Mikrowohnungen

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jack000
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Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 18:59

Auf dem angespannten Wohnungsmarkt in den Ballungsgebieten sollen in den kommenden Jahren tausende "Mikrowohnungen" entstehen. Die Bundesregierung will 120 Millionen Euro in die Entwicklung von Kleinstunterkünften investieren. Das geht aus einem Papier des Bundesbauministeriums hervor. Demnach sollen die Wohnungen mit Küche und Bad eine Fläche von insgesamt mindestens 22 Quadratmetern haben.

http://www.t-online.de/wirtschaft/immob ... ngen-.html

Die Idee ist m.E. sehr gut wenn man folgende Philosophie dahinter betrachtet:
- Ziel: Temporärer Wohnraum für jedermann sofort verfügbar
- Es sollten Einfachsteinrichtungen sein deren Sanierung selbst bei maximaler Zerstörung ca. 1000€ beträgt
- Die Bezugsdauer sollte auf 1/2 oder 1 Jahr beschränkt sein (danach kein automatischer Rauswurf aber saftige Mietpreiserhöhungen) um Verwahrlosung/Gettoisierung zu vermeiden
- Betreuung durch Personal (Pförtner, Wachschutz, Putzkräfte)
- Bau 10% über Bedarf so das jederzeit über freie Kapazitäten verfügt werden kann
- Sofortige Mietzuschläge nach Einkommen gestaffelt
- Generell höhere Preise als vergleichbare Wohnungen (Da nur als "Einstieg" gedacht)
- In günstigen Lagen am Stadtrand aber mit ÖPNV-Anschluss (Bus reicht im Zweifelsfall auch aus).

Zielgruppe: Menschen die neu in eine Stadt ziehen/obdachlos werden (aus welchem Grund auch immer) um Härten bei der Wohnungssuche zu vermeiden um Wohnraum für jeden zu garantieren.

Was hält das Forum von einem solchen Konzept?
Zuletzt geändert von jack000 am Sa 15. Aug 2015, 18:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon Meereen » Sa 15. Aug 2015, 19:02

Wieso sollte das gegen Obdachlose helfen, wenn es generell höhere Preise als bei anderen Mietwohnungen sind? Als Einstieg wähle ich doch nicht etwas, was teuer ist. :?:
Und wieso sollte man raus geworfen werden? Ich kenne Studenten, die ihre 5 Jahre brav auf 20qm-Wohnungen aussitzen. Bei einem Rausschmiss wäre das Problem mit der Obdachlosigkeit ja wieder dasselbe.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 19:07

Meereen » Sa 15. Aug 2015, 20:02 hat geschrieben:Wieso sollte das gegen Obdachlose helfen, wenn es generell höhere Preise als bei anderen Mietwohnungen sind? Als Einstieg wähle ich doch nicht etwas, was teuer ist. :?:
Und wieso sollte man raus geworfen werden? Ich kenne Studenten, die ihre 5 Jahre brav auf 20qm-Wohnungen aussitzen. Bei einem Rausschmiss wäre das Problem mit der Obdachlosigkeit ja wieder dasselbe.

Es geht ja um ein Konzept das nicht als dauerhafte Einrichtung sondern als sofort verfügbarer Wohnraum für jeden dienen soll.
Da unterschiedliche Mieten (mein Vorschlag) gezahlt werden sind auch im Mix temporärer Unterkunft günstigere Preise möglich die von der Arbeitsagentur oder sonstigen Hilfen bezahlt werden.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon Umetarek » Sa 15. Aug 2015, 19:13

Also Studenten sollten wohnen bleiben dürfen, finde ich! (in der Studienzeit versteht sich)
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 19:20

Umetarek » Sa 15. Aug 2015, 20:13 hat geschrieben:Also Studenten sollten wohnen bleiben dürfen, finde ich! (in der Studienzeit versteht sich)

Nochmal: Es geht um das Konzept! ... Für Studenten gibt es Studentenwohnheime. Diese Mikrowohnungen haben eine andere Aufgabe/einen anderen Sinn.

Aber um beim Beispiel Student zu bleiben:
- Egal wo er studieren möchte, er hat sofort eine Unterkunft
- Durch die Mikrowohnung hat er Zeit sich eine andere Unterkunft zu suchen
- Die Preise sind für Studenten mit geringem Einkommen bezahlbar (Aber keine dauerhafte Einrichtung, es sei denn die haben zu viel Geld)
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon Brimborium » Sa 15. Aug 2015, 19:44

Ich habe mal anderthalb Jahre auf 6 qm gelebt.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon Quatschki » Sa 15. Aug 2015, 19:55

jack000 » 15. Aug 2015, 19:59 hat geschrieben:Was hält das Forum von einem solchen Konzept?

Klingt wie ein ostdeutsches Wohnungsbauprogramm aus den 60er Jahren
Der Pförtner bekam da gleich noch ein zweites Gehalt von einer anderen Behörde
Zuletzt geändert von Quatschki am Sa 15. Aug 2015, 19:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 20:07

Quatschki » Sa 15. Aug 2015, 20:55 hat geschrieben:Klingt wie ein ostdeutsches Wohnungsbauprogramm aus den 60er Jahren
Der Pförtner bekam da gleich noch ein zweites Gehalt von einer anderen Behörde

Das Konzept so wie ich es vorgeschlagen habe ist sicherlich ein anderes als du in den 60ern erlebt hast ;)
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 20:15

Brimborium » vor 28 Minuten hat geschrieben:Ich habe mal anderthalb Jahre auf 6 qm gelebt.


... konntest Du Dir keinen besseren Anwalt leisten? :cool:
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 20:16

jack000 » Heute 18:59 hat geschrieben:http://www.t-online.de/wirtschaft/immob ... ngen-.html

Die Idee ist m.E. sehr gut wenn man folgende Philosophie dahinter betrachtet:
- Ziel: Temporärer Wohnraum für jedermann sofort verfügbar
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- In günstigen Lagen am Stadtrand aber mit ÖPNV-Anschluss (Bus reicht im Zweifelsfall auch aus).

Zielgruppe: Menschen die neu in eine Stadt ziehen/obdachlos werden (aus welchem Grund auch immer) um Härten bei der Wohnungssuche zu vermeiden um Wohnraum für jeden zu garantieren.

Was hält das Forum von einem solchen Konzept?


Klingt nach Lösungsansatz für die Flüchtlingsproblematik ...
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon Quatschki » Sa 15. Aug 2015, 20:31

ThorsHamar » 15. Aug 2015, 21:16 hat geschrieben:
Klingt nach Lösungsansatz für die Flüchtlingsproblematik ...

Echt? Kommen dann weniger wegen der Abschreckung?
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon frems » Sa 15. Aug 2015, 20:40

jack000 » Sa 15. Aug 2015, 19:59 hat geschrieben:Was hält das Forum von einem solchen Konzept?

Wenig. Dürfte sich städtebaulich eher schlecht integrieren lassen. Wenn jemand (z.B. für einen Job in einer neuen Stadt) spontan eine Bleibe braucht und nebenbei eine dauerhafte Lösung sucht, für den gibt's doch möblierte Zimmer, die man anmieten kann. :?:
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 20:47

Quatschki » vor 13 Minuten hat geschrieben:Echt? Kommen dann weniger wegen der Abschreckung?


Das ist zur jetzigen Realität wohl kaum eine Abschreckung .....
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 20:55

ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 21:16 hat geschrieben:
Klingt nach Lösungsansatz für die Flüchtlingsproblematik ...

Für Flüchtlinge gibt es Flüchtlingsheime und LEAs ... Das von mir vorgeschlagene Konzept ist ein anderes.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 20:58

frems » Sa 15. Aug 2015, 21:40 hat geschrieben:Wenig. Dürfte sich städtebaulich eher schlecht integrieren lassen.

Darum geht es ja auch nicht, daher auch die Platzierung am Stadtrand.

Wenn jemand (z.B. für einen Job in einer neuen Stadt) spontan eine Bleibe braucht und nebenbei eine dauerhafte Lösung sucht, für den gibt's doch möblierte Zimmer, die man anmieten kann. :?:

Nein, die gibt es nicht in dem Maße die das Konzept vorschlägt => Es geht um ein zusätzliches Angebot!
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 21:01

jack000 » vor 3 Minuten hat geschrieben:Für Flüchtlinge gibt es Flüchtlingsheime und LEAs ... Das von mir vorgeschlagene Konzept ist ein anderes.


schon klar ...
Trotzdem passt meine Interpretation auch ins Konzept.

Nachtrag:
Eben gelesen, steht ja sogar im Link. Na bitte ....
Zuletzt geändert von ThorsHamar am Sa 15. Aug 2015, 21:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 21:03

ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 22:01 hat geschrieben:
schon klar ...
Trotzdem passt meine Interpretation auch ins Konzept.

inwiefern das?
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon frems » Sa 15. Aug 2015, 21:03

jack000 » Sa 15. Aug 2015, 21:58 hat geschrieben:Darum geht es ja auch nicht, daher auch die Platzierung am Stadtrand.

Am Stadtrand gibt's doch selten ein Problem mit Wohnraum. :?

Nein, die gibt es nicht in dem Maße die das Konzept vorschlägt => Es geht um ein zusätzliches Angebot!

Von Vater Staat? Ich bleibe skeptisch. Einfach die BauNVO mal auf einen aktuellen Stand bringen und möglichst in den Ländern den Mieterschutz abschaffen (oder zumindest aufweichen). Dann löst sich das von selbst. Kann anfangs ein paar Reibereien geben, aber das lohnt schon mittelfristig.
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon ThorsHamar » Sa 15. Aug 2015, 21:11

jack000 » vor weniger als einer Minute hat geschrieben:inwiefern das?


Ich hatte gestern Abend, als ich die Meldung in der Berliner Abendschau hörte, sofort den Gedanken, dass damit der erste konkrete Aktionismus zur Lösung der Flüchtlingsproblematik passieren wird.
Ohne die Wellen von Flüchtlingen hätte der Senat weiterhin nichts unternommen, um die seit Jahren bekannte Misere zu beseitigen.

In Marzahn und Hellersdorf gibt es übrigens schon genug leere Wohnungen, incl. bester Verkehrsanbindung ....
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Re: Mikrowohnungen

Beitragvon jack000 » Sa 15. Aug 2015, 21:48

frems » Sa 15. Aug 2015, 22:03 hat geschrieben:Am Stadtrand gibt's doch selten ein Problem mit Wohnraum. :?

Du wohnst doch in Hamburg (meist) ... warum sollte es dort anders sein als in Stuttgart? Die Situation ist eine Katastrophe hüben wie drüben auch!
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