Landflucht in Deutschland und die Folgen

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Kanzlerqualle
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Kanzlerqualle » So 7. Dez 2014, 13:27

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:Ländliche Regionen verrecken, in städtischen Regionen explodieren die Mieten:
http://www.spiegel.tv/filme/landflucht-der-deutschen/
... die Landflucht ist doch eine Folgeerscheinung der Landwirtschaft ... die Landwirtschaft (Bauern, Farmer, Tierzüchter und Tierhalter ) benötigen immer weniger Arbeitskräfte , weil Maschinen die Arbeitskraft übernehmen ... also dementsprechend suchen sich die Leute eine Arbeit in der nächsten größeren Stadt , auf dem Land gibt es ja keine Arbeit mehr ... außer Trecker fahren ...
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mo 8. Dez 2014, 18:29

Eben-t. Zumal der Immobilienmarkt sich selbst an Angebot und Nachfrage orientiert, und Menschen deutschlandweit ähnlich viel von ihrem Gehalt abdrücken würden. Steigen die Löhne, gehen halt auch die Mieten hoch: http://www.handelsblatt.com/finanzen/im ... 84604.html

Ein langsames Bevölkerungswachstum von evtl. 0,5-1,0% im Jahr ist da nicht sonderlich ausschlaggebend.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » So 18. Jan 2015, 19:05

Eigentlich längst bekannt, aber offenbar müssen einige immer wieder daran erinnert werden:

Studie zur Landflucht: "Wir brauchen ein generelles Umdenken"

Die Menschen in Deutschland zieht es immer stärker in die Städte, die ländlichen Räume veröden. Der Chef des Berlin-Instituts plädiert im Interview für einen neuen Umgang mit der Situation: Schluss mit der Vollversorgung.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 12486.html
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Gilmoregirl » So 18. Jan 2015, 21:44

frems:
Zitat:
In Brandenburg ist die Diskussion um eine Wegzugsprämie für Dörfler neu entbrannt. Der Demografie-Experte und Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, schlug vor, älteren Menschen eine Prämie zu zahlen, wenn sie bereit sind, in die nächste Stadt zu ziehen. In einer Stadt seien die Senioren besser versorgt, zudem fänden sie dort eher eine barrierefreie Wohnung.

http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... erden.html

Man merkt wohl vor allem in jenen Länder, wo die Bevölkerung am stärksten schrumpft, daß man endlich mit den Subventionen der Peripherie aufhören muß zum Wohle der Allgemeinheit.



Ich wohne auch in einem ländlichen Raum Brandenburgs. Wir haben hier jedoch das umgekehrte "Problem".
Gute Infrastruktur, die Nähe zu potsdam und Berlin, Kita & Schule im Ort lassen gerade junge Familien her ziehen.
Zuletzt geändert von Gilmoregirl am So 18. Jan 2015, 21:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » So 18. Jan 2015, 22:00

Gilmoregirl » So 18. Jan 2015, 21:44 hat geschrieben:frems:

Ich wohne auch in einem ländlichen Raum Brandenburgs. Wir haben hier jedoch das umgekehrte "Problem".
Gute Infrastruktur, die Nähe zu potsdam und Berlin, Kita & Schule im Ort lassen gerade junge Familien her ziehen.

Wenn man von dort bequem mit Auto oder S-Bahn nach Berlin pendeln kann, dann handelt es sich ja nicht um das, was dort mit ländlicher Raum gemeint ist. Ohne Potsdam und Berlin würd's da dann sicherlich anders aussehen. Daß es ein paar Ausnahmen gibt und einige Menschen durchaus gezielt in die Pampa ziehen, steht ja selbst im verlinkten Interview ("Minderheit" heißt ja nicht "niemand"). In der Breite wird's das aber erstmal nicht geben, wenn der gesellschaftliche Trend nicht umgekehrt wird. Mal sehen, wann die Pendlerpauschale zu einer Pendlerabgabe wird. :?

Schönen Gruß aus der Hauptstadt. :|
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » So 18. Jan 2015, 22:03

Gilmoregirl » So 18. Jan 2015, 21:44 hat geschrieben:frems:

Ich wohne auch in einem ländlichen Raum Brandenburgs. Wir haben hier jedoch das umgekehrte "Problem".
Gute Infrastruktur, die Nähe zu potsdam und Berlin, Kita & Schule im Ort lassen gerade junge Familien her ziehen.

Das ist ja auch nicht ungewöhnlich ... wenn nach 10-15 Jahren nach dem Kinderkriegen das Geld für das Haus auf dem Land da ist, ziehen die Eltern aufs Land und die Kinder (10-15 Jahre alt) haben das Nachsehen ...

Diese Kids stehen dann am Trampen an der Strasse ...
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Odin1506 » So 18. Jan 2015, 22:24

Gilmoregirl » So 18. Jan 2015, 21:44 hat geschrieben:frems:

Ich wohne auch in einem ländlichen Raum Brandenburgs. Wir haben hier jedoch das umgekehrte "Problem".
Gute Infrastruktur, die Nähe zu potsdam und Berlin, Kita & Schule im Ort lassen gerade junge Familien her ziehen.


Kann ich nur bestätigen, A10 20 min. Fahrt und schon ist man in Potsdam im Sterncenter .
Und es ist schön ruhig da :D
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » So 18. Jan 2015, 22:29

jack000 » So 18. Jan 2015, 22:03 hat geschrieben:Das ist ja auch nicht ungewöhnlich ... wenn nach 10-15 Jahren nach dem Kinderkriegen das Geld für das Haus auf dem Land da ist, ziehen die Eltern aufs Land und die Kinder (10-15 Jahre alt) haben das Nachsehen ...

Diese Kids stehen dann am Trampen an der Strasse ...

Wollen viele Eltern ja nicht mehr. Das Einfamilienhaus oder die Wohnung in der Stadt wird eher nachgefragt. Irgendwo muß ja auch gearbeitet werden. Und Umland heißt nicht Peripherie, auch wenn's so aussieht. :|
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Teeernte » So 18. Jan 2015, 22:43

In 50 Jahren leben 70% der Weltbevölkerung in Großstädten.

Kurz vor Anklam ist der Verkaufspreis je qm genau so hoch wie der Mietpreis in München im Monat (Zentrale Lage).

Rechnet man den Verkaufspreis einer Mietwohnung in Stuttgart (Mittlere Lage) bezahlt die am Markt mögliche Miete die Wohnung erst in 20 Jahren (ROI) . ...mit Zinsen - dann bei 2 % ....fast 30 Jahre ....mit Rücklage und Neuinvestment ? Nicht mehr machbar.

Über kurz oder lang wird es die Arme Bevölkerung aus der Stadt rauswringen wie aus einem nassen Handtuch.

Anfahrtszeiten zur Arbeit sind in Geld umzurechnen. - der Speckgürtel wird bald zu den Städten gehören....

.......................................................................
Andererseits - geht der Käufer nach Postleitzahl und Namen. Berlin Köpenik letzte Ecke oder Schulzendorf... da gibts dann eben einen deutlichen Unterschied.
Die Städte MÜSSEN also das Umland aufsaugen - um sozial überhaupt noch bezahlbar zu bleiben.

Andererseits KANN ich mir vorstellen - dass sozial Schwache und Zuwanderer vom Land ein Stück Scholle und Häuschen zur Nutzung überlassen bekommen - ....um das Dorf überhaupt zu halten..

Bei den Kosten und den Problemen bin ich mir noch nicht ganz einig..... Vergleicht man Hamburg mit Mc Pomm. (Ungefähr gleiche Bevölkerungszahl) ...Hamburg braucht zB, mehr Polizei als ganz Mc Pomm.... Aldi hat ungefähr die gleiche Anzahl Häuser - aber mehr Kosten durch die Umherfahrerei im Mc P.

Der Dörfli muss für sich selbst sorgen - die "freiwillige" Feuerwehr zu stellen... weite Wege zur Verwaltung zu absolvieren..und eine Besch....eidene Infrastruktur zu haben ( inkl. lahmem Internet)...aber auch die Chance einen Teil "Selbstversorgung" zu organisieren...


(Gibt es in der Stadt mehr Sonderangebote als im Dorf ??)
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Quatschki » So 18. Jan 2015, 23:04

Teeernte » 18. Jan 2015, 23:43 hat geschrieben:Andererseits KANN ich mir vorstellen - dass sozial Schwache und Zuwanderer vom Land ein Stück Scholle und Häuschen zur Nutzung überlassen bekommen - ....um das Dorf überhaupt zu halten..

Wohl kaum.
Erstens gehören dem Land diese Flächen und Höfe überhaupt nicht
Zweitens wird landwirtschaftliche Nutzfläche immer teurer und wertvoller, auch und gerade in den dünnbesiedelten Regionen, wo riesige Flächen mit Hightech-Landmaschinen fast schon automatisch bewirtschaftet werden und Menschen, die eventuell gegen bestimmte Großanlagen oder Anbaumethoden protestieren könnten, eigentlich nur stören.
Zuletzt geändert von Quatschki am So 18. Jan 2015, 23:05, insgesamt 1-mal geändert.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » So 18. Jan 2015, 23:10

Teeernte » So 18. Jan 2015, 22:43 hat geschrieben:Anfahrtszeiten zur Arbeit sind in Geld umzurechnen. - der Speckgürtel wird bald zu den Städten gehören....

Vor allem muß man die Mobilitätskosten berücksichtigen. Und das kriegen viele Menschen in Deutschland nicht hin. Da weiß ich noch, wie mir jemand mit stolzer Heldenbrust sagte, daß er ein ausgebuffter Fuchs sei, da er (mit Frau und Kind) nun in Schleswig-Holstein ein Haus kaufen möchte und der Quadratmeter dort fast die Hälfte von einem vergleichbaren Haus (Größe, soziales Umfeld, etc.) in Hamburg kostet. Mit der Bank sei auch alles so geklärt und die Zinsen ja so schön günstig derzeit. Als ich ihn fragte, wie die Tilgungsrate denn aussieht, konnte er es mir nicht beantworten, da er monatlich nun nur die Zinskosten einkalkuliert hatte. Rücklagen für Reparaturen hatte er natürlich auch nicht auf dem Schirm, obwohl man normalerweise als Faustregel mit etwa 1% des Kaufpreises pro Jahr rechnet. Da kommt was über die Jahrzehnte jedenfalls zusammen.

Wie auch immer, Mobilitätskosten. In Hamburg, wo sie vorher lebten, hatten sie zusammen ein Auto, das nur für Einkäufe benutzt wurde. Zur Arbeit ging's mit dem Fahrrad oder, je nach Wetter, mit der U-Bahn. Das Kind konnte zu Fuß zur Schule gehen und kleinere Einkäufe machte man auch zu Fuß oder per Rad im Viertel, genau wie Restaurants besuchen oder ins Fitneßcenter zu gehen. Nun haben sie zwei Autos, die jeden Tag benutzt werden. Er fährt rund 100km am Tag. Was ihm ein Kilometer kostet, wenn man neben Sprit auch Versicherung, Steuern, Anschaffung, Reparaturen etc. mit einberechnet? Weiß er nicht so genau. Wie viel seine Frau nun ausgibt, weil sie für quasi alles das Auto benutzt, ob Einkaufen, Freunde treffen, zum Sport fahren, Kind zur Schule bringen, ...? Darüber hat man sich keine Gedanken gemacht. Ob man für Mobilität der dreiköpfigen Familie 200 oder 800 Euro ausgibt, was heißt das nach 20 Jahren schon? Ups, fast 150.000 Euro Unterschied. :|

Der Zeitaufwand (langer Arbeitsweg, Taxiunternehmen Mama im Dauerbetrieb, ...) kommt natürlich noch hinzu. Mich wundert es immer wieder, mit was für Leuten Banken Geschäfte machen.

Aber nun gut, da wäre das Thema auch eher "Umland", nicht "Ländlicher Raum". Bis nach Dithmarschen sind sie ja nicht gezogen. Im Umland von Großstädten ist mit einem Preisverfall des Bodens jedenfalls nicht zu rechnen, weshalb es eine attraktive Wertanlage ist. Anklams Umland eher nicht.

Bei den Kosten und den Problemen bin ich mir noch nicht ganz einig..... Vergleicht man Hamburg mit Mc Pomm. (Ungefähr gleiche Bevölkerungszahl) ...Hamburg braucht zB, mehr Polizei als ganz Mc Pomm.... Aldi hat ungefähr die gleiche Anzahl Häuser - aber mehr Kosten durch die Umherfahrerei im Mc P.

Nicht vergessen, daß administrative Grenzen keine unüberwindbaren Mauern sind. Die ganzen Tagesgäste, Pendler etc. machen auch Arbeit, auch wenn sie ihren Wohnsitz im Speckgürtel haben. Da müßtest Du schon Agglomerationen vergleichen, um festzustellen, daß die Unterschiede gegen Null gehen.
Zuletzt geändert von frems am So 18. Jan 2015, 23:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Teeernte » So 18. Jan 2015, 23:23

Quatschki » Mo 19. Jan 2015, 00:04 hat geschrieben:Wohl kaum.
Erstens gehören dem Land diese Flächen und Höfe überhaupt nicht
Zweitens wird landwirtschaftliche Nutzfläche immer teurer und wertvoller, auch und gerade in den dünnbesiedelten Regionen, wo riesige Flächen mit Hightech-Landmaschinen fast schon automatisch bewirtschaftet werden und Menschen, die eventuell gegen bestimmte Großanlagen oder Anbaumethoden protestieren könnten, eigentlich nur stören.


...die 300 qm um das Haus wird mit dem Trecker bestellt ? (Die Höfe verfallen - und müssen von der Gemeinde gehalten werden... Fehlende Grundsteuern...Sicherungskosten - da kann das Grundstück bei Interesse der Gemeinde auch an die Gemeinde fallen..)
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Quatschki » So 18. Jan 2015, 23:29

Teeernte » 19. Jan 2015, 00:23 hat geschrieben:
...die 300 qm um das Haus wird mit dem Trecker bestellt ? (Die Höfe verfallen - und müssen von der Gemeinde gehalten werden... Fehlende Grundsteuern...Sicherungskosten - da kann das Grundstück bei Interesse der Gemeinde auch an die Gemeinde fallen..)

Und du meinst, dass man als Arbeitsloser so eine Bude unterhalten kann?
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon MN7 » Di 20. Jan 2015, 07:54

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:
- Wie kann dieser Trend gestoppt werden?


Straßennetz ausbauen, Mobilitätssteuern abschaffen. Je mobiler die Bürger sind, desto eher lassen sie sich in der Peripherie nieder.

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:- Muss dieser Trend überhaupt gestoppt werden?


Nein, wozu?

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:- Warum wird investiert in Wohn- und Gewerberaum der sehr teuer ist?


Weil er etwas wert ist.

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:- Warum sind ländliche Regionen mit günstigen Preisen und guter Infrastruktur so unattraktiv für Investoren?


Extrem niedrige Kundendichte - Lächerliche Umsätze
Miese Anbindung an Märkte und Verkehrsnetze - Alles, was man nicht im Dorfladen kaufen kann (also eigentlich alles), muss in der Stadt erledigt werden, dauert Stunden. Der nächste Fernbahnhof ist Stunden entfernt, vom Flughafen ganz zu schweigen.
Keine Kultur - Dorfkneipe, Kirche und irgendwo drei Dörfer weiter ein 2-Zimmer-Heimatmuseum. Und das war's. Das Fernsehgerät ist das wertvollste Kulturgut in 50km Umkreis. In so einer Region will man nicht einmal begraben liegen.
Korruption - Jeder ist mit jedem verwandt, sogar der Hund. Die wirtschaftlichen Machtverhältnisse sind alt und unflexibel. Klüngelwirtschaft und Nepotismus blühen, Zugezogene werden diskriminiert.
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - Wie der Dorfadel weiß, gibt es jenseit der Dorfgrenzen nur Diebe und Strolche. Die Schlimmsten leben im jeweiligen Nachbardorf, die müsste man alle totschlagen. Und in der Stadt ist es richtig schlimm, dort leben nur noch Moslems und Neger. Als Deutscher kann man sich da gar nicht mehr hintrauen. Die stechen einen gnadenlos ab.

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:- Wird sich dieser Trend umkehren?


Ja. Und die Dörfler werden sich wütend darüber beklagen, dass wegen der Neuzugereisten alles anders als früher ist. Und wie furchtbar ungerecht das doch sei.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » So 14. Jun 2015, 21:34

Niedersachsen steht vor einer Zerreißprobe. Eine Studie gibt der bekannten Sorge weitere Nahrung, wonach der ländliche Raum immer mehr ausblutet. Junge Leute und Zuwanderer zieht es in die Metropolen.

http://www.welt.de/regionales/niedersac ... riche.html

Das neue Urban Age, das Stadtplaner heraufziehen sehen, kennt viele solche Episoden. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, 2007 lebte erstmals die Hälfte der Weltbevölkerung in ihnen – 1900 waren es noch ganze zehn Prozent gewesen. Bis 2050 rechnen die UN gar mit einem Anstieg auf 75 Prozent. Zwar sind es vor allem Metropolen in Asien, Afrika und Lateinamerika, die den größten Zuzug verkraften müssen. Doch auch in Europa und Nordamerika nimmt der Druck auf die Städte wieder zu.

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/ ... e-wachstum

Die Prognosen für den ländlichen Raum in Brandenburg sind nicht gerade rosig: In den nächsten 15 Jahren wird die Bevölkerung dort voraussichtlich schrumpfen und im Schnitt immer älter. Der Landtag hat jetzt eine Enquete-Kommission eingesetzt. Sie soll untersuchen, wie sich die Situation auf dem Land entwickelt - und wie man sie verbessern kann.

http://www.rbb-online.de/politik/beitra ... lucht.html

Im European gab's vor einiger Zeit auch noch mal urbane Räume als Themenschwerpunkt mit vielen Kommentaren aus verschiedensten Ecken: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11.

Vor allem die Links 2 und 3 find ich ganz interessant, weil mir diese Machtverschiebung auch immer häufiger aufgefallen ist.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Dingo » So 14. Jun 2015, 22:17

Die medizinische Versorgung ist auf dem Land häufig auch schlechter als in der Stadt. Nicht jedes Dorf hat eine eigene Apotheke oder auch nur einen Arzt. Und öffentliche Verkehrsmittel fahren oft nur ein- oder zweimal in Richtung der Stadt, in der der nächste Arzt praktiziert. Sollte man sonntags krank werden und den Notdienst der Apotheken in Anspruch nehmen müssen, muß man oft in den nächsten oder vielleicht übernächsten Ort - quasi eine Weltreise, vor allem wenn man krank ist.

Ich habe mal einen Freund auf dem Land besucht. Das nächste Taxi-Unternehmen war 30 km entfernt, der Bus fuhr nur einmal am Tag in die eine und einmal in die andere Richtung - in den Schulferien gar nicht. Wer da ohne eigenen fahrbaren Untersatz war, war quasi verloren.
Ich bin ein Flüchtlingskind.

Sollten weiterführende Links auf Seiten, die ich verlinke, zu Inhalten führen, die als Gewaltaufruf verstanden werden könnten, so mache ich mir diese ausdrücklich nicht zu eigen.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon steve1974 » Mi 16. Sep 2015, 16:38

-
1990 wärs ne Kleinigkeit gewesen, für ein Handgeld ein alten Herrensitz
auf dem Lande in Mc Pom , Sachsen poder BB zu erwerben.

Die paar Tausend an die Straßenbauämter für eine Verlegung der
Bundesstrasse, die bitte nicht in Hörweite von meinem Haus vorbeiführen soll,
hätte ich schon gezahlt .

Nur der weite Anmarschweg zu Arbeit, zum Einkaufen,
zum Zahnarzt etc . wäre geblieben .

Heute bin ich froh, daß ich in HH bin und ohne Sorge vor rechtem Mob
und ohne mein Haus von privaten Sicherheitsdiensten bewachen lassen zu müssen,
schlafen gehen kann.

-
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Re: Sammelstrang Flüchtlinge in Deutschland

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 25. Apr 2016, 14:32

firlefanz11 hat geschrieben:(25 Apr 2016, 15:16)

Nö, die kriegen geförderte Wohnungen.

Nicht wenn es nach den Eltern von zollagent ginge: "Ich habe nur von meinen Eltern gelernt, daß man sich seine Wohnung auch selbst leisten können muß."

firlefanz11 hat geschrieben:(25 Apr 2016, 15:18)

...und wenn sie nen Job haben u. dementsprechend verdienen können sie in eine Stadt bzw. bessere Wohnug ziehen...

Und den Job nehmen sie dann einfach mit in die Stadt? Warum gibt es deiner Meinung nach Landflucht? Wo sollen die vielen Jobs für die ökonomische Unterschicht auf dem Land herkommen?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Sammelstrang Flüchtlinge in Deutschland

Beitragvon William » Mo 25. Apr 2016, 14:40

zollagent hat geschrieben:(25 Apr 2016, 14:31)

Gegen ihren Willen? Heißt das, wir müssen den unbedingten Wunsch, im Ballungszentrum zu leben, auch noch subventionieren?


Mir ist zwar keine Statistik dazu bekannt, aber wenn sowohl Deutsche als auch Migranten dies mehrheitlich befürworten, so würde ich das auch sehr begrüßen.
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Re: Sammelstrang Flüchtlinge in Deutschland

Beitragvon relativ » Di 26. Apr 2016, 08:23

Tom Bombadil hat geschrieben:(25 Apr 2016, 15:32)

Nicht wenn es nach den Eltern von zollagent ginge: "Ich habe nur von meinen Eltern gelernt, daß man sich seine Wohnung auch selbst leisten können muß."


Und den Job nehmen sie dann einfach mit in die Stadt? Warum gibt es deiner Meinung nach Landflucht? Wo sollen die vielen Jobs für die ökonomische Unterschicht auf dem Land herkommen?

Landflucht hat auch nicht nur mit Jobsuche zu tun, in einigen Regionen ist auch die Überalterung Ursache für eine Landflucht der Jüngeren.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.

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