Verbot von Atomwaffen?

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King Kong 2006
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Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 27. Sep 2017, 19:47

Uno-Plan zum Verbot von Kernwaffen

Die Ächtung der Atombombe

Die Mehrheit der Staaten in der Uno will ein Verbot nuklearer Waffen beschließen, gegen den Widerstand der USA und der anderen Atommächte. Das ist heikel.


Mit der Atombombe ist es wie mit vielen Dingen: Wer sie einmal hat, will sie nicht mehr hergeben. Seit sieben Jahrzehnten ist sie das eisige Herz unserer Weltordnung. Deshalb sitzen die fünf ersten Atomwaffenstaaten als ständige Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat und haben ein Vetorecht.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat das verstanden. Dass er einen Angriff plant, gilt als wenig wahrscheinlich. Aber er benutzt die furchtbare Waffe als seine Lebensversicherung. Solange alle anderen Atomstaaten an ihrem Arsenal festhalten, gibt es für ihn keinen Grund, seine nukleare Aufrüstung zu stoppen. Wenn es überhaupt eine Chance gibt, die nordkoreanische Maschinerie anzuhalten, dann in einer Kombination aus wirtschaftlichem Druck und Diplomatie. Die allgemeine Ächtung der Bombe könnte dabei hilfreich sein: Eine illegitime Waffe stünde auf einer Stufe mit Giftgas oder Anthrax.

Schwierige Position für Deutschland

Die Deutschen stecken in einem Dilemma. Die noch amtierende Bundesregierung hat sich dazu verpflichtet, "die Bedingungen für eine Welt ohne Kernwaffen zu schaffen". Andererseits steht das Land unter dem nuklearen Schutzschirm der USA. Das deutsche Dilemma verkörpert niemand besser als Sigmar Gabriel. Der SPD-Außenminister kann leidenschaftlich darüber sprechen, dass Deutschland "die Stimme der Rüstungskontrolle und der Abrüstung" sein müsse. Das ist der eine, der laute Gabriel. Der leise Gabriel aber weiß, wie er sich mit den nuklearen Interessen arrangiert. Das Atomwaffenverbot lehnt er ab: Nur "ein schrittweiser Ansatz" könne die Welt sicherer machen.


Solche Initiativen müssen nicht bei null anfangen. Seit 1970 ist der Atomwaffensperrvertrag in Kraft, auch die etablierten Atommächte sind dabei. Der Kern des Vertrags ist ein schlichter Deal: Alle Länder, die keine Atombombe besitzen, sagen zu, dass es dabei bleibt. Im Gegenzug versprechen die Länder, die Nuklearwaffen haben, dass sie "in redlicher Absicht über vollständige Abrüstung" verhandeln werden. Weil von dieser "redlichen Absicht" wenig zu sehen ist, haben sich 122 Uno-Länder zusammengetan, um die Bombe zu verbieten. Die Welt wird dadurch nicht morgen besser, aber vielleicht übermorgen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 70022.html


Das wird wohl schwerlich durchzusetzen sein. Ich sehe eine vollständige Abrüstung, wie es der Atomwaffensperrvertrag eigentlich ermöglichen sollte, in völliger Ferne. Daran ändert auch nichts die Abrüstung von Sprengköpfen. Dafür werden sie zerstörerischer, zuverlässiger. Auch die Trägersysteme.

Auch wird die "break-out-capability" ein großes Problem sein. Staaten wie Japan, Deutschland, Iran, Brasilien, Niederlande oder Südkorea können "in Monaten" theoretisch Kernwaffen produzieren. Sprich alle Staaten die sich in der Reichweite z.B. von dem Besitz und Beherrschung von Brennstoffkreislaufen befinden. Ein Staat, der dies nicht hat, warum auch immer, weil es zu teuer ist, zu komplex oder die Staatsräson es nicht hergibt, könnte sich somit plötzlich im Ernstfall mit einer aus dem Stand atomar bewaffneten Macht gegenübersehen. Wie sollten auch Staaten wie die USA ernsthaft bestraft werden, wenn sie ein solches Abkommen brechen sollten? Um sicher zu gehen, daß ein Staat auch nicht in der Nähe einer Kernwaffe ist, müßte man ganze Industrie- und Technologiesparten verbieten. Das wäre ein massiver Eingriff in die souveränen Rechte.

Man kann die 122 Uno-Länder allerdings schon verstehen, daß diese langsam abgenervt sind von dem "Establishment". Das gibt es nicht nur im Wahlverhalten eines Bürgers. Es ist kein Zufall, daß die fünf ständigen Uno-Mitgliedsländer alle ganz zufällig ein Vetorecht und zufällig Atomwaffen haben...
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 27. Sep 2017, 21:50

Ein - durchaus begrüßenswertes - Verbot von Kernwaffen würde aber auch die Gefahr konventioneller Kriege erhöhen. Man stelle sich vor Russland hätte ohne Kernwaffen die Krim annektiert, dann wäre die militärische Lösung, die Krim zurück zu erobern, eine mehr als nur theoretische Option gewesen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 28. Sep 2017, 12:38

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Sep 2017, 22:50)

Ein - durchaus begrüßenswertes - Verbot von Kernwaffen würde aber auch die Gefahr konventioneller Kriege erhöhen. Man stelle sich vor Russland hätte ohne Kernwaffen die Krim annektiert, dann wäre die militärische Lösung, die Krim zurück zu erobern, eine mehr als nur theoretische Option gewesen.


Es mag durchaus sein. Das wäre die These, daß Nuklearwaffen abschreckend wirken. Pakistan und Indien z.B. haben in der Zeit, als beide keine bzw. nur eine Seite Kernwaffen besaß mehrere konventionelle Kriege geführt. Auch Indien und China. Seitdem alle Parteien über ein Kernwaffenarsenal verfügen gibt es zwar noch Spannungen und sowas wie Scharmützel, aber keinen großen konventionellen Krieg mehr.

Nach dieser Logik, wie im Falle Russlands verfährt dann aber auch Nordkorea. Die Wahrscheinlichkeit eines konventionellen Krieges, der menschlich, sicherheitspolitisch und ökonomisch verheerend sein könnte, wird durch die Existenz nordkoreanischer Atomwaffen anteilig verhütet.
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am Do 28. Sep 2017, 13:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Boraiel » Do 28. Sep 2017, 12:47

King Kong 2006 hat geschrieben:(27 Sep 2017, 20:47)

Das wird wohl schwerlich durchzusetzen sein. Ich sehe eine vollständige Abrüstung, wie es der Atomwaffensperrvertrag eigentlich ermöglichen sollte, in völliger Ferne. Daran ändert auch nichts die Abrüstung von Sprengköpfen. Dafür werden sie zerstörerischer, zuverlässiger. Auch die Trägersysteme.

Auch wird die "break-out-capability" ein großes Problem sein. Staaten wie Japan, Deutschland, Iran, Brasilien, Niederlande oder Südkorea können "in Monaten" theoretisch Kernwaffen produzieren. Sprich alle Staaten die sich in der Reichweite z.B. von dem Besitz und Beherrschung von Brennstoffkreislaufen befinden. Ein Staat, der dies nicht hat, warum auch immer, weil es zu teuer ist, zu komplex oder die Staatsräson es nicht hergibt, könnte sich somit plötzlich im Ernstfall mit einer aus dem Stand atomar bewaffneten Macht gegenübersehen. Wie sollten auch Staaten wie die USA ernsthaft bestraft werden, wenn sie ein solches Abkommen brechen sollten? Um sicher zu gehen, daß ein Staat auch nicht in der Nähe einer Kernwaffe ist, müßte man ganze Industrie- und Technologiesparten verbieten. Das wäre ein massiver Eingriff in die souveränen Rechte.

Man kann die 122 Uno-Länder allerdings schon verstehen, daß diese langsam abgenervt sind von dem "Establishment". Das gibt es nicht nur im Wahlverhalten eines Bürgers. Es ist kein Zufall, daß die fünf ständigen Uno-Mitgliedsländer alle ganz zufällig ein Vetorecht und zufällig Atomwaffen haben...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzige Atommächte jemals auf alle ihre Kernwaffen verzichten. Es widerspricht einfachen logischen Überlegungen. Diese Technologie ist möglich und wenn man selber darauf verzichtet, dann kann immer ein Bad guy solche im stillen Kämmerlein entwickeln und man hat plötzlich eine existenzielle Krise. Zudem würde ich die friedensbefördernde Wirkung von Kernwaffen ebenso sehen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon pikant » Do 28. Sep 2017, 12:49

ich bin fuer den weltweiten Verzicht auf Atomwaffen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 28. Sep 2017, 14:32

King Kong 2006 hat geschrieben:(28 Sep 2017, 13:38)

Nach dieser Logik, wie im Falle Russlands verfährt dann aber auch Nordkorea.

Mit dem Unterschied, dass keine Sau was von Nordkorea will, da gibt es nix, was einen potentiellen Angreifer reizen könnte. Wenn der kleine, komplett durchgeknallte Fettsack nicht immer so mit dem Säbel rasseln würde, dann würde sich rein niemand für das Land interessieren.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Cobra9 » Do 28. Sep 2017, 16:02

Es wird kein Staat mit solchen Waffen noch Bereitschaft zeigen diese aufzugeben. Warum ?

Beispiel Ukraine. Hatte starke Schutzversprechen und Russland brach die Abkommen. Eher ist eine Aufrüstung zu fürchten
Anton Tschechow

Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben übertreffen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 28. Sep 2017, 17:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(28 Sep 2017, 15:32)

Mit dem Unterschied, dass keine Sau was von Nordkorea will, da gibt es nix, was einen potentiellen Angreifer reizen könnte. Wenn der kleine, komplett durchgeknallte Fettsack nicht immer so mit dem Säbel rasseln würde, dann würde sich rein niemand für das Land interessieren.


Dennoch machen die Kernwaffen Nordkorea in Sachen Abschreckung eher weniger angreifbar. Bis dato hat noch kein Staat einen anderen atomar bewaffneten Staat angegriffen. Nichtstaatliche Akteure hält das natürlich nicht ab. Also Freiheitskämpfer, Guerilla oder Terrorgruppen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 28. Sep 2017, 17:39

King Kong 2006 hat geschrieben:(28 Sep 2017, 18:19)

Dennoch machen die Kernwaffen Nordkorea in Sachen Abschreckung eher weniger angreifbar.

Nordkorea muss niemand abschrecken, das Land ist an sich schon Abschreckung genug, niemand will Nordkorea angreifen, der Staat ist auf der Weltbühne eigentlich völlig irrelevant. Außerdem müsste mit dieser Begründung jedes Land Kernwaffen haben.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 28. Sep 2017, 20:46

Tom Bombadil hat geschrieben:(28 Sep 2017, 18:39)

Nordkorea muss niemand abschrecken, das Land ist an sich schon Abschreckung genug, niemand will Nordkorea angreifen, der Staat ist auf der Weltbühne eigentlich völlig irrelevant. Außerdem müsste mit dieser Begründung jedes Land Kernwaffen haben.


Also, Russlands Atomwaffen haben lt. deinen Ausführungen einen Krieg verhindert?
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 28. Sep 2017, 21:23

King Kong 2006 hat geschrieben:(28 Sep 2017, 21:46)

Also, Russlands Atomwaffen haben lt. deinen Ausführungen einen Krieg verhindert?

Nein, den Krieg hat Russland gegen die Ukraine begonnen, die Eskalation zu einem großen Krieg wurde durch die Kernwaffen aber sehr wohl verhindert.

Mal angenommen, Nordkorea hat tatsächlich Kernwaffen und Interkontinentalraketen entwickelt, was soll die Welt dann tun, wenn der fette Irre Seoul mit seiner Artillerie dem Boden gleich macht? Ob da China Peking, Russland Moskau und die USA Seattle oder LA riskiert?
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon unity in diversity » Fr 29. Sep 2017, 01:37

pikant hat geschrieben:(28 Sep 2017, 13:49)

ich bin fuer den weltweiten Verzicht auf Atomwaffen.

Das wäre die beste Lösung.
Wenn auch nur eine Kernwaffe eingesetzt wird und sei es nur als „Schuß vor den Bug“, sinkt weltweit die Hemmschwelle.
Der elitäre Club der großen 5 wäre unglaubwürdig und der Kernwaffensperrvertrag gescheitert.
Jedes Land, mit Potenzial, schraubt die an verschiedenen Orten gelagerten Einzelkomponenten zusammen und binnen 2 Tagen ist jedes Schwellenland und jedes Industrieland eine Atommacht.
Das kann keiner mehr kontrollieren.
Jede kriminelle Terrorbande bekommt problemlos Zugang zu solchen Waffen, weil alles käuflich ist, es kommt nur auf die Summe an.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 29. Sep 2017, 07:34

Tom Bombadil hat geschrieben:(28 Sep 2017, 22:23)

Nein, den Krieg hat Russland gegen die Ukraine begonnen, die Eskalation zu einem großen Krieg wurde durch die Kernwaffen aber sehr wohl verhindert.

Mal angenommen, Nordkorea hat tatsächlich Kernwaffen und Interkontinentalraketen entwickelt, was soll die Welt dann tun, wenn der fette Irre Seoul mit seiner Artillerie dem Boden gleich macht? Ob da China Peking, Russland Moskau und die USA Seattle oder LA riskiert?


Also haben die russischen Kernwaffen doch einen "großen Krieg" verhindert? Wie im Falle Pakistans/Indiens oder China/Indiens.

Wenn Nordkorea einen Krieg mit Südkorea beginnt, wird Südkorea und Allierte dem begegnen. Und am Ende werden Südkorea und die USA erheblich mehr Firepower aufbieten können als NK. Dann wird NK dem Erdboden - konventionell - gleichgemacht. Ich wüßte nicht, welchen Sinn das für NK hätte? Deshalb macht NK das auch nicht. Und wenn NK dann mit Kernwaffen droht - die USA haben ein paar mehr davon und bessere. Deshalb macht das auch keinen Sinn für NK und wird auch deshalb nicht gemacht. Das nennt man dann wohl Abschreckung.

Das ist keine Fiktion. NK hat seit bereits Kernwaffen. Das, was Staaten mit sagen wir globalen Anspruch jetzt an Schwierigkeiten haben ist die Zertrümmerung von Staaten im Rahmen der Durchsetzung ihrer Interessen. Pakistan, NK o.a. sind jetzt sogar "schützenswerte" Staaten geworden. Einen Zerfall, auch durch Krieg ausgelöst oder schwersten Sanktionen, würde das Waffenpotential und die Technologie freisetzen. Das ist ein fast besserer Schutz als die Kernwaffe selbst.

How the U.S. Has Secretly Backed Pakistan’s Nuclear Program From Day One

“If the worst, the unthinkable, were to happen,” Hillary Clinton recently told Fox News, “and this advancing Taliban encouraged and supported by Al Qaeda and other extremists were to essentially topple the government … then they would have keys to the nuclear arsenal of Pakistan.” Many will note that the extremists posing this unthinkable prospect were set up in business by the U.S. in the first place. Very well buried is the fact that the nuclear arsenal that must not be allowed to fall into the hands of our former allies has been itself the object of U.S. encouragement over the years and is to this very day in receipt of crucial U.S. financial assistance and technical support.


In other words, the U.S. is helping the Pakistanis to modernize their nuclear arsenal in hopes that the U.S. will thereby gain a measure of control. The official aim of U.S. technical support, at an estimated cost of $100 million a year, is to render the Pakistani weapons safer, i.e., less likely to go off if dropped, and more “secure”, meaning out of the reach of our old friends the extremists.

https://www.counterpunch.org/2009/06/24 ... m-day-one/


Im Falle NK´s ist es für die USA ärgerlich, daß sie Kernwaffen besitzen, weil sie damit "intakt" gehalten werden müssen. Wie Pakistan. Bei einem Zerfall ist das Risiko, daß Teile oder ganze Kernwaffen, Technologie dafür, Fachleute, verschwinden oder in Geld umgewandelt werden, auf dem Schwarzmarkt, einfach ein großes Risiko. Und wenn man NK oder Pakistan eben dann nicht mehr robust anfassen kann, dann ist dieser Faktor ein größerer Schutz als die Kernwaffe selbst. Nicht primär als Pilz über Washington. Dieser Mechanismus war auch beim Iran zu beobachten. Es gab Phasen da hat der Iran nach Drohungen durch die Bush-Administration jedesmal neue Nuklearprojekte angekündigt. Viele dachten, das würde doch erstrecht Bush motivieren jetzt anzugreifen. Völlig falsch. Das erhöhte das Risiko für die Bush-Administration. Umso mehr Nukleartechnologie und Anlagen der Iran hat, desto gefährlicher wäre ein US-Angriff geworden. Wie der ehemalige UN-Generalsekretär El Baradai in dem Kontext bemerkte, wuchs dadurch das iranische Programm erheblich.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 2. Okt 2017, 10:22

King Kong 2006 hat geschrieben:(29 Sep 2017, 08:34)

Also haben die russischen Kernwaffen doch einen "großen Krieg" verhindert?

Hatte ich doch geschrieben. Ohne Kernwaffen hätte sich Putin aber wohl auch nochmal überlegt, ob er die Krim von der Ukraine rauben würde.

Ich wüßte nicht, welchen Sinn das für NK hätte?

Kim könnte sich ob seiner Kernwaffen unangreifbar fühlen. Und würden die atomaren Supermächte wirklich Moskau, Peking und/oder Seattle/LA für Seoul opfern?

Das, was Staaten mit sagen wir globalen Anspruch jetzt an Schwierigkeiten haben ist die Zertrümmerung von Staaten im Rahmen der Durchsetzung ihrer Interessen.

Nochmal: kein Schwein würde sich für Nordkorea interessieren, wenn dort nicht an Kernwaffen gearbeitet würde.

Und wenn man NK [..] eben dann nicht mehr robust anfassen kann, dann ist dieser Faktor ein größerer Schutz als die Kernwaffe selbst. [..] Dieser Mechanismus war auch beim Iran zu beobachten.

Wären das nordkoreanische und iranische Regime friedliebend und würde der Iran nicht weltweit Terror finanzieren, bräuchten sie auch keinen Schutz gegen "robustes anfassen". Diese Staaten wollen aber keine friedliche Koexistenz, deswegen müssen sie sich auch mit der ultimativen Waffe schützen, damit sie niemand für ihre Untaten zur Verantwortung ziehen kann. Nur gut, dass Hitlerdeutschland es nicht geschafft hat, Kernwaffen zu entwickeln. "Welthauptstadt Germania" wäre wohl Wirklichkeit geworden.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 3. Okt 2017, 19:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Oct 2017, 11:22)

Hatte ich doch geschrieben. Ohne Kernwaffen hätte sich Putin aber wohl auch nochmal überlegt, ob er die Krim von der Ukraine rauben würde.


Kim könnte sich ob seiner Kernwaffen unangreifbar fühlen. Und würden die atomaren Supermächte wirklich Moskau, Peking und/oder Seattle/LA für Seoul opfern?


Nochmal: kein Schwein würde sich für Nordkorea interessieren, wenn dort nicht an Kernwaffen gearbeitet würde.


Wären das nordkoreanische und iranische Regime friedliebend und würde der Iran nicht weltweit Terror finanzieren, bräuchten sie auch keinen Schutz gegen "robustes anfassen". Diese Staaten wollen aber keine friedliche Koexistenz, deswegen müssen sie sich auch mit der ultimativen Waffe schützen, damit sie niemand für ihre Untaten zur Verantwortung ziehen kann. Nur gut, dass Hitlerdeutschland es nicht geschafft hat, Kernwaffen zu entwickeln. "Welthauptstadt Germania" wäre wohl Wirklichkeit geworden.


Also, das Hitler wieder bemüht werden muß, macht die Diskussion nicht gehaltvoller. Übrigens hat sogar Hitler keine Massenvernichtungswaffen eingesetzt. Er wußte, was dann zurückkommt. Er hätte es ohne Zweifel tun können. Noch massiver als im WWI.

Der Iran ist mit Massenvernichtungswaffen angegriffen worden. Er konnte seinerzeit nicht kontern. Das lud dazu ein. Das auch der Westen Saddam dabei unterstützt hat, hat den Iran durchaus bestärkt sich gegen robustes Eingreiffen zu wappnen. Das will keiner mehr im Iran nochmal erleben.

Du glaubst doch nicht wirklich, daß man Nordkorea militärisch überall herumschiessen und einmarschieren lässt, weil man Angst hat sich mit Kim anzulegen? Meinst du die US-Truppen in Südkorea ergeben sich vor Schreck und lassen sich gefangen nehmen? Was macht es für einen Sinn, daß NK einen massiven Angriff auf Südkorea durchführt? Was soll das Ziel sein? Die Resonanz ergibt nur Ärger. Eine gewagte These, daß NK Südkorea oder gar Japan beschiessen kann und alle rennen nur hilflos herum... Da kommt ein Echo zurück, da bleibt in NK kein Stein auf dem anderen. Die gegenseitige Abschreckung hält das in Schach.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 4. Okt 2017, 01:21

Abschreckung setzt rationale Staatenlenker voraus, da bin ich mir bei Trump, Kim und Chamenei nicht sicher.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 4. Okt 2017, 20:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(04 Oct 2017, 02:21)

Abschreckung setzt rationale Staatenlenker voraus, da bin ich mir bei Trump, Kim und Chamenei nicht sicher.


Über die Machtstrukturen von um und von Kim ist wohl zuwenig bekannt. Bei Trump scheinen einige Funktionsträger, wie z.B. die Militärs eine andere Haltung zu haben. Trump scheint durch diese checks und balances eingedämmt zu sein. Bis zu einem gewissen Grad. Im Iran sind durch verschiedenen Machtstrukturen eine gegenseitige Kontrolle da. "Einer alleine" kann praktisch nicht durchdrehen.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 9. Okt 2017, 20:19

Ich fände einen Verzicht der offiziellen und inoffiziellen. Kernwaffenstaaten sehr gut. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn USA, Israel, Frankreich, Iran usw diese Bomben nicht hätten. Jedoch kann man keinem Staat derzeit raten, am Atomwaffensperrvertrag weiter teilzunehmen. Mehr als ein Gründungsstaat hat dritte Parteien absichtlich mit Wissen und Material versorgt und damit die Zusagen des Vertrages unterlaufen. Wer ohne Bombe ist, werfe den ersten Stein.
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 9. Okt 2017, 21:00

King Kong 2006 hat geschrieben:(04 Oct 2017, 21:26)

"Einer alleine" kann praktisch nicht durchdrehen.

Also kann jeder Staat Kernwaffen haben, wenn er nur genügend Sicherungen einbaut? Oder auch nicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw ... sch_Petrow
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Re: Verbot von Atomwaffen?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 10. Okt 2017, 15:32

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Oct 2017, 22:00)

Also kann jeder Staat Kernwaffen haben, wenn er nur genügend Sicherungen einbaut? Oder auch nicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw ... sch_Petrow


Der Atomwaffensperrvertrag sollte das eigentlich regeln. Ansonsten ist natürlich zu wünschen, daß Staaten, die über große militärische Zerstörungskraft verfügen, oder potentiell (!) natürlich eine klare, sichere Kommandostruktur haben.
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