Neubauten in Berlin

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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Antisozialist » Mi 10. Apr 2013, 21:51

Adam Smith » Mo 8. Apr 2013, 20:51 hat geschrieben:
New York hat sich auch auf diese Art und Weise saniert.



http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 14572.html


Der wirtschaftliche Aufschwung verteuert natürlich auch den Wohnraum für Rentner, Studenten und Berufsarbeitslose.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Antisozialist » Mi 10. Apr 2013, 21:58

SoleSurvivor » Mo 8. Apr 2013, 20:53 hat geschrieben:
Eliten bringen den Müll nicht raus und bauen keine Häuser. Was in Berlin fehlt, sind nicht Eliten, sondern Leute, die harte Arbeit termingerecht erledigen.


1. Eliten finanzieren und planen aber Immobilienprojekte.
2. Probleme mit der privaten Müllentsorgung treten doch eher in prekären Haushalten auf.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Antisozialist » Mi 10. Apr 2013, 22:01

SoleSurvivor » Mo 8. Apr 2013, 21:14 hat geschrieben:Ein weit verbreitetes Vorurteil. Was Arbeiter brauchen, sind Produktionsanlagen. Den Unternehmer können sie dabei beliebig herauskürzen, etwa mittels Schraubzwinge. Das Problem Berlins ist nicht, dass es zu wenig Schmarotzer gibt, die sich auf Kosten von Arbeitern einen Lenz machen, sondern dass es zu viele von denen gibt. Wenn man die verjagt, sinken auch die Mieten wieder.


Ohne Kapital- und Wissenseinsatz sowie Führung durch Manager ginge aber die Arbeitsproduktivität und in Folge auch die Vergütung des einfachen Arbeiters enorm in den Keller.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Antisozialist » Mi 10. Apr 2013, 22:04

Thomas I » Mo 8. Apr 2013, 21:59 hat geschrieben:
Und, hat Berlin denn überhaupt freie Arbeitsplätze für Leute, die harte Arbeit termingerecht erledigen?


Eher weniger, da Agrarwirtschaft, Bergbau und produzierenden Gewerbe wenig bzw. gar nicht vorhanden sind. Der Bauboom in Berlin ist auch schon lange vorbei.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Thomas I » Do 11. Apr 2013, 11:00

SoleSurvivor » Mo 8. Apr 2013, 21:18 hat geschrieben:Wenn die Schwaben nach Potsdam gehen, ist wieder Platz für Leute in der Stadt, die wirklich arbeiten können und wollen. Leute, die Städte groß machen. Ihr Almosen können sie dann in Potsdam beim Jauch abladen.


Du glaubst doch wirklich nicht den Unsinn den du hier erzählst, dass Berlin wirtschaftlich darbt weil Arbeitnehmer angeblich dort keinen bezahlbaren Wohnraum finden?
Was soll das Berliner Geplärr? Nach der Logik müssten Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, München oder Köln ja schon wirtschaftlich ganz am Ende sein.
In Berlin gibt es genug Wohnraum in Preisklasen bei denen man in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, München oder Köln vom Glauben abfallen würden weil so preiswert doch garnicht sein kann.
Das sind doch alles nur abstruse Ausreden um zu verschleiern das sämtliche eurer Stadtregierungen in den letzten 20 Jahren versagt haben was die Wirtschafts- und Standortpolitik angeht.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Do 11. Apr 2013, 11:49

Antisozialist » Mi 10. Apr 2013, 21:58 hat geschrieben:
1. Eliten finanzieren und planen aber Immobilienprojekte.


Das können sie auch von auswärts tun, beispielsweise von Potsdam aus. Oder Königstein, ist doch auch ganz nett. Radebeul vielleicht?
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Clark » Do 11. Apr 2013, 11:53

Thomas I » Do 11. Apr 2013, 12:00 hat geschrieben:
Du glaubst doch wirklich nicht den Unsinn den du hier erzählst, dass Berlin wirtschaftlich darbt weil Arbeitnehmer angeblich dort keinen bezahlbaren Wohnraum finden?
Was soll das Berliner Geplärr? Nach der Logik müssten Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, München oder Köln ja schon wirtschaftlich ganz am Ende sein.
In Berlin gibt es genug Wohnraum in Preisklasen bei denen man in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, München oder Köln vom Glauben abfallen würden weil so preiswert doch garnicht sein kann.
Das sind doch alles nur abstruse Ausreden um zu verschleiern das sämtliche eurer Stadtregierungen in den letzten 20 Jahren versagt haben was die Wirtschafts- und Standortpolitik angeht.

Ich sitze gerade in einem Viersternehotel nahe der Berliner Gropiusstadt. Das Zimmer kostet weniger als 50 Euro die Nacht. Nach so etwas suche ich in anderen deutschen Grossstädten vergeblich, nur selten bekomme ich mal ein schlichtes *** Sternezimmer in der Preisklasse.
In FFM, München oder Düsseldorf aussichtslos.
Die Hotelpreise korrelieren direkt mit den Mietpreisen in der Stadt. Und es ist Fakt, dass in Berlin ebenso wie im kompletten Osten die Löhne im Keller sind.
Es war ein Fehler, dass bei der Einführung des Euro Löhne und Mieten in ehemals Ostdeutschland nicht komplett angeglichen wurden, sondern es einen Umrechnungsfaktor gab. Darauf ist viel zurückzuführen, was da wirtschaftlich nicht funktioniert.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Do 11. Apr 2013, 12:17

Die Spekulation führt in Berlin zu stark steigenden Mietpreisen, was auch damit zusammenhängt, dass der Staat lange lieber privaten Wohnungsbau förderte statt eigene Wohnungen zu bauen. Jetzt ist er, auch wegen des Berliner Bankenskandals (das war vor der Finanzkrise), ziemlich gebeutelt. Klassische Genossenschaftswohnungen gibt es zwar, aber die machen nur einen kleinen Teil des Kuchens her.

Sinnvoll wäre eine Vereinigung Berlins mit Brandenburg und in dem Zuge eine Eingemeindung einiger Randgebiete nebst Planung eines urbanen Wohngebietes für normale Leute. Dafür gibt es aber derzeit kaum jemanden, der Geld hat und hergeben will.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Thomas I » Do 11. Apr 2013, 14:36

SoleSurvivor » Do 11. Apr 2013, 12:17 hat geschrieben:Die Spekulation führt in Berlin zu stark steigenden Mietpreisen, was auch damit zusammenhängt, dass der Staat lange lieber privaten Wohnungsbau förderte statt eigene Wohnungen zu bauen. Jetzt ist er, auch wegen des Berliner Bankenskandals (das war vor der Finanzkrise), ziemlich gebeutelt. Klassische Genossenschaftswohnungen gibt es zwar, aber die machen nur einen kleinen Teil des Kuchens her.

Sinnvoll wäre eine Vereinigung Berlins mit Brandenburg und in dem Zuge eine Eingemeindung einiger Randgebiete nebst Planung eines urbanen Wohngebietes für normale Leute. Dafür gibt es aber derzeit kaum jemanden, der Geld hat und hergeben will.


Die Berliner Miet- und Immobilienpreisepreise waren einfach jahrelang unterdurchschnittlich niedrig. Noch 2006 hat man mir in Steglitz-Zehlendorf freistehende Einfamilienhäuser für ein Geld angeboten, dafür hätte ich hier in den Vororten von Ludwigshafen nichtmal ein Reihenhaus bekommen.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Do 11. Apr 2013, 14:45

Thomas I » Do 11. Apr 2013, 14:36 hat geschrieben:
Die Berliner Miet- und Immobilienpreisepreise waren einfach jahrelang unterdurchschnittlich niedrig. Noch 2006 hat man mir in Steglitz-Zehlendorf freistehende Einfamilienhäuser für ein Geld angeboten, dafür hätte ich hier in den Vororten von Ludwigshafen nichtmal ein Reihenhaus bekommen.

Damit ist es längst vorbei. Für immer mehr Berliner wird ein Umzug zur Notwendigkeit, wobei es an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Zwar ist Berlin im Vergleich zu anderen, ebenfalls überteuerten Gegenden noch günstig, aber das kann ja kein Grund sein, dem tatenlos zuzusehen.

Ich jedenfalls würde derzeit nicht nach Berlin oder Hamburg ziehen wollen.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Thomas I » Fr 12. Apr 2013, 10:09

SoleSurvivor » Do 11. Apr 2013, 14:45 hat geschrieben:Damit ist es längst vorbei. Für immer mehr Berliner wird ein Umzug zur Notwendigkeit, wobei es an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Zwar ist Berlin im Vergleich zu anderen, ebenfalls überteuerten Gegenden noch günstig, aber das kann ja kein Grund sein, dem tatenlos zuzusehen.

Ich jedenfalls würde derzeit nicht nach Berlin oder Hamburg ziehen wollen.


Ich auch nicht. Aber im Falle von Berlin liegen die Gründe dafür nicht in den Miet- und Immobilienpreise.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Wasteland » Fr 12. Apr 2013, 13:04

Thomas I » Fr 12. Apr 2013, 11:09 hat geschrieben:
Ich auch nicht. Aber im Falle von Berlin liegen die Gründe dafür nicht in den Miet- und Immobilienpreise.


Das Problem entsteht allerdings dadurch, DAS soviele nach Berlin ziehen wollen. ;)
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon Joker » Fr 12. Apr 2013, 13:28

Wasteland » Fr 12. Apr 2013, 14:04 hat geschrieben:
Das Problem entsteht allerdings dadurch, DAS soviele nach Berlin ziehen wollen. ;)

Naja
Der Hartz4 Punk aus einen Meckpomm Dorf geht nach Berlin.
Der Ingenieur aus dem gleichen Dorf geht nach München.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Fr 12. Apr 2013, 13:34

Wasteland » Fr 12. Apr 2013, 13:04 hat geschrieben:
Das Problem entsteht allerdings dadurch, DASS soviele nach Berlin ziehen wollen. ;)


Viele ziehen gar nicht richtig hin, sondern kaufen sich nur Wohnungen ein fürs Wochenende. Vor allem bei betuchten Skandinaviern ist Berlin derzeit hip & trendy.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon frems » Fr 12. Apr 2013, 13:58

SoleSurvivor » Do 11. Apr 2013, 13:17 hat geschrieben:Sinnvoll wäre eine Vereinigung Berlins mit Brandenburg und in dem Zuge eine Eingemeindung einiger Randgebiete nebst Planung eines urbanen Wohngebietes für normale Leute. Dafür gibt es aber derzeit kaum jemanden, der Geld hat und hergeben will.

Nein, wäre nicht sinnvoll. Das ist die Denke aus den 60ern und 70ern. Zersiedelung und Großwohnprojekte vom Reißbrett macht niemand mehr. Zumal man für eine gemeinsame Landesplanung kein gemeinsames Bundesland benötigt. Berlin kooperiert in vielen Fällen ja heute schon mit Brandenburg, wo es für beide Seiten sinnvoll ist.

Mit Wohnraum in der Pampa würdest Du übrigens genau den Trend verstärken: Leute ziehen von ihren innerstädtischen Vierteln ins günstigere Umland. Es kann halt nicht jeder im Wunschviertel leben und dann ein Recht auf Stillstand fordern. Da sind Grünflächen (z.B. Tempelhof) schon geeigneter, da sie neben ihrer Nähe zur Innenstadt auch bereits über Infrastrukturen verfügen. Und die meisten Menschen wollen heutzutage im urbanen Raum leben, wie es schon der Fall war, bevor ein Auto für den Otto-Normal-Bürger erschwinglich wurde und man sich im Umland sein Haus im Grünen leistete. Ob die aktuelle Entwicklung -- weg vom Dorf, hin zur Stadt -- in einem halben Jahrhundert noch umgedreht wird, weiß niemand. Anzeichen gibt's jedenfalls keine, weshalb man seine Raumordnung nicht danach ausrichten sollte.

Zudem: Den demographischen Wandel nicht vergessen. Bei Immobilien im Wohnsegment redet man für gewöhnlich von einer Nutzungsdauer von meist 50 bis 80 Jahren. Da investiert man nur dort, wo es sich auch mit großer Sicherheit (natürlich nicht immer) lohnt. Und das ist nicht in der Pampa. Sicherlich mag Berlin derzeit wieder wachsen und es sieht durchaus danach aus, daß der Trend die nächsten Jahre noch anhalten wird. Aber ein Großteil des Zuzugs geschieht durch Binnenwanderung und die Bevölkerung Deutschlands stagniert bzw. sinkt. Wenn man mit öffentlichen Mitteln in der Peripherie im großen Stile Wohnraum schafft, muß man damit rechnen, 2050 und später dort Leerstand zu haben wie es mit vielen Plattenbauten in anderen Städten schon heute der Fall ist. Sprich, privates Geld wird dafür kaum zur Verfügung gestellt und öffentliches Geld wäre eine Verschwendung, die man besser in den sozialen Wohnungsbau stecken könnte, um den Druck von der ortsüblichen Miete zu nehmen. Und da kann ein Um- statt Neubau nicht selten sinnvoller sein. :?

Claud & Wasteland: Danke für Eure "Vor-Ort-Einblicke". Gibt's eigentlich was Neues zur Schinkel-Akademie oder wie das Ding da unweit des Humboldtforums heißen soll? :?:

Joker hat geschrieben:Naja
Der Hartz4 Punk aus einen Meckpomm Dorf geht nach Berlin.
Der Ingenieur aus dem gleichen Dorf geht nach München.

Oder der Punk geht nach Berlin, wird dort zum Ingenieur und zieht anschließend nach München. Soll ja vorkommen, daß Städte mehr Akademiker ausbilden als sie selber benötigen, während die Hochschulbildung in Dörfern schwierig zu finden ist. :p
Zuletzt geändert von frems am Fr 12. Apr 2013, 14:04, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Fr 12. Apr 2013, 15:07

frems » Fr 12. Apr 2013, 13:58 hat geschrieben:Nein, wäre nicht sinnvoll. Das ist die Denke aus den 60ern und 70ern. Zersiedelung und Großwohnprojekte vom Reißbrett macht niemand mehr. Zumal man für eine gemeinsame Landesplanung kein gemeinsames Bundesland benötigt. Berlin kooperiert in vielen Fällen ja heute schon mit Brandenburg, wo es für beide Seiten sinnvoll ist.


Für eine neuen Berliner Bezirk braucht man auf jeden Fall Platz.

Mit Wohnraum in der Pampa


Davon redet ja keiner. Es geht um ein neues Stadtviertel, natürlich samt Anbindungen, S-Bahn etc. Ein neues Marzahn-Hellersdorf.

ein Großteil des Zuzugs geschieht durch Binnenwanderung und die Bevölkerung Deutschlands stagniert bzw. sinkt.

Es ist egal, wo die Leute herkommen. Sie brauchen Wohnungen.

Wenn man mit öffentlichen Mitteln in der Peripherie im großen Stile Wohnraum schafft, muß man damit rechnen, 2050 und später dort Leerstand zu haben wie es mit vielen Plattenbauten in anderen Städten schon heute der Fall ist.

Selbst wenn die Ballungsräume nicht weiter wachsen sollten - was eher unwahrscheinlich ist - ist 40 Jahre Wohnraum haben besser als 40 Jahre Wohnraum nicht haben. Berlin wächst. Frankfurt wächst. Frankfurt hat grade in FH-Nähe ein neues Viertel aufgezogen. Die Mehrzahl der jungen Leute aus Kleinstädten und Dörfern wird ihre Zukunft, mindestens aber ihre akademische Ausbildung in größeren Städten suchen müssen.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon frems » Fr 12. Apr 2013, 15:42

SoleSurvivor » Fr 12. Apr 2013, 16:07 hat geschrieben:Für eine neuen Berliner Bezirk braucht man auf jeden Fall Platz.

Wozu braucht Berlin denn einen neuen Bezirk? Die Bevölkerungsdichte ist unter 4.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. Damit ist Berlin in Europa auf einem der hinteren Plätze der Hauptstädte. Selbst Kopenhagen, das nicht gerade für seine Hochhäuser bekannt ist, kommt auf 6.000. Brüssel ist bei 6.500, Madrid bei 5.500 und auch Amsterdam, Dublin, Stockholm, Wien und so weiter sind vor Berlin. Paris, Moskau, Bukarest und London mit einer teils fünfstelligen Dichte ja sowieso. Ein Raummangel ist da nicht erkennbar, um Großwohnsiedlungen in Brandenburg zu errichten. Wobei das die angrenzenden Landkreise ja tun könnten, wenn die Nachfrage so groß sein sollte. Gegen mehr Einwohner und Steuereinnahmen hat wohl kaum ein Landkreis im Osten etwas einzuwenden. Macht aber aus nachvollziehbaren Gründen keiner.

Davon redet ja keiner. Es geht um ein neues Stadtviertel, natürlich samt Anbindungen, S-Bahn etc. Ein neues Marzahn-Hellersdorf.

Wie gesagt, Großwohnsiedlungen am Stadtrand will keiner. Marzahn ist auch nicht gerade der Ort, der durch Anfragen überschwemmt wird und man durch neue Siedlungen dieser Art irgendeinen Druck vom Wohnungsmarkt nehmen könnte. Man müßte da schon schauen, wo die ganzen Leute heute hauptsächlich wohnen wollen und was man dort machen kann, z.B. durch Nachverdichtung und Schließung von Baulücken. Aber keine Plattenbauten, wo man nur zum Schlafen mit der S-Bahn hinfährt.

Es ist egal, wo die Leute herkommen. Sie brauchen Wohnungen.

Nein, ist in diesem Falle nicht egal. Bitte den ganzen Satz lesen und die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte anschauen. Und nicht nur, was derzeit der Fall ist. Dann verstehst Du vielleicht, wieso am Stadtrand nicht im großen Stil geplant wird.

Bei Interesse: Das BBR gibt regelmäßig Raumordnungsprognosen heraus. Kostet nur 15€ und hat alle erdenklichen Statistiken, die für solche Entscheidungen relevant sind.

Selbst wenn die Ballungsräume nicht weiter wachsen sollten - was eher unwahrscheinlich ist - ist 40 Jahre Wohnraum haben besser als 40 Jahre Wohnraum nicht haben. Berlin wächst. Frankfurt wächst. Frankfurt hat grade in FH-Nähe ein neues Viertel aufgezogen. Die Mehrzahl der jungen Leute aus Kleinstädten und Dörfern wird ihre Zukunft, mindestens aber ihre akademische Ausbildung in größeren Städten suchen müssen.

Genau das habe ich doch gesagt. :|

Bloß sollte man nicht annehmen, daß die Bevölkerung ewig wachsen wird in Städten. Dafür gibt's keine Anzeichen. Und auch dann müßte man keine Siedlungen am Reißbrett entstehen lassen. Aber Du siehst es ja auch: In Frankfurt will man scheinbar nah zur FH ein Viertel errichten. Da wollen die Menschen scheinbar leben. In urbanen Quartieren in der Nähe ihrer Hochschulen, oft mit zahlreichen Lokalen und Geschäften vor der Haustür, wenn möglich alles per Rad erreichbar.

Hamburg wächst auch. Teilweise subventioniert die Stadt in weniger schönen Vierteln Wohnungen, damit die Studenten und Azubis dort hinziehen und nicht die "angesagten", an die Innenstadt angrenzenden Quartiere überfluten, wo die Mieten abenteuerlich hoch sind.

Ergebnis: http://www.mopo.de/nachrichten/trotz-st ... 19878.html

Will halt keiner, obwohl's günstig ist und man mit der U-Bahn in 15 Minuten in der Innenstadt ist. Und dabei sind bei uns die Mieten (nach München) am zweithöchsten in Deutschland und wuchsen in den letzten zehn Jahren am stärksten.

Und: Die Studentenzahlen werden auch nicht ewig steigen, sondern voraussichtlich sinken. Die Umstellung aufs Abi nach 12 Jahren ist in den meisten Ländern umgesetzt und die Wehrpflicht setzt man auch nicht mehrmals aus. Da die Bevölkerungspyramide ja auch bekannt ist, sollte man nicht davon ausgehen, daß die Zahlen so ansteigen wie in den letzten zehn Jahren -- auch wenn pro Abijahrgang mehr Leute (prozentual) als früher studieren.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Fr 12. Apr 2013, 16:43

frems » Fr 12. Apr 2013, 15:42 hat geschrieben:
Wozu braucht Berlin denn einen neuen Bezirk?


Zum wohnen.
Aber keine Plattenbauten, wo man nur zum Schlafen mit der S-Bahn hinfährt.

Die Großtafel-Technik ist nicht mehr aktuell. Es gibt heute andere Bauverfahren.


Genau das habe ich doch gesagt. :|

Bloß sollte man nicht annehmen, daß die Bevölkerung ewig wachsen wird in Städten.


Es ist davon auszugehen, dass Berlin für die irgendwie vorhersehbare Zeit wächst.

In Frankfurt will man scheinbar nah zur FH ein Viertel errichten. Da wollen die Menschen scheinbar leben. In urbanen Quartieren in der Nähe ihrer Hochschulen, oft mit zahlreichen Lokalen und Geschäften vor der Haustür, wenn möglich alles per Rad erreichbar.


Genau. Die Beamten, die diese Wohnungen bezogen haben und großteils im Stadtzentrum arbeiten, aber mit der FH nichts zu schaffen haben.

Will halt keiner, obwohl's günstig ist und man mit der U-Bahn in 15 Minuten in der Innenstadt ist. Und dabei sind bei uns die Mieten (nach München) am zweithöchsten in Deutschland und wuchsen in den letzten zehn Jahren am stärksten.


Ich habe das ein paar Jahre mitgemacht in einer Stadt, in der die Wohnraumnachfrage total das Angebot überstieg. Ich habe mit Untervermieten von zwei Zimmern mehr eingenommen als die ganze Bude gekostet hat im Monat - und hab nicht mehr verlangt als ein neuer Mietvertrag gekostet hätte. Das ist keine Perspektive für Berlin mit seinen Niedriglöhnen. Das wünscht man niemandem.

Und: Die Studentenzahlen werden auch nicht ewig steigen, sondern voraussichtlich sinken.

Auch in Zukunft wird sich der Trend fortsetzen, dass die meisten neuen Tätigkeiten mehrjährige Hochschulqualifikation benötigen, während Ausbildungsberufe weiter sinken. Das hat mit dem 12jährigen Abi gar nichts zu tun - das haben wir schließlich seit 1990 so.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon frems » Fr 12. Apr 2013, 16:55

SoleSurvivor » Fr 12. Apr 2013, 17:43 hat geschrieben:Zum wohnen.

Wohl kaum.

Die Großtafel-Technik ist nicht mehr aktuell. Es gibt heute andere Bauverfahren.

Ändert nichts daran, daß Großwohnsiedlungen nicht nachgefragt sind. Du kannst ja schauen, wo die Probleme sind: Vor allem in innerstädtischen Quartieren, die bereits eine Dichte von über 10k haben. So wollen die Leute leben. Und nicht in der Walachei im 15. Stock.

Es ist davon auszugehen, dass Berlin für die irgendwie vorhersehbare Zeit wächst.

Nur nicht ewig, solange die Geburtenrate in Deutschland nicht steigt oder mehr Fachkräfte aus dem Ausland kommen. Wie ich Dir schon sagte: Die deutschen Ballungszentren wachsen vor allem aufgrund der Binnenwanderung. Rostock hat auch derzeit eine konstante Einwohnerzahler. Aber auch nur, weil die Dörfer und Kleinstädte sehr stark schrumpfen.

Genau. Die Beamten, die diese Wohnungen bezogen haben und großteils im Stadtzentrum arbeiten, aber mit der FH nichts zu schaffen haben.

Ist ja egal, wer dort wohnen will. In hippe Studentenviertel ziehen auch Arbeitnehmer, weil es ihnen gefällt. Studenten, Künstler etc. werden da meistens in der Stadtsoziologie als (Raum-)Pioniere bezeichnet, die günstige "Schmuddelviertel" aufgrund niedriger Mieten aufsuchen. Wirklich Schickimicki wird's dann später, wenn andere Schichten dies für sich entdeckten. Luxussanierungen kommen ja nicht nur für Studenten.

Ich habe das ein paar Jahre mitgemacht in einer Stadt, in der die Wohnraumnachfrage total das Angebot überstieg. Ich habe mit Untervermieten von zwei Zimmern mehr eingenommen als die ganze Bude gekostet hat im Monat - und hab nicht mehr verlangt als ein neuer Mietvertrag gekostet hätte. Das ist keine Perspektive für Berlin mit seinen Niedriglöhnen. Das wünscht man niemandem.

Ist ja auch nicht repräsentativ.

Auch in Zukunft wird sich der Trend fortsetzen, dass die meisten neuen Tätigkeiten mehrjährige Hochschulqualifikation benötigen, während Ausbildungsberufe weiter sinken. Das hat mit dem 12jährigen Abi gar nichts zu tun - das haben wir schließlich seit 1990 so.

Doch, hat eine Menge mit dem Abi zu tun: http://studieren.de/doppelter-abiturjahrgang.0.html

Das waren meist einmalige Angelegenheiten, die die Hochschulen unter Druck setzten. In Berlin studieren nicht nur Berliner. Dieses Jahr gab's auch weniger Ersemester, nachdem aus nachvollziehbaren Gründen in den letzten Jahren die Zahl stieg: http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 68909.html

Wenn Hessen und NRW ihr Abi auch umgestellt haben, war's das erstmal mit den steigenden Zahlen. Daß mehr Leute prozentual pro Jahrgang die Hochschule aufsuchen, hatte ich ja selbst geschrieben. Keine Ahnung, ob Du nur liest, was Du zitierst. Wie viel Nachwuchs die Deutschen kriegen, sollte eigentlich bekannt sein. Wenn nicht: Kann in "Raumordnungsprognose 2025/2050" vom BBR ebenfalls nachgelesen werden.
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Re: Neubauten in Berlin

Beitragvon HugoBettauer » Fr 12. Apr 2013, 17:40

Ändert nichts daran, daß Großwohnsiedlungen nicht nachgefragt sind. Du kannst ja schauen, wo die Probleme sind: Vor allem in innerstädtischen Quartieren, die bereits eine Dichte von über 10k haben. So wollen die Leute leben. Und nicht in der Walachei im 15. Stock.


Aktuell haben wir vor Ort die Situation, dass beides nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist.

Nur nicht ewig, solange die Geburtenrate in Deutschland nicht steigt oder mehr Fachkräfte aus dem Ausland kommen. Wie ich Dir schon sagte: Die deutschen Ballungszentren wachsen vor allem aufgrund der Binnenwanderung. Rostock hat auch derzeit eine konstante Einwohnerzahler. Aber auch nur, weil die Dörfer und Kleinstädte sehr stark schrumpfen.


Es ist für das Raumangebot einer Stadt, die heute schon platzt, herzlich egal ob irgendwo im Dorf Bauernhäuser verfallen.

Ist ja egal, wer dort wohnen will. In hippe Studentenviertel ziehen auch Arbeitnehmer, weil es ihnen gefällt. Studenten, Künstler etc. werden da meistens in der Stadtsoziologie als (Raum-)Pioniere bezeichnet, die günstige "Schmuddelviertel" aufgrund niedriger Mieten aufsuchen. Wirklich Schickimicki wird's dann später, wenn andere Schichten dies für sich entdeckten. Luxussanierungen kommen ja nicht nur für Studenten.

Das mag ja so allgemein dahergesagt stimmen, hat mit dem genannten Fall aber nichts zu tun. Das ist schließlich nicht Berlin-Kreuzberg oder Dresden-Hecht.

Doch, hat eine Menge mit dem Abi zu tun: http://studieren.de/doppelter-abiturjahrgang.0.html


Ja, vielleicht mal über fünf Jahre. Aber davon reden wir hier nicht. Wir reden davon, dass über die nächsten Jahrzehnte was passieren muss.

Wenn Hessen und NRW ihr Abi auch umgestellt haben, war's das erstmal mit den steigenden Zahlen. Daß mehr Leute prozentual pro Jahrgang die Hochschule aufsuchen, hatte ich ja selbst geschrieben.

Der Widerspruch sollte dir ins Auge fallen.
Die Flucht in die Städte wird sich fortsetzen, schon weil den Dörfern und Kleinstädten in Zukunft nicht nur die Uni fehlt, sondern auch das Theater, der Sportclub, der Musikclub, das Kino und so weiter. Mit der sinkenden Attraktivität des Standorts werden die verbleibenden Unternehmen im Nichts auch nur noch schwer Spezialisten für die Arbeit finden. Das ist ja nicht nur in Deutschland so.
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