DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

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Selina
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Selina » Mi 8. Mär 2017, 08:48

Ja, sicher haben sie sich entzogen. Aber sowas von ;) Oder anders gesagt, sie bestimmen die Richtung dieser unsozialen Politik.

Und Unité 1, toller Beitrag :thumbup:
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Alexyessin
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Alexyessin » Mi 8. Mär 2017, 10:11

Der General hat geschrieben:(08 Mar 2017, 02:05)

Nun gut, man kann durchaus kritisieren, dass Lafontaine nicht ausreichend genug gekämpft hat um seine Ideen durchzusetzen. Dieses Argument lasse ich gelten.

Ich glaube aber, dass er schon frühzeitig erkannt hat, dass er da auf verlorenen Posten stand und die SPD unter dessen Führung nicht gewillt war, echte Sozialdemokratische Politik durchzusetzen !

Bleibe dabei, dass Oskar Lafontaine alles andere war, als ein Verantwortungsloser der einfach so geflüchtet ist. Das Gegenteil war der Fall !



Doch das war er. Er hat hingeschmissen das selbst seine engeren Getreuen sich über das wie wunderten.
Seine Ideen, sofern überhaupt vorhanden, waren unausgegoren. Als er sich im Kabinett ( meiner Meinung nach sein größter Fehler ) nicht durchsetzen konnte wollte er lieber bockig Kind machen anstatt dafür zu werben. Dieses Verhalten war der Grund für den liberalen Wirtschaftskurs der SPD drei Jahre später.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon firlefanz11 » Mi 8. Mär 2017, 10:16

DarkLightbringer hat geschrieben:(07 Mar 2017, 16:41)
... Sozialdemokraten sind aber bekanntlich nach vorne gesprungen. Das bedeutetet u. a., das Thema Gerechtigkeit ist erfolgreich besetzt worden.

Nein, es ist der SPD mit der Person Schulz u. bauernfängerischen Parolen von angeblicher Gerechtigkeit durch überlange ALG1 Zahlungen u. ähnlichen Mupitz gelungen einen Satz nach vorn zu machen. Das tatsächliche Thema Gerechtigkeit ist immer noch unbesetzt... :rolleyes:
Wenn die roten Socken an die Macht kommen sollten wird dem Stimmvieh ganz schnell klar werden was es für einen Fehler begangen hat wenn dann plötzlich die Abgabenlast für die Mittelschicht noch höher geschraubt wird als sie es jetzt schon ist...
Zuletzt geändert von firlefanz11 am Mi 8. Mär 2017, 11:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon yogi61 » Mi 8. Mär 2017, 10:26

Alexyessin hat geschrieben:(06 Mar 2017, 21:50)

Wäre er ein aufrichtiger und wahrer Sozialdemokrat hätte er nicht den Schwanz eingezogen!


Völlig falsch. Als aufrechter und wahrer Sozialdemokrat konnte man den Kurs nicht mitgehen. Verbogen haben sich die anderen Genossen und sind zu neoliberalen Lakaien geworden.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Moses » Mi 8. Mär 2017, 11:44

Ich versteh die Aufregung nicht ganz. Oskar hatte seine Chance als Kanzlerkandidat mit seine Vorstellungen die Regierung zu führen - das hat der Wähler so nicht zugelassen. Dann hat er versucht die gleichen Vorstellungen unter Schröder durchzuboxen und der hat ihm die Flügel gestutzt - statt sich dann (ggf. auch als Korrektiv) in die Regierungsarbeit einzubringen hat er einen auf Drei-Jähriges-Trotzkind gemacht - entweder Schatzkanzler und informeller Führer der Regierung Schröder oder ich geh nach hause und bocke . . .

Es war seine Entscheidung und diese war falsch und dumm. Insofern trägt er eine gewisse Mitverantwortung für die Agendapolitik der rot-grünen Jahre.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon yogi61 » Mi 8. Mär 2017, 11:48

Moses hat geschrieben:(08 Mar 2017, 11:44)

Ich versteh die Aufregung nicht ganz. Oskar hatte seine Chance als Kanzlerkandidat mit seine Vorstellungen die Regierung zu führen - das hat der Wähler so nicht zugelassen. Dann hat er versucht die gleichen Vorstellungen unter Schröder durchzuboxen und der hat ihm die Flügel gestutzt - statt sich dann (ggf. auch als Korrektiv) in die Regierungsarbeit einzubringen hat er einen auf Drei-Jähriges-Trotzkind gemacht - entweder Schatzkanzler und informeller Führer der Regierung Schröder oder ich geh nach hause und bocke . . .

Es war seine Entscheidung und diese war falsch und dumm. Insofern trägt er eine gewisse Mitverantwortung für die Agendapolitik der rot-grünen Jahre.


Oskars Entscheidung war völlig richtig. Vor allen Dingen, dass er die SPD verlassen hat und in die Linke eingetreten ist. Ohne die Linke hätten sich die Sozialdemokraten völlig verloren.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Moses » Mi 8. Mär 2017, 11:50

yogi61 hat geschrieben:(08 Mar 2017, 11:48)

Oskars Entscheidung war völlig richtig. Vor allen Dingen, dass er die SPD verlassen hat und in die Linke eingetreten ist. Ohne die Linke hätten sich die Sozialdemokraten völlig verloren.


Auch das sehe ich anders, denn nicht die wirtschaftspolitische richtigen Entscheidungen der Regierung Schröder waren der Grund für die Spaltung des SPD sondern die Aufwertung der Postkommunisten in der SED-PDS-Linke durch einen selbstverliebten Oskar aus dem Saarland.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon yogi61 » Mi 8. Mär 2017, 11:58

Moses hat geschrieben:(08 Mar 2017, 11:50)

Auch das sehe ich anders, denn nicht die wirtschaftspolitische richtigen Entscheidungen der Regierung Schröder waren der Grund für die Spaltung des SPD sondern die Aufwertung der Postkommunisten in der SED-PDS-Linke durch einen selbstverliebten Oskar aus dem Saarland.


So kann man das nur sehen, wenn man nie einen sozialdemokratischen Backround gehabt hat. Natürlich haben die neoliberalen und einseitigen Entscheidung einer SPD geführten Regierung die SPD zutiefst gespalten, vor allen Dingen an der Basis. Ohne die Linke gäbe es heute noch keinen Mindestlohn in Deutschland. Die Ratschläge die bisher immer von bestimmten Kreisen an die SPD kamen waren natürlich verfgiftet und habe die Partei auf das 20 Prozent-Level fallen lassen. Es gibt für die SPD nur eine Richtung und das ist nach links zu gehen und sich sich wieder den sozialdemokratischen Wurzel zu widmen.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Unité 1 » Mi 8. Mär 2017, 12:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Mar 2017, 08:45)

Ja. Siehe oben. Ich stimme dir ebenfalls grundsätzlich zu, habe aber nur Zweifel, ob die wirklich großen Weltkonzerne sich nicht bereits dem Zugriff solcher verantwortungsvoller Politik entzogen haben.

Hier fängt es bereits an. Sie haben sich dem Zugriff nicht entzogen, die Möglichkeit dazu wurde geschaffen. Die beispielsweise niederländischen bzw. irischen Steuer"spar"modelle wären, glaube ich, in den 70ern noch undenkbar gewesen. Das waren konkrete Maßnahmen, die ergriffen wurden und die benannt werden können. Das heißt nicht, dass sich das einfach so zurückdrehen lässt. Das stimmt. Aber wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, das Narrativ dominiert, dass die Multis ihre Macht verliehen bekommen haben, dass die Abwanderung von Firmen im Fall von Besteuerung es kein Naturgesetz ist, sondern eine Entscheidung, dass auch im Fall der Marktwirtschaft andere Entwicklungen denkbar und möglich sind, dann entsteht politischer Handlungsdruck.
Mir ist schon klar, dass hier eine große Naivität mitschwingt, wenn ich mich dem Gedanken hingebe, dass ein Umdenken einsetzen könnte. Ein Umdenken, dass die Verantwortung wieder zurückholt, dass das Gefühl von Verantwortlichkeit eine Richtschnur bei politischen Entscheidungen darstellt. Eine Verantwortlichkeit, die es unumgänglich macht, z.B. globale Mindestbesteuerungsstandards durchzusetzen. Möglich wäre das ohne Weiteres, aber dazu müsste es gewollt sein. Und das ist es nicht.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon harry52 » Mi 8. Mär 2017, 12:14

yogi61 hat geschrieben:Oskars Entscheidung war völlig richtig. Vor allen Dingen, dass er die SPD verlassen hat und in die Linke eingetreten ist.

Ja, da passt er besser rein.
Was Trump bzgl. Mexikaner sagt und die Brexit Befürworter zu "polnischen Fremdarbeitern" sagen, ist exakt das, was Lafontaine zu den rumänischen Fremdarbeitern gesagt hat.

Ich weiss auch noch wie Linke
und der Globalisierungsgegner Geissler (CDU) sich empört haben, als NOKIA im armen Rumänien eine Fabrik baute und man denke an Dacia, Skoda, ... Da war man ja auch immer dagegen, was nicht nur rassistisch ist, sondern auch boshaft gegenüber diesen arme Ländern.

Außerdem ist das ja auch noch dumm hoch drei.
Ohne Skoda und viele andere Zulieferer und Produzenten aus armen Ländern, wären die Arbeitsplätze in Wolfsburg gar nicht finanzierbar. Hätte man auf den Lafontane gehört, wäre VW jetzt wirklich pleite. Übrigens auch Opel ... und was machen unsere Bauern ohne Fremdarbeiter? Das ist wie in den USA. Das würde zu vielen Pleiten führen.

Trump wird sich noch wundern über sein angebliches Jobwunder. Wann wechseln Lafontaine, Wagenknecht, Ernst und all die anderen Fremdenfeindlichen "Linken" zur AfD. Da passen die doch auch viel bessser rein.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Julian » Mi 8. Mär 2017, 12:34

Für mich sind Wörter wie Neoliberalismus und soziale Gerechtigkeit Kampfbegriffe und Worthülsen. Ich finde auch nicht, dass es uns inhaltlich weiterbringt, wenn eine Partei sagt, sie wolle soziale Gerechtigkeit. Was soll das denn sein? Mir wäre es lieber, man unterhielte sich über konkrete Forderungen.

Beispielsweise kann ich nachvollziehen, dass man dem Gebaren internationaler Konzerne im Hinblick auf Steueroptimierung kritisch gegenübersteht und diese Angelegenheit besser regulieren möchte. Es gibt ja so einige Beispiel, wo solche Konzerne Milliardengewinne einstreichen, aber es durch geschickte Ausnutzung der bestehenden Regeln, beispielsweise die Verlagerung des Konzernsitzes nach Luxemburg oder Dublin, schaffen, sehr wenige Steuern zu bezahlen - und dies obendrein in Ländern, wo die Gewinne gar nicht anfallen. Auch war ich geschockt, dass eine Hypo Real Estate die strenge deutsche Regulierung des Bankensektors durch eine Tochter in Dublin einfach umgehen kann - obwohl Dublin ja eine Stadt innerhalb der EU, sogar innerhalb der Eurozone ist.

Auf der anderen Seite bin ich dagegen, Unternehmer als Bösewichte darzustellen, oder, wie Lafontaine es tut, Milliardäre als Räuber zu bezeichnen. Für mich ist Unternehmertum prinzipiell etwas Positives; wir brauchen Leute mit neuen Ideen, die bereit sind, Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Viele neue Unternehmer scheitern, manche aber haben Erfolg. Warum sollte ich sie um ihren Gewinn bringen wollen? Natürlich ist das Gewinnstreben eine wesentliche Triebfeder. Wenn es nach Lafontaine und der Linken ginge, würden viele dieser innovativen und risikobereiten Leute einfach unser Land verlassen und versuchen, ihre Ideen woanders umzusetzen. Schon jetzt glänzt Deutschland nicht durch Innovation; man schaue sich nur eine Liste der größten amerikanischen und der größten deutschen Unternehmen an. Es scheint eindeutig, dass es neue Ideen, neue Unternehmen in Amerika leichter haben.

Außerdem sollte man mal einen Blick auf die Sozialausgaben unseres Staates werfen: Die sind nämlich unglaublich hoch, und auch höher als in der von Lafontaine verklärten Vergangenheit. Die Frage ist natürlich, wie effektiv sie sind. Wenn es nach mir ginge, würde ich mehr in Bildung investieren, damit wir der Chancengleichheit für Kinder wenigstens etwas näher kommen, und weniger in die bloße Versorgung. Eine freie Gesellschaft muss Ungleichheit akzeptieren, wenn es über die Grundversorgung (Unterkunft, Nahrung, Kleidung, basale Gesundheitsfürsorge) hinausgeht; zu viel Intervention wird nur dazu führen, dass es sich für untere Einkommensschichten nicht mehr lohnt zu arbeiten. Zu viel Intervention bedeutet auch, dass man sich ein Klientel schafft, das von Sozialleistungen geradezu abhängig ist, ja, gar nichts anderes kennt, und diese Versorgungsmentalität an nachfolgende Generationen weitergibt.

Vollends grotesk wird diese Kritik im übrigen, wenn sie auf RT verbreitet wird; als ob gerade Russland mit seinen Oligarchen, allen voran Putin, ein Vorbild wäre. Darum mag es in diesem Strang zwar nicht gehen, aber wenn der Strangeröffner einen entsprechenden Avatar vorweist, auf RT verlinkt und auch noch die westliche Wertegemeinschaft anklagt, lenkt er die Diskussion genau in diese Richtung.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 8. Mär 2017, 13:16

Unité 1 hat geschrieben:(08 Mar 2017, 12:02)

Hier fängt es bereits an. Sie haben sich dem Zugriff nicht entzogen, die Möglichkeit dazu wurde geschaffen. Die beispielsweise niederländischen bzw. irischen Steuer"spar"modelle wären, glaube ich, in den 70ern noch undenkbar gewesen. Das waren konkrete Maßnahmen, die ergriffen wurden und die benannt werden können. Das heißt nicht, dass sich das einfach so zurückdrehen lässt. Das stimmt. Aber wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, das Narrativ dominiert, dass die Multis ihre Macht verliehen bekommen haben, dass die Abwanderung von Firmen im Fall von Besteuerung es kein Naturgesetz ist, sondern eine Entscheidung, dass auch im Fall der Marktwirtschaft andere Entwicklungen denkbar und möglich sind, dann entsteht politischer Handlungsdruck.
Mir ist schon klar, dass hier eine große Naivität mitschwingt, wenn ich mich dem Gedanken hingebe, dass ein Umdenken einsetzen könnte. Ein Umdenken, dass die Verantwortung wieder zurückholt, dass das Gefühl von Verantwortlichkeit eine Richtschnur bei politischen Entscheidungen darstellt. Eine Verantwortlichkeit, die es unumgänglich macht, z.B. globale Mindestbesteuerungsstandards durchzusetzen. Möglich wäre das ohne Weiteres, aber dazu müsste es gewollt sein. Und das ist es nicht.

Dem kann ich im Großen und Ganzen zustimmen. Und es ist meiner Ansicht nach unter anderem deshalb (von einer Mehrheit) nicht gewollt, weil diese Mehrheit inzwischen eher reflexhaft in "Kulturbegriffen" als analytisch in Strukturen und Flüssen denkt. Russen, Moslems oder Linke lassen sich als Bedrohung denken. Nicht jedoch die Struktur und die gesellschaftlich-wirtschaftlich-sozial-politische Verankerung eines Großkonzerns.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Selina » Mi 8. Mär 2017, 13:21

yogi61 hat geschrieben:(08 Mar 2017, 10:26)

Völlig falsch. Als aufrechter und wahrer Sozialdemokrat konnte man den Kurs nicht mitgehen. Verbogen haben sich die anderen Genossen und sind zu neoliberalen Lakaien geworden.


:thumbup: Kann man nicht besser sagen. Wo warste denn so lange? ;)
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Selina » Mi 8. Mär 2017, 13:31

yogi61 hat geschrieben:(08 Mar 2017, 11:48)

Oskars Entscheidung war völlig richtig. Vor allen Dingen, dass er die SPD verlassen hat und in die Linke eingetreten ist. Ohne die Linke hätten sich die Sozialdemokraten völlig verloren.


Genau. Das war ein bitteres Wachrütteln für die Genossen Sozis. Hat zwar noch ne ganze Weile gedauert, bis sie es kapiert haben, dass mit Schröders Blair-Agenda die Schaffung eines riesengroßen Sektors an Niedriglohnarbeit entstanden ist, die einen Großteil der Leute schlicht arm machte und vor allem eine bereits heute sichtbare Altersarmut zur Folge hat. Was das mit "sozialdemokratisch" zu tun haben soll... schleierhaft. Die verlogene Sache, man habe die Arbeitslosigkeit halbiert, nervt, weil man ja fragen muss: Zu welchem Preis? Zum Preis von massenhaft prekären Arbeitsverhältnissen. Im Osten ist das noch um ein Vielfaches gravierender als im Westen. Aber inzwischen haben die Genossen es schon sehr deutlich gemerkt. An den Austritten und sinkenden Wählerzahlen. Allmählich gehts ja wieder voran durch den "Schulzeffekt". Mal sehen, wie es weitergeht. Spannende Geschichte :)
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 8. Mär 2017, 14:34

Selina hat geschrieben:(08 Mar 2017, 13:31)

Genau. Das war ein bitteres Wachrütteln für die Genossen Sozis. Hat zwar noch ne ganze Weile gedauert, bis sie es kapiert haben, dass mit Schröders Blair-Agenda die Schaffung eines riesengroßen Sektors an Niedriglohnarbeit entstanden ist, die einen Großteil der Leute schlicht arm machte und vor allem eine bereits heute sichtbare Altersarmut zur Folge hat. Was das mit "sozialdemokratisch" zu tun haben soll... schleierhaft. Die verlogene Sache, man habe die Arbeitslosigkeit halbiert, nervt, weil man ja fragen muss: Zu welchem Preis? Zum Preis von massenhaft prekären Arbeitsverhältnissen. Im Osten ist das noch um ein Vielfaches gravierender als im Westen. Aber inzwischen haben die Genossen es schon sehr deutlich gemerkt. An den Austritten und sinkenden Wählerzahlen.

Man muss sich aber im klaren darüber sein, dass selbst bei Bewahrung der Sicht auf die Verhältnisse zwischen Einkommen "früher" und Einkommen "heute", einfach durch einen Perspektivwechsel eine völlig andere Sicht entsteht: Vielleicht war diese kurze Periode der Nachkriegszeit von Anfang der 50er bis Ende der 80er in der sogenannten westlichen Welt die Ausnahmesituation und nicht die Regel. Diese schönen fetten Jahre waren gleichzeitig Jahre, in denen in Riesenländern wie Indien oder China extreme und vor allem nicht prekäre sondern existentielle Massenarmut herrschte. Die große Frage ist: Ist der moderate Abbau von Überwohlstand in der westlichen Welt der (angemessene) Preis für das Verschwinden existenzieller Massenarmut in China oder Indien zugunsten eines bescheidenen allgemeinen Wohlstands auf sehr niedrigem Niveau? Hängt beides überhaupt zusammen? Ich beantworte beide Fragen mit "ja".
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Selina » Mi 8. Mär 2017, 14:48

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Mar 2017, 14:34)

Man muss sich aber im klaren darüber sein, dass selbst bei Bewahrung der Sicht auf die Verhältnisse zwischen Einkommen "früher" und Einkommen "heute", einfach durch einen Perspektivwechsel eine völlig andere Sicht entsteht: Vielleicht war diese kurze Periode der Nachkriegszeit von Anfang der 50er bis Ende der 80er in der sogenannten westlichen Welt die Ausnahmesituation und nicht die Regel. Diese schönen fetten Jahre waren gleichzeitig Jahre, in denen in Riesenländern wie Indien oder China extreme und vor allem nicht prekäre sondern existentielle Massenarmut herrschte. Die große Frage ist: Ist der moderate Abbau von Überwohlstand in der westlichen Welt der (angemessene) Preis für das Verschwinden existenzieller Massenarmut in China oder Indien zugunsten eines bescheidenen allgemeinen Wohlstands auf sehr niedrigem Niveau? Hängt beides überhaupt zusammen? Ich beantworte beide Fragen mit "ja".


Ja, wobei das ja kein positives Phänomen ist, sondern unter anderem auch ein Ergebnis der Verlagerung von Arbeit in asiatische Billiglohnländer, wo dann unsere unsäglichen T-Shirts für 3,50 Euro unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen produziert werden. So toll kann ich das nun auch wieder nicht finden. Obwohl mir schon klar ist, dass die Näherin in Bangladesch schon froh ist, wenigstens diesen Hungerlohn verdienen zu "dürfen". Global betrachtet finde ich das alles fast noch ungerechter, als man es hier vor der Haustür vorfindet.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon harry52 » Mi 8. Mär 2017, 15:16

Selina hat geschrieben:... ein Ergebnis der Verlagerung von Arbeit in asiatische Billiglohnländer, wo dann unsere unsäglichen T-Shirts für 3,50 Euro unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen produziert werden. So toll kann ich das nun auch wieder nicht finden. Obwohl mir schon klar ist, dass die Näherin in Bangladesch schon froh ist, wenigstens diesen Hungerlohn verdienen zu "dürfen".

Unsere Schuhindustrie (denke an Salamander und Romika) und unsere Textilindustrie
ist aber schon deutlich vor Schröder und rot/grün abgewandert. Ich zitiere mal wikipedia: [i]"In den 1960er Jahren hatte das Unternehmen unter Hellmuth Lemm seine erfolgreichste Zeit und stellte bis zu zwölf Millionen Paar Schuhe pro Jahr her. 1994 stand das damalige Familienunternehmen vor dem Konkurs" [/i]

In dem Beispiel ist auch nicht verlagert worden,
sondern man war schlicht und einfach pleite. Das waren keine bösen Unternehmer, die den Deutschen die Arbeitsplätze geklaut und nach Mexiko bzw. Asien verlagert haben. Die sind pleite gegangen.

Der Durchschnittspreis eines Paar Schuhe zur Hochzeit in den 60er Jahren
würde heute umgerechnet bei etwa 1000 Euro liegen. Das kann sich kaum einer leisten und schon gar nicht die Armen und das führte schon in den 70er und 80er Jahren dazu, dass diese Unternehmen schrumpften und in Schwierigkeiten gerieten.

Wie willst Du diese Produktion zurückholen?
Denn trotz Einsatz neuster Maschinen, was dann sowieso kaum Arbeitsplätze bringt, werden die Schuhe immer noch locker doppelt so teuer sein, wenn wir sie wieder hier produzieren. Die Löhne sind auch nicht das einzige Problem. Strom, Gebäude, Lohnnebenkosten, Zulieferer, Dienstleister... sind hier auch alle viel teurer als in Mexiko.

Ihr betreibt dämliche Hexenjagd wie Trump,
aber ihr überseht die sachlichen Probleme. Man kann diese Industrie hier nicht zurückholen und schon gar nicht wieder hunderttausende Jobs dort schaffen. Wenn man überhaupt was machen kann, muss man Roboter einsetzen.
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Patriot » Mi 8. Mär 2017, 15:59

Die Linke würde Deutschland wirtschaftlich kaputt machen. Sozialismus, Krieg gegen Reiche, ...
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon Patriot » Mi 8. Mär 2017, 16:02

yogi61 hat geschrieben:(08 Mar 2017, 11:58)

So kann man das nur sehen, wenn man nie einen sozialdemokratischen Backround gehabt hat. Natürlich haben die neoliberalen und einseitigen Entscheidung einer SPD geführten Regierung die SPD zutiefst gespalten, vor allen Dingen an der Basis. Ohne die Linke gäbe es heute noch keinen Mindestlohn in Deutschland. Die Ratschläge die bisher immer von bestimmten Kreisen an die SPD kamen waren natürlich verfgiftet und habe die Partei auf das 20 Prozent-Level fallen lassen. Es gibt für die SPD nur eine Richtung und das ist nach links zu gehen und sich sich wieder den sozialdemokratischen Wurzel zu widmen.


Bei Leuten, die einen Höchstlohn und 75% Spitzensteuersatz wollen ist klar, was diese wollen - Kommunismus
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Re: DIE LINKE: Soziale Gerechtigkeit DAS Original

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 8. Mär 2017, 16:06

Der General hat geschrieben:(08 Mar 2017, 02:42)

Ach ja, die Umfragewerte :rolleyes:

Warten wir doch einfach mal ab, bis der Wahlkampf tatsächlich in die Heiße Phase tritt und sich der Martin erklären muß bzw. was er so alles vor hat um Kanzler zu werden ;)

Es werden ihm alle zuhören.

Beim Steinmeier oder Steinbrück, gab es ähnliche Tendenzen. Als Tiger gestartet und als Bettvorlage gelandet. Die Medien usw.. wollen es Natürlich Spannend machen, letztendlich bleibt "Mutti" Selbstverständlich auch die nächsten 4 Jahre "unsere" Mutti ...leider !!

Wenn die Wechselstimmung beim Wähler hinreichend ist, werden drei Parteien koalieren müssen. Die NRW-Wahl gilt als wichtigste Vorentscheidung, über eine Jamaika-, Kenia- oder Ampelkoalition wird bereits spekuliert. Für R2G dürfte wohl Wagenknecht die lebende Sperrklausel darstellen.

Der Schulz, vertritt genau die gleichen Ansichten wie ein Steinmeier,Steinbrück oder Gabriel... sind alles langjährige Parteifreunde und Fans von der Asozialen Agenda 2010 !

Gabriel war unbeliebt, Steinbrück zu trocken und Steinmeier zu beliebig. Im übrigen geht Schulz ja durchaus an die Agenda 2010 ran.

Das die SPD nun das Thema von "Sozialer Gerechtigkeit" als Wahlkampf Schwerpunkt ausgewählt hat, ist einfach nur ein Armutszeugnis. Statt Strategisch gesehen LINKE Wähler zurück erobern zu wollen, sollten Sie lieber versuchen in Sachen Flüchtlingspolitik Schwerpunkte zu setzen.

Die Erfolge Schulzens gehen nur zum Teil zu Lasten der kleineren Parteien, er holt ja auch ordentlich Nichtwähler. Und wenn alle nur Flüchtlingspolitik machen würden, wäre es doch langweilig. Die Leute wollen offenbar mehr.

Genau dort, ist nämlich so zusagen die Achillesferse der Union/Merkel.

Dieser Ferse müsste man aber doch sehr bemüht hinterher rennen, während die Union Schild und Speer in Stellung bringt. Das Thema Sicherheit ist praktisch auch schon besetzt.

Schon jetzt sage ich voraus, dass die SPD mit Ihrer Strategie und Ihrem "Frischling" Schulz scheitern wird. Sehr wahrscheinlich, wird es wieder eine GroKO geben und die AFD (Zukünftig) weiter an Zuspruch gewinnen.

In dem Fall würde sich eben der Wähler für das Original der GroKo entscheiden. Aber eine Dreierkoalition ist im Moment wahrscheinlicher.

In 10 bis 15 Jahren wird die Entwicklung, nicht nur in Deutschland darauf hinaus laufen, dass es sogenannte "Volksparteien" (auch wegen dem Demografischen Wandel) nicht mehr geben wird. Die sogenannte "Mitte" wird es dann nicht mehr geben.
Es wird Zukünftig nur noch RECHTE oder LINKE Parteien geben und ich hoffe sehr, dass sich die Mehrheit dann für LINKS entscheidet !!
Es gibt schon jetzt Global gesehen Tendenzen in dieser Richtung !

Vermute eher, die Mitte wird sich erneuern, die Ränder bleiben Ränder und das Links-Rechts-Muster wird in Frage gestellt. Mit letzterem ist Macron in Frankreich sehr erfolgreich.

grüsse

Gruß zurück.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]

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