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Re: Grundsatzdiskussion historische/moderne Architektur

Verfasst: Mi 24. Feb 2016, 02:35
von Alucard
Ammianus hat geschrieben:(23 Feb 2016, 19:01)

Die dumme Schlossattrappe hätten sie sich sparen sollen. Eine Sanierung und Neunutzung der Palasts wäre angebrachter gewesen, zumal der von der DDR-Bevölkerung angenommen worden war. Stattdessen wäre die Bauakademie wichtiger gewesen. Aber da lies man gerade mal eine Ecke von Lehrlingen hochziehen. Lieber klotzt man tumbe Blöcke hin, wie sie auch das Palasthotel ersetzten und zerstört damit die Stabilität der Friedrichswerderschen Kirche.

Für die fetten Katzen der Berliner Bau-Mafia aber alles ein willkommenes Futter wenn es schon mit Olympia nicht klappt.

Entschuldige bitte, aber mit einem Palast assoziiert man doch wohl immer noch eine gewisse Erhabenheit und Ästhetik, aber doch nicht ein derart willkürlich in die Gegend geknalltes Betonmonster mit hässlichen kupfergetönten Scheiben und einem spießigen Innenambiente, wie man es sich gruseliger nicht vorstellen kann. Ich musste dort über ein Jahr lang zweimal täglich mit dem Fahrrad vorbeifahren, zwischem dem "Ballast" und dem ehemaligen DDR-Außenministerium, auf dem sich damals gerade ein Bagger durch die Etagen fraß. Und irgendwann kam wieder die Friedrichswerdersche Kirche zum Vorschein und man bekam eine Ahnung von der einstigen Pracht des einstigen Gebäudeensembles rund um die Schloßbrücke, bevor es von kommunistischen Barbaren neu definiert wurde, als Tummelplatz kulturentwöhnter Proleten nämlich. Aber daß die Schinkelkirche nun das Opfer gewissenloser Bauhaie wird, steht ja wohl auf einem anderen Blatt..

Re: Grundsatzdiskussion historische/moderne Architektur

Verfasst: Mi 24. Feb 2016, 12:03
von Ultra-tifosi
Amtsschimmel hat geschrieben:(23 Feb 2016, 17:34)

Problematisch ist leider, dass jede Form der Rekonstruktion vonseiten der Architekten als "Absage an die Architektur der Gegenwart" gegeißelt wird. Doch wovor lassen sich die Leute denn fotografieren? Niemand vor dem modernen Kanzleramt, dafür viele vor dem Reichstagsgebäude. Es gibt kaum eine andere Branche, die so am Geschmack der Masse vorbeiproduziert, wie die Architektur. Außerdem ist die jetzige Architektur selbst angestaubt, man hat in den letzten 50 Jahren letztlich nur Beton- durch Glasfassaden ersetzt. Gerade die nach dem Krieg so hochgejubelte Bauhausarchitektur hat Dutzende Städte Deutschlands in weißgelbe Fassadenwüsten verwandelt.


Und es wird leider nicht besser. :(

Du musst als Bürger, Stadtrat, Politiker,ec. die Architekten grade dazu zwingen historisches wiederauferstehen zu lassen.
Und bisher war jedes historisch Wiederaufgebaute ein Volltreffer, der von der Bevölkerung & den Touris sofort angenommen wurde.

Aber wir Deutschen haben es ja noch gut erwischt, wenn ich sehe was in London abgeht ...

Re: Grundsatzdiskussion historische/moderne Architektur

Verfasst: Do 1. Sep 2016, 16:10
von jack000
In dem lesenswerten Artikel der FAZ "Von Haus aus missglückt" wird die moderne Architektur kritisiert.
Zusammenfassung:
- Es ist die Fähigkeit abhanden gekommen, schöne und bewohnbare Städte zu bauen
- Wenn es um schöne Städte geht, spricht man ausschließlich über alte Gebäude, Plätze aber nie über moderne
- Neue Gebäude passen sich nicht ihrer Umgebung an, sondern sind egoistische Solitäre
- Neubauviertel strahlen Kälte aus
- Die Moderne hat nicht einen guten Stadtraum hervorgebracht
- Gentrifizierung findet nur nur in alten Stadtvierteln statt
- Wenn neue Stadtvirtel so gebaut werden würden wie die alten könnte man das Problem der Gentrifizierung lösen
- Die Verantwortlichen planen zumeist aneinander vorbei
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/im-wuergegriff-des-bebauungsplans-14414241.html
=> Ein vernichtendes Urteil an die Moderne Architektur dessen jede einzelne These ich zu 100% teile!

Re: Grundsatzdiskussion historische/moderne Architektur

Verfasst: Sa 3. Sep 2016, 19:01
von Amtsschimmel
jack000 hat geschrieben:(01 Sep 2016, 17:10)

In dem lesenswerten Artikel der FAZ "Von Haus aus missglückt" wird die moderne Architektur kritisiert.
Zusammenfassung:
- Es ist die Fähigkeit abhanden gekommen, schöne und bewohnbare Städte zu bauen
- Wenn es um schöne Städte geht, spricht man ausschließlich über alte Gebäude, Plätze aber nie über moderne
- Neue Gebäude passen sich nicht ihrer Umgebung an, sondern sind egoistische Solitäre
- Neubauviertel strahlen Kälte aus
- Die Moderne hat nicht einen guten Stadtraum hervorgebracht
- Gentrifizierung findet nur nur in alten Stadtvierteln statt
- Wenn neue Stadtvirtel so gebaut werden würden wie die alten könnte man das Problem der Gentrifizierung lösen
- Die Verantwortlichen planen zumeist aneinander vorbei
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/im-wuergegriff-des-bebauungsplans-14414241.html
=> Ein vernichtendes Urteil an die Moderne Architektur dessen jede einzelne These ich zu 100% teile!


Danke für diesen hervorragenden Artikel. Die Stadtplanung von heute ist wie die Gesellschaft: Kühl, kapitalistisch, renditeorieniert. Der Blick fürs Schöne und Ästhetische wird als Gefühlsduselei gebrandmarkt. Ergebnis ist eine egoistische Architektur.