Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen will

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Balsamico
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Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen will

Beitragvon Balsamico » So 26. Nov 2017, 13:36

.

Ich habe die Vermutung, dass die FDP so ungenügend auf die Frage antworten kann, weshalb sie Jamaika hat scheitern lassen, weil zu den tatsächlichen inhaltlichen Punkten zu stehen, ihr Zustimmung unter den Wähler kosten würde.

Nicola Beer von der FDP hat zum Beispiel, als Cem Özdemir sie recht bedrängt hat mit der Frage bei Maybritt Illner, das Beispiel genannt, dass die FDP in den Sondierungen mehr Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten gefordert, aber nicht bekommen hat. Allerdings musste sie schon mehrmals gefragt werden, bis sie damit, rausgerückt hat (und nicht wirklich gewollt hatte ich den Eindruck). Klar, da rollt es auch 95% der Deutschen die Fußnägl auf!!
Gab es in den Sondierungen weitere Punkte bzgl. Rechte von Arbeitnehmern?

Welche derartigen Punkte könnte es noch geben, die die FDP dazu bewegt hat, Jakaika lieber komplett scheitern zu lassen, als regieren zu dürfen? Vielleicht stand sie auch unter Druck von Lobbyisten, die verlangen, dass Waffenlieferungen in den Jemen auf keinen Fall abgebrochen werden dürfen -wozu Jamaika ja geführt hätte. -möglich oder? Was denkt ihr? -Dazu zu stehen könnte sich die FDP auch nicht erlauben.

Die Geschichte mit dem Soli ist ja ein Witz, aber das ist ja das Hauptargument der FDP. Die FDP will den Soli in einer Legislaturperiode weg haben und das Angebot ist, 80% der Bürger bezahlen ihn in der ersten nichtmehr, die restlichen 20% (die reicheren) direkt am Anfang der zweiten nichtmehr. Dass es eine Lüge ist, dass das der Grund sei, ist ja offensichtlich.

Welche inhaltlichen Punkte, die die FDP offensichtlich trotz großer Erklärungsnot nicht gerne öffentlich nennen möchte, sind es dann?

Ich bin gespannt und hoffe, dass in dem Thread eher Punkte aufgezählt werden, als dass gestritten wird.



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Rochhardo
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Rochhardo » So 26. Nov 2017, 13:56

Es könnte auch darum gegangen sein, dass die FDP im Gegensatz zu den Grünen nicht noch mehr Soldaten in Kriege schicken will.

Denn die SPD und Grünen sind bisher die einzigen Parteien die Deutschland, die deutsche Soldaten in einen Auslandseinsatz geschickt haben ... Randnotiz.

Solche Spekulationen sind immer total müßig, da jeder eine andere Meinung hat und keiner seine eigene irgendwie untermauern kann. Damit wird auch Verschwörungen Tür und Tor geöffnet.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Ein Terraner » So 26. Nov 2017, 13:59

Ich vermute dem Lindner war für die Verantwortung das Jahresgehalt zu niedrig.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 26. Nov 2017, 21:22

Einer der in Regierung nicht erreichbaren Punkte ist, als pointierte, frech-herausfordernde Opposition und Alternative zur CDU wahrgenommen zu werden und bei Neuwahlen dick abzuräumen.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Woppadaq » So 26. Nov 2017, 21:25

Rochhardo hat geschrieben:(26 Nov 2017, 13:56)

Es könnte auch darum gegangen sein, dass die FDP im Gegensatz zu den Grünen nicht noch mehr Soldaten in Kriege schicken will.

Denn die SPD und Grünen sind bisher die einzigen Parteien die Deutschland, die deutsche Soldaten in einen Auslandseinsatz geschickt haben ... Randnotiz.


Da war doch mal was mit Schröder. Hat der nicht gewonnen, weil er sich dem Irakkrieg verweigert hat? War es nicht Angela Merkel, die ihn dafür scharf anging und sich deswegen mit George W. Bush in Washington traf?
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon jorikke » So 26. Nov 2017, 23:36

Woppadaq hat geschrieben:(26 Nov 2017, 21:25)

Da war doch mal was mit Schröder. Hat der nicht gewonnen, weil er sich dem Irakkrieg verweigert hat? War es nicht Angela Merkel, die ihn dafür scharf anging und sich deswegen mit George W. Bush in Washington traf?


Deshalb hat die FDP in den Sondierungen das Handtuch geschmissen?
...Uff.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Tom Bombadil » So 26. Nov 2017, 23:54

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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Brainiac » Mo 27. Nov 2017, 07:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(26 Nov 2017, 23:54)

Hier kannst du es nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/downloads/20 ... indner.pdf

Eigentlich erstaunlich, dass es in der Geschichte der Bundesrepublik schon jemals zu Koalitionen gekommen ist. ;)

https://www.google.de/search?q=koalitionskompromisse
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon JJazzGold » Mo 27. Nov 2017, 08:02

Balsamico hat geschrieben:(26 Nov 2017, 13:36)

.

Ich habe die Vermutung, dass die FDP so ungenügend auf die Frage antworten kann, weshalb sie Jamaika hat scheitern lassen, weil zu den tatsächlichen inhaltlichen Punkten zu stehen, ihr Zustimmung unter den Wähler kosten würde.

Nicola Beer von der FDP hat zum Beispiel, als Cem Özdemir sie recht bedrängt hat mit der Frage bei Maybritt Illner, das Beispiel genannt, dass die FDP in den Sondierungen mehr Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten gefordert, aber nicht bekommen hat. Allerdings musste sie schon mehrmals gefragt werden, bis sie damit, rausgerückt hat (und nicht wirklich gewollt hatte ich den Eindruck). Klar, da rollt es auch 95% der Deutschen die Fußnägl auf!!
Gab es in den Sondierungen weitere Punkte bzgl. Rechte von Arbeitnehmern?

Welche derartigen Punkte könnte es noch geben, die die FDP dazu bewegt hat, Jakaika lieber komplett scheitern zu lassen, als regieren zu dürfen? Vielleicht stand sie auch unter Druck von Lobbyisten, die verlangen, dass Waffenlieferungen in den Jemen auf keinen Fall abgebrochen werden dürfen -wozu Jamaika ja geführt hätte. -möglich oder? Was denkt ihr? -Dazu zu stehen könnte sich die FDP auch nicht erlauben.

Die Geschichte mit dem Soli ist ja ein Witz, aber das ist ja das Hauptargument der FDP. Die FDP will den Soli in einer Legislaturperiode weg haben und das Angebot ist, 80% der Bürger bezahlen ihn in der ersten nichtmehr, die restlichen 20% (die reicheren) direkt am Anfang der zweiten nichtmehr. Dass es eine Lüge ist, dass das der Grund sei, ist ja offensichtlich.

Welche inhaltlichen Punkte, die die FDP offensichtlich trotz großer Erklärungsnot nicht gerne öffentlich nennen möchte, sind es dann?

Ich bin gespannt und hoffe, dass in dem Thread eher Punkte aufgezählt werden, als dass gestritten wird.



.


Das ist der Punkt, an dem die Sondierung seitens der FDP scheiterte.


“Bei seiner Rede auf dem Grünen-Parteitag in Berlin hat der ehemalige Parteichef Jürgen Trittin die FDP von Christian Lindner scharf angegriffen. Er rückte die Liberalen in die Nähe der AfD - sie sei eine Partei einer "neuen rechten Elite".

http://www.focus.de/politik/deutschland ... 96730.html
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 27. Nov 2017, 08:45

Es ist doch ganz einfach, der Lindner-FDP wurde es offenbar zu bunt und zog dann die Reißleine.
Man sah im wesentlichen eine Fortsetzung der GroKo-Politik, garniert mit Schnittlauch - teure Programme zu Lasten der Bürger. Die FDP wollte aber eben nicht nur symbolisch dabei sein (was natürlich auch ein taktisch-strategisches Problem gewesen wäre), sondern erkennbare Trendwenden.

Und in mindestens 7 Baustein-Bereichen wäre etwas zu erkennen gewesen sein müssen: Bildung, Soli, Migration, bezahlbarer Klimaschutz, Europa ohne Transfer-Union, Digitalisierung und liberales Rechtsstaatsmodell.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 27. Nov 2017, 09:30

JJazzGold hat geschrieben:(27 Nov 2017, 08:02)

Das ist der Punkt, an dem die Sondierung seitens der FDP scheiterte.


“Bei seiner Rede auf dem Grünen-Parteitag in Berlin hat der ehemalige Parteichef Jürgen Trittin die FDP von Christian Lindner scharf angegriffen. Er rückte die Liberalen in die Nähe der AfD - sie sei eine Partei einer "neuen rechten Elite".

http://www.focus.de/politik/deutschland ... 96730.html

Diese Scharfmacherei ist in meinen Augen unangebracht. Die FDP steht klar rechts der Union, was Marktwirtschaft angeht - vor 10 Jahren litt sie unter dem großen Bedürfnis der Union, da mitzuspielen, heute schimpft sie fröhlich über das Gegenteil, obwohl die Union sich kaum veränderte. Es ist auch wahr, dass die FDP heute gesellschaftspolitisch weniger auf Soziales setzt. NRW-Sozialticket abschaffen, Familiennachzug ohne echtes Argument begrenzen und bremsen - das sind nicht ganz neue Töne, die an der FDP aber immer noch fremd klingen. Jedoch sind solche Ideen auch bei der CDU/CSU in Teilen präsent. Mit der wollte Herr Trittin ja einig gewesen sein. Ich denke, in solchen Äußerungen steckt immer auch Pflege der weniger koalitionsgeeigneten Mitglieder und Wähler auf Kosten eines politischen Projektes, das vorerst ohnehin nicht kommt.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Alexyessin » Mo 27. Nov 2017, 09:54

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Nov 2017, 09:30)

Diese Scharfmacherei ist in meinen Augen unangebracht. Die FDP steht klar rechts der Union, was Marktwirtschaft angeht - vor 10 Jahren litt sie unter dem großen Bedürfnis der Union, da mitzuspielen, heute schimpft sie fröhlich über das Gegenteil, obwohl die Union sich kaum veränderte. Es ist auch wahr, dass die FDP heute gesellschaftspolitisch weniger auf Soziales setzt. NRW-Sozialticket abschaffen, Familiennachzug ohne echtes Argument begrenzen und bremsen - das sind nicht ganz neue Töne, die an der FDP aber immer noch fremd klingen. Jedoch sind solche Ideen auch bei der CDU/CSU in Teilen präsent. Mit der wollte Herr Trittin ja einig gewesen sein. Ich denke, in solchen Äußerungen steckt immer auch Pflege der weniger koalitionsgeeigneten Mitglieder und Wähler auf Kosten eines politischen Projektes, das vorerst ohnehin nicht kommt.


Rechts als Marktliberal, das passt.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon H2O » Mo 27. Nov 2017, 10:02

Die Programme der anderen Sondierungspartner waren so aufwendig, daß bei brummender Wirtschaft und reichlich Steueraufkommen eher an Steuererhöhungen als an Steuersenkungen zu denken war. Ich will mit der FDP ansonsten nichts zu tun haben... aber da hätte ich auch die Reißleine gezogen, wenn ich mit der Vorstellung "Soli weg", "Mittelstandsbauch weg" angetreten wäre, und meine Partner obendrein mehrere neue Steuern und Steuererhöhungen nur der Gerechtigkeit wegen erfunden hätten.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 27. Nov 2017, 11:47

Brainiac hat geschrieben:(27 Nov 2017, 07:19)

Eigentlich erstaunlich, dass es in der Geschichte der Bundesrepublik schon jemals zu Koalitionen gekommen ist.

Wieso? Es gibt auch bei Koalitionen Grenzen, über die man nicht bereit ist, zu gehen und wenn man sich nicht einigen kann, dann ist das eben so, es gibt ja keinen Zwang, sich an einer Regierung beteiligen zu müssen. Das finde ich auch richtig so, die Parteien sollten schon noch ein bisschen Profil bewahren, das sind sie ihren Wählern schuldig.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Brainiac » Di 28. Nov 2017, 21:20

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Nov 2017, 11:47)

Wieso? Es gibt auch bei Koalitionen Grenzen, über die man nicht bereit ist, zu gehen und wenn man sich nicht einigen kann, dann ist das eben so, es gibt ja keinen Zwang, sich an einer Regierung beteiligen zu müssen. Das finde ich auch richtig so, die Parteien sollten schon noch ein bisschen Profil bewahren, das sind sie ihren Wählern schuldig.

Ja, nur entnehme ich Lindners Brief eigentlich keinen Punkt und keinen Sachverhalt, zu dem sich gar kein Kompromiss hätte finden können - wenn man denn gewollt hätte. Man hätte sicher eine solche Darstellung zu sehr vielen Koalitionsverhandlungen der Geschichte schreiben können, egal aus Sicht welcher Partei. Und dennoch hat man sich zusammengerissen. Darauf zielte meine ironische Bemerkung.

Und hier gab es doch eine sehr eindeutige Notwendigkeit, es mit allen Kräften zu versuchen. Die Große Koalition hat in Summe 14 Prozentpunkte verloren, die kann und darf doch eigentlich nicht weiter machen. Klar ist diese aus dem Wahlergebnis resultierende Kräftekonstellation auch etwas unglücklich und zur Unzeit für die FDP gekommen. Nun, sowas passiert im Leben.

Gibt es denn für dich hier das erkennbare KO-Kriterium in Lindners Papier, und wenn ja, welches?

Und wenn es einfach in Summe zu wenig erschien, was vom eigenen Programm umgesetzt werden konnte - dass alle beteiligten Parteien in dieser hier auf Bundesebene noch nie dagewesenen Koalition erhebliche Abstriche hätten machen müssen, war ja von vornherein klar. Aber dann hat man vielleicht nicht nachdrücklich und ernsthaft genug verhandelt. Man hätte ja auch beizeiten auf Merkel zugehen können: "Hör mal, du beschäftigst dich nur mit den Grünen, uns gibt es auch noch und wenn das so weiter geht, geht das nicht mit uns", oder irgendwas in der Art. Ist das passiert?

Wenn nein, steht man jedenfalls nicht plötzlich am Ende im Alleingang auf und erklärt öffentlich "nicht mit uns". So verhandelt man nicht.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Maikel » Mi 29. Nov 2017, 08:21

Einen interessanten, allerdings sehr langen Beitrag zum Thema gibt es bei der FAZ.
http://www.faz.net/aktuell/woran-ist-jamaika-wirklich-gescheitert-innenansichten-eines-gescheiterten-experiments-15312630.html#woran-ist-jamaika-wirklich-gescheitert

Es ist leider nicht ersichtlich, woher diese Infos stammen.
Daher ist es auch schlecht zu beurteilen, auf wessen Sichtweise die Darstellungen basieren; ob es evtl. nur/auch zufällige Informationsbrocken von unterschiedlichen Seiten bzw. Personen sind.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Brainiac » Mi 29. Nov 2017, 09:10

Maikel hat geschrieben:(29 Nov 2017, 08:21)

Einen interessanten, allerdings sehr langen Beitrag zum Thema gibt es bei der FAZ.
http://www.faz.net/aktuell/woran-ist-jamaika-wirklich-gescheitert-innenansichten-eines-gescheiterten-experiments-15312630.html#woran-ist-jamaika-wirklich-gescheitert

Es ist leider nicht ersichtlich, woher diese Infos stammen.
Daher ist es auch schlecht zu beurteilen, auf wessen Sichtweise die Darstellungen basieren; ob es evtl. nur/auch zufällige Informationsbrocken von unterschiedlichen Seiten bzw. Personen sind.

Danke! So könnte es wohl gewesen sein.

Wenn wir das jetzt mal glauben, muss ich zugeben, dass es sich für mich etwas anders darstellt, als ich oben schrieb. Lindner wollte die Union zu einem gemeinsamen Abbruch bewegen, aber Merkel wollte das nicht, also musste Lindner es alleine tun.

Bleibt Merkels Eindruck (auf Seite 4), "dass die FDP von Anfang an nicht wollte". Das passt jedenfalls zum gesamten Ablauf der Dinge. Kann man tolerieren; richtig finden muss man das, in dieser Lage nach der Wahl, nicht.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 29. Nov 2017, 10:11

Brainiac hat geschrieben:(28 Nov 2017, 21:20)

Ja, nur entnehme ich Lindners Brief eigentlich keinen Punkt und keinen Sachverhalt, zu dem sich gar kein Kompromiss hätte finden können - wenn man denn gewollt hätte.

Sowas ist schwierig zu beurteilen, wir waren ja nicht dabei. Es ich leicht gesagt "wenn man nur will", aber bis zu welchem Punkt muss denn eine Partei Kompromisse schließen? Irgendwo muss es einen Punkt geben, wo es genug ist, um die eigenen Wähler nicht zu "verraten".

Man hätte sicher eine solche Darstellung zu sehr vielen Koalitionsverhandlungen der Geschichte schreiben können, egal aus Sicht welcher Partei.

Es waren ja aber noch keine Koalitionsverhandlungen sondern nur Sondierungsgespräche und genau dafür sind diese Gespräche doch da: herauszufinden, ob man überhaupt miteinander regieren kann. FDP kann nicht, vor allen Dingen nicht mit den Grünen (was mich angesichts von Trittins Äußerungen nicht wundert) das sollte man respektieren und sie nicht als "Vaterlandsverräter" hinstellen, es gibt keine Pflicht für eine kleine Partei, sich an einer Regierung zu beteiligen.

Und hier gab es doch eine sehr eindeutige Notwendigkeit, es mit allen Kräften zu versuchen.

Angesichts der Dauer und der Häufigkeit der Gespräche kann ich nicht erkennen, dass man es nicht mit allen Kräften versucht hat. Diese Dauer konterkariert auch Merkels Aussage, dass die FDP von Anfang nicht gewollt hätte.

Die Große Koalition hat in Summe 14 Prozentpunkte verloren, die kann und darf doch eigentlich nicht weiter machen.

Für mich ist der Regierungsauftrag klar an die Union und die SPD gegangen, nur die beiden können zusammen regieren, alle anderen Koalitionen sind aufgrund zu großer politischer Differenzen nicht möglich. Mich hätte es sehr gewundert, wenn Jamaika funktioniert hätte. Dass die SPD es nicht schafft, gegen Merkel ihr Profil zu schärfen und eigene Erfolge auch als die ihren zu verkaufen und ihr deswegen die Wähler wegrennen, ist in erster Linie ein Problem der SPD und nicht Deutschlands.

Gibt es denn für dich hier das erkennbare KO-Kriterium in Lindners Papier, und wenn ja, welches?

Direkt beim ersten Punkt geht es doch schon los "Am Schluß lag mehr oder weniger das Wahlprogramm der Union vor".

Ist das passiert?

Wer soll das wissen, der nicht dabei war? Denkbar sind viele Szenarien.

So verhandelt man nicht.

Du warst dabei?

Ergänzung: in dem FAZ-Artikel ist schon am Anfang (ich bin noch nicht durch mti lesen) viel von Misstrauen die Rede, ohne Vertrauen kann man nicht zusammen regieren.
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Wähler » Mi 29. Nov 2017, 12:00

DarkLightbringer hat geschrieben:(27 Nov 2017, 08:45)
Und in mindestens 7 Baustein-Bereichen wäre etwas zu erkennen gewesen sein müssen: Bildung, Soli, Migration, bezahlbarer Klimaschutz, Europa ohne Transfer-Union, Digitalisierung und liberales Rechtsstaatsmodell.

Herr Lindner hat seine Verhandlungsposition offenbar überschätzt, sonst hätte er sich stärker auf die 3 Punkte konzentriert, an denen es gescheitert ist. Die Grünen haben hingegen den Fehler gemacht, die Flüchtlingsfrage nicht in Richtung eines Zuwanderungsgesetzes zu erweitern, um damit der FDP entgegenzukommen. Ist halt für beide kleine Parteien schlecht gelaufen.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Welche Punkte waren es, die die FDP erreichen wollte, aber nicht erreicht hat? (und offensichtl. nicht gerne nennen

Beitragvon Brainiac » Mi 29. Nov 2017, 21:25

Edit: Beitrag wurde versehentlich überschrieben, mit Tom Bombadils Hilfe weitestgehend wieder hergestellt.

Tom Bombadil hat geschrieben:(29 Nov 2017, 10:11)

Sowas ist schwierig zu beurteilen, wir waren ja nicht dabei. Es ich leicht gesagt "wenn man nur will", aber bis zu welchem Punkt muss denn eine Partei Kompromisse schließen? Irgendwo muss es einen Punkt geben, wo es genug ist, um die eigenen Wähler nicht zu "verraten".

Wenn aber diese eine kleine Partei das Zünglein an der Waage ist, kann man schon hohe Anforderungen stellen.

Angesichts der Dauer und der Häufigkeit der Gespräche kann ich nicht erkennen, dass man es nicht mit allen Kräften versucht hat. Diese Dauer konterkariert auch Merkels Aussage, dass die FDP von Anfang nicht gewollt hätte.

Überzeugt nicht - kann Taktik gewesen sein, um nicht zu offensichtlich als der Showstopper dazustehen.

Für mich ist der Regierungsauftrag klar an die Union und die SPD gegangen, nur die beiden können zusammen regieren, alle anderen Koalitionen sind aufgrund zu großer politischer Differenzen nicht möglich.

Die Große Koalition hat zusammen weit über 10 Prozentpunkte verloren. Daraus kann man mit dem besten Willen keinen Regierungsauftrag ableiten.

Mich hätte es sehr gewundert, wenn Jamaika funktioniert hätte. Dass die SPD es nicht schafft, gegen Merkel ihr Profil zu schärfen und eigene Erfolge auch als die ihren zu verkaufen und ihr deswegen die Wähler wegrennen, ist in erster Linie ein Problem der SPD und nicht Deutschlands.

Für mich sind die Argumente, sich zu verweigern, bei der SPD wesentlich nachvollziehbarer. https://share-your-photo.com/img/cdf6a457e1.jpg

Direkt beim ersten Punkt geht es doch schon los "Am Schluß lag mehr oder weniger das Wahlprogramm der Union vor".

Dann hat man einfach schlecht verhandelt.

Du warst dabei?

Natürlich nicht, ich beziehe mich nur auf bekannte Fakten. Du kannst gere andere, ergäzende Fakten nennen, und vielleicht ändere ich dann meine Meinung. Der FAZ-Artikel, wenn wir dem mal glauben, hat bereits in einem Punkt dazu geführt, siehe oben.

Ergänzung: in dem FAZ-Artikel ist schon am Anfang (ich bin noch nicht durch mti lesen) viel von Misstrauen die Rede, ohne Vertrauen kann man nicht zusammen regieren.

Wenn das ein KO-Kriterium wäre, könnte es niemals zu Koalitionen von Parteien, die noch nie zusammengearbeitet haben, kommen.
Zuletzt geändert von Brainiac am So 3. Dez 2017, 12:20, insgesamt 2-mal geändert.
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