Die Grünen in der Abwärtsspirale?

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SirToby
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon SirToby » So 2. Sep 2018, 21:10

firlefanz11 hat geschrieben:(29 Aug 2018, 11:15)

Man stelle sich vor: Man kann die Verringerung des CO2 Ausstoßes u. vernünftige Maßnahmen unter einen Hut bringen. Wie? Ganz einfach. Endlich sämtliche KOhlekraftwerke abschalten, die in einem Monat mehr CO2 in die Atmosphäre blasen als ein Auto im ganzen Lebenszyklus...!
Aber nein! Da hängen ja Arbeitsplätze u. Wählerstimmen dran...! :rolleyes:


Sie können persönlich gerne auf Strom verzichten oder sich eine eigene Solaranlage aufs Dach schrauben.

Und ja, diese Arbeitsplätze sind immanent wichtig für unsere Industriegesellschaft. Und ich neige dazu sie auch als sehr viel wichtiger einzuschätzen als die 3% CO2, die der Mensch zur Erdatmosphäre beiträgt.
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 3. Sep 2018, 09:29

SirToby hat geschrieben:(02 Sep 2018, 22:10)

Sie können persönlich gerne auf Strom verzichten oder sich eine eigene Solaranlage aufs Dach schrauben.

Und ja, diese Arbeitsplätze sind immanent wichtig für unsere Industriegesellschaft. Und ich neige dazu sie auch als sehr viel wichtiger einzuschätzen als die 3% CO2, die der Mensch zur Erdatmosphäre beiträgt.


Das ist deine persönliche Priorität, andere sehen dass wiederum völlig anders.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon Polibu » Mo 3. Sep 2018, 11:40

firlefanz11 hat geschrieben:(29 Aug 2018, 11:15)

Man stelle sich vor: Man kann die Verringerung des CO2 Ausstoßes u. vernünftige Maßnahmen unter einen Hut bringen. Wie? Ganz einfach. Endlich sämtliche KOhlekraftwerke abschalten, die in einem Monat mehr CO2 in die Atmosphäre blasen als ein Auto im ganzen Lebenszyklus...!
Aber nein! Da hängen ja Arbeitsplätze u. Wählerstimmen dran...! :rolleyes:


Wir können ja mal anfangen mit deinem Arbeitsplatz zu jonglieren. :)

Jetzt mal abgesehen ist es auch falsch, dass nur deshalb die Kohlekraftwerke nicht abgeschaltet werden. Deutschland ist ohne diese Kohlekraftwerke gar nicht in der Lage genügend Strom herzustellen. Wir kaufen doch jetzt schon Strom im Ausland ein.
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SirToby
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon SirToby » Mo 3. Sep 2018, 15:49

Alpha Centauri hat geschrieben:(03 Sep 2018, 10:29)

Das ist deine persönliche Priorität, andere sehen dass wiederum völlig anders.


Eben und warum soll ich zwangsweise nach deren Vorstellung leben?
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 12. Sep 2018, 09:26

SirToby hat geschrieben:(02 Sep 2018, 22:10)

Sie können persönlich gerne auf Strom verzichten oder sich eine eigene Solaranlage aufs Dach schrauben.

Und ja, diese Arbeitsplätze sind immanent wichtig für unsere Industriegesellschaft. Und ich neige dazu sie auch als sehr viel wichtiger einzuschätzen als die 3% CO2, die der Mensch zur Erdatmosphäre beiträgt.


Die "Industriegesellschaft" ist ein Auslaufmodell bzw. eine Zwischenstufe zwischen "Agrargesellschaft" und "DIenstleistungsgesellschaft". Und Deutschland ist längst keine "Industriegesellschaft" mehr. 2/3 aller Menschen sind im tertiären Sektor beschäftigt und dieser erzeugt eine höhere Wertschöpfung als der industrielle Bereich. Der Umschlagpunkt, also der Zeitpunkt, als mehr Menschen in diesem tertären Sektor arbeiteten als im Industriebereich war etwa Mitte, Ende der 80er. Also vor gut 30 Jahren. Mensch, das müsste sich doch mal so langsam herumgesprochen haben ...

In diesem Zusammenhang ist der langsame, aber stetige Niedergang der SPD ja auch verständlich. Der Niedergang der Grünen - wenn er denn tatsächlich stattfindet - dürfte Ursachen haben, die viel jüngeren Datums sind.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 13. Sep 2018, 16:31

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Sep 2018, 10:26)

Die "Industriegesellschaft" ist ein Auslaufmodell bzw. eine Zwischenstufe zwischen "Agrargesellschaft" und "DIenstleistungsgesellschaft". Und Deutschland ist längst keine "Industriegesellschaft" mehr. 2/3 aller Menschen sind im tertiären Sektor beschäftigt und dieser erzeugt eine höhere Wertschöpfung als der industrielle Bereich. Der Umschlagpunkt, also der Zeitpunkt, als mehr Menschen in diesem tertären Sektor arbeiteten als im Industriebereich war etwa Mitte, Ende der 80er. Also vor gut 30 Jahren. Mensch, das müsste sich doch mal so langsam herumgesprochen haben ...

In diesem Zusammenhang ist der langsame, aber stetige Niedergang der SPD ja auch verständlich. Der Niedergang der Grünen - wenn er denn tatsächlich stattfindet - dürfte Ursachen haben, die viel jüngeren Datums sind.


Das hat sich ja auch herumgesprochen.
Gleichwohl, es wird vielen Menschen wie mir ergehen.
Man kriegt das mit, versteht es aber nicht.
Verständnismäßig bin ich immer noch auf der Stufe, zu glauben, erst muss faktisch etwas erwirtschaften, bevor man Dienstleistungen davon bezahlen kann.
Blöd natürlich.
Die Erklärung allerdings, warum man Dienstleistungen mit Dienstleistungen bezahlen kann, ist auch noch nicht allgemeinverständlich gelungen.
… scheint aber so zu sein.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon Cat with a whip » Do 13. Sep 2018, 17:16

jorikke hat geschrieben:(07 May 2018, 08:45)

Immerhin habe ich noch das Fragezeichen benutzt. Doch die Zeichen mehren sich. Eine ähnliche Entwicklung wie bei der SPD lässt sich erahnen. Die Partei gibt sich zu bürgerlich, ist es vermutlich auch, und die Wähler der Gründungszeit gehen von der Fahne. Zudem herrscht auch beim Führungspersonal nicht gerade Aufbruchsstimmung. Der Vorzeigealte in BW bekommt Trouble in seiner Koalition, die CDU muckt auf. Salomon, der Freiburger Wunderknabe vergangener Zeiten wird plötzlich von einem 33-jährigen Newcomer Knall auf Fall abgesägt und den früheren Landesvorstand von BW haben sie letzte Woche wegen Betrugsverdachtes verhaftet. Alles ein bisschen viel auf einmal.
Der Stgt. OB, der kleine Fritz, ist eine zwar sympathische, aber nach einem Rommel doch recht blasse Figur.
Wer erkennt für die Grünen noch positive Signale?
Geht da was den Bach runter?


Bürgerlich ist doch kein Nachteil. Merkwürdig. Der Verlust der Wähler der Gründungszeit wurde durch andere kompensiert. Das Führungspersonal wird immer wieder erneuert. Wohin sollen die denn noch neu aufbrechen, die Ziele sind seit langem klar und realistisch in einer Industriegesellschaft formuliert. Die Grünen sind eine normale etablierte Partei geworden mit allen negativen Begleiterscheinungen.

Ihr Wunschdenken diese Zeichen negativ zu attributieren scheint in der Wirklichkeit jedenfalls keine Entsprechung zu finden, denn angesichts der Umfragewerte und der Wahlergebnisse müsste die Frage selbst zu dem Datum als sie den Strang erstellt hatten umgekehrt beantwortet werden. Die Grünen schafften es in den letzten 4 Jahren Opposition aus ihrem Umfragetief zu kommen und sind wieder bei 10% im Bund und in den westlichen Bundesländern wie Bayern in einem Höhenflug und könnten zweitstärkste Partei sein und beinahe halb so viele Wähler wie die große CSU vereinigen wenn der Trend noch bis zu den Wahlen anhält.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 14. Sep 2018, 08:50

jorikke hat geschrieben:(13 Sep 2018, 17:31)

Das hat sich ja auch herumgesprochen.
Gleichwohl, es wird vielen Menschen wie mir ergehen.
Man kriegt das mit, versteht es aber nicht.
Verständnismäßig bin ich immer noch auf der Stufe, zu glauben, erst muss faktisch etwas erwirtschaften, bevor man Dienstleistungen davon bezahlen kann.
Blöd natürlich.
Die Erklärung allerdings, warum man Dienstleistungen mit Dienstleistungen bezahlen kann, ist auch noch nicht allgemeinverständlich gelungen.
… scheint aber so zu sein.

Da gehts mir nicht anders. Es gilt nach wie vor der Satz von der Erhaltung der Energie. Oder: Von nix kommt nix.

Aber dennoch. Gravierende Beispiele aus der aktuellen Gegenwart: Mit General Electric verlässt nach über 100 Jahren 2018 das letzte Gründungsmitglied des Dow Jones Aktienindex diesen zugunsten einer Apothenkette. Zur Erinnerung: Generall Electric ist ein Riesenmischkonzern in der Nachfolge - mal als Laie gesprochen - von Edisons Glühbirne. Das was in den USA mit GE passiert entspricht in vielerlei Hinsicht dem, was in Deutschland mit Thyssenkrupp passiert. Früher mal ein Familienunternehmen wurde es mehrheitlich von einer schwedischen Investmentgruppe übernommen, 2011 völlig restrukturiert und man schlingert irgendwie hin- und her. KI und Finanzdienstleistungen versus Klassische Stahlproduktion, Gewerkschaftskämpfe, Aufspaltungen, Übernahmen durch den indischen Tata ... da ist irgendwie eine Zeitepoche vorbei oder wenigstens völlig im Umbruch.

Für diesen immer größer werdenden Anteil der Bevölkerung, der tagsüber an Schreibtischen, Bildschirmen, in Teambesprechungen sitzt oder Kundenaquisition betreibt, sind längst schon nicht mehr "rauchende Schornsteine" ein beruhigendes Anzeichen von Prosperität und Wohlstand. Die rauchenden Schornsteine sind ja wahrscheinlich nicht verschwunden, sondern befinden sich nur irgendwo anders in der Welt. Und diesen Menschen ist eben nicht zu erklären, warum man in Deutschland einen Wald abholzen soll und an dieser Stelle - ausgerechnet! - Braunkohle fördern will. Mit diesen Zeiten haben die meisten Menschen in Deutschland abgeschlossen. Es scheint nur eben so, dass die Mehrheit der Aktivisten unter ihnen die Partei der Grünen als etabliert ansieht und sich nix von denen verspricht.

Ein absolut bezeichnendes Symptom für den Niedergang der Grünen ist für mich, dass sie nach wie vor und offiziell "Bündnis 90/Die Grünen" heißen. Dass aber von einem Bürgerrechtsbewegungsgeist nix, aber auch gar nix mehr übriggeblieben ist.

Und auch die Leute in den vielgerühmten "Hidden Champions" in Deutschland ... Mittelstandbetriebe, die Präzisionsmessgeräte herstellen oder an Spinnen-DNS zur Herstellung von Kunstfasern herumforschen ... was sollen die mit Kohle, rauchenden Schornsteinen oder Gewerkschaftskämpfen anfangen?
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 19. Sep 2018, 21:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Sep 2018, 09:50)

Da gehts mir nicht anders. Es gilt nach wie vor der Satz von der Erhaltung der Energie. Oder: Von nix kommt nix.

Aber dennoch. Gravierende Beispiele aus der aktuellen Gegenwart: Mit General Electric verlässt nach über 100 Jahren 2018 das letzte Gründungsmitglied des Dow Jones Aktienindex diesen zugunsten einer Apothenkette. Zur Erinnerung: Generall Electric ist ein Riesenmischkonzern in der Nachfolge - mal als Laie gesprochen - von Edisons Glühbirne. Das was in den USA mit GE passiert entspricht in vielerlei Hinsicht dem, was in Deutschland mit Thyssenkrupp passiert. Früher mal ein Familienunternehmen wurde es mehrheitlich von einer schwedischen Investmentgruppe übernommen, 2011 völlig restrukturiert und man schlingert irgendwie hin- und her. KI und Finanzdienstleistungen versus Klassische Stahlproduktion, Gewerkschaftskämpfe, Aufspaltungen, Übernahmen durch den indischen Tata ... da ist irgendwie eine Zeitepoche vorbei oder wenigstens völlig im Umbruch.

Für diesen immer größer werdenden Anteil der Bevölkerung, der tagsüber an Schreibtischen, Bildschirmen, in Teambesprechungen sitzt oder Kundenaquisition betreibt, sind längst schon nicht mehr "rauchende Schornsteine" ein beruhigendes Anzeichen von Prosperität und Wohlstand. Die rauchenden Schornsteine sind ja wahrscheinlich nicht verschwunden, sondern befinden sich nur irgendwo anders in der Welt. Und diesen Menschen ist eben nicht zu erklären, warum man in Deutschland einen Wald abholzen soll und an dieser Stelle - ausgerechnet! - Braunkohle fördern will. Mit diesen Zeiten haben die meisten Menschen in Deutschland abgeschlossen. Es scheint nur eben so, dass die Mehrheit der Aktivisten unter ihnen die Partei der Grünen als etabliert ansieht und sich nix von denen verspricht.

Ein absolut bezeichnendes Symptom für den Niedergang der Grünen ist für mich, dass sie nach wie vor und offiziell "Bündnis 90/Die Grünen" heißen. Dass aber von einem Bürgerrechtsbewegungsgeist nix, aber auch gar nix mehr übriggeblieben ist.

Und auch die Leute in den vielgerühmten "Hidden Champions" in Deutschland ... Mittelstandbetriebe, die Präzisionsmessgeräte herstellen oder an Spinnen-DNS zur Herstellung von Kunstfasern herumforschen ... was sollen die mit Kohle, rauchenden Schornsteinen oder Gewerkschaftskämpfen anfangen?


Die derzeitigen Umfragewerte strafen all den Untergangsfantasien einiger User hier in Bezug auf die Grünen jedenfalls lügen, im Bund weit über 10% ( Im erzkonservativen Bayern sogar stärker als SPD oder AFD) .
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 20. Sep 2018, 06:50

Alpha Centauri hat geschrieben:(19 Sep 2018, 22:49)

Die derzeitigen Umfragewerte strafen all den Untergangsfantasien einiger User hier in Bezug auf die Grünen jedenfalls lügen, im Bund weit über 10% ( Im erzkonservativen Bayern sogar stärker als SPD oder AFD) .

Ja, aber das ist, wie in vielen aktuellen politischen Kommentaren richtig vermerkt wird, ein zweischneidiges Schwert. Zuwachs im bürgerlich-konservativen und "irgendwie ökologischen" Lager bedeutet auch Abwendung von den Grünen bei eher progressiven, liberalen Menschen, die in irgendeiner Art von einem Bürgerrechtsbewegungsgeist geprägt sind.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 20. Sep 2018, 13:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Sep 2018, 07:50)

Ja, aber das ist, wie in vielen aktuellen politischen Kommentaren richtig vermerkt wird, ein zweischneidiges Schwert. Zuwachs im bürgerlich-konservativen und "irgendwie ökologischen" Lager bedeutet auch Abwendung von den Grünen bei eher progressiven, liberalen Menschen, die in irgendeiner Art von einem Bürgerrechtsbewegungsgeist geprägt sind.


Das halte ich für schlicht falsch.
Bei erheblichen Zugewinnen in der Wählergunst den möglicherweise auch vorhandenen Verlust ehemaliger Sympathisanten zu beklagen, ist müßig. Diese Feststellung zeigt nur auf, eine Partei ist wählbar geworden und hat sich von Exoten freigeschwommen.
Kurz, sie ist auf einem akzeptiertem Weg.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon JJazzGold » Do 20. Sep 2018, 13:59

jorikke hat geschrieben:(20 Sep 2018, 14:55)

Das halte ich für schlicht falsch.
Bei erheblichen Zugewinnen in der Wählergunst den möglicherweise auch vorhandenen Verlust ehemaliger Sympathisanten zu beklagen, ist müßig. Diese Feststellung zeigt nur auf, eine Partei ist wählbar geworden und hat sich von Exoten freigeschwommen.
Kurz, sie ist auf einem akzeptiertem Weg.


Ist sie das, oder sammelt sie anteilig Protestwähler, die ihren Protest über das sog. kleinere Übel ausdrücken wollen?
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 20. Sep 2018, 14:05

JJazzGold hat geschrieben:(20 Sep 2018, 14:59)

Ist sie das, oder sammelt sie anteilig Protestwähler, die ihren Protest über das sog. kleinere Übel ausdrücken wollen?


Ist sie, momentan hauptsächlich personell.
Protestwähler, die anderen Parteien abhanden kommen ( um Einwürfen zuvor zu kommen, AfD Dummbatzen ausgenommen) und von anderen Parteien eingesammelt werden, sprechen ja nicht gegen diese.
Jeder Wechselwähler ist ja nicht per se auch Protestwähler.
Das bessere Angebot hat ja auch Wirkung. ;)
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 20. Sep 2018, 14:36

jorikke hat geschrieben:(20 Sep 2018, 14:55)

Das halte ich für schlicht falsch.

Ein zweischneidiges Schwert ist ein zweischneidiges Schwert. Die Negierung einer sowohl-als-auch-Aussage ist eine entweder-oder-Aussage. Naja ...

Dass die Grünen nicht anders als die Linken eine wie man so schön sagt bürgerlich-wählbare Partei geworden ist ... klar, sicher und geschenkt. Die notwendige Voraussetzung dafür ist die Grundgesetzlichkeit und die hinreichende Voraussetzung dafür ist die Bewährung als führende Landesregierungspartei. Mit BW und Thüringen können wir das schon mal verbuchen.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon JJazzGold » Do 20. Sep 2018, 14:38

jorikke hat geschrieben:(20 Sep 2018, 15:05)

Ist sie, momentan hauptsächlich personell.
Protestwähler, die anderen Parteien abhanden kommen ( um Einwürfen zuvor zu kommen, AfD Dummbatzen ausgenommen) und von anderen Parteien eingesammelt werden, sprechen ja nicht gegen diese.
Jeder Wechselwähler ist ja nicht per se auch Protestwähler.
Das bessere Angebot hat ja auch Wirkung. ;)


Da ist was dran, nur fehlt mir, wie so Vielen in der bayerischen Landbevölkerung das langfristig zukunftsfähige akzeptable Angebot. In den Städten mögen die Grünen damit punkten, dass es vielleicht irgendwann einmal einen Isartsunami geben könnte und dass die Grünen bei Dürre Regen vom Himmel zaubern können. Der Landbewohner weiß es besser. Der ist nämlich in seiner Ahnenreihe schon länger wechselnden Wetterbedingungen ausgesetzt, als es die Grünen gibt.

Dass die Grünen allenfalls ein löchriges Konzept für morgen, aber nicht für übermorgen haben, wird klar, wenn diese glauben, die Erderwärmung um 2° senken zu können, ein Kampf gegen die sprichwörtliche Windmühle, statt Konzepte vorzulegen, wie eine gleichbleibende, oder sogar wachsende Bevölkerung auf schrumpfender Landmasse versorgt werden kann.

Dass die Grünen, wie üblich, ihre Forderungen über Bord werfen, nur um Mitregieren zu können, dazu musste der bayerische Wähler nur über den Zaun nach Hessen blicken, wenn ihm die Ära rot-grün im Bund nicht reichte. Jetzt benz'n sie sich bei der CSU an. Wer sollte das “aber nicht mit Söder“ noch ernst nehmen? Die grüne Knetmasse lässt sich beliebig formen, solange sie auch nur den Hauch einer Chance des Mitregierenkönnens verspürt, weil mit jeder Nichtbeteiligung die Chance darauf, jemals wieder beteiligt zu werden, geringer wird.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 20. Sep 2018, 14:54

JJazzGold hat geschrieben:(20 Sep 2018, 15:38)

Da ist was dran, nur fehlt mir, wie so Vielen in der bayerischen Landbevölkerung das langfristig zukunftsfähige akzeptable Angebot. In den Städten mögen die Grünen damit punkten, dass es vielleicht irgendwann einmal einen Isartsunami geben könnte und dass die Grünen bei Dürre Regen vom Himmel zaubern können. Der Landbewohner weiß es besser. Der ist nämlich in seiner Ahnenreihe schon länger wechselnden Wetterbedingungen ausgesetzt, als es die Grünen gibt.

Dass die Grünen allenfalls ein löchriges Konzept für morgen, aber nicht für übermorgen haben, wird klar, wenn diese glauben, die Erderwärmung um 2° senken zu können, ein Kampf gegen die sprichwörtliche Windmühle, statt Konzepte vorzulegen, wie eine gleichbleibende, oder sogar wachsende Bevölkerung auf schrumpfender Landmasse versorgt werden kann.

Dass die Grünen, wie üblich, ihre Forderungen über Bord werfen, nur um Mitregieren zu können, dazu musste der bayerische Wähler nur über den Zaun nach Hessen blicken, wenn ihm die Ära rot-grün im Bund nicht reichte. Jetzt benz'n sie sich bei der CSU an. Wer sollte das “aber nicht mit Söder“ noch ernst nehmen? Die grüne Knetmasse lässt sich beliebig formen, solange sie auch nur den Hauch einer Chance des Mitregierenkönnens verspürt, weil mit jeder Nichtbeteiligung die Chance darauf, jemals wieder beteiligt zu werden, geringer wird.


Du kennst dich in der bayerischen Landespolitik naturgemäß viel besser aus als ich.
Deshalb lasse ich es lieber nicht auf einen Disput ankommen.
Für mich, als Aussenstehendem bleibt eine Frage aber im Raum.
Warum, um alles in der Welt, beurteilt der gescheite bayerische Wähler die Grünen so positiv, mal an den letzten Umfragen festgemacht?
Zuwenig Landbewohner und zu viel Isar Tsunamis ?
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon Fliege » Do 20. Sep 2018, 14:58

jorikke hat geschrieben:(20 Sep 2018, 15:54)
Warum, um alles in der Welt, beurteilt der gescheite bayerische Wähler die Grünen so positiv, mal an den letzten Umfragen festgemacht?
Zuwenig Landbewohner und zu viel Isar Tsunamis ?

Die Grünen werden innerhalb des linken Milieus gegenüber SPD und Kommunisten bevorzugt.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 20. Sep 2018, 15:07

Fliege hat geschrieben:(20 Sep 2018, 15:58)

Die Grünen werden innerhalb des linken Milieus gegenüber SPD und Kommunisten bevorzugt.


Wir wollen hier keine homöopathische Diskussion. Die Kommis in Bayer lassen wir mal außen vor.
Die Überläufer von der SPD sind ein Argument. Allerdings lassen sich die 17% der Grünen damit bei Weitem nicht erklären.
Die haben weit stärker bei der CSU abgegriffen. Die Analyse der Wählerwanderungen nach der LW wird sicher hoch interessant sein.
Ich fürchte da werden sich nicht Wenige von ihren liebgewonnenen Vorurteilen verabschieden müsse.
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon think twice » Do 20. Sep 2018, 15:11

jorikke hat geschrieben:(20 Sep 2018, 15:54)


Für mich, als Aussenstehendem bleibt eine Frage aber im Raum.
Warum, um alles in der Welt, beurteilt der gescheite bayerische Wähler die Grünen so positiv, mal an den letzten Umfragen festgemacht?
Zuwenig Landbewohner und zu viel Isar Tsunamis ?

Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Auch dort ist vielen Bauern die Ernte eingegangen durch die lange Dürreperiode. Vielleicht traut man den Grünen am meisten zu, langfristige Konzepte durchzusetzen, die sich den verändernden Klimabedingungen anpassen. Vielleicht versprechen sie auch die meisten Fördergelder. ;)
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Re: Die Grünen in der Abwärtsspirale?

Beitragvon jorikke » Do 20. Sep 2018, 15:14

think twice hat geschrieben:(20 Sep 2018, 16:11)

Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Auch dort ist vielen Bauern die Ernte eingegangen durch die lange Dürreperiode. Vielleicht traut man den Grünen am meisten zu, langfristige Konzepte durchzusetzen, die sich den verändernden Klimabedingungen anpassen. Vielleicht versprechen sie auch die meisten Fördergelder. ;)


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