amerikanische demokratie

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odiug
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon odiug » Sa 4. Feb 2017, 22:20

Die Frage dieses Strangs, ob die USA eine "echte Demokratie" ist, wird ja gerade getestet durch the Donald.
Es gibt mehrere offene Baustellen in den USA, zB. Wahlbezirke, Oeffnungszeiten, Photo ID, Wahlrecht fuer Verurteilte ... die duerfen teilweise auch nach ihrer Freilassung nicht waehlen, das electoral college, veraltete Technik bei der Auszaehlung ... usw.
Ausgang offen ... man wird sehen, wie das ausgeht.
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harry52
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon harry52 » Sa 4. Feb 2017, 22:47

odiug hat geschrieben:Die Frage dieses Strangs, ob die USA eine "echte Demokratie" ist, wird ja gerade getestet

Eine weitere Frage ist auch,
was eine echte Demokratie überhaupt ist und was sie von einer unechten Demokratie unterscheidet. Bei uns und in allen anderen Demokratien gibt es tausende Punkte, die nicht "ideal " sind.

Nehmen wir mal die 5% Hürde.
Alle, die darunter bleiben und dessen Wähler sind im Parlament nicht repräsentiert.

Oder man denke mal daran,
dass nur alle 4 oder 5 Jahre gewählt wird. Der Sozialist Hollande war schon nach einem Jahr bei der Mehrheit unbeliebt und der Führer aller rechten und linken Populisten: Trump hat jetzt schon nach wenigen Tagen nur noch 40% Zustimmung. Sollen wir für eine echte Demoktratie jeden Tag wählen?

Oder nehmen wir unser Bundesverfassungsgericht,
dass hin und wieder den Mehrheitsbeschluss des Bundestags kippt. Eine Handvoll Richter entscheidet gegen etwas, was das der Bundestag beschlossen hat.

Oder man denke an den Bundesrat,
wo kleine Länder deutlich mehr Macht haben, als ihnen zusteht.

Oder man denke an Koalitionen,
wo der kleine Partner deutlich mehr Macht bekommt, als ihm zusteht.

und und und

Ich persönlich halte die "echte", ideale 100% Demokratie
für etwas völlig Unpraktisches und Unerreichbares. Es gibt keinen einzigen Staat auf der Welt, wo man nicht hunderte Punkte nennen könnte, wo dieses Ideall erreicht ist und das ist doch kein Zufall.
Zuletzt geändert von harry52 am Sa 4. Feb 2017, 23:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon odiug » Sa 4. Feb 2017, 23:00

harry52 hat geschrieben:(04 Feb 2017, 22:47)

Eine weitere Frage ist auch,
was eine echte Demokratie überhaupt ist und was sie von einer unechten Demokratie unterscheidet. Bei uns und in allen anderen Demokratien gibt es tausende Punkte, die nicht "ideal " sind.

Nehmen wir mal die 5% Hürde.
Alle , die darunter bleiben und dessen Wähler sind im Parlament nicht repräsentiert.

Oder nehmen wir unser Bundesverfassungsgericht,
dass hin und wieder den Mehrheitsbeschluss des Bundestags kippt. Eine Handvoll Richter entscheidet dann etwas, was das der Bundestag beschlossen hat.

Oder man denke an den Bundesrat,
wo kleine Länder deutlich mehr Macht haben, als ihnen zusteht.

Oder man denke an Koalitionen,
wo der kleine Partner deutlich mehr Macht bekommt, als ihm zusteht.

und und und

Ich persönlich halte die "echte", ideale 100% Demokratie
für etwas völlig Unpraktisches und Unerreichbares. Es gibt keinen einzigen Staat auf der Welt, wo man nicht hunderte Punkte nennen könnte, wo dieses Ideall erreicht ist und das ist doch kein Zufall.

Schon ... nichts ist perfekt ... aber in der Preamble to the United States Constitution steht drin :
"to create a more perfect union"
und nicht :
"I'm the Donald ... i don't care!"
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon harry52 » Sa 4. Feb 2017, 23:17

odiug hat geschrieben:Schon ... nichts ist perfekt ... aber in der Preamble to the United States Constitution steht drin :
"to create a more perfect union"
und nicht :
"I'm the Donald ... i don't care!"

Dann wählt das nächste Mal keine Egomanen wie
Trump, Putin, Erdogan...Wagenknecht, Gysi, Lafontaine, Petry ...Schulz. Wer solche Prols wählt, ist selber Schuld. Ich wähle die AfD, Linke und den SPD-Schulz nicht. So what?
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » So 5. Feb 2017, 15:21

harry52 hat geschrieben:(04 Feb 2017, 23:17)

Dann wählt das nächste Mal keine Egomanen wie
Trump, Putin, Erdogan...Wagenknecht, Gysi, Lafontaine, Petry ...Schulz. Wer solche Prols wählt, ist selber Schuld. Ich wähle die AfD, Linke und den SPD-Schulz nicht. So what?

herrlich, diese bezeichnung. denn ich finde es auch proleten. :thumbup:

vergiß aber nicht das unzählige male - evt mit was zwang - solche leute sich mit ellbogenwerk doch immer obenan nesteln.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » So 5. Feb 2017, 15:25

watisdatdenn? hat geschrieben:(09 Nov 2016, 08:00)

mit blick auf die eu-kommission würde ich mir als europäer nicht anmaßen die amerikanische demokratie zu kritisieren.

man braucht kein violinisten zu sein um zu beurteilen ob der geiger falsch spielte.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 6. Feb 2017, 12:11

dies wird erst mit recht interessant: um die 100 große amerikanischen betriebe haben einen offenen brief geschrieben. darin plädieren sie für aufhebung von trumps bann. sie weisen auf die wichtige beiträge von einwanderer. so war steve jobs vater z.b. dein muslim aus dem mittleren-osten.
das gericht in frisco bekommt das schreiben. es kann bei den gerichtsakten gefügt werden, es ist aber kein muß.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon elmore » Di 7. Feb 2017, 01:08

Nomen Nescio hat geschrieben:(10 Nov 2016, 13:20)

...
siehe die türkei; siehe rußland. über afrika schweige ich. es gibt nur wenige länder die eine ziemlich gute demokratie haben. dazu rechne ich das funktionieren des staats und das bestimmen wer volksvertreter werden.
...


In diesem Thread sind angesichts der aktuellen politischen Ereignisse (= begonnenen Präsidentschaft des Herrn Trump) Fragen aufgetaucht, was das Wesen einer Demokratie denn ausmache? - Im Gefolge der Diskussion und Fragestellung auch, inwieweit die USA aktuell noch als Demokratie
angesehen werden können? - Noch sind sie die USA zweifelsfrei eine Demokratie, meiner Auffassung nach.

Zur Frage, was eine Demokratie ausmacht, habe ich eine Erklärung des Users/der Userin(?) Nomen Nescio beispielhaft genommen, um kurz darzulegen, was ich unter Demokratie verstehe.

Das Wahlrecht, ein geheimes und freies, wohlgemerkt, ist sicher ein elementarer Wesenszug einer echten Demokratie. Darin werden aber keineswegs Volksvertreter "bestimmt" (von wem denn?). Sondern sie werden gewählt, in freier und geheimer Wahl
von jenen Menschen, die sich ihres garantierten und uneingeschränkten Wahlrechts bedienen und ihre Stimme in der Wahlkabine abgeben. Unbedroht und frei in Ihrer Wahlentscheidung.

Damit geben sie einer der drei von einander unabhängen Säulen der Demokratie politisch gestaltende Macht in die Hand: nämlich einem Parlament. Auch als Legislative bekannt, die, in ebenfalls freier mehrheitlicher Willensbildung der gewählten Volksvertreter über unterschiedliche, miteinander friedlich konkurrierende politischer Ideen und Ziele abstimmt und so Gesetze erlässt oder ablehnt. Damit idealerweise den Willen einer Mehrheit der Wähler und Wählerinnen erfüllt und die rechtliche Basis des Zusammenlebens eines Landes/Gemeinwesens schafft. Auf dieser Rechtsbasis (erlassener Gesetze und der bei der Staatsgründung beschlossenen Verfassung) steht die zweite - unabhängige (Macht-)Säule - die Judikative. Sie allein entscheidet über Recht oder Rechtsbruch. Sie ist auch dafür zuständig,
dass jedem Bürger eines Landes gleiches Recht zuteil wird. Genauso wie sie dafür -erforderlichenfalls oder gesetzlich zwingend vorgeschrieben - per Gerichtsurteil darüber zu entscheiden und zu wachen hat, dass sich jeder Bürger, auch die höchsten Politiker, an die geltenden Gesetze halten. Sowohl privat, aber auch als gewählte Politiker, Volksvertreter oder als handelnde Regierung.

Die Dritte Säule ist die Exekutive, die (auch physische) Macht übertragen bekommt, um dem gesprochenen Recht (der Judikative) als auch den gültigen Gesetzen (der Legislative) und der Verfassung Geltung zu verschaffen.

Alle drei Säulen einer echten Demokratie unterliegen der sogenannten Gewaltenteilung (unter Beachtung des durch die Verfassung vorgegebenen Rechtsrahmens). Ein ganz markanter Wesenszug einer Demokratie.

Polizei oder andere staatliche Exekutivorgane können kein Recht sprechen. Genausowenig wie Politiker oder Regierungen in einer Demokratie gleichzeitig Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker sein können (oder dürfen). Ebensowenig kann die Legislative (oder die Exekutive) den Gerichten Urteile vorschreiben oder unabhängige Rechtsprechung der zuständigen Gerichte ablehnen bzw. nicht befolgen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass eine Demokratie ein System ist, dass der Stärke des Rechts folgt und nicht dem Recht des Stärkeren.

Sich demzufolge niemand über das geltende Recht stellen darf, gleiches Recht für alle gilt. Selbst für Kanzler oder Präsidenten. Zweifelt jemand die gültige Rechtssprechung an, (die auf den jeweils geltenden Gesetzen und den in der Verfassung verbrieften Grundrechten fußt, die Ewigkeitscharakter haben und auch nicht mit parlamentarischen Mehrheiten ausser Kraft gesetzt werden können),
bezeichnet also jemand diese Rechtssprechung gar als "lächerlich" und den zuständigen Verfassungsrichter geringschätzig als "sogenannten Richter" wie jüngst Donald Trump, hebt er im Grunde die Gewaltenteilung auf bzw. offenbart er damit, dass er die Unabhängigkeit der Judikative für illegitim, nicht relevant oder sogar schädlich hält (=nicht dem sog. Volkswillen entsprechend).

Er ist damit auf dem besten Wege, demokratiefeindlich zu agieren. Indem er nur jene Justiz akzeptiert, die ihm politisch folgt und seine Maßnahmen qua Richterspruch als "legitimen Volkswillen" bestätigt. Alles andere wird als Verrat am Volk und dessen Willenserfüllung dargestellt und verdreht.

Sollte es Trump schaffen, (vor allem auch dessen ultrarechter und rassistischer Berater Bannon), das US-Rechtssystem trumpkonform auf seine Linie zu bringen, wäre in der Tat auch in den USA die Gefahr einer Demokratur gegeben. Einer scheinbaren Demokratie, bei der die Regierung oder ein Präsident
bestimmt, was Recht ist und wie es gesprochen und anzuwenden ist. Und damit das Recht der Willkür einer - einzigen - politischen Meinung oder Ideologie folgt: Mit dem Ziel, die Macht der Gewaltenteilung aufzuheben, um sie durch das alleinige "Wahrheitsrecht" einer herrschenden Regierung oder seines Präsidenten zu ersetzen… Am Ende stünde dann, im Unterschied zu einer Demokratie der Totalitarismus. Eine Staatsform, innerhalb derer nicht die Gewaltenteilung durch die drei Säulen Legislative, Exekutive und Judikative das politische Handeln bestimmt und kontrolliert, sondern die jeweilige Regierung (oder ihr Präsident) die drei Machtsäulen überwacht, unter Kontrolle bringt und hält.

Siehe hierzu gleichlautende Bestrebungen in Ungarn, Polen ! oder auch in der Türkei, wo unabhängige Gerichte bis hin zu den Verfassungsgerichten als linientreue Erfüllungsinstitutionen einer allmächtigen Regierung nur noch scheinbare Demokratie nach aussen suggerieren. Im Kern aber
genau jene Gesetze und Richtlinien durchsetzen und "legitimieren", die eine Regierung vorgibt.

Die sog. durchaus im Rahmen demokratischer Strukturen erfolgte Machtergreifung Hitlers möge ein warnendes Beispiel dafür sein, dass alleine ein Wahlrecht oder auch das damit zusammenhängende "Bestimmen" von Volksvertretern qua Wahlen noch keine Demokratie garantiert oder sie
gar zu einer solchen macht. Erst die Gewaltenteilung, die der Stärke des Rechts und nicht dem Recht des Stärkeren folgt, gewährleistet Demokratie und das Funktionieren eines Staates (und seiner Institutionen). Durchaus kritisch und auch argwöhnisch beobachtet und bewacht von der "vierten Gewalt" in
einer freien, offenen und demokratischen Gesellschaft: Der (journalistischen) Öffentlichkeit und der freien, unbedrohten politischen Meinungsäusserung. Und dem damit ebenso verknüpften, freien Demonstrationsrecht des Volkes.

Weil es gerade dazu passt, hier ein Link zu einer Kolumne von SPIEGEL-online, geschrieben von Jan Fleischhauer:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-warum-man-als-konservativer-gegen-trump-sein-muss-kolumne-a-1133290.html

Fleischhauer bezieht sich unter anderem auf Trumps Richterschelte und schreibt, sehr zutreffend:
Zitat aus dem Artikel:
"Man muss den Satz der Beleidigungen entkleiden, um seine eigentliche Botschaft zu begreifen. Das Volk spricht durch mich, seinen Präsidenten, heißt er im Kern: Wer sich dem Willen des Volkes und seinem Wunsch nach Gerechtigkeit in den Weg stellt, ist ein Verräter. Man kann es, wenn man will, auch gewählter ausdrücken: "Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Missbrauch, wenn er im Augenblick der Gefahr Kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft."

Dieser Satz stammt von Carl Schmitt, er hat ihn 1934 niedergeschrieben."


und dann weiter unten:
"Der amerikanische Präsident ist ein Feind der Demokratie und ihrer Institutionen - das unterscheidet ihn von allen seinen Vorgängern im Amt. Wer von sich glaubt, dass er den wahren Volkswillen verkörpert, kann die Gewaltenteilung nur für Mummenschanz halten."


Wünsche allseits eine angenehme Restnacht!
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » Di 7. Feb 2017, 10:34

elmore hat geschrieben:(07 Feb 2017, 01:08)

Zur Frage, was eine Demokratie ausmacht, habe ich eine Erklärung des Users/der Userin(?) Nomen Nescio beispielhaft genommen, um kurz darzulegen, was ich unter Demokratie verstehe.

Das Wahlrecht, ein geheimes und freies, wohlgemerkt, ist sicher ein elementarer Wesenszug einer echten Demokratie. Darin werden aber keineswegs Volksvertreter "bestimmt" (von wem denn?). Sondern sie werden gewählt, in freier und geheimer Wahl
von jenen Menschen, die sich ihres garantierten und uneingeschränkten Wahlrechts bedienen und ihre Stimme in der Wahlkabine abgeben. Unbedroht und frei in Ihrer Wahlentscheidung.
NN (männlich) geht mit deinem beitrag völlig d'accord. :thumbup:
dennoch fehlt ein punkt, daß für mich auch zur demokratie gehört. bürger eines landes müssen unbeschränkt ihr wahlrecht benützen können. damit meine ich also nicht künstliche behinderungen wie nur führerschein als identifikation akzeptieren wenn man weiß daß ein erhebliches teil der bevölkerung (the poor ones !!) eine derartige schein nicht hat.
vorgestern hörte ich eine ehemalige korrespondentin in GB. sie verwies nach dem magna charta (12??). darin wurden die engländer frei erklärt. darum gibt es in GB auch kein gezwungenes identifikationsdokument. menschen »identifizieren« sich mit einer rechnung von einem öffentlichen dienst (wasser, elektrizität, usw.). »ja«, so erklärte die korrespondentin, »so war ich einmal auf einer zusammenkunft in buckingham palace gekommen«. sie zeigte die polizei beim zaun ihre elektrizitätsrechnung. die schaute auf die liste der eingeladenen. das war alles.
elmore hat geschrieben:(07 Feb 2017, 01:08)Dieser Satz stammt von Carl Schmitt, er hat ihn 1934 niedergeschrieben."[/i]

und dann weiter unten:
"Der amerikanische Präsident ist ein Feind der Demokratie und ihrer Institutionen - das unterscheidet ihn von allen seinen Vorgängern im Amt. Wer von sich glaubt, dass er den wahren Volkswillen verkörpert, kann die Gewaltenteilung nur für Mummenschanz halten."
ich las soeben einen beitrag
In another experiment, the researchers divided the participants into the same groups, but instead of a hypothetical scenario, they played an actual game, and were given the opportunity to cheat (they could lie about how many points they had scored). As in the other experiment, the participants were asked to picture themselves either in a position of power or a position without power, and also asked to think about how they would act or how they should act. [10 Historically Significant Political Protests]
The researchers found that the when people were in the position of power and were asked to think about how they would act, they were more unethical. That is, they were more likely to lie about their point total than were those who were not in a position of power. When the people in the position of power were asked to think about how they should act, on the other hand, they acted more ethically.
dies stimmt sehr gut mit der aussage von einem früheren klassegennosse von trump, der sagte daß trump nicht akzeptieren konnte zu verlieren. als er baseball spielte und nicht zufrieden war, schlug er den knüppel kaputt. ungeachtet ob es der seine war.
und ein früherer lehrer von ihm sagte, daß trumps verbissenheit nicht kam weil er besser sein wollte, sondern weil er DER BESTE sein wollte.
the proof of the pudding... bekannten/freunde von trump erklärten daß er bei einem einfachen spiel golf noch mogeln mußte.

was folgt daraus ?? ganz einfach »ob verloren oder gewonnen wird, trump gewinnt immer«.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon elmore » Di 7. Feb 2017, 15:32

@NN,
dass das Wahlrecht in einer Demokratie mit einer gewissen Identifikation verbunden ist, kann man kritisieren oder als notwendig erachten.
In D muss man eben eine Meldeadresse bzw. einen festen Wohnsitz haben. Wie es mit Obdachlosen ist, weiss ich jetzt - offen gesagt - nicht.
(=ob solche Menschen ohne Meldeadresse oder festen Wohnsitz dennoch irgendwie wählen gehen und ihre Stimme abgeben können)

Die von dir - wie ich meine - zurecht kritisierten sog. Identifikationsbarrieren, die in den USA immer wieder Schlagzeilen machen, weil
man damit bestimmte Wähler oder Wählerinnen, auch soziale Schichten ausschließen will, finde ich auch demokratieunwürdig.

Und es ist eben auch das Wesen einer lebendigen Demokratie, in einem freien und offenen Dialog über manche Rechte und deren Sinn
zu streiten. Beispielsweise doppelte Staatsbürgerschaft, damit verbundenes Wahlrecht in beiden Ländern? - Oder auch, ob
eingewanderte Mitbürger/-innen, die schon lange in D leben, hier ihre Steuern, Abgaben und Sozialbeiträge bezahlen, weiterhin
von politischer Mitbestimmung und -gestaltung ausgeschlossen werden sollten. Obwohl sie genauso wie "Eingeborene" in die Sozialsysteme
einbezahlen, Steuern entrichten, damit unser Staat und seine Einrichtungen finanziert und am Funktionieren gehalten werden.
Sie tragen genauso ihre Leistung zum Gemeinwohl unseres Landes bei, dürfen aber nicht wählen. Für mich ein - demokratisches - Unding.

Demokratie bedeutet leider nicht, dass alle nur denkbaren Rechte auch kleinster Minderheiten oder ausgegrenzter
Bevölkerungsschichten automatisch abgedeckt sind. Sozusagen dieses System jedermann oder -frau auch die Berücksichtigung ihrer
zuweilen höchst individuellen politischen Wünsche und Forderungen rechtlich erfüllen kann, muss oder will.

Es ist sicher so, dass die demokratischen Verhältnissen zugrunde liegenden oder beschlossenen Rahmenbedingungen
gesetzlich oder rechtlich in einem steten (friedlichen) politischen Kampf neu justiert, ergänzt oder auch teils angepasst werden müssen.
Und eine dann in einem politischen Mehrheitskonsens gesetzte Maßnahme oder rechtliche Bedingung mag dann durchaus von vielen akzeptiert
und mitgetragen werden. Dennoch kann sie Bedürfnissen oder Wünschen von betroffenen oder in ihren Rechten eingeschränkten Minderheiten
nicht gefallen. Siehe hierzu auch die ständigen Diskussionen über die Wohlstandsverteilung, die jeweilige steuerliche Belastung unterschiedlicher
Einkommensschichten usw.

Auch hinsichtlich einer sich lebenstechnisch und existenziell für die Menschen rapide veränderten Welt. Alleine die technisch-wissenschaftliche
Fortentwicklung stellt eine offene und pluralistische Gesellschaft auch hinsichtlich der Rechte und Verantwortlichkeiten vor große ethische und
moralpolitische Herausforderungen.

In einer Demokratie ist im Grunde alles im Fluß. Nur nicht jene unveränderlichen, verfassungsmäßigen Rechte. Sie sind ewig und unveränderlich.

Man könnte sagen: Am Ende steht bei jeder Demokratie immer das Primat des Rechts und eines Rechtsstaats und dessen Verfassung, über die sich niemand erheben darf. Die auch die Verteilung der Macht
auf mehrere unabhängige Schultern garantiert: Eine nicht veränderbare Gewaltenteilung. Die auch für eine Regierung unantastbar und obsolet ist. Ist das nicht mehr gegeben, wird es - zunächst
demokratisch - gesehen, bedenklich.

Selbst eine noch so große politische Mehrheitsentscheidung kann bestimmte qua Verfassung garantierte Grund- und Menschenrechte nicht aushebeln oder gar abschaffen.
Dazu müsste sich ein Land eine neue Verfassung geben. Entweder als Folge eines Staatstreichs, Umsturzes, eines Krieges oder durch Revolution, die
die demokratische Staatsform und den damit verbundenen rechtsstaatlichen Rahmen durch totalitäre Herrschafts- und Rechtsformen ersetzt, z.B. Königreiche, Diktaturen,
Sultanate, Theokratien usw.

Siehe hierzu auch die "Verfassung", das Grundgesetz, der Bundesrepublik Deutschland und die besonders in Artikel 1 festgelegten, unveränderlichen Grundrechte
und rechtsstaatlichen Verpflichtungen:

I. Die Grundrechte (Art. 1-19)

Artikel 1

[Menschenwürde; Grundrechtsbindung der staatlichen Gewalt]

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

ff. >https://www.bpb.de/nachschlagen/gesetze/grundgesetz/44187/i-die-grundrechte-art-1-19
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon elmore » Di 7. Feb 2017, 15:58

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Feb 2017, 10:34)


.
... bekannten/freunde von trump erklärten daß er bei einem einfachen spiel golf noch mogeln mußte.

was folgt daraus ?? ganz einfach »ob verloren oder gewonnen wird, trump gewinnt immer«.


Deine Ausführungen zu Trump bzw. Schilderungen seiner persönlichen Befindlichkeit, seiner psychischen Konditionierung usw.
aus seinem engeren, früheren Kontakt- und Lebensumfeld verwundern mich nicht…

Ich hoffe und wünsche den USA, der ganzen Welt, dir und auch mir, dass deine Schlussfolgerung nicht zutreffen wird. Und er diesesmal nicht gewinnt.

Auch wenn Hyäne in Schaffell verkleidet, man erkennt immer an Beinen…

Die viel brennendere Frage ist, welchen politischen Scherbenhaufen er in seinem Land und dem "Rest" der Welt hinterlassen wird? Und wie groß
und unübersichtlich diese Haufen seiner hoffentlich nur eine Amtsperiode andauernden Präsidentschaft sein werden.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » Di 7. Feb 2017, 16:28

elmore hat geschrieben:(07 Feb 2017, 15:58)

Die viel brennendere Frage ist, welchen politischen Scherbenhaufen er in seinem Land und dem "Rest" der Welt hinterlassen wird? Und wie groß und unübersichtlich diese Haufen seiner hoffentlich nur eine Amtsperiode andauernden Präsidentschaft sein werden.

das wird wohl wählen zwischen pest und cholera ob trump oder der vize es fürs sagen hat. denn der letzte ist offensichtlich ein »evangelical« pur sang. ich wäre nicht einmal erstaunt wenn er tatsächlich glaubt, daß die schöpfung nur sechs tage dauerte. jedenfalls findet er evolutionstheorien bullshit.
was kann man von so einem erwarten?? Gottes rache über die ungläubigen ??
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon SirToby » Di 7. Feb 2017, 23:26

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Feb 2017, 16:28)

das wird wohl wählen zwischen pest und cholera ob trump oder der vize es fürs sagen hat. denn der letzte ist offensichtlich ein »evangelical« pur sang. ich wäre nicht einmal erstaunt wenn er tatsächlich glaubt, daß die schöpfung nur sechs tage dauerte. jedenfalls findet er evolutionstheorien bullshit.
was kann man von so einem erwarten?? Gottes rache über die ungläubigen ??


Offen gesagt, habe ich nie verstanden, warum es für die Ausübung eines öffentlichen Amtes oder gar allgemein ein Problem sein soll, wenn jemand an die Schöpfungsgeschichte glaubt.

Ich persönlich glaube nicht daran, aber mir war diese Hysterie, die um die religiösen Vorstellungen mancher Menschen gemacht wird(hauptsächlich von anderen Menschen), nie begreiflich.

Ich bin wirklich weit von den Moral- und Glaubensvorstellungen von den Evangelikalen entfernt, aber dennoch sind mir diese von ihrer Lebenseinstellung wesentlich näher als so mancher (ein)gebildeter Europäer, auch weil ich eine Weile im Biblebelt gelebt habe.

Mal ganz konkret: Was ist denn eigentlich so schlimm daran, wenn jemand an die Schöpfung glaubt? Macht ihn das zu einem schlechteren Menschen? Zahlt er weniger Steuern? Ist er im Beruf weniger leistungsfähig?

Im Gegensatz zu seinem Präsidenten habe ich von Pence jedenfalls noch nix gehört von einem So-called-Judge.
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Nomen Nescio » Di 7. Feb 2017, 23:35

doch. er will erstens daß die evolutionstheorie nicht mehr in der schulen unterrichtet wird.
zweitens ist er per definitionem anti-abortus.
drittens (da bin ich mir nicht sicher, aber ich komme selbst aus einer familie wo ein teil sogar überreligiös war/ist) weißt du vermutlich also nicht was bigotterie vermag. zwei extreme beispiele: ein dieb kommt bei quakers. sie finden ihren verlust Gottes wille, und dabei bleibt es. hat man dagegen einer der vor allem sich auf das AT orientiert, dann gilt noch das alte »auge um auge«.
mit allen schattierungen dazwischen.

evangelicals sind meistens orientiert alt-testamentarisch orientiert.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Vongole » Mi 8. Feb 2017, 01:27

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Feb 2017, 16:28)

das wird wohl wählen zwischen pest und cholera ob trump oder der vize es fürs sagen hat. denn der letzte ist offensichtlich ein »evangelical« pur sang. ich wäre nicht einmal erstaunt wenn er tatsächlich glaubt, daß die schöpfung nur sechs tage dauerte. jedenfalls findet er evolutionstheorien bullshit.
was kann man von so einem erwarten?? Gottes rache über die ungläubigen ??


Abgesehen davon, legt er offensichtlich Wert darauf, dass öffentliche Schulen keine Förderung mehr erfahren, denn die müssen sich an die Verfassung halten (equal rights).
Warum sonst hätte er Betsy deVos ins Amt gehievt, die im Senat durchgefallen ist, 50:50.
Sie hat keine Ahnung vom Bildungswesen und bevorzugt private vor öffentlichen Schulen.
Trump und Pence kämpfen für sie "kleinen Leute"? Lachen kann ich darüber leider nicht mehr.
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Vongole » Mi 8. Feb 2017, 01:41

elmore hat geschrieben:(07 Feb 2017, 15:58)

Deine Ausführungen zu Trump bzw. Schilderungen seiner persönlichen Befindlichkeit, seiner psychischen Konditionierung usw.
aus seinem engeren, früheren Kontakt- und Lebensumfeld verwundern mich nicht…

Ich hoffe und wünsche den USA, der ganzen Welt, dir und auch mir, dass deine Schlussfolgerung nicht zutreffen wird. Und er diesesmal nicht gewinnt.

Auch wenn Hyäne in Schaffell verkleidet, man erkennt immer an Beinen…

Die viel brennendere Frage ist, welchen politischen Scherbenhaufen er in seinem Land und dem "Rest" der Welt hinterlassen wird? Und wie groß
und unübersichtlich diese Haufen seiner hoffentlich nur eine Amtsperiode andauernden Präsidentschaft sein werden.


Bei Hyänen sind aber die Weibchen dominant *grins*
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon elmore » Mi 8. Feb 2017, 02:13

Vongole hat geschrieben:(08 Feb 2017, 01:41)

Bei Hyänen sind aber die Weibchen dominant *grins*


Dann spare ich mir den Satz bis April auf, wenn Marie LePen zur franz. Präsidentin gewählt wurde.
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Vongole
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Vongole » Mi 8. Feb 2017, 02:19

elmore hat geschrieben:(08 Feb 2017, 02:13)

Dann spare ich mir den Satz bis April auf, wenn Marie LePen zur franz. Präsidentin gewählt wurde.


Örgs, ich will gar nicht wissen, wessen Trump sich dann rühmt.
But who knows, probably he touched her? Ich meine, Kreativismus und so....
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Teeernte
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon Teeernte » Mi 8. Feb 2017, 02:36

elmore hat geschrieben:(08 Feb 2017, 02:13)

Dann spare ich mir den Satz bis April auf, wenn Marie LePen zur franz. Präsidentin gewählt wurde.


Aber subjektiv geht es den Franzosen trotzdem schrecklich. Sie sehen sich als Verlierer der Globalisierung. Sie beklagen eine Arbeitslosigkeit von zehn Prozent, als wäre sie ein Grund, die Zukunft schwarzzumalen. Sie sehen sich ständig im Hintertreffen gegenüber Deutschland. Vor allem fehlt es dem französischen Bürger an ökonomischem Selbstbewusstsein: Er sieht allerorten die alten Industriewüsten, glaubt nicht an die digitale Zukunft, sondern an den wirtschaftlichen Niedergang des eigenen Landes.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... as-sarkozy

haben die noch 35h Woche ?
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elmore
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Re: amerikanische demokratie

Beitragvon elmore » Mi 8. Feb 2017, 16:15

Teeernte hat geschrieben:(08 Feb 2017, 02:36)

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... as-sarkozy

haben die noch 35h Woche ?


Im Prinzip gilt die 2000 eingeführte 35h-Woche weiterhin, wurde aber im Laufe der Jahre bis heute mit
vielen Sonderregelungen stark aufgeweicht. Allerdings ist sie noch immer Basis und Grundlage für
entsprechende Überstundenregelungen/Bezahlungen usw.

Hier ist ein Link, der die Gegenheiten der franz. 35h-Woche ganz gut zusammenfasst:
https://www.connexion-emploi.com/de/a/arbeitszeit-in-frankreich-die-35-stunden-woche

aber, die Ernüchterung und die Diskussion über die 35h - Stundenwoche ist evident
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/frankreich-arbeitszeit-101.html
https://www.heise.de/tp/features/Frankreich-35-Stunden-Woche-wird-ausmanoevriert-3378431.html

Hinsichtlich der Arbeitslosenstatistik hat F eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenrate von 10%, in D ca. 6%.
Wobei die nackten statistischen Werte in Arbeitslosenstatistiken sehr mit Vorsicht zu "genießen" sind.
(z.B. hinsichtlich des schönen, fast annähernden "Vollbeschäftigungsscheins" z.B. hier in D. Weil er im Grunde die vielen
Teilzeit - und Geringstverdienerjobs, die staatlicher Unterstützung bedürfen, gerne statistisch-suggestiv als
"vollwertige Arbeitsplätze" erscheinen lässt. In Wahrheit sind es völlig gottserbärmliche (weil unterbezahlte) Beschäftigungsverhältnisse in sehr hoher Zahl.
ARBEITSeinkommen, mit denen fleißig arbeitende Frauen und Männer für sich oder auch ihre Familien ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können … ohne staatliche Stützungsmaßnahmen.

Worauf der Artikel auch nicht eingeht, ist das tatsächliche Renteneintrittalter und das Rentenniveau
in Frankreich. F war und ist bekannt dafür, dass dort - im Gegensatz zu D - die Menschen sehr viel früher
in Rente gingen und gehen konnten.

hier https://www.vile-netzwerk.de/frankreich/articles/das-franzoesische-rentensystem.html
eine ganz gute Übersicht über das franz. Rentensystem, das - im Gegensatz - zu dem in D fast ausschließlich
auf dem sog. soldarischen Umlageprinzip aufgebaut bzw. durch dieses finanziert wird. Freiwillige private Vorsorge - wie in D -
ist hier nicht vorgesehen. Allerdings ist in F - im Gegensatz zu D - eine zwingende Rentenversicherung auch für sog. freie Berufe,
Selbstständige usw. obligatorisch. Lücken in der Finanzierung, die die jeweiligen Rentenversicherungsträger beispielsweise
durch demographisch nachteilige Entwicklungen bekommen, gleicht der Staat aus. Z.B. im Bergbau, wo es nicht mehr
genügend arbeitende Beitragszahler- innen gibt, und das Verhältnis Beitragseinzahler gegenüber Rentenbeziehern
zuungunsten der RentnerInnen kippt.

Das Rentenniveau ist in F deutlich höher als in D, etwa 67% gegenüber 50% in D.
Eindeutig positiver ist in F auch die Geburtenrate (1,98 Geburten) gegenüber D (1,16 Geburten)
Sofern D seine sehr ungünstige demographische Entwicklung bis 2050 nicht deutlich verbessert**, wird sich
aufgrund der Geburtenraten der Anteil alter, renten- und unterstützungspfichtiger Menschen in F und D noch
deutlich weiter auseianderentwickeln als das bereits heute signifikant feststellbar ist.

**allein dieser Faktor macht eigentlich für D eine offene und faire Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik zwingend,
die echte Integration auch als Ziel zur Sicherung der Altersfinanzierungsysteme und als Ausgleich der deutlich zu niedrigen Geburtenrate
vorsieht. Damit zeigt sich auch, wie - pardon - deppert oder geradezu tölpelhaft leichtsinnig sogenannte rechte Schreierei gegen
Migration, Einwanderung und verstärkten Zuzug von meist jungen Menschen und Familien mit Kindern ist. Abgesehen von dem
scheinbar unausrottbaren Rassismus und dieser latenten Ausländerfeindlichkeit, die sich wie Bärenscheiße in einem Teil der deutschen Bevölkerung genauso irrational
an die Hirnrinde festgebacken zu haben scheint (wie auch in F ). Aber dort ist eben die Geburtenrate deutlich günstiger. Und im Vergleich die Altersarmut dreimal so niedrig wie
in D. Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus haben und hatten aber noch nie als Ursache existenzielle Faktenlagen. Die sog. Benachteiligungs-, Neid- und Existenzängste
sind in F noch weitaus weniger zu begründen. Wie auch immer, gerade Leute, die im Prinzip hüben wie drüben (in F noch mehr) von einem recht gut ausgestatteten Sozial- und
Gemeinwesen recht weich und auch existenziell gut versorgt eingebettet sind und bleiben, wählen oder sympathisieren mit kranken Politikhetzern - und Strömungen, wie sie die
AfD darstellen oder eben Marine LePen, die üble Spalterin und rechtslastige politische Giftspritze in F. Unglaublich, aber wahr...


Für nähere Betrachtung der Rentensituation in D und F sei der PDF-Anhang in diesem Link dienlich:
http://www.ambafrance-de.org/Aktueller-Vergleich-des-Rentensystems-in-Deutschland-und-Frankreich

Ganz wesentlich innerhalb der derzeit anstehenden und vorfallenden politischen Stimmungen vor den Wahlen in F
sind aber auch weitere, sehr relevante Fakten und Zusammenhänge abseits der Renten- und Arbeitszeitgegebenheiten.

z.B. die Staatsverschuldung, die meist aufgrund erhöhter Staatsausgaben und nicht genügend hoher BIP-Entwicklungen
regelmäßig die Maastricht-Kriterien mit ihrer durchaus sinnvollen Neuverschuldungsobergrenze von 3% verfehlen.
Kurz und bündig: Der franz. Staat gibt mehr aus, als er sich leisten kann. Verschuldet sich dadurch aber auch
immer mehr. Allerdings trifft das auch andere EU-Mitgliedsstaaten, die dafür eben dann auch mitzahlen "dürfen".

hier eine Defizitübersicht von F (2000 Einführung der 35h Woche bis 2015)
http://www.haushaltssteuerung.de/staatsverschuldung-frankreich.html

...und nachfolgend etwas weiter unten ein Link über eine recht interessante Veröffentlichung eines Deals von F mit der
EU-Kommission, die Frankreich vor - den eigentlich vorgesehenen - Strafzahlungen wg. fortdauernder Überschreitung der
Verschuldungsobergrenze (Verletzung der sog. Maastricht-Kriterien) von 3% schützt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Ich bezweifle, dass viele Franzosen bzw. Französinnen davon wissen und wenn doch, sich dennoch ständig in Nachteil
- besonders wirtschaftlich - zum "Erbfeind" Deutschland sehen. Und nur zu gerne das Märchen glauben, das in vielen EU-Partnerländern wie auch in F
propagiert wird: Deutschland sei der alleinige und übermächtige Profiteur der EU und des Euro-Währungsverbunds. Und überhaupt sei die EU böse, zu F und allen anderen,
nur nicht zu Deutschland…

Hier also der Link zu einem sehr unverblümt offenen und auskunftsfreudigen Präsidenten Hollande und dem Deal mit der
EU-Kommission in Brüssel, und der klammheimlich ausgehandelten Staatsverschuldungs-Extrawurst für F.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/haushaltsdefizit-geheimer-vertrag-zwischen-frankreich-und-der-eu-kommission-14485376.html

Sodala, genug der leider sehr komplexen und wechselwirkungshaften Zusammenhänge, die diese rechtslastige Zuwendung europaweit eigentlich faktenbasiert
völlig "gaga" erscheinen lassen, aber eben da sind. Leider.

Fazit: Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf's Eis …
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.

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