Hurrikan in Florida - Millionen evakuiert

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Quatschki
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Re: Hurrikan in Florida - Millionen evakuiert

Beitragvon Quatschki » Fr 15. Sep 2017, 13:39

immernoch_ratlos hat geschrieben:(15 Sep 2017, 10:34)

Na komm - das meinst Du sichern nicht im Ernst....

Meine Lehrzeit lag in den frühen sechzigern des vorherigen Jahrhunderts. Keine Stadt von Bedeutung war nicht bereits zu diesem Zeitpunkt verkabelt. "Kabel" schließt übrigens bereits ein, das diese "Leitungsart" auch "erdverlegbar" ist. "Erdkabel" leider immer wieder gern genutzt, ist ein typischer "Pleonasmus" - ein Wortgeschöpf, welches irgendwie wie "pechrabenschwarz" daherkommt.

Darf ich daraus schließen, dass Du wenig Ahnung von den Gründen warum in D nahezu alle "Kabel" - also besondere "Leitungen" die für die Erdverlegung in ihrer Bauart geeignet sind, genau dort liegen, unter der Erdoberfläche in der "Erde" (meist gemütlich in einem "Sandbett") :?:

Die Kosten für Reparaturen (gelegentlich "greift" ein Bagger zu :( ) sind geringfügig, das ist überall so, wo eine Sache von Anfang an solide und nachhaltig ausgeführt wird. Kein Sturm, auch kein Hochwasser kann so ein erdverlegtes Leitungsnetz ernsthaft gefährden.

Kommt noch hinzu, die Amis erzeugen die "haushaltsgerechte" Niederspannung mittels dieser ominösen "Masttransformatoren" die wohl für Dich das technischen Nonplusultra darstellen. Primärseitig 10 kV (Mittelspannung), was beim Umfallen diese wunderhübschen Lichtbögen die jeden ordentlichen Katastrophenfilm "zieren" erzeugt. Beispielshafte, kostengünstige, fortschrittliche Leitungsführung "Made in USA"wie sie Quatschki gerne auch in D finden würde

Auch mit der "Selektivität" gezielte Abschaltungen von Netzabschnitten scheint im Land der Freien wohl auch nicht ganz oben auf der Wunschliste zu stehen. Wie sonst müssen die Rückkehrer in die Katastrophengebiete nicht andauernd vor "herunterhängenden" Leitungen gewarnt werden (was gern auch mal der Gouverneur übernimmt :p ).

Selbst als in D auf dem Land so bis in die 80 Jahre des vorherigen Jahrhunderts noch "über Dach Einspeisung" üblich war, wurde in diesem Freileitungsnetz "lediglich" Niederspannung (vormals 220V / 380 V) übertragen. Mit durchaus trennbaren Sektionen, falls daran gearbeitet werden muss. Die irren Holzmasten als Träger des Leitungsnetzes in den USA wohl "Pflicht" sind, gab es nur in Ausnahmen in D. Dort (in D) musste gewöhnlich schon das komplette Haus einstürzen um die Leitungen zu Boden zu bringen.

Was Änderungen angeht, sind diese allenfalls lokal und dann in eher geringem Umfang notwendig. Wird in D ein Neubaugebiet erschlossen, werden alle Versorgungsleitungen - das kann neben Wasser und Abwasserführung auch eine Erdgasleitung sein - die Stromversorgung ist in Abschnitte unterteilt, welche erhebliche Kapazitäten ermöglichen. Mein Anschluss (nachträglich statt der Dacheinspeisung) ermöglicht ohne Einschränkungen für eine ohmsche 3 Phasennutzung von ~57 kW. Was wohl eher theoretisch ist, wer benötigt in einem Einfamilienhaus, selbst, wenn die Heizung "direkt elektrisch" plus Brauchwassererwärmung eine solche Leistung dauerhaft :?: Da ist problemlos auch die Ladeleistung eines E-Mobils drin, muss ja nicht - kann aber "gleichzeitig" erfolgen :?

Die Amis, wären sicher froh, wenn ihre total überalterten und maroden Stromversorgungen auch nur annähernd ein solche Niveau hätten. Sicher auch aus rein ästhetischen Gründen, schön ist jedenfalls anders - man muss nicht wirklich sehen woher der Strom kommt.... Es reich für alle zu wissen Strom kommt aus der Steckdose :thumbup:

In meiner Wohnsiedlung lief die Hausstromversorgung DDR-bedingt bis Mitte der 90er über Freileitung. Also das Niederspannungsnetz. Vom Trafohäuschen über Masten teils aus Holz, teils aus Beton bis zu den einzelnen Häusern. Ich kann mich nicht an Störungen wegen umgeknickter Masten, unterbrochener Leitungen oder Eisbruch erinnern. Die Zuverlässigkeit war ausreichend.
Die Holzmasten dürften mindestens 60, möglicherweise auch um die 100 Jahre alt sein und sind bis heute im Einsatz, nur dass sie jetzt nur noch die Straßenbeleuchtung nebst zugehöriger Elektroleitung tragen.

In Amerika gibt es auch bis heute große hölzerne Eisenbahnbrücken, die Trestle bridges,
während in Deutschland von Anfang an massive Steinbogenviadukte gebaut wurden.
So eine Göltzschtalbrücke hätte jeder privaten Eisenbahnbaugesellschaft das Genick gebrochen.
Das ist, wie auch bei den Häusern, eine betriebswirtschaftliche Abwägung.
Was will ich investieren? Wie lange muß es halten? 30 Jahre? 200 Jahre? Welche Risiken sind einzubeziehen und wie gehe ich mit ihnen um? Wenn die billige Lösung zuverlässig genug ist, warum soll ich dann teuer bauen?
In Amerika war Holz immer ein billiger, in großer Menge verfügbarer Rohstoff.
Deutschland kann seinen Holzbedarf nicht aus eigenen Wäldern decken, also hat man Holzmasten und Holzeisenbahnschwellen durch Beton ersetzt.
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Nomen Nescio
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Re: Hurrikan in Florida - Millionen evakuiert

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 15. Sep 2017, 15:22

Quatschki hat geschrieben:(15 Sep 2017, 14:39)

Wie lange muß es halten? 30 Jahre? 200 Jahre? Welche Risiken sind einzubeziehen und wie gehe ich mit ihnen um? Wenn die billige Lösung zuverlässig genug ist, warum soll ich dann teuer bauen?

ein sehr gutes beispiel gibt es bei den orak/überflutung von new orleans unter bush jr. NL ingenieure wurden herbei geholt um zu untersuchen wie sie solche schaden vorbeugen konnten.

nach einer überflutung bei uns (1953) wurde der sicherheitsfaktor von 1 mal in den 1000 jahre erhöht auf 1:10.000. inzwischen - wegen der steigung des seepegels - auf 1:25.000.
in amerika galt/gilt 1:100. das ist doch fragen um katastrophen. und um finanzielle probleme. hier ist wohlfeil wohl ein taschentieb.
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Re: Hurrikan in Florida - Millionen evakuiert

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 16. Sep 2017, 10:24

Nun ja wo das hinführt, wenn man übertreibt findet sich wohl hier recht gut beschrieben :
Quelle : FAZ (15.09.2017)"Höllenbahn und Hyperloop" hat geschrieben:Unzuverlässige Stromversorgung

Die New Yorker U-Bahn ist ein Paradebeispiel für die marode amerikanische Infrastruktur. Straßen, Brücken, Flughäfen, Stromnetze, Staudämme und eben auch der öffentliche Personenverkehr sind in beklagenswerter Verfassung. In einer Studie des World Economic Forum zur Qualität der Infrastruktur stehen die Vereinigten Staaten nur auf dem elften Platz, hinter Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Japan. Der Ingenieursverband American Society of Civil Engineers gab dem öffentlichen Personenverkehr in seiner jüngsten Bestandsaufnahme die schlechteste Bewertung unter allen Infrastrukturkategorien und schätzt, dass 90 Milliarden Dollar nötig wären, um ihn in einen passablen Zustand zu bringen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat erst kürzlich wieder gesagt, die Vereinigten Staaten seien gemessen an ihrer Infrastruktur „wie ein Dritte-Welt-Land“. Er hat ein Investitionspaket von einer Billion Dollar versprochen, dessen Umsetzung aber noch ungewiss ist. :?

Das U-Bahn-System in New York zählt zu den ältesten und größten der Welt. Es nahm 1904 seinen Betrieb auf und hat heute 472 Stationen, so viele wie nirgendwo sonst. Die vermehrten Pannen erklären sich zum großen Teil mit veralteter Technik. Von den 6400 Zügen sind manche mehr als fünfzig Jahre alt, und die Betriebsausfälle häufen sich. Eine Schwachstelle ist auch die Signaltechnik, die den Zugverkehr steuert und so etwas wie das Rückgrat des U-Bahn-Netzes ist. Sie datiert teilweise bis in die dreißiger Jahre zurück, und ihre Modernisierung kommt viel langsamer voran als erhofft. Reparaturen werden auch dadurch erschwert, dass die U-Bahn in New York anders als in vielen anderen Städten der Welt 24 Stunden am Tag in Betrieb ist. Auch die Stromversorgung ist unzuverlässig. Im April hat ein Stromausfall in einer U-Bahn-Station weite Teile des Systems in Mitleidenschaft gezogen und für stundenlange Verzögerungen gesorgt.
In wieweit nachwachsende Rohstoffe auch "überstrapaziert" werden können, kann jeder den das interessiert an Hand "betriebswirtschaftliche Abwägung" betrachten. Man kann eben nur ernten was nachwächst. Der Begriff "Nachhaltig" kommt aus der dt. Forstwirtschaft.

Holz - welches Holz ? Es gibt da auch andere "Holzarten" - eigentlich ein Gras - "Bambus". Ein uraltes Baumaterial und höchst modern. Was nach dem Stand der Technik möglich ist, muss nun wirklich nicht aus Stahl und Beton sein (letzterem geht der wichtigste Rohstoff - der "richtige" Sand aus). "Nachhaltiges Bauen" - wer in D ein Haus baut, möchte es gewöhnlich vererben. Nachdem das konstruktiv angepasstere Fachwerkhaus - aus Holz, Lehm, Steinen usw. - "moderner" wurde, wurden wesentlich mehr Ressourcen verbraucht, als "nachwachsen" können.

Ich nutze seit Jahren Holz als Baustoff, bin aber über die "Basiskonstruktion" aus Mauerwerk dennoch zufrieden. Was das Bauen in den üblichen "Desasterzonen" in den USA und sonst wo auf der Welt angeht, haben sich dort wo tradiertes Wissen noch einen Wert darstellt, die Bauwerke an die Umweltbedingungen angepasst und nicht umgekehrt - was ja sichtlich und in jährlicher Rhythmus schief geht. Was Mensch nur sehr schwer und schmerzhaft lernt, ist Anpassung an die Gegebenheiten. Wenn schon in der "Hurricane Alley" leben, dann wenigstens mit einem "safe room" - oder "storm cellar" (letzterer , wenn sicher ist, das man darin gegebenenfalls nicht ersäuft). :?

Statt immer nur die Folgen zu beklagen, müssen u.U. bestimmte Gebiete aufgegeben werden. Oder aber man muss eben Häuser entwickeln, welche die üblichen Belastungen weitgehend unbeschädigt überstehen. Zumindest bietet die "FEMA" Hilfe an : Quelle : FEMA "Safe Room Funding" oder private Firmen wie diese hier : montero "Concrete Safe Places to Live" Wie Du schon sagtest :
Quatschki hat geschrieben:Das ist, wie auch bei den Häusern, eine betriebswirtschaftliche Abwägung.
Was will ich investieren? Wie lange muß es halten? 30 Jahre? 200 Jahre? Welche Risiken sind einzubeziehen und wie gehe ich mit ihnen um? Wenn die billige Lösung zuverlässig genug ist, warum soll ich dann teuer bauen?
Was die exDDR und deren Möglichkeiten angeht, Dir ist schon bewusst, da gab es durchaus Unterschiede zur damaligen BRD. Da wurde Privateigentum nicht einfach verstaatlicht, sondern durchaus gefördert. Das hat sich überall ausgewirkt. Vermutlich auch in der heutigen Denkweise. Ich jedenfalls bin in einer Trümmerlandschaft aufgewachsen und es war private Initiative, die das über die Jahre zu beachtlichen Ergebnissen gebracht hat. Beide Systeme mögen sowohl Schwächen haben, als auch mit Vorzügen glänzen. Für mich überwiegen immer noch jene Vorzüge, wo jeder zumindest versuchen kann sein Los zu verändern. In der Zeit wo Du gezwungen warst in der DDR auszuharren, habe ich in mehreren Länder "außerhalb" gearbeitet und reichlich Gelegenheit gehabt "unterschiedliche Herangehensweisen" hautnah zu erleben. Dennoch überwiegt - trotz alle Fehler - das hiesige System meinen Bedarf an "anders sein".

Warum man Holzschwellen durch Beton ersetzt hat, liegt sicher nicht an der Quelle Holz. Wenn Dir bewusst ist, wieviel "Nachsorge" und Chemie so einer Schwelle zuteil wird, ist die Betonvariante eher logisch. Besonders, auch deren Montage ist den heutigen Arbeitsmethoden besser angepasst. Holz kann sicher an anderer Stelle bessere Dienste leisten - kann auch "Gras" sein - immerhin ist mein neuer Klodeckel komplett aus Bambus hergestellt... :D
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Hurrikan in Florida - Millionen evakuiert

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 16. Sep 2017, 10:46

Hallo Nomen Nescio,

es ist schon irre, das aus den reichlich vorhandenen holländischen Erfahrungen so gar keiner lernen möchte. Besonder beeindruckt haben mich die "schwimmenden Häuser" - Betonwanne zwischen Betonpfählen - womit sich das Haus wechselnden Wasserständen anpassen kann. Da es in den "Niederlanden" (das beschreibt die Situation ja ausreichend) sicher auch heftigen "Wind" geben dürfte, könnte darin auch anderswo eine Lösung entstehen... :thumbup:

Das amerikanische System "US Army Corps of Engineers" ist die staatliche Antwort auf solche Herausforderungen und in "About Us" liest man :
The U.S. Army Corps of Engineers has approximately 37,000 dedicated Civilians and Soldiers delivering engineering services to customers in more than 130 countries worldwide.

With environmental sustainability as a guiding principle, our disciplined Corps team is working diligently to strengthen our Nation’s security by building and maintaining America’s infrastructure and providing military facilities where our servicemembers train, work and live. We are also researching and developing technology for our war fighters while protecting America’s interests abroad by using our engineering expertise to promote stability and improve quality of life.

We are energizing the economy by dredging America’s waterways to support the movement of critical commodities and providing recreation opportunities at our campgrounds, lakes and marinas.
And by devising hurricane and storm damage reduction infrastructure, we are reducing risks from disasters.

Our men and women are protecting and restoring the Nation’s environment including critical efforts in the Everglades, the Louisiana coast, and along many of our Nation’s major waterways. The Corps is also cleaning sites contaminated with hazardous, toxic or radioactive waste and material in an effort to sustain the environment.

Through deeds, not words, we are BUILDING STRONG.
    The U.S. Army Corps of Engineers:
    .
  • Is the Nation’s number one federal provider of outdoor recreation.
    .
  • Is the Nation's environmental engineer.
    .
  • Owns and operates more than 600 dams.
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  • Operates and maintains 12,000 miles of commercial inland navigation channels.
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  • Dredges more than 200 million cubic yards of construction and maintenance dredge material annually.
    .
  • Maintains 926 coastal, Great Lakes and inland harbors.
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  • Restores, creates, enhances or preserves tens of thousands of acres of wetlands annually under the Corps’ Regulatory Program.
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  • Provides a total water supply storage capacity of 329.2 million acre-feet in major Corps lakes.
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  • Owns and operates 24 percent of the U.S. hydropower capacity or 3 percent of the total U.S. electric capacity.
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  • Supports Army and Air Force installations.
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  • Provides technical and construction support to more than 100 countries.
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  • Manages an Army military construction program between 2006 and 2013 totaling approximately $44.6 billion — the largest construction effort since World War II.
    .
  • Researches and develops technologies to protect the nation’s environment and enhance quality of life.
Warum genügt all das, nicht um die jährlichen Desaster wenigstens zu mildern :?:
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)