Good news on Radio Africa

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H2O
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon H2O » Do 23. Feb 2017, 09:33

Ein deutsche Normalverbraucher kann sich doch so gut wie gar keine eigene Meinung über Afrika bilden. Abgesehen von einigen Gruselmeldungen um Mali und Nigeria und Boko Haram herum findet Afrika in unseren Medien kaum statt. Ok, der Ansturm von Wirtschaftsflüchtlingen auf Ceuta und Melilla wird berichtet. Mugabe feiert seinen 100. Geburtstag im Präsidentenamt... Glückwünsche von Al Shabah. Und Hungersnot im Sudan.

Selbst Süd-Afrika kommt kaum noch vor; das war vor Jahrzehnten etwas anders.

Man kann dem Entwicklungsminister nur Glück wünschen bei seiner Auswahl von Ländern, in denen angeblich gute Regierungsführung sich verfestigt. Vielleicht wäre eine Bildungs- und Ausbildungsanstrengung in ehemals deutschen Kolonien ein Zeichen unseres guten Willens, dort nun wenigstens heute die Grundsteine für den Eintritt in eine gute Zukunft zu legen? Mit der Gießkanne wird das nie etwas!
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Brainiac
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon Brainiac » Do 23. Feb 2017, 10:00

H2O hat geschrieben:(23 Feb 2017, 09:33)

Ein deutsche Normalverbraucher kann sich doch so gut wie gar keine eigene Meinung über Afrika bilden.

"Kann nicht" ist vielleicht nicht der passende Ausdruck. Eher "es wird ihm nicht auf dem Silbertablett serviert". Man muss sich tatsächlich selbst interessieren und ua. bereit sein, auf englisch zu lesen, dann gibt es genug, von "hier aus"

http://www.bbc.com/news/world/africa
http://allafrica.com/
http://m.news24.com/news24/Africa

oder auch, authentischer, vor Ort

http://m.onlinenewspapers.com/africa-newspapers.htm
http://www.latestnigeriannews.com/today/punch/nigeria-punch-newspaper-headlines-today

Vielleicht wäre eine Bildungs- und Ausbildungsanstrengung in ehemals deutschen Kolonien ein Zeichen unseres guten Willens, dort nun wenigstens heute die Grundsteine für den Eintritt in eine gute Zukunft zu legen?

Das könnte vielleicht missverstanden werden.

Mit der Gießkanne wird das nie etwas!

Nein, allerdings bleibt das Problem, wie man das verhindert, große Programme erfordern Verwaltung, u.a. im BMZ oder bei der GIZ, und diese neigt per se zum Budgetdenken. Dann gibt es eben zwangsläufig auch Situationen wie "wir haben jetzt noch 5 Mio für Land X, wie kriegen wir die ausgegeben?" Halte ich bis zu einem gewissen Grad für unvermeidlich.
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H2O
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon H2O » Do 23. Feb 2017, 10:40

Brainiac hat geschrieben:(23 Feb 2017, 10:00)

"Kann nicht" ist vielleicht nicht der passende Ausdruck. Eher "es wird ihm nicht auf dem Silbertablett serviert". Man muss sich tatsächlich selbst interessieren und ua. bereit sein, auf englisch zu lesen, davon gibt es genug, von "hier aus"

http://www.bbc.com/news/world/africa
http://de.euronews.com/nachrichten/afrika

oder auch, authentischer, vor Ort

http://www.latestnigeriannews.com/today/punch/nigeria-punch-newspaper-headlines-today


Das könnte vielleicht missverstanden werden.


Nein, allerdings bleibt das Problem, wie man das verhindert, große Programme erfordern Verwaltung, u.a. im BMZ oder bei der GIZ, und diese neigt per se zu Budgetdenken und Kameralistik. Dann gibt es eben zwangsläufig auch Situationen wie "wir haben jetzt noch 5 Mio für Land X, wie kriegen wir die ausgegeben?" Halte ich bis zu einem gewissen Grad für unvermeidlich.


Das alles ist wirklich zu befürchten. Ja, mit einem Interessenschwerpunkt "Afrika" kann sich auch ein Normalverbraucher kundig machen. Ist er dann aber noch ein Normalverbraucher, oder doch schon eher jemand mit Interessenschwerpunkt Afrika? Was tut man mit dem kärglichen Rest des Weltgeschehens?

Mit Blick auf Ihre sehr berechtigte Annahme "Das könnte leicht mißverstanden werden" (Bildungs- und Ausbildungshilfe): Der leider inzwischen verstorbene Rupert Neudeck war eng befreundet mit einem ansonsten als Diktator beschimpften Präsidenten von Ruanda (die mit dem Hutu-Tutsi-Völkermord.) Dieser Präsident hatte dankbar die Hilfe zur Selbsthilfe im Handwerksbereich angenommen, und die Berichte darüber klangen durchweg sehr anerkennend. Ich weiß auch nicht, ob die Freundschaft der beiden infolge der großzügigen Ausbildungshilfe entstanden ist, oder ob die Hilfe eine Folge bestehender Freundschaft war. Was heute daraus geworden ist, müßte ich jetzt erst einmal suchen. Ruanda scheint aber ein Staat zu sein, der sein Glück mit guter Regierungsführung versucht. Der Präsident kann da schon einmal fürchterlich ausrasten, wenn schräge Sachen zu Tage kommen.

Ruanda war von 1884 bis 1916 eine deutsche Kolonie in Zentralafrika:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ruanda
http://www.deutschlandfunk.de/neudeck-r ... e_id=67006
http://www.deutschlandfunk.de/20-jahre- ... _id=281983

An solche Kanäle der Hilfe denke ich: Keine deutsche Regierung, sondern eine internationale Organisation wie die "Grünhelme", die sich vor Ort umsieht und überlegt, wo der grundlegende Mangel sich aufstaut. Erkennbares Bemühen um gute Regierungsführung vorausgesetzt und sehr enge Einbindung dieser Kräfte in das Projekt. Dann läßt sich das erwartbare Mißverständnis vielleicht vermeiden. Der reiche Onkel aus Europa läßt die Puppen tanzen... das wird nix! Nach etwa 50 Jahren dieser Verfahrensweise sollte diese Tatsache sich herum gesprochen haben.

Wo solche Randbedingungen nicht an zu treffen sind, da gibt es dann eben keine Hilfe zur Selbsthilfe. Wozu auch? Mehr Geld kann man gar nicht sparen!
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon Quatschki » Do 23. Feb 2017, 11:44

Vielleicht sollten wir aufhören, unsere Maßstäbe auf die Afrikaner zu projezieren.
Das sind doch auf ihre Art sehr vitale Gesellschaften,
Zu unterstelllen, sie müßten danach streben, so zu werden wie westliche oder fernöstliche Leistungsgesellschaften ist auch eine Art von Kulturimperialismus.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon Welfenprinz » Do 23. Feb 2017, 12:03

Dann geb ich auch mal meinen Senf dazu. Eine Bekannte von mir ist in einem Dorf im Senegal,also nicht einmal sondern öfter.
Also:
Der aus Europa zurück gekehrte (unter Afrikanern ist die Weiter bzw Rückwanderungsquote recht hoch) Ex -Flüchtling,der jetzt versucht andere davon abzuhalten sich auf den Weg nach Europa zu machen,wird massiv angefeindet. Es wird ihm unterstellt den anderen die Chance aufs Glück zu nehmen.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon Brainiac » Do 23. Feb 2017, 12:51

Tja, das glaube ich gut und gerne.

Auch er

Wenn man seinen Namen googelt, kann die größte Suchmaschine der Welt noch nicht so richtig etwas anfangen mit Nji Collins Gbah. Google macht erst einmal andere Namensvorschläge, obwohl der Konzern Nji Collins Gbah, 17, gerade einen Preis verliehen hat, er ist der erste afrikanische Gewinner des Google Code-In, eines weltweiten Wettbewerbs für Nachwuchsprogrammierer. Im Sommer darf der 17-Jährige aus Kamerun in die Zentrale des Unternehmens nach Kalifornien.

sagt

"Eines Tages würde ich gerne dort arbeiten", sagte Collins der BBC.

vermutlich u.a. weil

Nji kommt aus Bamenda, einer Stadt mit 500 000 Einwohnern im Nordwesten des Landes. In den vergangenen Jahren hat eine schnelle Anbindung an das Internet einige Jobs entstehen lassen, das Netz ist für Schüler wie Nji eine große Chance. Die Regierung in der Hauptstadt Yaoundé sieht es eher als Gefahr und kappte in Teilen des Landes die Leitungen. Die sozialen Netzwerke wurden schon länger zensiert. Um Aufrührern und Kriminellen das Handwerk zu legen, behaupteten die Machthaber. Letztlich geht es aber um den Konflikt zwischen der französischsprachigen Bevölkerungsmehrheit und der Minderheit der Anglofonen, die etwa elf Prozent ausmachen.

:|

http://www.sueddeutsche.de/politik/profil-nji-collins-gbah-1.3375310
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Re: Good news on Radio Africa

Beitragvon Brainiac » Do 23. Feb 2017, 13:12

Allerdings:

Jahrzehntelang litt Afrika unter dem sogenannten Brain-Drain – der Auswanderung von einheimischen Fachkräften.

[...]

Doch langsam dreht sich der Trend um. Seit der Jahrtausendwende erlebt Afrika einen bisher ungekannten Boom. Die ökonomische Leistungskraft von Ländern wie Äthiopien, Ruanda, Ghana, Angola oder Nigeria wuchs im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre mit mehr als fünf Prozent pro Jahr. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch, auch wenn sie nicht überall westliche Standards erfüllt. Die Regierungsführung hat sich verbessert. Auch die Zahl der bewaffneten Konflikte ging zurück.

Von der afrikanischen Diaspora wird diese Entwicklung genau verfolgt. Denn wie die Recycling-Unternehmerin Adebiyi-Abiola vermissen auch andere ihre Heimat. Umfragen unter im Ausland lebenden Afrikanern haben ergeben, dass etwas mehr als die Hälfte von ihnen in ihre Heimatländer zurückkehren würden, wenn die Bedingungen stimmten. Gemeint ist: die Chance auf eine interessante, anspruchsvolle und gut bezahlte Arbeit.

Die Emigranten machen sich nichts vor, sie wissen, dass Korruption und Klientelismus, hohe Kriminalität und Schlaglöcher auf den Straßen, schlechte Schulen und Krankenhäuser noch immer weit verbreitet sind. Doch zugleich zeigen sich jede Menge unbesetzte ökonomische Nischen – und wenig Konkurrenz. "Das Geschäftsumfeld ist oft etwas rau, aber es gibt so viel kreatives Potenzial in Afrika, das nur darauf wartet, angezapft zu werden", sagt Samuel Mensah, Gründer der Bekleidungsfirma Kisua. Der Ghanaer ist einer der erfolgreichen Rückkehrer: Lange arbeitete er als Investmentbanker und Finanzanalyst im Ausland, unter anderem in London für die Deutsche Bank. Doch 2013 zog er nach Südafrika, um einen Online-Shop für afrikanische Mode zu gründen. Er nannte ihn Kisua, was in Suaheli "gut angezogen" bedeutet. Inzwischen verkauft Kisua nicht nur Mode, sondern entwirft auch eigene Kollektionen. "Ich habe meinen Schritt noch nie bedauert", sagt Mensah. Zu seinen Kunden gehören inzwischen Beyoncé, Michelle Obama, Rihanna und Gwen Stefani.

[...]

In mehreren Ländern sind inzwischen Agenturen entstanden, die sich auf Rekrutierung von Diaspora-Afrikanern für Top-Jobs auf dem Kontinent spezialisiert haben. Sie helfen den Rückkehrern, ihr Leben in Afrika neu zu organisieren, vermitteln Häuser und Wohnungen und suchen Schulen für die Kinder.

[...]

"Das Leben in Afrika ist ein Dschungel, es gibt viele Gauner, die es auf dein Geld abgesehen haben", sagt Obi Emelonye, ein Nigerianer mit britischem Pass, der in London Jura studierte und danach jahrelang als Anwalt praktizierte. "Aber ich träumte immer vom Filmemachen, deswegen kehrte ich nach Nigeria zurück. Ich liebe den Witz der Leute, ihre Kreativität."
http://www.zeit.de/2017/03/ausbildung-im-ausland-rueckkehr-afrika-wirtschaft-entwicklung

Wäre interessant, dazu mal ein paar Statistiken zu sehen.
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