Elbphilharmonie Hamburg

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John Galt
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon John Galt » Mo 16. Feb 2015, 11:08

Die haben einen Bau an der Backe der nie wirtschaftlich betrieben werden kann und jeder seriöse Haushaltspolitiker würde den Schrott streichen.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Mo 16. Feb 2015, 11:59

John Galt » Mo 16. Feb 2015, 11:08 hat geschrieben:Die haben einen Bau an der Backe der nie wirtschaftlich betrieben werden kann und jeder seriöse Haushaltspolitiker würde den Schrott streichen.

Kultur lebte schon immer von Ineffizienz und Überschuß. Willste ein Plus, brauchste Musicals und Mario Barth. Da macht die Patriotische Gesellschaft aber nicht mit.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon Kanzlerqualle » Mo 16. Feb 2015, 12:01

John Galt » Mo 16. Feb 2015, 11:08 hat geschrieben:Die haben einen Bau an der Backe der nie wirtschaftlich betrieben werden kann und jeder seriöse Haushaltspolitiker würde den Schrott streichen.

.. dann dürfte man auch keine Schwimmbäder , Sporthallen und sonstiges bauen ...
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John Galt
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:27

Kanzlerqualle » Mo 16. Feb 2015, 12:01 hat geschrieben:.. dann dürfte man auch keine Schwimmbäder , Sporthallen und sonstiges bauen ...


Gegen ein Schwimmbad für eine Milliarde Euro hätte ich nichts, dass wäre besser als so ein Betonklotz.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon odiug » Sa 21. Feb 2015, 21:38

John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:27 hat geschrieben:
Gegen ein Schwimmbad für eine Milliarde Euro hätte ich nichts, dass wäre besser als so ein Betonklotz.

Du gehst nie in ein Konzert, schaust dir keine Oper an ?
Na dann geh hat schwimmen ... tut,s die Elbe auch.
Und ich persoenlich bin ja schon der Ansicht, dass man nicht alles dem Diktat der Wirtschaft unterwirft.
Wenn BWLer bestimmen wie unsre Staedte aussehen, dann gnade uns Gott!
Was nun nicht heissen soll, der Misswirtschaft durch Inkompetenz das Wort zu reden.
Berliner Flughafen und Elbphilarmonie sind Beispiele dafuer, was passiert, wenn fachunkundige Politiker sich zu sehr einmischen.
Auf der anderen Seite bin ich schon der Meinung, dass die Buerger von Hamburg das Recht haben, sich und fuer ihre Stadt eine Sehenswuerdigkeit zu schaffen.
Zuletzt geändert von odiug am Sa 21. Feb 2015, 21:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:41

odiug » Sa 21. Feb 2015, 21:38 hat geschrieben:Du gehst nie in ein Konzert, schaust dir keine Oper an ?
Na dann geh hat schwimmen ... tut,s die Elbe auch.
Und ich persoenlich bin ja schon der Ansicht, dass man nicht alles dem Diktat der Wirtschaft unterwirft.
Wenn BWLer bestimmen wie unsre Staedte aussehen, dann gnade uns Gott!


Wenns um Orchester geht, dann interessiert die soziale Gerechtigkeit niemanden mehr? :)

Größenwahnsinnige Projekte starten, die am Ende das 15fache kosten, das ist natürlich klasse und verursacht natürlich auch keine Probleme für den laufenden Betrieb. Wenn man die Städte nicht den BWlern überlässt, dann bekommt man solche unwirtschaftlichen Betonklötze.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon jack000 » Sa 21. Feb 2015, 22:03

John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:41 hat geschrieben:
Wenns um Orchester geht, dann interessiert die soziale Gerechtigkeit niemanden mehr? :)

Größenwahnsinnige Projekte starten, die am Ende das 15fache kosten, das ist natürlich klasse und verursacht natürlich auch keine Probleme für den laufenden Betrieb. Wenn man die Städte nicht den BWlern überlässt, dann bekommt man solche unwirtschaftlichen Betonklötze.

Dessen stimme ich zu. Die Kundschaft der Elbphilharmonie gehört i.d.R. zu den Besserverdienenden bis hin zu den Spitzenverdienern. Wenn diese gerne Konzerte in der Elbphilharmonie sich anhören möchten, sollen die es halt auch selbst bezahlen und nicht dem Steuerzahler auf der Tasche liegen!

In Stuttgart gibt es das aber auch. Wäre die Bahn wirklich eine private Firma hätte es S21 niemals gegeben, aber da Politiker Einfluss haben kommt eben irgendwas dabei heraus wo sich Politiker ein Denkmal setzen können, aber weder Bahntechnisch, noch Betriebswirtschaftlich es einen Sinn ergibt.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon odiug » Sa 21. Feb 2015, 22:17

John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:41 hat geschrieben:
Wenns um Orchester geht, dann interessiert die soziale Gerechtigkeit niemanden mehr? :)

Größenwahnsinnige Projekte starten, die am Ende das 15fache kosten, das ist natürlich klasse und verursacht natürlich auch keine Probleme für den laufenden Betrieb. Wenn man die Städte nicht den BWlern überlässt, dann bekommt man solche unwirtschaftlichen Betonklötze.

Was hat der Bau eines Konzerthauses mit sozialer Gerechtigkeit zu tun?
Die Preisstruktur der Eintrittkarten hat was mit sozialer Gerechtigkeit zu tun und die erkauft man sich sicherlich nicht mit der Vorgabe der Wirtschaftlichkeit.
Und bitte gerne: Misswirtschaft muss angeklagt werden, bin ich ja ganz bei dir.
Die Verursacher der Kostenexplosion muessen zur Rechenschaft gezogen werden.
Es kann nicht angehen, dass die oeffentliche Hand die simpelsten Regeln der Regresspflicht gegenueber den Vertragspartnern in der freien Wirtschaft bei Vertragsnichterfüllung so straeflich vernachlaessigen, wie bei der Elb-Philharmonie, dem Berliner Flughafen, dem A 400, der Drohne usw usw usw.
Da waeren ein paar bessere Rechtsanwaelte mit Erfahrung aus der Wirtschaft einfach besser als Politiker.
Das Problem bei oeffentlichen Auftraegen ist meisst, dass der Entscheidungsprozess, was gebraucht wird und was gebaut und angeschafft werden soll, haeuffig nicht gaenzlich abgeschlossen sind.
Nichts ist teurer, als nachtraegliche Aenderungen.
Dafuer sind aber nicht immer die Politiker alleine Schuld.
Sie reagieren oft einfach nur auf die aktuelle oeffentliche Meinung oder auf aeussere Umstaende.
Gerade die Anschaffung der Bundes Wehr richten sich zu oft nach temporaeren Bedrohungsszenarien.
Der Konflikt in Syrien verlangt andere Ausruestung und Training, als eine Eingreiftruppe in Ost Europa oder die Landesverteidigung.
Den berliner Flugafen, wie eigentlich alle Infrastrukturprojekte sollten alle mit einer Moeglichkeit zur Erweiterung und einem Rueckbau geplant werden.
Ist planerischer Mehraufwand, der sich aber langfristig auszahlt.
Kulturprojekte sind ein Luxusgut ... sie sind fuer die Seele, fuer das, was dieses Land wirklich ausmacht, jenseits der nackten Zahlen.
Und das sollte uns was Wert sein.
Was nun die aestetische Beurteilung betrifft:
Der Eiffelturm galt zu seiner Zeit als Schandmal fuer Paris unter den Philistern.
Und die waren damals bei weitem in der Mehrzahl.
Zuletzt geändert von odiug am Sa 21. Feb 2015, 22:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Sa 21. Feb 2015, 22:24

jack000 » Sa 21. Feb 2015, 22:03 hat geschrieben:Dessen stimme ich zu. Die Kundschaft der Elbphilharmonie gehört i.d.R. zu den Besserverdienenden bis hin zu den Spitzenverdienern. Wenn diese gerne Konzerte in der Elbphilharmonie sich anhören möchten, sollen die es halt auch selbst bezahlen und nicht dem Steuerzahler auf der Tasche liegen!

Deshalb gibt's ja quersubventionierte Tickets, z.B. für Rentner und Arbeitslose, die (je nach Veranstaltung) zwischen 10 und 30 Euro kosten sollen, was man sich schon leisten können sollte, wenn man interessiert ist. Man geht ja nicht wöchentlich rein. Schulklassen kommen noch günstiger rein und da wird's ja verschiedene Arten von Konzerten geben. Deshalb prangern aber auch viele an, daß das Ding -- wie Kultureinrichtungen allgemein -- jährlich Millionen an staatlichen Zuschüssen fressen wird: http://www.abendblatt.de/kultur-live/ar ... Spass.html
Zuletzt geändert von frems am Sa 21. Feb 2015, 22:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Sa 21. Feb 2015, 22:44

John Galt » Sa 21. Feb 2015, 21:41 hat geschrieben:
Wenns um Orchester geht, dann interessiert die soziale Gerechtigkeit niemanden mehr? :)

Größenwahnsinnige Projekte starten, die am Ende das 15fache kosten, das ist natürlich klasse und verursacht natürlich auch keine Probleme für den laufenden Betrieb. Wenn man die Städte nicht den BWlern überlässt, dann bekommt man solche unwirtschaftlichen Betonklötze.

Naja, es ist der Faktor 2,5, was schon schlimm genug ist. Die Verzehnfachung, die Journalisten manchmal aufschnappen, ist eine Milchmädchenrechnung. Da nehmen sie die erste politische (!) Kostenschätzung und krallen sich dort nur den öffentlichen Anteil von ca. 80 Mio. raus, um anschließend die Gesamtkosten (inkl. Spenden, Privatinvestitionen, Eigentumswohnungen, ...) von ca. 800 ins Verhältnis zu setzen. Klingt halt spektakulärer als "die erste seriöse Machbarkeitsstudie ging von 250 Mio aus., wovon die Stadt knapp die Hälfte trägt... und heute sind's insgesamt 800 Mio. und der Anteil der öffentlichen Hand stieg überproportional, da Spenden etc. bei steigenden Kosten nicht mitwachsen können".

Im Nachhinein sagen dann natürlich viele: "Hätten wir das gewußt, hätten wir niemals gebaut". Ich denke aber schon, daß die Elbphilharmonie die jetzige Summe trotzdem wert ist, da solche Landmarken im Rahmen der Stadtentwicklung zu bewerten sind. Die HafenCity, bei der 20-25 Mrd. EUR verbuddelt werden, profitiert davon und damit auch die Stadt als Ganzes. Ganz gerne wird da ja die Parallele zur Oper in Sydney gezogen, wo heute kaum noch einer nach den Baukosten fragt (ob gut oder schlecht, sei dahingestellt). Sowas prägt Orte und Kultur über Jahrzehnte. Ausländische Besucher, die nun auf Hamburg aufmerksam wurden, werden vom Vertragschaos wohl so wenig was mitgekriegt haben wie die meisten Deutschen die Probleme beim Bau der Oper in Sydney. Letztendlich eh Peanuts. Und im neuen Stadtteil gibt's ja mehr als genug Projekte, die sauber vorankommen. Die schaffen's dann bloß nicht in die Zeitungen. Ein "U4-Verlängerung wird günstiger und früher fertig als geplant" ist keine BILD-Schlagzeile.

Die Hafen-Barkasse schippert an der Baustelle der Elbphilharmonie vorbei, und die Aufmerksamkeit der amerikanischen Besucher ist auf einmal voll da. Einige zücken ihre Kameras, machen Fotos – Souvenirs für daheim von ihrer Hamburg-Exkursion. "Ich habe viel von der Elbphilharmonie gehört; es wird sich zeigen, wenn sie mal fertig ist, ob das Projekt ein Erfolg wird", sagt Katharine Burgess, 32, Städteplanerin aus Washington D. C. [...] Kathrine Burgess arbeitete in Berlin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. "Die HafenCity ist ein spannendes Projekt, wie sich eine Stadt erweitert", sagt sie. "Umwelt hat in Deutschland eine viel höhere Priorität als in den USA", stellt Teilnehmer Tim Stumhofer, 30, fest.

http://www.abendblatt.de/hamburg/articl ... nnend.html

Zur Milchmädchenrechnung:

Bislang stand die Elbphilharmonie vor allem für Skandale: Die Baukosten verzehnfachten sich, die Eröffnung musste mehrmals verschoben werden. Doch wer in diesen Tagen die Baustelle in Hamburg besichtigt, erkennt: Es entsteht ein architektonisches Meisterwerk.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/besuc ... 12018.html

Ursprünglich sollte der prozentuale Kostenanteil der Hansestadt durch mehrere private Großspenden in vielfacher Millionenhöhe relativ gering gehalten werden, Ende 2012 machten die gesammelten Spenden nur noch etwa 10 Prozent der Gesamtbaukosten aus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Elbphilhar ... tr.C3.A4ge
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon jack000 » Sa 21. Feb 2015, 23:07

frems » Sa 21. Feb 2015, 22:24 hat geschrieben:Deshalb gibt's ja quersubventionierte Tickets, z.B. für Rentner und Arbeitslose, die (je nach Veranstaltung) zwischen 10 und 30 Euro kosten sollen, was man sich schon leisten können sollte, wenn man interessiert ist. Man geht ja nicht wöchentlich rein. Schulklassen kommen noch günstiger rein und da wird's ja verschiedene Arten von Konzerten geben. Deshalb prangern aber auch viele an, daß das Ding -- wie Kultureinrichtungen allgemein -- jährlich Millionen an staatlichen Zuschüssen fressen wird: http://www.abendblatt.de/kultur-live/ar ... Spass.html

Das ist keine Quersubventionierung im eigentlichen Sinne, denn für Kulturveranstaltungen und Konzerte im eigentlichen Sinne braucht es keinen Protzbau als Millionengrab im 3-stelligen Bereich!
=> Auch die vergünstigen Preise für Rentner, Schüler, Arbeitslose, etc... (Die wohl wie viel % der Kosten decken werden?) sind letztendlich nichts anderes als ein Beitrag für einen Bau der von nichts anderem geprägt ist als korrupte Politiker die sich ein Denkmal bauen wollen, wie auch Privatfirmen die Schmiergelder haben fließen lassen.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Sa 21. Feb 2015, 23:21

jack000 » Sa 21. Feb 2015, 23:07 hat geschrieben:Das ist keine Quersubventionierung im eigentlichen Sinne, denn für Kulturveranstaltungen und Konzerte im eigentlichen Sinne braucht es keinen Protzbau als Millionengrab im 3-stelligen Bereich!
=> Auch die vergünstigen Preise für Rentner, Schüler, Arbeitslose, etc... (Die wohl wie viel % der Kosten decken werden?) sind letztendlich nichts anderes als ein Beitrag für einen Bau der von nichts anderem geprägt ist als korrupte Politiker die sich ein Denkmal bauen wollen, wie auch Privatfirmen die Schmiergelder haben fließen lassen.

Naja, derzeit treten die Orchester vor allem in der Laeiszhalle auf, was wohl auch in die Kategorie "Protzbau" fallen dürfte, auch wenn's aus einer anderen Epoche stammt. Die zahlreichen Museen und Theater in der Stadt sind für gewöhnlich auch nicht in minimalistischen Zweckbauten. Sowas findet man eher bei diesen schrecklichen Musicals, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Daß sich Politiker wie Ole von Beust ein Denkmal setzen wollen, stimmt auch. Ein großer Fehler war ja, daß man den Bau aus Wahlkampfgründen begonenn hat, obwohl die Planung noch nicht abgeschlossen war. Können wir bloß jetzt nicht mehr ändern und haben die Politiker ja schon zum Teufel gejagt. Nun heißt's nach vorne schauen. Wobei man berücksichtigen sollte, daß die Mehrheit der Hamburger für die Elbphilharmonie waren. Erst nach mehreren Kostensteigerungen und dem Fiasko, das hauptsächlich vor Gerichten ausgetragen wurde, schwand die Zustimmung.

In der Stadt selbst wird die Elbphilharmonie aber auch nicht so isoliert betrachtet, sondern als Teil des Projekts Hafencity, das manchmal als größtes Stadtentwicklungsprojekt Europas bezeichnet wird (frag mich nicht, ob's stimmt). Da wird die Innenstadt mal eben um 40% erweitert mit neue U-Bahnlinien, Fähranlegern, mehreren Hochschulen, Parks, Inseln, Hotels/Gastronomie und rund 40.000 Arbeitsplätzen neben etwa 10.000 Wohnungen. Da fällt so ein Konzerthaus schon auf, aber so zu tun, als wär da sonst nichts im Gange, wird der Sache nicht gerecht. Ich find das immer urkomisch, wenn man in Zeitungen dann Leserkommentare hört wie "Neue U-Bahn in Hamburg? Spinnen die? Die sollen erstmal die Elbphilharmonie fertig machen". Als wären sämtliche Kapazitäten der Stadt derzeit zu 100% mit nichts anderem beschäftigt als das Ding fertigzustellen. Aber es ist nachvollziehbar. Kleinere Projekte und/oder jene, die wie am Schnürchen laufen, schaffen es nicht in die Zeitungen außerhalb der Stadtmauern.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Sa 7. Mär 2015, 14:19

Im Zwoten gibt's übrigens eine Reportage zur Elbphilharmonie, die sich vor allem mit dem finanziellen Schlamassel beschäftigt: http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag ... ilharmonie
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » Sa 25. Apr 2015, 11:53

So langsam wird's ja:

Elbphilharmonie nimmt die vorletzte Hürde

Ende April wird die Haustechnik über dem Großen Saal fertiggestellt – Die Konstruktion unter dem Dach ist atemberaubend.


Denkwürdige Vorgänge hat der acht Jahre andauernde Bau der Elbphilharmonie schon viele produziert. Aber einige davon genießen mittlerweile Legendenstatus. Der 28. Januar 2010 war so ein Tag. Zum ersten und bis heute einzigen Mal ging der Baukonzern Hochtief von sich aus an die Öffentlichkeit, was ihm unter Androhung von Strafe seitens der Stadt als Auftraggeberin verboten war.

Doch an diesem Tag war dem damaligen Leiter der Niederlassung Hamburg, Thomas Möller, und seinen Kollegen der Kragen geplatzt. Mehr als tausendmal hätten die Architekten während des laufenden Baus die Pläne geändert, und er sehe es jetzt nicht mehr ein, dass Hochtief die Schuld bekomme, wenn sich der Bau dadurch verzögere und teurer werde. [...]

Es ist ein kleines Wunder. Denn das, was Planer, Ingenieure und Handwerker da in die 18. bis 23. Etage zwischen drei Dachschichten gequetscht haben, ist schlicht atemberaubend. Auf einer Länge von 2,7 Kilometern winden sich gigantische Kanäle mit Durchmessern von bis zu drei Metern und einem Gesamtgewicht von 900 Tonnen durch das Dachgewölbe. Die gesamte Haustechnik über dem Großen Saal, inklusive Lüftungsmaschinen und Schalldämpfern so groß wie eine Auto-Garage, bringt es auf 8000 Tonnen. Das Ganze dient einem einzigen profanen Zweck: der Be- und Entlüftung des Großen Saals mit seinen 2150 Plätzen sowie im Ernstfall der Entrauchung. [...]

http://www.abendblatt.de/hamburg/hambur ... uerde.html
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » So 6. Nov 2016, 19:35

Nervig, dass die Journalisten nach so vielen Jahren noch immer zeigen, dass sie unkritisch voneinander abschreiben, Zahlen/Baukosten nie nachschlagen oder bewusst eine Milchmädchenrechnung für Schlagzeilen aufstellen, aber wie auch immer, in einigen Jahren spricht wohl eh niemand über die realen (2,5x) oder medialen (10x) Kosten:

Viel Harmonie: Hamburger Elbphilharmonie fertiggestellt

Hamburg - Der Bauskandal und sein versöhnlicher Abschluss: Die Hamburger Elbphilharmonie ist fertig, eine Architektur, von der sich nur schwärmen lässt. Ein Besuch.

http://www.merkur.de/kultur/versoehnlic ... 39517.html

Besucher erobern Hamburgs "Elphi"
Elbphilharmonie erfreut nicht nur Musikfans

Die Elbphilharmonie in Hamburg kostete 789 statt 77 Millionen Euro – nun besichtigen die Bewohner der Stadt das Bauwerk. Einigen gefällt's, andere sind über die Kostenexplosion betrübt. Immerhin: Die "Plaza" könnte ein neuer Lieblingsort werden.

http://www.n-tv.de/panorama/Elbphilharm ... 16721.html

So etwas ist noch nie gebaut worden - Flughäfen gibt es überall

Die Baukosten sind um 1000 Prozent explodiert - aber zum Wahrzeichen für Deutschland machen die Elbphilharmonie der kühne Bau und die Achtung von Kultur. Ein Kommentar.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ ... 99218.html

Auf diesen Tag haben sehr viele sehr lange hingearbeitet: Am heutigen 31. Oktober ist die endgültige Abnahme der Elbphilharmonie. Es ist der letzte Vertragstermin zwischen der Stadt und dem Baukonzern Hochtief, der knapp zehn Jahre nach der Grundsteinlegung im April 2007 erfüllt werden muss. [...]

Die Neuordnungsvereinbarung, also Nachtrag 5, hatte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes im Dezember 2012 ausgehandelt. Im Frühjahr 2012 hatte sich das spanische Bauunternehmen ACS die Mehrheit am Essener Baukonzern gesichert und Fernández Verdes wurde neuer Hochtief-Vorstand. Wichtigste Eckpunkte: Aus zwei getrennten Verträgen mit dem Generalplaner Herzog & de Meuron und dem Generalunternehmer Hochtief wurde endlich ein einziger Vertrag mit dem Baukonzern. Die Architekten wurden "enthaftet", Hochtief übernahm die Garantie für alles, was bis dahin gebaut und noch zu bauen war. Und verpflichtete sich, keine Forderungen mehr zu erheben.

http://www.abendblatt.de/hamburg/elbphi ... rgern.html
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon jack000 » So 6. Nov 2016, 19:49

frems hat geschrieben:(06 Nov 2016, 19:35)

Nervig, dass die Journalisten nach so vielen Jahren noch immer zeigen, dass sie unkritisch voneinander abschreiben, Zahlen/Baukosten nie nachschlagen oder bewusst eine Milchmädchenrechnung für Schlagzeilen aufstellen, aber wie auch immer, in einigen Jahren spricht wohl eh niemand über die realen (2,5x) oder medialen (10x) Kosten:

Wie setzen sich die 2,5x denn zusammen?
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » So 6. Nov 2016, 20:00

jack000 hat geschrieben:(06 Nov 2016, 19:49)

Wie setzen sich die 2,5x denn zusammen?

344 auf 866, nicht 77 auf 789. Schlimm genug.
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon Quatschki » So 6. Nov 2016, 20:18

Da können sie ja jetzt anfangen, Rücklagen für die GeneraLsanierung in 30 Jahren zu bilden
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon jack000 » So 6. Nov 2016, 20:21

frems hat geschrieben:(06 Nov 2016, 20:00)

344 auf 866, nicht 77 auf 789. Schlimm genug.

Na beides nicht so schlimm. S21 sollte es mal geschenkt geben (Durch die Grundstücksverkäufe) und nun sind es 6,7 Mrd. € ...
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Re: Elbphilharmonie Hamburg

Beitragvon frems » So 6. Nov 2016, 20:44

jack000 hat geschrieben:(06 Nov 2016, 20:21)

Na beides nicht so schlimm. S21 sollte es mal geschenkt geben (Durch die Grundstücksverkäufe) und nun sind es 6,7 Mrd. € ...

Wie man's nimmt. Einige Kostensteigerungen waren in der Tat nicht so schlimm, z.B. als in der Krise 2008/09 ein privater Investor pleiteging und die Stadt dann das Teilprojekt (Restaurant/Hotel) übernahm. Das erhöht zwar die Kosten, aber gleichzeitig das städtische Vermögen. Diverse Bauverzögerungen, als Aufträge schon verteilt waren, waren trotzdem stümperhaft und die Verträge einfach nur Unsinn. Aber die Rechnung bekam ja die CDU. S21 wird hingegen toll, weil's einen größeren Nutzen für Verkehrs- und Stadtentwicklung hat. Die Elbphilharmonie ist primär Marketinggedöns, um noch mehr Straßenkaputttreter und -vollkotzer von auswärts anzulocken.
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