Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

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Watchful_Eye
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Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 27. Jan 2018, 19:45

http://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia- ... 79744.html

Meistens diskutieren wir im Westen über ein bedingungsloses Grundeinkommen hierzulande; hier, wo es eigentlich schon ein gut durchdachtes Sozialsystem gibt, welches dadurch zu ersetzen wäre. Aber ein BGE in unterentwickelten Staaten scheint ja noch viel naheliegender zu sein. Wenn einfach jeder ein Recht auf dieses Einkommen hat, haben es korrupte Strukturen schwieriger, jenes Geld abzugreifen. Auch ist es eine liberale Idee, die die Menschen nicht bemuttert, sondern ihnen den vollen Spielraum bei ihren Ausgaben überlässt. Zwar wäre es im Anbetracht der niedrigeren Lebenshaltungskosten sicherlich nicht günstig, aber mit dem entsprechenden politischen Willen finanzierbar.

Aber reicht es, einfach breitflächig Geld zu geben, und die Strukturen kommen von alleine? Oder ist das dann doch zu simpel gedacht?
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon krone » Sa 27. Jan 2018, 20:07

Watchful_Eye hat geschrieben:(27 Jan 2018, 19:45)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia- ... 79744.html

Meistens diskutieren wir im Westen über ein bedingungsloses Grundeinkommen hierzulande; hier, wo es eigentlich schon ein gut durchdachtes Sozialsystem gibt, welches dadurch zu ersetzen wäre. Aber ein BGE in unterentwickelten Staaten scheint ja noch viel naheliegender zu sein. Wenn einfach jeder ein Recht auf dieses Einkommen hat, haben es korrupte Strukturen schwieriger, jenes Geld abzugreifen. Auch ist es eine liberale Idee, die die Menschen nicht bemuttert, sondern ihnen den vollen Spielraum bei ihren Ausgaben überlässt. Zwar wäre es im Anbetracht der niedrigeren Lebenshaltungskosten sicherlich nicht günstig, aber mit dem entsprechenden politischen Willen finanzierbar.

Aber reicht es, einfach breitflächig Geld zu geben, und die Strukturen kommen von alleine? Oder ist das dann doch zu simpel gedacht?

Wie soll die Verteilung des BGE in unterentwickelten Staaten eigentlich funktionieren.

Eine C-5 Galaxy die jeden Monat Container voller geld abwirft ?
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Teeernte
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Teeernte » Sa 27. Jan 2018, 20:09

krone hat geschrieben:(27 Jan 2018, 20:07)

Wie soll die Verteilung des BGE in unterentwickelten Staaten eigentlich funktionieren.

Eine C-5 Galaxy die jeden Monat Container voller geld abwirft ?


....jeder holt seine Geldkarte ...

...die die Einwohner dann bei Ihrem Warlord/König/Feudalisten abgeben müssen....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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LordAphelios
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon LordAphelios » Sa 27. Jan 2018, 20:10

Watchful_Eye hat geschrieben:(27 Jan 2018, 19:45)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia- ... 79744.html

Meistens diskutieren wir im Westen über ein bedingungsloses Grundeinkommen hierzulande; hier, wo es eigentlich schon ein gut durchdachtes Sozialsystem gibt, welches dadurch zu ersetzen wäre. Aber ein BGE in unterentwickelten Staaten scheint ja noch viel naheliegender zu sein. Wenn einfach jeder ein Recht auf dieses Einkommen hat, haben es korrupte Strukturen schwieriger, jenes Geld abzugreifen. Auch ist es eine liberale Idee, die die Menschen nicht bemuttert, sondern ihnen den vollen Spielraum bei ihren Ausgaben überlässt. Zwar wäre es im Anbetracht der niedrigeren Lebenshaltungskosten sicherlich nicht günstig, aber mit dem entsprechenden politischen Willen finanzierbar.

Aber reicht es, einfach breitflächig Geld zu geben, und die Strukturen kommen von alleine? Oder ist das dann doch zu simpel gedacht?


Danke für das Teilen dieses tollen Artikels, hat Spaß gemacht diesen zu lesen.

Zumindest privater "Wohlstand" wird denke ich nach einiger Zeit eine Folge des BGE sein. Das Problem auf lange Sicht ist zum Beispiel immer noch die fehlende Infrastruktur in diesen Dörfern. Ohne eine zukunftsträchtige Infrastruktur kann auf lange Sicht kein Wohlstand generiert werden.
Eine Frage ist auch, wenn dieses Projekt endet werden die Menschen die eine Förderung erhalten haben sich auf lange Sicht selbst tragen können?

Eine gewisse staatliche Struktur der man glauben schenkt und die im Sinne des Volkes handelt wird letzten Endes entscheiden ob das alles so klappt wie geplant.

@krone Artikel gelesen?
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Ger9374 » Sa 27. Jan 2018, 20:28

Unser Sozialstaat deckt bedürftigkeit wohl in
einem hohen masse ab.BGE sehe ich als spiel mit dem sozialen frieden. Die Solidargemeinschaft
trägt schwache und minder verdienende.
Was sollte BGE daran ändern?
Der anreiz für menschen die aus anderen Ländern
kommen wird unangemessen erhöht.
Könnte probleme geben.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Troh.Klaus » Sa 27. Jan 2018, 21:01

Ein interessanter Artikel, ja, und ein interessanter Ansatz.

Schwer zu sagen, wie sich das a la longue auswirken wird. Vor allem dürfte auch eine Übertragung der Ergebnisse dieser punktuellen Kleinversuche auf "flächendeckende" Projekte nicht gerade straight forward werden.

Aber ja, die herkömmliche Entwicklungshilfe hat die gesetzten Erwartungen eher nicht erfüllt. Wobei man natürlich sehr differenziert hinschauen muss. "Afrika" ist alles andere als ein Monolith. In dem einem Land hat es aus vielerlei Gründen nicht funktioniert, in anderen gab es durchaus kleine Erfolge. Auf denen dann auch eine Organisation wie Give Directly aufsetzen kann, was in dem Artikel auch angesprochen wird.

Ich befürchte allerdings, dass das Bevölkerungswachstum in den meisten Entwicklungsländern die gut gemeinten wie die gut gemachten Hilsprojekte letztlich konterkarieren wird.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Tom Bombadil » So 28. Jan 2018, 14:08

Sehr interessanter Artikel. Da kommt das Geld dann endlich da an, wo es auch benötigt wird: bei den Menschen. Es wäre schön, wenn das wirklich funktionieren und dann Schule machen würde. Ein Lichtblick für Afrika!
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon H2O » So 28. Jan 2018, 14:21

Watchful_Eye hat geschrieben:(27 Jan 2018, 19:45)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia- ... 79744.html

Meistens diskutieren wir im Westen über ein bedingungsloses Grundeinkommen hierzulande; hier, wo es eigentlich schon ein gut durchdachtes Sozialsystem gibt, welches dadurch zu ersetzen wäre. Aber ein BGE in unterentwickelten Staaten scheint ja noch viel naheliegender zu sein. Wenn einfach jeder ein Recht auf dieses Einkommen hat, haben es korrupte Strukturen schwieriger, jenes Geld abzugreifen. Auch ist es eine liberale Idee, die die Menschen nicht bemuttert, sondern ihnen den vollen Spielraum bei ihren Ausgaben überlässt. Zwar wäre es im Anbetracht der niedrigeren Lebenshaltungskosten sicherlich nicht günstig, aber mit dem entsprechenden politischen Willen finanzierbar.

Aber reicht es, einfach breitflächig Geld zu geben, und die Strukturen kommen von alleine? Oder ist das dann doch zu simpel gedacht?


Vermutlich wird eine solche persönliche Beihilfe zum Lebensunterhalt wirkungslos verpuffen. Unsere Lebenserfahrung sagt doch: "Ohne Fleiß kein Preis!" Wenn der Preis ohnehin kommt, was soll denn da noch der Fleiß?

Aus meiner Sicht sollten wir mit dem Geld Schulen und Ausbildungsstätten und Hochschulen aufbauen und betreiben, und zwar mit rein technisch-fachlicher Ausbildung, damit der Vorwurf der politischen Verführung ins Leere geht.

Für mich ist immer wieder der gestrenge Präsident Kagame in Vorbild, der genau diesen Weg mit Ruanda verfolgt. Wo immer sich solche Ansätze zeigen, dort hinein gehen mit einem derartigen Programm.

Ich meine aber, daß wir diesen Strang besser in die Unterabteilung "Afrika" verschieben sollten. Huch, da ist er ja schon! :D
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Tom Bombadil » So 28. Jan 2018, 14:47

HAst du den Artikel gelesen? Von den Beispielen lag keiner auf der faulen Haut, sondern hat investiert und arbeitet. Kann natürlich sein, dass es nur ein paar positive Beispiele gibt und der Rest der Geldempfänger im Vollrausch den Tag verbringt.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon H2O » So 28. Jan 2018, 15:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(28 Jan 2018, 14:47)

HAst du den Artikel gelesen? Von den Beispielen lag keiner auf der faulen Haut, sondern hat investiert und arbeitet. Kann natürlich sein, dass es nur ein paar positive Beispiele gibt und der Rest der Geldempfänger im Vollrausch den Tag verbringt.


Schon richtig: Es kommt wohl darauf an, welche Wahrheit der Berichter für die richtige hält. Ich bin von Natur aus sehr mißtrauisch, was die innere Haltung von Menschen betrifft. Kaum einer ist wirklich böse, aber viele sind doch um keine gute Ausrede verlegen, wenn etwas nicht so gelungen ist, wie man das hätte erwarten sollen.

Deshalb erwähnte ich den gestrengen Präsidenten Kagame, über den Rupert Neudeck des Lobes voll war. Präsident Kagame ist derzeit auch Präsident der Afrikanischen Union. Vielleicht kann er dort Beispiele geben... das würde mich ehrlich freuen.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Brainiac » So 28. Jan 2018, 16:04

Es ist schon richtig, die bislang versuchten Formen von Entwicklungshilfe waren allesamt wenig erfolgreich, warum nicht was Neues ausprobieren. Und ja, die Leute dort machen lassen ist grundsätzlich sinnvoll, Afrika kann sich nur selbst entwickeln, kein Konzept und keine Organisation von aussen kann das. Und wenn das sehr, sehr lange dauert, dann dauert es eben sehr, sehr lange. :|

Aber völlig ohne Gegenleistung, nicht einmal in Form von Absichtserklärungen, was man mit dem Geld zu tun gedenkt? Da scheint mir die Versuchung, das Geld einfach mitzunehmen und sonst nichts nachhaltig zu verändern, doch sehr hoch. Den Positivmeldungen dieses Projektes traue ich nur bedingt über den Weg. Und flächendeckend dürfte es dann doch irgendwann auch Finanzierungsprobleme geben, neben der bereits aufgeworfenen Frage, wie man das organisiert und verhindert, dass korrupte Strukturen sich bereichern. 22$ pro Monat macht bei über 1 Mrd Menschen über 200 Mrd p.a., das wäre sogar möglich, aber andere Formen der Entwicklungshilfe müssten dann zurückstehen. Dazu kommen eine Menge Transaktionskosten, wenn man wirklich sicherstellen will, dass das Geld bei den Menschen ankommt.

Aber wie gesagt, im kleineren Maßstab kann und soll man das gerne weiter ausprobieren. Wichtig wäre, das über einen längeren Zeitraum zu beobachten, wenn die Anfangseuphorie verflogen ist.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Alpha Centauri » So 18. Feb 2018, 10:22

Watchful_Eye hat geschrieben:(27 Jan 2018, 19:45)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/kenia- ... 79744.html

Meistens diskutieren wir im Westen über ein bedingungsloses Grundeinkommen hierzulande; hier, wo es eigentlich schon ein gut durchdachtes Sozialsystem gibt, welches dadurch zu ersetzen wäre. Aber ein BGE in unterentwickelten Staaten scheint ja noch viel naheliegender zu sein. Wenn einfach jeder ein Recht auf dieses Einkommen hat, haben es korrupte Strukturen schwieriger, jenes Geld abzugreifen. Auch ist es eine liberale Idee, die die Menschen nicht bemuttert, sondern ihnen den vollen Spielraum bei ihren Ausgaben überlässt. Zwar wäre es im Anbetracht der niedrigeren Lebenshaltungskosten sicherlich nicht günstig, aber mit dem entsprechenden politischen Willen finanzierbar.

Aber reicht es, einfach breitflächig Geld zu geben, und die Strukturen kommen von alleine? Oder ist das dann doch zu simpel gedacht?



Viele Organisationen fordern seit je her ein.globales Grundeinkommen und dass der Staat endlich seine Aufgaben macht Grundbedürfnisse seiner Bürger bedinungslos zu gewährleisten , Schutz vor Straftaten und Schutz des Eigentums, die erste Aufgabe erfüllt bis heute kein Staat im vollen Umfang, ein Skandal
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen als Entwicklungshilfe?

Beitragvon Troh.Klaus » So 18. Feb 2018, 13:53

Der "Staat" und "seine Bürger", das sind bekanntlich zwei völlig disjunkte Sachen. Dieser ominöse Staat ist so eine Art Magier, der alle möglichen Wohltaten für seine Bürger aus seinem Hut zaubern könnte, wenn er nur wollte. Dass er das nicht längst als seine Hauptaufgabe ansieht, wirklich ein Skandal. Man sollte diesen unnützen Staat einfach abschaffen, dann könnten sich die Bürger endlich selbst aus dem Zauberhut bedienen.

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