Landflucht in Deutschland und die Folgen

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Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47

Ländliche Regionen verrecken, in städtischen Regionen explodieren die Mieten:
http://www.spiegel.tv/filme/landflucht-der-deutschen/

- Wie kann dieser Trend gestoppt werden?
- Muss dieser Trend überhaupt gestoppt werden?
- Warum wird investiert in Wohn- und Gewerberaum der sehr teuer ist?
- Warum sind ländliche Regionen mit günstigen Preisen und guter Infrastruktur so unattraktiv für Investoren?
- Wird sich dieser Trend umkehren?
Zuletzt geändert von jack000 am Mo 3. Mär 2014, 21:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Bösmensch » Mo 3. Mär 2014, 22:57

Die Grünen jammern immer noch über Flächenfraß und Zersiedelung und preisen die "Verdichtung". Was denn nun?
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mo 3. Mär 2014, 23:07

jack000 » Mo 3. Mär 2014, 21:47 hat geschrieben:- Wie kann dieser Trend gestoppt werden?

Mit wirtschaftsfeindlichen Eingriffen des Staates sowie Einschränkung der Grundfreiheiten von Bürgern. Nützt natürlich auch nur kurzfristig und kostet einen Haufen Asche.

- Muss dieser Trend überhaupt gestoppt werden?

Er wird ja schon massiv abgefedert.

- Warum wird investiert in Wohn- und Gewerberaum der sehr teuer ist?

Geringeres Risiko. Bau und betreibe mal für einen Kunden ein gewerbliches Gebäude in der Peripherie. Ist der Kunde weg, wirste kaum ohne Weiteres einen Nachfolger kriegen. In Ballungsräumen ist das einfacher.

- Warum sind ländliche Regionen mit günstigen Preisen und guter Infrastruktur so unattraktiv für Investoren?

Hängt doch vom Investor ab und seinen Tätigkeiten.

- Wird sich dieser Trend umkehren?

Ist nicht abzusehen, aber genau so wenig war vor 50 Jahren abzusehen, daß der damalige Trend -- Flucht in kulturlose Monokulturen und strikt funktional getrennte Zentren für Arbeit -- mal wieder umkippen wird. Die sozialen Bedürfnisse und technischen sowie ökonomischen Möglichkeiten kommender Generationen kann wohl niemand sicher vorhersagen.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Di 4. Mär 2014, 22:28

In Brandenburg ist die Diskussion um eine Wegzugsprämie für Dörfler neu entbrannt. Der Demografie-Experte und Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, schlug vor, älteren Menschen eine Prämie zu zahlen, wenn sie bereit sind, in die nächste Stadt zu ziehen. In einer Stadt seien die Senioren besser versorgt, zudem fänden sie dort eher eine barrierefreie Wohnung.

http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... erden.html

Man merkt wohl vor allem in jenen Länder, wo die Bevölkerung am stärksten schrumpft, daß man endlich mit den Subventionen der Peripherie aufhören muß zum Wohle der Allgemeinheit.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Ach Gott » Di 4. Mär 2014, 22:47

Landwirtschaft findet in Ballungsräumen wie Berlin-Mitte faktisch nicht statt.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » Di 4. Mär 2014, 22:56

frems » Di 4. Mär 2014, 22:28 hat geschrieben:
In Brandenburg ist die Diskussion um eine Wegzugsprämie für Dörfler neu entbrannt. Der Demografie-Experte und Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, schlug vor, älteren Menschen eine Prämie zu zahlen, wenn sie bereit sind, in die nächste Stadt zu ziehen. In einer Stadt seien die Senioren besser versorgt, zudem fänden sie dort eher eine barrierefreie Wohnung.

http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... erden.html

Man merkt wohl vor allem in jenen Länder, wo die Bevölkerung am stärksten schrumpft, daß man endlich mit den Subventionen der Peripherie aufhören muß zum Wohle der Allgemeinheit.

Die Bevölkerung schrumpft aber nicht allgemein, sondern steigt in den Städten und schrumpft in den ländlichen Regionen.
=> Diese Entwicklung ist weder für die ländlichen Regionen noch für die Städte positiv.
=> Wenn es für beide Regionen nicht positiv ist, kann es nur negativ sein!
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Di 4. Mär 2014, 23:02

jack000 » Di 4. Mär 2014, 22:56 hat geschrieben:Die Bevölkerung schrumpft aber nicht allgemein, sondern steigt in den Städten und schrumpft in den ländlichen Regionen.
=> Diese Entwicklung ist weder für die ländlichen Regionen noch für die Städte positiv.
=> Wenn es für beide Regionen nicht positiv ist, kann es nur negativ sein!

Ich schrieb ja Länder, also Bundesländer (siehe Zitat), weil der ländliche Raum in Brandenburg noch stärker betroffen ist als z.B. in Baden-Württemberg. Zudem: Für Städte ist der Zuzug sehr positiv, für die Natur in der ländlichen Region sowieso. Rostock leidet nicht darunter, daß die Stadt langsam wächst, während alle anderen Landkreise des Landes Einwohner verlieren. So steigt die Produktivität, die Infrastruktur kann aufrechtgehalten und ausgebaut werden, der Leerstand ist überschaubar und das Wachstum macht die Stadt für Investoren, die auf Fachkräfte angewiesen sind, attraktiver.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon mathestudent » Di 4. Mär 2014, 23:05

- Wie kann dieser Trend gestoppt werden?
Es hat ja durchaus Vorzüge auf dem Land zu leben. Eventuell wird sich die Arbeit mehr verschieben, dass viele auch von zu Hause arbeiten können. Dann spricht auch nichts dagegen weiterhin dort wohnen zu bleiben oder sogar dort hinzuziehen.
-Warum wird investiert in Wohn- und Gewerberaum der sehr teuer ist?
Einfach weil die Nachfrage vorhanden ist. In der Stadt gibt es mehr Perspektiven für junge Leute. Macht beispielsweise ein Kind in einer ländlichen Region Abitur und möchte danach studieren, so muss es die Heimat verlassen. Nach einem fertigen Studium ist die Rückkehrwahrscheinlichkeit sehr gering, da es auf ländlichen Regionen nur sehr wenig Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften vorhanden ist.
- Warum sind ländliche Regionen mit günstigen Preisen und guter Infrastruktur so unattraktiv für Investoren?
Auch wieder die Nachfrage. Die Leute pilgern alle in die Stadt. Daher ist es für einen Investor nicht von interesse etwas in ländlicher Region aufzubauen.
- Wird sich dieser Trend umkehren?
In naher Zukunft eher nicht, eventuell wird er ein wenig abebben.
Zuletzt geändert von mathestudent am Di 4. Mär 2014, 23:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » Di 4. Mär 2014, 23:42

frems » Di 4. Mär 2014, 23:02 hat geschrieben:
jack000 » Di 4. Mär 2014, 22:56 hat geschrieben:Die Bevölkerung schrumpft aber nicht allgemein, sondern steigt in den Städten und schrumpft in den ländlichen Regionen.
=> Diese Entwicklung ist weder für die ländlichen Regionen noch für die Städte positiv.
=> Wenn es für beide Regionen nicht positiv ist, kann es nur negativ sein!

Ich schrieb ja Länder, also Bundesländer (siehe Zitat), weil der ländliche Raum in Brandenburg noch stärker betroffen ist als z.B. in Baden-Württemberg. Zudem: Für Städte ist der Zuzug sehr positiv, für die Natur in der ländlichen Region sowieso. Rostock leidet nicht darunter, daß die Stadt langsam wächst,

Mit Sicherheit nicht, aber die Stadt Stuttgart und Region leidet unter Wachstum erheblich !
Hamburg doch genauso!
Zuletzt geändert von jack000 am Di 4. Mär 2014, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mi 5. Mär 2014, 00:00

jack000 » Di 4. Mär 2014, 23:42 hat geschrieben:Mit Sicherheit nicht, aber die Stadt Stuttgart und Region leidet unter Wachstum erheblich !
Hamburg doch genauso!

Hamburg leidet? Nachdem bis zur Wende fast 400.000 Einwohner abhanden gekommen waren und die Arbeitslosenquote höher war als im tiefsten Osten heute, sprudeln die Steuereinnahmen, es wird viel gebaut, die Schulen und Universitäten sind in gutem Zustand, die Zugezogenen sind überdurchschnittlich qualifiziert, der Haushalt solide, die Erwerbsquote ist hoch, viele namhafte Unternehmen und Branchen siedeln sich an und die Bürger sind optimistischer denn je, was die Zukunft betrifft. "Leiden" sieht für mich anders aus. Ich weiß nicht, ob Hamburg seit der Kaiserszeit jemals so gute, zuversichtliche Jahre hatte wie jetzt. Man ist eher bestrebt, daß das Wachstum möglichst weitergeht. Hamburg will 2 Mio. erreichen und nicht vermeiden. :?:
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 08:52

Durch Planwirtschaft ist das ganz einfach erreichbar. Man schafft eben wohnortnahe Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Und wenn die Leute trotzdem nicht da bleiben wollen, erhöht man eben dort die Löhne und senkt sie dafür in den Städten.
Man baut schöne große Schulen und Bädern auch auf dem flachen Land, sorgt für Läden mit reichlich Auswahl etc...
Man steckt vereinfacht gesagt, soviel Geld in den ländlichen Raum, bis niemand mehr wegzieht!

Der Kapitalismus dagegen macht alles kaputt, da funktioniert das nicht.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » Mi 5. Mär 2014, 08:58

frems » Mi 5. Mär 2014, 00:00 hat geschrieben:
jack000 » Di 4. Mär 2014, 23:42 hat geschrieben:Mit Sicherheit nicht, aber die Stadt Stuttgart und Region leidet unter Wachstum erheblich !
Hamburg doch genauso!

Hamburg leidet? Nachdem bis zur Wende fast 400.000 Einwohner abhanden gekommen waren und die Arbeitslosenquote höher war als im tiefsten Osten heute, sprudeln die Steuereinnahmen, es wird viel gebaut, die Schulen und Universitäten sind in gutem Zustand, die Zugezogenen sind überdurchschnittlich qualifiziert, der Haushalt solide, die Erwerbsquote ist hoch, viele namhafte Unternehmen und Branchen siedeln sich an und die Bürger sind optimistischer denn je, was die Zukunft betrifft. "Leiden" sieht für mich anders aus. Ich weiß nicht, ob Hamburg seit der Kaiserszeit jemals so gute, zuversichtliche Jahre hatte wie jetzt. Man ist eher bestrebt, daß das Wachstum möglichst weitergeht. Hamburg will 2 Mio. erreichen und nicht vermeiden. :?:

Ok, ich wusste gar nicht das Hamburg jemals nach dem WWII Einwohner in so einer Größenordnung verloren und wirtschaftliche Probleme hatte.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mi 5. Mär 2014, 09:15

jack000 » Mi 5. Mär 2014, 08:58 hat geschrieben:Ok, ich wusste gar nicht das Hamburg jemals nach dem WWII Einwohner in so einer Größenordnung verloren und wirtschaftliche Probleme hatte.

Alles, was etwas Bildung und Geld hatte, schnappte sich das neue Auto und zog aufs Land. Danach gingen die Mieten stark in den Keller. Heute sind sie zwar in Deutschland -- ich glaub nach München -- mit am höhsten, aber damit immer noch eher günstig. Dafür sind technische und soziale Infrastrukturen effizient und diverse andere Kosten (Energie, Wasser, Mobilität, ...) deutlich niedriger als für Personen in der absteigenden Peripherie. Mit den hohen Löhnen gleicht sich das mehr als aus. Höchstens "leidet" jemand, weil hier Schulen nicht nur saniert, sondern auch neu eröffnet werden und Kinderlärm nicht jedermanns Sache ist. :p
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Ach Gott » Mi 5. Mär 2014, 09:34

Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 08:52 hat geschrieben:Durch Planwirtschaft ist das ganz einfach erreichbar. Man schafft eben wohnortnahe Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Und wenn die Leute trotzdem nicht da bleiben wollen, erhöht man eben dort die Löhne und senkt sie dafür in den Städten.

Und dann kommen die depperten Städter zu uns aufs Land. Herzlichen Dank! Darauf haben wir gewartet.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mi 5. Mär 2014, 09:38

Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 08:52 hat geschrieben:Durch Planwirtschaft ist das ganz einfach erreichbar. Man schafft eben wohnortnahe Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Und wenn die Leute trotzdem nicht da bleiben wollen, erhöht man eben dort die Löhne und senkt sie dafür in den Städten.
Man baut schöne große Schulen und Bädern auch auf dem flachen Land, sorgt für Läden mit reichlich Auswahl etc...
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Der Kapitalismus dagegen macht alles kaputt, da funktioniert das nicht.

Dann fallen die Mieten in den Städten -- wer auch immer "man" ist, der das entscheiden kann -- und die urbanen, produktiven Zentren werden noch attraktiver für Investoren. Clevere Idee. Dann kommen noch mehr weltfremde Dorftrottel einmarschiert. :p
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon hafenwirt » Mi 5. Mär 2014, 10:08

jack000 » Montag 3. März 2014, 21:47 hat geschrieben:- Wie kann dieser Trend gestoppt werden?


Schwierig. Es gibt ja vielschichtige Gründe, wohin zu ziehen.
- Muss dieser Trend überhaupt gestoppt werden?


Ich würde sagen, eher nicht. Am tragischsten ist es sicherlich für die Menschen auf dem Land, welche ihre Häuser verkaufen wollen. Die Stadt freut sich über sprudelnde Steuereinnahmen, wenn mehr Menschen dorthin ziehen. Wohnungsnot in der Stadt kann mit sozialem Wohnungsbau entgegengewirkt werden. Wohnungsüberfluss auf dem Land kaum.

- Warum sind ländliche Regionen mit günstigen Preisen und guter Infrastruktur so unattraktiv für Investoren?


Mich wundert eher, dass es unattraktiv scheint, für junge Personen sich Immobilien dort zuzulegen. Wenn man eine Arbeitsstelle in der Stadt hat, wäre es doch nicht so schlecht, sich auf dem stadtnahen Dorf Eigentum zuzulegen, anstatt in einer überteuerten Mietwohnung direkt in der Stadt zu wohnen.

Vielleicht liegt es an der Individualisierung. In einer 2,3 Zimmer-Wohnung ist man nicht so vereinsamt, wie einem Riesenhaus mit Hof.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Ach Gott » Mi 5. Mär 2014, 13:22

hafenwirt » Mi 5. Mär 2014, 10:08 hat geschrieben:Mich wundert eher, dass es unattraktiv scheint, für junge Personen sich Immobilien dort zuzulegen. Wenn man eine Arbeitsstelle in der Stadt hat, wäre es doch nicht so schlecht, sich auf dem stadtnahen Dorf Eigentum zuzulegen, anstatt in einer überteuerten Mietwohnung direkt in der Stadt zu wohnen.

Vielleicht liegt es an der Individualisierung. In einer 2,3 Zimmer-Wohnung ist man nicht so vereinsamt, wie einem Riesenhaus mit Hof.

Ja, verwunderlich. Es gibt dazu einige Studien. Die zirkulieren wie wild zwischen Wohnungsunternehmen, Stadtplanern und Städtebaustiftungen mit angehängtem Einkaufstempelkonzern (Stiftung lebendige Stadt und dergleichen). Ob das die ganze Wahrheit ist oder ein überbelichteter Trend, wer weiß. Schließlich hat das Leben in kinderwagenüberfüllten Altbauten ohne Fahrstuhl samt Sex- und Schlagzeuggeräuschen der Nachbarstochter nicht nur Vorzüge. Unübersehbar hat es das flache Land, wenn es nicht an eine Boomregion grenzt, schwer. Selbst in Bayern gibt es einige Landkreise, die sinkende Einwohnerzahlen haben - je weiter weg von Nürnberg und München, je nördlicher, je ländlicher, um so schlechter. Auf der Ebene konkreter Dörfer ist es drastischer. Manches Dorf weit weg von allem muss man vielleicht wirklich zu machen oder privatisieren. Öffentlich finanziert ist das bald nicht mehr haltbar. Eine auf 800 Menschen + Industrie oder Landwirtschaft ausgelegte Kläranlage kann mit 300 Menschen sehr teuer werden. Auch Internet, Strom und Süßwasser, Straßenbau und Winterdienste sind für wenige Menschen sehr teuer.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 17:54

frems » Mi 5. Mär 2014, 09:38 hat geschrieben:
Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 08:52 hat geschrieben:Durch Planwirtschaft ist das ganz einfach erreichbar. Man schafft eben wohnortnahe Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Und wenn die Leute trotzdem nicht da bleiben wollen, erhöht man eben dort die Löhne und senkt sie dafür in den Städten.
Man baut schöne große Schulen und Bädern auch auf dem flachen Land, sorgt für Läden mit reichlich Auswahl etc...
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Dann fallen die Mieten in den Städten -- wer auch immer "man" ist, der das entscheiden kann -- und die urbanen, produktiven Zentren werden noch attraktiver für Investoren. Clevere Idee. Dann kommen noch mehr weltfremde Dorftrottel einmarschiert. :p


Private Investoren gibt es nicht in der sozialistischen Planwirtschaft! Es wird genau das geschaffen an Infrastruktur, was für die Bevölkerung nötig ist.
Wanderungsbewegungen wird es immer in kleinem Umfang geben, aber es soll so sein, dass etwa gleich viele vom Land in die Stadt wie umgekehrt wandern. Und niemand soll aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein dies zu tun - es soll eine rein persönliche Entscheidung sein, weil der eine lieber die Stadt mag und der andere lieber das Land.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon frems » Mi 5. Mär 2014, 18:37

Alexander Zwo » Mi 5. Mär 2014, 17:54 hat geschrieben:
frems » Mi 5. Mär 2014, 09:38 hat geschrieben:Dann fallen die Mieten in den Städten -- wer auch immer "man" ist, der das entscheiden kann -- und die urbanen, produktiven Zentren werden noch attraktiver für Investoren. Clevere Idee. Dann kommen noch mehr weltfremde Dorftrottel einmarschiert. :p


Private Investoren gibt es nicht in der sozialistischen Planwirtschaft! Es wird genau das geschaffen an Infrastruktur, was für die Bevölkerung nötig ist.
Wanderungsbewegungen wird es immer in kleinem Umfang geben, aber es soll so sein, dass etwa gleich viele vom Land in die Stadt wie umgekehrt wandern. Und niemand soll aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein dies zu tun - es soll eine rein persönliche Entscheidung sein, weil der eine lieber die Stadt mag und der andere lieber das Land.

Und Du meinst Deine Kommandowirtschaft funktioniert lange, wenn sie gezielt Produktivität verringert und Staatsgelder verplempert? Na gut, ich frag mal wen aus der Uckermark, ob er die Infrastruktur und Fachkräfte einer Millionenstadt benötigt, sowie vorhandene Zulieferer und Kontakte vor Ort. Er macht eine Liste und schickt sie Dir, damit Du ihm das heranschaffst. Massenunis, große Sportvereine und ein vielseitiges Nachtleben natürlich eingeschlossen. Versteht sich von selbst und braucht ja jedes Dorf mit mehr als zwei Häusern.
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Re: Landflucht in Deutschland und die Folgen

Beitragvon jack000 » Mi 5. Mär 2014, 18:58

frems » Mi 5. Mär 2014, 09:15 hat geschrieben:
jack000 » Mi 5. Mär 2014, 08:58 hat geschrieben:Ok, ich wusste gar nicht das Hamburg jemals nach dem WWII Einwohner in so einer Größenordnung verloren und wirtschaftliche Probleme hatte.

Alles, was etwas Bildung und Geld hatte, schnappte sich das neue Auto und zog aufs Land. Danach gingen die Mieten stark in den Keller. Heute sind sie zwar in Deutschland -- ich glaub nach München -- mit am höhsten, aber damit immer noch eher günstig.

Der Vergleich sieht so aus:
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... ac30a.html
Allerdings sagt das m.E. auch nicht sehr viel aus, da man es mit den Einkommen in Relation ziehen muss.

Dafür sind technische und soziale Infrastrukturen effizient und diverse andere Kosten (Energie, Wasser, Mobilität, ...) deutlich niedriger als für Personen in der absteigenden Peripherie. Mit den hohen Löhnen gleicht sich das mehr als aus.

Man wird sich vermutlich auch mit weniger zufrieden geben. Während es in der Peripherie für ein Haus reichte, reicht es in den Kernstädten halt nur für eine Wohnung. Dafür spart man sich lange Arbeitswege mit den entsprechenden Kosten und Zeitverlust (Denn die meisten Abgewanderten werden ja nach wie vor in Hamburg gearbeitet haben).

Dieses krasse Beispiel Hamburg (Was die hohen Wanderungen in doch recht kurzer Zeit betrifft) könnte auch bedeuten, dass sich der Trend mal umkehrt. Denn Löhne steigen ja nicht automatisch nur weil die Mieten steigen.
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