Mehrheitswahlrecht

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Fazer
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Fazer » Mo 11. Dez 2017, 23:03

Tomaner hat geschrieben:(11 Dec 2017, 11:46)

und in welchen Ländern ist alles so um Längen besser, dass wir denen es nachmachen sollten? Nimmt man Bayern, hätte man da beinahe nur noch 100 Prozent CSU! Was Stichwahlen angeht, wählen viele dann entweder gar nicht oder kleineres Übel. Was spricht dagegen, dass die Interessen des Volkes auch Prozentual so in den Parlamenten so vertreten ist? Warum sind Kompromisse negativ? Wenn verschiedene Interessensgruppen einen Kompromis ausarbeiten soll dies grundsätzlich schlechter sein, als wenn sich eine Gruppe immer zu 100 Prozent durchsetzt?


Ich bin nicht unbedingt für ein Mehrheitswahlrecht, aber wie gesagt - es ist nicht per se undemokratisch, wie man in GB sieht. Dennoch bleibt das Problem der Unregierbarkeit, wenn man nicht zumindest eine adäquate Sperrklausel hat. Aber selbst die kann zu Zersplitterung führen. Krass z.B. die Situation in Berlin, mit 4 Parteien, die alle bei um die 20% liegen. Und noch mal: warum mögen die Menschen die GroKo nicht mehr? Weil in einer Koalition eben Kompromisse geschlossen werden müssen. Ich halte das an sich für ganz gut, denn es vermeidet, dass eine Minderheit quasi überfahren wird. Aber in der öffentlichen Debatte werden Kompromisse als grosses Übel dargestellt, weil man natürlich die "reine Lehre" verwässert.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Dampflok94 » Di 12. Dez 2017, 09:43

Fazer hat geschrieben:(11 Dec 2017, 23:03)
Und noch mal: warum mögen die Menschen die GroKo nicht mehr? Weil in einer Koalition eben Kompromisse geschlossen werden müssen.

Das ist sicherlich nicht der Grund. Seir Bestehen der Bundesrepublik gab es genau für vier Jahre eine absolute Mehrheit für eine Partei. Für die CDU unter Adenauer. Ansonsten gab es immer Koalitionen. Und insgesamt wird man wohl behaupten können, daß D damit sehr gut gefahren ist.

Es geht nicht um die Tatsache der Kompromisse an sich, es geht um die Art der Kompromisse. Sonst hätte nicht Jamaika durchaus vieleFürsprecher gehabt. Denn das hätte noch mehr Kompromisse bedeutet.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon H2O » Di 12. Dez 2017, 10:01

Dampflok94 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 09:43)

Das ist sicherlich nicht der Grund. Seir Bestehen der Bundesrepublik gab es genau für vier Jahre eine absolute Mehrheit für eine Partei. Für die CDU unter Adenauer. Ansonsten gab es immer Koalitionen. Und insgesamt wird man wohl behaupten können, daß D damit sehr gut gefahren ist.

Es geht nicht um die Tatsache der Kompromisse an sich, es geht um die Art der Kompromisse. Sonst hätte nicht Jamaika durchaus vieleFürsprecher gehabt. Denn das hätte noch mehr Kompromisse bedeutet.


Vielleicht hilft ein Blick auf die Verteilung der Unzufriedenheit in Deutschland. Wir erkennen doch, daß abgehängte Regionen sich Parteien zuwenden, die ihnen Besserung versprechen, weniger ein beharrliches "Weiter so". Der Aufbau Ost ist nicht gelungen, wenn wir an gute Arbeit in weiten Bereichen dieser Regionen denken. Die jungen mit gesuchten Fähigkeiten wandern ab in die boomenden Ballungsgebiete.

Die Politik hat es versäumt, diese boomenden Kräfte um zu lenken dahin, wo die Menschen abwandern. Das ist keine einfache Sache, weil die Boomregionen politisch mächtig sind und ihren wachsenden Besitzstand mit Klauen und Zähnen verteidigen.

Die Folgeprobleme "bezahlbarer Wohnraum", Fernpendler, verbrauchte Infrastruktur lassen nicht auf sich warten.

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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Sa 16. Dez 2017, 21:26

Guten Abend,
Ich möchte mal die Frage in den Raum stellen, was geschehen wäre, wenn Deutschland ein Mehrheitswahlrecht hätte, das schon zu einem De-facto-Zweiparteiensytsem geführt hätte. Es gäbe also nur zwei wichtige Parteien, sagen wie Republikaner und Demokraten. Merkel wäre 2013 Chefin der Demokraten gewesen und wurde damals zur Kanzlerin gewählt. Wäre Merkel bei diesem Wahlrecht und diesen Verhältnissen, bei der Poltik, die sie in den letzten vier Jahren gemacht hat, wieder gewählt worden, oder hätte die zweite große Partei die Mehrheit errungen? Was haltet ihr für wahrscheinlich?
Ist das Verhältniswahlrecht in Deutschland besser oder das amerikanische Mehrheitswahlrecht?
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon frems » Sa 16. Dez 2017, 21:50

Der Vorteil wäre, dass bei solch einem System Merkel seit 2013 im Ruhestand gewesen wäre. Aber die Geschichte ist leider nicht zu korrigieren. Ansonsten halte ich aber nichts von einem Mehrheitswahlsystem, weil einfach zu viele Stimmen rausfliegen. Es kommt ja auch hinzu die Frage, ob man den Kanzler oder den Bundestag so wählt. Bei letzterem fände ich es noch schlechter. Dann hätten die beiden Volksparteien wohl über 95% der Sitze mit etwas über 50% der Stimmen.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Sa 16. Dez 2017, 21:58

frems hat geschrieben:(16 Dec 2017, 21:50)

Der Vorteil wäre, dass bei solch einem System Merkel seit 2013 im Ruhestand gewesen wäre. Aber die Geschichte ist leider nicht zu korrigieren. Ansonsten halte ich aber nichts von einem Mehrheitswahlsystem, weil einfach zu viele Stimmen rausfliegen. Es kommt ja auch hinzu die Frage, ob man den Kanzler oder den Bundestag so wählt. Bei letzterem fände ich es noch schlechter. Dann hätten die beiden Volksparteien wohl über 95% der Sitze mit etwas über 50% der Stimmen.

Würden sich die anderen Parteien nicht mit der Zeit mehr oder weniger auflösen und ihre Mitglieder die Politik der zwei großen Parteien mitprägen, sodass nach einiger Zeit diese auch fast alle Stimmen repräsentieren?
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Sa 16. Dez 2017, 21:59

Und wieso wäre Merkel dann seit 2013 im Ruhestand?
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon frems » Sa 16. Dez 2017, 22:09

Boraiel hat geschrieben:(16 Dec 2017, 21:59)

Und wieso wäre Merkel dann seit 2013 im Ruhestand?

Weil man in den USA nach dem dortigen Wahlsystem nur zweimal Präsident sein darf. Überträgt man dies auf das deutsche Kanzleramt, hätte die CDU 2013 bei der Wahl einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken müssen.

Boraiel hat geschrieben:Würden sich die anderen Parteien nicht mit der Zeit mehr oder weniger auflösen und ihre Mitglieder die Politik der zwei großen Parteien mitprägen, sodass nach einiger Zeit diese auch fast alle Stimmen repräsentieren?

Funktioniert in Ländern wie Großbritannien nicht. Nehmen wir die dortigen Wahlen von 2015.

Die Tories erzielten 36,8% der Wählerstimmen und 50,8% der Abgeordnetensitze -> Alleinregierung
SNP bekam 4,7% der Stimmen und 8,6% der Sitze
Ukip hatte 12,6% der Stimmen und bekam gerade so einen der 650 Sitze, also 0,2%. Und das halt, weil sie nur in einem Wahlkreis eine knappe Mehrheit bekamen.

Und nicht falsch verstehen: mir ist eine SNP deutlich lieber als Ukip. Aber sonderlich demokratisch finde ich es nicht.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Der Neandertaler » So 17. Dez 2017, 10:52

Hallo Boraiel.
Der Unterschied ist, wie Du selber festgestellt hast, daß in einem Mehrheitswahlsystem (mehr oder weniger) nur zwei oder allenfalls drei Parteien im jeweiligen Parlament sitzen.
    (s.: USA - Republikaner, Demokraten und zwei Unabhängige)
Somit wäre auch eine Regierungsmehrheit unter Umständen eindeutiger.

Wir (Deutschland u.a.) haben uns aber nunmal dafür entschieden, weitgehend ein Abbild der Gesellschaft in die Parlamente zu tragen. Deshalb haben wir uns für das Verhältniswahlsystem entschieden. Gleichzeitig soll aber auch der (mehrheitlich) gewählte vorort-Abgeordnete bedacht werden, deshalb ist das Verhältniswahlsystem mit Teilen eines Merheitswahlsystems nuanciert (Erststimme).

Nun kann und soll jeder selber entscheiden, was letztendlich bessser ist. Wobei aber immer die Frage zuerst gestellt werden sollte, was damit (mit der Wahl oder mit einer Änderung des Wahlsystems) erreicht werden soll? Wollen wir eine eindeutigere und leichtere (schnellere) Regierungsbildung = Merheitswahlsystem oder soll (weitgehend) die Gesellschaft abgebildet ... deren Meinung im Parlamet sitzen = Verhältniswahlsystem.

Ich bin für die Beibehaltung des jetzigen Systems, Reformen sollte es aber dennoch geben.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 20. Dez 2017, 15:12

Ihr kennt euch halt nicht aus. Weder Frankreich noch Engeland haben bloß drei Parteien.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Mi 20. Dez 2017, 15:22

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Dec 2017, 15:12)

Ihr kennt euch halt nicht aus. Weder Frankreich noch Engeland haben bloß drei Parteien.

Ich bezog mich auch extra auf die Lage in den USA und da gibt es nur 2 relevante Parteien, der Rest dümpelt vor sich hin.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Mi 20. Dez 2017, 15:26

Der Neandertaler hat geschrieben:(17 Dec 2017, 10:52)

Hallo Boraiel.
Der Unterschied ist, wie Du selber festgestellt hast, daß in einem Mehrheitswahlsystem (mehr oder weniger) nur zwei oder allenfalls drei Parteien im jeweiligen Parlament sitzen.
    (s.: USA - Republikaner, Demokraten und zwei Unabhängige)
Somit wäre auch eine Regierungsmehrheit unter Umständen eindeutiger.

Wir (Deutschland u.a.) haben uns aber nunmal dafür entschieden, weitgehend ein Abbild der Gesellschaft in die Parlamente zu tragen. Deshalb haben wir uns für das Verhältniswahlsystem entschieden. Gleichzeitig soll aber auch der (mehrheitlich) gewählte vorort-Abgeordnete bedacht werden, deshalb ist das Verhältniswahlsystem mit Teilen eines Merheitswahlsystems nuanciert (Erststimme).

Nun kann und soll jeder selber entscheiden, was letztendlich bessser ist. Wobei aber immer die Frage zuerst gestellt werden sollte, was damit (mit der Wahl oder mit einer Änderung des Wahlsystems) erreicht werden soll? Wollen wir eine eindeutigere und leichtere (schnellere) Regierungsbildung = Merheitswahlsystem oder soll (weitgehend) die Gesellschaft abgebildet ... deren Meinung im Parlamet sitzen = Verhältniswahlsystem.

Ich bin für die Beibehaltung des jetzigen Systems, Reformen sollte es aber dennoch geben.

Leichtere Regierungsbildung ist auch wichtig, was aber noch wichtiger ist und weswegen ich den Wechsel zum amerikanischen Mehrheitswahlrecht für richtig halte, ist die Regierungsabwahl. Ich halte es für verkehrt, dass Frau Merkel nach solchen Verlusten bei der Bundestagswahl wohl weiterhin Kanzlerin bleiben kann.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 20. Dez 2017, 17:05

Boraiel hat geschrieben:(20 Dec 2017, 15:22)

Ich bezog mich auch extra auf die Lage in den USA und da gibt es nur 2 relevante Parteien, der Rest dümpelt vor sich hin.

Deutschland ist aber viel mehr wie Europa.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 20. Dez 2017, 17:20

Hallo Boraiel.
Unser Wahlsystem ist, wie bekannt, ein Zwitter. Ein Verhältniswahlsystem mit einem Teil, dem Hauptteil vom Mehrheitswahlsystem. Und so wie unser Wahlsystem durch die Prozenthürde eingeschränkt ist, kann ich dies auch noch weiter einschränken - durch Einführung einer Wahlperiode des Kanzlers.

Die Einschränkung der Wiederwahl eines Kanzlers ist nämlich keine Zwangsläufigkeit des Mehrheitswahlsystems - es ist ein Zusatz.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Mi 20. Dez 2017, 17:29

Der Neandertaler hat geschrieben:(20 Dec 2017, 17:20)

Hallo Boraiel.
Unser Wahlsystem ist, wie bekannt, ein Zwitter. Ein Verhältniswahlsystem mit einem Teil, dem Hauptteil vom Mehrheitswahlsystem. Und so wie unser Wahlsystem durch die Prozenthürde eingeschränkt ist, kann ich dies auch noch weiter einschränken - durch Einführung einer Wahlperiode des Kanzlers.

Die Einschränkung der Wiederwahl eines Kanzlers ist nämlich keine Zwangsläufigkeit des Mehrheitswahlsystems - es ist ein Zusatz.

Es geht mir nicht um die Verhinderung der Wiederwahl des Kanzlers, sondern um bessere Abwahlmöglichkeiten. Wenn es weitanzutreffende Unzufriedenheit mit der letzten Regierung gibt, dann sollte unser Wahlsystem auch dafür sorgen, dass die letzte Regierung und besonders ihr Oberhaupt nicht wieder in Amt und Würden kommt.
Wie könnnen wir dafür besser Sorge tragen als mit einem Mehrheitswahlrecht? :?:
P.s.: Es muss ja auch einen Gegenspieler geben, der Machtpotenzial hat. Jemand von einer 10%-Partei hat das nicht.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 20. Dez 2017, 18:53

Hallo Boraiel.
Laut unserem Wahlsystem wählen wir primär Parteien - keine Personen. Deshalb können wir den oder die Person nicht abwählen - diies ist nur den jeweiligen Parteigremien überlassen. So stellen auch Parteien quasi als Service (um zu wissen, wen man bokommt, wenn diese Partei gewinnt) einen (Kanzler-) Kandidaten auf.

So hatten wir diesmal die Auswahl zwischen Frau Merkel und Herrn Schulz. Da aber offenbar für die Wähler das Parteiprogramm der ein oder anderen Partei besser und daher letztlich wichtiger war als der Kandidat der Gegnerpartei, so hat eben die CDU gewonnen ... und wir bekommen nun Frau Merkel. Aber ob wir aber wirklich Frau Merkel als Regierungschefin bekommen, ist aber noch nicht gesagt. Denn vielleicht ist es ja eine Forderung von der SPD:
    ... nur ohne Frau Merkel!
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 20. Dez 2017, 19:39

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Dec 2017, 15:12)

Ihr kennt euch halt nicht aus. Weder Frankreich noch Engeland haben bloß drei Parteien.


Nicht nur das. Im Kaiserreich gab es auch ein Mehrheitswahlrecht. Und im Reichstag waren mehrere Parteien vertreten. Ein Mehrheitswahlrecht muss nicht zwangsläufig zu einen Zwei-Parteien-System führen.
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon Boraiel » Mi 20. Dez 2017, 21:56

Helmuth_123 hat geschrieben:(20 Dec 2017, 19:39)

Nicht nur das. Im Kaiserreich gab es auch ein Mehrheitswahlrecht. Und im Reichstag waren mehrere Parteien vertreten. Ein Mehrheitswahlrecht muss nicht zwangsläufig zu einen Zwei-Parteien-System führen.

Welche anderen Stellschrauben haben denn dazu geführt, dass wir in den USA ein Defacto-Zweiparteinensystem haben in anderen Ländern aber nicht?
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon jorikke » Di 26. Dez 2017, 22:09

Dampflok94 hat geschrieben:(12 Dec 2017, 09:43)

Das ist sicherlich nicht der Grund. Seir Bestehen der Bundesrepublik gab es genau für vier Jahre eine absolute Mehrheit für eine Partei. Für die CDU unter Adenauer. Ansonsten gab es immer Koalitionen. Und insgesamt wird man wohl behaupten können, daß D damit sehr gut gefahren ist.

Es geht nicht um die Tatsache der Kompromisse an sich, es geht um die Art der Kompromisse. Sonst hätte nicht Jamaika durchaus vieleFürsprecher gehabt. Denn das hätte noch mehr Kompromisse bedeutet.


1957 hatte Adenauer zwar mit 50,2% die absolute Mehrheit. Dennoch bildete er mit der DP eine Koalitionsregierung um aus den eigenen Reihen Querschüsse zu vermeiden.
...auch deshalb: "Der alte Fuchs."
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Re: Mehrheitswahlrecht

Beitragvon H2O » Mi 27. Dez 2017, 09:26

Der Neandertaler hat geschrieben:(20 Dec 2017, 18:53)

...
... nur ohne Frau Merkel!


Solche Grundsatzfragen sollte dann doch der Wähler entscheiden! CDU/CSU < 20% und alles ist klar.

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