Die Zukunft der SPD

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 30352
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon JJazzGold » Di 13. Feb 2018, 10:28

pikant hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:21)

geht halt nicht jeder in die Talkshows wie Palmer, der als OB von Tuebingen bundesweit bekannt ist.

ich kenne diese Frau auch nicht, habe mich mal jetzt sachkundig gemacht und was diese Frau Lange anfasst hat Hand und Fuss und Erfolg. Eine sehr erfolgreiche Politikerin aus einem Bundesland.
Jedenfalls nicht im Kungelklub Berlin beheimatet und das ist schon mal was positives.


Wenn es als Qualifikation für den Parteivorsitz ausreichend ist, nicht in Berlin zu sitzen, dann kann nicht nur die SPD aus ausreichend vorhandenem Potential schöpfen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 10:32

JJazzGold hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:28)

Wenn es als Qualifikation für den Parteivorsitz ausreichend ist, nicht in Berlin zu sitzen, dann kann nicht nur die SPD aus ausreichend vorhandenem Potential schöpfen.


das hat ja hier niemand geschrieben ,aber ein Nachteil muss es aber auch nicht sein, nicht in Berlin politisch bisher aktiv gewesen zu sein.
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 30352
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon JJazzGold » Di 13. Feb 2018, 10:40

frems hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:21)

Nicht per se ein Malus, aber die geburtenstarken Babyboomer sind gleichzeitig die Generation Bildungskatastrophe, weil man a) nicht in den Bereich investieren wollte und b) restlos überfüllte Klassen hatte. Gleichzeitig brachte man ihnen bei, dass das Leben ein verantwortungsloser Selbstbedienungsladen ist. Das rächt sich nun und ist verflixt teuer. Das war ja nicht immer so, weshalb ich keine ewige Gesetzesmäßigkeit aufstellen wollte. Ein von Dohnanyi ist bspw. altersbedingt schon sehr geistig angeschlagen, aber noch immer geeigneter als viele Mitglieder der jetzigen Parteiführung. Die gleiche Verteilung von Dummheit ist auch relativ, denn dank des Flynn-Effekts sinkt sie ja in der Breite pro Jahrgang. Und welche Schuld soll ein Kühnert tragen? Er läuft nicht wie ein aufgeschrecktes Huhn durch die Gegend und schaut, wie er sich mit Personaldebatten irgendwen wegbeißen kann. Stattdessen veranstalten sie gut organisierte, solide Auftritte, wo viele Befürworter und Gegner einer Groko ihre Meinung äußern und für sie werben können. Das erscheint mir deutlich sozialdemokratischer als die Hauruckmethoden von Nahles und Konsorten.


Die sog. Babyboomer haben euch Jungen mit ihrer Tatkraft das Fundament geschaffen, auf dem ihr, ein wenig Eigenverantwortung vorausgesetzt, relativ sorgenfrei leben könnt. Ihr müsst erst noch beweisen, dass ihr das nicht nur ebenso gut macht, sondern, wie vollmundig verkündet, besser macht. Von Sprechblasen und hatt'i, dat'i, war'i wird keiner satt.

Die Jusos können sich noch so gut organisieren, das ersetzt kein logisches, langfristiges Denken. Wenn die Basis entsprechend deren Empfehlung mit “nein“ votiert, dann hat die SPD auf lange Zeit abgehalftert. Dann halte ich es in der Tat für möglich, dass sie prozentual die Konkurrenz der Grünen in der auf lange Zeit gesetzte Opposition fürchten muss.

Ein “nein“ kann sich eine FDP nach dem Wiedereinstieg leisten, aber nicht eine 20% Partei, die damit kokettierte, die Mehrheit und den Kanzler stellen zu wollen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 43813
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon frems » Di 13. Feb 2018, 10:44

JJazzGold hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:40)

Die sog. Babyboomer haben euch Jungen mit ihrer Tatkraft das Fundament geschaffen, auf dem ihr, ein wenig Eigenverantwortung vorausgesetzt, relativ sorgenfrei leben könnt. Ihr müsst erst noch beweisen, dass ihr das nicht nur ebenso gut macht, sondern, wie vollmundig verkündet, besser macht. Von Sprechblasen und hatt'i, dat'i, war'i wird keiner satt.

Oh bitte. Das waren deren Eltern, nicht "Ich geb Gas, ich will Spaß" mit Rekordschulden. Schlechter geht's gar nicht mehr.

Die Jusos können sich noch so gut organisieren, das ersetzt kein logisches, langfristiges Denken. Wenn die Basis entsprechend deren Empfehlung mit “nein“ votiert, dann hat die SPD auf lange Zeit abgehalftert. Dann halte ich es in der Tat für möglich, dass sie prozentual die Konkurrenz der Grünen in der auf lange Zeit gesetzte Opposition fürchten muss.

Ein “nein“ kann sich eine FDP nach dem Wiedereinstieg leisten, aber nicht eine 20% Partei, die damit kokettierte, die Mehrheit und den Kanzler stellen zu wollen.

Zwei GroKos haben der SPD massiv geschadet. Es war schon dämlich genug, einen zweiten Versuch in so kurzer Zeit zu riskieren. Und nun ein drittes Mal? Die sollen mal schön die Führung der Opposition übernehmen und sich vor allem personell erneuern. Zudem kann Scholz dann an der Elbe bleiben. Win-win.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5854
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon jorikke » Di 13. Feb 2018, 11:28

pikant hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:32)

das hat ja hier niemand geschrieben ,aber ein Nachteil muss es aber auch nicht sein, nicht in Berlin politisch bisher aktiv gewesen zu sein.


Selbstverständlich ist das ein großer Nachteil.
Wie überall im Leben, wenn man etwas erreichen will, braucht man Freunde. Leute, die einen gut kennen und vertrauen. Dazu ist es fast unabdingbar sich mit ihnen im gleichen Umfeld zu bewegen, allein um sich gut genug kennen zu lernen, um Vertrauen schaffen zu können.
Ein Außenseiter, der da nach dem Motto. "Hoppla, jetzt kommt Eddy," mal eben so reinschneit und den neuen Boss machen will, steht auf verlorenem Posten.
Man braucht sie eben, die vielbeklagten Seilschaften.
Just Me
Beiträge: 113
Registriert: Fr 6. Okt 2017, 08:32

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Just Me » Di 13. Feb 2018, 11:33

JJazzGold hat geschrieben:Die Jusos können sich noch so gut organisieren, das ersetzt kein logisches, langfristiges Denken.

Die Frage lautet wohl eher, wo das "langfristige Denken" der bisherigen Partei-Eliten zu erkennen ist. Spätestens seit Schröder ist ein kontinuierlicher(!) Abwärtstrend überdeutlich zu sehen. Trotzdem fährt die Partei-Elite seit nunmehr EXAKT ZWANZIG JAHREN die gleiche Linie, als würde sie in einem Paralleluniversum, in dem die Realität keine Auswirkung auf sie hat, leben.

Vielmehr fühlt man sich an Einstein und seine Definition des "reinen Wahnsinns" erinnert:

Albert Einstein hat geschrieben:Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. (Albert Einstein)

NICHTS könnte das Handeln der SPD-Eliten besser beschreiben als diese Definition. (Entsprechendes gilt übrigens auch für CDU, CSU und FDP.)

In diesem Sinne ist es vielleicht nicht zielführend, aber immerhin "weniger wahnsinnig", nun das eigene Handeln zu ändern.

--------------------------------

Die sog. Babyboomer haben euch Jungen mit ihrer Tatkraft das Fundament geschaffen, auf dem ihr, ein wenig Eigenverantwortung vorausgesetzt, relativ sorgenfrei leben könnt.

Die sogenannten Babyboomer haben GAR NICHTS geleistet. Im Gegenteil. Ihnen ist das zu verdanken, was wir heute erleben: Nicht dabei angefangen, dass wir heute keine Krisen mehr beenden, sondern uns nur noch von einer zur nächsten schwingen; und nicht endend dabei, dass ihre Ideen- und Konzeptlosigkeit in einem politischen Einheitsbrei versumpft, gegen den die SED geradezu ein rebellisch streitender Haufen war.

Die Babyboomer verfrühstücken bedenken- und gewissenlos, was deren Eltern auf den Tisch legten. Und es hat sie in keiner einzigen Sekunde interessiert, wie es eines Tages ihren eigenen Kindern oder Enkeln gehen würde. Das kannst du besonders plastisch an der Entwicklung der Partei-Programme nachvollziehen: Während die Eltern der Babyboomer noch eigene Verantwortung in die Programme schrieben, schieben die Babyboomer alles auf andere ab und umhüllen sich mit leeren Blasen, bedeutungslosen Worthülsen und jeder Menge Neusprech, um ihr eigenes Versagen, obwohl stets vor Augen, auch vor sich selbst zu vernebeln.

Und nirgendwo wird dir das plastischer vor Augen geführt, als bei der Entwicklung der Staatsschulden: Während die Eltern der Babyboomer noch Respekt vor der kommenden Generation besaßen, geht dieser den Babyboomer völlig ab. Sie benehmen sich skrupellos wie die Heuschrecken.

Und es ist nur der glücklichen Fügung - genauer den Nachwirkungen des Kolonialismus in Form des Imperialismus - zu verdanken, dass es nicht schon den Babyboomern gelang, "sich selbst umzubringen". Die einzige Leistung der Babyboomer ist also, dass sie nicht fähig waren, den Eimer Wasser umzukippen ... obwohl sie sich wahrlich angestrengt haben, es wenigstens zu versuchen. In ihrem Zeugnis wird also eines Tages nicht viel mehr stehen, als "... sie waren stets bemüht ..."

-----------------------------------------

Ein “nein“ kann sich eine FDP nach dem Wiedereinstieg leisten, aber nicht eine 20% Partei, die damit kokettierte, die Mehrheit und den Kanzler stellen zu wollen.

Du meinst jene FDP, deren Vorsitzender unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen von "Verantwortung für den Staat, auch, wenn es schmerzt" faselte? Du meinst jenen FDP-Vorsitzenden, der Schein-Verhandlungen führte und dabei stets bemüht war, Dritten die Schuld für das kommende - und beabsichtigte - Scheitern selbiger aufzuhalsen? Du meinst jenen FDP-Vorsitzenden und seinen Dunstkreis, der noch nicht einmal den Mut hatte zuzugeben, dass ihm "Regierungs-Verantwortung" in der aktuellen Situation eher schaden als nutzen würde; und der deshalb den Schaden, sich nicht mehr an sein "Geschwätz von gestern" erinnern wollend, unbedingt auf die SPD abwälzen wollte?

... schauen wir mal, ob die FDP sich "das leisten" kann: Sie ist nicht nur die einzige Partei, die nicht vom Krebsgeschwür, das sämtliche selbsternannten Volksparteien befallen hat, profitiert und stattdessen ausschließlich im Windschatten der AfD reitet; sie ist auch momentan ziemlich unbeliebt bei ihrer eigenen Kernklientel und wird eher von Arbeitslosen(!) und politisch verdummten Teilen der Lohnabhängigen als von ihrer Stammwählerschaft gestützt. Warten wir einfach ab, wie sie dieses Vehikel halbwegs verlustfrei über die nächsten vier Jahre transportieren will.

Und was die SPD betrifft: Die Hauptkritik an ihr ist ihre Unzuverlässigkeit, der permanente Widerspruch zwischen Wort und Tat. Und genau die ist sie nun abermals zu zeigen bereit. "Leisten können" ist im Angesicht der aktuellen Umfragewerte (-4 Prozent auf 16,5 Prozent (INSA; 12.2.2018)) eher der zynische Ausdruck von "Brauchen wir nicht mehr!" Doch auch, wenn ich im Ergebnis mit dir übereinstimme: Das Postulat "leisten können" ist ebenso naiv wie fehlerhaft. Und das nicht nur, wenn man berücksichtigt, dass die SPD, würde sie nur von ihren Mitgliedern getragen werden, kaum noch 0,7 Prozent erreichen und stante pedes unter "Sonstige" verschwinden würde...
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 11:50

jorikke hat geschrieben:(13 Feb 2018, 11:28)

Selbstverständlich ist das ein großer Nachteil.


Martin Schulz hatte die SPD von Bruessel aus uebernommen - der war in Berlin ein ungeschriebenes Blatt, jetzt ist er aber sehr bekannt in Berlin und hat seine Duftmarken setzen koennen.
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5854
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon jorikke » Di 13. Feb 2018, 11:59

pikant hat geschrieben:(13 Feb 2018, 11:50)

Martin Schulz hatte die SPD von Bruessel aus uebernommen - der war in Berlin ein ungeschriebenes Blatt, jetzt ist er aber sehr bekannt in Berlin und hat seine Duftmarken setzen koennen.


Bei aller notwendigen Höflichkeit, was schreibst du da für einen Quatsch?
Er ist grandios gescheitert, weil er:
1. Selber recht unfähig war, und:
2. in Berlin nicht ausreichend vernetzt und ohne Unterstützung war.
Ein Merksatz für dich:
"Quereinsteiger tun sich immer schwer."
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 12:07

jorikke hat geschrieben:(13 Feb 2018, 11:59)

Bei aller notwendigen Höflichkeit, was schreibst du da für einen Quatsch?
Er ist grandios gescheitert, weil er:
1. Selber recht unfähig war, und:
2. in Berlin nicht ausreichend vernetzt und ohne Unterstützung war.
Ein Merksatz für dich:
"Quereinsteiger tun sich immer schwer."


sah aber die SPD nicht so und machte ihn schon vor seinem Parteivorsitz zum Spitzenkandidaten fuer die Wahl zum Europaparlament.
ein Parteivorsitzender wird uebrigens auf einem Parteitag gewaehlt, wo die meisten Delegierten nicht aus Berlin kommen :D
jetzt macht die Basis gegen Nahles mobil, die entgegen der Satzung der SPD heute schnell uebernehmen will - Berlin macht seine eigenen Gesetze
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 30352
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon JJazzGold » Di 13. Feb 2018, 12:11

"frems"

Oh bitte. Das waren deren Eltern, nicht "Ich geb Gas, ich will Spaß" mit Rekordschulden. Schlechter geht's gar nicht mehr.


Selbstverständlich wollten wir auch unseren Spaß. Wir sind nicht alt geboren worden, wir waren auch jung.
Und ebenso selbstverständlich haben wir die Schulden mitgetragen, die die jeweilige Regierung, zum Großteil notwendig, anhäufte und die Notwendigkeit jeweils kritisiert oder anerkannt.

Erzähle mir doch bitte nicht, dass Deine Generation keinen Spaß haben will, sondern mit sorgenzerfurchter Stirn zuhause im stillen Kämmerlein sitzt und Untergang der Welt beweint.
Nur zu, go ahead, macht es wenigstens gleich gut, oder sogar besser. Dann bekommt ihr auch das entsprechende Lob dafür, aber erst nachdem ich es erlebe. Vorschusslorbeeren als Jugendbonus gibt es nicht.




Zwei GroKos haben der SPD massiv geschadet. Es war schon dämlich genug, einen zweiten Versuch in so kurzer Zeit zu riskieren. Und nun ein drittes Mal? Die sollen mal schön die Führung der Opposition übernehmen und sich vor allem personell erneuern. Zudem kann Scholz dann an der Elbe bleiben. Win-win.


Die SPD hatte doch letztendlich keine Wahl.
Nachdem die CDU, wie im Übrigen auch die SPD, sich maßlos verschätzt hatte, was den Opferungswillen der gerade erst wiederauferstandenen FDP betraf, blieb der SPD keine Wahl mehr. Das wäre an sich nicht tragisch gewesen, hätte der himmelhoch gelobte Schulz sie nicht bereits vorher verbal an den Abgrund geführt und das auch noch gleich mehrfach, zuletzt als er mal eben so übergab.

Aber selbst das ist überlebensfähig, gesetzt den Fall, man setzt sich hin und macht Nägel mit Köpfen, was in der Koalitionsverhandlung großteils passierte, mal abgesehen von den irrwitzig überzogenen Forderungen. Selbstverständlich treibt man in einer solchen Situation die Verhandlungsmasse hoch, aber doch nicht bis zum Preis der Lächerlichkeit, die das vorhersehbare Versagen generiert. Noch weniger beschränkt man sich künstlich auf einen wenig erfolgversprechenden Zeitraum von zwei Jahren. Damit brennt man sich im Fall der späteren Trennung das Stigma, “die SPD ist schuld“, direkt auf die linke Arschbacke. Dazu kommt noch das von Schulz eingeleitete Postenschachern. Aber nein, statt dem zu begegnen, indem man der Basis ein solides ministeriale Personalangebot zum leichteren “ja“ offeriert, will man jetzt plötzlich doch erst nach dem “ja“ entscheiden.

Ich habe mit angesehen, wie die FDP sich selbst zerlegt hat und mit angesehen, wie die Grünen sich zerlegten, ist denn die SPD so gänzlich und umfassend lernunfähig?

Dann benötigt sie in der Tat eine umfassende Erneuerung.
Zuletzt geändert von JJazzGold am Di 13. Feb 2018, 13:34, insgesamt 1-mal geändert.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 30352
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon JJazzGold » Di 13. Feb 2018, 12:17

Just Me hat geschrieben:(13 Feb 2018, 11:33)

Die Frage lautet wohl eher, wo das "langfristige Denken" der bisherigen Partei-Eliten zu erkennen ist. Spätestens seit Schröder ist ein kontinuierlicher(!) Abwärtstrend überdeutlich zu sehen. Trotzdem fährt die Partei-Elite seit nunmehr EXAKT ZWANZIG JAHREN die gleiche Linie, als würde sie in einem Paralleluniversum, in dem die Realität keine Auswirkung auf sie hat, leben.

Vielmehr fühlt man sich an Einstein und seine Definition des "reinen Wahnsinns" erinnert:


NICHTS könnte das Handeln der SPD-Eliten besser beschreiben als diese Definition. (Entsprechendes gilt übrigens auch für CDU, CSU und FDP.)

In diesem Sinne ist es vielleicht nicht zielführend, aber immerhin "weniger wahnsinnig", nun das eigene Handeln zu ändern.

--------------------------------


Die sogenannten Babyboomer haben GAR NICHTS geleistet. Im Gegenteil. Ihnen ist das zu verdanken, was wir heute erleben: Nicht dabei angefangen, dass wir heute keine Krisen mehr beenden, sondern uns nur noch von einer zur nächsten schwingen; und nicht endend dabei, dass ihre Ideen- und Konzeptlosigkeit in einem politischen Einheitsbrei versumpft, gegen den die SED geradezu ein rebellisch streitender Haufen war.

Die Babyboomer verfrühstücken bedenken- und gewissenlos, was deren Eltern auf den Tisch legten. Und es hat sie in keiner einzigen Sekunde interessiert, wie es eines Tages ihren eigenen Kindern oder Enkeln gehen würde. Das kannst du besonders plastisch an der Entwicklung der Partei-Programme nachvollziehen: Während die Eltern der Babyboomer noch eigene Verantwortung in die Programme schrieben, schieben die Babyboomer alles auf andere ab und umhüllen sich mit leeren Blasen, bedeutungslosen Worthülsen und jeder Menge Neusprech, um ihr eigenes Versagen, obwohl stets vor Augen, auch vor sich selbst zu vernebeln.

Und nirgendwo wird dir das plastischer vor Augen geführt, als bei der Entwicklung der Staatsschulden: Während die Eltern der Babyboomer noch Respekt vor der kommenden Generation besaßen, geht dieser den Babyboomer völlig ab. Sie benehmen sich skrupellos wie die Heuschrecken.

Und es ist nur der glücklichen Fügung - genauer den Nachwirkungen des Kolonialismus in Form des Imperialismus - zu verdanken, dass es nicht schon den Babyboomern gelang, "sich selbst umzubringen". Die einzige Leistung der Babyboomer ist also, dass sie nicht fähig waren, den Eimer Wasser umzukippen ... obwohl sie sich wahrlich angestrengt haben, es wenigstens zu versuchen. In ihrem Zeugnis wird also eines Tages nicht viel mehr stehen, als "... sie waren stets bemüht ..."

-----------------------------------------


Du meinst jene FDP, deren Vorsitzender unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen von "Verantwortung für den Staat, auch, wenn es schmerzt" faselte? Du meinst jenen FDP-Vorsitzenden, der Schein-Verhandlungen führte und dabei stets bemüht war, Dritten die Schuld für das kommende - und beabsichtigte - Scheitern selbiger aufzuhalsen? Du meinst jenen FDP-Vorsitzenden und seinen Dunstkreis, der noch nicht einmal den Mut hatte zuzugeben, dass ihm "Regierungs-Verantwortung" in der aktuellen Situation eher schaden als nutzen würde; und der deshalb den Schaden, sich nicht mehr an sein "Geschwätz von gestern" erinnern wollend, unbedingt auf die SPD abwälzen wollte?

... schauen wir mal, ob die FDP sich "das leisten" kann: Sie ist nicht nur die einzige Partei, die nicht vom Krebsgeschwür, das sämtliche selbsternannten Volksparteien befallen hat, profitiert und stattdessen ausschließlich im Windschatten der AfD reitet; sie ist auch momentan ziemlich unbeliebt bei ihrer eigenen Kernklientel und wird eher von Arbeitslosen(!) und politisch verdummten Teilen der Lohnabhängigen als von ihrer Stammwählerschaft gestützt. Warten wir einfach ab, wie sie dieses Vehikel halbwegs verlustfrei über die nächsten vier Jahre transportieren will.

Und was die SPD betrifft: Die Hauptkritik an ihr ist ihre Unzuverlässigkeit, der permanente Widerspruch zwischen Wort und Tat. Und genau die ist sie nun abermals zu zeigen bereit. "Leisten können" ist im Angesicht der aktuellen Umfragewerte (-4 Prozent auf 16,5 Prozent (INSA; 12.2.2018)) eher der zynische Ausdruck von "Brauchen wir nicht mehr!" Doch auch, wenn ich im Ergebnis mit dir übereinstimme: Das Postulat "leisten können" ist ebenso naiv wie fehlerhaft. Und das nicht nur, wenn man berücksichtigt, dass die SPD, würde sie nur von ihren Mitgliedern getragen werden, kaum noch 0,7 Prozent erreichen und stante pedes unter "Sonstige" verschwinden würde...



Das Einzige, was die linkaussen Suppe, ob jung oder alt, kann, ist jammern und sich lauthals beschweren, weil sie nicht über eine Doppelschicht Pampers verfügen kann. Die hat noch nie bewiesen, dass sie irgendetwas gebacken bekommt. Zum Glück für uns alle.

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
Benutzeravatar
Willi Brand
Beiträge: 303
Registriert: Mo 12. Okt 2009, 05:04
Benutzertitel: Soziales Gewissen
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Willi Brand » Di 13. Feb 2018, 12:29

frems hat geschrieben:(13 Feb 2018, 09:29)

Nachvollziehbar. Aber anders können und kennen die es ja nicht. Etwas frischer Wind täte da mal gut.

Den frischen Wind würde nur jemand bringen, der bei der Wahl um den Parteivorsitz realistische Erfolgsaussichten hat und nachweislich für einen Politikwechsel in der SPD steht. Das ist bei der Frau Niemand aus Flensburg doch nicht wirklich der Fall.
Für eine neue soziale Idee.
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 12:33

Willi Brand hat geschrieben:(13 Feb 2018, 12:29)

Den frischen Wind würde nur jemand bringen, der bei der Wahl um den Parteivorsitz realistische Erfolgsaussichten hat
und nachweislich für einen Politikwechsel in der SPD steht. Das ist bei der Frau Niemand aus Flensburg doch nicht wirklich der Fall.


frischer Wind bringt allein schon die Ankuendigung dieser Kandidatur in die SPD und die Parteispitze sollte sich hueten dies auf die leichte Schulter zu nehmen, wie Sie es offenbar machen.
Benutzeravatar
Der General
Beiträge: 8874
Registriert: Mi 11. Sep 2013, 23:37
Benutzertitel: Ungefährlicher Gefährder
Wohnort: NRW

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Der General » Di 13. Feb 2018, 12:43

pikant hat geschrieben:(13 Feb 2018, 10:00)

finde diesen frischen Wind sehr gut aus dem Norden - diese Frau hat schon 2mal gegen einen Amtsinhaber gewonnen ( Landtag und OB )und sie ist ja auch Kreisvorstzende ihrer Partei.
eine Gagakandidatur ist das bestimmt nicht und ich gebe ihr auf dem Parteitag gute Chancen 30% zu bekommen und das waere schon ein Riesenerfolg.
gut, dass die Basis mobil macht und sogar personell Alternativen aufzeigt :)


Da muß noch mehr kommen. Die SPD befindet sich dramatisch im freien Fall und ein Mitregieren unter diesen Umständen ist eigentlich Verantwortungslos.

Nein zur GroKo und einen Totaler Neuanfang, mit völlig neuem Personal ist zwingend erforderlich !

Nur der Weg in die Opposition schafft Ruhe und Konsolidierung, momentan steht man mit 16,5% nur noch 1,5% Punkte vor der AfD. Unfassbar was Schulz und co. angerichtet hat.
Benutzeravatar
Willi Brand
Beiträge: 303
Registriert: Mo 12. Okt 2009, 05:04
Benutzertitel: Soziales Gewissen
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon Willi Brand » Di 13. Feb 2018, 12:51

pikant hat geschrieben:(13 Feb 2018, 12:33)

frischer Wind bringt allein schon die Ankuendigung dieser Kandidatur in die SPD

Lächerlich. Das ist eine Zählkandidatin, mehr nicht. Traurig und bezeichnend, dass die einstige Volkspartei SPD offenbar nicht mehr auf die Beine gestellt bekommt.
Für eine neue soziale Idee.
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 12:53

Willi Brand hat geschrieben:(13 Feb 2018, 12:51)

Lächerlich. Das ist eine Zählkandidatin, mehr nicht. Traurig und bezeichnend, dass die einstige Volkspartei SPD offenbar nicht mehr auf die Beine gestellt bekommt.


ich finde Kandidaturen fuer den Parteivorsitz der SPD nicht laecherlich, sondern das ist gelebte Demokratie :thumbup:.
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1668
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon BlueMonday » Di 13. Feb 2018, 13:11

Just Me hat geschrieben:(13 Feb 2018, 11:33)

Die Frage lautet wohl eher, wo das "langfristige Denken" der bisherigen Partei-Eliten zu erkennen ist. Spätestens seit Schröder ist ein kontinuierlicher(!) Abwärtstrend überdeutlich zu sehen. Trotzdem fährt die Partei-Elite seit nunmehr EXAKT ZWANZIG JAHREN die gleiche Linie, als würde sie in einem Paralleluniversum, in dem die Realität keine Auswirkung auf sie hat, leben.

Vielmehr fühlt man sich an Einstein und seine Definition des "reinen Wahnsinns" erinnert:

.


Schröder war ja nun gerade eine Ausnahme mit unpopulären Reformen, die man so von einer rotgrünen Koalition gar nicht so erwartet hätte. An den Hirnwindungen des "Urnenpöbels" bleibt sowas freilich ewig kleben und wird abgestraft. Das Unpopuläre kostet Stimmen und bringt keinen Dank. Hingegen nur Wohltaten zu versprechen und Populäres zu verkünden reicht auf lange Sicht nur als Strategie für die Oppositionsbank. Da lässt es sich halt immer bequem klappern.

"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. (Albert Einstein)"

Wenig zeitgemäß, schon zu Einsteins Zeiten, eigentlich zu allen Zeiten. Ganz umgekehrt: Wahnsinn ist es, das Gleiche in einer sich ständig ändernden Welt zu tun und dann ein immer gleiches Ergebnis zu erwarten.
Das ist letztlich der verhängnisvolle Aberglaube der politischen Menschen: die Gesellschaft großflächig vorhersehbar oder gar sinnvoll steuern zu können.
But who would build the roads?
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 43813
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon frems » Di 13. Feb 2018, 14:07

Drei Landesverbände stellen sich gegen das Vorhaben der SPD-Spitze, Andrea Nahles zur kommissarischen Parteivorsitzenden zu befördern. Auch die SPD-Juristen sind dagegen.
http://www.tagesspiegel.de/politik/komm ... 56974.html

Mit so einem unnötigen, unüberlegten Schritt tut man sich keinen Gefallen. Fehlt ja nur noch, dass Nahles nach Gabriel und Schulz wohl auch demnächst ihre Karriere beenden kann.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
pikant
Beiträge: 54531
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 13:07

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon pikant » Di 13. Feb 2018, 14:14

frems hat geschrieben:(13 Feb 2018, 14:07)

Drei Landesverbände stellen sich gegen das Vorhaben der SPD-Spitze, Andrea Nahles zur kommissarischen Parteivorsitzenden zu befördern. Auch die SPD-Juristen sind dagegen.
http://www.tagesspiegel.de/politik/komm ... 56974.html

Mit so einem unnötigen, unüberlegten Schritt tut man sich keinen Gefallen. Fehlt ja nur noch, dass Nahles nach Gabriel und Schulz wohl auch demnächst ihre Karriere beenden kann.


ich verstehe diese Hast ueberhaupt nicht und dass man nun einfach die SPD-Satzung wegen Nahles ausser Kraft setzen will.
ich verstehe auch nicht, warum nun Martin Schulz sofort zuruecktreten will, denn bis gestern wollte er noch bis Maerz weitermachen um den Uebergang in geordnete Bahnen zu bringen.
die SPD-Spitze tut alles, um einen Aufruhr an der Basis zu verursachen.
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5854
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Die Zukunft der SPD

Beitragvon jorikke » Di 13. Feb 2018, 14:16

BlueMonday hat geschrieben:(13 Feb 2018, 13:11)

Schröder war ja nun gerade eine Ausnahme mit unpopulären Reformen, die man so von einer rotgrünen Koalition gar nicht so erwartet hätte. An den Hirnwindungen des "Urnenpöbels" bleibt sowas freilich ewig kleben und wird abgestraft. Das Unpopuläre kostet Stimmen und bringt keinen Dank. Hingegen nur Wohltaten zu versprechen und Populäres zu verkünden reicht auf lange Sicht nur als Strategie für die Oppositionsbank. Da lässt es sich halt immer bequem klappern.

"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. (Albert Einstein)"

Wenig zeitgemäß, schon zu Einsteins Zeiten, eigentlich zu allen Zeiten. Ganz umgekehrt: Wahnsinn ist es, das Gleiche in einer sich ständig ändernden Welt zu tun und dann ein immer gleiches Ergebnis zu erwarten.
Das ist letztlich der verhängnisvolle Aberglaube der politischen Menschen: die Gesellschaft großflächig vorhersehbar oder gar sinnvoll steuern zu können.


Urnenpöbel!
Sollte das Wort des Jahres werden. Wohlgemerkt, nicht das Unwort.
Einzig schlecht daran ist, es ist mir nicht eingefallen.

Zurück zu „22. Parteien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast