Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

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jack000
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Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon jack000 » Sa 18. Apr 2015, 20:42

Eritrea ist der jüngste Staat in Afrika und hat seine Existenz erst durch einen jahrzehntelangen Krieg zu verdanken.
Insgesamt leben 9 verschiedene Bevölkerungsgruppen/Religionen in diesem Staat. Ein friedliches zusammenleben dieser Bevölkerungsgruppen/Religionen ist ohne Probleme möglich, allerdings steht diese Staatsform unter Kritik.
Insgesamt aber kann Eritrea trotz aller Kritik sehr große Erfolge im Bereich Entwicklungsfortschritt aufweisen und die Bedingungen dort zu leben sind nicht die schlechtesten in Afrika:

Der Sender "ARTE" hat einen Bericht zusammengestellt, der die Situation im Land aufzeigt (Es handelt sich um 1 Artikel den ich aufgestückelt habe):

Die veraltete ÖPNV Technik vergammelt nicht, sondern wird gepflegt und genutzt:
https://www.youtube.com/watch?v=uMxRj6gaxq8

Eritrea ist vielfältig:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=102

Religionsfreiheit:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=153

Freiher Handel ist möglich:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=381

Umweltschutz wird sehr streng gehandhabt:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=523

Entwicklungshilfe ist sehr erfolgreich:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=550

Lokale Demokratie wird gelebt:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=639

Es gibt sehr fähige Handwerker:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=843

Es werden alte Gotteshäuser renoviert:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=998

Archäologen können ihre Arbeit machen:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1030

Ein freier Markt findet statt:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1244

Tiere werden respektiert:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1372

Auch kleinere Städte überzeugen:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1398

Moslems und Christen können ohne Probleme zusammenleben:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1413

Handwerkliche Fähigkeiten sind vorhanden, eine Selbstständigkeit für Frauen ist kein Problem:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1433

Die Regierung ist durchsetzungsfähig:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1553

Es gibt Ausbildungsplätze im Handwerk:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1569

Frauen sind nicht rechtlos:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1637

Plastiktüten sind verboten, Umweltverschmutzung wird bestraft:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1837

Ein Zusammenleben in der Hauptstadt (ca. 400.000 Einwohner) ist zwischen Christen und Moslems kein Problem:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=1898

Die Hauptstadt ist sehr sauber und Kriminalität wie z.B. Taschendiebstahl kommt quasi nicht vor:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=2197

Eine Alleinerziehende kann von Taxifahren leben und 2 Kinder erziehen die in die Schule gehen:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=2240

Recycling wird großgeschrieben:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=2398

Nach der Arbeit stehen Vergnügungsstätten zur Verfügung:
https://youtu.be/uMxRj6gaxq8?t=2398

=> Es ist nicht so, dass alles i.O. ist in diesem Land, aber die Lage wird doch medial schlechter rübergebracht als diese eigentlich ist?
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Adam Smith » Sa 18. Apr 2015, 21:08

jack000 » Sa 18. Apr 2015, 21:42 hat geschrieben:=> Es ist nicht so, dass alles i.O. ist in diesem Land, aber die Lage wird doch medial schlechter rübergebracht als diese eigentlich ist?


Viele Reporter mögen Eritrea nicht. Auch die UNO beurteilt das Land negativ.

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fi ... t_2015.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon jack000 » So 19. Apr 2015, 18:39


Ich würde auch Eritrea nicht als einen Staat ansehen bei dem alles in Ordnung ist, aber man sollte sich als Deutscher da nicht auf so ein hohes Ross setzen.
Es ist nicht lange her, als es in Deutschland noch 2 Jahre Wehrdienst gab. Wer daran nicht teilnehmen wollte kam ins Gefängnis.

Insgesamt sitzen 0,16% aller Eritreaer im Gefängnis, in den USA sind es 1% => Also fast 10 mal soviel! Aber niemand aus den USA bekommt in Deutschland Asyl und niemand aus Deutschland bekam damals irgendwo weltweit Asyl.

Ein Video aus der Schweiz zum Thema "National Service":


Was ich am "National Service" nicht verstehe warum Menschen aus Eritrea in Bereichen eingesetzt werden die auch privatwirtschaftlich eingesetzt werden würden (u.a. warum muss ein unterbezahlter Beamter in einem Hotel arbeiten? )
=> Generell spricht aber nichts gegen einen "National Service" und sowas würde ich mir auch für Deutschland wünschen (Allerdings mit Auswahlmöglichkeit).
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Marie-Luise » So 19. Apr 2015, 18:44

Deutschland hat extrem viele Eriträer aufgenommen.

Laufend werden weitere aufgenommen, weil sie angeblich im eigenen Land so verfolgt würden.

Ich glaube das nicht.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Blickwinkel » So 19. Apr 2015, 19:08

Marie-Luise » So 19. Apr 2015, 19:44 hat geschrieben:Deutschland hat extrem viele Eriträer aufgenommen.

Laufend werden weitere aufgenommen, weil sie angeblich im eigenen Land so verfolgt würden.

Ich glaube das nicht.


Ich schon! Der letzte Bericht aus Eritrea hat gezeigt, dass dort die Menschen so eingeschüchtert sind, dass niemand mit den ausländischen Journalisten (ARD) reden wollte. Niemand! Es gibt einen Fernsehsender und eine Zeitung (alles staatlich). Ein Traumland oder etwa nicht? Wäre doch was für dich, keine Lügenpresse, keine Demokratie, keine nervigen Debatten usw.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Marie-Luise » So 19. Apr 2015, 19:12

Blickwinkel » So 19. Apr 2015, 20:08

Wäre doch was für dich, keine Lügenpresse, keine Demokratie, keine nervigen Debatten usw.


Du kannst es wohl nicht lassen, immer gleich unverschämt zu werden.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Blickwinkel » So 19. Apr 2015, 19:21

Marie-Luise » So 19. Apr 2015, 20:12 hat geschrieben:
Du kannst es wohl nicht lassen, immer gleich unverschämt zu werden.


Wieso unverschämt? Für dich ist Eritrea doch ein Land, aus dem es keinen Grund gibt, zu fliehen. Also nehme ich doch an, dass du auch in den dortigen Verhältnissen problemlos leben würdest.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon JJazzGold » Mo 20. Apr 2015, 09:32

jack000 » Sa 18. Apr 2015, 21:42 hat geschrieben:Eritrea ist der jüngste Staat in Afrika und hat seine Existenz erst durch einen jahrzehntelangen Krieg zu verdanken.
Insgesamt leben 9 verschiedene Bevölkerungsgruppen/Religionen in diesem Staat. Ein friedliches zusammenleben dieser Bevölkerungsgruppen/Religionen ist ohne Probleme möglich, allerdings steht diese Staatsform unter Kritik.
Insgesamt aber kann Eritrea trotz aller Kritik sehr große Erfolge im Bereich Entwicklungsfortschritt aufweisen und die Bedingungen dort zu leben sind nicht die schlechtesten in Afrika:

Der Sender "ARTE" hat einen Bericht zusammengestellt, der die Situation im Land aufzeigt (Es handelt sich um 1 Artikel den ich aufgestückelt habe):



=> Es ist nicht so, dass alles i.O. ist in diesem Land, aber die Lage wird doch medial schlechter rübergebracht als diese eigentlich ist?


Ganz im Gegenteil, es lebte sich schon wesentlich besser in Eritrea, als es heute der Fall ist. Industrie, soweit sie überhaupt vorhanden war, wurde nachhaltig zerstört, ebenso wie die Landwirtschaft. Das Land kann seine Bewohner nicht mehr ernähren, die Dikatur dieses debilen Generals Afewerki zwangrekrutiert für ihr Militär, und zwar direkt von der Straße auf Lastwägen, junge Männer, die damit nicht mehr zum Familienerhalt beitragen können. Die UNO wurde aus dem Land geworfen. Geht man über den früher von einheimischen Produkten geprägten Markt in Asmara, findet man heute nur noch billige "Made in China" Waren. Für Millionen wurde in Massawa ein ausgezeichneter Airport errichtet, der nicht genutzt wird. Wie auch, im jetzigen Eritrea lohnt sich weder Invest, noch Tourismus. Der Abbau des Goldes erfolgt zwar über eine ausländische Firma, aber die staatlichen 40% des Ertrags fliessen ausschliesslich in die Kassen Afewekis und Konsorten. Schulen verrotten, trotz ausländischer Hilfgelder.

Dabei ist Eritrea eines der schönsten afrikanischen Länder, mit sehr sanftmütigen Menschen, wahrscheinlich der Grund weshalb dieser verachtenswerte Diktator noch an der Macht ist, mit einer unbeschreibliche schönen und unverbauen Landschaft, UNO
Weltnaturebene, einer exzellenten Küche, so die Zutaten zu bekommen sind, interessantem kulturellen Erbe der itlienischen Besatzungszeit und in der Tat einem unproblematischen Zusammenleben unterschiedlicher Religionen, wobei die ursprüngliche jüdische Gemeinde heute auf fünf Familien reduziert ist.

Die Eriträer haben lange daran geglaubt einen erfolgreichen eigenständigen Staat aufbauen zu können. Israel war ihnen dabei ein Beispiel und sie sind heute noch mit Israel freundschaftlich und, wenn auch nur marginal geschäftlich verbunden. Dank dieses menschenverachtenden Bastards Afeweki ist daraus nichts geworden. Heute hungern die Eriträer und zwar in jedem Aspekt, von Nahrung bis zu Bildung, und ich kann jeden Eriträer verstehen, der sein Land verlässt, in der Hoffnung eines Tages zu veränderten lebenswerten Zuständen zurückkehren zu können.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Alexyessin » Mi 22. Apr 2015, 01:15

Eritrea ist übrigens nicht der jüngste Staat Afrikas - das ist Südsudan. Nur mal nebenbei bemerkt.

Und ja, Eritrea ist wie der Rest vom Horn von Afrika mit Sicherheit nicht gerade friedvoll. Und ich denke ebenfalls, das es sich da um einen Unrechtsstaat handelt. Leider ist auch hier das Postkoloniale Erbe spürbar und die Nähe zu dem, was sich Somalia nennt macht den ganzen Staatskomplex nicht gerade sicherer.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Platon » Mi 22. Apr 2015, 02:27

lustig war die Aktion, als die gesamte Fußballnationalmannschaft nach einem Turnier das Weite gesucht hatte. Das ist wohl mittlerweile 2mal passiert, 2009 und 2012.
18 Spieler der eritreischen Nationalmannschaft sind während eines Fußball-Turniers in Uganda geflohen. Die Polizei vermutet, dass sie sich wegen der schlechten Menschenrechtslage in ihrem Heimatland in den Vororten von Ugandas Hauptstadt Kampala verstecken.

Die Beamten begannen am Dienstag mit der Suche nach den Fußballern, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Mannschaft war bei dem Turnier in Uganda ausgeschieden und sollte am Dienstag in ihre Heimat zurückfliegen. Eine Flucht sei für die eritreischen Spieler nicht ungewöhnlich, berichtete die lokale Zeitung "Daily Monitor". Nach einem Turnier im Jahr 2009 in Kenia sei nur der Trainer nach Eritrea zurückgekehrt.

Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch regiert in Eritrea eines der repressivsten Regimes der Welt.

Die Menschenrechtslage in dem nordostafrikanischen Land sei bedenklich, die Bürger müssten oft willkürliche Festnahmen, Folter sowie Einschränkungen der Rede- und Relegionsfreiheit hinnehmen.

http://www.welt.de/sport/fussball/artic ... ganda.html

daran erkennt man, dass die Leute offenbar sehr motiviert sind das Land zu verlassen, 2014 haben sie in den Niederlanden Asyl erhalten
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon bakunicus » Mi 22. Apr 2015, 02:38

tja nun ...
jack ist zwar ein hardliner, und doch ein aufrechter charakter ...
und das schätze ich bei ihm ...

und doch ...
wer von uns hat schon alle länder besucht ?
wer von uns kann sich über weltspiegel und auslandsjournal ein urteil erlauben ?

niemand oder alle ?
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon jack000 » Mi 22. Apr 2015, 04:29

bakunicus » Mi 22. Apr 2015, 03:38 hat geschrieben:und doch ...
wer von uns hat schon alle länder besucht ?
wer von uns kann sich über weltspiegel und auslandsjournal ein urteil erlauben ?

niemand oder alle ?

Genau das ist doch der Punkt. Die 2 verlinkten Berichte sind doch keine freie Erfindung oder Propaganda.
Es heisst ja, das Eritrea das "Nordkorea" Afrikas wäre, aber wenn ein Staat sich nachvollziehbar stärker verteidigen (Viele Jahre Krieg hat es gegeben um diesen Staat überhaupt zu schaffen) muss als eigentlich notwendig, ist es klar das in einer aufwendigeren Weise (gerade wenn man sich mal die Nachbarn anschaut) dieser Staat sich schützen will.
=> Daher sehe ich Eritrea nicht als das "Nordkorea" Afrikas an, sondern als das "Singapur" Afrikas!

Insgesamt bin ich mit Vorurteilen bei der Suche nach Informationen über Eritrea ins Netz gegangen, wurde aber überrascht mit (positiven) Informationen über dieses Land die ich so nicht erwartet hätte ...
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Adam Smith » Mi 22. Apr 2015, 04:56

jack000 » Mi 22. Apr 2015, 05:29 hat geschrieben:=> Daher sehe ich Eritrea nicht als das "Nordkorea" Afrikas an, sondern als das "Singapur" Afrikas!
...


Singapur steht für Handel und Wohlstand. Bei Eritrea erscheint bei Google beim Stichwort Handel nur dieses:

Vom Horn von Afrika zum Nahen Osten: grenzüberschreitender Menschenhandel mit eritreischen Asylsuchenden


http://menschenhandelheute.net/2014/02/ ... rea-sinai/

Und hier mal dazu im Vergleich Singapur:

Mumbai. Bis auf Reis, Autos, Benzin, Zigaretten und Alkohol gibt es kaum Produkte, die in Singapur grundsätzlich nur mit Einschränkungen oder gegen Zoll eingeführt werden können. Der Hafen des Landes und seine Zollbehörde zählen zu den effizientesten der Welt. Und die Regierung legt großen Wert auf ihre 18 bisher abgeschlossenen bilateralen Freihandelsabkommen, die sie als „Schnellverbindungen“ zu wichtigen Volkswirtschaften und neuen Märkten bezeichnet.


http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 08038.html
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Apr 2015, 06:50

jack000 » Mi 22. Apr 2015, 05:29 hat geschrieben:Genau das ist doch der Punkt. Die 2 verlinkten Berichte sind doch keine freie Erfindung oder Propaganda.
Es heisst ja, das Eritrea das "Nordkorea" Afrikas wäre, aber wenn ein Staat sich nachvollziehbar stärker verteidigen (Viele Jahre Krieg hat es gegeben um diesen Staat überhaupt zu schaffen) muss als eigentlich notwendig, ist es klar das in einer aufwendigeren Weise (gerade wenn man sich mal die Nachbarn anschaut) dieser Staat sich schützen will.
=> Daher sehe ich Eritrea nicht als das "Nordkorea" Afrikas an, sondern als das "Singapur" Afrikas!

Insgesamt bin ich mit Vorurteilen bei der Suche nach Informationen über Eritrea ins Netz gegangen, wurde aber überrascht mit (positiven) Informationen über dieses Land die ich so nicht erwartet hätte ...



Eritrea als das Singapur Afrikas? Das ist angesichts der dort herrschenden Verhältnisse reiner Hohn. Die Eriträer stellen seit Jahren eine der größten Gruppe der Asylsuchenden, das machen sie wahrscheinlich, weil sie den Wohlstand in ihrem Land nicht ertragen. Sarkasmus off.

Davon ausgehend, dass Ihnen weder Singapur noch Eritrea ausserhalb des Internets bekannt sind, schlage ich Ihnen vor erst den Stadtstaat Singapur zu besuchen und dann Eritrea von Asmara bis Massawa mitsamt allem was dazwischen liegt, damit Ihnen der gravierende Unterschied vor Augen geführt wird. Das fängt bei der Erreichbarkeit und der Hotelsuche an und hört beim Essensangebot und der staatlichen Genehmigung die man benötigt um sich von Asmara nach Massawa zu bewegen auf.

Kein Wunder, dass selektive Information dazu führt, dass sich ein pauschales "die lügen doch alle" in Köpfen mit wenig Bildung und Erfahrungen vor Ort festsetzt und in Pagida Applaus fortsetzt, wenn hier solche Falschmeldungen kursieren.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Apr 2015, 07:03

Alexyessin » Mi 22. Apr 2015, 02:15 hat geschrieben:Eritrea ist übrigens nicht der jüngste Staat Afrikas - das ist Südsudan. Nur mal nebenbei bemerkt.

Und ja, Eritrea ist wie der Rest vom Horn von Afrika mit Sicherheit nicht gerade friedvoll. Und ich denke ebenfalls, das es sich da um einen Unrechtsstaat handelt. Leider ist auch hier das Postkoloniale Erbe spürbar und die Nähe zu dem, was sich Somalia nennt macht den ganzen Staatskomplex nicht gerade sicherer.



Die Besetzung und Verwaltung Eritreas durch die Italiener wird von den Eritäern hoch geschätzt. Die Italiener brachten Schulen, wirtschaftlichen Aufschwung und Kultur, die bis heute in architektonischen Resten erkennbar ist. Man kann sich nach wie vor mit vielen Eriträern auf italienisch verständigen und findet nach wie vor italienischen Einfluß beim Essen, wenn auch zunehmend weniger. Was nicht an zunehmender Ablehnung liegt, sondern in der Kamikazepolitik Afewerkis, die das vormalige Angebot an Nahrungsmitteln durch Einfuhrverbote und schwachsinnige landwirtschaftliche Gesetze deutlich minimiert hat. Wer in einem Land mit drei Kilmazonen gesetztlich einen einzigen Termin für alle drei Zonen zur Saatausbringung und einen weiteren für die Ernte vorschreibt, der darf sich nicht wundern, dass die Ausbeute nicht zur Deckung des Bedarfs reicht.

Unsicherheit exitiert weniger zu Somalia, als zu Äthiopien und wenn Afewerki so weitermacht, dann werden die Eriträer letzendlich lieber wieder zu Äthiopien gehören, als unter diesem Drecksregime zu verhungern. Äthiopien schielt ohnehin konstant nach Eritrea, irgendwann in naher Zukunft wird man ein leichtes Spiel haben und dann wird Afewerkis Kopf rollen und ausser seiner korrupten Entourage wird das niemanden betrüben.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon jack000 » Mi 22. Apr 2015, 19:11

JJazzGold » Mi 22. Apr 2015, 07:50 hat geschrieben:Eritrea als das Singapur Afrikas? Das ist angesichts der dort herrschenden Verhältnisse reiner Hohn. Die Eriträer stellen seit Jahren eine der größten Gruppe der Asylsuchenden, das machen sie wahrscheinlich, weil sie den Wohlstand in ihrem Land nicht ertragen. Sarkasmus off.

Armut war in den von ARTE erstellten Bericht nicht erwähnt. Als Problem wurden staatlich verordnete Jobs (Die ich ja selbst für Blödsinn halte, z.B. wozu denn in einem Hotel??) genannt, die zu geringem Einkommen verrichtet werden müssen, aber nicht generell von der Bevölkerung abgelehnt werden.
Ich selbst habe in Deutschland auch 13 Monate Zivildienst geleistet und wäre ins Gefängnis gekommen wenn ich das nicht gemacht hätte.
Zu Zeiten der deutschen Teilung sind auch viele Wehrpflichtige nach West-Berlin geflohen, da es dort keine Wehrpflicht gab. Asyl aber bekam kein Deutscher in irgendeinem Land auf der Welt!

Singapur ist ein anerkannter, demokratisch legitimierter und akzeptierter Staat mit einer extrem hohen Quote an Ausländern und einer trotzdem vorhandenen Einheitsregierung (wie z.B. die CSU in Bayern):
Die Politik Singapurs wurde seit der Unabhängigkeit 1965 von der People’s Action Party (PAP) dominiert. Von Kritikern wird Singapur daher auch als Einparteienstaat eingeordnet, und der PAP werden rigide Handlungen gegen die Oppositionsparteien vorgeworfen. Dabei soll die PAP manipulierend einwirken oder durch zivilrechtliche Klagen (Verleumdung) unliebsame Gegner aus dem Weg schaffen. Auch das strikte Mehrheitswahlrecht trägt zur dominanten Stellung der PAP bei. Ebenso sind die Restriktionen im öffentlichen und Privatleben zu nennen. Des Weiteren behaupten Kritiker, dass Singapurs Gerichte auf Seiten der Regierung stünden, auch wenn einige Verfahren von der Opposition gewonnen wurden. Westliche Demokratien betrachten Singapurs Regierungsform daher manchmal dem Autoritarismus näher als einer Demokratie im westlichen Sinne.

http://de.wikipedia.org/wiki/Singapur#Religion

Davon ausgehend, dass Ihnen weder Singapur noch Eritrea ausserhalb des Internets bekannt sind, schlage ich Ihnen vor erst den Stadtstaat Singapur zu besuchen und dann Eritrea von Asmara bis Massawa mitsamt allem was dazwischen liegt, damit Ihnen der gravierende Unterschied vor Augen geführt wird.

Singapur werde ich in jedem Fall mal besuchen und Eritrea wohl ebenso. Dieser Schweizer Bürger hat zumindest nichts zu meckern:


Das fängt bei der Erreichbarkeit und der Hotelsuche an und hört beim Essensangebot und der staatlichen Genehmigung die man benötigt um sich von Asmara nach Massawa zu bewegen auf.

Es gibt in Eritrea weder Hunger, noch einen Mangel am Hotelangebot. Für die Staatliche Genehmigung sich von A-B zu bewegen hast du eine Quelle?
Aber allgemein ist es nun mal so, dass die Gesetze vor Ort halt gelten müssen. Ob man diese für Schwachsinn hält oder nicht.
Wenn ich in Deutschland am Sonntag z.B. eine Packung Toastbrot im Einzelhandel verkaufe kann ich dafür eine Strafe von 500.000€ erhalten oder ins Gefängnis gehen.
=> Trotzdem sieht (noch) eine Mehrheit der Deutschen so, dass das alles so seine Richtigkeit hat.

Vor allem geht es mir darum, das nicht alles schlechter geredet werden soll als es ist aber nicht darum irgendwas schön zu reden was im Argen liegt!
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Alexyessin » Mi 22. Apr 2015, 19:16

[quote="jack000 » Mi 22. Apr 2015, 20:11
Singapur ist ein anerkannter, demokratisch legitimierter und akzeptierter Staat mit einer extrem hohen Quote an Ausländern und einer trotzdem vorhandenen Einheitsregierung (wie z.B. die CSU in Bayern):![/quote]

Ähm, nein.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon Adam Smith » Mi 22. Apr 2015, 20:02

Alexyessin » Mi 22. Apr 2015, 20:16 hat geschrieben:Ähm, nein.

Singapur ist eine illiberale Demokratie. Singapur befindet sich auf Platz 81 beim Demokratie-Index. Die Bürger sind wohlhabend und die Gesellschaft ist genauso modern wie hier. Nur werden dort auch geringe Vergehen hart bestraft. Aus dem Grund ist es dort ausgesprochen sauber und sicher. Aber darunter leidet auch die Freiheit.
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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon jack000 » Mi 22. Apr 2015, 20:06

Adam Smith » Mi 22. Apr 2015, 21:02 hat geschrieben:Nur werden dort auch geringe Vergehen hart bestraft. Aus dem Grund ist es dort ausgesprochen sauber und sicher. Aber darunter leidet auch die Freiheit.

Welche Freiheit vermisst man denn in Singapur?
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

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Re: Eritrea - Ein Unrechtsstaat?

Beitragvon JJazzGold » Mi 22. Apr 2015, 22:05

jack000 » Mi 22. Apr 2015, 20:11 hat geschrieben:Armut war in den von ARTE erstellten Bericht nicht erwähnt. Als Problem wurden staatlich verordnete Jobs (Die ich ja selbst für Blödsinn halte, z.B. wozu denn in einem Hotel??) genannt, die zu geringem Einkommen verrichtet werden müssen, aber nicht generell von der Bevölkerung abgelehnt werden.
Ich selbst habe in Deutschland auch 13 Monate Zivildienst geleistet und wäre ins Gefängnis gekommen wenn ich das nicht gemacht hätte.
Zu Zeiten der deutschen Teilung sind auch viele Wehrpflichtige nach West-Berlin geflohen, da es dort keine Wehrpflicht gab. Asyl aber bekam kein Deutscher in irgendeinem Land auf der Welt!

Singapur ist ein anerkannter, demokratisch legitimierter und akzeptierter Staat mit einer extrem hohen Quote an Ausländern und einer trotzdem vorhandenen Einheitsregierung (wie z.B. die CSU in Bayern):

http://de.wikipedia.org/wiki/Singapur#Religion


Singapur werde ich in jedem Fall mal besuchen und Eritrea wohl ebenso. Dieser Schweizer Bürger hat zumindest nichts zu meckern:



Es gibt in Eritrea weder Hunger, noch einen Mangel am Hotelangebot. Für die Staatliche Genehmigung sich von A-B zu bewegen hast du eine Quelle?
Aber allgemein ist es nun mal so, dass die Gesetze vor Ort halt gelten müssen. Ob man diese für Schwachsinn hält oder nicht.
Wenn ich in Deutschland am Sonntag z.B. eine Packung Toastbrot im Einzelhandel verkaufe kann ich dafür eine Strafe von 500.000€ erhalten oder ins Gefängnis gehen.
=> Trotzdem sieht (noch) eine Mehrheit der Deutschen so, dass das alles so seine Richtigkeit hat.

Vor allem geht es mir darum, das nicht alles schlechter geredet werden soll als es ist aber nicht darum irgendwas schön zu reden was im Argen liegt!



Ich kapituliere vor Ihren umfassenden Wissen Eritrea betreffend. Da kann ich nicht mitreden, ich war nur mehrfach vor Ort. Deshalb glauben Sie auch besser dem Auswärtigen Amt.

"Beschränkungen der Bewegungsfreiheit

Eritrea hat gegen alle Ausländer seit dem 1. Juni 2006 Beschränkungen der Bewegungsfreiheit verfügt. Sie benötigen für Reisen außerhalb der Hauptstadt Asmara eine Reiseerlaubnis, die für Touristen beim eritreischen Tourismusministerium, für Geschäftsreisende beim zuständigen Ministerium und für ansässige ausländische Arbeitnehmer über ihren eritreischen Arbeitgeber bei der zuständigen Behörde beantragt werden muss. Im Antrag sind Reiseziel, -weg, -dauer und –zweck genau zu benennen. Diese Reiseerlaubnis wird nicht immer erteilt."

Noch ein wohlmeinender Tipp, wenn Sie in Asmara in eins der beiden Hotels gehen, die diesen Namen verdienen, dann gehen Sie ins Albergo Italia, das ist nicht nur im Stadtzentrum, sondern auch nicht verstaatlicht, dementprechend liebevoll und qualitativ hochwertiger eingerichtet und bietet ein besseres Frühstück. Ins Asmara Palace gehen inzwischen nicht einmal mehr die Saudis, die u.a. die Freizügigkeit am Pool genossen. Auch das Buffet dort lässt inzwischen deutlich zu wünschen übrig. Es gibt schönere Plätze mit akzeptablem Essen.

Falls Sie noch ein paar Tipps brauchen, melden Sie sich.
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Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.

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