Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

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jorikke
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon jorikke » Di 23. Jan 2018, 22:32

Selina hat geschrieben:(23 Jan 2018, 20:22)

Ok, du hast bestanden :D


1:0 für dich.
Jeder schwächelt mal.
Von mir hätte ich das allerdings nicht erwartet.
Shit happens.
pikant
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon pikant » Mo 29. Jan 2018, 10:30

Juergen Trittin hat sich nun auch eine Meinung gebildet:

'Sahra Wagenknecht sabbelt von einer Sammlungsbewegung, tut aber alles um die Kraefte links der Mitte zu spalten. Das ist das Letzte, was die politische Linke jetzt braucht'

Trittin warum er Jamaika verhandelt:

'Zur Zeit gibt es keine Mehrheit jenseits der Union, die Kraefte links der Mitte liegen unter 40% - Es gibt im Moment fuer schwarz-gruen keine Mehrheit, deshalb mussten wir Jamaika verhandeln'

so eine Aussage nennt sich Pragmatismus.
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schokoschendrezki
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Feb 2018, 14:11

Gestern hörte ich eine Besprechung zu dem Buch "Für einen anderen Populismus" des belgischen Historikers "David van Reybrouck". Es ist im Original bereits 2008 in Belgien erschienen. In Deutsch erst August 2017 veröffentlicht. (Was schon mal interessant ist). Reybrouck sieht sich selbst als typischen linksliberalen Mainstream-"Diplom-Demokrat". Und beschreibt seine Sicht auf "die Menschen" als Student und junger Mensch am Beispiel des Aufenthalts in einem belgischen Badeort folgendermaßen (Ich schreib gleich, was das mit dem Thread-Thema zu tun hat):
Was für eine traurige Prozession! Fünfzigjährige mit monströsen Wampen, die an Waffeltüten mit schnell schmelzendem Pistazieneis schlabberten. Frauen mit ganz offensichtlich wasserstoffblondiertem Haar: Von oben sahen wir die schwarzen Furchen auf ihren Scheiteln. Kinder, die fast genauso fettleibig waren wie die aufblasbaren Krokodile, die sie heulend hinter sich her schleiften. Männer in Bermudas, obwohl sie längst keine Bermudas mehr tragen dürften. Tattoos, Tangas, Titten, prall vor Silikon. Fritten mit Gulaschsauce, im Hochsommer!

Das Erfrischende nun besteht darin, dass er diese links-elitäre Haltung selbstironisch-kritisch sieht. Und deshalb eben einen "anderen Populismus" fordert. Im wörtlichen Sinne. Eine Politik, die sich um genau diese so beschriebenen Menschen kümmert.

In der Besprechung dazu heißt es nun an einer Stelle
"Für die Sozialisten", so der Autor, "ist der emanzipierte Arbeiter eine Art Frankensteins Monster, das sich gegen seinen Schöpfer wandte, als es auf eigenen Beinen stehen konnte. Die Linke nahm sich nun einer neuen, prekären Gruppe von Bedürftigen an: der Migranten, was die Kluft zwischen den akademisierten Sozialisten und den Arbeitern nur noch erweiterte. Dass eine neue Generation von Sozialisten dem einheimischen Arbeiter dann auch noch "Rassismus" vorwarf, weil er es wagte, sich kritisch über das multikulturelle Ideal zu äußern, sorgte für einen wahren Exodus."

Als deutscher Leser kann man sich leicht vorstellen, wie Sarah Wagenknecht und auch mancher linker Sozialdemokrat beim Lesen dieser Zeilen den Stift zieht, sie fett unterstreicht und ein Ausrufezeichen an den Rand der Seite malt.

:p :p
Ich musste mir diesen Beitrag vier oder fünf mal nacheinander über Kopfhörer anhören und so in mich hineinlachen, dass mir die Augen tränten und die Leute in der S-Bahn mich komisch anschauten ...

Für Anhänger und Mitglieder der Partei "Die Linke" mag eine solche zynisch-ironische Sicht ja vielleicht nicht so lustig sein. Aber es stimmt doch: Immer sucht man sich eine Gruppe, die man meint, beschützen zu müssen. Und zu der man in fast keinem Fall selbst gehört. Früher waren es die "Arbeiter", das Proletariat. Mal abgesehen von Ernst Thälmann gehörte kaum jemand der führenden Links-Figuren zu dieser Schicht. Dann irgendwann das "palästinensische Volk". Und so weiter. Nun will man mit einer "linken Volkspartei" den Ausgeschlossenen helfen. Das konnte Reybrouck vor zehn Jahren natürlich noch nicht wissen. aber diese Vision einer "linken Volkspartei" aus Teilen der SPD, der Linken und Grünen ist ziemlich genau das, was der Autor unter einem "anderen Populismus" verstand. Die böse Ahnung ist, dass dahinter nicht tatsächlich Menschenliebe, Humanismus und "Solidarität" steht. Sondern schlicht und einfach die Suche nach einem "Volk" (im Sinne einer "Menschenmenge"), die einem Macht und Einfluss sichert.

Und die Bilanz des Rezensenten lautet denn auch:
Die bittere Lehre der jüngeren Geschichte ist, dass ein guter Teil der Menschen, die David van Reybrouck dereinst auf der belgischen Strandpromenade an sich vorbeiziehen sah, eben nicht nur schlecht aussieht sondern auch hässlich denkt.


http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/02/05/david_van_reybrouck_fuer_einen_anderen_populismus_dlf_20180205_1930_54808d70.mp3
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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