MPD - Muslimische Partei Deutschland

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John Galt
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MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Di 20. Okt 2015, 21:57

Derzeit leben in Deutschland etwa 4 Millionen Muslime (2012) davon haben ca. 2 Millionen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Mit dem derzeitigen Zuzug und der zukünftigen Entwicklung ist in Zukunft mit deutlich höheren Zahlen zu rechnen. Die kritische Masse wird bei etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigten erreicht, damit kann man bei Bundestagswahlen mit niedriger Wahlbeteiligung im Bundestag landen.

Diese Zahl wird in den nächsten 10 Jahren locker erreicht werden. Die Muslime könnten sich also im Bundestag von einer eigenen Partei vertreten lassen.

Bislang habe ich nur folgende Partei gefunden:
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCnd ... echtigkeit

Dazu auch:
http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... hland.html

Werden sich Muslime weiterhin der CDU, SPD, Grüne, etc. anschließen oder ihre Interessen in einer eigenständigen Partei vertreten?

Ich halte es durchaus für realistisch, die Möglichkeiten in Deutschland sind gegeben. Im Gegensatz z.B zu den Latinos in den USA die auch einen immer größeren Teil der Bevölkerung darstellen, aber politisch trotzdem nichts auf die Beine bekommen können, was auch am politischen System der USA liegt.

Wenn ja, welche Interessen könnte eine solche Partei vertreten?
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon NMA » Di 20. Okt 2015, 22:16

Strang wurde getwittert.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon palulu » Di 20. Okt 2015, 22:18

Das BIG hat das größte Potenzial: https://de.wikipedia.org/wiki/Bündnis_für_Innovation_und_Gerechtigkeit

Trotzdem glaube ich nicht daran. Die MuslimInnen sind kein monolithischer Block. Ich würde z.B. niemals einer mehrheitlich arabisch-muslimischen Partei meine Stimme geben. Außerdem - das muss man zugeben - schaffen es die deutschen Parteien, durch MigrantInnenquoten u.ä. bis jetzt, den Eindruck der Notwendigkeit einer eigenen Partei nicht aufkommen zu lassen.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon Provokateur » Di 20. Okt 2015, 22:19

Eine Partei muss sich um Mehrheitsfähigkeit bemühen, das Ziel ist immer eine Regierungsbeteiligung.

Muslime sind häufig wertkonservativ. Hier gibt es Übereinstimmungen mit dem "rechten" Millieu.
Allerdings sind die linken Parteien traditionell migrantenfreundlicher.

Eine Partei, die sich in diesem Spannungsfeld bewegen kann, ohne zerrissen zu werden, wäre sicherlich interessant. Aber ich sehe dafür keine Anzeichen, die für den Erfolg einer solchen Bewegung sprechen würden.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon Marmelada » Di 20. Okt 2015, 22:20

palulu » Di 20. Okt 2015, 23:18 hat geschrieben:... Die MuslimInnen sind kein monolithischer Block. ...
Finde ich unfair, warum verrätst du gleich zu Beginn die Pointe? :|
Zuletzt geändert von Marmelada am Di 20. Okt 2015, 22:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 22:23

Bisher haben sich in Deutschland weder die wichtigen Parteien klar für oder wider einzelne Religionen positioniert noch konzentrieren sich Religiöse auf eine bestimmte Partei. Unter den evangelischen Christen sind CDU und Grüne gleichermaßen gefragt, sogar die Linkspartei hat bei Christenfunktionären und Basis einige Punkte. Analog hat fast jede Partei Ansprechendes für Atheisten, Juden, Muslime mit im Gepäck. Ich sehe oberhalb der Kommunalpolitik wenig Platz für eine religiös-muslimische oder religiös-christliche Partei.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon palulu » Di 20. Okt 2015, 22:30

Provokateur » Di 20. Okt 2015, 23:19 hat geschrieben:Eine Partei muss sich um Mehrheitsfähigkeit bemühen, das Ziel ist immer eine Regierungsbeteiligung.

Muslime sind häufig wertkonservativ. Hier gibt es Übereinstimmungen mit dem "rechten" Millieu.
Allerdings sind die linken Parteien traditionell migrantenfreundlicher.

Eine Partei, die sich in diesem Spannungsfeld bewegen kann, ohne zerrissen zu werden, wäre sicherlich interessant. Aber ich sehe dafür keine Anzeichen, die für den Erfolg einer solchen Bewegung sprechen würden.


Das gilt nicht mehr uneingeschränkt für DeutschtürkInnen, denke ich. Sie scheinen jetzt zum Establishment zu gehören. Früher nahm man auf sie und mit ihnen auf ihr Herkunftsland viel, viel mehr Rücksicht. Heute sehe ich in der Öffentlichkeit: deutsche Linke stoßen an DeutschtürkInnen genauso ihre Hörner ab wie an deutschen Rechten (von der CDU bis zur NPD). Irgendwie ist wohl der Groschen gefallen und sie scheinen erkannt zu haben, dass viele in der Tat eine CSU-Mentalität haben - nur in deutsch-türkisch.

Die SyrerInnen hingegen sind gerade en vogue. Mich interessiert hier nur: Wie lange dauert es, bis sie merken, dass sie noch konservativer als KurdInnen und noch nationalistischer als TürkInnen sind?

TürkInnen, AraberInnen, KurdInnen - das sind die großen drei Gruppen - was haben sie in der Diaspora bitte gemeinsam? Nix. Vielleicht gibt es sporadisch mal hier und dort eine Koalition zwischen TürkInnen und AraberInnen gegen KurdInnen, aber that's it.

Außerdem: mit steigender Diversität werden sie auch deutscher. Klingt seltsam? Ist es aber nicht. Wenn ein Syrer und eine Kurdin heiraten, dann wird das Kind i.d.R. nur Deutsch sprechen. Kenne zig solcher jungen Familien.
Zuletzt geändert von palulu am Di 20. Okt 2015, 22:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 23:21

Das ist das Problem solcher Parteien. Sie leben davon, dass die Wähler sich noch vorrangig als Angehörige ihrer Herkunft in Deutschland begreifen und nicht als Teilnehmer der deutschen Diskussion über meinetwegen Umwelt, Klassenkampf, Steuern, Sozialismus, Staatsapparat, Krieg und Frieden, Rüstungswahnsinn, Überwachungsterror, Laizismus usw mit individuellen Interessen und Standpunkten.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon odiug » Di 20. Okt 2015, 23:34

John Galt » Di 20. Okt 2015, 21:57 hat geschrieben:Derzeit leben in Deutschland etwa 4 Millionen Muslime (2012) davon haben ca. 2 Millionen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Mit dem derzeitigen Zuzug und der zukünftigen Entwicklung ist in Zukunft mit deutlich höheren Zahlen zu rechnen. Die kritische Masse wird bei etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigten erreicht, damit kann man bei Bundestagswahlen mit niedriger Wahlbeteiligung im Bundestag landen.

Diese Zahl wird in den nächsten 10 Jahren locker erreicht werden. Die Muslime könnten sich also im Bundestag von einer eigenen Partei vertreten lassen.

Bislang habe ich nur folgende Partei gefunden:
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCnd ... echtigkeit

Dazu auch:
http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... hland.html

Werden sich Muslime weiterhin der CDU, SPD, Grüne, etc. anschließen oder ihre Interessen in einer eigenständigen Partei vertreten?

Ich halte es durchaus für realistisch, die Möglichkeiten in Deutschland sind gegeben. Im Gegensatz z.B zu den Latinos in den USA die auch einen immer größeren Teil der Bevölkerung darstellen, aber politisch trotzdem nichts auf die Beine bekommen können, was auch am politischen System der USA liegt.

Wenn ja, welche Interessen könnte eine solche Partei vertreten?
Feiertagzeugs, Bau von Moscheen, was noch?

Das Beispiel der Lationosin den USA ist interessant.
Erstens weil es nicht stimmt, dass die nichts auf die Beine bekommen ... schau dir den Einfluss der Exil Kubaner auf die US Politik der letzten 60 Jahre gegenueber Kuba an ... und zweitens sind die Latinos in den USA kein monolither Block.
Sie setzen sich zusammen aus allen Nationen Latein-Amerikas.
Die groesste Gruppe dabei bilden die Mexikaner.
Das ist vergleichbar mit den Muslimen in Europa.
Die meisten bei uns bilden die Tuerken ... aber sie sind beileibe nicht die einzigen.
Ausserdem macht es einen Unterschied, ob Latino erster, zweiter oder noch weiter zurueckliegender Generation in den USA ... das gleiche gilt auch fuer Muslime in Deutschland oder Europa.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Mi 21. Okt 2015, 00:21

palulu » Di 20. Okt 2015, 22:18 hat geschrieben:Das BIG hat das größte Potenzial: https://de.wikipedia.org/wiki/Bündnis_für_Innovation_und_Gerechtigkeit

Trotzdem glaube ich nicht daran. Die MuslimInnen sind kein monolithischer Block. Ich würde z.B. niemals einer mehrheitlich arabisch-muslimischen Partei meine Stimme geben. Außerdem - das muss man zugeben - schaffen es die deutschen Parteien, durch MigrantInnenquoten u.ä. bis jetzt, den Eindruck der Notwendigkeit einer eigenen Partei nicht aufkommen zu lassen.


Wer ist denn heutzutage noch ein monolithischer Block? Die Gesellschaft ist unheimlich pluralistisch, die großen Parteien decken ein riesiges Spektrum ab, da hat man oftmals Probleme seine eigenen Interessen wiederzufinden.

Der Religionsaspekt verliert zwar allgemein zunehmend an Bedeutung, aber dennoch sollten sich genug Nenner finden lassen, um so eine politische Interessenvertretung selbst in die Hand zu nehmen. Bislang gab es einfach keine Chance und evtl. auch kein Bedarf, dass Muslime ihre Interessen selbst in die Hand nehmen konnten. Deshalb ging man eben zur CDU, SPD, FDP, Grüne oder zu den Linken. Aber warum soll das für immer so bleiben?

Nur mal ein paar Beispiele:
Syrer, Flüchtling, Muslim, Arbeiter -> wohin? (SPD, Grüne, Linke?)
Syrer, Flüchtling, Muslim, Arzt -> wohin? (FDP, CDU, SPD, Grüne?)
Türke, 3. Generation, Muslim, Student -> wohin? (Keine Interesse an Politik?)

Wenn ich mir vorstelle ich wäre an deren Stelle, dann würde ich besonders im ersten Fall eine MPD bevorzugen. In Deutschland gibt es dann halt doch noch ein paar Probleme, die von den bestehenden Parteien nicht ernst genommen werden.

Mit dem demographischen Wandel wandelt sich eben auch die politische Landschaft. Es gibt zwar unzählige Verbände wie z.B. den Zentralrat der Muslime, aber das ist doch ein zahnloser Tiger.

Solange man die kritische Masse der 5% Hürde nicht erreichen kann, ist die Mitarbeit in bestehenden Parteien besser für die Interessen. Sobald diese Grenze überschritten wird, wären die Interessen in einer eigenen Partei besser aufgehoben.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon HugoBettauer » Mi 21. Okt 2015, 06:32

John Galt » Mi 21. Okt 2015, 00:21 hat geschrieben:Nur mal ein paar Beispiele:
Syrer, Flüchtling, Muslim, Arbeiter -> wohin? (SPD, Grüne, Linke?)
Syrer, Flüchtling, Muslim, Arzt -> wohin? (FDP, CDU, SPD, Grüne?)
Türke, 3. Generation, Muslim, Student -> wohin? (Keine Interesse an Politik?)

Wäre der Syrer Katholik, hätte er schon im 19. Jahrhundert das Problem gehabt, zwischen katholischer Arbeiterschaft und Sozialisten/SPD zu wählen. Pluralismus hat heute noch viel, viel mehr Facetten. Auch als Arzt kann er Interesse haben, dass sein kommunales Krankenhaus nicht an einen Konzern geht -> Linkspartei oder AfD.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon Zahnderschreit » Mi 21. Okt 2015, 06:42

John Galt » Di 20. Okt 2015, 22:57 hat geschrieben:Wenn ja, welche Interessen könnte eine solche Partei vertreten?
Feiertagzeugs, Bau von Moscheen, was noch?

Bezahlung des Kirchenpersonals durch den Staat, Einführung einer islamischen Kirchensteuer? Dazu müsste allerdings erfasst werden, wer sich eigentlich als Moslem zählt (zählen muss), siehe auch nächster Absatz.

John Galt » Di 20. Okt 2015, 22:57 hat geschrieben:Derzeit leben in Deutschland etwa 4 Millionen Muslime (2012)

Wie genau wird das eigentlich festgestellt? Nicht jeder, der aus einem "islamischen Land" (wie genau wird das jetzt wieder definiert?) kommt, ist ja ein Moslem. So weit ich weiß, gibt es auch keine (Zwangs-)Taufe, die zumindest auf dem Papier konkrete Zahlen liefern würde.
Und genauso, wie nicht jeder aus Deutschland ein Christ ist, oder (selbst wenn er formal ein Christ ist) christliche Politik keine Rolle spielt, wird sicherlich nicht jeder, der in der Statistik als Moslem auftritt, eine muslimische Partei wählen.

HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 23:23 hat geschrieben:Bisher haben sich in Deutschland weder die wichtigen Parteien klar für oder wider einzelne Religionen positioniert.

In meiner Wahrnehmung sind die Grünen schon sehr für den Islam.

HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 23:23 hat geschrieben:Analog hat fast jede Partei Ansprechendes für Atheisten

Das ist bei der CDU, SPD oder den Grünen aber eher versteckt, oder?

HugoBettauer » Di 20. Okt 2015, 23:23 hat geschrieben:Ich sehe oberhalb der Kommunalpolitik wenig Platz für eine religiös-muslimische oder religiös-christliche Partei.

Da hast du wohl Recht.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Mi 21. Okt 2015, 13:40

Im Arbeitsrecht gibt es sicherlich noch Dinge zu regeln, die bislang nur von Gerichten entschieden wurden.
In der Sozial- und Gesellschaftspolitik gibt es sicherlich ein paar andere Ansichten.

http://www.bild.de/politik/inland/iran/ ... .bild.html

Ich sehe nicht, wie die Neuankömmlinge sich in 5-10 Jahren wenn dann langsam die deutschen Staatsbürgerschaften eintrudeln sich in Massen in den Volksparteien eingliedern lassen wollen.
Bislang waren die meisten Muslime in Deutschland Türken, die haben mit Atatürk einfach schon eine andere Prägung erhalten, für die würde so eine Partei wenig Sinn machen. Die sind aber auch schon eine Weile hier.

Die Interessen kommen in den bestehenden Parteien einfach zu kurz, deshalb wäre es machtpolitisch falsch, wenn man seine eigenen Interessen nicht in einer eigenen Partei bündeln würde.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Mi 21. Okt 2015, 13:52

odiug » Di 20. Okt 2015, 23:34 hat geschrieben:Das Beispiel der Lationosin den USA ist interessant.
Erstens weil es nicht stimmt, dass die nichts auf die Beine bekommen ... schau dir den Einfluss der Exil Kubaner auf die US Politik der letzten 60 Jahre gegenueber Kuba an ... und zweitens sind die Latinos in den USA kein monolither Block.
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Das ist vergleichbar mit den Muslimen in Europa.
Die meisten bei uns bilden die Tuerken ... aber sie sind beileibe nicht die einzigen.
Ausserdem macht es einen Unterschied, ob Latino erster, zweiter oder noch weiter zurueckliegender Generation in den USA ... das gleiche gilt auch fuer Muslime in Deutschland oder Europa.


Die Hispanics und Latinos in den USA sind ihrem Anteil an der Bevölkerung gemessen im Kongress deutlich unterrepräsentiert. Immerhin stellen sie mittlerweile über 17% der Bevölkerung mit der Tendenz, dass sie im Jahr 2040 auf über 30% anwachsen werden.

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_H ... s_Congress

Gerade die Demokraten versuchen alle Tricks um diese Bevölkerungsgruppe als Stimmvieh zu gewinnen. Stimmvieh ist aber nicht der Sinn einer Demokratie. Auch ist der Anteil am Spitzenpersonal quasi überhaupt nicht vorhanden.

Im Bundestag 2009-2013 soll es laut ungeprüften Quellen rund 20 Abgeordnete mit Migrationshintergrund gegeben haben, davon angeblich 3 Muslime.
dieser Legislaturperiode, die noch bis September 2013 dauert, sind es drei: Zwei türkischstämmige (Ekin Deligöz bei den Grünen und Serkan Tören bei der FDP) sowie einer mit iranischen Wurzeln (Omid Nouripour, ebenfalls bei den Grünen).


https://www.deutschland.de/de/topic/leb ... utschlands
http://www.migazin.de/2009/09/29/20-bun ... ntergrund/

3 oder 20 - beides ist deutlich zu gering im Vergleich zum Bevölkerungsanteil. Identifizert man sich über das Merkmal Muslim muss man eine eigene Partei haben um politisches Gewicht zu bekommen.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon frems » Mi 21. Okt 2015, 14:22

John Galt » Mi 21. Okt 2015, 01:21 hat geschrieben:Solange man die kritische Masse der 5% Hürde nicht erreichen kann, ist die Mitarbeit in bestehenden Parteien besser für die Interessen. Sobald diese Grenze überschritten wird, wären die Interessen in einer eigenen Partei besser aufgehoben.

Dafür sind "die Muslime" nicht homogen genug. Viele Muslime, die Du aufzählst, sind auch gar nicht wahlberechtigt in Deutschland, weil sie minderjährige oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind. Tendenziell neigen Einwanderer auch eher zu den Parteien, die sie ins Land gelassen haben, also bei uns vor allem die CDU, unter denen fast alle Migranten kamen, ob Gastarbeiter, Spätaussiedler oder nun Flüchtlinge. Gleichzeitig haben viele Migranten andere Sorgen als eine Partei, die sich für ihre Religion einsetzt. Da sorgt man sich auch um günstige Mieten, Mindestlöhne, Bildungsmöglichkeiten, Straßenzustände, Kriminialität usw. usf.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Mi 21. Okt 2015, 14:53

frems » Mi 21. Okt 2015, 14:22 hat geschrieben:Dafür sind "die Muslime" nicht homogen genug. Viele Muslime, die Du aufzählst, sind auch gar nicht wahlberechtigt in Deutschland, weil sie minderjährige oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind. Tendenziell neigen Einwanderer auch eher zu den Parteien, die sie ins Land gelassen haben, also bei uns vor allem die CDU, unter denen fast alle Migranten kamen, ob Gastarbeiter, Spätaussiedler oder nun Flüchtlinge. Gleichzeitig haben viele Migranten andere Sorgen als eine Partei, die sich für ihre Religion einsetzt. Da sorgt man sich auch um günstige Mieten, Mindestlöhne, Bildungsmöglichkeiten, Straßenzustände, Kriminialität usw. usf.


Die Leute die heute ins Land kommen, werden in 5-10 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen, wenn sie die Bedingungen erfüllen.

Die Türkischen Gastarbeiter sind fast alle zur SPD gegangen. Die Vertriebenen tendieren zur CDU, die Spätaussiedler vermutlich auch.

Wohin werden Syrer, Afghanen, Albaner, Iraker, Pakistaner ihre politische Heimat finden? Die CDU besteht ja auch nicht nur aus Christen, so hat man sich aber zusammengefunden und lose über die Identität als Christen politisch zusammengeschlossen. So werden es auch die Muslime machen.

Da geht es dann nicht um die Einführung der Scharia und Co., sondern genau um die Themen die du genannt hast. Nur eben auch mit einer anderen Perspektive und mit eigenen Leuten am Drücker.
Die politischen Strukturen sind einfach so verkrustet, dass bis auf ein paar einzelne Hansel es niemand nach oben schafft. Die Merkel findest du eben nicht in der Moschee deiner Gemeinde, den Mustafa und Ahmed schon.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon frems » Mi 21. Okt 2015, 15:45

John Galt » Mi 21. Okt 2015, 15:53 hat geschrieben:
Die Leute die heute ins Land kommen, werden in 5-10 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen, wenn sie die Bedingungen erfüllen.

Die Türkischen Gastarbeiter sind fast alle zur SPD gegangen. Die Vertriebenen tendieren zur CDU, die Spätaussiedler vermutlich auch.

Wohin werden Syrer, Afghanen, Albaner, Iraker, Pakistaner ihre politische Heimat finden? Die CDU besteht ja auch nicht nur aus Christen, so hat man sich aber zusammengefunden und lose über die Identität als Christen politisch zusammengeschlossen. So werden es auch die Muslime machen.

Da geht es dann nicht um die Einführung der Scharia und Co., sondern genau um die Themen die du genannt hast. Nur eben auch mit einer anderen Perspektive und mit eigenen Leuten am Drücker.
Die politischen Strukturen sind einfach so verkrustet, dass bis auf ein paar einzelne Hansel es niemand nach oben schafft. Die Merkel findest du eben nicht in der Moschee deiner Gemeinde, den Mustafa und Ahmed schon.

Naja, mal klischeehaft gesagt: Das Welt- und Familienbild, das viele gläubige/muslimische Menschen haben, ist dem der CDU/CSU dann doch näher als den Grünen oder Linken. Glaubst Du, ein strenggläubiger Moslem kann mit dem Feminismus- oder Homosexualitäts-Kram einer Claudia Roth etwas anfangen? Wenn für den Migranten Religion keine bzw. eine sehr geringe Rolle spielt und er ggf. aus einer liberalen Gemeinde stammt, mag das natürlich wieder anders aussehen. Daß viele ehem. Gastarbeiter eher zu sozialen Parteien neigen, liegt dann aber auch an ihrer wirtschaftlichen Situation. Was soll man da mit einer moslemischen Partei? Was soll sie fordern, was andere Parteien nicht schon tun? Türkisch und Arabisch als Amtssprache einführen? Und sonst nichts? :?:
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Mi 21. Okt 2015, 20:37

Passt das wertekonservative Bild eines Moslems zur CDU?

Da passen die eben genauso wenig hin wie zu den Feministen der Grünen.

Natürlich würde es letztendlich auf ein ähnliches Programm hinauslaufen wie z.B. der SPD nur eben mit ein paar religiösen Besonderheiten, Beten im Arbeitsrecht, usw.
Da hab ich jetzt nicht alles im Kopf, wo die Gesetze etwaige Besonderheiten nicht beachten.

Der Hauptunterschied wäre aber, dass man seine eigene Leute am Drücker hat, die man jeden Tag in der Moschee trifft und nicht bei Kirchengängern der CDU oder den Gewerkschaftstypen der SPD betteln muss, um sein Anliegen vorzutragen. Man kann alle Posten mit eigenen Leuten besetzen und hat direkte Ansprechpartner. Bei 5% hätte man ca. 30 Leute im Parlament, anstatt 3 Quotenmoslems der Volksparteien.

Ist doch viel besser, als sich von weißen reichen alten Leuten im Parlament vertreten zu lassen. Die haben nämlich gewiss nicht die Erfahrungen gemacht, wie die früheren "Ausländer", die wissen eher wo der Schuh drückt und deshalb nehme ich eben an, dass sie sich von eigenen Leuten im Parlament vertreten lassen wollen.
Zuletzt geändert von John Galt am Mi 21. Okt 2015, 20:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon jack000 » Mi 21. Okt 2015, 20:50

Nehmen wir doch mal an diese Partei würde es mit wer weiß was für Forderungen geben ... mit welcher anderen Parteil sollen die denn koalieren? ... Niemand würde mit denen koalieren so das es eine Mehrheit geben würde!
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Re: MPD - Muslimische Partei Deutschland

Beitragvon John Galt » Do 22. Okt 2015, 00:28

jack000 » Mi 21. Okt 2015, 20:50 hat geschrieben:Nehmen wir doch mal an diese Partei würde es mit wer weiß was für Forderungen geben ... mit welcher anderen Parteil sollen die denn koalieren? ... Niemand würde mit denen koalieren so das es eine Mehrheit geben würde!


Warum nicht? Es wäre eine stinknormale Partei die irgendwo zwischen CDU und SPD anzusiedeln wäre. Gesellschaftspolitisch konservativ/reaktionär, wirtschaftsmäßig eher drauf wie SPD/Grüne.

Der größte Unterschied würde darin liegen, dass man eben die Interessen seiner Klientel im Auge hat und 30 Muslime im Bundestag hat, anstatt 3 Quotenmuslime der Volksparteien.

Demographische Veränderungen nach dem Krieg haben sich ebenfalls parteipolitisch, wenn auch nur temporär niedergeschlagen. Wäre also nicht unbedingt etwas neues, nur eben mit einer anderen Gruppe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtdeu ... trechteten
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