Linker Populismus

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apartofme
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Linker Populismus

Beitragvon apartofme » Di 3. Okt 2017, 02:20

Vor ein paar Wochen - so kurz vor der Bundestagswahl - da war ich wieder einmal bei Linken. Genauer gesagt, bei einer Wahlveranstaltung der Linkspartei, zu der auch die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht eingeladen war. Frau Wagenknecht hielt natürlich eine tolle Rede, die auf den ersten Blick wenig populistisch und auch nicht wirklich unrealistisch wirkte.

Viele Menschen in Deutschland finden das, was die Linkspartei sagt, eigentlich gar nicht so schlecht. Hauptgründe dafür, dass sie sie trotzdem nicht wählen, sind wohl ihre Nähe zum klassischen Marxismus, fundamental-systemkritische Ansätze einiger ihrer Vertreter, ihre skeptische Haltung zur NATO, sowie die teilweise mangelnde Aufarbeitung der eigenen Parteigeschichte.

Inhaltlich wird das, was Vertreter der Linkspartei über die Wirtschaft von sich geben, eher selten kritisiert. Das liegt hauptsächlich daran, dass es in Deutschland - auch in der politischen Landschaft - nur wenige Menschen gibt, die jenseits von Ideologie wirklich etwas von Wirtschaft verstehen. Für sehr viele Menschen ist Wirtschaft etwas diffuses, geradezu okkultes, das "irgendwie hauptsächlich etwas mit Zahlen zu tun hat". Ironischerweise gilt das, und hier kommt der Knackpunkt, auch oftmals für jene, die eigentlich eine relativ erfolgreiche Wirtschaftspolitik machen.

Woran das liegt, ist nicht so einfach zu erklären. Genau genommen liegt es daran, dass sich der Populismus und die Ideologie der deutschen parlamentarischen Linken selbst bei den Prämissen derer bedient, die sie ursprünglich eigentlich kritisieren wollte: Nämlich den Wirtschaftsliberalen. Liberale Ideologie zeichnet sich, verkürzt ausgedrückt, zu einem Teil dadurch aus, dass sie annimmt, ökonomische Zustandsdaten, d.h. beispielsweise Einkommens- und Vermögenswerte, wären ein Abbild dessen, was Menschen leisteten. Es gibt hier große meritokratische Elemente. Für einen armen Menschen, der acht Stunden am Tag arbeitet, ist es nicht unbedingt schwierig, dies intuitiv als Unsinn zu erkennen.

Was nun aber passiert, ist sehr problematisch, denn die Linke ist keineswegs konsequent in dem, was über die ökonomischen Zustandsdaten gesagt wird. Die Wahrheit ist nämlich: diese Zustandsdaten sagen ganz allgemein viel weniger aus, als man es ihnen für gewöhnlich zutraut. Sie sind Zahlen, die die Realität nicht abbilden. Das möchte ich einmal anhand von zwei Beispielen erklären.

Beispiel #1: Militärische Rüstung vs. Entwicklungshilfe
Ein populäres Argument linker jeglicher Couleur ist oftmals, dass wir zu viel für die militärische Rüstung ausgeben würden, aber zu wenig für die Entwicklungshilfe. Das kann man gut finden, aber die Rechnungen diesbezüglich basieren auf dem fundamentalen Irrtum, dass die nominalwerte in diesem Bereich etwas über die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Wirtschaftszweiges sagen.
Ein amerikanischer B2-Bomber kostet knapp eine Milliarde Dollar. Das bedeutet, dass vierzig von diesen Bombern äquivalent zum Bruttoinlandsprodukt des gesamten Kongo sind, einem Staat von über 70 Millionen Einwohnern. Das Beispiel zeigt auf relativ anschauliche Weise, dass die faktische Arbeitsleistung, die in einem B2-Bomber steckt, keineswegs ausreichen würde, um die faktische Wirtschaftsleistung des Kongo zu verdoppeln.

Beispiel #2: Der Reichtum der Reichen
Ein zweites Beispiel, das von vielen Linken immer wieder hervorgebracht wird, ist der Reichtum der Reichen, mit dem sich alles Mögliche auf dieser Welt finanzieren lassen soll. Ein paar Milliardäre auf dieser Welt hätten so viel Vermögen, dass sich damit der halbe Globus sanieren lassen solle. Auch hier wird angenommen, dass die Milliarden auf den Konten der Reichen äquvalent zu faktischer Arbeit seien, was sie aber nicht sind. Nur weil ein Milliardär beschließt, plötzlich sein ganzes Geld an die Armen zu spenden, bedeutet es aber nicht, dass es der ganzen Welt plötzlich wirtschaftlich besser geht (tatsächlich kann das Gegenteil der Fall sein, was ich bei Nachfrage auch gern einmal ausführe). Der faktische Konsum der Reichen ist nicht um riesige Zehnerpotenzen größer als der der Armen, d.h. um den Reichtum der Reichen zu erhalten ist auch nicht erheblich mehr Arbeit erforderlich, sondern es handelt sich um einen zu einem sehr großen Teil vollkommen illusorischen Reichtum, der sich zwar in Nominalwerten, nicht aber in tatsächlichem Konsum faktischer Arbeit wiederspiegelt, sondern im Gegenteil oftmals durch Aktien und Finanzinstitute immerwährend in den Wirtschaftskreislauf zurück investiert wird.

Diskussionsfragen an dieser Stelle:
- Wie kann die demokratische Linke sich von ihren populistischen Tendenzen befreien?
- Wie können andere demokratische Parteien für ein besseres wirtschaftliches Verständnis in der Bevölkerung (oder erst einmal bei sich selbst) sorgen, um somit der Anfälligkeit für populistische Tendenzen entgegenzuwirken?
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Watchful_Eye » Di 3. Okt 2017, 03:08

Dein Eingangspost ist gut formuliert, aber meines Erachtens doch sehr einseitig. Er scheint mehr auf Provokation zu zielen als beispielsweise auf Erkenntnisgewinn.
Du stellst eine durchaus streitbare These auf und sagst "Das ist meine These und sie stimmt. Leider zweifeln viele weniger wirtschaftskompetente Menschen sie an. Wie können wir diese Menschen überzeugen?"

Sowas kann man in der Pauschalität vielleicht bei Impfgegnern machen. ;) Mich nervt sogar schon bei AfD-Wählern, wenn man sie so pauschal abkanzelt. Glaubst du, du könntest argumentativ einen Gysi oder eine Wagenknecht mal eben langmachen? So plump, wie du ihnen unterstellst, argumentieren die nicht.

Es geht gar nicht nur darum, dass man den Armen das Geld geben müsse und dann geht es allen gut. Die von Jahr zu Jahr immer weiter wachsende Ungleichheit von Vermögen ist durchaus ein reales Problem. Beispielsweise, weil bestimmte Konzerne aufgrund ihrer exorbitanten Geldvermögen auch zunehmend an politischer Macht gewinnen und Staaten immer besser gegeneinander ausspielen können. Und "die erste Million ist die schwierigste", insofern werden die Vermögen von alleine immer ungleicher, sofern der Staat nicht einschreitet.

Mit deinem ersten Beispiel habe ich aber tatsächlich mal persönliche Erfahrungen gemacht. Der Mitbewohner eines Freundes arbeitete im Pflegebereich, war sicherlich zu Recht von den dramatischen Zuständen frustriert und meinte, wir sollten das Militärbudget restlos streichen und in die Pflege stecken, uns greife doch eh niemand an. Dass das für nicht immer so sein müsse und sich auch Verbündete auf uns verlassen, sah er dann nicht ein. Ich bezeichnete ihn durch die Blume als Populisten, es kam zum Streit und seitdem gehen wir uns aus dem Weg. :|
Zuletzt geändert von Watchful_Eye am Di 3. Okt 2017, 03:52, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon unity in diversity » Di 3. Okt 2017, 03:18

Populisten kommen in allen politischen Lagern vor.
Das sind die Vereinfacher, die sich volkstümlich geben.
Ein Populist ist so eine Art Tribun, der sich vordrängelt, um den Leuten endlich aufzudecken, wie die Welt funktioniert.
Und wer die Bösen sind, die jeden daran hindern, ein glückliches Leben zu führen.
Man müsse nur dem Tribun vertrauen und ihm folgen und alles werde gut.
Nähere Erläuterungen würden aktuell den Zeitrahmen sprengen, man müsse eilig voranschreiten, denn der Gegner schlafe nicht.

Populisten unterstellen ihren Zweiflern Zögerlichkeit und jeder Gegner ist noch ein schlimmerer Populist.

Der Rechtspopulist ist gegen den Linkspopulisten und beide sind gegen die mittleren Populisten.
Die mittleren Populisten dürfen aber nicht so bezeichnet werden, weil das die Guten sind.

Bis auf einige wenige Eremiten, sind Menschen gesellige Wesen.
Sie geben sich Regeln für ihr Zusammenleben.
Manchmal streiten sie, welcher Weg für alle besser sei.
Im allgemeinen geht es dabei friedlich zu, außer in Katalonien.
Bestimmte Egoisten umschreiben ihr Interesse mit patriotischen Formeln.
Damit nicht gleich jeder merkt, was wirklich dahintersteht.

Tarnen, täuschen, betrügen, sind grundlegende, populistische Fähigkeiten, die eigentlich an keiner Schule gelehrt werden.
Wenn jeder mit jedem bildungstechnisch und rhetorisch auf Augenhöhe steht, haben Populisten ausgedient.
Wirtschaft sollte man mit den MINT-Fächern verknüpfen, damit der Praxisbezug nicht zu kurz kommt.
Ohne Menschen funktioniert keine Wirtschaft, das kann sich auswirken, indem man einige Produkte aus politischen Erwägungen boykottiert.
Welcher Populist steht hinter welchem Wirtschaftszweig? So in etwa.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
(Aus den Divided States of America)
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Re: Linker Populismus

Beitragvon apartofme » Di 3. Okt 2017, 08:16

Watchful_Eye hat geschrieben:(03 Oct 2017, 04:08)

Glaubst du, du könntest argumentativ einen Gysi oder eine Wagenknecht mal eben langmachen? So plump, wie du ihnen unterstellst, argumentieren die nicht.

Was meinst du damit? Wie argumentiert wird, ergibt sich doch aus den Worten der Menschen, und die stellen sich eben genau so dar, wie oben angegeben. Populismus zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass denjenigen, die sich ebenjener Worte bedienen, mehr oder weniger selbst auch bewusst ist, dass ihre eigene Argumentation streng genommen eben in der unterstellten Art und Weise nicht funktioniert.

Meine persönliche Erfahrung ist die, dass jenseits der Sonntagsreden oftmals sogar noch plumper argumentiert wird. Ein ehemaliger Dozent von mir ist ja selbst Direktkandidat der Linkspartei hier - und ich habe mich auch nach der Veranstaltung mit ihm gut unterhalten können. Insbesondere nach ein- zwei Bier tun sich da Abgründe auf.

Dass die Linkspartei - und die linke Bewegung im Allgemeinen - Probleme anspricht, die in einem weiter gefassten Kontext durchaus real sind, soll hier übrigens von mir überhaupt nicht in Abrede gestellt werden. Ich verstehe mich ja durchaus selbst als links (die bisweilen sehr national argumentierende Linkspartei würde ich auch viel lieber links als rechts überholen wollen ;)) . Populismus trägt aber gerade nicht dazu bei, die realen Probleme an die Oberfläche zu bringen.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Dampflok94 » Di 3. Okt 2017, 13:08

apartofme hat geschrieben:(03 Oct 2017, 03:20)
Beispiel #1: Militärische Rüstung vs. Entwicklungshilfe

Hier sehe ich den Populismus nicht. Es sei denn, man ist der Meinung es gäbe nicht besseres als Geld für Bomben und Bomber auszugeben. Das sehe ich anders.

Beispiel #2: Der Reichtum der Reichen

Das ist schon eher was. Aber ist das wirklich so schrecklich die Frage zu stellen, ob die Vermögensverteilung in der Welt so ideal ist

Ich habe sowieso ein Problem mit dem Begriff Populismus. Den gibt es nämlich in unterschiedlichen Ausprägungen. In einer Demokratie ist jede Partei ein Stück weit populistisch. Sonst wird sie nämlich nicht gewählt. Problematisch wird es erst dann, wenn er Versprechungen macht, die nicht gehalten werden können. Oder nur unter nicht tragbaren Kosten. (Und mit Kosten ist nicht nur Geld gemeint.)
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Unité 1 » Di 3. Okt 2017, 14:52

Du argumentierst selbst "wirtschaftsliberal", indem du mit deinen Beispielen eine Tatsächlichkeit vorgaukelst, die so nicht existiert. ;)

Beim Beispiel militärischer Rüstung wird argumentiert, dass die Gelder anderweitig wie z.B. für Entwicklungshilfe eingesetzt werden könnten. Dass Entwicklungshilfegelder faktischer Arbeitsleistungs- bzw. Wirtschaftsleistungsäquivalenz entsprächen, habe ich zumindest noch nie gehört. Zumal von den Geldern noch der gesamte Verwaltungskram usw. bezahlt wird. Es wird somit als zur Verfügung stehende Geldsumme betrachtet, die einen konkreten Nutzen stiften kann. Wie und in welcher Form dieser aussieht, was ihm entspricht, ist doch gar nicht ausgesagt. Kritikwürdiger fände ich da schon die Aufrechnung zweier Budgetposten, die nicht zwangsläufig miteinander zu tun haben. Die populistische Botschaft steckt in den Symbolen: Der Frieden (=Entwicklungshilfe) ist dem Krieg (=Militär) vorzuziehen. Wer außer Misanthropen würde dem schon widersprechen wollen?

Dein zweites Beispiel verstehe ich auch nicht so richtig. Die Vermögen sind zwar virtuell, werden aber wie tatsächliche behandelt und sind damit äquivalent zur Bewertung von Geld allgemein. Würde dem Euro kein Glauben geschenkt, wäre er wertlos. Erst die Akzeptanz des Virtuellen als Reales verleiht Geld die Eigenschaft, universales Tauschmittel zu sein. Das lässt sich bei Inflationsspiralen immer wieder auf's Neue betrachten. Sonst sehe ich bei diesem Beispiel keinen Populismus. Die Vermögensverteilung ist extrem ungleich, wodurch ein Machtgefälle entsteht, dass zu teils extremen Ober-Unterordnungsverhältnissen führt und somit prinzipiell als antidemokratisch zu betrachten ist. Umverteilungsabsichten sind aus dem Grund nicht populistisch, sondern vernünftig. Die Forderung nach einem einfachen Spenden der Vermögen wäre wieder populistisch, habe ich aber so als politische Forderung noch nicht vernommen. Ohne Änderung der systemischen Strukturen führte das über kurz oder lang wieder zwangsläufig zur Vermögensbildung und eine einfache Verteilung würde die Not der Leidenden eine Zeitlang lindern, sonst aber einfach verdampfen.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Progressiver » Mi 4. Okt 2017, 00:31

Linker Populismus ist von der Partei der Linken sehr einfach zu stoppen. Anstatt beispielsweise in der Bankenkrise andauernd von der Gier der Banker und von den "Casinos der Zocker" zu sprechen, wäre es besser, eine Systemanalyse hinzulegen, die sich gewaschen hat. Schon Karl Marx hat keinesfalls im Kapitalismus nur die Gier der Kapitalisten verdammt oder das ganze System als "das absolute Böse" beschimpft. Nein, als Philosoph und Sozialwissenschaftler hat er eine nüchterne Analyse hingelegt, dass der Kapitalismus von Grund auf krisenanfällig ist. Zumindest diese Analyse ist auch für seine Gegner nur sehr abzustreiten. Es sei denn man ist ein glühender Neoliberaler, der diese Krisenanfälligkeit leugnet. Oder anders gesagt: Seriosität in der eigenen Analyse hilft schon viel.

Der zweite Teil ist das, was die Linken fordern. Der Vorwurf des "Linkspopulismus" kommt dabei ja vor allem von den rechten "Systemparteien". Der Begriff wird dabei als Allzweckwaffe bzw. Totschlagargument benutzt, um linke Parteien zu diffamieren. Als "Linker Populismus" wird dabei vor allem eine Position degradiert, die als unerfüllbare Wunschträume dargestellt werden sollen. Die eigene rechte Position soll dadurch seriöser erscheinen. Die angebliche "Alternativlosigkeit" beispielsweise der rechten bzw. neoliberalen Entscheidungen soll dadurch besser legitimiert werden. Die Wähler dagegen sollen am besten alle Hoffnungen fahren lassen, da jegliche Verbesserung ihrer politischen sowie wirtschaftlichen Situation als illusorisch dargestellt wird.

Besonders perfide finde ich dabei auch den Versuch, linke wie rechte "Extreme" gleichzusetzen. So etwas habe ich selbst in meiner Tageszeitung schon beobachtet. Da wird dann auf die Weimarer Republik verwiesen und behauptet, dass auf die heutigen Verhältnisse übertragen die Partei "Die Linke" genau so gefährlich sei wie die AfD oder die NPD. Nach dieser Sichtweise können sich dann die CDU als gemäßigte Parteien darstellen, die sie in Wahrheit aber nicht sind. Dass aber die so genannten Parteien der selbsternannten Mitte keineswegs die wahren Interessen der Mehrheit des deutschen Volkes vertreten, sondern sich beispielsweise nur allzu gerne von den Konzernen kaufen lassen, ist ein offenes Geheimnis. Auf die Wähler scheint es aber zu wirken. Und viele wählen angesichts dieser Diffamierungen dann lieber völlig verängstigt beispielsweise die SPD, da sie das "kleinere Übel" darstellt. Steigerbar ist dieser Angriff der permanente Rückgriff auf den Stalinismus, den man der Partei "Die Linke" auch in 100 Jahren vorwerfen wird. Eigene Fehler werden von beispielsweise der "Mövenpick"-Partei FDP oder der "Partei der Schwarzen Kassen", also der CDU gar nicht mehr thematisiert. Und die Bürger fallen problemlos darauf herein, dass auch die Konzept- und Planungslosigkeit der eigenen Partei, was Zukunftsfragen betrifft, als wunderbar "gemäßigt" gelten. Wer sich aber umsieht, wird natürlich merken, dass die "Gemäßigten" wie beispielsweise die Merkel-CDU dies gar nicht sind, sondern 1. ihren eigenen Interessen auf radikal neoliberale Weise verfolgen. Die "Radikalen " werden in diesem System stigmatisiert. Und wenn diese mit Vorschlägen kommen, dann kann sich der eingeschüchterte Wähler sicher sein, diese als unwählbar einzustufen. Besonders am Beispiel Angela Merkels sieht man aber nur allzu deutlich, dass diese selbst keine Idee hat, wie sie Deutschland verbessern will. Diese Position wird dann den Wählern als gemäßigten "Pragmatismus" verkauft, während alle anderen als unverantwortlichere Radikale und Ideologen verteufelt werden. Leider wirkt diese Gehirnwäsche beim Großteil der Bevölkerung erfolgreich angewandt.

Um diesen Vorwurf zu stoppen, sollte die LINKE auch hier sich vor allem nicht provozieren lassen. Natürlich kann man es als "Populismus" empfinden, wenn jemand eine "Ideologie" vertritt, die sich für die Rechte der eigenen Wählerschaft einsetzt. Aber auch hier sollte man sich klar machen: "Ideologie" bedeutet vor allem in etwa: eine Weltanschauung zu vertreten. Das, was als "Populismus" bezeichnet wird, sind in allererster Linie Verbesserungsvorschläge für die am Anfang genannte Analyse. Und letztendlich sollte die Partei "Die Linke" sich auch klar machen: Ohne Weltanschauung kein festes Fundament. Ohne Fundament dagegen lauert der blinde Opportunismus.

Zuletzt ist noch zu sagen: Wenn Merkel behauptet, dass in Deutschland nichts verändert werden muss, dann ist das ebenfalls Populismus in dem Sinne, dass damit die Wähler getäuscht werden bzw. ihnen Märchen aufgetischt werden. Auch hier gilt es anzusetzen.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 6. Okt 2017, 11:20

Watchful_Eye hat geschrieben:(03 Oct 2017, 04:08)

Dein Eingangspost ist gut formuliert, aber meines Erachtens doch sehr einseitig. Er scheint mehr auf Provokation zu zielen als beispielsweise auf Erkenntnisgewinn.
Du stellst eine durchaus streitbare These auf und sagst "Das ist meine These und sie stimmt. Leider zweifeln viele weniger wirtschaftskompetente Menschen sie an. Wie können wir diese Menschen überzeugen?"

Sowas kann man in der Pauschalität vielleicht bei Impfgegnern machen. ;) Mich nervt sogar schon bei AfD-Wählern, wenn man sie so pauschal abkanzelt. Glaubst du, du könntest argumentativ einen Gysi oder eine Wagenknecht mal eben langmachen? So plump, wie du ihnen unterstellst, argumentieren die nicht.

Es geht gar nicht nur darum, dass man den Armen das Geld geben müsse und dann geht es allen gut. Die von Jahr zu Jahr immer weiter wachsende Ungleichheit von Vermögen ist durchaus ein reales Problem. Beispielsweise, weil bestimmte Konzerne aufgrund ihrer exorbitanten Geldvermögen auch zunehmend an politischer Macht gewinnen und Staaten immer besser gegeneinander ausspielen können. Und "die erste Million ist die schwierigste", insofern werden die Vermögen von alleine immer ungleicher, sofern der Staat nicht einschreitet.

Mit deinem ersten Beispiel habe ich aber tatsächlich mal persönliche Erfahrungen gemacht. Der Mitbewohner eines Freundes arbeitete im Pflegebereich, war sicherlich zu Recht von den dramatischen Zuständen frustriert und meinte, wir sollten das Militärbudget restlos streichen und in die Pflege stecken, uns greife doch eh niemand an. Dass das für nicht immer so sein müsse und sich auch Verbündete auf uns verlassen, sah er dann nicht ein. Ich bezeichnete ihn durch die Blume als Populisten, es kam zum Streit und seitdem gehen wir uns aus dem Weg. :|

Das war nicht gut. Verbündete interessieren sich für ein Deutschland ohne Waffen weniger. Genau wie besorgtes Ausland, das Deutschland als mögliche Mitangreifer betrachten muss. Rüstung macht Außenpolitiker dumm und maßlos.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Just Me » Fr 6. Okt 2017, 14:20

Viele Menschen in Deutschland finden das, was die Linkspartei sagt, eigentlich gar nicht so schlecht. Hauptgründe dafür, dass sie sie trotzdem nicht wählen, sind wohl ihre Nähe zum klassischen Marxismus, fundamental-systemkritische Ansätze einiger ihrer Vertreter, ihre skeptische Haltung zur NATO, sowie die teilweise mangelnde Aufarbeitung der eigenen Parteigeschichte.

Nein. Der Hauptgrund, dass die LINKE nicht gewählt wird, ist die Jahrzehnte anhaltende, erfolgreiche Propaganda, die systematisch indoktriniert und um jeden Preis die politische Bildung vermeidet. Statt "Meinungsvielfalt" ist "Alternativlosigkeit" das zentrale Dogma; denn niemand soll darüber nachdenken, ob man vielleicht doch einen anderen Weg probieren könnte.

Besonders plakativ kannst du das am letzten Bundes-Wahlkampf ablesen: Werbung mit Inhalten? Fehlanzeige! Es ging mittlerweile nur noch um Personen und Gesichter. Auseinandersetzung um Inhalte? Fehlanzeige! Stattdessen Auseinandersetzung auf Nebenkriegsschauplätzen; etwa die Auseinandersetzung um eine Partei, die so oder so in der aktuellen Legislaturperiode keinerlei Regierungsverantwortung bekommen sollte und wird.

(BTW: Wer noch nicht einmal den Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus kennt, befindet sich genau im Zentrum der indoktrinierten politischen "Un-Bildung". Da haben wir noch nicht einmal angefangen, über Marx zu reden.)

Für sehr viele Menschen ist Wirtschaft etwas diffuses, geradezu okkultes, das "irgendwie hauptsächlich etwas mit Zahlen zu tun hat".

So ist es. "Der Markt" ist unser neuer Gott. Und statt Weihrauch benutzen wir Geld. Doch ansonsten hat sich nichts geändert. Noch immer folgen wir den Hohepriestern, die wir heute "Wirtschafts-Weise", "Wirtschafts-Experten" und "wirtschaftliche Leistungsträger" nennen, aufs Wort. Selbst, wenn sie nach geltenden rechtsstaatlichen Regeln eigentlich im Knast sitzen müssten. Wir stellen nicht in Frage, wir diskutieren nicht einmal. Stattdessen gehorchen wir und hoffen, dass der Gott, den uns die Hohepriester gegeben haben, und der, zumindest suggerieren das die Hohepriester, nur zu ihnen in verständlicher Sprache spricht (vgl. dazu "Es kommt niemand zu Gott; es sei denn durch mich."), uns wohlgesonnen ist, wenn wir ihm noch dieses oder jenes Opfer bringen: "Die Märkte sind unruhig.", heißt es heute. Und deshalb opfern wir soziale Rechte und Verbindlichkeiten auf dem Altar der Märkte...

Und wer sich, wie etwa die LINKEN, dieser dogmatischen Religion widersetzt, der ist ein Häretiker, ein Abtrünniger; den es mit allen Mitteln zu verfolgen gilt. Denn die Aussichtslosig... nein, die Alternativlosigkeit, darf durch nichts in Frage gestellt, die Sedierung nicht beendet werden. Und wer nachdenkt, der beginnt notwendigerweise, Fragen zu stellen. Fragen, auf die die Antworten dann schon beim zweiten Blick allzu dünn ausfallen und gern mit "Das ist alternativlos! Und wage ja nicht,
daran zu zweifeln!
" garniert werden.

Ironischerweise gilt das, und hier kommt der Knackpunkt, auch oftmals für jene, die eigentlich eine relativ erfolgreiche Wirtschaftspolitik machen.

Man könnte auch sagen: "... jene, die im Lotto gewonnen haben." Denn zur "Wissenschaft" wird es erst, wenn es sich (beliebig) reproduzieren lässt. Und das ist bisher selbst den Erfolgreichsten unter den Erfolgreichen noch nie gelungen. Im Gegenteil.

Beispiel #1: Militärische Rüstung vs. Entwicklungshilfe
... die Rechnungen diesbezüglich basieren auf dem fundamentalen Irrtum

Hier bist du es, der den fundamentalen Irrtum begeht, apartofme. Denn du gehst - neben der völlig absurden Rechnung, Marktpreise mit Arbeitsleistung gleichzusetzen (Marx nicht gelesen? ;)) - irrig davon aus, dass sich die eingesetzte Entwicklungshilfe direkt proportional im BIP niederschlägt. Das ist jedoch nicht der Fall und wird auch - abgesehen von dir - von niemandem behauptet.

Beispiel #2: Der Reichtum der Reichen
Ein zweites Beispiel, das von vielen Linken immer wieder hervorgebracht wird, ist der Reichtum der Reichen, mit dem sich alles Mögliche auf dieser Welt finanzieren lassen soll. Ein paar Milliardäre auf dieser Welt hätten so viel Vermögen, dass sich damit der halbe Globus sanieren lassen solle.

... nun, wenn du die OECD und Oxfam für "Linke" hältst?!

Nur weil ein Milliardär beschließt, plötzlich sein ganzes Geld an die Armen zu spenden, bedeutet es aber nicht, dass es der ganzen Welt plötzlich wirtschaftlich besser geht (tatsächlich kann das Gegenteil der Fall sein, was ich bei Nachfrage auch gern einmal ausführe).

Ich denke nicht, dass Bedarf besteht, Paralogismen detaillierter auszuführen, apartofme. Beispielhaft dazu steht das nächste Zitat:

... sondern im Gegenteil oftmals durch Aktien und Finanzinstitute immerwährend in den Wirtschaftskreislauf zurück investiert wird.

Aktien und Finanzinstitute im Wirtschaftskreislauf? Der "Finanzmarkt" ist also in Wahrheit nur eine Illusion dystopischer Pessimisten? Und die Gebührensteigerungen für Kontoführung, etc. in den letzten Monaten ist nicht ursächlich auf die EZB-Politik der Strafzinsen fürs "Nacht-Parken" des Geldes, sondern auf die Habgier der Finanzinstitute zurückzuführen?

Diskussionsfragen an dieser Stelle Wie kann die demokratische Linke sich von ihren populistischen Tendenzen befreien?

Muss sie das denn? Zwar wird "Populismus", eben um ihn vermeiden zu können, im Neusprech der Gegenwart gern mit "Demagogie" gleichgesetzt; doch im eigentlichen Wortsinne, also in der Wortbedeutung, steht Populismus für "volksnahe, verständliche Sprache". Sollten sich nicht ALLE dieser "volksnahen, verständlichen Sprache" befleißigen; ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass in einer Demokratie - auch hier nehme ich den Begriff in seiner Wortbedeutung - also in einer Volksherrschaft, das Volk, um tatsächlich herrschen zu können, letztlich auch verstehen sollte, nicht wahr?!

Bräuchte es nicht also umso mehr einen "Luther", der die politische Sprache aus dem "Politik-Latein" ins Deutsche überträgt und "Klartext spricht", also ... tja ... nun ... "populistisch ist"?

Diskussionsfragen an dieser Stelle: Wie können andere demokratische Parteien für ein besseres wirtschaftliches Verständnis in der Bevölkerung (oder erst einmal bei sich selbst) sorgen, um somit der Anfälligkeit für populistische Tendenzen entgegenzuwirken?

Dazu bräuchte es das Eingeständnis der Fehlbarkeit der eigenen Religion. Das vorauszusetzen ist jedoch mehr als sportlich.

Was aber sind, bitte, "demokratische Parteien"? Parteien aller Coleur sind per se anti-demokratisch. Sie hindern das Volk (demos) an der direkten Ausübung seiner Herrschaft (kratia) und betätigen sich als dessen auf vier, fünf Jahre festgelegter ultimativer Vormund. Es gibt ja nicht einmal die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Partei-Eliten; geschweige denn eine Antwort auf die - in den letzten zwei Jahren zehntausendfach aus dem Volk gestellte - Frage: "CDU? Finde ich eigentlich gut. Nur Merkel baut Mist. Wie kann ich wählen, dass zwar CDU regiert, aber Merkel nicht im Parlament sitzt, geschweige denn Regierungschef wird?"
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Der General » So 8. Okt 2017, 03:44

Just Me hat geschrieben:(06 Oct 2017, 15:20)

Nein. Der Hauptgrund, dass die LINKE nicht gewählt wird, ist die Jahrzehnte anhaltende, erfolgreiche Propaganda, die systematisch indoktriniert und um jeden Preis die politische Bildung vermeidet. Statt "Meinungsvielfalt" ist "Alternativlosigkeit" das zentrale Dogma; denn niemand soll darüber nachdenken, ob man vielleicht doch einen anderen Weg probieren könnte.

Besonders plakativ kannst du das am letzten Bundes-Wahlkampf ablesen: Werbung mit Inhalten? Fehlanzeige! Es ging mittlerweile nur noch um Personen und Gesichter. Auseinandersetzung um Inhalte? Fehlanzeige! Stattdessen Auseinandersetzung auf Nebenkriegsschauplätzen; etwa die Auseinandersetzung um eine Partei, die so oder so in der aktuellen Legislaturperiode keinerlei Regierungsverantwortung bekommen sollte und wird.

(BTW: Wer noch nicht einmal den Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus kennt, befindet sich genau im Zentrum der indoktrinierten politischen "Un-Bildung". Da haben wir noch nicht einmal angefangen, über Marx zu reden.)


So ist es. "Der Markt" ist unser neuer Gott. Und statt Weihrauch benutzen wir Geld. Doch ansonsten hat sich nichts geändert. Noch immer folgen wir den Hohepriestern, die wir heute "Wirtschafts-Weise", "Wirtschafts-Experten" und "wirtschaftliche Leistungsträger" nennen, aufs Wort. Selbst, wenn sie nach geltenden rechtsstaatlichen Regeln eigentlich im Knast sitzen müssten. Wir stellen nicht in Frage, wir diskutieren nicht einmal. Stattdessen gehorchen wir und hoffen, dass der Gott, den uns die Hohepriester gegeben haben, und der, zumindest suggerieren das die Hohepriester, nur zu ihnen in verständlicher Sprache spricht (vgl. dazu "Es kommt niemand zu Gott; es sei denn durch mich."), uns wohlgesonnen ist, wenn wir ihm noch dieses oder jenes Opfer bringen: "Die Märkte sind unruhig.", heißt es heute. Und deshalb opfern wir soziale Rechte und Verbindlichkeiten auf dem Altar der Märkte...

Und wer sich, wie etwa die LINKEN, dieser dogmatischen Religion widersetzt, der ist ein Häretiker, ein Abtrünniger; den es mit allen Mitteln zu verfolgen gilt. Denn die Aussichtslosig... nein, die Alternativlosigkeit, darf durch nichts in Frage gestellt, die Sedierung nicht beendet werden. Und wer nachdenkt, der beginnt notwendigerweise, Fragen zu stellen. Fragen, auf die die Antworten dann schon beim zweiten Blick allzu dünn ausfallen und gern mit "Das ist alternativlos! Und wage ja nicht,
daran zu zweifeln!
" garniert werden.


Man könnte auch sagen: "... jene, die im Lotto gewonnen haben." Denn zur "Wissenschaft" wird es erst, wenn es sich (beliebig) reproduzieren lässt. Und das ist bisher selbst den Erfolgreichsten unter den Erfolgreichen noch nie gelungen. Im Gegenteil.


Hier bist du es, der den fundamentalen Irrtum begeht, apartofme. Denn du gehst - neben der völlig absurden Rechnung, Marktpreise mit Arbeitsleistung gleichzusetzen (Marx nicht gelesen? ;)) - irrig davon aus, dass sich die eingesetzte Entwicklungshilfe direkt proportional im BIP niederschlägt. Das ist jedoch nicht der Fall und wird auch - abgesehen von dir - von niemandem behauptet.


... nun, wenn du die OECD und Oxfam für "Linke" hältst?!


Ich denke nicht, dass Bedarf besteht, Paralogismen detaillierter auszuführen, apartofme. Beispielhaft dazu steht das nächste Zitat:


Aktien und Finanzinstitute im Wirtschaftskreislauf? Der "Finanzmarkt" ist also in Wahrheit nur eine Illusion dystopischer Pessimisten? Und die Gebührensteigerungen für Kontoführung, etc. in den letzten Monaten ist nicht ursächlich auf die EZB-Politik der Strafzinsen fürs "Nacht-Parken" des Geldes, sondern auf die Habgier der Finanzinstitute zurückzuführen?


Muss sie das denn? Zwar wird "Populismus", eben um ihn vermeiden zu können, im Neusprech der Gegenwart gern mit "Demagogie" gleichgesetzt; doch im eigentlichen Wortsinne, also in der Wortbedeutung, steht Populismus für "volksnahe, verständliche Sprache". Sollten sich nicht ALLE dieser "volksnahen, verständlichen Sprache" befleißigen; ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass in einer Demokratie - auch hier nehme ich den Begriff in seiner Wortbedeutung - also in einer Volksherrschaft, das Volk, um tatsächlich herrschen zu können, letztlich auch verstehen sollte, nicht wahr?!

Bräuchte es nicht also umso mehr einen "Luther", der die politische Sprache aus dem "Politik-Latein" ins Deutsche überträgt und "Klartext spricht", also ... tja ... nun ... "populistisch ist"?


Dazu bräuchte es das Eingeständnis der Fehlbarkeit der eigenen Religion. Das vorauszusetzen ist jedoch mehr als sportlich.

Was aber sind, bitte, "demokratische Parteien"? Parteien aller Coleur sind per se anti-demokratisch. Sie hindern das Volk (demos) an der direkten Ausübung seiner Herrschaft (kratia) und betätigen sich als dessen auf vier, fünf Jahre festgelegter ultimativer Vormund. Es gibt ja nicht einmal die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Partei-Eliten; geschweige denn eine Antwort auf die - in den letzten zwei Jahren zehntausendfach aus dem Volk gestellte - Frage: "CDU? Finde ich eigentlich gut. Nur Merkel baut Mist. Wie kann ich wählen, dass zwar CDU regiert, aber Merkel nicht im Parlament sitzt, geschweige denn Regierungschef wird?"


Ein sehr Guter Beitrag, für dieses Forum aber leider nur Zeitverschwendung :thumbup: :|
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 8. Okt 2017, 11:37

Just Me hat geschrieben:(06 Oct 2017, 15:20)

Nein. Der Hauptgrund, dass die LINKE nicht gewählt wird, ist die Jahrzehnte anhaltende, erfolgreiche Propaganda, die systematisch indoktriniert und um jeden Preis die politische Bildung vermeidet. Statt "Meinungsvielfalt" ist "Alternativlosigkeit" das zentrale Dogma; denn niemand soll darüber nachdenken, ob man vielleicht doch einen anderen Weg probieren könnte.

Besonders plakativ kannst du das am letzten Bundes-Wahlkampf ablesen: Werbung mit Inhalten? Fehlanzeige! Es ging mittlerweile nur noch um Personen und Gesichter. Auseinandersetzung um Inhalte? Fehlanzeige! Stattdessen Auseinandersetzung auf Nebenkriegsschauplätzen; etwa die Auseinandersetzung um eine Partei, die so oder so in der aktuellen Legislaturperiode keinerlei Regierungsverantwortung bekommen sollte und wird.

(BTW: Wer noch nicht einmal den Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus kennt, befindet sich genau im Zentrum der indoktrinierten politischen "Un-Bildung". Da haben wir noch nicht einmal angefangen, über Marx zu reden.)


So ist es. "Der Markt" ist unser neuer Gott. Und statt Weihrauch benutzen wir Geld. Doch ansonsten hat sich nichts geändert. Noch immer folgen wir den Hohepriestern, die wir heute "Wirtschafts-Weise", "Wirtschafts-Experten" und "wirtschaftliche Leistungsträger" nennen, aufs Wort. Selbst, wenn sie nach geltenden rechtsstaatlichen Regeln eigentlich im Knast sitzen müssten. Wir stellen nicht in Frage, wir diskutieren nicht einmal. Stattdessen gehorchen wir und hoffen, dass der Gott, den uns die Hohepriester gegeben haben, und der, zumindest suggerieren das die Hohepriester, nur zu ihnen in verständlicher Sprache spricht (vgl. dazu "Es kommt niemand zu Gott; es sei denn durch mich."), uns wohlgesonnen ist, wenn wir ihm noch dieses oder jenes Opfer bringen: "Die Märkte sind unruhig.", heißt es heute. Und deshalb opfern wir soziale Rechte und Verbindlichkeiten auf dem Altar der Märkte...

Und wer sich, wie etwa die LINKEN, dieser dogmatischen Religion widersetzt, der ist ein Häretiker, ein Abtrünniger; den es mit allen Mitteln zu verfolgen gilt. Denn die Aussichtslosig... nein, die Alternativlosigkeit, darf durch nichts in Frage gestellt, die Sedierung nicht beendet werden. Und wer nachdenkt, der beginnt notwendigerweise, Fragen zu stellen. Fragen, auf die die Antworten dann schon beim zweiten Blick allzu dünn ausfallen und gern mit "Das ist alternativlos! Und wage ja nicht,
daran zu zweifeln!
" garniert werden.


Man könnte auch sagen: "... jene, die im Lotto gewonnen haben." Denn zur "Wissenschaft" wird es erst, wenn es sich (beliebig) reproduzieren lässt. Und das ist bisher selbst den Erfolgreichsten unter den Erfolgreichen noch nie gelungen. Im Gegenteil.


Hier bist du es, der den fundamentalen Irrtum begeht, apartofme. Denn du gehst - neben der völlig absurden Rechnung, Marktpreise mit Arbeitsleistung gleichzusetzen (Marx nicht gelesen? ;)) - irrig davon aus, dass sich die eingesetzte Entwicklungshilfe direkt proportional im BIP niederschlägt. Das ist jedoch nicht der Fall und wird auch - abgesehen von dir - von niemandem behauptet.


... nun, wenn du die OECD und Oxfam für "Linke" hältst?!


Ich denke nicht, dass Bedarf besteht, Paralogismen detaillierter auszuführen, apartofme. Beispielhaft dazu steht das nächste Zitat:


Aktien und Finanzinstitute im Wirtschaftskreislauf? Der "Finanzmarkt" ist also in Wahrheit nur eine Illusion dystopischer Pessimisten? Und die Gebührensteigerungen für Kontoführung, etc. in den letzten Monaten ist nicht ursächlich auf die EZB-Politik der Strafzinsen fürs "Nacht-Parken" des Geldes, sondern auf die Habgier der Finanzinstitute zurückzuführen?


Muss sie das denn? Zwar wird "Populismus", eben um ihn vermeiden zu können, im Neusprech der Gegenwart gern mit "Demagogie" gleichgesetzt; doch im eigentlichen Wortsinne, also in der Wortbedeutung, steht Populismus für "volksnahe, verständliche Sprache". Sollten sich nicht ALLE dieser "volksnahen, verständlichen Sprache" befleißigen; ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass in einer Demokratie - auch hier nehme ich den Begriff in seiner Wortbedeutung - also in einer Volksherrschaft, das Volk, um tatsächlich herrschen zu können, letztlich auch verstehen sollte, nicht wahr?!

Bräuchte es nicht also umso mehr einen "Luther", der die politische Sprache aus dem "Politik-Latein" ins Deutsche überträgt und "Klartext spricht", also ... tja ... nun ... "populistisch ist"?


Dazu bräuchte es das Eingeständnis der Fehlbarkeit der eigenen Religion. Das vorauszusetzen ist jedoch mehr als sportlich.

Was aber sind, bitte, "demokratische Parteien"? Parteien aller Coleur sind per se anti-demokratisch. Sie hindern das Volk (demos) an der direkten Ausübung seiner Herrschaft (kratia) und betätigen sich als dessen auf vier, fünf Jahre festgelegter ultimativer Vormund. Es gibt ja nicht einmal die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Partei-Eliten; geschweige denn eine Antwort auf die - in den letzten zwei Jahren zehntausendfach aus dem Volk gestellte - Frage: "CDU? Finde ich eigentlich gut. Nur Merkel baut Mist. Wie kann ich wählen, dass zwar CDU regiert, aber Merkel nicht im Parlament sitzt, geschweige denn Regierungschef wird?"

Hallo justme, du schreibst

Nein. Der Hauptgrund, dass die LINKE nicht gewählt wird, ist die Jahrzehnte anhaltende, erfolgreiche Propaganda, die systematisch indoktriniert und um jeden Preis die politische Bildung vermeidet. Statt "Meinungsvielfalt" ist "Alternativlosigkeit" das zentrale Dogma; denn niemand soll darüber nachdenken, ob man vielleicht doch einen anderen Weg probieren könnte.

Der "Antikommunismus" ist nur ein Teil. Daneben weiß die Linke nicht, was sie will. Teils mangels echter eigener Vorschläge, teils aus Bequemlichkeit, Berechnung oder Überzeugung machen sie daher die Juso-80er-Schlagerparty mit DJane Rosa Wagenburg und mixen das Radikalste von DGB, attac und BUND rein. Progressiv ist das kaum, ein Programm auch nicht. Aber saudemokratisch und für 5-15 Prozent kann es lange reichen. Solange man es nur fordert und nicht tut.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Just Me » Mo 9. Okt 2017, 08:38

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Der "Antikommunismus" ist nur ein Teil.

Es ist der WESENTLICHE Teil. Das kannst du ironischerweise auch an den Wahlergebnissen für die AfD ablesen.

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Daneben weiß die Linke nicht, was sie will.

Das hast du fein beobachtet; aber falsch gedeutet. Es ist "links" immanent, "nicht zu wissen, was man will". Denn da, wo "links" hin will, war noch niemand. Es ist Neuland. Und jeder hat eine andere Vorstellung davon. Nimm beispielhaft das BGE. Das ist eine "soziale Vorstellung". Doch wie es zu gestalten, wie es zu finanzieren, wie es auszuleben, wie es gesellschaftlich zu integrieren ist, ... dazu gibt es genauso viele Meinungen, wie es Menschen, die darüber nachdenken, gibt. Ist es aber schlecht, falsch oder fehlerhaft, nur weil es so viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt? Oder liegt die Zahl der unterschiedlichen Vorstellungen eher daran, dass es dieses BGE noch nicht gibt, dass also keine effektiven Erfahrungswerte existieren, auf die man sich "alternativlos" berufen kann?

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Teils mangels echter eigener Vorschläge, teils aus Bequemlichkeit, Berechnung oder Überzeugung machen sie daher die Juso-80er-Schlagerparty mit DJane Rosa Wagenburg und mixen das Radikalste von DGB, attac und BUND rein.

Das ist das Ergebnis, wenn man auf der Suche nach "Realpolitik" ist, die den Durchschnitts-Michel mental nicht allzu sehr überfordert. Da muss man notgedrungen auch intellektuelle Abstriche machen.

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Solange man es nur fordert und nicht tut.

Was können sie denn "tun"? Nehmen wir beispielhaft die Rüstungspolitik. Wie kann die Linke hier "tun", also etwa wenigstens die von ihr geforderten Rüstungsexporte an Diktaturen verhindern? Das, da sind sich alle "Kriegs-Experten" aller Fraktionen einig, würde maßgeblich dazu beitragen, Flüchtlingsströme schon in ihren Ursachen zu dämpfen. Doch es steht, da sind sich alle "Wirtschafts-Experten" aller Fraktionen einig, im Widerspruch zu "rund 200.000 sicheren Arbeitsplätzen in Deutschland" und - natürlich ;) - den Gewinnen aus einer der profitabelsten Branchen der Welt. Die Linken stimmen bei jeder sich bietenden parlamentarischen Gelegenheit dagegen, sie weisen außerparlamentarisch darauf hin, um den Michel "zu bilden", ihn in Kenntnis zu setzen, was da geschieht; mehr demokratische Mittel besitzen sie nicht. Sollen sie sich also un- oder gar anti-demokratisch verhalten, um Demokratie zu vertreten?

Dieses plakative Beispiel kannst du bei zahllosen anderen Dingen - etwa Mindestlohn (hier fordert die Linke seit den ersten Diskussionen darüber einen Mindestlohn, der auch im Alter nicht ausgrenzt), sozialer Gerechtigkeit (etwa Vermögens- und Erbschaftssteuer, die zunehmende Ungerechtigkeiten insbesondere leistungsloser Einkommen nivellieren hilft), und ... und ... und ... - ebenfalls beobachten: Mit ihrer Kraft von "5 - 10 Prozent" kann sie eben auch nicht viel erreichen. Sie muss sich auf "Fordern" beschränken, solange die Bildung im Volk nicht ausreicht, um die Konsequenzen selbst zu erkennen.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 9. Okt 2017, 09:11

Just Me hat geschrieben:(09 Oct 2017, 09:38)

Es ist der WESENTLICHE Teil. Das kannst du ironischerweise auch an den Wahlergebnissen für die AfD ablesen.


Das hast du fein beobachtet; aber falsch gedeutet. Es ist "links" immanent, "nicht zu wissen, was man will".

Das sahen die klassischen Kommunisten noch deutlich anders - die SPD bis Mitte der 90er hatte auch eine Gewissheit, was sie will, wie sie es will und wofür sie steht. Das hat sich dann geändert, seither: Verfall.

Nimm beispielhaft das BGE. Das ist eine "soziale Vorstellung".

Diesen rechtskonservativen Dreck aus den 50er Jahren willst du jetzt als das Linkenparadies verkaufen, in dem noch keiner war, weil alle zufrieden zerstritten sind, was überhaupt werden soll? Ich bin da etwas reserviert.

Ist es aber schlecht, falsch oder fehlerhaft, nur weil es so viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt?

Es ist für eine Partei immer schlecht, wenn sie sich nicht in ihrer Mehrheit und für bis auf weiteres einigen kann, was sie selbst unabhängig von Partnern und Kassenlage eigentlich will. Das ist der Zustand der Die-Linke-Partei und ihrer beiden Vorgänger praktisch seit dem Mauerfall. Das davor war auch ... nicht so gut.

Was können sie denn "tun"? Nehmen wir beispielhaft die Rüstungspolitik. Wie kann die Linke hier "tun", also etwa wenigstens die von ihr geforderten Rüstungsexporte an Diktaturen verhindern? Das, da sind sich alle "Kriegs-Experten" aller Fraktionen einig, würde maßgeblich dazu beitragen, Flüchtlingsströme schon in ihren Ursachen zu dämpfen. Doch es steht, da sind sich alle "Wirtschafts-Experten" aller Fraktionen einig, im Widerspruch zu "rund 200.000 sicheren Arbeitsplätzen in Deutschland" und - natürlich ;) - den Gewinnen aus einer der profitabelsten Branchen der Welt. Die Linken stimmen bei jeder sich bietenden parlamentarischen Gelegenheit dagegen

Das tun sie nicht. Die Linken haben weder immer geschlossen jedes Rüstungsgeschäft abgelehnt noch haben sie immer geschlossen nein gestimmt bei Bundeswehr-Einsätzen In der Linken gibt es seit den 90ern einen Streit darum, wieviel Einmischung im Ausland es denn sein darf. Blauhelm hier - Nato da. Übrigens bezieht sich tun natürlich immer auf eine Regierung. Würde die Linke regieren und einen Teil ihrer genannten 80er+X-Forderungen tatsächlich umsetzen dürfen, wäre sie schnell viele Wähler los.

Diese Linke will gar nichts anderes sein als eine Ghettopartei, die sich nicht einigt, die keinen konsistenten Politikansatz hat und die sich darin gefällt, für jeden sich widersprechenden Ansatz gleichzeitig da zu sein. Damit ist sie leider uninteressant.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Realist2014 » Mo 9. Okt 2017, 09:13

Just Me hat geschrieben:(06 Oct 2017, 15:20)

Nein. Der Hauptgrund, dass die LINKE nicht gewählt wird, ist die Jahrzehnte anhaltende, erfolgreiche Propaganda, "




erstens gibt es die Partei "DieLinke" erst seit 2007

und der Grund für jeden Demokraten , diese Partei NICHT zu wählen, ist ihr Grundsatzprogramm von 2011 ( Erfurt)
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Just Me » Di 10. Okt 2017, 12:08

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Das sahen die klassischen Kommunisten noch deutlich anders
Das ist eine irrige Wahrnehmung. In keiner Partei, in keiner Gruppe, wird mehr über den Weg gestritten, als in den linken. Das war damals so. Und das ist bis heute so. Einig sind sie sich nur in einem Punkt: dem Ziel. Sie wissen sehr genau, wie dieses Ziel aussieht und woran man erkennen kann, dass man das Ziel erreicht hat.
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
- die SPD bis Mitte der 90er hatte auch eine Gewissheit, was sie will, wie sie es will und wofür sie steht. Das hat sich dann geändert, seither: Verfall.
"Die SPD" verlor ihren Halt im Jahr 1913. Damals starb August Bebel und Ebert/Noske gaben der Partei eine völlig neue Struktur. Seitdem - google ggf. "Blut-Noske" und "Noske, der Bluthund", wenn du hier Bildungslücken haben solltest - klafft zwischen Wort und Tat in der SPD eine gewaltige, und mit den Jahrzehnten wieder zunehmende, Lücke.

Wenn du also sagst, "die SPD hätte irgendwann nach 1913 Gewissheit, was sie wolle, gehabt", dann musst du zwingend zwischen Wort und Tat unterscheiden. Welchen Teil meinst du? Jenen, des Wortes, wonach man den Sozialismus anstrebe? Oder jenen der Tat, wonach - ich zitiere Müntefering als Ex-Boss dieser Partei - man ja nicht alles erreichen wollen müsse, was man anstrebe? Jenen, wonach man postuliert, eine "Arbeit(nehm)er-Vertretung" zu sein? Oder jenen, wonach man 6 Millionen
eigene Wähler für den Kaiser in den Tod schickt, um der eigenen Elite Machtansprüche zu sichern?

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Diesen rechtskonservativen Dreck aus den 50er Jahren willst du jetzt als das Linkenparadies verkaufen, in dem noch keiner war, weil alle zufrieden zerstritten sind, was überhaupt werden soll? Ich bin da etwas reserviert.
Über die Qualität kann man zweifellos streiten. Doch der "soziale Anspruch" einer solchen Diskussion ist nicht vom Tisch zu wischen. Worüber möchtest du also gern reden?

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Es ist für eine Partei immer schlecht, wenn sie sich nicht in ihrer Mehrheit und für bis auf weiteres einigen kann, was sie selbst unabhängig von Partnern und Kassenlage eigentlich will. Das ist der Zustand der Die-Linke-Partei und ihrer beiden Vorgänger praktisch seit dem Mauerfall.
Das hängt von der Perspektive ab. Wer Parteien als "Vormund & Vordenker" betrachtet, dürfte mit deinem Postulat sympathisieren. Wer jedoch Parteien als "konsolidierte Vertreter des eigenen Willens" betrachtet, dürfte erhebliche Zweifel daran haben.

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Das davor war auch ... nicht so gut.
Unbestreitbar. Doch würden wir an diesem Maß messen, müssten wir den Kapitalismus stante pedes aufgeben, weil der Manchester-Kapitalismus selbst den eingefleischtesten Vertretern dieser Strömung nicht sonderlich erstrebenswert erscheinen dürfte...

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Das tun sie nicht. Die Linken haben weder immer geschlossen jedes Rüstungsgeschäft abgelehnt noch haben sie immer geschlossen nein gestimmt bei Bundeswehr-Einsätzen In der Linken gibt es seit den 90ern einen Streit darum, wieviel Einmischung im Ausland es denn sein darf. Blauhelm hier - Nato da. Übrigens bezieht sich tun natürlich immer auf eine Regierung. Würde die Linke regieren und einen Teil ihrer genannten 80er+X-Forderungen tatsächlich umsetzen dürfen, wäre sie schnell viele Wähler los.
Billige Rabulistik, Sole.survivor. Zunächst einmal sprach ich bewusst von "Rüstungsexporten an Diktaturen"; und diese wurden und werden "geschlossen" abgelehnt; auch von jenen Kreisen, die sich der angeblichen "Real-Politik" verschreiben.

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(09 Oct 2017, 10:11)
Diese Linke will gar nichts anderes sein als eine Ghettopartei, die sich nicht einigt, die keinen konsistenten Politikansatz hat und die sich darin gefällt, für jeden sich widersprechenden Ansatz gleichzeitig da zu sein. Damit ist sie leider uninteressant.
Es ist hochgradig erschütternd, lesen zu müssen, dass politischer Diskurs, auch - und gerade - streitbarer Diskurs, in einer vorgeblich meinungsvielfältigen Demokratie als "uninteressant" eingestuft wird. Liegt nicht der Diskurs einer Demokratie zugrunde; ist also nicht der Diskurs existenzieller Bestandteil einer meinungsvielfältigen Demokratie?
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Re: Linker Populismus

Beitragvon pikant » Di 10. Okt 2017, 12:51

Just Me hat geschrieben:(10 Oct 2017, 13:08)

Das ist eine irrige Wahrnehmung. In keiner Partei, in keiner Gruppe, wird mehr über den Weg gestritten, als in den linken. Das war damals so. Und das ist bis heute so.

Es ist hochgradig erschütternd, lesen zu müssen, dass politischer Diskurs, auch - und gerade - streitbarer Diskurs, in einer vorgeblich meinungsvielfältigen Demokratie als "uninteressant" eingestuft wird. Liegt nicht der Diskurs einer Demokratie zugrunde; ist also nicht der Diskurs existenzieller Bestandteil einer meinungsvielfältigen Demokratie?


dies sollte man vor allem mal linken Usern sagen, die sich einer Diskussion in Thread 'Linkspartei' verweigern und auf einen Beitrag von Oskar Lafonataine zur Fleuchtlingspolitik seiner Partei dann mit Neueintritten kommen und sich inhaltlich ueberhaupt nicht mit der Kritik von Oskar befassen wollen.

Qualitaetsmerkmal ist uebrigens nicht der Streit an sich, sondern die Qualitaet eines Diskurses und da gibt es dann betraechtliche subjektive Ansichten.

ich finde auch manchen Diskurs uninteressant und dann beteilige ich mich eben daran nicht - dieses Recht muss man auch einem Menschen in einer Demokratie zugestehen.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 10. Okt 2017, 12:57

Just Me hat geschrieben:(10 Oct 2017, 13:08)

Das ist eine irrige Wahrnehmung. In keiner Partei, in keiner Gruppe, wird mehr über den Weg gestritten, als in den linken. Das war damals so. Und das ist bis heute so.


Die Tradition der Linken ist es, konkrete Programme zu machen, in denen klar drin steht, was sie wollen. Das ist ein Ringen um ein Programm, das dann gilt. Das Programm war meistens nicht gut oder nicht umsetzbar, aber der Fixpunkt der Parteipolitik. Es war eben nicht gemeint "gut, wir beschließen jetzt was, und danach reden wir weiter als hätten wir nie was beschlossen", wie es für die heutige Linke üblich ist.
Unentschiedenheit, Beliebigkeit, das Erfurter Programm der Linkspartei, sind eher Auflösungserscheinungen.


Es ist hochgradig erschütternd, lesen zu müssen, dass politischer Diskurs, auch - und gerade - streitbarer Diskurs, in einer vorgeblich meinungsvielfältigen Demokratie als "uninteressant" eingestuft wird. Liegt nicht der Diskurs einer Demokratie zugrunde; ist also nicht der Diskurs existenzieller Bestandteil einer meinungsvielfältigen Demokratie?

Die Linke kann als Partei nur auftreten in einem Streit, wenn sie einen eigenen und gültigen Standpunkt aufbringt. Das tut sie derzeit nicht und das kann sie derzeit nicht. Sie hat zu viele vertagte, unerledigte Konflikte um grundlegende Fragen im Gepäck. Insoweit sie aber von Wehrpolitik bis Staatshaushalt immer gleich zwei oder drei Standpunkte hat, findet sie praktisch nicht statt und ist eben belanglos. Wie es einer Partei geht, die abseits einiger Gründungsfragen jedem alles sein wollte, kann man an den Piraten studieren.
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Re: Linker Populismus

Beitragvon pikant » Di 10. Okt 2017, 13:02

Just Me hat geschrieben:(09 Oct 2017, 09:38)



Dieses plakative Beispiel kannst du bei zahllosen anderen Dingen - etwa Mindestlohn (hier fordert die Linke seit den ersten Diskussionen darüber einen Mindestlohn, der auch im Alter nicht ausgrenzt), sozialer Gerechtigkeit (etwa Vermögens- und Erbschaftssteuer, die zunehmende Ungerechtigkeiten insbesondere leistungsloser Einkommen nivellieren hilft), und ... und ... und ... - ebenfalls beobachten: Mit ihrer Kraft von "5 - 10 Prozent" kann sie eben auch nicht viel erreichen. Sie muss sich auf "Fordern" beschränken, solange die Bildung im Volk nicht ausreicht, um die Konsequenzen selbst zu erkennen.


Dass die Linkspartei eine kleine Patei ist, hat bestimmt nichts mit der Bildung in unserer Gesellschaft zu tun.
Bei der letzten BTW haben uebrigens nur etwa 10% Arbeitslose und Beschaeftigte im Niedriglohnsektor die Linkspartei gewaehlt und das war vor 10 Jahren noch diametral anders.
Oskar Lafontaine kommt zu dem Entschluss, dass dies damit zusammenhaengt, dass die Linkspartei die Interessen dieser Gruppe nicht mehr ausreichend beruecksichtigt und das ist bei Leibe kein Problem der Bildung, denn dann muesste die Linkspartei ja bei den bildungsnahen Schichten hocherfolgreich sein.

ich wuerde mich als Linker mal fragen, warum die Gruppe um die sich die Partei besonders kuemmert, von links nach rechtsaussen im Osten zwitscht und warum das Thema soziale Gerechtigkeit nur noch 30% der Waehler zu SPD und Linkspartei zieht.

Warum geht man heute eher nach rechts als nach links wenn es um den Protest geht?
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Re: Linker Populismus

Beitragvon ThorsHamar » Di 10. Okt 2017, 14:11

Links IST Populismus per se ....
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Re: Linker Populismus

Beitragvon Progressiver » Di 10. Okt 2017, 17:33

pikant hat geschrieben:(10 Oct 2017, 14:02)

Dass die Linkspartei eine kleine Patei ist, hat bestimmt nichts mit der Bildung in unserer Gesellschaft zu tun.
Bei der letzten BTW haben uebrigens nur etwa 10% Arbeitslose und Beschaeftigte im Niedriglohnsektor die Linkspartei gewaehlt und das war vor 10 Jahren noch diametral anders.
Oskar Lafontaine kommt zu dem Entschluss, dass dies damit zusammenhaengt, dass die Linkspartei die Interessen dieser Gruppe nicht mehr ausreichend beruecksichtigt und das ist bei Leibe kein Problem der Bildung, denn dann muesste die Linkspartei ja bei den bildungsnahen Schichten hocherfolgreich sein.

ich wuerde mich als Linker mal fragen, warum die Gruppe um die sich die Partei besonders kuemmert, von links nach rechtsaussen im Osten zwitscht und warum das Thema soziale Gerechtigkeit nur noch 30% der Waehler zu SPD und Linkspartei zieht.

Warum geht man heute eher nach rechts als nach links wenn es um den Protest geht?


Natürlich hat das auch etwas mit Bildung zu tun! Die offensichtlich Verwahrlosten in der Gesellschaft werden mit miesen Jobs abgespeist, wo Weiterbildung ein Wunschtraum bleibt. Gesellschaftlicher Aufstieg ist für viele Fehlanzeige. Und wenn sie so schon wenig mit der "Bildungsrepublik Deutschland" zu tun haben, dann schleicht sich das auch ins Privatleben ein. Wie etwa kann es sein, dass RTL 2 und andere Sender mit irgendwelchen Trash-Formaten so großen Erfolg haben? Und so wie die Schreihälse auf diesen Kanälen mit ihrem asozialen Verhalten in den Sendungen agieren, so spiegeln sich die Leben der Betrachter. Die verwahrlosten RTL 2-Gucker werden so, wie die Karikaturen, die in den "Reality"-Sendungen gezeigt werden. Und letztere wiederum spiegeln die Realität.

Um "Die LINKE" zu wählen, braucht es schon ein wenig mehr Kulturgefühl und Humanismus im Blut. Die Barbaren dagegen wählen die AfD.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)

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