Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

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Alexyessin
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Fr 17. Aug 2018, 08:48

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:47)

Die Frage ist, ob die AfD intolerant ist. Ich konnte das bisher nicht feststellen.


Das ist nichts neues Julian, das du beim Thema AfD nie was feststellen kannst.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon becksham » Fr 17. Aug 2018, 08:48

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:41)

Findest du es denn prinzipiell gut, wenn wir die Gesellschaft nach politischer Ausrichtung segregieren, wenn wir also Verhältnisse schaffen, unter denen sich Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten möglichst wenig über den Weg laufen? Findest du es gut, wenn man sich mit andersdenkenden Menschen nicht auseinandersetzt, sondern sie ausgrenzt?

Ich habe eine andere Vorstellung von unserer Gesellschaft. Ich glaube an das freie Wort, an die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, und auch an den Respekt vor Andersdenkenden, die ja letztlich auch Menschen sind. Vor einigen Jahren dachte ich auch noch, dass dies Konsens sei, inzwischen wurde ich eines besseren belehrt.

In meiner Freizeit? Ein ganz klares Ja. Ich möchte meine Freizeit nicht mit Menschen verbringen, die eine dermaßen andere Einstellung haben, als ich. Und in meinem persönlichen Fall grenze ich ja Niemanden aus, höchstens mich selbst, denn ich habe entschieden, nicht mehr in diese Kneipe zu gehen.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Kritikaster » Fr 17. Aug 2018, 09:02

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:37)

https://www.sueddeutsche.de/bayern/leng ... -1.4094405

Was ist jetzt also hier gefälscht oder auch nur unaufrichtig, oder gar verwerflich?

Gefälscht ist das Foto, das eine vorsätzlich falsche Aussage über die Wirtsleute trifft. Es handelt sich ja wohl kaum um ein Lokal, in dem nur Mitglieder und Anhänger einer einzigen Partei Zutritt haben. :eek:
Ein solches Vorgehen nicht für verwerflich zu halten, steht Dir natürlich frei und war von Dir leider auch nicht anders zu erwarten.

Darüber hinaus stellt diese Kampagne mit ziemlicher Sicherheit eine für die AfD typische Umkehrung der hinter dem Rausschmiß stehenden Intention dar, die genau darauf abzielen dürfte, denjenigen keine Plattform zu bieten, deren Politik zumindest den Samen für das Wiederbeleben von Zuständen in sich trägt, wie sie ab 1933 in Deutschland herrschten. Und aus dieser Saat gedeihen erkennbar bereits zahlreiche verdorbene Früchte.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Julian » Fr 17. Aug 2018, 09:06

becksham hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:48)

In meiner Freizeit? Ein ganz klares Ja. Ich möchte meine Freizeit nicht mit Menschen verbringen, die eine dermaßen andere Einstellung haben, als ich. Und in meinem persönlichen Fall grenze ich ja Niemanden aus, höchstens mich selbst, denn ich habe entschieden, nicht mehr in diese Kneipe zu gehen.


Dann denken wir einfach völlig anders. Du möchtest deinen safe space haben, ich möchte mich auseinandersetzen. Zu meinen Bekannten gehören Leute, die die Grünen, die Linke, die AfD, die CSU oder die Piraten wählen. Ich sehe auch keinen Grund, keine Freundschaften zu pflegen mit Leuten, die andere politische Ansichten haben.

Eine solche Segregation fördert die Spaltung und die Radikalisierung, weswegen ich sie für gefährlich halte.

Was du privat machst, ist deine Sache. Du solltest nur nicht erwarten, dass alle Leute es so handhaben wie du, und für solche Aktionen wie die erwähnte Beifall klatschen.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon becksham » Fr 17. Aug 2018, 09:11

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:06)
...
Was du privat machst, ist deine Sache. Du solltest nur nicht erwarten, dass alle Leute es so handhaben wie du, und für solche Aktionen wie die erwähnte Beifall klatschen.

Die große Mehrheit tut es aber gerade. Da kann ich so falsch nicht liegen.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Kritikaster » Fr 17. Aug 2018, 09:17

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:06)

Du solltest nur nicht erwarten, dass alle Leute es so handhaben wie du, und für solche Aktionen wie die erwähnte Beifall klatschen.

Da brauchst Du dir wirklich keine Sorgen zu machen, Julian. :)

Die überwältigende Mehrheit der Leute wird solch gezielt rufschädigenden Dreckskampagnen der AfD ganz sicher niemals Beifall klatschen. :thumbup:
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon MäckIntaier » Fr 17. Aug 2018, 09:19

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:47)

Die Frage ist, ob die AfD intolerant ist. Ich konnte das bisher nicht feststellen. Natürlich glauben die AfD-Leute, wie auch die Grünen oder sonstige Parteianhänger, sie hätten die Wahrheit gepachtet. Dass sie aber nicht bereit wären, andere Meinungen zu dulden, das habe ich nicht feststellen können.


Parteien sind weder tolerant noch intolerant, das sind nur ihre Mitglieder. Ob aber eine Institution Toleranz tatsächlich fördert oder nicht, lässt sich erst feststellen, wenn sie über die entsprechende Macht verfügt. Darüber lassen sich wiederum Prognosen anstellen. Aufgrund der starken ideologischen Aufladung und der starken Orientierung auf unhinterfragbare Werte ist hier wohl eher Skepsis angebracht. Sobald sie die Macht hat, ihre Werte durchzusetzen, wird sie wie jede andere Bewegung der Durchsetzung der eigenen Werte einen höheren Stellenwert einräumen als einem Toleranzprinzip. Und sie wird den eigenen Hausphilosophen beiseite legen, der meinte, Werte würden vor allem deshalb so aggressiv vertreten, weil ihnen kein Sein zukommt und man sie deshalb nur umso wütender verwirklichen müsse. Da bleibt für Toleranz auch bei der AfD wohl wenig Spielraum. Oder sehen Sie Gründe, die dieser Vermutung widersprechen?
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Julian » Fr 17. Aug 2018, 09:20

Kritikaster hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:02)

Gefälscht ist das Foto, das eine vorsätzlich falsche Aussage über die Wirtsleute trifft. Es handelt sich ja wohl kaum um ein Lokal, in dem nur Mitglieder und Anhänger einer einzigen Partei Zutritt haben. :eek:
Ein solches Vorgehen nicht für verwerflich zu halten, steht Dir natürlich frei und war von Dir leider auch nicht anders zu erwarten.


Ich benutze Facebook nicht und kann deswegen das Foto nicht einsehen, sondern muss mich auf die Beschreibung der Süddeutschen verlassen. Dem konnte ich nur entnehmen, dass es eine Fotomontage gibt, mit dem zutreffenden Satz, dass Andersdenkende in der Wirtschaft keinen Zutritt haben.

Es steht dir frei, mich über weitere Details aufzuklären; vielleicht revidiere ich dann meine Meinung.

Kritikaster hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:02)
Darüber hinaus stellt diese Kampagne mit ziemlicher Sicherheit eine für die AfD typische Umkehrung der hinter dem Rausschmiß stehenden Intention dar, die genau darauf abzielen dürfte, denjenigen keine Plattform zu bieten, deren Politik zumindest den Samen für das Wiederbeleben von Zuständen in sich trägt, wie sie ab 1933 in Deutschland herrschten. Und aus dieser Saat gedeihen erkennbar bereits zahlreiche verdorbene Früchte.


Was ist denn die Intention hinter dem Rausschmiss? Ist doch völlig klar: Der Wirt möchte keine Leute bedienen, die andere politische Ansichten als er selbst haben und die diese im Rahmen eines Treffens offen kundtun. Er grenzt also Andersdenkende aus.

Was du über die AfD und 1933 sagst, ist dagegen eine wilde politische Spekulation, die, wenn man besonnen denkt, eben nicht auf die Mehrheit der AfD zutrifft, sondern als Mittel der Ausgrenzung gegen sie verwendet wird. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, aufgrund welcher Parteiprogramme der AfD und aufgrund welcher Reden von AfD-Politikern man auf die Idee kommen könnte, die AfD würde eine Machtübernahme wie 1933 planen, inklusive Konzentrationslager für politische Gegner.

Selbstverständlich ist der Verweis der AfD auf 1933 ebenfalls eine massive Übertreibung, die nur im Rahmen einer Polemik hinzunehmen ist. Es ist eben eine Reflexion der maßlosen Übertreibung, die AfD als neue NSDAP darzustellen. Wenn man nicht möchte, dass sich die AfD als Opfer inszeniert, sollte man sie eben auch nicht so respektlos behandeln, wie es derzeit geschieht.

Es ist naiv zu glauben, man könne AfD-Politiker zusammenschlagen, ihre Autos anzünden, Besucher von AfD-Veranstaltungen einschüchtern, Spitzelmaßnahmen gegen AfD-Sympathisanten ergreifen, ihnen Orte für ihre Treffen verweigern, ihre Demonstrationen massiv stören und niederbrüllen, und gleichzeitig erwarten, dass sich die AfD nicht als Opfer fühlt. Nun, ihr habt sie dazu gemacht. Wenn ihr das nicht wollt, setzt euch politisch mit ihr auseinander.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon becksham » Fr 17. Aug 2018, 09:36

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:20)
...
Es ist naiv zu glauben, man könne AfD-Politiker zusammenschlagen, ihre Autos anzünden, Besucher von AfD-Veranstaltungen einschüchtern, Spitzelmaßnahmen gegen AfD-Sympathisanten ergreifen, ihnen Orte für ihre Treffen verweigern, ihre Demonstrationen massiv stören und niederbrüllen, und gleichzeitig erwarten, dass sich die AfD nicht als Opfer fühlt. Nun, ihr habt sie dazu gemacht. Wenn ihr das nicht wollt, setzt euch politisch mit ihr auseinander.

Das ist ja leider kein Alleinstellungsmerkmal der AfD-Politiker. Henriette Reker oder Andreas Hollstein z. B. sind keine AfD-Politiker.
Nur das mit dem Rumopfern, das haben sie tatsächlich für sich allein gepachtet.

// kleine Erklärung, damit hier niemand hysterisch wird: Das "leider" bezieht sich darauf, dass es "leider" generell so etwas gibt. In keinster Weise wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich mir wünschte, es würde nur AfD-Politiker treffen. Hab ich mich missverständlich ausgedrückt.
Zuletzt geändert von becksham am Fr 17. Aug 2018, 10:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon zollagent » Fr 17. Aug 2018, 09:42

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:20)
...

Es ist naiv zu glauben, man könne AfD-Politiker zusammenschlagen, ihre Autos anzünden, Besucher von AfD-Veranstaltungen einschüchtern, Spitzelmaßnahmen gegen AfD-Sympathisanten ergreifen, ihnen Orte für ihre Treffen verweigern, ihre Demonstrationen massiv stören und niederbrüllen, und gleichzeitig erwarten, dass sich die AfD nicht als Opfer fühlt. Nun, ihr habt sie dazu gemacht. Wenn ihr das nicht wollt, setzt euch politisch mit ihr auseinander.

Naiv ist es vor allem, zu glauben, daß das Ignorieren gesellschaftlicher Grundsätze jemanden zum Opfer macht. Denn dieses Ignorieren ist es, daß die vermeintlichen Opfer zu Tätern macht. Und jenseits rationaler Diskussion ist jedwede Auseinandersetzung nicht mehr möglich, weil eben Rationalität die Zielgruppe nicht mehr erreicht. Die Rumopferei der AfD und ihrer Fans liegt eben darin begründet, daß sie selbst ausgrenzen und ablehnen. Und diese Haltung wiederum abzulehnen, ist nicht eine "Ungerechtigkeit", sondern eine ganz normale Reaktion auf diese Grundtendenz bei den AfD'lern.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Kritikaster » Fr 17. Aug 2018, 09:45

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:20)

Ich benutze Facebook nicht und kann deswegen das Foto nicht einsehen, sondern muss mich auf die Beschreibung der Süddeutschen verlassen. Dem konnte ich nur entnehmen, dass es eine Fotomontage gibt, mit dem zutreffenden Satz, dass Andersdenkende in der Wirtschaft keinen Zutritt haben.

Das ist, wie ich Dir bereits erklärte, Unsinn. :rolleyes:

Solltest Du Erkenntnisse darüber haben, dass es sich bei dieser Lokalität um eine Wirtschaft handelt, in der nur Anhänger einer einzigen Partei oder mit einer sonstwie gearteten Einheitsmeinung Zutritt haben, lass uns das bitte wissen. Andernfalls solltest Du dich nicht dafür hergeben, hier die Rolle eines kritiklosen AfD-Lakaien zu spielen. So etwas ziert niemanden.
Julian hat geschrieben:Was ist denn die Intention hinter dem Rausschmiss? Ist doch völlig klar: Der Wirt möchte keine Leute bedienen, die andere politische Ansichten als er selbst haben und die diese im Rahmen eines Treffens offen kundtun.

Siehst Du, das unterscheidet uns: Während ich im Konjunktiv meine starke Vermutung äußere, worum es sich bei deren Intention handeln dürfte, ist für Dich die Sache bereits völlig klar. Das kann allerdings nur möglich sein, falls Du über diese Begebenheit mit dem Wirt bereits direkt gesprochen hast.

Sollte das der Fall sein und Du damit einen auf gesichertem Wissen basierenden Informationsvorsprung besitzen, teile uns bitte auch das mit - vielleicht anhand eines Gedächtnisprotokolls, falls Du das Interview nicht aufgenommen hast.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Julian » Fr 17. Aug 2018, 09:48

MäckIntaier hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:19)

Parteien sind weder tolerant noch intolerant, das sind nur ihre Mitglieder. Ob aber eine Institution Toleranz tatsächlich fördert oder nicht, lässt sich erst feststellen, wenn sie über die entsprechende Macht verfügt. Darüber lassen sich wiederum Prognosen anstellen. Aufgrund der starken ideologischen Aufladung und der starken Orientierung auf unhinterfragbare Werte ist hier wohl eher Skepsis angebracht. Sobald sie die Macht hat, ihre Werte durchzusetzen, wird sie wie jede andere Bewegung der Durchsetzung der eigenen Werte einen höheren Stellenwert einräumen als einem Toleranzprinzip. Und sie wird den eigenen Hausphilosophen beiseite legen, der meinte, Werte würden vor allem deshalb so aggressiv vertreten, weil ihnen kein Sein zukommt und man sie deshalb nur umso wütender verwirklichen müsse. Da bleibt für Toleranz auch bei der AfD wohl wenig Spielraum. Oder sehen Sie Gründe, die dieser Vermutung widersprechen?


Es ist sicherlich richtig, dass man die Frage der Toleranz oder Intoleranz erst mit Sicherheit wird beantworten können, wenn eine Partei an der Macht ist. Da dies in Deutschland bei der AfD nicht der Fall ist, kann man erstens versuchen, Hinweise aus der Partei zu suchen und zu interpretieren, wie sie sich später verhalten könnte, oder aber zweitens, ins Ausland blicken und versuchen, Vergleiche anzustellen.

Gerne gestehe ich zu, dass es bestimmte Politiker in der AfD gibt, bei denen ich Zweifel habe. Es gibt dort Leute, die vor Inbrunst brennen und meinen, die absolute Wahrheit gepachtet zu haben. Auch fällt bei manchen der Hass gegen alle Etablierten auf, und die Neigung, dies in verschwörungstheoretische Narrative einzubauen. Ich glaube aber, dass dies nur auf einen Teil der AfD-Politiker zutrifft. Und ich glaube, dass unsere parlamentarische Demokratie auch eine Erziehungsfunktion für neue Parteien hat, die ja oftmals, wie die Grünen oder die Piraten, gegen das Etablierte entstehen und erst mit der Zeit pragmatischer werden.

Für einen Blick ins Ausland würde sich wohl am besten die FPÖ eignen. Nun ist die FPÖ in eine Koalitionsregierung eingebunden, aber dies wäre ja wohl auch bei der AfD in Deutschland der Fall. Bei der FPÖ konnte ich jedenfalls bisher nicht feststellen, dass sie Österreich zu einem intoleranten Land gemacht hätte. Ja, sie hat bei ihren ersten Regierungsversuchen teilweise einfach schlecht regiert und eine Vetterlwirtschaft veranstaltet. Ja, sie hat versucht, Einfluss auf die Kulturpolitik zu nehmen, und das wurde heftig beklagt. Allerdings sollte man hier unterscheiden zwischen Förderungspolitik und Toleranz; denn es ist legitim, bestimmte Richtungen des Kulturbetriebs zu fördern und andere nicht, solange die anderen Richtungen weiterhin toleriert werden und beispielsweise andere Quellen der Förderung, etwa privater Natur, anzapfen können.

Im übrigen glaube ich nicht, dass die Grünen oder die Linke weniger stark ideologisch aufgeladen sind und sich weniger stark an unhinterfragbaren Werten orientieren als die AfD. Auch bei Grünen und Linken gibt es ganz unterschiedliche Politikertypen, die sehr tolerant oder intolerant sein können, bis hin zu Leuten, deren Ansichten verdächtig in ein Spektrum ausfransen, das durch Gewaltbereitschaft gegen politische Gegner gekennzeichnet ist.

Ein weiterer Punkt ist meine persönliche Erfahrung. Ich bin ein Mensch, der Freiheit über alles liebt, unter anderem auch die Meinungsfreiheit. Gewalt gegen Andersdenkende, Unterdrückung, Unfreiheit, politische Abenteuer: All dies lehne ich ab. Hier im Forum wurde ich aber als rechtsextrem und gefährlich dargestellt. Ich frage mich dann eben: Wenn es mir so geht, warum sollte es vielen AfD-Politikern nicht ähnlich gehen?

Es scheint einen großen Druck zum Konformismus in Deutschland zu geben; die historische Lehre, die man gezogen hat, scheint keine methodische zu sein, sondern eine inhaltliche. Das heißt, man betont nicht demokratische Prozesse, Grundfreiheiten wie Meinungsfreiheit etc., sondern man setzt auf konsequenten "Kampf gegen Rechts", oder das, was man dafür hält. Ich finde diese Lehre falsch.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon think twice » Fr 17. Aug 2018, 09:52

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:20)


Es ist naiv zu glauben, man könne AfD-Politiker zusammenschlagen, ihre Autos anzünden, Besucher von AfD-Veranstaltungen einschüchtern, Spitzelmaßnahmen gegen AfD-Sympathisanten ergreifen, ihnen Orte für ihre Treffen verweigern, ihre Demonstrationen massiv stören und niederbrüllen, und gleichzeitig erwarten, dass sich die AfD nicht als Opfer fühlt. Nun, ihr habt sie dazu gemacht. Wenn ihr das nicht wollt, setzt euch politisch mit ihr auseinander.

Die "Opfer" der AfD standen gestern Seite an Seite mit den Pegidioten in Dresden und haben der Bundeskanzlerin ihre Aufwartung gemacht mit Hassplakaten und Hassparolen. Aber klar, man sollte sie trotzdem lieb haben. :dead:
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon imp » Fr 17. Aug 2018, 09:54

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 09:47)
Vielleicht kennst du das rechte und rechtsextreme Spektrum gar nicht? Ich kann dir da Leute zeigen, die gegen die AfD hetzen, weil sie sie als viel zu moderat und Teil des Systems sehen. Das sind auch Leute, die nicht wie die AfD mit dem bundesdeutschen, freiheitlichen Schwarz-Rot-Gold herumlaufen, sondern mit anderen Farben.

Es ist nicht sinnvoll, die AfD für gemäßigt zu halten, bloß weil es an ihr Kritik von anderen Radikalen gibt. Dieses trifft schließlich auch auf die NPD zu, die immer dann, wenn sie irgendwo gewählt ist, irgendwem nicht radikal genug auftritt. Dies ist auch innerparteilich in NPD/AfD ein beliebter Vorwurf zwischen den Gruppierungen und Zirkeln.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Julian » Fr 17. Aug 2018, 09:54

Kritikaster hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:45)

Das ist, wie ich Dir bereits erklärte, Unsinn. :rolleyes:

Solltest Du Erkenntnisse darüber haben, dass es sich bei dieser Lokalität um eine Wirtschaft handelt, in der nur Anhänger einer einzigen Partei oder mit einer sonstwie gearteten Einheitsmeinung Zutritt haben, lass uns das bitte wissen. Andernfalls solltest Du dich nicht dafür hergeben, hier die Rolle eines kritiklosen AfD-Lakaien zu spielen. So etwas ziert niemanden.


Wo hat die AfD denn behauptet, dort dürften nur Anhänger einer einzigen Partei speisen? Das ist doch deine Unterstellung. Die Aussage der AfD war, dass sich dort keine Andersdenkenden treffen dürften. Und das ist ja auch korrekt; der Korridor des Erlaubten umfasst eben mutmaßlich CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke, aber eben nicht die AfD.

Kritikaster hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:45)
Siehst Du, das unterscheidet uns: Während ich im Konjunktiv meine starke Vermutung äußere, worum es sich bei deren Intention handeln dürfte, ist für Dich die Sache bereits völlig klar. Das kann allerdings nur möglich sein, falls Du über diese Begebenheit mit dem Wirt bereits direkt gesprochen hast.

Sollte das der Fall sein und Du damit einen auf gesichertem Wissen basierenden Informationsvorsprung besitzen, teile uns bitte auch das mit - vielleicht anhand eines Gedächtnisprotokolls, falls Du das Interview nicht aufgenommen hast.


Das ist doch sehr naheliegend, der Wirt sagt es doch selbst:

"Der Altwirt" verwies die Politiker am Mittwoch des Lokals. "Wir haben Ihnen erklärt, dass es nicht das richtige Wirtshaus für rechte Parolen sei", schreiben die Wirtsleute auf Facebook.

https://www.sueddeutsche.de/bayern/leng ... -1.4094405

Er grenzt also offenbar das rechte politische Spektrum aus.

Es wäre natürlich auch denkbar, dass der Wirt von der Antifa oder einem Bündnis gegen Rechts bedroht wurde, mit Gewalt oder Boykott. Das hat der Wirt aber nicht offen gesagt. Hast du darüber Erkenntnisse?
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Selina » Fr 17. Aug 2018, 09:56

think twice hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:52)

Die "Opfer" der AfD standen gestern Seite an Seite mit den Pegidioten in Dresden und haben der Bundeskanzlerin ihre Aufwartung gemacht mit Hassplakaten und Hassparolen. Aber klar, man sollte sie trotzdem lieb haben. :dead:


Einfach nur peinlich diese Sachsen. Aber eben auch gefährlich, wenn man auf die kommende Landtagswahl und ihre Prognosen schaut. Zweitstärkste Kraft im Bundesland zurzeit: die AfD. Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen müsste (Liebermann).
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon imp » Fr 17. Aug 2018, 09:59

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:20)
Es ist naiv zu glauben, man könne AfD-Politiker zusammenschlagen, ihre Autos anzünden, Besucher von AfD-Veranstaltungen einschüchtern, Spitzelmaßnahmen gegen AfD-Sympathisanten ergreifen, ihnen Orte für ihre Treffen verweigern, ihre Demonstrationen massiv stören und niederbrüllen, und gleichzeitig erwarten, dass sich die AfD nicht als Opfer fühlt. Nun, ihr habt sie dazu gemacht. Wenn ihr das nicht wollt, setzt euch politisch mit ihr auseinander.

Das ist eine falsche Darstellung. Die AfD ist mit der Opferkappe bereits herumgelaufen, als ihr "Opfersein" lediglich darin bestand, dass man sie auf ihre - damals vermutlich noch taktisch eingesetzte - ungute Wahl von Vokabeln hinwies. Dass die Niederbrüller und Hetzer tatsächlich ein Echo bekommen, scheint ihnen nicht zu gefallen. Wie bitter. Aber die Opfernummer haben sie zuvor schon abgezogen. Es wird spannend, wie die Partei es aushält, wenn erstmalig irgendwo Pöstchen und Jobs auch wieder verloren gehen, Abgeordnete keinen guten Listenplatz bekommen oder der Wähler die Vorstellung vom guten Platz durchkreuzt. Großes Popcorn. Die Opferhaltung steht jetzt schon fest.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon relativ » Fr 17. Aug 2018, 10:03

Kritikaster hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:45)

Das ist, wie ich Dir bereits erklärte, Unsinn. :rolleyes:

Solltest Du Erkenntnisse darüber haben, dass es sich bei dieser Lokalität um eine Wirtschaft handelt, in der nur Anhänger einer einzigen Partei oder mit einer sonstwie gearteten Einheitsmeinung Zutritt haben, lass uns das bitte wissen. Andernfalls solltest Du dich nicht dafür hergeben, hier die Rolle eines kritiklosen AfD-Lakaien zu spielen. So etwas ziert niemanden.

Siehst Du, das unterscheidet uns: Während ich im Konjunktiv meine starke Vermutung äußere, worum es sich bei deren Intention handeln dürfte, ist für Dich die Sache bereits völlig klar. Das kann allerdings nur möglich sein, falls Du über diese Begebenheit mit dem Wirt bereits direkt gesprochen hast.

Sollte das der Fall sein und Du damit einen auf gesichertem Wissen basierenden Informationsvorsprung besitzen, teile uns bitte auch das mit - vielleicht anhand eines Gedächtnisprotokolls, falls Du das Interview nicht aufgenommen hast.

Aus dem Link konnte man desweiteren entnehmen, daß der Wirt wohl auf allzu rechtslastige Parolen reagiert hat. Ich persönlich finde diese Intention dann ganz nach meinem Sinne und auch mutig.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon imp » Fr 17. Aug 2018, 10:03

Selina hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:56)

Einfach nur peinlich diese Sachsen.

Ich finde es nicht korrekt, diesen Idiotenspalier, der sich da an Merkel abgearbeitet hat, für "die Sachsen" zu halten. Genau wie Bayern ist Sachsen ein doch sehr differenziert zu betrachtendes Land mit vielen verschiedenen Menschen. Man sollte nicht, der Ausländerhetze der AfD gleich, alle Sachsen für die Taten weniger in Haft nehmen.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon relativ » Fr 17. Aug 2018, 10:05

Julian hat geschrieben:(17 Aug 2018, 10:54)

Wo hat die AfD denn behauptet, dort dürften nur Anhänger einer einzigen Partei speisen? Das ist doch deine Unterstellung. Die Aussage der AfD war, dass sich dort keine Andersdenkenden treffen dürften. Und das ist ja auch korrekt; der Korridor des Erlaubten umfasst eben mutmaßlich CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke, aber eben nicht die AfD.



Das ist doch sehr naheliegend, der Wirt sagt es doch selbst:


https://www.sueddeutsche.de/bayern/leng ... -1.4094405

Er grenzt also offenbar das rechte politische Spektrum aus.

Es wäre natürlich auch denkbar, dass der Wirt von der Antifa oder einem Bündnis gegen Rechts bedroht wurde, mit Gewalt oder Boykott. Das hat der Wirt aber nicht offen gesagt. Hast du darüber Erkenntnisse?

Nochmal er hat die rechten Parolen ausgeschlossen und das ist auch gut so.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.

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