät im Wert von hunderten Milliarden regelmäßig kauft, sollte der "Schutz" doch erstmal finanziert sein?
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon tabernakel » Sa 7. Apr 2018, 09:45

King Kong 2006 hat geschrieben:(06 Apr 2018, 08:51) In beiden Fällen ist es kein Zeichen von Stärke. Es sind Abwehrmanöver und Rückzugsgefechte. Die Frage wird lauten, ob die Art und Weise zum Einen effektiv für die USA (für den Bürger nicht für das Trump-Establishment) zum Anderen nützlich oder schädlich für andere (EU, Russland uvm.) sind.
Ich glaube nicht dass es allzu weit führt zu versuchen bei Trump irgendwelche "Zeichen" zu auguren. Und am Ende hat Trump bei beiden Themen bereits im Wahlkampf klare Ansagen gemacht: Einen Handelskrieg mit China sieht er aufgrund des hohen bilateralen Handelsdefizits maximal als Problem der anderen Seite (und vielleicht des Rests der Welt), und beim Thema Grenzschutz ist es auch nichts neues dass Trump da gerne ne Mauer vom Pazifik bis zum Atlantik hätte. Bei beidem hat er neben vielen Kritikern auch viele Unterstützer. Und am Ende wird in den USA beiden Seiten nichts mehr egal sein als verletzter chinesischer oder mexikanischer Nationalstolz ...

Abgesehen davon: Wenn Mexiko's Staatsführung bei dem Thema nicht mehr Argumente einfallen als sich über "Grenzmilitarisierung" und vorgeblich verletzten Nationalstolz zu echauffieren, nur weil die USA anfangen ihre Grenze überhaupt mal mit ein paar tauschend Hanseln effektiv zu überwachen, dann ist das auch sehr vielsagend. Vor allem anderen weil sie die naheliegendste Gegenmaßname bei "Grenzmilitarisierung" offensichtlich als nicht in ihrem Interesse liegend ansieht: Ebenfalls ein paar tausend Hanseln zur Grenze schicken um diese von der anderen Seite effektiver zu überwachen.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 11. Apr 2018, 07:07

Außenpolitik und Innenpolitik. Wo feuert Trump eher? Bevor er Feuer von der Heimatfront bekommt?

US-Präsident Trump befeuert Spekulationen über einen Militärschlag in Syrien

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 02274.html


Sonderermittler Robert Mueller wird Donald Trump immer gefährlicher - hätte der Präsident die Macht, ihn zu feuern? Nein, sagen Rechtsexperten. Doch, sagt das Weiße Haus.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/d ... 02253.html


Sollte Trump Feuer frei auf Syrien geben, bevor der Sonderemittler ihm Feuer unter dem Hintern macht? Die große Kunst des Timings muß in der Politik gelernt sein.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Do 12. Apr 2018, 07:05

Die Trump-Administration fährt wieder Zick-Zack-Kurs. Während Trumps Countdown für Raketen an Moskau bereits abgelaufen ist, sagt seine Sprecherin Sarah Sanders das "noch nichts entschieden sei".

Es wäre schön, man könnte Trumps Tweets dahin verweisen, wo sie hingehören: ins Reich des Wahnsinns. Aber die Welt muss lernen, mit einem Mann umzugehen, der ganz offenkundig nicht weiß, was er tut. Vor zwölf Jahren hat der SPIEGEL einen Titel mit der Zeile "Der Irre mit der Bombe" gedruckt. Damals ging es um den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il. Heute passt der Satz auf den mächtigsten Mann der Welt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/n ... 02467.html


Als TV-Star und Komiker mag das im TV und in den Gazetten noch witzig sein. Als Präsident (mit den zweitmeisten Stimmen nach Hillary Clinton) nicht mehr.

Früher waren seine Medien seine besten Freunde, jetzt irgendwie nicht mehr.

Krieg gegen die Medien - das Autokraten-Drehbuch

Donald Trump verschärft seine Angriffe auf kritische Medien: Jetzt will der US-Präsident unliebsame Journalisten offenbar sogar überwachen lassen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/d ... 02113.html


Auch dem Generalsekretär der UN wird da mulmig.

Uno-Generalsekretär warnt vor Kontrollverlust im Syrien-Konflikt

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 02480.html


Sollte Trump kneifen, wie im Falle Nordkoreas? Dort drohte er mit "Feuer und Rauch", wenn Kim nicht seine Technik einstampft. Ist nichts passiert. Sollten hier wieder keine Raketen fliegen?
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Apr 2018, 07:16

Kriege gibt es, weil viele Menschen Krieg gut finden. Es wird ja als positiv beurteilt, wenn Trump Syrien angreift und negativ, wenn er dieses nicht macht. Erdogan und Putin punkten hier ja auch bei ihren Anhängern. Dummerweise muss selbst ein friedliebender Staat sich schützen, weil der Mensch halt so ist.

Beim IS gehört der Krieg sogar zum System. Es muss hier ja ein weltweites Kalifat mit nur Sunniten errichtet werden.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon zollagent » Do 12. Apr 2018, 07:25

tabernakel hat geschrieben:(07 Apr 2018, 10:45)

Ich glaube nicht dass es allzu weit führt zu versuchen bei Trump irgendwelche "Zeichen" zu auguren. Und am Ende hat Trump bei beiden Themen bereits im Wahlkampf klare Ansagen gemacht: Einen Handelskrieg mit China sieht er aufgrund des hohen bilateralen Handelsdefizits maximal als Problem der anderen Seite (und vielleicht des Rests der Welt), und beim Thema Grenzschutz ist es auch nichts neues dass Trump da gerne ne Mauer vom Pazifik bis zum Atlantik hätte. Bei beidem hat er neben vielen Kritikern auch viele Unterstützer. Und am Ende wird in den USA beiden Seiten nichts mehr egal sein als verletzter chinesischer oder mexikanischer Nationalstolz ...

Abgesehen davon: Wenn Mexiko's Staatsführung bei dem Thema nicht mehr Argumente einfallen als sich über "Grenzmilitarisierung" und vorgeblich verletzten Nationalstolz zu echauffieren, nur weil die USA anfangen ihre Grenze überhaupt mal mit ein paar tauschend Hanseln effektiv zu überwachen, dann ist das auch sehr vielsagend. Vor allem anderen weil sie die naheliegendste Gegenmaßname bei "Grenzmilitarisierung" offensichtlich als nicht in ihrem Interesse liegend ansieht: Ebenfalls ein paar tausend Hanseln zur Grenze schicken um diese von der anderen Seite effektiver zu überwachen.

Warum sollte sie auch? Es geht keine Gefährdung des mexikanischen Staates von der Grenze zu den USA aus.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon zollagent » Do 12. Apr 2018, 07:32

Adam Smith hat geschrieben:(12 Apr 2018, 08:16)

Kriege gibt es, weil viele Menschen Krieg gut finden. Es wird ja als positiv beurteilt, wenn Trump Syrien angreift und negativ, wenn er dieses nicht macht. Erdogan und Putin punkten hier ja auch bei ihren Anhängern. Dummerweise muss selbst ein friedliebender Staat sich schützen, weil der Mensch halt so ist.

Beim IS gehört der Krieg sogar zum System. Es muss hier ja ein weltweites Kalifat mit nur Sunniten errichtet werden.

Es geht hier wohl nicht darum "Syrien anzugreifen". Ich schrieb es schon einmal, es ist der Falsche, der hier das Richtige macht. Der Falsche deswegen, weil er Syrien und die Giftgasangriffe nur instrumentalisiert, um seine innenpolitischen Probleme kleiner erscheinen zu lassen. Den Patriotismusknopf drücken ja viele, die ihre Stellung möglicherweise gefährdet sehen. Das Richtige deshalb, weil die Stützpunkte, von denen solche Angriffe mit Massenvernichtungswaffen gestartet werden, schlicht neutralisiert, oder vielleicht besser, vernichtet gehören. Das hätte Russland schon vermeiden können, wenn sie Assad vorher, vielleicht auch intern, in die Schranken gewiesen hätten. Aber die Show, die Putin da geboten bekommt, als Retter einer angegriffenen Nation zu fungieren, die konnte er wohl nicht liegen lassen. Wobei hier weniger "die Nation" das Ziel wäre, sondern eher eine kleine Verbrecherclique, die dieser Nation mehr schadet, als alle Rebellen es jemals könnten. Wobei hier immer noch zu unterscheiden wäre, ob diese Rebellen Syrien als Nation schaden möchten oder schlicht nur ihren Unterdrücker loswerden wollen. Letzteres halte ich für völlig gerechtfertigt.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 14. Apr 2018, 20:56

Ob es ihm hilft? Nach einem recht minimalistischen, symbolischen Angriff auf syrische Ziele.

US-Einsatz gegen Syrien

Das Ablenkungsmanöver

Schon oft haben US-Präsidenten Kriege benutzt, damit die die Amerikaner weniger auf innenpolitische Problemen schauen. Das hofft auch Donald Trump.


So auch Donald Trump. Einen ersten US-Raketenangriff gegen Syrien befehligte er voriges Jahr noch von seinem Luxusanwesen in Florida aus, zwischen Steak und Schokotorte. In der Nacht zum Samstag baute er sich nun im Diplomatic Room des Weißen Hauses auf und trug vor, was man ihm aufgeschrieben hatte - steif, stockend, als entziffere er jedes Wort einzeln.


Ähnlich hatten seine Vorgänger ihre jeweiligen Kriegsgegner verteufelt, um dann eine Barrage von Tomahawks loszujagen, Amerikas Lieblingswaffe für solche Fälle. Doch mehr noch als bei früheren US-Einsätzen scheint die Motivation des Oberbefehlshabers, sein wahrer Beweggrund, diesmal höchst fraglich - und findet sich eher in seinen eskalierenden Problemen zuhause.


Trump entdeckt Gefühle, weil es ihm nützt

"Hier geht es um Menschlichkeit", sagte er in seiner Rede. Angeblich war er, wie vergangenes Jahr schon, tief berührt von den Fotos getöteter Kinder. Doch seine Empörung klingt hohl: In Syrien stirbt die Menschlichkeit seit langem - trotzdem befahl Trump seinen Militärs gerade erst einen kompletten Abzug, was seine tiefe Gleichgültigkeit über die humanitäre Katastrophe dort offenbart. Diese Gleichgültigkeit zeigt sich auch anderswo: 2016, unter Obama, nahmen die USA noch 15.479 syrische Flüchtlinge auf, im ersten Amtsjahr Trumps waren es nur noch 3024 - und in diesem Jahr bisher elf.


"So in die Ecke getrieben war Trump lange nicht mehr", schreibt Maggie Haberman, Korrespondentin der "New York Times", auf Twitter. Als größte Bedrohung sieht er nach US-Medienberichten weder die Lage in Syrien noch den langen Schatten des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller oder das Enthüllungsbuch des früheren FBI-Chefs James Comey - sondern das unerwartete FBI-Kriminalverfahren gegen Trumps Anwalt Michael Cohen, das ihn und seine Berater überrascht und verunsichert haben soll.


"Hätte kein besseres Ergebnis haben können", twitterte Trump über den Syrien-Angriff, als er an diesem Samstag erwachte. "Mission Accomplished!"

Diese Worte standen auch auf einem Banner, vor dem George W. Bush 2003 das Ende des Irakkriegs verkündet hatte - voreilig, wie sich herausstellte.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 02957.html


Hat er für sich ein gutes Ergebnis mit den Bombardierungen erzielen können? An der machtpolitischen Situation in Syrien wird sich nichts geändert haben. Das war wohl auch kaum die Intension von Trump.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon tabernakel » So 15. Apr 2018, 08:00

zollagent hat geschrieben:(12 Apr 2018, 08:32) Es geht hier wohl nicht darum "Syrien anzugreifen". Ich schrieb es schon einmal, es ist der Falsche, der hier das Richtige macht. Das Richtige deshalb, weil die Stützpunkte, von denen solche Angriffe mit Massenvernichtungswaffen gestartet werden, schlicht neutralisiert, oder vielleicht besser, vernichtet gehören.
Diesen Aspekt scheinen mir zu viele zu selten zu sehen: Dass auch jemand für den man eine ausgeprägte Antipathie hegt (eine die ich in Trumps Fall durchaus teile) immer wieder mal das Richtige machen kann. Die Welt ist nun mal nicht schwarz/weiss, und selbst ein Trump wird statistisch gesehen bei 100 anstehenden Fragen einige richtige Entscheidungen treffen. Selbst unser Gröfaz hat die ein- oder andere Entscheidungen gefällt die wir selbst heute noch als richtig ansehen (wie den Bau von Autobahnen), ohne dass das unsere historische Beurteilung in irgend einer Art und Weise beeinflusst. Der Prozentsatz und die Relevanz der falschen Entscheidungen ist am Ende entscheidend für eine Bewertung, nicht jede Einzelfrage. Zumal hier Trump keine Soloaktion gestartet hat, sondern die Briten und die Franzosen mit an Bord sind. Und gerade letztere haben nun wirklich kein Problem damit amerikanischen Präsidenten den Rücken zu zeigen wenn diese aus ihrer Sicht daneben liegen, siehe Irak-Krieg.

Spannend fand ich's dass sich Linke und Afd in brüderlicher Einigkeit gegen den Angriff aussprachen, im Gegensatz zu allen anderen. Historisch auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen ist nun mal die Spezialität der beiden Parteien, und daher konnten sie wohl auch in dieser Frage die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen das wieder mal deutlich zu demonstrieren.

zollagent hat geschrieben:Der Falsche deswegen, weil er Syrien und die Giftgasangriffe nur instrumentalisiert, um seine innenpolitischen Probleme kleiner erscheinen zu lassen. Den Patriotismusknopf drücken ja viele, die ihre Stellung möglicherweise gefährdet sehen.
Das Argument wird ja gerne gebracht, und es ist ja auch durchaus naheliegend angesichts der innenpolitischen Lage in den USA. Nur wird dabei vergessen dass eine militärische Einzelaktion völlig ungeeignet ist von innenpolitischen Problemen abzulenken, denn ersteres in einer Woche wieder Schnee von gestern, während letzteres die USA noch Monate in Atem halten wird.

zollagent hat geschrieben:Das hätte Russland schon vermeiden können, wenn sie Assad vorher, vielleicht auch intern, in die Schranken gewiesen hätten. Aber die Show, die Putin da geboten bekommt, als Retter einer angegriffenen Nation zu fungieren, die konnte er wohl nicht liegen lassen. Wobei hier weniger "die Nation" das Ziel wäre, sondern eher eine kleine Verbrecherclique, die dieser Nation mehr schadet, als alle Rebellen es jemals könnten.
Denke die Sache ist am Ende auch für Putin eine krachende Ohrfeige. Außenpolitisch vor allem anderen weil Russland im Sicherheitsrat praktisch kaum Unterstützung beim Versuch bekam das Vorgehen von USA, UK und Frankreich zu verurteilen - die vergossenen Krokodilstränen nahm Putin schlicht kaum einer ab. Und zudem machtpolitisch weil eines wieder glasklar wurde: Das in der Gegend vor allem anderen zu Werbezwecken platzierte russische Luftabwehr-Equipment (die Rebellen haben schlicht keine Flugzeuge) hat sich als völlig ungeeignet erweisen Diktatoren im Fall der Fälle vor westlichen Gegenmaßnahmen zu schützen. Selbst Jets die in den 70ern entworfen wurden (Tornado, B1) sind ohne weiteres in der Lage strategische Ziele zu zerstören indem sie Cruise-Missiles aus großer Entfernung abfeuern.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » So 15. Apr 2018, 15:38

Die Presse, hier auch weitestgehend die sogenannte westliche, ist sich einig. Trump ist für die Welt und für sein Amerika eine Belastung. Hier auch anhand der Luftangriffe in Syrien.

Trump ist eine Belastung für Amerika und die Welt"

Die westeuropäische Presse ist sich weitgehend einig: Die US-geführten Luftangriffe auf Ziele in Syrien werden den Konflikt nicht entscheidend zum Positiven wenden. Donald Trump wird teils harsch kritisiert.

http://m.spiegel.de/politik/ausland/don ... 02988.html


Naja, wie sagte er, eben Fakenews. Offenbar begreifen viele den tieferen Sinn seines Wirkens nicht. ;)
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 21. Apr 2018, 09:02

Gipfeltreffen Trump-Kim? Auf Augenhöhe dann.

Was ist über Clinton geschimpft worden, als er in Verhandlungen mit Nordkorea gegangen ist. Da war man schon längst. Dann kamen Bush und die Neocons und alles wurde gecancelt. Und als Achse des Bösen auf eine Zielkoordinate gesetzt. Nordkorea wurde daraufhin zur Atommacht. Jetzt will sich Trump mit Kim treffen. Also, so wie diese liberalen Demokraten. ;)

Er hat gemerkt, daß er mit "Rauch und Feuer" nicht weiterkommt. Er wird das sicher nicht als Schwäche, sondern als diplomatische Meisterleistung der Meisterklasse seiner Wählerschaft verkaufen. Nur er schaffte das und eben auch vorher schon viel weiter z.B. Clinton...

Das ist auch ein starker Zeichen nach Außen. Hast du keine militärische Wehrhaftigkeit, z.B. Atomwaffen, dann kann es schon mal Napalm, Agent Orange, Bombenteppiche oder trumpisches Neusprech sehr "schöne und intelligente" Marschflugkörper regnen. Siehe Vietnam, Irak oder Syrien. Zur Interessenswahrung. Besorgst du dir Atomwaffen, siehe Russland, oder jetzt Nordkorea, kommt el presidente himself! Keine verherrende Zerstörungskraft. Was zieht man daraus an Lehren...?

Kim auf der anderen Seite verkündet man wolle z.B. keine Atomwaffentests mehr durchführen. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Wenn man einige Tests durchgeführt hat, dann reichen die Daten um mit Supercomputern zur Simulierung arbeiten zu können. Seinerzeit verkündete das z.B. die Atommacht Frankreich in der Südsee. Nur noch ein paar Tests, dann hören wir auf. Rest per Rechner. Keine Atommacht testet mehr heute scharf. Alles am Rechner. Solche Rechner stehen z.B. auch im Iran. Man zündet ein paar Bomben, wie zuletzt in Nordkorea. Daten sammeln und der Rest geht digital. So gesehen ist das nicht wirklich ein phänomenales Angebot von Kim.

Keine Atomversuche und Tests mit Interkontinentalraketen mehr, dafür volle Konzentration auf Wirtschaftswachstum: Mit dieser von Staatsmedien verbreiteten Ankündigung hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un vor den Gipfeltreffen mit Vertretern Südkoreas und der USA überrascht.


Kim begründete den Schritt am Samstag unter anderem mit der Vollendung des nordkoreanischen Atomprogramms - dieser "große Sieg" mache weitere Tests unnötig.


US-Präsident Donald Trump lobte den Schritt auf Twitter: "Sehr gute Nachrichten für Nordkorea und die ganze Welt - Großer Fortschritt." Und dann: "Freue mich auf unser Gipfeltreffen."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/n ... 04121.html


Trump lobt die Politik von Kim. Wirklich ein TV-Komiker. Vorher sprach er noch von "Rauch und Feuer". :cool:
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon zollagent » So 22. Apr 2018, 08:33

Ich halte Kims Ankündigung für eine Mogelpackung, die den Druck von Nordkorea nehmen soll, weil die internationale Gemeinschaft nicht nur die Einstellung von Tests, sondern die nukleare Abrüstung gefordert hat. Ein Herr Trump hat einen Spatz in der Hand, den er seiner tumben Anhängerschaft als "Sieg seiner kraftvollen Präsidentschaft" verkaufen kann und Kim Jong Un kann auf seiner Herrschaftsgarantie, nämlich seinen Atomwaffen, sitzen bleiben. Oh Herr, laß Hirn regnen.....
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Do 26. Apr 2018, 07:46

Macron ist offenbar der Auffassung, daß Trump aus innenpolitischen Gründen das Abkommen mit dem Iran platzen lassen wird.

Macron rechnet mit Aus für Iran-Atomabkommen

Er gehe davon aus, dass Trump die aktuelle "Vereinbarung aus innenpolitischen Gründen eigenständig loswerden wird", sagte der französische Präsident.

https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... -trump-usa


Als nächstes kommt vom EU-Kern Merkel zu Trump. Dieser wird wohl eine lehrmeisterliche Standpauke für die deutsche Bundeskanzlerin bereit haben.

USA-Besuch der Kanzlerin

Merkel droht Standpauke von Trump


Dabei droht "das dicke Kind im Weissen Haus" mit alter Psychostrategie. Er wird sich auf den Boden schmeissen und herumschreien. Und wenn Mutter Merkel das im Supermarkt bzw. auf offener Bühne bei einer Pressekonferenz zu peinlich wird, wird er bekommen was er will. Damit das dicke Kind damit endlich aufhört. Das ist ja seine bisherige Strategie. In Fragen Nordkoreas oder Mexiko. Randale machen und dann hoffen, das Klügere nachgeben werden, weils unangenehm wird.

Drohung in Richtung Berlin?

Mitchell erläuterte demnach, bei der Visite der Kanzlerin werde es für Trump zwei zentrale Themen geben: Die US-Forderung nach einer Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben hin zum sogenannten Zwei-Prozent-Ziel der Nato. Auch könnte Trump einen möglichen Stopp des deutsch-russischen Pipeline-Projekts Nord Stream 2 zur Sprache bringen.

Nach der Visite des US-Diplomaten war in Berlin von einer unverhohlenen Drohung die Rede. Wenn sich Deutschland bei beiden Themen nicht einsichtig zeige und liefere, könnte Trump den Streit auf der großen Bühne bei der Pressekonferenz ansprechen. Spätestens dann wäre der tiefe Graben zwischen Berlin und Washington für alle sichtbar.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/a ... 04840.html


Könnte bei Teflon-Merkel klappen. Sie macht keinen Eindruck da in den Clinch zu gehen.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 5. Mai 2018, 09:03

Trumps Sicherheitsberater John Bolton empfiehlt allen ernstes das "Libyen Model" für Nordkorea.

Trump thinks his North Korea strategy will work on Iran. He’s wrong on both.

Trump’s new national security adviser, John Bolton, continues to call for a “Libya model ” of denuclearization for North Korea, where the United States would take custody of the weapons. For Kim, though, Libya illustrates why giving up nuclear weapons is folly. Moammar Gaddafi agreed to surrender his nuclear program in 2003, and the United States and its allies toppled his regime less than a decade later. Kim is unlikely to make the same mistake — and unlike Gaddafi’s, Kim’s weapons already work. Libya and Trump’s rhetoric on Iran reinforce a critical lesson for North Korea: Nuclear weapons offer a lifetime insurance policy, while security assurances can have expiration dates.

https://www.washingtonpost.com/outlook/ ... 3b73e6256e


Dieses Model wird kaum das Interesse oder Begehrlichkeiten für Nachahmer finden. Die Qualität der Arbeit eines John Bolton, immerhin von Trump ernannter persönlicher Berater lässt sich an diesen Geistesblitzen messen. Schon iranischen Vertretern ist bei so einem "Angebot" bei einer Pressekonferenz fast der Kragen geplatzt. Das war vor einigen Jahren. Alleine der Vergleich Libyens mit Irans wurde als Provokation aufgefasst. Das kam ähnlich gut an, wie wenn man chinesischen Vertretern ein Abrüstungsmodell wie für Nordkorea anbieten würde. Die würden nicht mal auf Details eingehen. Alleine diese Frage.

Nordkoreas Führung ein total kollabiertes Land mit einer ehemaligen Führung, die abgerüstet hat und dann entsorgt wurde als Modell anzubieten ist Diplomatie der Meisterklasse! :D

"Libyen-Modell" = Abrüstung, dann Hinmetzeln der Führung (u.a. durch anales Einführen spitzer Gegenstände) durch radikale Hooligans und anschließender Zerfall und unkontrollierbarer Zustände. Mag für den Sicherheitsapparat in den USA ein paar tausend Kilometer weit weg eine Lösung darstellen. Ist den Betroffenen vor Ort aber irgendwie nicht sympathisch. :?:
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Di 8. Mai 2018, 18:30

Donald T. wird in Kürze seine Entscheidung betreffs des Abkommens mit dem Iran mitteilen. Die EU, allen voran Frankreich, Deutschland, ja sogar die Briten in Form des Außenministers Johnson haben Trump eindringlich zugesprochen. Von China und Russland zu schweigen.

Eine gute Entwicklung ist eventuell absehbar, wenn Trump das Abkommen platzen lassen wird. Die EU und der Iran sprechen sich ab.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland hoffen, dass es nicht zur Aufkündigung kommt: Hochrangige Vertreter dieser Länder sowie die Chefin des Europäischen Auswärtigen Dienstes, Helga Schmid, trafen in Brüssel mit Irans Vize-Außenminister Abbas Araghchi zusammen. Das Gespräch sollte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Nuklearvereinbarung "aufrecht erhalten und umgesetzt wird", hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.


Die Behörde erklärte weiter, Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sei sich mit den europäischen Partnern einig: "Mit diesem Abkommen ist nicht nur diese Region, sondern auch die Welt sicherer als ohne."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 06863.html


Es ist spannend, was sich die EU, Russland, China, der Iran uva. überlegen werden den Schaden, den Trump bei einer Aufkündigung vom Stapel lässt klein zu halten. Man wird sich enger absprechen. Die USA - zum Threadthema - wird sich zurückziehen.


Majority say US should not withdraw from Iran nuclear agreement

https://edition.cnn.com/2018/05/08/poli ... index.html


Bei der iranischen Bevölkerung wird ein Rückzug von Donald Trump mächtig psychologisch Eindruck machen. Die Entwicklung wird weit zurückgeworfen.

Iranians "exhausted" by anticipated US exit from agreement


The Financial Times Najmeh Bozorgmehr wrote: “In my two decades of reporting on Iran for the Financial Times, I cannot recall such high a level of anxiety and disappointment among the business community, politicians, artists and ordinary people; all are concerned that reform in any field, from economic and social issues to domestic and foreign policy, might never happen. Public perception is even gloomier than the reality.”

https://www.theguardian.com/world/live/ ... ve-updates
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Di 8. Mai 2018, 19:21

TV-Trottel Trump zieht die USA aus den Abkommen. Bezieht sich dabei auf Netanjahus Ausführungen. Bleibt abzuwarten was die EU, China, Russland, Indien, Brasilien, Südafrika usw. und Iran daraus machen.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Di 8. Mai 2018, 21:35

Donalds nächster Geniestreich?

Trumps Iran-Entscheidung

Einfach brandgefährlich

Mit seiner Hochrisiko-Politik gegenüber Iran bringt der US-Präsident den Nahen Osten an den Rand eines großen Krieges.


Trump begeht den bislang wohl größten außenpolitischen Fehler seiner Amtszeit. Die von ihm in Feldherrenpose vorgetragene Aufkündigung des Iran-Abkommens ist hochriskant, verantwortungslos, ja, dumm. Dafür gibt es fünf Gründe.


Erstens: Die USA machen sich mit diesem Schritt als internationaler Vertragspartner unglaubwürdig. Die Botschaft an die Welt ist klar: Abkommen, die mit Amerika geschlossen werden, sind nicht unbedingt viel wert. Vor allem Nordkorea wird sich nun zwei Mal überlegen, ob es mit Trump einen Deal macht. Zugleich geben die USA ein schlechtes Vorbild für andere Staaten ab. Jeder Westentaschen-Diktator kann sich künftig auf Donald Trump berufen, wenn er Abkommen aufkündigt oder verletzt. So entsteht bestimmt nicht mehr Ordnung und Sicherheit in der Welt, sondern weniger.

Zweitens: Alle Uno-Experten, sogar Trumps eigene Top-Regierungsleute, sagen, dass sich Iran an den Atom-Deal hält. Der einseitige Vertragsbruch durch die USA verkehrt damit die politischen Vorzeichen. Iran kann sich plötzlich als die "gute Seite" in dem Spiel inszenieren, als Opfer amerikanischer Aggression. Eine ähnliche Taktik werden Russland und China verfolgen. Für sie ist der Vertragsbruch eine Gelegenheit, die USA als "Bösewicht" der internationalen Ordnung an den Pranger zu stellen. Das nennt man dann wohl einen Public-Relations-Coup.


Drittens: Donald Trump isoliert die USA und spaltet den Westen. Zwar erhält er Applaus von Israel, aber der Präsident macht klar, dass er auf die Meinung anderer wichtiger Verbündeter wie Großbritannien, Frankreich oder Deutschland pfeift. Sie alle haben versucht, ihn von diesem Schritt abzubringen, weil sie den Deal als Stabilitätsfaktor in der Region sehen. Er hat nicht auf sie gehört. So leistet er der Entfremdung zwischen den USA und Europa weiter Vorschub, es dürfte in Zukunft immer schwieriger werden, auch bei anderen Themen zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.

Viertens: In Teheran schwächt der Ausstieg die Reformer um Präsident Hassan Rohani. Die Hardliner, die den Amerikanern nie über den Weg trauen wollten, werden sich bestätigt fühlen. Das neue Sanktionsregime wird die wirtschaftliche Lage verschlechtern. Neue Unruhe und interne Konflikte drohen. Natürlich kann man so wie Trump und sein Sicherheitsberater John Bolton darauf setzen, dass sich dabei die Reformer durchsetzen und das Mullah-Regime kollabiert. Aber das bleibt nur eine vage Hoffnung. Zunächst werden die konservativen Kleriker und Militärs mit Gewalt und neuen Repressionen ihre Macht absichern.

Fünftens: Ja, es stimmt, Iran unterstützt Terror und schürt Konflikte im Nahen Osten. Und, ja, der Iran-Deal ist nicht perfekt. Aber er stellte bislang wenigstens sicher, dass Iran keine Atomwaffe baut. Teheran hat nun eine schöne Entschuldigung, um das Atomprogramm bald wiederaufzunehmen. Trump hofft darauf, dass er mit einer Mischung aus Drohungen und Sanktionen einen neuen, besseren Deal abschließen kann. Er setzt auf das Modell Nordkorea, wo er vielleicht bald ein Abkommen erreicht (oder auch nicht). Doch dies ist auch nur eine riskante Wette. Erst einmal bringt Trump die USA, Israel und die gesamte Region zurück an den Rand eines großen Krieges.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/d ... 06908.html


Es ist zu erwarten, daß der Iran die Produktion hochfahren wird. Dagegen wird man, wie schon unter Bush, nichts tun können.

Irans Präsident Hassan Rohani hat in einer Fernsehansprache auf den Rückzug der USA aus dem Atomdeal reagiert: Er kündigte Verhandlungen mit anderen Ländern über die Zukunft des Abkommens an. Blieben diese ohne Ergebnis, würde das Land mit der Wiederaufnahme der Urananreicherung "in den nächsten Wochen" beginnen, sagte Rohani.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 06907.html


Teheran lässt verlautbaren, daß man im Abkommen bleiben will. Kann der Westen (minus Donald) aber keine Kompensation anbieten, gibt es keinen Grund etwas mehr zu beschränken. Militärisch gab und gibt es im Falle Irans keine Antwort darauf. Trump hat einen gefährlichen Kurs eingeschlagen.

Schade das Stormy Daniels, die ihn so sehr an seine Tochter erinnert nicht vorher zu Fall bringen konnte. Trump hat bereits viel angerichtet.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 9. Mai 2018, 07:08

Trump withdraws from Iran nuclear deal, isolating him further from world

While Trump supporters praised the move, analysts and critics said it undermines Washington's credibility in future negotiations -- particularly with North Korea -- and potentially empowers the very hardliners in Iran that Trump vilified in his remarks.

It also further isolates Trump on the global stage, where he has angered even the staunchest US allies by reneging on US commitments to the Paris climate accord and pulling out of the Trans-Pacific Partnership trade agreement.


Some of the US' closest allies, the UK, France and Germany, issued a statement expressing "regret and concern" about the decision, emphasizing Iran's compliance with the deal and their "continuing commitment" to the Joint Commission Plan of Action, as the deal is formally known.


"We don't need new crises in the region," Erdogan told CNN's Becky Anderson.


Tatsächlich manövriert Trump die USA in eine Position, in der man nicht mehr viel Handlungsspielraum im Ernstfall hat.

Former President Barack Obama, who rarely comments on his successor, issued a statement describing Trump's move as a "serious mistake" that could leave the US with a "losing choice between a nuclear-armed Iran or another war in the Middle East."

https://edition.cnn.com/2018/05/08/poli ... index.html


Donald T. wird es schwer haben die USA wieder in einen Handlungsspielrahmen einzusteigen lassen zu können. Er ist jetzt erstmal raus. Die Sache wird zwischen anderen Mächten ausgehandelt.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 9. Mai 2018, 20:19

Der neue US-Botschafter in Berlin befiehlt erstmal im Kasernenton, was Berlin jetzt zu tun hat. :cool:

"Partnerschaft und Kasernenhof-Ton schließen sich aus"

Erster Tag im Amt, gleich die Gastgeber düpiert: Der neue US-Botschafter in Berlin erntet harsche Kritik für seine Aufforderung an hiesige Unternehmer, sich sofort aus Iran zurückzuziehen. Beobachtern zufolge verheißt dieser Start nichts Gutes.


Drohungen gegen deutsche Unternehmen oder gegen Personen kenne man sonst nur aus anderen Ländern. "Deutschland und die Europäische Union werden gemeinsam alles dafür tun, um die Vereinbarung mit Iran zu erhalten und zu stärken. Firmen, die auf dieser Grundlage eine Zusammenarbeit mit iranischen Partnern haben oder suchen, muss Hilfe und Schutz zuteilwerden", so Mützenich.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 06960.html


Naja, es gehören ja auch immer zwei dazu. Während FDP, CDU und Grünenvertreter das übelnehmen und die Linke sogar eine Einbestellung von "Trump-Junior" fordert, meint Aussenminister Heiko M. nur schmallippig "Nichts". Auf die Frage, was er davon halte. Warum sollte man sich anders verhalten, aus Sicht des neuen US-Botschafters? Geht doch.
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Re: Isolation oder Bewahrung der globalen US-Stellung? Die Protokolle von Greenwich

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 11. Mai 2018, 21:21

Wie kann der Handelskrieg von Trump international gekontert werden? Am Beispiel Chinas. Auch ein Beispiel für Europa?

China’s new train line to Iran sends message to Trump: We’ll keep trading anyway

While the United States is now urging foreign companies to wind down their operations in Iran, China appears to be doing the opposite. Thursday’s launch of a freight train connection was only the latest measure that Beijing has taken to intensify trade relations with Iran, and there seem to be no plans so far to give in to U.S. demands.

During a media briefing Wednesday, Chinese Foreign Ministry spokesman Geng Shuang said that Iran and China would “maintain normal economic ties and trade.”


Es besteht die Möglichkeit, daß Bypass-Systeme zum Umgehen von US-Sanktionen sich zunehmend ausbreiten. Das könnte auch für Europa interessant werden.

“The difference is that China has more companies that are isolated from the U.S. market — and possible sanctions,” said King’s College London security fellow Dina Esfandiary. “And even if they aren’t isolated, all the Chinese government has to do is to create new, separate companies.” The same also applies to banks, Esfandiary said.

That’s how China has to some extent managed to circumvent U.S. sanctions in the past and would likely be able replicate this time. Rather than trading in U.S. dollars, China and Europe could use their own currencies, for example. There are also plans to create separate funds and banks the United States would be unable to punish for having ties to Iran.



“The more the United States (overreaches), the more other countries are going to look for ways to set up longstanding systems that U.S. sanctions would no longer be able to affect,” said Esfandiary. In other words: Trump’s Iran decision could weaken U.S. sanctions threats in the long run.


Circumventing sanctions against Tehran worked even at a time when Russia and China both agreed with isolating Iran to some extent over its nuclear program, prior to the 2015 deal. Now, avoiding punitive actions would be even easier, experts agree. “The days of joint international isolation of Iran are over,” said Esfandiary, even though she cautioned that “there is less willingness to anger the U.S. in Europe than there is in China.”


If Europe turns to Chinese know-how to circumvent U.S. sanctions, the United States might find that the country being isolated in this situation is not Iran after all, but itself.

https://www.washingtonpost.com/news/wor ... 06793552de


Aktion - Reaktion. Es wird immer versucht "alternative Wege" zu finden. Die fand die USA auch um Saddam Hussein mit sowjetischer Technik (!) zu beliefern.

The United States assisted Iraq through a military aid program known as "Bear Spares", whereby the U.S. military "made sure that spare parts and ammunition for Soviet or Soviet-style weaponry were available to countries which sought to reduce their dependence on the Soviets for defense needs."[25] According to Howard Teicher's court sworn declaration:

If the "Bear Spares" were manufactured outside the United States, then the U.S. could arrange for the provision of these weapons to a third country without direct involvement. Israel, for example, had a very large stockpile of Soviet weaponry and ammunition captured during its various wars. At the suggestion of the United States, the Israelis would transfer the spare parts and weapons to third countries... Similarly, Egypt manufactured weapons and spare parts from Soviet designs and provided these weapons and ammunition to the Iraqis and other countries.

https://en.wikipedia.org/wiki/United_St ... g_the_Iran–Iraq_war


Solche "Schurkereien" können Chinesen und Europäer auch. Es werden Netzwerke gebildet, die nur dazu da sind die Handelskriegsführung der USA zu unterlaufen. Das ist alles nicht neu. Die Gefahr aktuell ist, daß bei dem "um sich schmeissen" von Sanktionen durch Trump, daß die Gegenreaktionen so aus dem Boden spriessen, daß die Handelskriegsführung durch Sanktionen damit auf lange Sicht stumpf wird.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am Fr 11. Mai 2018, 21:36, insgesamt 1-mal geändert.
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