Machtkampf bei den Linken

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Machtkampf bei den Linken

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 08:42

Den Linken ist offenbar ihr doch ganz passables Wahlkampfergebnis zu Kopf gestiegen. Kaum ist die Wahl vorbei, wird gezankt wie im Sandkasten. Bundesgeschäftsführer Höhn will hinschmeißen, Bundesvorsitzende Katja Kipping will einen Sitz im Fraktionsvorstand, nicht gewählt sondern als Parteichefin. Sie arbeitet sich massiv an Sahra Wagenknecht ab, laut Umfragen neben Gysi und Ramelow die einzige überhaupt irgendwie populäre Figur der Linken. Auch der andere Parteichef Björn Riexinger, den sowieso kein Schwein kennt, ist wohl sauer, dass man Wagenknecht nicht einfach loswerden kann. Der soll froh sein, dass er überhaupt im Bundestag ist. Kipping träumt von einer Partei, die die Grünen in den Großstädten im Kampf um politikferne Wohlfühlhipster übertrumpft und die Sorgen des allgemeinen Pöbels, vor allem auf dem Land, nicht so sehr thematisiert. Wagenknecht dagegen steht für eine Bauch-Linke, die wie Österreichs Politiker Pilz auch beim Asyl nicht allein von der Kanzel predigt, sondern auch dem Volk nachplappert, ansonsten Einkommen vor Freiheit setzt. Es sind allerdings Nuancen, die zu Grabenkämpfen aufgebläht werden, keine echten Gegensätze. So ist auch die Abarbeitung der jüngeren Garde an dem zweiten Fraktions-Chef Bartsch vor allem ein Generationenbruch und ein Kampf um die schönen Plätze, bevor die Falten kommen. Bartsch ruft zur Besonnenheit auf, Wagenknecht ist in der komfortablen Position, schweigen zu können, weil die anderen sich verkämpfen. Derweil sind viele Detailfragen und Strategiethemen vor der Wahl unter den Teppich gekehrt worden. Viel zu tun, aber stattdessen: Streit.

Nachdem die Linke im halben Osten mitregiert, einen Ministerpräsidenten und zahlreiche Landräte, Bürgermeister und Ratskoalitionen aufbietet, ist ihr der Nimbus der Protestpartei abhanden gekommen. Die Volkspartei Ost verliert ein Stück weit den Kontakt zu den Milieus, die nicht schon von allen anderen umgarnt sind. Das kann problematisch werden, auch wenn in den traditionell schwachen Bundesländern eine gewisse Normalisierung einkehrt.

Zerlegt sich die Linke oder gibt es eine kurze schmerzhafte Weichenstellung? Sind Kipping und ihr blasser Platzhalter auf dem Männer-Slot noch haltbar als Chefs?
Zuletzt geändert von Sole.survivor@web.de am Di 17. Okt 2017, 11:24, insgesamt 1-mal geändert.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
Der Neandertaler
Beiträge: 1236
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 02:48
Benutzertitel: Experimentální králíci

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Der Neandertaler » Di 17. Okt 2017, 08:52

Hallo Sole.survivor@web.de.
Hab ich da was verpaßt?
"Bundesgeschäftsführerin Bärbel Höhn" ...?
war die nicht mal bei den GRÜNEN?
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 27830
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon JJazzGold » Di 17. Okt 2017, 09:03

Der Neandertaler hat geschrieben:(17 Oct 2017, 09:52)

Hallo Sole.survivor@web.de.
Hab ich da was verpaßt?
"Bundesgeschäftsführerin Bärbel Höhn" ...?
war die nicht mal bei den GRÜNEN?


Ein Freud'scher, es handelt sich um Matthias Höhn. Der hat seinen Rücktritt angedroht.
God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.
Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 2874
Registriert: Di 25. Apr 2017, 08:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Senexx » Di 17. Okt 2017, 09:05

JJazzGold hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:03)


Ein Freud'scher, es handelt sich um Matthias Höhn. Der hat seinen Rücktritt angedroht.


Meinte er nicht auch, dass Steve Jobs noch lebt?
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 9835
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Okt 2017, 09:13

Matthias Höhn ist der Bundesgeschäftsführer der Linken und will demnächst zurücktreten.

ah .. wurde schon richtiggestellt.

Wirklich interessant ist übrigens die Parallele zu Frankreich. Mit Melenchon und seinem Unbeugsamen Frankreich formiert sich auch dort eine Art linksnationalistische/linkspopulistische Bewegung. Ähnlich wie die um "Fremdarbeiter"-LaFontaine. Ich hatte letztens überraschenderweise gelesen, dass sich Melenchon bei der Gründung von La France insoumise direkt auf eine Kooperation mit LaFontaine berufen habe. Und soweit ich es überblicke stehen dem sozusagen realo-Linke gegenüber.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:15

JJazzGold hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:03)


Ein Freud'scher, es handelt sich um Matthias Höhn. Der hat seinen Rücktritt angedroht.

Pardon. Aber die hört auch auf. https://www.derwesten.de/staedte/oberha ... 55888.html
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:13)

Matthias Höhn ist der Bundesgeschäftsführer der Linken und will demnächst zurücktreten.

ah .. wurde schon richtiggestellt.

Wirklich interessant ist übrigens die Parallele zu Frankreich. Mit Melenchon und seinem Unbeugsamen Frankreich formiert sich auch dort eine Art linksnationalistische/linkspopulistische Bewegung. Ähnlich wie die um "Fremdarbeiter"-LaFontaine. Ich hatte letztens überraschenderweise gelesen, dass sich Melenchon bei der Gründung von La France insoumise direkt auf eine Kooperation mit LaFontaine berufen habe. Und soweit ich es überblicke stehen dem sozusagen realo-Linke gegenüber.

Es wäre sehr überspitzt, Lafontaine auf Nationalismus festzulegen - ähnlich wie Pilz in Österreich, der ein Programm vorlegt, von dem sich NEOS und KPÖ noch einiges abgucken könnten. Lafontaine hat im Wesentlichen gesagt, dass man die Ängste der Leute ernst nehmen muss und dass man bei der Zuwanderung realistisch sein soll. Auch seine eigentlich ziemlich belanglose uralte "Fremdarbeiter"-Rede drehte sich vorrangig um Fragen der Globalisierung und ist wenig geeignet, ihn als Ausländerfeind hinzustellen. Der Konflikt in der Linken scheint sich auch sehr darum zu drehen, dass Kipping genervt ist, weil sie außerhalb ihrer Seilschaften keiner wirklich mag, die Wählerschaft schon gar nicht.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 9835
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Okt 2017, 09:23

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:18)

Es wäre sehr überspitzt, Lafontaine auf Nationalismus festzulegen - ähnlich wie Pilz in Österreich, der ein Programm vorlegt, von dem sich NEOS und KPÖ noch einiges abgucken könnten. Lafontaine hat im Wesentlichen gesagt, dass man die Ängste der Leute ernst nehmen muss und dass man bei der Zuwanderung realistisch sein soll. Auch seine eigentlich ziemlich belanglose uralte "Fremdarbeiter"-Rede drehte sich vorrangig um Fragen der Globalisierung und ist wenig geeignet, ihn als Ausländerfeind hinzustellen. Der Konflikt in der Linken scheint sich auch sehr darum zu drehen, dass Kipping genervt ist, weil sie außerhalb ihrer Seilschaften keiner wirklich mag, die Wählerschaft schon gar nicht.


Überhaupt nicht. Einer der passenden Kommentare dazu:
Die Binnenwahrnehmung ist die einer Partei, die Humanismus und Internationalismus zu ihren besten Tugenden zählt und die die Sorge beschleicht, Wagenknecht beraube sie des Vornehmsten, was sie habe. Nur so auch sind Wutausbrüche wie jener von Berlins Landesvorsitzender Katina Schubert zu erklären, die beklagte, Wagenknecht werde immer wieder „die gleiche Scheiße“ erzählen.


So ist es. Und "die Ängste der Leute ernst nehmen" ist auch nur eine der Umschreibungen für das, was man eigentlich "Populismus" zu nennen hat. Der Schwenk hin zum Vaterländischen wird das Ende der Linken sein. Weil jegliche spezifische Programmatik sich im populistischen Nebel auflöst.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:23)

Überhaupt nicht. Einer der passenden Kommentare dazu:

Frau Schubert hat sich am Anfang ihrer Parteikarriere, als sie als Vorzeige-Gesicht für die damals schwachbrüstige Westpartei aufgebaut wurde, gegen den damaligen Flügel um Zimmer, Dehm und eben Wagenknecht verkämpft, später weitgehend erfolglos an Lafontaine abgearbeitet. Ihr angeblicher Liberalismus drückt sich in ihrer Anzeige gegen Wikipedia gut aus. Sie ist genau das nicht, was Wagenknecht ist: Beliebt bei der breiteren Öffentlichkeit. Sie gehört zu jenem Kreis um Kipping, der für eine stark an Studenten und gut versorgten Milieus orientierte Partei steht. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie mit dem Erfolg von Bartsch und Wagenknecht, den Vertretern von "Volkspartei Ost" (Bartsch) und "Verlierer-Klientelismus" (Wagenknecht) fremdelt.

Der Schwenk hin zum Vaterländischen wird das Ende der Linken sein.

Der Schwenk zum Vaterländischen war bei den Linken vor vielen Jahren schon abgelehnt. Weckesser, Ostrowski & co standen für diese Linie. Sie sind letztlich ausgetreten. Man darf eine vernünftige Befassung mit ökonomischen Zusammenhängen nicht verwechseln mit einer Frontstellung gegen Ausländer. Das sagt sogar der absolut nicht Wagenknecht-nahe Jan Korte.

Interessant in dem Zusammenhang: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5455168/

Thomas Seibert ist Vorstand des Kipping-nahen "Institut solidarische Moderne" und lanciert am Wahlsonntag ein Interview, in dem er ohne einen einzigen konkreten Vorhalt Wagenknecht in Verbindung mit Rassismus bringt. Sehr originell. Leider sehr durchschaubar, man schaue nur mal auf die Kommentare und die kritischen Nachfragen des Reporters.
Zuletzt geändert von Sole.survivor@web.de am Di 17. Okt 2017, 09:39, insgesamt 1-mal geändert.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Alpha Centauri
Beiträge: 1553
Registriert: Mo 19. Jun 2017, 09:49

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Alpha Centauri » Di 17. Okt 2017, 09:36

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(17 Oct 2017, 09:42)

Den Linken ist offenbar ihr doch ganz passables Wahlkampfergebnis zu Kopf gestiegen. Kaum ist die Wahl vorbei, wird gezankt wie im Sandkasten. Bundesgeschäftsführerin Bärbel Höhn will hinschmeißen, Bundesvorsitzende Katja Kipping will einen Sitz im Fraktionsvorstand, nicht gewählt sondern als Parteichefin. Sie arbeitet sich massiv an Sahra Wagenknecht ab, laut Umfragen neben Gysi und Ramelow die einzige überhaupt irgendwie populäre Figur der Linken. Auch der andere Parteichef Björn Riexinger, den sowieso kein Schwein kennt, ist wohl sauer, dass man Wagenknecht nicht einfach loswerden kann. Der soll froh sein, dass er überhaupt im Bundestag ist. Kipping träumt von einer Partei, die die Grünen in den Großstädten im Kampf um politikferne Wohlfühlhipster übertrumpft und die Sorgen des allgemeinen Pöbels, vor allem auf dem Land, nicht so sehr thematisiert. Wagenknecht dagegen steht für eine Bauch-Linke, die wie Österreichs Politiker Pilz auch beim Asyl nicht allein von der Kanzel predigt, sondern auch dem Volk nachplappert, ansonsten Einkommen vor Freiheit setzt. Es sind allerdings Nuancen, die zu Grabenkämpfen aufgebläht werden, keine echten Gegensätze. So ist auch die Abarbeitung der jüngeren Garde an dem zweiten Fraktions-Chef Bartsch vor allem ein Generationenbruch und ein Kampf um die schönen Plätze, bevor die Falten kommen. Bartsch ruft zur Besonnenheit auf, Wagenknecht ist in der komfortablen Position, schweigen zu können, weil die anderen sich verkämpfen. Derweil sind viele Detailfragen und Strategiethemen vor der Wahl unter den Teppich gekehrt worden. Viel zu tun, aber stattdessen: Streit.

Nachdem die Linke im halben Osten mitregiert, einen Ministerpräsidenten und zahlreiche Landräte, Bürgermeister und Ratskoalitionen aufbietet, ist ihr der Nimbus der Protestpartei abhanden gekommen. Die Volkspartei Ost verliert ein Stück weit den Kontakt zu den Milieus, die nicht schon von allen anderen umgarnt sind. Das kann problematisch werden, auch wenn in den traditionell schwachen Bundesländern eine gewisse Normalisierung einkehrt.

Zerlegt sich die Linke oder gibt es eine kurze schmerzhafte Weichenstellung? Sind Kipping und ihr blasser Platzhalter auf dem Männer-Slot noch haltbar als Chefs?


Politikferne Wohlfühlhippster????? :?:

Es gibt ja auch bekanntlich unpolitische Bauerntrottel.
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:40

Alpha Centauri hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:36)

Politikferne Wohlfühlhippster????? :?:

Es gibt ja auch bekanntlich unpolitische Bauerntrottel.

Das ist aber ein anderes Klientel, das für die Linken auch so wie sie heute aufgestellt sind schwer zu erreichen ist. Die wählen eher CSU oder CDU, wobei ich die Bezeichnung Trottel eher ungünstig finde vom werberischen Aspekt her.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 7212
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Moses » Di 17. Okt 2017, 09:40

Das gleiche haben die grünen auch schon hinter sich.

Und mir persönlich ist es völlig egal, ob sich die SED-PDS-Linke-Postkommunisten jetzt völlig aufreiben oder abgewählt in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, sie haben sich und Ziele längst überholt und gehören auf den Schutthaufen der politischen Geschichte Deutschlands.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Alpha Centauri
Beiträge: 1553
Registriert: Mo 19. Jun 2017, 09:49

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Alpha Centauri » Di 17. Okt 2017, 09:47

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:40)

Das ist aber ein anderes Klientel, das für die Linken auch so wie sie heute aufgestellt sind schwer zu erreichen ist. Die wählen eher CSU oder CDU, wobei ich die Bezeichnung Trottel eher ungünstig finde vom werberischen Aspekt her.


Das lustige ist ja dass womöglich die Bauernpartei CSU mit den Grünen in einer Regierung ist.

Auf die verbalen Schlammschlachten, freue ich mich jetzt schon.
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:49

Alpha Centauri hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:47)

Das lustige ist ja dass womöglich die Bauernpartei CSU mit den Grünen in einer Regierung ist.

Auf die verbalen Schlammschlachten, freue ich mich jetzt schon.

Die Grünen sind auch eine Klientelpartei für eine bestimmte Teilgruppe der Landwirte, wie du sie nennst, Bauern.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 4896
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Selina » Di 17. Okt 2017, 09:49

Naja, man sollte nun auch nicht übertreiben. In der Partei Die Linke gibt es immer mal personelle Rangeleien und auch Meinungsverschiedenheiten zu bestimmten Fragen. Das ist aber in jeder Partei der Fall. Die CSU und die CDU machen es regelmäßig vor, wie das geht. Auch bei den Grünen ist nicht alles in Butter und bei der SPD schon gar nicht. Die haben alle ihre Flügelkämpfe. Mal mehr, mal weniger heftig. Diese Diskussionen und "Kämpfe" transparent zu machen, ist eher ein gutes Zeichen für die Demokratie. Was die Linke trotzdem unbedingt braucht, ist eine Stärkung ihres sozialkritischen Profils. Auch muss sie einen deutlich hör- und spürbaren Platz ganz vorne einnehmen, wenn es um das Zurückdrängen der Neurechten in diesem Land geht. Da ist mir die Partei viel zu zaghaft und zu wenig hörbar. Das wissen die Führungsleute aber auch alle und daran werden sie arbeiten. Da bin ich ganz sicher.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
pikant
Beiträge: 53631
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon pikant » Di 17. Okt 2017, 09:55

Moses hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:40)

Das gleiche haben die grünen auch schon hinter sich.

Und mir persönlich ist es völlig egal, ob sich die SED-PDS-Linke-Postkommunisten jetzt völlig aufreiben oder abgewählt in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, sie haben sich und Ziele längst überholt und gehören auf den Schutthaufen der politischen Geschichte Deutschlands.


Ob die SPD alles links abdecken kann, da habe ich so meine leisen Zweifel
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 4479
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 17. Okt 2017, 09:56

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:49)

Naja, man sollte nun auch nicht übertreiben. In der Partei Die Linke gibt es immer mal personelle Rangeleien und auch Meinungsverschiedenheiten zu bestimmten Fragen. Das ist aber in jeder Partei der Fall.

Dass der Parteivorstand direkt nach einer - leidlich erfolgreichen - Wahl Bedingungen stellt, bei denen der Generalsekretär nicht mehr mitspielen mag und die beiden Spitzenkandidaten drohen, in der Fraktionsführung nicht mehr mitzuwirken ist schon eine der etwas härteren Spielarten von innerem Gezänk. Das sieht man auch in der CDU/CSU so nicht oft.

Was die Linke trotzdem unbedingt braucht, ist eine Stärkung ihres sozialkritischen Profils. Auch muss sie einen deutlich hör- und spürbaren Platz ganz vorne einnehmen, wenn es um das Zurückdrängen der Neurechten in diesem Land geht. Da ist mir die Partei viel zu zaghaft und zu wenig hörbar. Das wissen die Füührungsleute aber auch alle und daran werden sie arbeiten. Da bin ich ganz sicher.

Ich bin auch sicher, dass es in der Linken Kräfte gibt, die sich nicht auf die - sicher nicht ganz unberechtigten - Orchideenthemen von liberalen Wohlstandsmilieus (Teil der Grünenwähler) und habitueller Avantgarde (Teil der damaligen Piratenwähler) kaprizieren wollen, sondern diese nur im Verbund mit sozialen Fragen für die breite Mehrheit thematisieren wollen. Ich denke auch, dass der Gegensatz zwischen Befassung mit Brot-und-Butter-Themen (Bartsch, Wagenknecht) und Elfenbeinturm (Kipping, Seibert, Brie) hier für Zwecke des Postenkampfes überhöht wird. Die Presse klatscht natürlich, würde ich als Redakteur auch. Die Linken werden sich schon berappeln. Aber diese Zurschaustellung von Kulturlosigkeit disqualifiziert sie auch für viele, die ihnen vielleicht rein sachlich näher stehen als sie merken.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.
Benutzeravatar
Moses
Moderator
Beiträge: 7212
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon Moses » Di 17. Okt 2017, 09:57

pikant hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:55)

Ob die SPD alles links abdecken kann, da habe ich so meine leisen Zweifel

Die gute alte Sozialdemokratie, gestärkt in Kämpfen und geläutert an der macht - wer sonst kann sich wirklich um den linken Rand kümmern?
Ewig gestrige? SED-Reste? - NEIN-DANKE!
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 9835
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Okt 2017, 10:01

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:49)

Naja, man sollte nun auch nicht übertreiben. In der Partei Die Linke gibt es immer mal personelle Rangeleien und auch Meinungsverschiedenheiten zu bestimmten Fragen. Das ist aber in jeder Partei der Fall. Die CSU und die CDU machen es regelmäßig vor, wie das geht. Auch bei den Grünen ist nicht alles in Butter und bei der SPD schon gar nicht. Die haben alle ihre Flügelkämpfe. Mal mehr, mal weniger heftig. Diese Diskussionen und "Kämpfe" transparent zu machen, ist eher ein gutes Zeichen für die Demokratie. Was die Linke trotzdem unbedingt braucht, ist eine Stärkung ihres sozialkritischen Profils. Auch muss sie einen deutlich hör- und spürbaren Platz ganz vorne einnehmen, wenn es um das Zurückdrängen der Neurechten in diesem Land geht. Da ist mir die Partei viel zu zaghaft und zu wenig hörbar. Das wissen die Führungsleute aber auch alle und daran werden sie arbeiten. Da bin ich ganz sicher.

Das sind nur vielleicht nicht einfach Flügelkämpfe und persönliche Anfeindungen. Die Linke muss sich wahrscheinlich ganz grundsätzlich entscheiden: Will sie eine Fürsprecherin der sozial Schwachen, der Lohnabhängigen, Arbeitslosen usw. sein oder will sie im politischen Spektrum einen bestimmten Raum ausfüllen. In Frankreich tobt gerade ein symbolischer Kampf um Beibehaltung oder Entfernung der EU-Flagge. Der Linke Mélenchon will sie entfernen lassen und bekommt dafür Beifall von LePen. Aber alle die, die das als Wähler honorieren, werden am Ende für "das Original", also den FN stimmen. Und nicht für die Linken, die vorgeben, die "Sorgen der Leute" ernst zu nehmen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 27830
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Sind die Linken übergeschnappt? Machtkampf!

Beitragvon JJazzGold » Di 17. Okt 2017, 10:02

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(17 Oct 2017, 10:15)

Pardon. Aber die hört auch auf. https://www.derwesten.de/staedte/oberha ... 55888.html


Mich stört das nicht, ich weiß ja dank möglichst regelmäßiger Zeitungslektüre wen du meinst.

Die Grabenkämpfe bei der Die Linke waren latent immer vorhanden. Nur zur Bundestagswahl herrscht ein Camouflage Burgfrieden. Die Option, sich jetzt in der Opposition deutlich bemerkbar zu machen, ist wesentlich geringer geworden. Dazu kommt die andauernde Erfolglosigkeit im Bund. Da knirscht es mal wieder intern.
God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.
Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.

Zurück zu „22. Parteien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Alpha Centauri, DarkLightbringer und 2 Gäste