Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

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Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » Fr 26. Dez 2014, 17:53

Wie vielen ja bekannt sein dürfte, erreicht Stuttgart, u.a. aufgrund seiner Lage, regelmäßig den traurigen ersten Platz, wenn es um schlechte Luft in Deutschland geht.

Die Autostadt Stuttgart ist bei der Belastung durch Feinstaub mit Abstand Spitzenreiter. Auf 40 Mikrogramm beläuft sich der Jahresmittelwert, an ganzen 91 Tagen wurde der Grenzwert überschritten. Die Cannstatter Straße ist damit die dreckigste Straße Deutschlands. Seit Beginn der bundesweiten Messungen 2005 hält sie den Rekord. Lösungen des Problems könnten im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Verringerung des Autoverkehrs in der Innenstadt liegen.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... alse#image

Das könnte man zunächst als lokale Angelegenheit abtun. Aber nun hat die Bundesrepublik Ärger mit Brüssel an der Backe, weil neben Leipzig auch Stuttgart permanent gegen Gesundheitsrichtlinien verstößt und nichts gegen diese krebserregenden Zustände für die Bürger Stuttgarts unternehmen will:

Wie berichtet, hat Deutschland wegen der in Stuttgart und Leipzig seit zehn Jahren überschrittenen Schadstoffkonzentrationen Ende November ein umfangreiches Schreiben aus Brüssel erhalten. Die EU-Kommission erwartet bis Ende Januar einen Katalog mit wirkungsvollen Maßnahmen gegen die krebserregenden Partikelschwaden. „In Stuttgart muss ganz rasch etwas passieren, um die Feinstaubgrenzwerte endlich einzuhalten“, betont Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer beim Bund für Umweltschutz Deutschland (BUND). Die EU-Kommission habe dem Gesundheitsschutz höchste Priorität eingeräumt. [...] Die Umweltschützer verlangen eine „drastische Begrenzung der Verkehrsmengen in der Innenstadt“. Außerdem müsse das Parkraummanagement sofort in der gesamten City und in Bad Cannstatt umgesetzt werden und Tempo 40 so rasch wie möglich auf allen Steigungsstrecken in der Stadt gelten. „Außerdem sind die Parkgebühren spürbar anzuheben und Fahrbahnen zugunsten von Fußgängern und Radfahrern zurückzubauen“, so Pfeifer.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 90809.html

Wenn man so die Artikel und Kommentare überfliegt, dann scheint jeder der Meinung zu sein, daß sich schleunigst etwas an diesen Zuständen ändern müsse. Aber mit welchen Maßnahmen man das Problem angeht, darüber herrscht offenbar keine Einigkeit. Interessant ist da auch ein (natürlich nicht repräsentativer) Kommentar, wonach selbst der grüne Bürgermeister keinerlei Handlungsfähigkeit zeigt, sondern nur mit warmen Worten um sich wirft. Ist das so? Ortskundige aus dem Raum Stuttgart gibt es hier ja zu genüge.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon unity in diversity » Sa 27. Dez 2014, 21:08

Ich glaube, daß der Westen wegen seiner unbewältigten Strukturprobleme, in jeder Hinsicht fertig hat.
Belege dafür sind Stuttgart 21, BER, Elbphilharmonie, deutsche Staatsoper in Berlin usw.
Alles, was die anpacken, geht nach hinten los.
Größere Projekte bringen die nicht mehr fertig.
Nie mehr.
Oder irre ich mich?
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon jack000 » Sa 27. Dez 2014, 21:58

frems » Fr 26. Dez 2014, 17:53 hat geschrieben:Wenn man so die Artikel und Kommentare überfliegt, dann scheint jeder der Meinung zu sein, daß sich schleunigst etwas an diesen Zuständen ändern müsse. Aber mit welchen Maßnahmen man das Problem angeht, darüber herrscht offenbar keine Einigkeit. Interessant ist da auch ein (natürlich nicht repräsentativer) Kommentar, wonach selbst der grüne Bürgermeister keinerlei Handlungsfähigkeit zeigt, sondern nur mit warmen Worten um sich wirft. Ist das so? Ortskundige aus dem Raum Stuttgart gibt es hier ja zu genüge.

Nun, die Sache gestaltet sich als als nicht so einfach. Natürlich kann man dieses und jenes fordern,aber selbst wenn es umgesetzt wird bedeutet es nicht das ein Problem wirklich gelöst ist, sondern das es dann an einer anderen Stelle auftauchen wird.

Das Problem ist die "Autogerechte Stadt". Anstatt die Innenstadt durch Entlastungsstrassen vom Verkehr zu senken hat man auch Schneisen durch die Stadt gesetzt und wenn man von A-B möchte bleibt häufig nicht viel anderes übrig als durch die Stadt zu fahren. Auch durch den Rosensteintunnel wird das eher zementiert als geändert werden.

Natürlich hat man schon z.B. die 4-spurige Nürnberger Strasse auf 2 Spuren verengt und dafür kaum befahrene Radfahrwege geschaffen. Letztendlich kam heraus: Mehr Lärm und Abgase, aber nicht weniger Autos.

Der ÖPNV ist recht populär und erfreut sich steigender Fahrgastzahlen, aber es wird in absehbarer Zeit nicht möglich sein, die Kapazitäten zu erhöhen, da 1. die Stammstrecke (2 Gleisig) chronisch überlastet und 2. das ganze Netz in einem maroden Zustand ist.
=> Es geht also erstmal darum das bestehende Netz zum funktionieren zu bringen.
Dazu kommt noch die S21-Baustelle die diverse Auswirkungen auch dort hat, wo man es gar nicht vermuten würde. In diesem Zustand auch noch auch noch die Stammstrecke 4 gleisig auszubauen würde bedeuten, das die nächsten 20-25 Jahre in Stuttgart nichts mehr geht.

Aber dann kommt noch hinzu, dass Stuttgart wächst und erstmal 2 neue Einkaufstempel in der Stadt entstanden sind, ein bestehender wird ausgebaut. Dann sind neue Büros und Wohungen entstanden, die immer mehr Menschen anziehen die von A-B müssen.
Wenn dann auch in 10-15 Jahren tatsächlich das Gleisvorfeld mit zum größten Teil Büros und einigen Wohnungen zugebaut wird und zusätzlich das Rosensteinviertel ensteht, wird es richtig krass werden.

Um den Autoverkehr abzuhalten bräuchte es eine saftig teure City-Maut und Pförtnerampeln, die nur wenige Autos von außerhalb überhaupt in die Stadt lassen. Aber dann entstehen 2 Effekte:
1. Ausweichverkehr in dafür überhaupt nicht geeignete Strassen
2. Ein Umsteigen auf das völlig überlastete S-Bahn Netz

Fazit: Es sind also nicht nur politische Entscheidungen die Einfluß auf das alles haben, sondern in erster Linie strukturelle Probleme die ohne einen gemeinsamen Masterplan der ohne Tabus konsequent gegen alle Widerstände durchgesetzt werden muss.
Mit ein "bischen hier", bischen da" ... ist es nicht getan.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » So 28. Dez 2014, 17:09

unity in diversity » Sa 27. Dez 2014, 21:08 hat geschrieben:Ich glaube, daß der Westen wegen seiner unbewältigten Strukturprobleme, in jeder Hinsicht fertig hat.
Belege dafür sind Stuttgart 21, BER, Elbphilharmonie, deutsche Staatsoper in Berlin usw.
Alles, was die anpacken, geht nach hinten los.
Größere Projekte bringen die nicht mehr fertig.
Nie mehr.
Oder irre ich mich?

Du irrst Dich aus mehreren Gründen. Auch wenn es hier nicht Thema ist: Erstens beleuchtest Du die völlig unterschiedlichen Probleme/Ursachen nicht. Zweitens schaust Du nur nach einzelnen Projekten, die teurer oder später fertig wurden/werden. Drittens gab's das früher auch. Und viertens in anderen Ländern außerhalb "des Westens" sowieso.

jack000 hat geschrieben:Nun, die Sache gestaltet sich als als nicht so einfach. Natürlich kann man dieses und jenes fordern,aber selbst wenn es umgesetzt wird bedeutet es nicht das ein Problem wirklich gelöst ist, sondern das es dann an einer anderen Stelle auftauchen wird.

Das Problem ist die "Autogerechte Stadt". Anstatt die Innenstadt durch Entlastungsstrassen vom Verkehr zu senken hat man auch Schneisen durch die Stadt gesetzt und wenn man von A-B möchte bleibt häufig nicht viel anderes übrig als durch die Stadt zu fahren. Auch durch den Rosensteintunnel wird das eher zementiert als geändert werden.

Natürlich hat man schon z.B. die 4-spurige Nürnberger Strasse auf 2 Spuren verengt und dafür kaum befahrene Radfahrwege geschaffen. Letztendlich kam heraus: Mehr Lärm und Abgase, aber nicht weniger Autos.

Der ÖPNV ist recht populär und erfreut sich steigender Fahrgastzahlen, aber es wird in absehbarer Zeit nicht möglich sein, die Kapazitäten zu erhöhen, da 1. die Stammstrecke (2 Gleisig) chronisch überlastet und 2. das ganze Netz in einem maroden Zustand ist.
=> Es geht also erstmal darum das bestehende Netz zum funktionieren zu bringen.
Dazu kommt noch die S21-Baustelle die diverse Auswirkungen auch dort hat, wo man es gar nicht vermuten würde. In diesem Zustand auch noch auch noch die Stammstrecke 4 gleisig auszubauen würde bedeuten, das die nächsten 20-25 Jahre in Stuttgart nichts mehr geht.

Aber dann kommt noch hinzu, dass Stuttgart wächst und erstmal 2 neue Einkaufstempel in der Stadt entstanden sind, ein bestehender wird ausgebaut. Dann sind neue Büros und Wohungen entstanden, die immer mehr Menschen anziehen die von A-B müssen.
Wenn dann auch in 10-15 Jahren tatsächlich das Gleisvorfeld mit zum größten Teil Büros und einigen Wohnungen zugebaut wird und zusätzlich das Rosensteinviertel ensteht, wird es richtig krass werden.

Um den Autoverkehr abzuhalten bräuchte es eine saftig teure City-Maut und Pförtnerampeln, die nur wenige Autos von außerhalb überhaupt in die Stadt lassen. Aber dann entstehen 2 Effekte:
1. Ausweichverkehr in dafür überhaupt nicht geeignete Strassen
2. Ein Umsteigen auf das völlig überlastete S-Bahn Netz

Fazit: Es sind also nicht nur politische Entscheidungen die Einfluß auf das alles haben, sondern in erster Linie strukturelle Probleme die ohne einen gemeinsamen Masterplan der ohne Tabus konsequent gegen alle Widerstände durchgesetzt werden muss.
Mit ein "bischen hier", bischen da" ... ist es nicht getan.

Danke für den Lagebericht. :thumbup:

Wobei ich zwei Punkte nicht ganz verstehe. Zum einen beschwerst Du Dich über Wohnraum in der Stadt. Aber kann der nicht auch dafür sorgen, daß weniger Menschen ins Umland flüchten und dann längere Pendlerstrecken zurücklegen? Und würde eine Citymaut Verkehr (und damit Abgase) reduzieren? Wenn ich mich nicht irre, haben einige Städte die wieder abgeschafft, weil die Verkehrslagerung nicht zu einer erhofften Besserung in Straßen mit hohen Schadstoffwerten führte und man eher auf steigende Normen bei Neuwagen hofft.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon el loco » So 28. Dez 2014, 17:13

Das Problem in Stuttgart ist die geographische Lage, eine Wirtschaftsmetropole verdichtet auf wenige km² Kessellage. Dazu wurden massive Infrastrukturmassnahmen um Stuttgart herum verpasst.
Um der Sache nur ansatzweise Herr zu werden müsste man die nächsten Jahrzehnte mit einem Multimilliardenprogramm die Infrastruktur hier auf vordermann bringen.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » So 28. Dez 2014, 17:19

el loco » So 28. Dez 2014, 17:13 hat geschrieben:Das Problem in Stuttgart ist die geographische Lage, eine Wirtschaftsmetropole verdichtet auf wenige km² Kessellage. Dazu wurden massive Infrastrukturmassnahmen um Stuttgart herum verpasst.
Um der Sache nur ansatzweise Herr zu werden müsste man die nächsten Jahrzehnte mit einem Multimilliardenprogramm die Infrastruktur hier auf vordermann bringen.

Da Deutschland ggf. verklagt wird und nicht Stuttgart oder Baden-Württemberg, könnte das ja vielleicht ein paar Bundesgelder in Verkehrsprojekte fernab von S21 bringen. Kann man ja auch gut argumentieren, wenn Stuttgart aus geographischen Gründen mehr stemmen muß als andere Städte. Scheint aber schon länger als Problem erkannt worden zu sein:

Beim Feinstaub liegt die Stadt der Kehrwoche weit vorn: Stuttgart hat auch im Jahr 2012 im bundesweiten Feinstaubranking den ersten Platz belegt - zum achten Mal in Folge. Es drohen hohe Strafen. Stuttgarts Feinstaub-Dilemma löst das nicht.

http://www.swr.de/odysso/feinstaub-in-s ... 14/qr3wr2/

Was tun? Das Stuttgarter Regierungspräsidium, die in Baden-Württemberg für die Feinstaub-Thematik verantwortliche Behörde, ist vorsichtig geworden. Sollte die Zahl der Überschreitungstage in der Gegend von 2011, also 89 (Zur Erinnnerung: Zulässig sind 35.) liegen, wäre das schon ein Erfolg, sagt ein Sprecher.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/feins ... .1479687-3

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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon el loco » So 28. Dez 2014, 17:43

Ein paar Bundesgelder reichen da lange nicht aus. Schau Dir mal eine Karte von Stuttgart und Umgebung an und dann das dazugehörige Verkehrsaufkommen, Pendlerströme und die ganzen Betriebe. Dann die vorhandene Infrastruktur und wenn es Dir langweilig ist, kannst Du noch die Verkehrsnachrichten dazu lesen.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon Adam Smith » So 28. Dez 2014, 17:44

el loco » So 28. Dez 2014, 17:43 hat geschrieben:Ein paar Bundesgelder reichen da lange nicht aus. Schau Dir mal eine Karte von Stuttgart und Umgebung an und dann das dazugehörige Verkehrsaufkommen, Pendlerströme und die ganzen Betriebe. Dann die vorhandene Infrastruktur und wenn es Dir langweilig ist, kannst Du noch die Verkehrsnachrichten dazu lesen.


Um den Hauptbahnhof herum gibt es jetzt wirklich zu viel Autoverkehr.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon el loco » So 28. Dez 2014, 17:49

Adam Smith » So 28. Dez 2014, 17:44 hat geschrieben:
Um den Hauptbahnhof herum gibt es jetzt wirklich zu viel Autoverkehr.

Es ist ja mit Stuttgart alleine nicht getan. Das Verkehrsproblem ist ein wesentlich größeres, beginnend mit der A6 bei Nürnberg welche sich bis Frankfurt durchzieht. Dann die Autobahn vom Weinsberger Kreuz bei Heilbronn, bis durch Richtung Bodensee. Die B27 Richtung Tübingen hoch, die AB nach München rüber. Die Autobahnverbindung rüber nach Pforzheim/Karlsruhe.
Dann das komplette Hinterland welches nicht vernünftig, verkehrstechnisch angeschlossen ist. Bspw. sei da nur der Rems-Murr-Kreis genannt Backnang, Winnenden, Waiblingen, dann raus durchs Remstal bis nach Schwäbisch Gmünd und Aalen. Dort herrscht täglich ein wahnsinniges Verkehrschaos.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » So 28. Dez 2014, 19:37

el loco » So 28. Dez 2014, 17:43 hat geschrieben:Ein paar Bundesgelder reichen da lange nicht aus. Schau Dir mal eine Karte von Stuttgart und Umgebung an und dann das dazugehörige Verkehrsaufkommen, Pendlerströme und die ganzen Betriebe. Dann die vorhandene Infrastruktur und wenn es Dir langweilig ist, kannst Du noch die Verkehrsnachrichten dazu lesen.

Naja, ich bin ein Freund dessen, was jack als "bischen hier", bischen da" bezeichnete. Zudem mag ich's nicht, wenn der Staat etwas durch Einschränkung verbessern will statt z.B. Angebote (gute Radwege, gemischte Viertel fördern für kurze Wege, zuverlässiger/schneller ÖPNV, ...) zu schaffen und die Leute zum Wechsel zu animieren. Aber vielleicht reicht das in Stuttgart nicht. Was würdest Du denn vorschlagen? Neue Umgehungsstraßen? Citymaut? Halbe Innenstadt unterkellern bzw. Umhausung? :?:
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon el loco » So 28. Dez 2014, 22:20

In der kompletten Metropolregion Stuttgart und im Rhein-Main Gebiet eine mind. verdopplung sämtlicher Fahrstreifen auf den Autobahnen und Bundesstraßen wie der B27 etc..
Massiver Ausbau von S-Bahnen und Stadtbahnen in und um Stuttgart, verbunden mit einer massiven erhöhung der Takte. Teils braucht man mit der S-Bahn länger, wie wenn man
mit dem Auto, zu einer verkehrsschwachen Zeit, fährt.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon neo1968 » Do 1. Jan 2015, 12:08

Das Hauptproblem besteht darin, dass einige Entscheidungsträger in unserer ach so geliebten Landeshauptstadt meinen, dass alle relevanten Behörden, Organisationen, Firmensitze, etc. aus allen anderen Städten in BW abgezogen und in die Stadt ohne Namen verlegt werden müssen.
Und dann wundert man sich, dass der Verkehr ständig zunimmt und man kaum noch Luft bekommt.
Eigentlich wäre diesen Entscheidungsträgern zu wünschen, dass Sie am selbst erzeugten Dreck ersticken mögen, nur leider ist es wie überall, es trifft nur die normale Bevölkerung, die diese Überfrachtung mit allem so gar nicht wünscht.

Ich jedenfalls setze freiwillig keinen Fuß in dieses Dreckloch.
Zuletzt geändert von neo1968 am Do 1. Jan 2015, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » Di 19. Jan 2016, 15:13

Gibt Neuigkeiten zum Thema:

Ein bisschen Alarm
In Stuttgart herrscht seit Montag Feinstaubalarm. Wieso tritt das Problem gerade jetzt auf? Warum geißeln Umweltverbände die Maßnahme als "Placebo"?

http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-01/f ... balarm-faq

Stuttgarter ignorieren den Feinstaub-Alarm
Wegen der Wetterlage hat Stuttgart Autofahrer zum Umsteigen auf Busse und Bahnen aufgefordert, Kaminbesitzer sollen nicht heizen. Doch die Wirkung ist bescheiden.

http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-01/f ... art-umwelt
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon Aldemarin » Mi 20. Jan 2016, 14:44

Was wäre eigentlich, wenn man in Stuttgart einfach die Meßstationen, die zu hohe Werte bringen, einfach verlegt?
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon nichtkorrekt » Mi 20. Jan 2016, 14:53

Wenn man im Rahmen von S21 die jetztigen Schienenanlagen zubaut wird das Stadtklima noch schlechter, da sich dann die Hitze in der Stadt staut, inwiefern das die Schadstoffproblematik noch verschärft weiß ich nicht.

el loco hat geschrieben:(28 Dec 2014, 17:13)

Das Problem in Stuttgart ist die geographische Lage, eine Wirtschaftsmetropole verdichtet auf wenige km² Kessellage. Dazu wurden massive Infrastrukturmassnahmen um Stuttgart herum verpasst.
Um der Sache nur ansatzweise Herr zu werden müsste man die nächsten Jahrzehnte mit einem Multimilliardenprogramm die Infrastruktur hier auf vordermann bringen.


Für dieses Geld hat man lieber den Bahnhof vergraben und in Zukunft braucht man das Geld um Asylantenheime zu bauen.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon jack000 » Mi 20. Jan 2016, 15:30

nichtkorrekt hat geschrieben:(20 Jan 2016, 14:53)

Wenn man im Rahmen von S21 die jetztigen Schienenanlagen zubaut wird das Stadtklima noch schlechter, da sich dann die Hitze in der Stadt staut, inwiefern das die Schadstoffproblematik noch verschärft weiß ich nicht.

Das Problem ist, das die Schienenflächen mit Büros, Shopping Center und Wohnungen zugebaut werden was wiederum viel Verkehr anzieht der die Verkehrssituation noch verschlimmern wird und somit mehr Abgase die Stadt belasten werden.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon Excellero » Mi 20. Jan 2016, 15:33

So lange es als Konsens gilt daß Diesel Fahrzeuge die Hauptverursacher von Feinstaub sind, und man das Problem mit grünen roten oder gelben Aufklebern lösen kann, macht jegliche diskussion hierzu garkeinen Sinn. :rolleyes:
Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen, muß man eigenen haben.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon frems » Mi 20. Jan 2016, 15:37

jack000 hat geschrieben:(20 Jan 2016, 15:30)

Das Problem ist, das die Schienenflächen mit Büros, Shopping Center und Wohnungen zugebaut werden was wiederum viel Verkehr anzieht der die Verkehrssituation noch verschlimmern wird und somit mehr Abgase die Stadt belasten werden.

Sofern sich am Modal Split nicht mal was ändert.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon Mithrandir » Fr 22. Jan 2016, 23:46

Nicht nur Stuttgart, auch andere deutsche Städte überschreiten regelmäßig Grenzwerte. Der besonders feine, gefährliche lungengängige Feinstaub (PM2.5) wird noch nichteinmal gemessen (und die zentralste Messung in Bad Cannstatt direkt neben der Wilhelma... (insofern also wenig Potential für eine Verlegung der Messstation).

Maßnahmen wären eigentlich sehr einfach: Fahrverbote bzw. Beschränkungen durch hohe Kosten. Dies würde nicht nur zu einer Verlagerung führen, sondern insbesondere auch dazu, dass die Menschen weniger fahren würden (oder in bessere Technik investieren würden). Und ohne Reduktion des Verkehrs ist mit der derzeitig in der Breite genutzten Technik eine signifikante Verbesserung der Luftqualität kurz bis mittelfristig nicht zu erreichen.

Allerdings fehlt es ganz offensichtlich am politischen Willen – was auch damit zu tun hat, dass einem großen Teil der Wähler die zigtausenden Feinstaubtoten im Vergleich zu ihrer individuellen Mobilität relativ egal sind.
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Re: Stuttgart - Deutschlands Schadstoff-Sorgenkind

Beitragvon Geraldo » Sa 19. Mär 2016, 21:48

Mithrandir hat geschrieben:(22 Jan 2016, 23:46)

Nicht nur Stuttgart, auch andere deutsche Städte überschreiten regelmäßig Grenzwerte. Der besonders feine, gefährliche lungengängige Feinstaub (PM2.5) wird noch nichteinmal gemessen (und die zentralste Messung in Bad Cannstatt direkt neben der Wilhelma... (insofern also wenig Potential für eine Verlegung der Messstation).

Maßnahmen wären eigentlich sehr einfach: Fahrverbote bzw. Beschränkungen durch hohe Kosten. Dies würde nicht nur zu einer Verlagerung führen, sondern insbesondere auch dazu, dass die Menschen weniger fahren würden (oder in bessere Technik investieren würden). Und ohne Reduktion des Verkehrs ist mit der derzeitig in der Breite genutzten Technik eine signifikante Verbesserung der Luftqualität kurz bis mittelfristig nicht zu erreichen.

Allerdings fehlt es ganz offensichtlich am politischen Willen – was auch damit zu tun hat, dass einem großen Teil der Wähler die zigtausenden Feinstaubtoten im Vergleich zu ihrer individuellen Mobilität relativ egal sind.



Um das noch mal aufzugreifen
Stuttgart liegt in einem Talkessel mit rund 700.000 Einwohnern bei einer kleinen Fläche von nur rund 220 km²,
da ist es nahezu unmöglich zu erwarten das irgendwelche Winde ständig Abgase aus der Stadt zu treiben
und Fahrverbote für PKW oder LKW ist Schwachsinn wenn ich 700.000 Bürger versorgen will.

Eine Verbesserung wäre allerdings tatsächlich den Nahverkehr auf die Bahn zu verlegen
und natürlich die Industrie nach ausserhalb zu verlagern.....

Zu dem Thema Messtationen:
Bei uns gibt es eine enge Strassenschlucht mit Fernverkehr die auf Grund von Verkehrsunfällen
zur Zone 30 wurde und die Messtation zeigt seit dem erhöhte Werte und es gibt tatsächlich Leute die sich darüber wundern

MfG Geraldo

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