Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

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Alexyessin
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Fr 16. Mär 2018, 11:25

Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)


Ich werde heute Abend darauf ausführlich antworten, denn dies ist ein sehr guter Beitrag, den ich jetzt nicht zwischen Tür und Angel im Büro kommentieren werde :)
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon JJazzGold » Fr 16. Mär 2018, 11:33

Roady66 hat geschrieben:(16 Mar 2018, 07:18)

Nein irgendwie albern. Ein Essen wird nach eigenem Geschmack bestellt. Nach Bekömmlichkeit. Da hat jeder seine Wahl. Wie bei einer politischen Wahl. Die rechts draußen werden nur stark gemacht, weil man keine Wahl angeboten hat.

Daher das Abwatschen. Ich verlasse auch das Lokal, wo es zwar eine Speisekarte gibt aber nur ein Gerücht angeboten wird.


In einer Demokratie bestellt sich nicht jeder sein eigenes Essen, sondern wählt eine Menuekarte und bekommt im Zuge von Koalitionen ausgewählte Gerichte aus zwei bis drei Menuekarten und dann wird gegessen, was auf den Tisch kommt.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon pikant » Fr 16. Mär 2018, 11:40

Roady66 hat geschrieben:(16 Mar 2018, 07:18)

Nein irgendwie albern. Ein Essen wird nach eigenem Geschmack bestellt. Nach Bekömmlichkeit. Da hat jeder seine Wahl. Wie bei einer politischen Wahl. Die rechts draußen werden nur stark gemacht, weil man keine Wahl angeboten hat.

Daher das Abwatschen. Ich verlasse auch das Lokal, wo es zwar eine Speisekarte gibt aber nur ein Gerücht angeboten wird.


In Deutschland hat man die Wahl zwischen verschiedenen Parteien und ja diese eine Gericht gibt es nur in einer Diktatur.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon becksham » Fr 16. Mär 2018, 12:32

Hier die saarländische AfD bei ihrer wirklich wichtigen Arbeit in der Terrorismusbekämpfung. :dead:

https://www.sol.de/news/update/News-Upd ... est,239104
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Selina
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Selina » Fr 16. Mär 2018, 13:35

Hyde hat geschrieben:(16 Mar 2018, 10:33)

Das rechte Problem wird ja nicht nur von der CDU heruntergespielt. Alle Parteien im Osten betätigen sich als Relativierer der Fremdenfeindlichkeit.


Die CDU muss nur deshalb besonders hervorgehoben werden, weil sie in Sachsen immer die stärkste Kraft war, immer den Ministerpräsidenten gestellt hat (bis heute) und nur ab und zu mal Koalitionen mit der FDP oder SPD einging. Das Sagen im Lande hatte immer die CDU. Daher auch ihre besondere Verantwortung für solche innenpolitischen Prozesse einschließlich Rechtsruck.

Hyde hat geschrieben:Im Osten muss man mal diesen Westkomplex und diese Minderwertigkeitsgefühle ablegen.
Ich für meinen Teil habe auch kein Problem damit zu sagen, dass im Osten manches besser ist als im Westen. Zum Beispiel ist der Osten bei der Erwerbsbeteiligung der Frauen und bei dem Ausbau der Kita-Betreuung viel fortschrittlicher und besser als der Westen. Ich habe kein Problem, diesbezüglich den Westen für seine Rückständigkeit zu kritisieren, und muss dann auch nicht relativierend hinzufügen: „aber im Osten gibt es ja auch noch genauso Probleme in diesen Bereichen, das ist also kein West-Problem!“


Richtig. Die Frage war aber die nach den Ursachen für die besondere Ost-Affinität zu den Rechtspopulisten. Und ich versuchte, darauf einige Antworten zu geben. Ich selbst sehe das auch nicht so verbissen. Wenn Fehler gemacht werden, werden die benannt, egal, ob nun Ost oder West. Hier ging es nur um die von Alexyessin gewünschte Analyse der besonderen Ostprobleme im Zusammenhang mit dem Rechtsruck. Und da habe ich halt geschrieben, was ich hier erlebe, was viele Leute so sagen dazu. Und da gehört das Gefühl des Abgehängtseins, des Nichtgebrauchtwerdens dazu. Solche Gefühle gibt es zwar im gesamten Land, auch im Ruhrpott und anderswo, dass man die kleinen Leute nicht fragt, was sie wollen. Im Osten wird das von vielen Leuten nur viel stärker so empfunden, weil sie oder ihre Eltern eben gerade paar wenige Jahrzehnte zuvor (historisch ist das ja ne kurze Zeit) erlebt haben, dass man durchaus etwas Weltbewegendes oder Gravierendes mit dem eigenen Verstand und der eigenen Kraft erreichen kann. Sie sahen deutlich "Mensch, das geht ja. Wir haben die Oberen aus den Sesseln gestoßen. Wir können was erreichen. Wir sind stark". Und auf einmal kriegten sie sozusagen (also immer aus ihrer Sicht gesehen) Platzverweis oder die Aufforderung "zurück ins Glied". Verstehst du, was ich meine? Da gibt es eine Riesenkluft in der Befindlichkeit, einen gravierenden Widerspruch. Viel mehr als im Westen. Und das meistens in nur einem Menschenleben.

Hyde hat geschrieben:Wenn man immer wieder diese Teilung, diese Kategorisierung vornimmt, ja natürlich verschwindet dann die Mauer in den Köpfen und die Spaltung nicht.


Ich denke, sobald objektiv nicht mehr diese immensen Unterschiede in den Lebensverhältnissen vorhanden sind eines Tages und kein Ostdeutscher mehr befürchten muss (auch wenn es gar nicht so ist), dass man ihm den Job und die Wohnung wegnehmen könnte (etwa durch Flüchtlings-Zuzug), einfach, weil genügend davon für alle vorhanden sind, dann pegelt sich dieses Ost-West-Gefühl auch in Richtung Normalität ein. Aber zu erwarten, dass man einfach aufhört, von den Unterschieden zu reden, womit dann die "Mauer in den Köpfen" verschwinden solle, das wird nicht funktionieren. Da bin ich doch zu sehr Materialist, wo das Sein das Bewusstsein bestimmt und nicht umgekehrt ;)
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Fr 16. Mär 2018, 13:46

becksham hat geschrieben:(16 Mar 2018, 12:32)

Hier die saarländische AfD bei ihrer wirklich wichtigen Arbeit in der Terrorismusbekämpfung. :dead:

https://www.sol.de/news/update/News-Upd ... est,239104


Wenn aus gesunder Skepsis handfeste Paranoia wird....................
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Sa 17. Mär 2018, 12:03

Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)

Ich bin nun wirklich am allerwenigsten jemand, der sich in irgendeiner Form wegduckt. Das weißt du auch. Für mich ist Antifaschismus ein festverankertes und selbstverständliches Lebensprinzip. Daher empfinde ich es als sehr schmerzhaft, dass es gerade in Ostdeutschland so viele sind, die diesen Rechtspopulisten hinterherlaufen. Wir haben alle schon einmal erlebt (über Eltern und Großeltern), wo das hinführen kann. Und ich mache mir große Sorgen, dass gerade viele Menschen aus der so genannten "bürgerlichen Mitte" der Gesellschaft - und das natürlich in Ost und West - den Rechtsruck mit seinem wachsenden Nationalismus und seiner Fremdenfeindlichkeit eher bagatellisieren, als ihn wirklich ernstzunehmen und ihm etwas Wirksames entgegenzusetzen. Und obwohl ich es hier schon häufig beschrieben habe, was ich für die Gründe halte, warum im Osten der Zuspruch zur AfD so stark ist, versuche ich es noch einmal. Das ist aber nur meine ganz unmaßgebliche persönliche Meinung; ich bin weder Politologin noch anderweitig beruflich mit der Materie befasst. Ich schaue nur genau hin, was um mich rum passiert:


Sorry, ich glaube ich hatte falsch rübergebracht. Ich bin nicht derjenige, der rüber zeigt und meint "aber der Osten". Durch meine eigene Erfahrung in Leipzig aber auch weit in die Provinz hinein bis Döbeln weiß ich durchaus, das es dort auch "normale" Menschen gibt die die Mehrzahl bilden. Ich glaube nicht, das die bürgerliche Mitte dieses Problem bagatellisieren. Was mir in Leipzig, auch bei gebildeten Menschen im Gespräch aufgefallen ist, ist ein latenter Außländerunwohl. Die Mutter meiner damaligen Freundin meinte, das sie froh ist, das ihre Tochter keinen Ausländer heimgebracht hätte. Darauf entgegnete ich, das ich als Baier wohl sehr gut als Ausländer durchgehen würde. Aber das war schon eine sehr erkennbare Grenze. Nicht das es Mütter hier in Bayern nicht geben würde, die das meinen. Nur so offen ansprechen würde es hier keine. Zumindest nicht die ersten paar Mal.


Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)
Vorbemerkung: Meines Erachtens gibt es nicht die eine Ursache, sondern ein ganzes Ursachengeflecht:

Erstens: Viele Ostdeutsche haben zur Wende erfahren, was es bedeutet, mit eigener Kraft ein System umzuwälzen, Regierende abzulösen, eine alles beherrschende "Diktatur des Proletariats" abzuschütteln und einen demokratischen Weg einzuschlagen. Sie waren wer in der Wendenzeit, standen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, wurden als "Revolutionäre" bezeichnet. In den Jahren danach bröckelte diese Kraft, diese Bedeutsamkeit und Ausstrahlung immer mehr. Schließlich war es dann soweit: Kein Hahn krähte mehr nach ihnen, ihre "geschichtliche Leistung" wurde zur Selbstverständlichkeit, ja zur Nebensächlichkeit. Das zeigte sich auch darin, dass ihre Biografien nichts mehr wert waren in den Augen vieler Politiker und vieler Westdeutscher. Sie wurden nur dann mal beachtet, wenn es um die Erwähnung ihrer Wenden-Taten ging, aber nie als ganze Menschen, die ein Gesamtleben führen und führten: Vor, während und nach der Wende. Und dieses Leben hatte aufgrund der geschichtlichen Ereignisse viele gravierende Brüche. Das, was die meisten zur Wendenzeit leisten und aushalten mussten, ist einmalig und mit nichts zu vergleichen: Das Gesellschaftssystem hatte sich komplett geändert, es kamen neue Gesetze, neue Regeln, neue Umstände, alles, aber auch alles war anders. Der Arbeitsplatz war nicht mehr sicher und brach schließlich ganz weg.


Auf alle Fälle spielt dieser Umbruch, gerade im Arbeitsmarkt eine sehr große Rolle in der Radikalisierung einiger. Was mich aber verwundert ist eben die Tatsache, das in den Ländern, die halbwegs eine Arbeitsmarktsituation geschaffen haben die Radikalisierung größer ist oder spürbarer vorhanden. Natürlich rede ich hier von Sachsen und Thüringen und die beiden südlichen Regionen angrenzend von Brandenburg und Anhalt.
Dann kommt der Bruch mit der Vergangenheit, die Demokratie, die dann auch nicht wirklich das gehalten hat, was von selbiger erwartet wurde.


Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)
Hinzu kommt (und das halte ich für einen wesentlichen Punkt): Ihre kurze, aber starke Erfahrung der Mitbestimmung, des Mitregierens und Mitgestaltens der Politik, die sie logischerweise während der Wende auf beindruckende Weise machten, galt später nichts mehr. Alles ging seinen Lauf, niemand fragte mehr "wie seht ihr die Entwicklung, ihr Ossis? Wie fühlt ihr euch? Was wollt ihr ändern? Was muss anders werden?" Ihre Stimme war einfach nicht mehr gefragt. Sie spürten: Wir können hier auf- und niederspringen, es ist egal, es interessiert "da oben" sowieso keinen. Das ist sozusagen eine Art traumatische Demokratie-Erfahrung. Erst hui, dann pfui.


Die Demokratie lebt nicht von sich selbst. Und diese Erkenntnis ist glaub ich im Osten nicht so angekommen wie sie sich im Westen entwickeln konnte. Die Verwurzelung zwischen Demokratie vor Ort und den Vereinen, den jeweiligen sozialen Verbänden den Handwerkskammern und Industrievereinigungen hat im Osten keine Verwurzelung ( mehr ) da ja diese politischen Geschichten von der SED ja durchaus kritisch in Erinnerung waren.
In der alten Bundesrepublik hatten die Menschen mindestens 20 Jahre Vorsprung mit der innerstaatlichen Demokratie. Es bedurfte bei uns die Menschen, die im allgemeinen mit der Generation 68 umschrieben wird, die das lange Zeit getragen hatten.
Und das die SED bei den Menschen kein Vertrauen mehr hatte war nach Mielke keine große Überraschung, das Problem war eher, das sich circa 30 % in den neuen Bundesländern entpolitisiert hatten. Die PDS hat es lange Zeit verstanden zumindest das Ohr bei den Sorgen der meisten dieser Menschen zu haben und
hat meiner Meinung nach lange versucht diese der Politik mitzuteilen. Aber es gab halt auch, verständlicherweise, Menschen die ihre Sorgen eben nicht an die "ehemaligen Spitzel" anvertrauen konnten. Da aber halt auch die Kirche die 40 Jahre DDR nicht gut überstanden haben fehlte auch hier auf großer Fläche eine soziale Anlaufstation. So, jetzt gibt´s halt dann langsam nur noch die Wirtshäuser und Bier ist kein guter Begleiter bei politischen Diskussionen von sozial isolierten Menschen. Und dort denk ich, ist der Nährboden für das, was sich jetzt im Bundestag als AfD sammelt, natürlich auch mit Stimmen aus dem Westen und vor allem aus Bayern.

Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)
Zweitens: Die nach wie vor noch gravierenden Unterschiede der Lebensverhältnisse in Ost und West. Das zeigt sich auf vielen Gebieten, zum Beispiel niedrigere Löhne und Gehälter bei ähnlichen Preisen wie im Westen (wegen der niedrigeren Produktivität, aber auch wegen der weniger starken Tarifbindung der Unternehmen), niedrigere Renten, größerer Anteil an Arbeitslosigkeit, mehr Hartz-vier-Bezieher, mehr prekäre Arbeit mit Aufstockerei, mehr Kinder- und Altersarmut, mehr Unsicherheit in Handwerk und Gewerbe wegen schlechter Zahlungsmoral der Kundschaft (die selbst auch bereits am Limit rumkraucht). Der bescheidene Wohlstand, den sich einige nach der Wende aufgebaut haben, gilt vielen als hochgradig gefährdet, daher sehen diese Leute alle als Feinde an, die von außen kommen und ihnen etwas wegnehmen könnten. Stichwort: Sündenbockpolitik.


Natürlich, da bin ich vollkommen deiner Meinung. Und zwar sowohl wie auch. Einerseits ist da wieder diese Abneigung gegen politisch organisierter Arbeitnehmerschaft, somit die fehlende Weitergabe von Informationen an die Politik und auf der anderen Seite der Effekt, das es nicht die alte Bundesrepublik war, der sogenannte rheinische Kapitalismus, die die DDR einfach eingegliedert hat, sondern eine viel wirtschaftsliberalere Variante.
Es hieß 1998, die SPD hätte die Wahl vor allem im Osten gewonnen. Das stimmt. Helmuts Versprechungen haben nichts mehr gebracht, eine zweite rote Socken Kampagne ging schief und die Sozialdemokratie stellte den Kanzler. Also zusammen mit den neuen Bundesländern hat die Bundesrepublik dann das geschafft, was in einer Demokratie an sich normal sein sollte - den Machtwechsel durch Wahlen im Bund. Auf einmal war sie da, die Berliner Republik - und mit dem ganzen Strahlen durch dies und der ersten Regierung rot - grün schaute keiner auf die existierenden Probleme jenseits des Schmelztiegels Berlin.
Und wir wissen wie es weiterging, Schröder hatte es verstanden die Oder-Flut und die Irakpläne von Breznschorsch und schaffte mit Hilfe des Grünen Ströbele - dessen Direktmandat verhindert hat das die PDS mit drei Direktmandaten als Gruppe in den Bundestag zog - noch mal die Kanzlerschaft. Und dann kam Hartz.
Jetzt wurden die Menschen, gerade im Osten, ein zweites Mal verarscht. Statt der erwarteten staatlichen Wärme unter der SPD kam der Abstieg in H4. Das ist frustrierend. Und was machen diese Menschen? Es gibt einige, die zu Lafontaines Linken vertrauen finden, rechts fallen noch keine runter, es ist ja die SPD und dann kommt Merkel. Und Merkel hat es in den südlichen Ländern verstanden auf der wirtschaftlichen Erfolgswelle die aus den Hartz-Reformen entstanden sind zu reiten aber die Probleme die damit entstanden sind der SPD zuzuschieben. Dann kommt die Eurokrise mit Griechenland und den damit verbundenen Zahlungen aus der Regierungskasse. Und hier passiert ein Vorbeben, das ich erst in der Nachbetrachtung erkannt habe, und erzeugt den Anfang eines Risses bei den Konservativen der dann in der AfD münden sollte.


Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)
Drittens: Warum ist der Rechtsruck und die Affinität zur AfD in Sachsen besonders stark? Hier hat die jahrzehntelange Alleinherrschaft der CDU das Ihrige getan. Alle immer latent vorhandenen rechten Erscheinungen wurden stets heruntergespielt, nicht ernst genommen und nicht entschieden genug bekämpft. Im Gegenteil, einige von der CDU setzten sich mit Pegida zusammen und trafen mit denen seltsame Übereinkünfte, bei denen sogar Geld geflossen sein soll, damit man sich mal montags nicht mehr in der sächsischen Perle, inmitten von Dresden, auf diese Krawall-Tour bewegt. Hat nix geholfen. Das Kuriose: Sachsen hatte immer nur einen etwa zwei Prozent starken Ausländeranteil (heute sind es durch die Flüchtlinge ein kleines bisschen mehr, aber nicht gravierend mehr). Und trotzdem wurde dort immer schon am meisten gegen Ausländer gewettert. Nach der Wende ganz laut und offensiv, vor der Wende eher im Stillen, eher unauffällig. Das gilt im Übrigen für alle neuen Bundesländer. Denn Fremdenfeindlichkeit gab es natürlich auch in der DDR. Ich weiß nicht genau, wie die Menschen in der alten BRD damals mit den türkischen und italienischen Gastarbeitern umgegangen sind, denn auch da wird es neben viel Freude sicher auch so manche Fremdenfeindlichkeit gegeben haben, denke ich mal. Aber hier im Osten war es schon so, dass die sozialistischen Vertragsarbeiter aus Kuba, Vietnam und aus afrikanischen Staaten und auch die Soldaten der Sowjetarmee oft angefeindet worden sind. Hab ich selbst erlebt. Das kam also vor, wurde aber durch Polizei und Stasi engmaschig kontrolliert und kleingehalten. Die "Russen" und die "Fidschis" war oft abfällig zu hören. Ich denke mal, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung im Osten auch schon vor der Wende latent fremdenfeindlich waren. Das wird aber im Westen ebenfalls so gewesen sein.


Es gibt eine Studie aus den 90ern, die hatte den etwas anrüchigen Namen "Rotlicht macht braun" - leider habe ich diese nicht mehr greifbar. Ich hoffe ich bekomme die nochmal, denn es war vor allem ein Teil, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist.
Die DDR war schon als Staatsräson verpflichtet antifaschistisch zu sein und war demnach nie zimperlich NS-Verbrecher zu verurteilen und auch bei jungen Menschen da schnell den Riegel vorgeschoben hat. Das Problematische an der Geschichte war, das die Jungen, die, und das ist nicht als Relativierung verstanden werden sondern als Maßstab an der Strafe, mal den rechten Arm gehoben haben, die kamen zusammen mit den alten Nazis. Und dort konnte sich Gedankengut konservieren und weitermittelt werden, Netzwerke geschaffen werden und, so seltsam es klingt, eine Art Paralellgeschellschaft dadurch aufgebaut haben. Und natürlich kannten die Spitzel die Menschen, ein Wissen, das später dann auch zur Verwicklung zwischen einigen Verfassungsschutzämtern, den V-Leuten und der rechten Szene führte. Das war ein Punkt, der vollkommend von den Bundesbehörden verpennt wurde.
Und natürlich gibt es bei der AfD Menschen, deren Verbindungen sich bis in diese Zeit zurückverfolgen lassen können. Und dafür werden sie gewählt, von denen, die sich offen undemokratisch Rechts geben.

Als letztes kommt natürlich die Entscheidung von 2015 hinzu. Und da hat es Tom Bombadil mir mal gut beschrieben - es wurde schnell geholfen, aber um die Hilfe an Teile der deutschen Bevölkerung kümmerte sich niemand. ( Als Gefühl !! Keine Wertung )
Und genau da punktete dann die AfD. Nährboden. Kohl abgewählt - nix gebracht, SPD gewählt Hartz IV bekommen. Nach 45 erfolglosen Bewerbungen apathisch geworden. Abgehängt worden. Und was macht Mutti? Lässt die ganzen Ausländer rein und die bekommen sofort alles........


Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)
Dass das in Sachsen dann nach der Wende auf so besonders fruchtbaren Boden fiel, hat wie gesagt viel damit zu tun, dass die Regierenden dort immer auf dem rechten Auge blind waren. Da wurde bagatellisiert, was das Zeug hält. Und da ist der Boden halt schnell bereitet für so etwas wie Pegida, den Vorläufer der AfD. Die Anhänger wussten immer schon "uns passiert hier nicht viel, da können wir schalten und walten, wie wir wollen". Das sächsische Leipzig war da eine wohltuende Ausnahme, was auch mit dem tollen SPD-Bürgermeister Jung (mal ein wirklich positiver West-Import ;)) zusammenhängt. Der stand immer mit in der ersten Reihe, wenn die zahlreichen Gegendemos gegen Legida organisiert wurden, und unterstützte die Demokraten bei ihren vielfältigen Anti-Legida-Aktionen. So konnte sich dieses rechtspopulistische Bündnis dort nicht so rasant ausbreiten. Und auch die AfD-Zahlen sind somit in einzelnen Leipziger Gebieten nicht ganz so groß wie anderswo.


Was genau unter König Kurt nicht funktioniert hat, möchte ich auch mal gerne wissen. Es kann doch niemand behaupten, das es unbekannt war, das gerade in Sachsen der Rechtsextremismus tiefer verwurzelt war als woanders. Kopernikus, hier unser alter Vorstand und Moderator, kam aus dem braunen Dreieck, wie er es gerne geschildert hat. Irgendwo Freiberg. Der meinte auch, das in den Bergen die Nationalen wirklich stark vertreten waren.
Also, warum wurde diese Szene vom Verfassungsschutz nicht genauer, nicht stringenter überwacht? Keine Ahnung.´

Leipzig ist wirklich dahingehend ein gutes Vorbild. Ich erinnere mich noch an diesen Legida Tag Anfang 2015. Zum Glück wars es danach.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Tomaner » Sa 17. Mär 2018, 12:19

Selina hat geschrieben:(16 Mar 2018, 09:26)

Ich bin nun wirklich am allerwenigsten jemand, der sich in irgendeiner Form wegduckt. Das weißt du auch. Für mich ist Antifaschismus ein festverankertes und selbstverständliches Lebensprinzip. Daher empfinde ich es als sehr schmerzhaft, dass es gerade in Ostdeutschland so viele sind, die diesen Rechtspopulisten hinterherlaufen. Wir haben alle schon einmal erlebt (über Eltern und Großeltern), wo das hinführen kann. Und ich mache mir große Sorgen, dass gerade viele Menschen aus der so genannten "bürgerlichen Mitte" der Gesellschaft - und das natürlich in Ost und West - den Rechtsruck mit seinem wachsenden Nationalismus und seiner Fremdenfeindlichkeit eher bagatellisieren, als ihn wirklich ernstzunehmen und ihm etwas Wirksames entgegenzusetzen. Und obwohl ich es hier schon häufig beschrieben habe, was ich für die Gründe halte, warum im Osten der Zuspruch zur AfD so stark ist, versuche ich es noch einmal. Das ist aber nur meine ganz unmaßgebliche persönliche Meinung; ich bin weder Politologin noch anderweitig beruflich mit der Materie befasst. Ich schaue nur genau hin, was um mich rum passiert:

Vorbemerkung: Meines Erachtens gibt es nicht die eine Ursache, sondern ein ganzes Ursachengeflecht:

Erstens: Viele Ostdeutsche haben zur Wende erfahren, was es bedeutet, mit eigener Kraft ein System umzuwälzen, Regierende abzulösen, eine alles beherrschende "Diktatur des Proletariats" abzuschütteln und einen demokratischen Weg einzuschlagen. Sie waren wer in der Wendenzeit, standen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, wurden als "Revolutionäre" bezeichnet. In den Jahren danach bröckelte diese Kraft, diese Bedeutsamkeit und Ausstrahlung immer mehr. Schließlich war es dann soweit: Kein Hahn krähte mehr nach ihnen, ihre "geschichtliche Leistung" wurde zur Selbstverständlichkeit, ja zur Nebensächlichkeit. Das zeigte sich auch darin, dass ihre Biografien nichts mehr wert waren in den Augen vieler Politiker und vieler Westdeutscher. Sie wurden nur dann mal beachtet, wenn es um die Erwähnung ihrer Wenden-Taten ging, aber nie als ganze Menschen, die ein Gesamtleben führen und führten: Vor, während und nach der Wende. Und dieses Leben hatte aufgrund der geschichtlichen Ereignisse viele gravierende Brüche. Das, was die meisten zur Wendenzeit leisten und aushalten mussten, ist einmalig und mit nichts zu vergleichen: Das Gesellschaftssystem hatte sich komplett geändert, es kamen neue Gesetze, neue Regeln, neue Umstände, alles, aber auch alles war anders. Der Arbeitsplatz war nicht mehr sicher und brach schließlich ganz weg.

Hinzu kommt (und das halte ich für einen wesentlichen Punkt): Ihre kurze, aber starke Erfahrung der Mitbestimmung, des Mitregierens und Mitgestaltens der Politik, die sie logischerweise während der Wende auf beindruckende Weise machten, galt später nichts mehr. Alles ging seinen Lauf, niemand fragte mehr "wie seht ihr die Entwicklung, ihr Ossis? Wie fühlt ihr euch? Was wollt ihr ändern? Was muss anders werden?" Ihre Stimme war einfach nicht mehr gefragt. Sie spürten: Wir können hier auf- und niederspringen, es ist egal, es interessiert "da oben" sowieso keinen. Das ist sozusagen eine Art traumatische Demokratie-Erfahrung. Erst hui, dann pfui.

Zweitens: Die nach wie vor noch gravierenden Unterschiede der Lebensverhältnisse in Ost und West. Das zeigt sich auf vielen Gebieten, zum Beispiel niedrigere Löhne und Gehälter bei ähnlichen Preisen wie im Westen (wegen der niedrigeren Produktivität, aber auch wegen der weniger starken Tarifbindung der Unternehmen), niedrigere Renten, größerer Anteil an Arbeitslosigkeit, mehr Hartz-vier-Bezieher, mehr prekäre Arbeit mit Aufstockerei, mehr Kinder- und Altersarmut, mehr Unsicherheit in Handwerk und Gewerbe wegen schlechter Zahlungsmoral der Kundschaft (die selbst auch bereits am Limit rumkraucht). Der bescheidene Wohlstand, den sich einige nach der Wende aufgebaut haben, gilt vielen als hochgradig gefährdet, daher sehen diese Leute alle als Feinde an, die von außen kommen und ihnen etwas wegnehmen könnten. Stichwort: Sündenbockpolitik.

Drittens: Warum ist der Rechtsruck und die Affinität zur AfD in Sachsen besonders stark? Hier hat die jahrzehntelange Alleinherrschaft der CDU das Ihrige getan. Alle immer latent vorhandenen rechten Erscheinungen wurden stets heruntergespielt, nicht ernst genommen und nicht entschieden genug bekämpft. Im Gegenteil, einige von der CDU setzten sich mit Pegida zusammen und trafen mit denen seltsame Übereinkünfte, bei denen sogar Geld geflossen sein soll, damit man sich mal montags nicht mehr in der sächsischen Perle, inmitten von Dresden, auf diese Krawall-Tour bewegt. Hat nix geholfen. Das Kuriose: Sachsen hatte immer nur einen etwa zwei Prozent starken Ausländeranteil (heute sind es durch die Flüchtlinge ein kleines bisschen mehr, aber nicht gravierend mehr). Und trotzdem wurde dort immer schon am meisten gegen Ausländer gewettert. Nach der Wende ganz laut und offensiv, vor der Wende eher im Stillen, eher unauffällig. Das gilt im Übrigen für alle neuen Bundesländer. Denn Fremdenfeindlichkeit gab es natürlich auch in der DDR. Ich weiß nicht genau, wie die Menschen in der alten BRD damals mit den türkischen und italienischen Gastarbeitern umgegangen sind, denn auch da wird es neben viel Freude sicher auch so manche Fremdenfeindlichkeit gegeben haben, denke ich mal. Aber hier im Osten war es schon so, dass die sozialistischen Vertragsarbeiter aus Kuba, Vietnam und aus afrikanischen Staaten und auch die Soldaten der Sowjetarmee oft angefeindet worden sind. Hab ich selbst erlebt. Das kam also vor, wurde aber durch Polizei und Stasi engmaschig kontrolliert und kleingehalten. Die "Russen" und die "Fidschis" war oft abfällig zu hören. Ich denke mal, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung im Osten auch schon vor der Wende latent fremdenfeindlich waren. Das wird aber im Westen ebenfalls so gewesen sein.

Dass das in Sachsen dann nach der Wende auf so besonders fruchtbaren Boden fiel, hat wie gesagt viel damit zu tun, dass die Regierenden dort immer auf dem rechten Auge blind waren. Da wurde bagatellisiert, was das Zeug hält. Und da ist der Boden halt schnell bereitet für so etwas wie Pegida, den Vorläufer der AfD. Die Anhänger wussten immer schon "uns passiert hier nicht viel, da können wir schalten und walten, wie wir wollen". Das sächsische Leipzig war da eine wohltuende Ausnahme, was auch mit dem tollen SPD-Bürgermeister Jung (mal ein wirklich positiver West-Import ;)) zusammenhängt. Der stand immer mit in der ersten Reihe, wenn die zahlreichen Gegendemos gegen Legida organisiert wurden, und unterstützte die Demokraten bei ihren vielfältigen Anti-Legida-Aktionen. So konnte sich dieses rechtspopulistische Bündnis dort nicht so rasant ausbreiten. Und auch die AfD-Zahlen sind somit in einzelnen Leipziger Gebieten nicht ganz so groß wie anderswo.


Ich denke weitere Faktoren spielen da eine Rolle. Es wurde ja im Osten niemals in Schulen gelehrt, warum in Demokratie bestimmte Sachen so sind wie sie sind und ebenfalls welche Dinge eingeführt wurden, aus der erfahrung mit Faschismus, wie 5% Hürde, Gewaltenteilung, Bundeswehr nicht nach innen einsetzen, Einheitsgewerkschaft, Verteilung von macht auf Bundeskanzler und Bundespräsident und vieles mehr. Ohne Aufarbeitung des Hitlerfaschismuses versteht man bestimmte Sachen gar nicht. Dann in der DDR selbst bestimmten einige weniger wo es dann lang geht und es gab darüber keine Diskusionen oder verschiedene Presselandschaften. Merkwürdigerweise glaubt man aber heute, es gäbe keinen Unterschied zwischen Bild und Taz oder Spiegel und Focus.

Was ich auch selbst schon in Anfangzeiten drüben erfuhr, Leute mit denen man sich relativ gut verstand und oberflächlich ehr grünalternativ einschätzbar waren, extrem ausländerfeindlich waren, obwohl man dort keinen einzigen Ausländer antraf, außer vielleicht noch mal ein russisches Ehepaar. Ich rede von der Übergangsphase noch vor vollzogene Wiedervereinigung. Damals sammelte ich auch Spiegel und brachte einige Ausgaben mit hinüber um Interessierte nachlesen zu lassen wie der Westen Deutschlands so tickt. Nach eigenen Angaben sagten sie aber, sie verstünden nicht so richtig was da drin steht. Umgekehrt ging es mir aber genauso, wenn ich Sozialkundebuch aus der DDR gelesen habe. Die einzige Logik die ich daraus erkennen konnte war, nicht das eigene Sachen als besonders gut oder sinnvoll herausgestellt wurden, sondern alles war angeblich deswegen gut, weil ja der Kapitalismus unter ging und deshalb wenn man es anders machte besser war.
total Verrückt war auch eine DDR Band die Songs von Don Steine Scherben nachgesungen hat, also extrem links und dann damit Werbung für Helmut Kohl machte. Als wir daraufhin den Bandlesder ansprachen verstand der gar nicht was wir wollten und erst so ein Jahr später, kam er mal auf uns zu und meinte wir hätten damals Recht gehabt.

Auch kam es immer wieder vor, dass uns Ostbürger etwas von Demokratie erzählen wollten, das aber mit der Realität nichts zu tun hatte. DDR Bürger die in den Westen kamen, standen dann auch im Arbeitsleben in direkter Konkurenz mit Türken und anderen Gastarbeitern. Teilweise waren dann auch Türken oder Griechen und Italiener die bei uns aufwuchsen, politisch weiter als sie selbst. Ich gebe auch zu, manche Ostbürger gingen uns damals auch auf die Nerven und der Türke oder der Grieche um die Ecke war uns lieber. Es war auch einfach normal für uns beim Italiener essen zu gehen oder beim Chinesen oder Jugoslawen.

Was ich aber bis heute besonders merke ist, die gesammten Leute aus dem Osten, also ehemalige DDR Bürger und russische Aussiedler haben hohe Abneigung gegenüber alles was für sie nach links klingt, also SPD, und besonders die Grünen. Somit war einzige Alternative für denen CDU und FDP. Wenn aber für sie, für mich auch, aber diese Bürgerlichen keine gute Politik machen, die aber Angst vor Links haben und diese keinerlei Alternative darstellt, bleibt dann nur weiter nach rechts. Im Prinzip kommt man mit Hand auf Herdplatte und verbrennt sich und denen fällt nichts besseres ein, als Temperatur zu erhöhen, wenn für ihnen das Ausschalten keine Alternative darstellt.
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Selina
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Selina » Sa 17. Mär 2018, 17:04

Danke, Alexyessin, für deine ausführliche Reaktion. 80 Prozent sehe ich auch so, bei 20 Prozent habe ich andere Erfahrungen. Was ja auch normal ist. Ich möchte nur noch hinzufügen: Alles, was ich da beschrieb in meinem langen Text, ist natürlich nur das, was ich bei den östlichen Pegida-AfD-Anhängern so mitkriege. Ich hab es mehr oder weniger nur wiedergegeben. Meine eigene ganz persönliche Meinung zu alledem wäre natürlich noch mal viel "linker" ausgefallen :D So hätte ich sehr viel zu kritisieren bzw. anzumerken, wie die Wende abgelaufen ist, was die Treuhand alles so veranstaltet hat und warum es bis heute so schwer ist, die alten West-Ost-Gräben zu überwinden. Und ich hätte auch noch etwas dazu sagen können, dass auch diese Demokratie, in der wir heute leben, ein dynamischer Prozess ist, in dem es ständig ziemlich viel zu verbessern und anders zu machen gäbe. So hätte es der Demokratie sicher nicht geschadet, wenn von Anfang an auch ein paar östliche Erfahrungen mit eingeflossen wären. Da wäre dann der Eindruck vieler Ossis, man habe ihnen etwas "übergestülpt", nicht so stark gewesen. Es hätte Augenhöhe gegeben. Da ich aber eher beschreiben als kommentieren wollte, hab ich es so geschildert, wie man es oben lesen kann.

Was das von dir beobachtete "latente Außländerunwohl" (auch wenn ich das Wort nicht kenne, ist wohl bayrisch? ;)) im Osten anbelangt: Ja, das war so, dass es auch schon damals Fremdenfeindlichkeit gab, das hatte ich ja oben beschrieben. Aber auch das trifft nicht auf mich selbst zu. Ich pflegte auch schon zu DDR-Zeiten allerbeste freundschaftliche Kontakte mit Leuten fremder Herkunft, zum Beispiel Ungarn, Bulgaren, Polen, Russen und ja, sogar Italienern. Ich hatte da nie Probleme mit. Im Gegenteil, ich verstand mich mit ihnen manchmal sogar besser als mit Landsleuten oder mindestens genauso gut :) Dieses enge Nur-die-eigene-Nation-Bevorzugen hats bei mir nie gegeben. Mein Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) war immer internationalistisch, weltoffen (trotz nicht vorhandener Reisefreiheit) und sehr liberal im Denken. Nationalismus hatte da keinen Platz. Unser Linkssein hatte auch nicht viel mit der SED zu tun. Das hatte ich an anderer Stelle schon ausführlich erklärt ;) Aber danke nochmal für deine Ausführungen. Ich finde es gut, über so etwas zu reden. Besser spät als nie ;)
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Sa 17. Mär 2018, 17:50

Selina hat geschrieben:(17 Mar 2018, 17:04)

Danke, Alexyessin, für deine ausführliche Reaktion. 80 Prozent sehe ich auch so, bei 20 Prozent habe ich andere Erfahrungen. Was ja auch normal ist. Ich möchte nur noch hinzufügen: Alles, was ich da beschrieb in meinem langen Text, ist natürlich nur das, was ich bei den östlichen Pegida-AfD-Anhängern so mitkriege. Ich hab es mehr oder weniger nur wiedergegeben. Meine eigene ganz persönliche Meinung zu alledem wäre natürlich noch mal viel "linker" ausgefallen :D So hätte ich sehr viel zu kritisieren bzw. anzumerken, wie die Wende abgelaufen ist, was die Treuhand alles so veranstaltet hat und warum es bis heute so schwer ist, die alten West-Ost-Gräben zu überwinden. Und ich hätte auch noch etwas dazu sagen können, dass auch diese Demokratie, in der wir heute leben, ein dynamischer Prozess ist, in dem es ständig ziemlich viel zu verbessern und anders zu machen gäbe. So hätte es der Demokratie sicher nicht geschadet, wenn von Anfang an auch ein paar östliche Erfahrungen mit eingeflossen wären. Da wäre dann der Eindruck vieler Ossis, man habe ihnen etwas "übergestülpt", nicht so stark gewesen. Es hätte Augenhöhe gegeben. Da ich aber eher beschreiben als kommentieren wollte, hab ich es so geschildert, wie man es oben lesen kann.

Was das von dir beobachtete "latente Außländerunwohl" (auch wenn ich das Wort nicht kenne, ist wohl bayrisch? ;)) im Osten anbelangt: Ja, das war so, dass es auch schon damals Fremdenfeindlichkeit gab, das hatte ich ja oben beschrieben. Aber auch das trifft nicht auf mich selbst zu. Ich pflegte auch schon zu DDR-Zeiten allerbeste freundschaftliche Kontakte mit Leuten fremder Herkunft, zum Beispiel Ungarn, Polen, Russen und ja, sogar Italienern. Ich hatte da nie Probleme mit. Im Gegenteil, ich verstand mich mit ihnen manchmal sogar besser als mit Landsleuten oder mindestens genauso gut :) Dieses enge Nur-die-eigene-Nation-Bevorzugen hats bei mir nie gegeben. Mein Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) war immer internationalistisch, weltoffen und sehr liberal im Denken. Nationalismus hatte da kein Platz. Unser Linkssein hatte auch nicht viel mit der SED zu tun. Das hatte ich an anderer Stelle schon ausführlich erklärt ;) Aber danke nochmal für deine Ausführungen. Ich finde es gut, über so etwas zu reden. Besser spät als nie ;)


Welch interessante Diskussion sich doch entwickeln kann. Hoffentlich geht die im AfD Thread nicht unter.

Es gibt natürlich viel Angriffsfläche bei der Umsetzung der Wiedervereinigung. Aber ich muss halt sagen, das es DAFÜR keine Blaupause gab. Und Geschwindigkeit war dahingehend unabdingbar. Wie schnell es gehen kann haben wir dann 91 im August gesehen, der Sommer in dem die UdSSR verschwand. Angesichts dessen sind handwerkliche Fehler nicht vermeidbar gewesen. Was aber diese Sache nicht besser macht !! Die Wirtschaftskrise Anfang bis Mitte der neunziger Jahre hingen ja durchaus genau damit zusammen. Und natürlich frustriert das die Menschen. In die Zeit fällt halt auch Hoyerswerda, Rostock sowie Mölln und Solingen.
Und ich glaube auch, das es zwischen dieser Radikalisierung zu Beginn der 90er einen direkten Zusammenhang gibt zu AfD, Pegida und eben auch zur NSU.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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jorikke
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon jorikke » So 18. Mär 2018, 13:02

Selina und Alexyessin, einfach mal Danke für das Beispiel einer sinnvollen Diskussion.
sünnerklaas
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon sünnerklaas » So 18. Mär 2018, 13:37

Alexyessin hat geschrieben:(17 Mar 2018, 12:03)

Sorry, ich glaube ich hatte falsch rübergebracht. Ich bin nicht derjenige, der rüber zeigt und meint "aber der Osten". Durch meine eigene Erfahrung in Leipzig aber auch weit in die Provinz hinein bis Döbeln weiß ich durchaus, das es dort auch "normale" Menschen gibt die die Mehrzahl bilden. Ich glaube nicht, das die bürgerliche Mitte dieses Problem bagatellisieren. Was mir in Leipzig, auch bei gebildeten Menschen im Gespräch aufgefallen ist, ist ein latenter Außländerunwohl. Die Mutter meiner damaligen Freundin meinte, das sie froh ist, das ihre Tochter keinen Ausländer heimgebracht hätte. Darauf entgegnete ich, das ich als Baier wohl sehr gut als Ausländer durchgehen würde. Aber das war schon eine sehr erkennbare Grenze. Nicht das es Mütter hier in Bayern nicht geben würde, die das meinen. Nur so offen ansprechen würde es hier keine. Zumindest nicht die ersten paar Mal.




Auf alle Fälle spielt dieser Umbruch, gerade im Arbeitsmarkt eine sehr große Rolle in der Radikalisierung einiger. Was mich aber verwundert ist eben die Tatsache, das in den Ländern, die halbwegs eine Arbeitsmarktsituation geschaffen haben die Radikalisierung größer ist oder spürbarer vorhanden. Natürlich rede ich hier von Sachsen und Thüringen und die beiden südlichen Regionen angrenzend von Brandenburg und Anhalt.
Dann kommt der Bruch mit der Vergangenheit, die Demokratie, die dann auch nicht wirklich das gehalten hat, was von selbiger erwartet wurde.




Die Demokratie lebt nicht von sich selbst. Und diese Erkenntnis ist glaub ich im Osten nicht so angekommen wie sie sich im Westen entwickeln konnte. Die Verwurzelung zwischen Demokratie vor Ort und den Vereinen, den jeweiligen sozialen Verbänden den Handwerkskammern und Industrievereinigungen hat im Osten keine Verwurzelung ( mehr ) da ja diese politischen Geschichten von der SED ja durchaus kritisch in Erinnerung waren.
In der alten Bundesrepublik hatten die Menschen mindestens 20 Jahre Vorsprung mit der innerstaatlichen Demokratie. Es bedurfte bei uns die Menschen, die im allgemeinen mit der Generation 68 umschrieben wird, die das lange Zeit getragen hatten.
Und das die SED bei den Menschen kein Vertrauen mehr hatte war nach Mielke keine große Überraschung, das Problem war eher, das sich circa 30 % in den neuen Bundesländern entpolitisiert hatten. Die PDS hat es lange Zeit verstanden zumindest das Ohr bei den Sorgen der meisten dieser Menschen zu haben und
hat meiner Meinung nach lange versucht diese der Politik mitzuteilen. Aber es gab halt auch, verständlicherweise, Menschen die ihre Sorgen eben nicht an die "ehemaligen Spitzel" anvertrauen konnten. Da aber halt auch die Kirche die 40 Jahre DDR nicht gut überstanden haben fehlte auch hier auf großer Fläche eine soziale Anlaufstation. So, jetzt gibt´s halt dann langsam nur noch die Wirtshäuser und Bier ist kein guter Begleiter bei politischen Diskussionen von sozial isolierten Menschen. Und dort denk ich, ist der Nährboden für das, was sich jetzt im Bundestag als AfD sammelt, natürlich auch mit Stimmen aus dem Westen und vor allem aus Bayern.



Natürlich, da bin ich vollkommen deiner Meinung. Und zwar sowohl wie auch. Einerseits ist da wieder diese Abneigung gegen politisch organisierter Arbeitnehmerschaft, somit die fehlende Weitergabe von Informationen an die Politik und auf der anderen Seite der Effekt, das es nicht die alte Bundesrepublik war, der sogenannte rheinische Kapitalismus, die die DDR einfach eingegliedert hat, sondern eine viel wirtschaftsliberalere Variante.
Es hieß 1998, die SPD hätte die Wahl vor allem im Osten gewonnen. Das stimmt. Helmuts Versprechungen haben nichts mehr gebracht, eine zweite rote Socken Kampagne ging schief und die Sozialdemokratie stellte den Kanzler. Also zusammen mit den neuen Bundesländern hat die Bundesrepublik dann das geschafft, was in einer Demokratie an sich normal sein sollte - den Machtwechsel durch Wahlen im Bund. Auf einmal war sie da, die Berliner Republik - und mit dem ganzen Strahlen durch dies und der ersten Regierung rot - grün schaute keiner auf die existierenden Probleme jenseits des Schmelztiegels Berlin.
Und wir wissen wie es weiterging, Schröder hatte es verstanden die Oder-Flut und die Irakpläne von Breznschorsch und schaffte mit Hilfe des Grünen Ströbele - dessen Direktmandat verhindert hat das die PDS mit drei Direktmandaten als Gruppe in den Bundestag zog - noch mal die Kanzlerschaft. Und dann kam Hartz.
Jetzt wurden die Menschen, gerade im Osten, ein zweites Mal verarscht. Statt der erwarteten staatlichen Wärme unter der SPD kam der Abstieg in H4. Das ist frustrierend. Und was machen diese Menschen? Es gibt einige, die zu Lafontaines Linken vertrauen finden, rechts fallen noch keine runter, es ist ja die SPD und dann kommt Merkel. Und Merkel hat es in den südlichen Ländern verstanden auf der wirtschaftlichen Erfolgswelle die aus den Hartz-Reformen entstanden sind zu reiten aber die Probleme die damit entstanden sind der SPD zuzuschieben. Dann kommt die Eurokrise mit Griechenland und den damit verbundenen Zahlungen aus der Regierungskasse. Und hier passiert ein Vorbeben, das ich erst in der Nachbetrachtung erkannt habe, und erzeugt den Anfang eines Risses bei den Konservativen der dann in der AfD münden sollte.




Es gibt eine Studie aus den 90ern, die hatte den etwas anrüchigen Namen "Rotlicht macht braun" - leider habe ich diese nicht mehr greifbar. Ich hoffe ich bekomme die nochmal, denn es war vor allem ein Teil, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist.
Die DDR war schon als Staatsräson verpflichtet antifaschistisch zu sein und war demnach nie zimperlich NS-Verbrecher zu verurteilen und auch bei jungen Menschen da schnell den Riegel vorgeschoben hat. Das Problematische an der Geschichte war, das die Jungen, die, und das ist nicht als Relativierung verstanden werden sondern als Maßstab an der Strafe, mal den rechten Arm gehoben haben, die kamen zusammen mit den alten Nazis. Und dort konnte sich Gedankengut konservieren und weitermittelt werden, Netzwerke geschaffen werden und, so seltsam es klingt, eine Art Paralellgeschellschaft dadurch aufgebaut haben. Und natürlich kannten die Spitzel die Menschen, ein Wissen, das später dann auch zur Verwicklung zwischen einigen Verfassungsschutzämtern, den V-Leuten und der rechten Szene führte. Das war ein Punkt, der vollkommend von den Bundesbehörden verpennt wurde.
Und natürlich gibt es bei der AfD Menschen, deren Verbindungen sich bis in diese Zeit zurückverfolgen lassen können. Und dafür werden sie gewählt, von denen, die sich offen undemokratisch Rechts geben.

Als letztes kommt natürlich die Entscheidung von 2015 hinzu. Und da hat es Tom Bombadil mir mal gut beschrieben - es wurde schnell geholfen, aber um die Hilfe an Teile der deutschen Bevölkerung kümmerte sich niemand. ( Als Gefühl !! Keine Wertung )
Und genau da punktete dann die AfD. Nährboden. Kohl abgewählt - nix gebracht, SPD gewählt Hartz IV bekommen. Nach 45 erfolglosen Bewerbungen apathisch geworden. Abgehängt worden. Und was macht Mutti? Lässt die ganzen Ausländer rein und die bekommen sofort alles........




Was genau unter König Kurt nicht funktioniert hat, möchte ich auch mal gerne wissen. Es kann doch niemand behaupten, das es unbekannt war, das gerade in Sachsen der Rechtsextremismus tiefer verwurzelt war als woanders. Kopernikus, hier unser alter Vorstand und Moderator, kam aus dem braunen Dreieck, wie er es gerne geschildert hat. Irgendwo Freiberg. Der meinte auch, das in den Bergen die Nationalen wirklich stark vertreten waren.
Also, warum wurde diese Szene vom Verfassungsschutz nicht genauer, nicht stringenter überwacht? Keine Ahnung.´

Leipzig ist wirklich dahingehend ein gutes Vorbild. Ich erinnere mich noch an diesen Legida Tag Anfang 2015. Zum Glück wars es danach.



Es ist nicht nur in der ehemaligen DDR nach 1990 vieles schief gelaufen, sondern im gesamten RGW-Raum. Ursache waren meiner Meinung nach auch die völlig überzogenen Erwartungen in den Ostblockländern, die auf verantwortungslose Versprecherei der westlichen Staaten basierte. Teilweise herrschten da kindische Vorstellungen über den "Goldenen Westen". Man hat 1990 geglaubt, jetzt bräche der pure Luxus aus. Und zwar gratis und ohne eigenes Zutun. Sich einfach mal bedienen lassen... Als das nicht kam, wurde man sauer.

König Kurt hat aus meiner Sicht in Sachsen den Fehler begangen, alles mit Geld lösen zu wollen. Gleichzeitig wurde die Vergangenheit glorifiziert - besonders in Dresden. Nur war das alte Dresden im Februar 1945 untergegangen. Man holt aber nicht die Vergangenheit zurück. Das kann nicht funktionieren, weil es der heutigen Lebensrealität nicht entspricht.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Selina » So 18. Mär 2018, 18:16

jorikke hat geschrieben:(18 Mar 2018, 13:02)

Selina und Alexyessin, einfach mal Danke für das Beispiel einer sinnvollen Diskussion.


Immer wieder gerne :)
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Tomaner » Mo 19. Mär 2018, 05:30

sünnerklaas hat geschrieben:(18 Mar 2018, 13:37)

Es ist nicht nur in der ehemaligen DDR nach 1990 vieles schief gelaufen, sondern im gesamten RGW-Raum. Ursache waren meiner Meinung nach auch die völlig überzogenen Erwartungen in den Ostblockländern, die auf verantwortungslose Versprecherei der westlichen Staaten basierte. Teilweise herrschten da kindische Vorstellungen über den "Goldenen Westen". Man hat 1990 geglaubt, jetzt bräche der pure Luxus aus. Und zwar gratis und ohne eigenes Zutun. Sich einfach mal bedienen lassen... Als das nicht kam, wurde man sauer.

König Kurt hat aus meiner Sicht in Sachsen den Fehler begangen, alles mit Geld lösen zu wollen. Gleichzeitig wurde die Vergangenheit glorifiziert - besonders in Dresden. Nur war das alte Dresden im Februar 1945 untergegangen. Man holt aber nicht die Vergangenheit zurück. Das kann nicht funktionieren, weil es der heutigen Lebensrealität nicht entspricht.


Es gab ein weiteres Problem innerhalb der DDR auch für den Westen. Dadurch das man in der DDR sofort die DM wollte wurden andere Ostblockländer billiger. So hatte man, beispielsweise in der DDR nicht nur relativ marode Kugellagerindustrie, so waren Produktionsstätten wie in Ungarn oder Rumänien plötzlich auch noch wesentlich billiger. Dies spürte auch FAG die Kugellagerfabriken in der DDR aufkaufte und daran fast Pleite ging und am Standort in Schweinfurt von 11 000 Arbeitsplätzen über 6000 verlor. Dazu hatten ehemalige Absatzmärkte im Osten selbst kein Geld und brachen ein.
Aber immer wieder erstaunlich, dass man glaubt mit einer AfD alles zurückdrehen zu können. Es war die westliche Wirtschaft die überlegen war und nicht umgekehrt. Der AfD Glauben sich Putin zu unterwerfen und der kauft dann schon ist der Weg in den Untergang und nicht umgekehrt. Ebenfalls habe ich kein Bock auf russische Renten, hat die ehemalige DDR diesen?
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Orbiter1 » Mo 19. Mär 2018, 07:11

Weidel fordert ein Referendum über den Austritt Deutschlands aus der EU.

„Finanzminister Scholz für mehr Geld an EU: Ich fordere ein EU-Referendum in Deutschland!
Die Bürger sollten nun über den Dexit abstimmen können, statt dass immer mehr des von ihnen erwirtschafteten Geldes nach Brüssel transferiert wird.“

Gibt es denn niemanden in der AfD der zumindest einen Hauch von Ahnung über wirtschaftliche Zusammenhänge im Allgemeinen und die Vorteile eines gemeinsamen Marktes wie der EU (für so eine exportstarke Nation wie Deutschland) im Speziellen hat? Die Betriebs- und Volkswirtschafterin Weidel versteht davon offenbar nichts. Von den Nöten der Briten durch den Brexit hat sie offenbar auch noch nichts gehört.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Orbiter1 » Mo 19. Mär 2018, 07:21

Tomaner hat geschrieben:(19 Mar 2018, 05:30)

Ebenfalls habe ich kein Bock auf russische Renten, hat die ehemalige DDR diesen?

Soll das ein Witz sein? Zitat von der Seite der deutschen Rentenversicherung.

„Was für die Neuen Bundesländer gilt
Damit sich für Versicherte und Rentner aus den neuen Bundesländern aus den vergleichsweise niedrigen Arbeitsentgelten in der DDR und dem heute noch bestehenden Unterschied im Lohnniveau keine Nachteile bei der Rentenberechnung ergeben, werden dort die Entgelte auf "Westniveau" angehoben. Das heißt, Ihr Verdienst in den neuen Bundesländern oder in der DDR wird mit einem Umrechnungsfaktor erhöht. Dieser Faktor entspricht etwa dem Verhältnis West­Durchschnittsentgelt zu Ost­Durchschnittsentgelt und wurde für jedes Jahr einzeln festgelegt.“

Trotz aller Umbrüche. Niemand aus dem ehemaligen Ostblock ist so weich gefallen wie die Bürger aus den Neuen Bundesländern. Da wurden 3-stellige Mrd-Beträge mehr durch die Sozialkassen ausbezahlt, als in sie einbezahlt wurde.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 08:08

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Mar 2018, 07:11)

Weidel fordert ein Referendum über den Austritt Deutschlands aus der EU.

„Finanzminister Scholz für mehr Geld an EU: Ich fordere ein EU-Referendum in Deutschland!
Die Bürger sollten nun über den Dexit abstimmen können, statt dass immer mehr des von ihnen erwirtschafteten Geldes nach Brüssel transferiert wird.“

Gibt es denn niemanden in der AfD der zumindest einen Hauch von Ahnung über wirtschaftliche Zusammenhänge im Allgemeinen und die Vorteile eines gemeinsamen Marktes wie der EU (für so eine exportstarke Nation wie Deutschland) im Speziellen hat? Die Betriebs- und Volkswirtschafterin Weidel versteht davon offenbar nichts. Von den Nöten der Briten durch den Brexit hat sie offenbar auch noch nichts gehört.

Davon will sie nichts hören. Ihr Klientel sind die Abgehängten, die Schuldigen dafür stehen für sie ebenfalls fest. Diese Demagogin legt keinen Wert auf Fakten. Solche Leute leben von negativen Emotionen. Was später kommt, kann ja dann auch entsprechend erklärt werden. Schuldige findet man immer.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon zollagent » Mo 19. Mär 2018, 08:10

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Mar 2018, 07:21)

Soll das ein Witz sein? Zitat von der Seite der deutschen Rentenversicherung.

„Was für die Neuen Bundesländer gilt
Damit sich für Versicherte und Rentner aus den neuen Bundesländern aus den vergleichsweise niedrigen Arbeitsentgelten in der DDR und dem heute noch bestehenden Unterschied im Lohnniveau keine Nachteile bei der Rentenberechnung ergeben, werden dort die Entgelte auf "Westniveau" angehoben. Das heißt, Ihr Verdienst in den neuen Bundesländern oder in der DDR wird mit einem Umrechnungsfaktor erhöht. Dieser Faktor entspricht etwa dem Verhältnis West­Durchschnittsentgelt zu Ost­Durchschnittsentgelt und wurde für jedes Jahr einzeln festgelegt.“

Trotz aller Umbrüche. Niemand aus dem ehemaligen Ostblock ist so weich gefallen wie die Bürger aus den Neuen Bundesländern. Da wurden 3-stellige Mrd-Beträge mehr durch die Sozialkassen ausbezahlt, als in sie einbezahlt wurde.

Das aber hat Keiner dort bemerkt. Da hat der Knall gefehlt, mit dem Länder wie Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder auch Russland gefallen sind. DANN hätte man das sicher auch als Aufstieg verstanden.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Teekanne » Mo 19. Mär 2018, 08:20

zollagent hat geschrieben:(19 Mar 2018, 08:10)

Das aber hat Keiner dort bemerkt. Da hat der Knall gefehlt, mit dem Länder wie Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder auch Russland gefallen sind. DANN hätte man das sicher auch als Aufstieg verstanden.

Man will halt mehr und mehr. Genauso wie man sich einen Führer wie einen Putin wünscht aber man sich nicht diktieren lassen will. ;) Man möchte Hetzen ohne selbst aufs Korn genommen zu werden und sich als Elite der Welt aufspielen. Die einzigen Wahren. Nur etwas dafür tun will man nicht. Kein Wunder weiß keine Sau was mit einigen Vielen da drüben los ist.
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Re: Sammelstrang: Alternative für Deutschland (AfD)

Beitragvon Alexyessin » Mo 19. Mär 2018, 11:56

Mal wieder ein paar Nachrichten aus dem Verein "Jobangebote für Rechtsextremisten"

http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/1268012/
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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