Neue Partei "Alternative für Deutschland"

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Officer Barbrady
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Neue Partei "Alternative für Deutschland"

Beitragvon Officer Barbrady » Sa 2. Mär 2013, 18:58

Kritiker der Eurorettungspolitik bereiten nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Gründung einer Partei mit dem Namen „Alternative für Deutschland“ vor. Sie soll schon zur Bundestagswahl in diesem September antreten. [...]

Das Personal der Initiatoren und der Unterstützer spricht dafür, dass sie Chancen im bürgerlichen Milieu haben. Zu den Unterstützern gehören überproportional viele liberale und konservative Professoren, die Lehrstühle für Volkswirtschaft innehaben oder hatten. Darunter sind bekanntere Namen wie Stefan Homburg und Charles Blankart. Sie lehren in Hannover und Berlin öffentliche Finanzen. Dazu gesellen sich Joachim Starbatty, Wilhelm Hankel, Karl Albrecht Schachtschneider und Dieter Spethmann, die schon gemeinsam gegen die Griechenland-Hilfe vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hatten. Der bekannteste Name auf der Unterstützlerliste ist der des ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, der schon mit mehreren Parteigründungen in Zusammenhang gebracht wurde. [...]

Die neue Partei wendet sich gegen die Euroretter, bekennt sich aber uneingeschränkt zur friedlichen Einigung Europas. Zudem will man mit aller Macht Extremisten fernhalten und bejaht die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik. Den Publizisten Konrad Adam treibt nach eigenen Worten die Sorge um die Demokratie in Deutschland. Die europäische Einigungspolitik, wie sie von allen im Bundestag vertretenen Parteien betrieben oder gebilligt werde, dürfte die erste Grundsatzfrage sein, bei der eine im Volk weit verbreitete Stimmung im Parlament keine Resonanz mehr findet. [...]

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/alternative-fuer-deutschland-die-neue-anti-euro-partei-12100436.html


Was meint ihr, hätte diese Partei Chancen, in den nächsten Deutschen Bundestag gewählt zu werden?
Zuletzt geändert von Kopernikus am So 17. Mär 2013, 22:09, insgesamt 1-mal geändert.
Leute, hört auf das, was der kleine grüne Mann euch sagt!

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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » Sa 2. Mär 2013, 19:06

Ein bisschen Mitleid habe ich mit einigen davon schon. Seit etlichen Jahren machen sie nichts als sich ihrem Kampf gegen Europa zu widmen, aber werden von der Realität tagtäglich eines Besseren belehrt. Würde mich wundern, wenn die genug Aufmerksamkeit kriegen. Henkel scheint's wohl nicht mehr bei den Freien Wählern zu gefallen, wo er zumindest auf vorhandene Strukturen zurückgreifen könnte. Andere Punkte, z.B. um homophobe CDU-Wähler zu gewinnen, scheinen die wohl nicht zu haben.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon tricky1 » Sa 2. Mär 2013, 19:10

Viel zu früh, um bei den Bundestagswahlen irgendeine größere rolle zu spielen, es sei den die Bild und ähnlich viel gelesenen Zeitungen, als auch viel geschauten TV-Sender geben ihnen die nötige Werbung.

Edit: Wo kämpfen die bitte gegen Europa frems, sie sind Kritiker der betriebenen Politik und nicht Gegner von Europa.
Zuletzt geändert von tricky1 am Sa 2. Mär 2013, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Dampflok » Sa 2. Mär 2013, 19:18

Officer Barbrady » Sa 2. Mär 2013, 18:58 hat geschrieben:
Was meint ihr, hätte diese Partei Chancen, in den nächsten Deutschen Bundestag gewählt zu werden?


Nein, weil sich a) unter den Hochkarätern wohl Hahnenkämpfe um die Rangfolge ergeben würden die kostbare Zeit rauben,

b) weil mir die angesprochene Klientel zu klein scheint. Leider hat man das Volk zu derartigen Händeaufhaltern dressiert, daß inzwischen immer der gewinnt, der am Meisten Bonbons verspricht (und dann dadurch die meisten Schulden hinterläßt). Sogar die Nummer mit dem Geld fürs Nichtstun (Piraten) verfängt ja schon.

und viel schlimmer c)
weil die Medien - wie in anderen Fällen - sie in der Berichterstattung ignorieren würden.

Da müßte schon Geld in die Hand genommen werden um unabängig zu werben, zudem bräuchte man Anreize fürs gemeine Volk sie zu Wählen, z.B. Volksabstimmungen und GEZ-Abschaffung, also Konkret nach der Wahl als Koalitionspartner Erfüllbares statt blumiger Worte, was man denn täte wenn man Alleinherrscher wäre.


Zuletzt geändert von Dampflok am Sa 2. Mär 2013, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » Sa 2. Mär 2013, 19:19

tricky1 » Sa 2. Mär 2013, 19:10 hat geschrieben:Edit: Wo kämpfen die bitte gegen Europa frems, sie sind Kritiker der betriebenen Politik und nicht Gegner von Europa.

Das war natürlich rhetorisch überspitzt. Sie wollen die europäische Integration stoppen und zurückkurbeln. Sicherlich werden sie sich mit ihrer angestrebten Renationalisierung auch als "Freunde Europas" bezeichnen, aber das tut ja jeder, unabhängig seiner Ansichten und Ziele.

Jedenfalls würde ich ihnen empfehlen, gegen Homo-Ehe, Rundfunkbeiträge und Tempolimits einzutreten, wenn sie Wahlkampfkosten zurückerstattet haben wollen. Ist ja etwas knapp, wenn sie im April erst ein Grundsatzprogramm aufstellen und voraussichtlich im September die Wahlen sind.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon John Galt » Sa 2. Mär 2013, 19:28

frems » Sa 2. Mär 2013, 19:06 hat geschrieben:Ein bisschen Mitleid habe ich mit einigen davon schon. Seit etlichen Jahren machen sie nichts als sich ihrem Kampf gegen Europa zu widmen, aber werden von der Realität tagtäglich eines Besseren belehrt. Würde mich wundern, wenn die genug Aufmerksamkeit kriegen. Henkel scheint's wohl nicht mehr bei den Freien Wählern zu gefallen, wo er zumindest auf vorhandene Strukturen zurückgreifen könnte. Andere Punkte, z.B. um homophobe CDU-Wähler zu gewinnen, scheinen die wohl nicht zu haben.


Deutschland hat sich nicht auf die EU festgenagelt, wenn die Leute raus wollen, dann wollen sie raus. Das ist schon eine Alternative, wir sind ja nicht alternativlos Genosse. Immerhin werden die Euroskeptiker nicht komplett vom rechten Rand und von Clowns aka Piraten gefischt.

Nicht jeder will den EU-Sozialismus von Peerlusconi unterstützen Genosse.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » Sa 2. Mär 2013, 19:30

John Galt » Sa 2. Mär 2013, 19:28 hat geschrieben:
Deutschland hat sich nicht auf die EU festgenagelt, wenn die Leute raus wollen, dann wollen sie raus. Das ist schon eine Alternative, wir sind ja nicht alternativlos Genosse. Immerhin werden die Euroskeptiker nicht komplett vom rechten Rand und von Clowns aka Piraten gefischt.

Nicht jeder will den EU-Sozialismus von Peerlusconi unterstützen Genosse.

Mal ist es Sozialismus, dann wieder neoliberaler Raubtierkapitalismus. Irgendwas ist halt immer. Ich hab der Partei ja nicht ihre Daseinsberechtigung abgesprochen. Ich habe lediglich gesagt, daß ich mir nicht zu viel von denen versprechen würde. Vielleicht macht Prof. Unsinn ja auch noch mit. :p
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » Sa 2. Mär 2013, 23:05

Ach, da fällt mir ein, Schachtschneider, Starbatty usw. hatten schon vor etwa zwei Jahrzehnten eine Partei gegründet. Da wollten sie das Rad der Zeit auch zurückdrehen und legten eine Verfassungsklage nach der anderen vor. Ergebnis bekannt.

Der Vorläufer dieser Partei war die "Wahlalternative 2013". Ob's sinnvoll ist, wenn sich die Euro(pa)hasser in FW, PdV, DFP und nun AFD aufteilen (sowie teilweise in CSU, FDP und Linke verbleiben), nunja. :?
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Officer Barbrady » Sa 2. Mär 2013, 23:46

Führst Du hier einen Heiligen Krieg für den rechten Glauben oder was ?

Die Positionen der Alternative gehören mit zum Vernünftigsten was ich zu der Thematik je gelesen habe:

Seitens der Bundesregierung wird behauptet, ihre Euro-Rettungspolitik sei alternativlos und die Gegner ihrer Politik hätten kein Konzept.

Beides ist falsch. Wir stellen hier ein alternatives Konzept zur Bewältigung der Krise vor. Dieses unterscheidet sich in vier Kernpunkten von der Politik der Bundesregierung:

1. Es wird anerkannt, dass das einheitliche Währungsgebiet sich nicht bewährt hat. Austritte aus der Währungsunion oder die Einführung von Parallelwährungen zur Flexibilisierung der Währungspolitik werden ermöglicht.

2. Statt die Verschuldung der angeschlagenen Staaten durch weitere Kredite ständig zu erhöhen, werden die Staaten durch eine geordnete Staatsinsolvenz entschuldet. Dies ermöglicht ihnen einen wirtschaftlichen Neuanfang.

3. Die Verluste aus der Staatsinsolvenz tragen die privaten Gläubiger, die das Risiko eingegangen sind. Lediglich bei systemrelevanten Banken kommt es u. U. zu einer Auffanglösung mit Staatsbeteiligung.

4. Auch bei systemisch relevanten Finanzinstitutionen werden zunächst die Eigentümer und die Großgläubiger zur Rettung herangezogen. Eine Beteiligung des Staates erfolgt nur nachrangig, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Der Unterschied zur gegenwärtigen Politik besteht also darin, dass

a) die öffentliche Hand nicht alle Schulden fremder Staaten garantiert sondern grundsätzlich nur dann eingreift, wenn ein unmittelbares öffentliches Interesse besteht. Dies ist nur der Fall, wenn der Ausfall von Schulden zum Zusammenbruch eines großen Finanzinstituts führen und deshalb massiv Vermögen und Arbeitsplätze der Bürger der Eurozone bedrohen würde.

b) vorrangig die Privatgläubiger haften, die die Risiken eingegangen sind. Derzeit hingegen übernehmen die Steuerzahler alle Risiken und die Privatgläubiger müssen sich allenfalls im Ausnahmefall beteiligen.

Detailliertere Darstellung des Vorgehens:
Um die sog. Eurokrise zu verstehen, muss zwischen der Staatsschuldenkrise und der Leistungsbilanzkrise unterschieden werden.

Zur Lösung der Staatsschuldenkrise:

Die Staatsschuldenkrise ist über geordnete Staatsinsolvenzen zu lösen. "Geordnet" heißt, dass der Zusammenbruch der systemisch wichtigen Banken verhindert wird. (Zudem muss die Politik für die Zukunft das Krisenpotential von "systemisch relevanten Banken" entschärfen).

Es werden aber nur die systemisch wichtigen Banken gerettet, keine anderen Finanzinstitute und keineswegs ganze Staaten. Die Rettung der systemisch wichtigen Banken erfolgt so, dass erst die Eigentümer, dann die Privatgläubiger, dann der Sitzstaat und erst als ultima ratio die Staatengemeinschaft zur Kasse gebeten wird. Im Einzelnen:

1. Entschuldung der bankrotten Staaten durch Schuldenrestrukturierungen mit Barwertverzichten der Gläubiger oder durch expliziten Zahlungsausfall mit einem bestimmten Haircut.

2. Betroffene Privatgläubiger (Banken, Versicherungen, Hedgefonds etc.) tragen ihre Verluste selbst. Ausnahmen gibt es nur bei Finanzinstituten, die systemisch wichtig sind.

3. Systemisch wichtige Finanzinstitute werden rekapitalisiert. Die Rekapitalisierung speist sich (in dieser Reihenfolge)

a) aus dem Eigenkapital der Eigentümer bis zu dessen vollständigem Verzehr
b) aus den Forderungen der Bankgläubiger. (Auszunehmen sind der Geldmenge M3 zuzurechnende Guthaben von Nichtbanken (bis 100.000 €) und zahlungsverkehrsbezogene Kreditlinien im systemisch wichtigen Interbankenmarkt.) Als Instrument werden vor allem sog. debt-equity swaps eingesetzt, d. h. die Großgläubiger verzichten auf Forderungen und erhalten im Gegenzug Aktien der bei ihnen verschuldeten Banken.

4. Nur wenn die Rekapitalisierung aus 3. nicht ausreicht:

Teilverstaatlichung der Bank durch den Staat, dessen Aufsicht die Bank unterliegt. (Der Staat gewährt frisches Kapital für die Bank nur, wenn er im Gegenzug Miteigentümer im Werte seiner Kapitaleinlage wird).

5. Nur wenn der eigentlich für die Rekapitalisierung unter 4. zuständige Staat diese nicht finanzieren kann, ohne selbst insolvent zu werden:

Teilverstaatlichung der Bank durch die Staaten der Eurozone unter der Bedingung, dass sich der eigentlich zuständige Staat einem makroökonomischen Anpassungsprogramm unterwirft.

Grundsätzlich ist das Krisenpotential systemrelevanter Banken durch rechtzeitige Rekapitalisierung zu entschärfen, damit diese allein aus Ressourcen der Eigentümer und Privatgläubiger durchgeführt werden kann. Dafür bedarf es einer mit starken Durchgriffsrechten ausgestatteten Bankenaufsicht.

Diese Vorgehensweise entspricht den vom Plenum der Ökonomen erarbeiteten Vorschlägen, die in zwei Abstimmungen jeweils von der überwältigenden Mehrheit der Volkswirtschaftsprofessoren angenommen wurden. Siehe auch Hau und Lucke (2011).

http://www.wa2013.de/index.php?id=210
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http://m.youtube.com/watch?v=BQ4yd2W50No
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » So 3. Mär 2013, 00:07

Officer Barbrady hat geschrieben:Führst Du hier einen Heiligen Krieg für den rechten Glauben oder was ?

Die Positionen der Alternative gehören mit zum Vernünftigsten was ich zu der Thematik je gelesen habe:


Wähl sie doch. Hält Dich keiner von ab. :)
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon palulu » So 3. Mär 2013, 00:16

frems » So 3. Mär 2013, 00:07 hat geschrieben:Wähl sie doch. Hält Dich keiner von ab. :)


Mit Ausnahme der Vernunft. :)
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Kibuka » So 3. Mär 2013, 14:08

Officer Barbrady » Sa 2. Mär 2013, 23:46 hat geschrieben:Die Positionen der Alternative gehören mit zum Vernünftigsten was ich zu der Thematik je gelesen habe.


Welche Position klingt vernünftig?

Wenn ich den ersten Satz lesen, so kann ich gleich die erste falsche Prämisse lesen.

1. Es wird anerkannt, dass das einheitliche Währungsgebiet sich nicht bewährt hat.


Von wem wird das anerkannt und auf welcher Grundlage erfolgt diese Anerkennung?

2. Statt die Verschuldung der angeschlagenen Staaten durch weitere Kredite ständig zu erhöhen, werden die Staaten durch eine geordnete Staatsinsolvenz entschuldet. Dies ermöglicht ihnen einen wirtschaftlichen Neuanfang.


Das sagt sich leicht, aber um sämtliche verschuldeten Industriestaaten zu entschulden, müsste man sämtliche Vermögenden enteignen. Allein die italienische Staatsschuld beträgt über zwei Billionen Euro. Eine Staatsinsolvenz wäre für Deutschland und seine Sparer ein Totalverlust.

Und ich möchte dann sehen, wie Herr Schachtschneider dem Rentner oder Durchschnittsdeutschen erklärt, dass von seinen 20.000 Euro bei der Sparkasse nur noch 5.000 Euro übrig sind.

3. Die Verluste aus der Staatsinsolvenz tragen die privaten Gläubiger, die das Risiko eingegangen sind.


Das ist eben falsch! Die Verluste tragen im Moment die Steuerzahler, die indirekt über Landesbanken und EZB drinnen hängen und alle, die vom Finanzsystem abhängig sind. Das ist dein Nachbar und das bist auch du. Das ist praktisch jeder, der Lebensversicherungen, Sparvermögen etc. besitzt.

4. Auch bei systemisch relevanten Finanzinstitutionen werden zunächst die Eigentümer und die Großgläubiger zur Rettung herangezogen. Eine Beteiligung des Staates erfolgt nur nachrangig, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.


Diese Strategie ist vernünftig und nicht neu. Das Problem ist, man hat bisher keine Regularien geschaffen, um das immer zu 100% umsetzen zu können.

Aber bei Griechenland oder der HRE haben die Eigentümer und die Großgläubiger bezahlt. Bei der HRE sind die Aktienbesitzer leer ausgegangen, bei Griechenland mussten sie sich mit einem 50% Schuldenschnitt begnügen.

Richtig ist, bisher hat man Eigentümer und die Großgläubiger nur unzureichend an den Kosten beteiligt. Aber das hat diverse Gründe.


Zur Lösung der Staatsschuldenkrise:

Die Staatsschuldenkrise ist über geordnete Staatsinsolvenzen zu lösen. "Geordnet" heißt, dass der Zusammenbruch der systemisch wichtigen Banken verhindert wird. (Zudem muss die Politik für die Zukunft das Krisenpotential von "systemisch relevanten Banken" entschärfen).

Es werden aber nur die systemisch wichtigen Banken gerettet, keine anderen Finanzinstitute und keineswegs ganze Staaten. Die Rettung der systemisch wichtigen Banken erfolgt so, dass erst die Eigentümer, dann die Privatgläubiger, dann der Sitzstaat und erst als ultima ratio die Staatengemeinschaft zur Kasse gebeten wird.


Man ist schon lange auf dem Weg genau dorthin zu gelangen, siehe Basel III.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon John Galt » So 3. Mär 2013, 14:49

Kibuka » So 3. Mär 2013, 14:08 hat geschrieben:
Welche Position klingt vernünftig?

Wenn ich den ersten Satz lesen, so kann ich gleich die erste falsche Prämisse lesen.



Von wem wird das anerkannt und auf welcher Grundlage erfolgt diese Anerkennung?


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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Adler » So 3. Mär 2013, 15:01

John Galt » So 3. Mär 2013, 14:49 hat geschrieben:
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Kibuka » So 3. Mär 2013, 15:18

John Galt hat geschrieben:
Theorie der optimalen Währungsräume Genosse.


Die Theorie der optimalen Währungsräume stützt keine derartige Grundlage Genosse.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon John Galt » So 3. Mär 2013, 15:30

Kibuka » So 3. Mär 2013, 15:18 hat geschrieben:
Die Theorie der optimalen Währungsräume stützt keine derartige Grundlage Genosse.


Es kann sich auch ein Toastbrot als Zentralbankpräsident bewähren, das Ergebnis ist aber nicht optimal und somit für jeden rational denkenden Menschen ein Fall für den Abfalleimer.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Daniel1 » So 3. Mär 2013, 15:37

Ein bisschen Mitleid habe ich mit einigen davon schon. Seit etlichen Jahren machen sie nichts als sich ihrem Kampf gegen Europa zu widmen, aber werden von der Realität tagtäglich eines Besseren belehrt. Würde mich wundern, wenn die genug Aufmerksamkeit kriegen. Henkel scheint's wohl nicht mehr bei den Freien Wählern zu gefallen, wo er zumindest auf vorhandene Strukturen zurückgreifen könnte. Andere Punkte, z.B. um homophobe CDU-Wähler zu gewinnen, scheinen die wohl nicht zu haben.


Natürlich haben die Euro-Befürorter jetzt Angst, daß ihnen die Felle wegschwimmen. Lange haben sie von der Zersplitterung und Fragmentierung der euroskeptischen Parteienlandschaft mit Mini-Parteien und inneren Streitigkeiten profitiert. Damit ist jetzt aber Schluß, denn eine Bündelung und Zusammenfassung der demokratisch-euroskeptischen Kräfte Deutschlands ist dringend notwendig. Uns fehlt sozusagen eine "deutsche UKIP".
Die neue Partei braucht natürlich wichtige Wirtschafsexperten und da is Prof. Hankel genau der richtige. Er ist ein Mann vom Fach und zudem prinzipientreu, kämpfte er doch schon 1998 gegen die illegale Euro-Einführung ohne Referendum!


Auf zurück zu Gulden, Dukaten, Kreuzer, Heller, Taler, Mark und Franken!


Nein, zurück zu Gulden, Mark, Franc, Schilling und Peseta, hat ja alles super funktioniert. Genauso wie jetzt Franken, Krone und Zloty super funktionieren.
Wichtig ist es, daß die Partei die Ansätze der falschen Nord/Süd-Euro-Theorie überwindet und für die wirkliche Rückkehr zu den 17 eigenen Währungen kämpft. Deshalb sehe ich Hans Olaf Henkel auch sehr kritisch. Ich denke, Wilhelm Hankels Theorie ist da beliebter und wird sich durchsetzen: Die völlige Abwicklung des Euro und die Wiederenführung der 17 eigenen Währungen.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon Daniel1 » So 3. Mär 2013, 15:39

Kibuka » So 3. Mär 2013, 15:18 hat geschrieben:

Die Theorie der optimalen Währungsräume stützt keine derartige Grundlage Genosse.


Es kann sich auch ein Toastbrot als Zentralbankpräsident bewähren, das Ergebnis ist aber nicht optimal und somit für jeden rational denkenden Menschen ein Fall für den Abfalleimer.



Ein optimaler Währungsraum kann nur eine Nation sein mit eigenem Parlament und eigener Zentralbank. Deswegen führen Nord/Südeuro-Konzeptionen auch in die Irre.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon frems » So 3. Mär 2013, 16:16

Daniel1 » So 3. Mär 2013, 15:37 hat geschrieben:Die neue Partei braucht natürlich wichtige Wirtschafsexperten und da is Prof. Hankel genau der richtige. Er ist ein Mann vom Fach und zudem prinzipientreu, kämpfte er doch schon 1998 gegen die illegale Euro-Einführung ohne Referendum!

Nö, er zerstückelt das europafeindliche Lager nur noch ein bisschen weiter. Wie er auf die hanebüchene Idee kommt, daß sich die Freien Wähler auflösen und sich seiner Partei anschließen würden, weiß ich nicht. Die meisten Parteimitglieder kämpfen auch schon etwas länger gegen Europa:

Der Bund freier Bürger – Offensive für Deutschland (Kurzbezeichnung: BFB – Die Offensive) war eine Kleinpartei[1] in der Bundesrepublik Deutschland, die von 1994 bis 2000 existierte. Während sie sich selbst als „liberal-konservativ“ bezeichnete, wird sie in der Sozialwissenschaft meist als rechtspopulistisch beschrieben.

Die Partei entstand 1994 als ablehnende Reaktion auf den Vertrag von Maastricht; sie wurde als Bund freier Bürger (BFB) unter anderen von dem ehemaligen FDP-Politiker Manfred Brunner gegründet, dessen Verfassungsbeschwerde gegen den Maastrichter Vertrag beim Bundesverfassungsgericht, die zum Maastricht-Urteil führte, Ausgangspunkt für die Parteigründung war.

Zu weiteren prominenten Parteimitgliedern gehörten unter anderem Karl Albrecht Schachtschneider, der Brunners Verfassungsbeschwerde verfasste und Beschwerdebevollmächtigter war, Joachim Starbatty (Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft), Hans Heinrich Rupp, Franz Ulrich Willeke, Bernd-Thomas Ramb, Bruno Bandulet, Ralf Gutmann sowie die ehemaligen Diplomaten Erwin Wickert und Hans Schauer. In den zehn „Leitsätzen zur Erneuerung der Politik in Deutschland“ bekannten sich die Gründer zu einem „freien Deutschland in einem freiheitlichem Europa unter Wahrung der nationalen Identität“.[2]

Mit der Unterstützung von Jörg Haider und seiner Freiheitlichen Partei Österreichs trat der BFB im Juni 1994 zur Europawahl an. Dort erreichte er allerdings nur 1,1 Prozent. Die Zusammenarbeit Brunners mit Jörg Haider führte zu internen Konflikten, die zum Parteiaustritt zahlreicher prominenter Mitglieder führte. Die Partei gab sich im Februar 1995 den Namenszusatz „Die Freiheitlichen“.

...

Während die Partei sich anfangs als „liberal-konservativ“ einstufte, wird sie in der sozialwissenschaftlichen Debatte überwiegend als rechtspopulistisch eingestuft.[5] Später soll sie in das rechtsextremistische Spektrum abgedriftet sein.[6]

Auch in der Wissenschaft wurde die Entwicklung der Partei untersucht. Der Parteienforscher Frank Decker führte den BFB als Beispiel auf, dass „selbst gemäßigte Vertreter des Rechtspopulismus nicht davor gefeit sind, durch rechtsextreme Personen und Gruppen unterwandert zu werden, die auf diese Weise aus der politischen Isolierung hinaustreten wollen.“[12] Für den Politikwissenschaftler Lars Rensmann war der BFB eine „rechtsextreme Splittergruppe“. Der BFB hatte unter dem Motto „Deutsche wollt ihr ewig zahlen“ gegen das Holocaust-Mahnmal in Berlin scharf protestiert, welches ihrer Ansicht nach auf den „Machtanspruch jüdischer US-Organisationen“ zurückginge.[13]

http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_freie ... eutschland

Wilhelm Hankel vertrat seine Ansichten unter anderem in der national-konservativen Jungen Freiheit, der rechtsextremen National-Zeitung[7] und der Neuen Solidarität.[8] Hankel rechtfertigte dies damit, dass er von anderen Medien ignoriert wurde.[9][10]

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Hankel#Kritik

Fürderhin hat Hankel 1997 mit Starbatty, Nölling und Schachtschneider Klage gegen den Vertrag von Amsterdam eingereicht. Da scheiterten sie natürlich wie bei ihren anderen Klagen auch. Wenn sie es nun schon wieder auf der politischen Ebene versuchen wollen, sollen sie's mal machen. Zur BT-Wahl wird sie wohl voraussichtlich gar nicht mehr antreten. Bleibt die Europawahl 2014. Was sie dort erreichen wollen, keine Ahnung, man wird's sehen -- sofern sich die Partei nicht vorher schon wieder auflöst.
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Re: Neue Partei "Alternative für Deutschland" in Gründung

Beitragvon John Galt » So 3. Mär 2013, 16:21

Daniel1 » So 3. Mär 2013, 15:39 hat geschrieben:
Ein optimaler Währungsraum kann nur eine Nation sein mit eigenem Parlament und eigener Zentralbank. Deswegen führen Nord/Südeuro-Konzeptionen auch in die Irre.


Nicht einmal Nationen bilden einen optimalen Währungsraum.

Es ist natürlich schwierig, einen optimalen Währungsraum zu definieren, komplett optimal wird man es sicherlich nie hinbekommen. Die Politiker machen es sich mit einem aber immer gerne sehr einfach.

Manche Regionen in Spanien würden in eine DM besser reinpassen, als Ostdeutschland. Ähnliche problemhafte Währungsräume findest du in den USA, Italien (Mezzogiorno), etc.
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