Planer fordert Verbot von Neubau

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frems
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Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon frems » So 3. Jan 2016, 20:58

"Verbietet das Bauen!"

Aus dem Blog des Stadtplaners Daniel Fuhrhop ist ein Buch entstanden - eine kurzweilige Polemik gegen immer mehr Häuschen im Grünen und andere Formen des Betongoldrauschs.


In Wuppertal stehen etwa 13000 Wohnungen leer, trotzdem hat die schrumpfende Stadt 33 neue Wohnbaugebiete ausgewiesen. In Cottbus wurden in den Nullerjahren 9000 Wohnungen abgerissen – und gleichzeitig tausend neue gebaut. Im Deutschland lebten 1995 etwa genauso viele Menschen wie heute, aber die Zahl der Wohnungen stieg in dieser Zeit von 35 auf 41 Milllionen. Shoppingcenter überall, Regionalflughäfen auch, inzwischen 60, von denen gerade mal sechs rentabel sind. Die Bauwut rast. Was tun?

Daniel Fuhrhop, studierter Stadtplaner und Betriebswirt, schwebt da eine radikale Lösung vor: „Verbietet das Bauen!“ Der Buchtitel lässt eine reine Polemik vermuten, augenzwinkernde Übertreibung. Aber dann bringt Fuhrhop so viele plausible, ja schlagende Argumente für seinen Schlachtruf, dass man sich nach 192 ebenso kurzweiligen wie hochinformativen Seiten fragt, warum das nicht eigentlich längst geschehen ist – und Neubau strikt untersagt.

http://www.tagesspiegel.de/politik/wohn ... 83386.html
Flüchtlinge brauchen keinen Neubau!

Deutschland bietet Raum für vier Millionen Einwanderer. Sie müssen nur richtig verteilt werden.
Ein Gastbeitrag von Daniel Furhop

http://www.zeit.de/2015/50/leerstand-fl ... ettansicht

Nun haben es Forderungen ja häufig so an sich, daß man erstmal mit einer radikalen Maximalforderung an die Öffentlichkeit geht, wenn man eine Diskussion anregen möchte und hofft, daß sich das Schiff zumindest um ein paar Grad in die gewünschte Richtung verschiebt.

Aber was haltet Ihr von dem Vorschlag? Sollte man lieber schauen, wie man -- mit staatlicher Förderung für Umzug und Modernisierung anstelle von Eigenheimförderung, Pendlerpauschale etc. -- den aktuellen Bestand sinnvoller nutzen kann und so den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner entgegenkommt? Oder ist das nur eine realitätsfremde Forderung aus dem akademischen Elfenbeinturm?
Zuletzt geändert von frems am So 3. Jan 2016, 21:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon jack000 » So 3. Jan 2016, 21:08

Die Forderung ist generell richtig, sollte allerdings auf die wirtschaftlich boomenden Regionen beschränkt werden.

Auch sollte eine Differenzierung stattfinden:
- Bau von Wohnungen => erlaubt
- Bau von Shopping Centern in Zentren von Großstädten (ab 100.000 Einwohner) => verboten
- Schaffung von Arbeitsplätzen in wirtschaftlich boomenden Regionen => verboten
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

"allzu häufig paart sich im Gemüte, Dämlichkeit mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch)
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon frems » So 3. Jan 2016, 21:23

Dem Autoren geht's ja überwiegend um Wohnungen und Häuser. Stelle aber gerade fest, daß die Überschrift von mir falsch. Verflixte Lügenpresse. Der gute Mann darf weder die geschützte Bezeichnung "Stadtplaner" tragen, noch ist er Dipl.-Ing. für Stadtplanung, sondern hat "nur" ein Vordiplom in Architektur, was mit Stadtplanung nicht sehr viel am Hut hat: http://www.daniel-fuhrhop.de/ueber-mich/
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon Mithrandir » So 3. Jan 2016, 22:39

frems » So 3. Jan 2016, 21:58 hat geschrieben:In Wuppertal stehen etwa 13000 Wohnungen leer, trotzdem hat die schrumpfende Stadt 33 neue Wohnbaugebiete ausgewiesen. In Cottbus wurden in den Nullerjahren 9000 Wohnungen abgerissen – und gleichzeitig tausend neue gebaut. Im Deutschland lebten 1995 etwa genauso viele Menschen wie heute, aber die Zahl der Wohnungen stieg in dieser Zeit von 35 auf 41 Milllionen. Shoppingcenter überall, Regionalflughäfen auch, inzwischen 60, von denen gerade mal sechs rentabel sind. Die Bauwut rast. Was tun?

Da wird manches durcheinandergeworfen, so sind z. B. die Gründe für den Bau von Regionalflughäfen sehr unterschiedlich zu denen für den Bau von Eigenheimen.

Darf eine Familie in Cottbus kein neues Eigenheim bauen, nur weil noch reichlich Bestandswohnungen im schicken Plattenbau leer stehen? Was nützt mir Leerstand in der ostdeutschen Provinz, wenn ich eine Arbeitsstelle in München habe?
Das sind jetzt sicher extremere Beispiele, zeigen aber, dass man nicht nur auf die reinen Zahlen schauen darf.

Wo Herr Fuhrhop recht hat, das ist der Punkt, dass die Politik durchaus steuern kann. Die Frage, ob bzw. wo bei einer Förderung kommunaler Neubauten durch Bund und Land, bei der staatlichen Förderung von privaten Neubauten oder bei der Stadtentwicklung eventuell nicht ideale Anreize gesetzt werden, lohnt sicher einer Betrachtung.
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon Excellero » So 3. Jan 2016, 22:43

Es geht hier um künstliche verknappung von Wohnraum zu steigerung der Rendite bei Mietobjekten. Das ist ganz klar.

Und würde man den Neubau verbieten, würde man eben alte Objekte "Sanieren"

Der Effekt ist der selbe.... steigende Mieten.
Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen, muß man eigenen haben.
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon frems » Mi 20. Jan 2016, 15:23

Unterstützung von Guratzsch:

Verbietet endlich das Bauen neuer Wohnungen!

Neue Untersuchungen zeigen die Klimaschädlichkeit aktueller Siedlungskonzepte auf. Die Wohnungsfrage für Flüchtlinge kann nicht durch Neubauten gelöst werden, die nur neue Probleme schaffen.

http://www.welt.de/kultur/kunst-und-arc ... ungen.html
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon William » Mi 20. Jan 2016, 16:04

Flüchtlinge könnte der Staat sofort in bis dato leerstehende (aber bewohnbare) Immobilien einquatieren, denn arbeiten werden auf absehbare Zeit 90% davon sowieso nicht, weil sie es a) nicht dürfen und b) sie kaum ein Arbeitgeber (u.a. aufgrund fehlender Sprachkenntnisse und Qualifikation) einstellen wird.
Es wäre somit egal wo freier Wohnraum ist und ob dort freie Arbeitsplätze zur Verfügung stehen oder nicht.
Für die nächsten 5...20 Jahre dürft es somit gar keine Rolle spielen wo sich Flüchtlinge aufhalten. Verteilschlüssel außen vor gelassen.

Hauptproblem ist der Besitzstand. Ja, Wohnungen aus privatem Besitz dürfen enteignet werden sofern sie nicht belegt sind, aber der Staat wird sich kaum millionenfach (Wähler-)Volkes Zorn zuziehen - nicht freiwillig! - und bekäme obendrein mit der Finanzierung auf kurz oder lang ein Problem.
Das läuft so nicht! Ghetto-Neubauten wären auf Dauer billiger.


Herrn Fuhrhop gebe ich grundlegend Recht, denn in vielen Städten verfallen die Kerne zusehens. Alte Gemäuer werden nicht saniert bzw. abgerissen und frisch aufgebaut, sondern am Stadtrand Neubaugebiete ausgewiesen. Das macht nur keinen rechten Sinn sondern sieht teils auch noch richtig marode aus.
Trotzdem bin ich gegen eine gesetzliche Regelung. Jeder Häuslebauer soll selbst entscheiden können wo er bauen und wohnen will. Ferner ist eine definierte Regelung ein Garant für verteuerte Bauten und bietet potentiellen Nährboden für diverse Halsabschneider und Nepper. Das endet aller Voraussicht nach in höheren Verbraucherpreisen und Mauscheleien.

Nein, noch mehr Bürokratie in der Hinsicht ist kontraproduktiv.
Demolit

Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon Demolit » Mi 20. Jan 2016, 16:39

frems hat geschrieben:(03 Jan 2016, 20:58)

http://www.tagesspiegel.de/politik/wohn ... 83386.html

http://www.zeit.de/2015/50/leerstand-fl ... ettansicht

Nun haben es Forderungen ja häufig so an sich, daß man erstmal mit einer radikalen Maximalforderung an die Öffentlichkeit geht, wenn man eine Diskussion anregen möchte und hofft, daß sich das Schiff zumindest um ein paar Grad in die gewünschte Richtung verschiebt.

Aber was haltet Ihr von dem Vorschlag? Sollte man lieber schauen, wie man -- mit staatlicher Förderung für Umzug und Modernisierung anstelle von Eigenheimförderung, Pendlerpauschale etc. -- den aktuellen Bestand sinnvoller nutzen kann und so den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner entgegenkommt? Oder ist das nur eine realitätsfremde Forderung aus dem akademischen Elfenbeinturm?


Hallo fremd,

habe das Buch noch nicht gelesen, muss es mir mal vormerken. Da der gute Mann ja Planer ist und von Planungsrecht dann auch Ahnung haben muss, müsste er wissen, das das Planungsrecht, die Bauordnungen heute schon den Komunen ein probates Mittel sein können, diese Dinge sehr gut zubsteuern. Es muss nur der politische Wille dazu da sein und Potential in den Dienststellen geschaffen werden.

So gäbe es bei rechtzeitigen Handeln der Behörden keine Schrottimmobilienn a la Duisburg u.a. die sozialen Brennpunkte schaffen, so gäbe es bei rechtzeitigem Handeln der Behörden keine Ghettobildung für Ethnien.......ginge alles mit dem weiten Feld des Baurechts zu verhindern....man muss nur wollen.
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon frems » Mi 20. Jan 2016, 16:50

Demolit hat geschrieben:(20 Jan 2016, 16:39)

Hallo fremd,

habe das Buch noch nicht gelesen, muss es mir mal vormerken. Da der gute Mann ja Planer ist und von Planungsrecht dann auch Ahnung haben muss, müsste er wissen, das das Planungsrecht, die Bauordnungen heute schon den Komunen ein probates Mittel sein können, diese Dinge sehr gut zubsteuern. Es muss nur der politische Wille dazu da sein und Potential in den Dienststellen geschaffen werden.

So gäbe es bei rechtzeitigen Handeln der Behörden keine Schrottimmobilienn a la Duisburg u.a. die sozialen Brennpunkte schaffen, so gäbe es bei rechtzeitigem Handeln der Behörden keine Ghettobildung für Ethnien.......ginge alles mit dem weiten Feld des Baurechts zu verhindern....man muss nur wollen.

Hallo Demotyp,

der Mann ist kein Planer, vor allem kein Stadtplaner. Ich hatte diesen Pfusch leider aus der Presse übernommen und erst danach überprüft (-> viewtopic.php?p=3381631#p3381631). Mein Fehler. Erst ist Kaufmann, der mal ein paar Vorlesungen Architektur mitgenommen hat, was in den Planungswissenschaften nur einer Nebensächlichkeit entspricht. Ob er sich im Selbststudium mit Bau-, Planungs-, Öffentlichem und Umweltrecht beschäftigt hat, kann ich Dir nicht sagen. Es scheint aber auch viel mehr eine Forderung zur Änderung der Gesetzgebung zu sein. Ein Verbot in seinem Sinne wäre ja institutionell durchzusetzen und somit müssten die rechtlichen Grundlagen andere sein als die heutigen.
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Re: Planer fordert Verbot von Neubau

Beitragvon Boraiel » Mi 20. Jan 2016, 18:00

Ich sehe das Problem nicht darin, dass zu viel gebaut wird, sondern es wird zu wenig abgerissen! Das ist einfach nicht wirtschaftlich effizient, der Markt bringt das nicht hervor. Reiß halt mal eine heruntergekommene Immobilie in der Großstadt mit anderen umliegenden Gebäuden ab. Kostet erstmal richtig Geld, wirtschaftlich günstiger ist es entweder kleine Sanierungen vorzunehmen oder die Immobilie weiter verfallen zu lassen, ggf. von dem ärmeren und uninformierten Teil der Bevölkerung noch Geld abzuziehen bis zum Ende. Ein solches Verhalten hat wiederum negative Einflüsse auf die Stadtviertel.
Allerdings sehe ich auch nicht wirklich eine Lösung für dieses Problem, ihr?
Wir sollten mehr zerstören, könnte interessanterweise die richtige Devise lauten.
Libertatis veritatisque.

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