Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon H2O » Sa 20. Jan 2018, 21:56

SirToby hat geschrieben:(20 Jan 2018, 21:26)

Tja, das mit den Parteien ist so eine Sache wie mit den Frauen: Der arme Oskar ist immer bei der falschen...


Hat doch schon einige Proben genommen; derzeit #5? Sein Todfeind Schröder ist fernöstlich neu gebunden... der wäre dann bei #6. Die prüfen eben, bevor der Tod sie scheidet.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 20. Jan 2018, 22:26

Selina hat geschrieben:(19 Jan 2018, 15:47)

Schokoschendrezki, ich könnte auch jede Menge Persönlichkeiten erwähnen, darunter auch sehr prominente, die in der SED waren und dort allerhand auf die Mütze kriegten ständig wegen ihrer kritischen Haltung zu vielen Fragen (zum Beispiel Planwirtschaft, Personenkult, "demokratischer Zentralismus" etcpp). Die Geschichte der SED war ein sehr widersprüchlicher und schwieriger Prozess. Da ging es niemals so schwarz-weiß ab, wie es heute die Medien unisono berichten. Dass es bestimmte Bedingungen in der DDR gab, die Rassismus förderten, kann bejaht werden. Das gab es aber hüben und drüben. Und was Lafontaine anbelangt, ja, das ist eine widersprüchliche Persönlichkeit. Für einen Rassisten halte ich ihn jedoch nicht. Ja, man sollte genau hinhören, was er so sagt, sich aber auch nicht zu sehr in diese ganzen Spaltungs-Debatten hineinziehen lassen, die natürlich im Moment mit Absicht forciert werden.

Das was ich da zitiert habe:
Des weiteren spricht Lafontaine voll taktischem Kalkül mit vollster Absicht Ressentiments an, die letztlich rein populistische Stimmungsmache sind und im Kern Rassismus und Xenophobie bedienen.

Das erschien nicht 2005, dem Jahr der Chemnitzer Rede sondern letzten September. Und nicht in der WELT oder der BILD sondern der TAZ. Und das ist klipp und klar nicht der (ebenso berechtigte) Vorwurf eines gewissen bürgerlichen Neokonservatismus bei den Grünen sondern hier gehts um die politische Forcierung von Rassismus. Glaubst Du allen Ernstes, die Autoren der erwähnten Zeitung denken sich hasserfüllte, speicheltriefende Denunziationstexte zu LaFontaine aus, um endlich die letzten verhassten linken Bewegungen aus der Welt zu schaffen? Im Gegenteil; Es geht darum, diese linken Ideen vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren.

Mal abgesehen davon, dass dort auch gar nicht steht, dass LaFontaine ein Rassist ist sondern, dass er Rassismus und Xenophobie de Facto bedient. Nur: Profi-Politiker wie er bedienen niemals niemals irgendetwas versehentlich oder haben gar irgendetwas ja eigentlich "Gar nicht so gemeint". Das zu glauben wäre so kindisch und infantil wie nur irgendwas. Der mann weiß seit langem immer ganz genau, was er meint und sagt.
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Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 20. Jan 2018, 23:13

H2O hat geschrieben:(20 Jan 2018, 21:22)

Vor allem hätte der Mann doch seinen inneren Frieden! Muß doch furchtbar sein, immer wieder in der falschen Partei fest zu hängen. Reines Mitgefühl!

Eine Persönlichkeit wie LaFontaine (oder Schröder, Orbán, Putin, Trump, Erdogan, Kaczynski etc) will alles mögliche, Nur keinen "inneren Frieden", (Und einen "äußeren" auch nicht). Die innerparteilichen Reibereien erzeugen überhaupt erst die Spannung, mit der die Köpfe der genannten zu leuchten beginnen und sich von dem von ihnen als grau angesehenen Hintergrund abheben. Das wäre, wenn es für eine bestimmte positive Sache eingesetzt würde, aller Ehren wert. Opportunisten wie die genannten setzen sich jedoch in erster Linie für sich selbst ein und zu diesem Behufe heute für die eine Sache und morgen für eine ganz andere. Man schaue sich dazu für alle, alle genannten (mit Ausnahme von Kaczynski in dem Fall) nur einmal das wechselvolle Verhältnis zum Putin-System an. Je nachdem, obs der Persönlichkeit nützlich ist wird eine russische Militärmaschine abgeschossen oder werden die Handelsbeziehungen mit Russland vertieft. Man kanns auch ganz einfach sagen: Diese schöne schreckliche Welt von 2018 will nicht Männern in "innerem Frieden" zujubeln sondern sie will von Rambos regiert werden und zu ihnen hinaufblicken. In dieser Hinsicht bildet LaFontaine keine Ausnahme.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon H2O » Sa 20. Jan 2018, 23:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Jan 2018, 23:13)

Eine Persönlichkeit wie LaFontaine (oder Schröder, Orbán, Putin, Trump, Erdogan, Kaczynski etc) will alles mögliche, Nur keinen "inneren Frieden", (Und einen "äußeren" auch nicht). Die innerparteilichen Reibereien erzeugen überhaupt erst die Spannung, mit der die Köpfe der genannten zu leuchten beginnen und sich von dem von ihnen als grau angesehenen Hintergrund abheben. Das wäre, wenn es für eine bestimmte positive Sache eingesetzt würde, aller Ehren wert. Opportunisten wie die genannten setzen sich jedoch in erster Linie für sich selbst ein und zu diesem Behufe heute für die eine Sache und morgen für eine ganz andere. Man schaue sich dazu für alle, alle genannten (mit Ausnahme von Kaczynski in dem Fall) nur einmal das wechselvolle Verhältnis zum Putin-System an. Je nachdem, obs der Persönlichkeit nützlich ist wird eine russische Militärmaschine abgeschossen oder werden die Handelsbeziehungen mit Russland vertieft. Man kanns auch ganz einfach sagen: Diese schöne schreckliche Welt von 2018 will nicht Männern in "innerem Frieden" zujubeln sondern sie will von Rambos regiert werden und zu ihnen hinaufblicken. In dieser Hinsicht bildet LaFontaine keine Ausnahme.


Wenn denen das Bild bewußt wird, das sie abgeben, dann wird der Tod schon sehr nahe sein!
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Teeernte » Sa 20. Jan 2018, 23:27

Passt.... die SPD will "ausgründen" - und zack - ist gleich eine Führungsriege da..

Sahra und Laffo. - die neue Spd - ähmmm - die Alternative SPD. Abschaffung des Euro, Austritt aus der NATO - .....
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 20. Jan 2018, 23:46

Teeernte hat geschrieben:(20 Jan 2018, 23:27)

Passt.... die SPD will "ausgründen" - und zack - ist gleich eine Führungsriege da..

Sahra und Laffo. - die neue Spd - ähmmm - die Alternative SPD.

Oder die SPD der Medienprofis? Eine "Gruppe prominenter Persönlichkeiten aus verschiedenen Parteien und Organisationen" wünscht sich Wagenknecht "als möglichen Motor einer neuen Bewegung". Na. Zwei Talkshowprofis haben sie immerhin schon für diese neue Bewegung. Sich selbst. Was die neue linke Sammlung unbedingt noch braucht, ist ein Fußballstar, ein Schlagersänger und vor allen Dingen ein Star-Koch.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Zunder » Sa 20. Jan 2018, 23:57

Ein schwuler Friseur und ein "MeToo"-Opfer wären auch nicht schlecht.

Der Globus schreit geradezu nach einer linken AfD-Pegida.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Selina » So 21. Jan 2018, 00:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Jan 2018, 22:26)

Das was ich da zitiert habe:

Das erschien nicht 2005, dem Jahr der Chemnitzer Rede sondern letzten September. Und nicht in der WELT oder der BILD sondern der TAZ. Und das ist klipp und klar nicht der (ebenso berechtigte) Vorwurf eines gewissen bürgerlichen Neokonservatismus bei den Grünen sondern hier gehts um die politische Forcierung von Rassismus. Glaubst Du allen Ernstes, die Autoren der erwähnten Zeitung denken sich hasserfüllte, speicheltriefende Denunziationstexte zu LaFontaine aus, um endlich die letzten verhassten linken Bewegungen aus der Welt zu schaffen? Im Gegenteil; Es geht darum, diese linken Ideen vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren.

Mal abgesehen davon, dass dort auch gar nicht steht, dass LaFontaine ein Rassist ist sondern, dass er Rassismus und Xenophobie de Facto bedient. Nur: Profi-Politiker wie er bedienen niemals niemals irgendetwas versehentlich oder haben gar irgendetwas ja eigentlich "Gar nicht so gemeint". Das zu glauben wäre so kindisch und infantil wie nur irgendwas. Der mann weiß seit langem immer ganz genau, was er meint und sagt.


Naja, die taz ist ein links-grün-liberales, aber sehr bürgerliches Blättlein. In mancher Einschätzung kann ich zwar mitgehen, aber gerade, was Verlautbarungen über die so genannten "Kämpfe" in der Linken anbelangt, da wäre ich äußerst vorsichtig. Die Leserschaft der taz besteht aus denselben Leuten, die den Prenzlberg seit Jahren überrannt und überrollt und die Alteingesessenen vergrault haben. Die mit den 2000-Euro-Kinderwagen, dem Luxus-Fresschen aus dem Bioladen und dem "umweltbewussten" Kaffeehaus-Revoluzzertum. Ein neureiches abgehobenes Klientel, das keine Ahnung hat, wie es den vielen Hartz-vier-Beziehern und prekär Beschäftigten geht.
Zuletzt geändert von Selina am So 21. Jan 2018, 00:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Der General » So 21. Jan 2018, 00:46

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(20 Jan 2018, 12:49)

Klar, dass du meine Anmerkung nicht verstanden hast.


Wie soll man Deine "Anmerkungen" die nur aus Einzelsätzen bestehen denn falsch verstehen :?:

Du hast einfach nicht Richtig gelesen und machst jetzt hier einen auf Troll, Schade :dead:
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Teeernte » So 21. Jan 2018, 09:52

Selina hat geschrieben:(21 Jan 2018, 00:46)

Naja, die taz ist ein links-grün-liberales, aber sehr bürgerliches Blättlein. In mancher Einschätzung kann ich zwar mitgehen, aber gerade, was Verlautbarungen über die so genannten "Kämpfe" in der Linken anbelangt, da wäre ich äußerst vorsichtig. Die Leserschaft der taz besteht aus denselben Leuten, die den Prenzlberg seit Jahren überrannt und überrollt und die Alteingesessenen vergrault haben. Die mit den 2000-Euro-Kinderwagen, dem Luxus-Fresschen aus dem Bioladen und dem "umweltbewussten" Kaffeehaus-Revoluzzertum. Ein neureiches abgehobenes Klientel, das keine Ahnung hat, wie es den vielen Hartz-vier-Beziehern und prekär Beschäftigten geht.


Sag doch einfach - die Mehrheit - dort.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » So 21. Jan 2018, 21:30

Selina hat geschrieben:(21 Jan 2018, 00:46)

Naja, die taz ist ein links-grün-liberales, aber sehr bürgerliches Blättlein. In mancher Einschätzung kann ich zwar mitgehen, aber gerade, was Verlautbarungen über die so genannten "Kämpfe" in der Linken anbelangt, da wäre ich äußerst vorsichtig. Die Leserschaft der taz besteht aus denselben Leuten, die den Prenzlberg seit Jahren überrannt und überrollt und die Alteingesessenen vergrault haben. Die mit den 2000-Euro-Kinderwagen, dem Luxus-Fresschen aus dem Bioladen und dem "umweltbewussten" Kaffeehaus-Revoluzzertum. Ein neureiches abgehobenes Klientel, das keine Ahnung hat, wie es den vielen Hartz-vier-Beziehern und prekär Beschäftigten geht.

Der Autor der zitierten Zeilen, Daniel Kretschmar, stammt aus Sachsen-Anhalt, hat sich bis vor kurzem mit einem Literatur-Stipendium durchgewurschtelt und ich glaube nicht, dass der sich einen 2000Euro-Kinderwagen leisten kann. Mal ein bissel auf die Spitze getrieben und provokativ formuliert: Diese Erzählung von der Alteingesessenen-Vertreibung im Prenzlauer Berg ist auch nur eine andere Variante der Erzählungen, zu denen auch die Vertreibungen der Volksdeutschen (und "Familienväter" [siehe LaFontaine]) durch kulturfremde Muslime gehören. Strukturell ist das nix anderes. Meine Frau hat zusammen mit einer Freundin eine Ergotherapie-Praxis im Prenzlauer Berg gegründet, weil sie dort phantastisch niedrige Mieten für phantastisch große Räume in phantastischer Lage bekamen. Zu Bedingungen, die sie auch nicht in Randbezirken wie Marzahn oder Hellersdorf oder in prekären Lagen wie Wedding vorfanden. Und beide sind dort in der Gegend aufgewachsen.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Tom Bombadil » So 21. Jan 2018, 21:39

Die taz ist liberal und sehr bürgerlich? Gibt es dafür Belege?
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Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon schokoschendrezki » So 21. Jan 2018, 22:55

Die Taz unterscheidet sich von anderen Tageszeitungen vielleicht mehr noch durch ihr Geschäftsmodell als ihre politische Ausrichtung. Aber das ist 'n anderes, wenngleich interessantes Thema. Zurück zu dem hier: Ich habe inzwischen mehrere Artikel gelesen, die den LaFontaine/Wagenknecht-Vorschlag im Zusammenhang mit den (unerwartet?) guten jüngeren Erfolgen zweier Politiker sehen, die sich beide ausdrücklich als "Demokratische Sozalisten" bezeichnen: Bernie Sanders in den USA und Jeremy Corbyn in UK. Und - wenn auch mit anderer politischer Ausrichtung - Beppe Grillo und Macron erreichten ihre Erfolge als "Sammlungsbewegung" Also mal zusammengezählt: "Demokratischer Sozialismus" kann dagegen halten und "Sammlungsbewegungen" erzielen neuerdings Erfolge. Na Mensch, Oskar ...

Der für mich entscheidende Punkt ist der, dass Sanders und Corbyn inhaltlich als typische 80er-Jahre-Leute gesehen werden. Mit den damals im linken Spektrum verrbreiteten vor allem gewerkschaftsnahen politischen Zielen ...
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon John Galt » So 21. Jan 2018, 23:05

Die Zersplitterung der Parteienlandschaft in Deutschland ist immer noch ganz am Anfang. Die SPD vertritt halt nicht mehr die Interessen der Arbeiter wenn es um Sozialversicherungen, Globalisierung inklusive Freihandelsabkommen, EU und Industriefeindliche Umweltpolitik geht. Die werden sich halt ein neues Zuhause suchen.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Selina » So 21. Jan 2018, 23:25

Man sollte diese Geschichte mit der "linken Sammlungsbewegung" mal inhaltlich diskutieren und nicht so stark an Personen gebunden. Ich hab es hier schon ein paar Mal gesagt: Der gefährliche Rechtsruck im Land und in Europa, das Erstarken der Neuen Rechten, die fast hundert Sitze der AfD im Bundestag einschließlich ihr Mitwirken in vielen Gremien, all das schreit förmlich danach, dass dem etwas entgegengesetzt wird. Ich hab keine Lust, in 20 Jahren in so einer "Volksgemeinschaft" wie in den 30ern zu leben, wo man brav sein Volksliedchen absingt, zum neuen Führer betet, viele Kinderlein zum Wohle der Nation kriegt und die Frau zurück an den Herd delegiert wird, wo Andersdenkende nur noch flüstern dürfen und sich nicht arisch aussehende Menschen sicherheitshalber die Haare färben, wo Flüchtlinge in Sammelstellen interniert werden, wo bestimmte Kunst nicht mehr erwünscht ist und eine deutschtümelnde Sprache gesprochen wird, die alles "Fremde" ausgrenzt und das "Eigene" hochleben lässt.

Das zu verhindern, ist in erster Linie Anliegen einer solchen weitgefassten Bewegung. Und da gehts auch nicht um Die Linke oder die linke Sammlungsbewegung, sondern um Die Linke und die linke Sammlungsbewegung. Diese Begriffe schließen sich doch nicht gegenseitig aus. Zur linken Sammlungsbewegung könnten linksliberale, grüne, sozialdemokratische und linke Kräfte gehören, die alle zusätzlich auch weiterhin Anhänger ihrer eigenen "Stammpartei" sind. Eine neue Partei braucht niemand und so ist das Ganze auch nicht gedacht. Warten wir doch ab, was sich daraus entwickelt. Zuerst einmal Die Linke stärken, wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht sollte es ja auch gar nicht vordergründig um eine linke Sammlungsbewegung gehen, die nötig wäre, sondern um eine humanistisch-demokratische Sammlungsbewegung aller vernünftigen Kräfte, die Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus für sich und ihr Leben ausschließen. Ich halte solche Dinge für überlegenswert und dringend notwendig. Ob nun mit Lafo oder ohne. Es gibt noch genügend andere kluge Köpfe.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Selina » So 21. Jan 2018, 23:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Jan 2018, 21:30)

Der Autor der zitierten Zeilen, Daniel Kretschmar, stammt aus Sachsen-Anhalt, hat sich bis vor kurzem mit einem Literatur-Stipendium durchgewurschtelt und ich glaube nicht, dass der sich einen 2000Euro-Kinderwagen leisten kann. Mal ein bissel auf die Spitze getrieben und provokativ formuliert: Diese Erzählung von der Alteingesessenen-Vertreibung im Prenzlauer Berg ist auch nur eine andere Variante der Erzählungen, zu denen auch die Vertreibungen der Volksdeutschen (und "Familienväter" [siehe LaFontaine]) durch kulturfremde Muslime gehören. Strukturell ist das nix anderes. Meine Frau hat zusammen mit einer Freundin eine Ergotherapie-Praxis im Prenzlauer Berg gegründet, weil sie dort phantastisch niedrige Mieten für phantastisch große Räume in phantastischer Lage bekamen. Zu Bedingungen, die sie auch nicht in Randbezirken wie Marzahn oder Hellersdorf oder in prekären Lagen wie Wedding vorfanden. Und beide sind dort in der Gegend aufgewachsen.


Doch, das ist durchaus was anderes. Abgesehen davon, dass ich es nicht gerade nett finde, mir solche Gedanken zu unterstellen, ist das ein allgemein bekannter Vorgang: Das ist Gentrifizierung und hat zuallererst ökonomische Ursachen. Und die Zeit der fantastisch niedrigen Mieten ist dort inzwischen vorbei. Es hat eine großflächige Verdrängung ärmerer Schichten (und das sind nun mal vorwiegend Alteingesessene) gegeben. Natürlich nicht so holzschnittartig, dass der dynamische Jungunternehmer nebst Gattin und Kind nun die armen ollen Prenzlberger am Kragen hinaus beförderte, so natürlich nicht, aber im Zuge der Sanierung ganzer Viertel mit vorwiegend privatem oder aufgekauftem Wohnungsbestand kam es dann durch überhöhte Mieten zu dieser bevölkerungspolitischen Fehlentwicklung. Vernünftige Stadtplaner werden dagegen immer für eine gute Mischung aus Bewohnern aller Einkommensverhältnisse sorgen. Wofür natürlich entsprechender Wohnraum in allen Mietpreissegmenten geschaffen bzw. erhalten werden muss. Dass da in Berlin genau dieselben Fehler - vor allem in den späten 90ern - gemacht worden sind wie in vielen anderen Großstädten, das ist inzwischen allgemein bekannt. Deshalb versucht man nun auch, ein wenig zurückzurudern.
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Beitragvon schokoschendrezki » Mo 22. Jan 2018, 00:00

Selina hat geschrieben:(21 Jan 2018, 23:25)

Man sollte diese Geschichte mit der "linken Sammlungsbewegung" mal inhaltlich diskutieren und nicht so stark an Personen gebunden. Ich hab es hier schon ein paar Mal gesagt: Der gefährliche Rechtsruck im Land und in Europa, das Erstarken der Neuen Rechten, die fast hundert Sitze der AfD im Bundestag einschließlich ihr Mitwirken in vielen Gremien, all das schreit förmlich danach, dass dem etwas entgegengesetzt wird. Ich hab keine Lust, in 20 Jahren in so einer "Volksgemeinschaft" wie in den 30ern zu leben, wo man brav sein Volksliedchen absingt, zum neuen Führer betet, viele Kinderlein zum Wohle der Nation kriegt und die Frau zurück an den Herd delegiert wird, wo Andersdenkende nur noch flüstern dürfen und sich nicht arisch aussehende Menschen sicherheitshalber die Haare färben, wo Flüchtlinge in Sammelstellen interniert werden, wo bestimmte Kunst nicht mehr erwünscht ist und eine deutschtümelnde Sprache gesprochen wird, die alles "Fremde" ausgrenzt und das "Eigene" hochleben lässt.


Auch wenns dich vielleicht nervt oder/und Du es nicht nachvo0llziehen kannst: Ganz genau das: Die heftige Abwehr gegen Familienväter, die sich von Fremdarbeitern bedroht fühlen, führt gegen diese heftige Abwehr gegen das LaFontaine/Wagenknecht-Projekt. Und das hat mit dem Inhalt, der Aussage, nicht mit der Person zu tun. Ich sehe einfach nichts, was diese Abwehrreaktion mit vernünftigen Argumenten begegnet. Und wir müssen dazu nicht einmal nur die möglicherweise bürgerliche TAZ und ihre Leser bemühen. Mal ganz ganz nach links geschaut: Die bekannte sächsische Linken-Abgeordenete Juliane Nagel. Fürs bürgerliche Lager das linke Antifa-Schreckgespenst schlechthin im ND:
Keine Wiederbesinnung auf die Blutsherkunft

An diese Datenlage [den Erfolg der AfD] versucht Oskar Lafontaine mit seiner unfairen Hasstirade auf die Parteivorsitzenden Bernd Riexinger und Katja Kipping und dem bekannten Plädoyer für eine nationale Rückbesinnung anzudocken. Ohne Rücksicht auf Ausgewogenheit und den post-elektoralen innerparteilichen Diskurs fordert er eine Wiederbesinnung auf die Unzufriedenen mit Blutsherkunft.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1065467.lafontaine-und-wagenknecht-liegen-falsch.html

Von bürgerlich-grün-alternativ bis antifa-links: der erste Reflex zum Thema Rechtsdrift und Neonationalismus in Deutschland ist bei vielen gar nicht mehr "AfD verhindern" sondern: Das LaFontaine/Wagenknecht-Projekt verhindern. Das mindeste, wenn die Unterstützer dieses Projekts es mit der Antivolksgemeinschaftlichkeit wirklich ernst meinen; Wie gedenkt ihr, uns "ins Boot" zu holen?
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Selina » Mo 22. Jan 2018, 00:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Jan 2018, 00:00)

Auch wenns dich vielleicht nervt oder/und Du es nicht nachvo0llziehen kannst: Ganz genau das: Die heftige Abwehr gegen Familienväter, die sich von Fremdarbeitern bedroht fühlen, führt gegen diese heftige Abwehr gegen das LaFontaine/Wagenknecht-Projekt. Und das hat mit dem Inhalt, der Aussage, nicht mit der Person zu tun. Ich sehe einfach nichts, was diese Abwehrreaktion mit vernünftigen Argumenten begegnet. Und wir müssen dazu nicht einmal nur die möglicherweise bürgerliche TAZ und ihre Leser bemühen. Mal ganz ganz nach links geschaut: Die bekannte sächsische Linken-Abgeordenete Juliane Nagel. Fürs bürgerliche Lager das linke Antifa-Schreckgespenst schlechthin im ND:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1065467.lafontaine-und-wagenknecht-liegen-falsch.html

Von bürgerlich-grün-alternativ bis antifa-links: der erste Reflex zum Thema Rechtsdrift und Neonationalismus in Deutschland ist bei vielen gar nicht mehr "AfD verhindern" sondern: Das LaFontaine/Wagenknecht-Projekt verhindern. Das mindeste, wenn die Unterstützer dieses Projekts es mit der Antivolksgemeinschaftlichkeit wirklich ernst meinen; Wie gedenkt ihr, uns "ins Boot" zu holen?


Mich nervt es nicht. Ich denke jedoch, du liegst da falsch. Und zwar gründlich. Das, was jetzt diskutiert wird, zuweilen auch sehr heftig, sind Ideen, Gedanken, Vorstellungen, keine fest geplanten "Projekte". Ich glaube nicht, dass irgendjemand in der Linken zulassen würde, dass Lafo und Wagenknecht ein Projekt gründen, das völkisch-nationalistisch und im Grunde - so wie du es beschreibst - faschistoid ist. Das ist völlig weltfremd. Dass die beiden mächtig viel Gegenwind kriegen, ist doch ok. Und dass am Ende möglicherweise sogar ihr Rückzug aus der Partei Die Linke stehen könnte, wäre auch denkbar. Aber was du hier schreibst "der erste Reflex zum Thema Rechtsdrift und Neonationalismus in Deutschland ist bei vielen gar nicht mehr 'AfD verhindern' sondern: Das LaFontaine/Wagenknecht-Projekt verhindern" halte ich für eine grenzenlose Übertreibung und für völlig irrational. Das hat nix mit der Realität der Linken zu tun.

Und mal ganz nebenbei: Ich finde in beiden linken "Lagern" (die eigentlich gar keine sich ausschließenden "Lager" sind, sondern nur medial dazu gemacht werden) für mich Nachvollziehbares und weniger Nachvollziehbares. Wagenknechts schonungslose Kapitalismus-Analyse hat auf alle Fälle was für sich. Das findet man so deutlich nicht bei Kipping und co. Dafür wirken Kipping und andere eher integrierend und bündnisfähiger. Wieder andere Dinge nerven mich auf beiden Seiten. Zum Beispiel die Humorlosigkeit. Die wiederum ist auch bei den Grünen und bei den Sozis weit verbreitet.
Zuletzt geändert von Selina am Mo 22. Jan 2018, 00:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 22. Jan 2018, 00:35

Da hat Schoko. gewiss nicht ganz Unrecht - Trittin, Vertreter des linken Flügels der Grünen, geht klar auf Distanz:
"Wagenknechts Politikmodell basiert auf Abgrenzung, der Entlarvung der SPD, eben der Spaltung der gesellschaftlichen Linken", sagte Trittin dem SPIEGEL.
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 88759.html

Es mag ja das "falsche" Blatt sein für Linke mit exklusivem Lektürengeschmack, aber Trittin sagt trotzdem das, was er eben sagt.

Die SPD hat sich zwischenzeitlich zum Verantwortungswillen durchgerungen und spielt den Ball wieder ins Feld der Union. Glaube, es war Schulz himself, der da sagte, die Kanzlerin müsse nun entscheiden, ob sie regieren will - was im Sinne einer Bewegungsfähigkeit gemeint war.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Lafontaine plädiert für neue linke Volkspartei

Beitragvon Selina » Mo 22. Jan 2018, 00:41

DarkLightbringer hat geschrieben:(22 Jan 2018, 00:35)

Da hat Schoko. gewiss nicht ganz Unrecht - Trittin, Vertreter des linken Flügels der Grünen, geht klar auf Distanz: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 88759.html

Es mag ja das "falsche" Blatt sein für Linke mit exklusivem Lektürengeschmack, aber Trittin sagt trotzdem das, was er eben sagt.

Die SPD hat sich zwischenzeitlich zum Verantwortungswillen durchgerungen und spielt den Ball wieder ins Feld der Union. Glaube, es war Schulz himself, der da sagte, die Kanzlerin müsse nun entscheiden, ob sie regieren will - was im Sinne einer Bewegungsfähigkeit gemeint war.


Trittin ist ein guter Mann. Wobei er schon lieber selbst solch eine "Sammlungsbewegung" anführen würde, denn er ist nicht weniger eitel als Lafontaine :D Trotzdem halte ich viel von Trittin, vor allem wegen seines analytischen Blicks. Ich zitiere aus dem von dir verlinkten Text:

Trittin übte auch Selbstkritik. Die rot-grüne Bundesregierung, der er als Umweltminister angehörte, habe den Niedergang der Linken befördert, sagte er dem SPIEGEL. "Der Neoliberalismus hat dazu geführt, dass die Spaltung in der Gesellschaft wieder größer geworden ist", während die Hoffnung auf Teilhabe in der Gesellschaft gesunken sei. Dass die Sozialdemokraten, aber auch die Grünen "eine Zeit lang den neoliberalen Diskurs mitgefahren haben", sei ein Grund dafür, dass es heute keine linke Mehrheit mehr gebe. Zum Beispiel sei das Wort "Reform" heute, anders als zu Zeiten Willy Brandts, eine Bedrohung. Statt mehr Teilhabe drohe Ausschluss. "Daran hatten die Hartz-Reformen definitiv ihren Anteil."
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz

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